Racing Love – Auf der Zielgeraden ins Glück

Stuttgart, Mai 2018. Autorin Bettina Kiraly brennt für das Schreiben: „Es ist mehr als ein Zeitvertreib. Es ist meine Berufung. Es ermöglicht eine neue Sicht auf Dinge. Ich kann mich in Personen verwandeln, die ganz anders, tapferer, wütender, stärker, magischer sind, als ich selbst es bin.“ So beschloss sie nach ihrem ersten, faszinierenden Formel-1-Zuschauererlebnis 2014 in Spielberg, Österreich, der Königsklasse des Motorsports eine ganz eigene Reihe zu widmen. Racing Love ist so etwas wie eine Liebeserklärung an die sportlichen, risikobereiten Fahrer, die technisch (fast) vollkommenen Autos, den Erfolg, die Dynamik und die Teams, die dahinterstecken. Kein Wunder, dass die Liebesgeschichten in der Racing Love-Reihe alle auch ein wenig rasanter und turbulenter sind …

Und darum geht es in dem neuen dritten Band Auf der Zielgeraden ins Glück: Marc, der schwarzhaarige Formel 1-Fahrer bei Amber Heart Racing, liebt das Risiko. Auch abseits der Rennbahn sucht er ständig nach dem nächsten Kick und stürzt sich in immer neue Affären. Doch um die selbstbewusste Elaisa, die es liebt, Menschen vor den Kopf zu stoßen, macht er lieber einen großen Bogen. Doch das ist gar nicht so einfach, schließlich ist das wilde Partygirl die Tochter seines Chefs. Als sich ausgerechnet zwischen Marc und Elaisa eine Liaison entspinnt und die beiden prompt im Bett landen, sind die Probleme vorprogrammmiert: Welches dunkle Geheimnis lässt Marc immer wieder das Risiko suchen? Und verbirgt sich hinter Elaisas glitzernder Partygirl-Fassade etwas anderes? Um die Liebe siegen zu lassen, müssen die beiden sich ihre wahren Gefühle eingestehen …

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Bettina Kiraly – Auf der Zielgeraden ins Glück

Heiße Lovestory mit großen Gefühlen – um die Liebe siegen zu lassen, müssen sich die beiden Protagonisten der neuen Sports-Romance-Reihe Racing Love ihre wahren Gefühle eingestehen … Auf der Zielgeraden ins Glück erscheint im Mai bei dp DIGITAL PUBLISHERS. 

Racing Love – Boxenstopp für einen Kuss

Stuttgart, Februar 2018.  Als die Autorin Bettina Kiraly 2014 in Spielberg das erste Formel-1-Rennen in Österreich erlebt, ist sie begeistert von der Perfektion und Kontrolle: Die Königsklasse des Motorsports verkörpert mit ihren sportlichen, risikobereiten Fahrern und den technisch (fast) vollkommenen Autos Erfolg, Dynamik und Zuverlässigkeit. Auf der Suche nach einer Idee für ihre neue Sports-Romance-Reihe, gaben die Erinnerungen an dieses Erlebnis den Ausschlag für ihre Entscheidung, die Reihe im Rennzirkus spielen zu lassen. So sind denn in der Reihe Racing Love die Liebesgeschichten auch ein wenig rasanter und turbulenter.

In Boxenstopp für einen Kuss geht es um Thimo – Mechaniker bei Amber Heart Racing – der seit Jahren unsterblich in Greta verliebt ist. Die selbstbewusste Greta wünscht sich dagegen nichts sehnlicher, als aus ihrer losen Affäre mit Marc mehr werden zu lassen. Dumm nur, dass Marc Thimos Bruder ist und Greta sich ausgerechnet bei Thimo Rat holen will. Es kommt wie es kommen muss: Thimo gesteht ihr seine Gefühle und setzt damit die Freundschaft zu Greta und die Beziehung zu seinem Bruder aufs Spiel. Doch was passiert, wenn die Anziehungskraft zwischen Thimo und Greta gar nicht so einseitig ist, wie es erst den Anschein hat?

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Bettina Kiraly – Boxenstopp für einen Kuss

Mit Herz und Happy-End: Die Protagonisten des zweiten Bandes der neuen Sports-Romance-Reihe Racing Love starten in eine turbulente Dreiecksgeschichte. Boxenstopp für einen Kuss erscheint bei dp DIGITAL PUBLISHERS im Februar.

Racing Love – Auf der Zielgeraden ins Glück

Kapitel 1

Samstag, 14. Oktober 2017

„Wenn du mich noch einmal in so eine peinliche Situation bringst, leg ich dich übers Knie und versohle dir den Hintern.“ Marc zischte das Versprechen über seine Schulter der jungen Frau zu, die hinter ihm in Deckung gegangen war. Für den Ärger, den sie verursacht hatte, hätte sie noch Schlimmeres verdient.

„Oh, damit forderst du mich nur heraus.“ Sie schmiegte ihre Kurven an seinen Rücken und beugte sich zu seinem Ohr. „Ich bin ein böses Mädchen gewesen. Willst du mich bestrafen?“

Er wurde von ihrer Nähe peinlicherweise aus dem Konzept gebracht. Trotzdem bekam er genug mit, um den Angriff zu bemerken. Einer der drei Kerle stürmte auf ihn zu. Marcs gezielter Kinnhaken schickte ihn zu Boden, wo er gleich lallend liegen blieb. Die beiden anderen Betrunkenen, die er daran gehindert hatte, Elaisa zu belästigen, wichen vor Marc zurück. Anscheinend war ihnen klar, dass sie in ihrem Zustand keine Chance gegen ihn hatten.

„Schlimm genug, dass ihr euch betrunken vor einer Frau danebenbenehmt“, schimpfte Marc. „Aber euch gleich zu dritt auf sie zu stürzen, sodass sie keine Chance hat, vor euch zu flüchten? Schämt euch!“

Die drei Männer wirkten nicht schuldbewusst. Anscheinend waren sie immer noch der Meinung, Elaisa wäre auf der Suche nach Abenteuer gewesen. Vermutlich dachten sie, die junge Frau hätte es darauf angelegt. Marc fragte sich ebenfalls, was sie in dieser heruntergekommenen Sportsbar zu suchen hatte. In ihrem knappen Outfit zog sie jede Menge Aufmerksamkeit auf sich.

„Wie kräftig du bist! Da werde ich ganz schwach“, murmelte Elaisa in sein Ohr.

Er unterdrückte ein Seufzen und wandte sich halb zu ihr um. „Nicht der richtige Zeitpunkt.“

„Lenke ich dich etwa ab?“

„Ich stehe nicht auf billige Betthäschen. Du machst es mir zu leicht.“

Nun, das stimmte zumindest in den letzten Wochen nicht mehr. Unnötigerweise hatte Marc Greta damals versprochen, sich von anderen Frauen fernzuhalten. Doch davor wäre er bestimmt auf dieses Spielchen eingestiegen. Er hätte ihre Situation für sein Vergnügen schamlos ausgenutzt. Jetzt allerdings fragte er sich lediglich, wie er ihr rasch helfen konnte. Ganz offensichtlich wurde er langsam weich. Er schüttelte sie ab.

„Aber sonst ist noch alles intakt in deinem Hinterstübchen?“, fragte Elaisa und stemmte die Hände in die Hüften. Dass sie sich in dem engen Fetzen, der sich nicht Kleid nennen durfte, überhaupt bewegen konnte, war ein Wunder. Ihre braunen Augen blitzten und sie warf ihre lange, dunkelbraune Mähne mit einer wütenden Kopfbewegung nach hinten. Kaum war sie gerettet, fand sie zu ihrer Kratzbürstigkeit zurück. „Jemandem wie mir bist du gar nicht gewachsen.“

„Ich nehme es gerne mit dir auf“, verkündete der Kerl, der die junge Frau zusammen mit seinen beiden Freunden belästigt hatte.

„Habt ihr immer noch nicht genug?“, blaffte Marc die beiden Männer an.

Die Kerle wirkten, als wollten sie sich mit Marc anlegen. Der Mann, den Marc auf die Bretter geschickt hatte, kam taumelnd auf die Füße, sodass seine Freunde ihn stützen mussten. Ihre Augen funkelten angriffslustig. Die Hände hatten sie zu Fäusten geballt. Doch dann glitt ein überraschter Ausdruck über das Gesicht des einen Typen. Ganz offensichtlich hatte er Marc erkannt.

Verdammt! Marc beschloss, sich aus dem Staub zu machen, als sein Gegner in seiner Hosentasche nach seinem Handy fischte. Hastig zog Marc sich sein Basecap tiefer ins Gesicht. Er hasste es, wenn Bilder von ihm im Internet auftauchten. Zumindest wenn er in den dazugehörigen Berichten nicht gut wegkam. Vielleicht hatte er Glück und er war im Dämmerlicht der Bar nicht zu erkennen.

„Du musst dich entscheiden. Auf der Stelle!“, befahl Marc in Elaisas Richtung. „Entweder du verschwindest jetzt gleich mit mir oder du setzt dich alleine mit den betrunkenen Kerlen auseinander. Ich bin in drei Sekunden hier raus.“

„Die Gesellschaft in diesem Laden ist nicht nach meinem Geschmack“, erklärte sie und hängte sich bei ihm unter. Elaisas Stimme klang überheblich. Die Angst war fast nicht herauszuhören. Taffes Mädchen.

„Schönen Abend noch, Jungs.“ Mit wehmütigem Seufzen sah Marc zu dem halbleeren Glas Bier, das er am Tresen zurückgelassen hatte. Die Frau daneben, die kurz davor gewesen war, sich von ihm abschleppen zu lassen, wirkte nicht, als hielte sie ihn für einen Helden. Vielleicht störte sie die Art und Weise, in der Elaisa sich enger an seine Seite schmiegte.

Wäre dieser unausstehliche Wildfang nicht zufälligerweise die Tochter seines Chefs, hätte er sie jetzt einfach stehen lassen. Hatte er nicht bereits genug gelitten, als einer dieser verdammten Betrunkenen seinen ersten und einzigen Treffer an Marcs Kinn gelandet hatte? Wenigstens hatte Marc sein Gesicht wahren können, als er den anderen ein paar Sekunden später auf den Boden geschickt hatte.

„Bist du traurig, deine Freundin zurücklassen zu müssen, oder warum kannst du dich nicht von dem Laden trennen?“, fragte Elaisa. Sie grinste schadenfroh.

„Ich habe nur gerade überlegt, welchem der beiden Kerle ich dich überlasse.“ Er wandte sich ab und trat mit ihr im Schlepptau ins Freie. „Wo musst du hin?“

„Dorthin, wo du auch hingehst. Ich will nicht riskieren, dass die Kerle mich erwischen.“

„Dann lass uns die Straße runtergehen. Mal sehen, ob wir eine Bar finden. Meine schlechte Laune verlangt nach einem neuen Bier.“

Er lief einfach weiter. Als Elaisa ihm auf ihren hohen Schuhen nachtrippelte und sich schließlich bei ihm unterhängte, hob er eine Augenbraue.

Sie bemerkte seinen Blick. „Anders krieg` ich dich bestimmt nicht dazu, langsamer zu marschieren.“

Aus einem ersten Impuls heraus wollte er sich losreißen, doch dann drosselte er sein Tempo.

„Warum hast du dich mit den Typen angelegt?“

„Ich?!“ Ihre Stimme überschlug sich. „Die waren der Meinung, sie hätten eine Chance bei mir. Ich habe sie nicht aufgefordert, sich wie Höhlenmenschen auf die Brust zu trommeln, um zu zeigen, wie männlich sie sind. Die haben sich dämlich benommen.“

„Du solltest besser auf dich aufpassen. Das hätte ganz schön ins Auge gehen können.“

Sie streichelte mit der freien Hand über seinen Oberarm und schmiegte sich enger an ihn.

„Du hast mich doch gerettet. Was soll mir da schon passieren?“

„Dieses Mal war ich zufällig anwesend. Aber wenn du ständig in diesem Aufzug vor Fremden mit deinem Hintern wackelst, kann das auch mal schiefgehen.“

„Vielleicht schlage ich meinem Daddy vor, er soll dich zu meinem Bodyguard ernennen“, überlegte sie mit einem Lachen.

Diesen Vorschlag fand er gar nicht witzig. „Ich habe Besseres zu tun. Dein Vater bezahlt mich dafür, Rennen für sein Team zu gewinnen, falls dir das nicht klar sein sollte.“

„Na, dann wundert es mich, dass du noch nicht pleite bist.“

Sie ließ ihn los und lief weiter neben ihm her.

Ganz schön frech für jemanden, der ohne ihn immer noch von drei betrunkenen Männern belästigt werden würde. Oder Schlimmeres. Er beschloss, ihren beleidigenden Kommentar zu ignorieren.

„Ich meine es ernst. Wenn du Party machen willst, gibt es bessere, sicherere Orte.“

„Langweiligere. Benutz die richtigen Vokabeln.“ Sie schnaubte. „Diese Predigt muss ich mir sonst von meinem Vater anhören. Sie lässt dich furchtbar alt erscheinen. Dabei hattest du genau genommen genauso wenig in dieser Bar zu suchen wie ich. Warst du auf Ärger aus?“

Das kam der Sache ganz schön gefährlich nahe. Hätte er nicht zufällig die Frau an der Bar kennengelernt, wäre eine Prügelei genau das gewesen, was er gebraucht hätte.

„Darf ein Mann auf der Suche nach weiblicher Gesellschaft nicht machen, was er will?“

„Dann stimmt es wohl, dass du nicht mehr mit deiner Freundin zusammen bist.“

„Ich hatte keine Freundin“, blaffte er.

„Scheint dir zu schaffen zu machen, dass dein Bruder nicht so lange gezögert hat, sich Greta zu schnappen.“

Abrupt blieb er stehen. „Woher weißt du das?“

„Man tratscht über diese Sache und mir bleibt sowas natürlich nicht verborgen. Hast du vergessen, dass ich die Tochter des Teamchefs bin?“ Ihre Stimme klang amüsiert. Ob es ihr gefiel, ihn getroffen zu haben?

Er fixierte dieses seltsame Blau-Braun ihrer Augen, versuchte darin zu lesen. Aber aufgrund der vielen Schminke konnte er nicht mit Sicherheit sagen, was sie wirklich dachte. Bestimmt sah sie auch ohne diese Maskerade gut aus. Ob sie Kontaktlinsen trug, um diesen ständigen Wechsel ihrer Pupillen von Blau zu Braun zu erzielen?

„Das werde ich nie vergessen“, erklärte er schließlich. „Glaub mir.“

„Dann kannst du mir auch gleich verraten, was wirklich los ist. Ich erfahre es ohnehin als eine der Ersten.“

Als sie sich wieder bei ihm einhängte, wollte er seinen Arm wegziehen. Doch dann ging er einfach weiter. Sie konnte nichts für seine Frustration. Sie war ihm lediglich zum falschen Zeitpunkt über den Weg gelaufen. Vielleicht war sie sogar recht nett, wenn man sie erst näher kennenlernte. Aber er würde ihr gegenüber nie unbefangen sein. Er durfte mit ihr nicht offen reden. Schließlich war nicht abzuschätzen, was sie alles an ihren Vater weitertrug.

„Bist du eifersüchtig auf Greta und Thimo?“, stocherte sie weiter.

„Nein! So ein Blödsinn.“

„Warum hast du dann alles daran gesetzt, um ihn aus dem Team zu kicken? Von außen hat es nicht den Anschein, als würde diese Dreierkonstellation funktionieren.“

Konnte sie nicht einfach die Klappe halten? Sie hatte kein Recht, ihn gerade jetzt auf die Fehler hinzuweisen, die er gemacht hatte. Das alles war ärgerlich genug.

„Es geht dich nichts an“, blaffte er.

„Wenn mein Vater sich Sorgen macht, dann hat das auch Auswirkungen auf mich. Ich möchte bloß wissen, ob er in nächster Zeit durchgehend schlechte Laune haben und noch eindringlicher fordern wird, dass ich mich benehme.“

„Ich werde diese Sache schon zu deiner Zufriedenheit regeln“, stellte er klar. „Schließlich hat es höchste Priorität für mich, dass die verzogene Tochter meines Bosses von meinen Problemen nicht beeinflusst wird.“

„Probleme also? Habe ich es doch geahnt, dass ich auf eine Familientragödie gestoßen bin.“

So konnte man es auch ausdrücken. Zumindest hatte er es dazu gemacht. Er wusste, dass er sich irgendwann für sein Benehmen in den letzten Wochen entschuldigen musste. Vielleicht benahm er sich oft wie ein Idiot. Gerne spielte er den harten Kerl. Aber er war kein Trottel. Er bemerkte, wenn er zu weit ging. Und für sein Verhalten Greta gegenüber schämte er sich. Thimo hingegen … Sein Bruder hatte ihn tief verletzt. Irgendwann würde Marc ihm erklären müssen, was in ihm vorgegangen war, als er von der gemeinsamen Nacht von Greta und Thimo erfahren hatte und warum ihm diese Tatsache so zu schaffen machte.

Seit sein Versuch, Greta und Thimo auseinanderzubringen, gescheitert war, hielt er sich von den beiden fern. Eine Erklärung für sein Verhalten wollte nicht über seine Lippen kommen. Er wusste, dass es auf Dauer nicht reichen würde, ihnen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen und – wenn das doch einmal nicht gelang – sich auf belangloses Geplauder zu beschränken. Irgendwann mussten sie lernen, wieder normal miteinander umzugehen. Und dazu war es notwendig, dass er endlich ganz ehrlich zu Thimo war.

Aber das weckte Erinnerungen an Geschehnisse, die er tief in seinem Inneren weggesperrt hatte. Wie Luftblasen stiegen sie aus dem schwarzen Morast, in dem er sie vergraben hatte. Wenn sie aufplatzten, gaben sie die darin eingeschlossenen Gefühle frei. Der Anflug von Hass, Schmach und Trauer ließ ihn die Zähne zusammenbeißen. Die Spannung in seinem Körper nahm ein Ausmaß an, das all diese Emotionen gleichzeitig freisetzen wollte. Ließe er das zu, würde er sich in diesem dunklen Chaos verlieren. Er wäre zu Dingen fähig, die andere verletzen würden. Nicht nur seelisch. Er würde zu einem wütenden, gefährlichen Racheengel.

Jeder Atemzug fiel ihm schwer. In seinen Ohren rauschte es. Übelkeit verknotete seinen Magen. Er konzentrierte sich auf seine Schritte, das Gefühl von Elaisas Körper an seiner Seite, die Geräusche der vorbeifahrenden Autos. Sein Blick suchte einen Gegenstand, an dem er sich festhalten konnte.

Er fixierte eine Straßenlaterne ein Stück weiter und sog tief Luft in seine Lungen. Langsam ließ die Anspannung in seinem Inneren nach.

„Marc? Hörst du mich?“

Noch einmal tief einatmen, dann drehte er den Kopf Elaisa zu. Sie beobachtete ihn mit neugierigem Gesichtsausdruck.

„Klar“, brummte er.

„Ich hab` dich dreimal ansprechen müssen. Und dein Körper stand scheinbar unter Strom. Ist alles in Ordnung?“

„Lass mich in Ruhe“, blaffte er.

„Keine Gespräche über deine Ex. Ich habe verstanden. Trotzdem stimmt doch etwas nicht mit dir. Das gerade war doch kein Hirnschlag oder sowas Ähnliches?“, fragte sie. Klang sie tatsächlich besorgt?

„Hast du eigentlich irgendetwas zu tun, wenn du dich nicht in das Leben fremder Menschen einmischst? Nach den Bildern von dir in der Klatschpresse zu urteilen, scheinst du dich ziemlich zu langweilen. Nichts Ordentliches gelernt, was?“

Sein Versuch, sie zu provozieren, prallte ohne Wirkung an ihr ab. Sie zuckte bloß mit den Schultern.

„Wozu arbeiten, wenn ich von Papa alles kriege, was ich brauche? Und It-Girl wird man auch nicht von heute auf morgen.“

Mit diesen neumodischen Begriffen verschwendete sie bei ihm bloß ihren Atem. Er mochte Menschen mit festen Zielen, die hart dafür arbeiteten. An ihr entdeckte er keinerlei Zielstrebigkeit. Spielte sie das nur vor oder war sie tatsächlich so oberflächlich?

„Es ist kalt“, meinte sie aus dem Nichts.

„Wir haben schon Herbst. Dafür sind die Temperaturen passabel.“

Die Bäume verloren ihre Blätter. Die Vögel hatten sich wohl schon in den Süden verzogen. Doch hier in der Stadt merkte man wenig von den Vorboten des Winters.

„Mir ist kalt“, erklärte Elaisa erneut.

Daher wehte der Wind. „Das tut mir leid.“

„Mir ist sehr kalt.“

Er unterdrückte ein Grinsen. Glaubte sie, er würde für sie den Gentleman spielen, ohne dass sie ihn vernünftig darum bat?

„Dann hättest du wohl mehr anziehen sollen.“

„Jetzt gib mir endlich deine Jacke.“ Sie stampfte mit einem Fuß auf. Was dank ihrer High Heels eher amüsant statt dramatisch wirkte.

„Hast du schon mal von dem Wörtchen Bitte gehört? Es soll angeblich nicht wehtun, wenn man es anwendet.“ Lachend schlüpfte er aus der dünnen Jacke, mit der er außer Haus gegangen war. Gott sei Dank trug er darunter ein langärmeliges Hemd und einen Pullover.

Als er ihr die Jacke hochhielt und sie sie sich umlegen ließ, bemerkte er endlich, dass sie tatsächlich zitterte. Sie mochte nicht sonderlich höflich sein. Dafür war er nicht besonders aufmerksam.

„Zieh sie wenigstens vernünftig an, damit du sie schließen kannst“, forderte er, als die Jacke lediglich ihre Schultern bedeckte.

„Wie das aussieht!“ Sie runzelte die Stirn. „Wenn mich jemand so fotografiert …“

Genervt verdrehte er die Augen. „Entweder trägst du sie richtig oder ich hol sie mir wieder zurück.“

Sie brummte Unverständliches und schlüpfte in die Ärmel. Dann schloss sie den Reißverschluss.

„Zufrieden?“

Es war besser, wenn er jetzt nicht lachen würde, egal wie klein und unförmig sie in seiner Jacke aussah. Diese verrückte Frau war in der Lage, lieber zu erfrieren, als eine Sekunde lang einen süßen Eindruck zu hinterlassen. „Sehr. Aber jetzt musst du dich wieder bei mir einhängen, wenn wir weitergehen. Jetzt ist nämlich mir kalt.“

Mit einem tiefen Seufzen trat sie neben ihn und schmiegte sich an ihn. „Es ist schon spät.“

Noch nicht. Er wollte noch nicht alleine mit seinen Gedanken sein. Sich Wortgefechte mit ihr zu liefern, war besser als in die Dunkelheit seiner Seele zu tauchen.

„Was wolltest du wirklich in dieser Bar?“, erkundigte er sich beim Weiterschlendern. „Den Mann fürs Leben findest du an so einem Ort bestimmt nicht. Und was sollen die vielen Schichten Kleister im Gesicht? Hast du Angst, man könnte ohne deine Maskerade zu schnell deinen Charakter durchschauen?“

„Das nenne ich doch mal originellen Sarkasmus.“ Sie hob eine Augenbraue. „Willst du so die Frauen abschrecken, die ohnehin außerhalb deiner Liga spielen? Fühlt es sich besser an, sie vor den Kopf zu stoßen, bevor sie selbst draufkommen?“

„So ist es einfacher für dich. Glaub mir, Schätzchen. Nach einer Nacht mit mir würdest du die High Society-Bürschchen links liegen lassen, die du üblicherweise abschleppst. Aber dieser Mann hier ist nicht zu zähmen.“

Statt die Wahrheit in seinen Augen zu lesen, über seine Weitsicht zu staunen, ihm dankbar zu sein oder zumindest über seine Worte nachzudenken, brach sie in Gelächter aus. „Ich mag deine große Klappe. Der Rest kann mir allerdings gestohlen bleiben.“

„Du hast dich dort drinnen an mich rangeschmissen, nicht umgekehrt“, erinnerte er sie. Dass er dazu überhaupt gezwungen war!

„Ich habe gehofft, die Kerle würden uns eher in Ruhe lassen, wenn sie denken, ich hätte mein Date für die Nacht schon gefunden. Bestimmt bin ich jetzt allerdings auch alleine sicher.“

Sie winkte einem Taxi, das sofort mit quietschenden Reifen an den Bürgersteig fuhr und dabei ein entgegenkommendes Auto schnitt.

„Danke, dass du mir die Typen vom Hals geschafft hast. Vielleicht kann ich mich ja irgendwann mal bei dir revanchieren.“

„Wieso sollte das notwendig sein?“ Perplex sah er zu, wie der Taxifahrer ausstieg, um den Wagen herumlief und ihr die Tür aufhielt. Elegant glitt sie auf die Rückbank.

Trotz der Kürze des Kleides gelang es ihr, ihren Po bedeckt zu halten. Nicht, dass er groß darauf geachtet hätte.

„Schönen Abend, Süßer.“

Sie zwinkerte ihm zu, als er den Blick heben musste, um ihr ins Gesicht zu sehen. Der Taxifahrer schlug die Tür zu und eilte um den Wagen herum. Eine Sekunde lang war ihr lächelndes Gesicht dank der Innenbeleuchtung des Wagens zu erkennen. Dann fuhr das Taxi auch schon an und verschwand in der Dunkelheit.

„Von wegen schöner Abend“, murmelte er. Das hätte es vielleicht werden können, wenn Elaisa die andere Frau nicht verjagt hätte. Jetzt stand er alleine mitten auf der Straße und musste überlegen, wo er Ablenkung herbekam.

Er sah die Straße entlang. Zurück zu der Bar zu gehen, war nicht möglich. Die Frau, die er kennengelernt hatte, wartete bestimmt nicht mehr auf ihn. Für eine neue Eroberung war es ziemlich spät. Und den betrunkenen Typen wollte er ebenfalls nicht über den Weg laufen. Während des Gesprächs mit Elaisa war er einfach geradeaus weitergelaufen. Er kannte sich hier nicht gut genug aus. In der nächsten Straße konnte sich eine Bar befinden. Oder er irrte noch stundenlang orientierungslos durch die Gegend.

Ihn fröstelte. Seine Jacke, verdammt! Elaisa hatte sie einfach behalten. Er kniff die Augen zusammen und sah in die Richtung, in der sie verschwunden war, obwohl ihm klar war, dass er sie nicht zurückrufen konnte.

Dann gab es wohl nur eine Lösung: Er würde sich auf den Weg nach Hause machen. Alleine, obwohl er es anders geplant hatte. Ein wenig Ruhe würde ihm nicht schaden. Der Tag war lang genug gewesen. Und am Montag musste er ein Gespräch führen, auf das er sich nicht sonderlich freute. Besser, er hatte seine Geduld dann unter Kontrolle.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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Band 1: Poleposition für die Liebe
Band 2: Boxenstopp für einen Kuss

Racing Love – Boxenstopp für einen Kuss

Prolog

Freitag, 20. Juli 2012

Dieses Mädchen besaß das schönste Lachen, das er jemals gehört und gesehen hatte. Das glucksende Geräusch, das aus der Tiefe ihrer Seele zu kommen schien, und die Unbeschwertheit, mit der sie den Kopf in den Nacken legte, berührten etwas in seinem Inneren. Er wurde an eine Zeit erinnert, in der er genauso sorglos gewesen war, bevor das Leben kompliziert geworden war.

Außerdem erfüllte es ihn auf gewisse Weise mit Stolz, dieses Lachen durch etwas verursacht zu wissen, was er gesagt hatte.

Die Musikkapelle stimmte das nächste Lied an. Die blechernen Blasinstrumente würden ein weiteres Gespräch in dem riesigen Plastikzelt schwierig machen. Musste er tatsächlich wieder mehrere Minuten warten, bevor er sich weiter mit ihr unterhalten konnte?

Sie deutete auf sein leeres Glas und sah ihn fragend an. Er nickte, woraufhin sie aufstand und zur Bar ging, um Nachschub zu holen. Thimo sah ihr nach. Das grau-rosafarbene Dirndl umschmeichelte ihre Figur. Ihre brünetten Haare waren zu einem Knoten geflochten. Wie es wohl aussehen würde, wenn sie ihr offen über den Rücken flossen?

Thimo spürte die Blicke der Gruppe von Männern in der Nähe. Einer von ihnen wirkte besonders wütend. Ob er mal mit der jungen Frau zusammen gewesen war? Seit ein paar Minuten war sie ganz offensichtlich an Thimo interessiert. Sollten die Kerle also ruhig überlegen, wie er es geschafft hatte, ihnen dieses wundervolle Mädchen vor der Nase wegzuschnappen.

Auf den Heurigenbänken um ihn herum saßen Gäste des Kirchtags unterschiedlichen Alters. Es wurde gelacht und über die Tische hinweg gerufen, um die Musik zu übertönen. Eine Welt, die ihm als waschechtem Wiener völlig fremd war. Doch er war froh, an diesem Freitagabend nicht mit seinem Bruder und ihren Kumpels in die zwielichtige Bar gefahren zu sein. Und noch glücklicher schätzte er sich, weil das wunderschönste Mädchen hier, das mit einem Tablett voller Biergläser bei ihm vorbeigekommen war, ihn mit einem Schwall Bier übergossen hatte.

Sein Shirt klebte an seinem Oberkörper. Der Geruch hatte sich bis in sein Gehirn vorgekämpft. Die Feuchtigkeit ließ ihn trotz der Wärme hier drinnen frösteln. Doch das Missgeschick hatte die hübsche Kellnerin dazu gebracht, zu ihm zurückzukehren und sich einfach neben ihn zu setzen.

Sie kam mit zwei Gläsern gespritztem Almdudler zurück und ließ sich wieder neben ihn fallen.

„Danke dir.“ Er lächelte ihr zu, griff nach einem Glas und prostete ihr zu. „Wie heißt du eigentlich?“, erkundigte er sich nach einem großen Schluck.

„Greta. Und du?“

„Thimo. Sehr erfreut, Greta. Wohnst du hier in Neunbach?“

Sie nickte. „Und du bist wohl nur auf der Durchreise …“

„Mit meinem Bruder und ein paar Freunden, ja. Wir wollen morgen rauf auf den Neunbachpass.“

„Da habt ihr euch aber was vorgenommen. Seid ihr für so einen Anstieg ausgerüstet?“ Das Glas in ihren Händen drehend, sah sie ihn mit einem ernsten Ausdruck in den Augen an.

„Machst du dir etwa Sorgen um mich?“, fragte er grinsend.

„Jedes Jahr gibt es Touristen, die glauben, diese Tour mit Sneakers und Ausrüstung aus dem Discounter durchzustehen. Mein Vater arbeitet bei der Bergrettung. Er setzt sein Leben aufs Spiel, weil diese ahnungslosen …“ Sie stockte und holte tief Luft. „Tut mir leid, ist ja deine Entscheidung.“

„Mein Bruder ist Profisportler. Wir wissen, was wir tun. Keine Sorge. Aber wenn du möchtest, komme ich am Sonntag vor unserer Abreise noch einmal hier vorbei, damit du dich davon überzeugen kannst, dass ich wohlauf bin.“

Endlich kehrte ihr Lächeln zurück. „Nur zu meiner Beruhigung besuchst du mich noch einmal?“

Er nickte. „Klar. Ich kann doch nicht zulassen, dass du Albträume von Unfällen hast, die uns zugestoßen sein könnten.“

„Um sechs Uhr endet das Fest. Wenn ihr es vorher schafft …“

Dass sie den Vorschlag nicht rundheraus ablehnte, schenkte ihm Hoffnung, sie könne ihn ganz nett finden. Mit ihr schien das Flirten viel einfacher als sonst zu sein. Sein Bruder war der Aufreißer in der Familie. Thimo dagegen brachte in der Gegenwart von hübschen Frauen selten einen flotten Spruch über die Lippen.

„Perfekt. Ich werde dafür sorgen“, versprach er.

Sie schien erfreut. „Nur damit ich sicher sein kann, dass ihr okay seid.“

„Ja, klar. Du kannst ruhig zugeben, wenn du mich wiedersehen willst.“

„Ich …“ Ihre Wangen röteten sich.

Wie süß! Hatte er sie etwa sprachlos gemacht? Er gefiel ihr wohl tatsächlich. Er konnte sein Glück kaum fassen. „Bist du hin und wieder in Wien?“

Bedauern zeigte sich auf ihrem Gesicht. „Ich komme nicht besonders oft dazu. Eine Cousine von mir wohnt dort. Ich besuche sie alle paar Monate. Aber ich habe mehrere Jobs, damit ich mir bald eine Wohnung leisten kann.“

Er hatte ihr quirliges Auftreten gesehen und gedacht, ihr Leben wäre einfach. Sie wirkte dennoch nicht unzufrieden. „Ich könnte dir meine Adresse geben, damit du …“

„Ich finde dich nett, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“

„Wieso nicht? Hast du einen Freund?“

Sie lachte auf. „Nein. Denkst du, sonst würde ich hier mit dir sitzen und flirten?“

„Du flirtest mit mir? Dann bist du ganz offensichtlich genauso schlecht darin wie ich“, zog er sie auf.

Ihre Augen funkelten. „Ist es zu spät, es besser zu machen?“

„Ich habe den Rest des Abends Zeit. Vielleicht üben wir zusammen.“ Er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Eigentlich glaubte er nicht an Liebe auf den ersten Blick. Aber so wie sein Herz gerade schlug …

„Eine tolle Idee. Eigentlich. Aber ich sollte zurück auf meinen Posten.“ Sie deutete rüber zur Getränkeausgabe. Zwei Tabletts warteten darauf, von einer der Kellnerinnen verteilt zu werden.

„Bestimmt hast du das Recht, kurz Pause zu machen.“

„Ich sitze schon eine Weile hier bei dir. Ich sollte den anderen jetzt wirklich wieder helfen.“

„Kommst du später noch einmal vorbei?“

Sie knabberte an ihrer Unterlippe. „Kannst du bis Mitternacht warten?“

„Für dich würde ich mich auch noch länger gedulden.“ Er versuchte sich an einem frechen Grinsen.

„Dann sehen wir uns später.“ Sie legte ihre Hand auf seine Schulter, als sie aufstand. Die Wärme ihrer Finger brannte sich durch den Stoff seines Shirts.

Gott, diese Frau war heiß. Irgendwie musste es ihm gelingen, sie näher kennenzulernen.

Es war ihm egal, wenn er morgen früh nicht aus dem Bett kommen sollte und ihm freche Kommentare von seinen Freunden drohten. Er würde ausharren, bis sie wieder Zeit für ihn hatte.

Die nächsten zwei Stunden beobachtete er, wie sie sich zwischen den Tischen hin und her bewegte, wie sie mit den Menschen plauderte und lachte. Immer, wenn sie zufällig in seine Richtung sah, machte sein Herz einen Hüpfer.

Nur einmal verlor sie ihre Fröhlichkeit. Sie unterhielt sich mit einem Mann, der während des Gesprächs am Band ihrer Schürze zog. Ihre Schleife befand sich links, was dieser Kerl als Aufforderung zu verstehen schien, sie belästigen zu dürfen. Nach einem finsteren Blick wandte sie sich einfach um und ging davon.

Als sie kurze Zeit später endlich an Thimos Tisch zurückkehrte, erkundigte er sich nach dem Vorfall. Zuerst wiegelte sie ab, bevor sie schließlich doch von den mehrdeutigen Angeboten des Mannes berichtete.

„Und zum Schluss sagt der Frechdachs, wenn ich mich auf seinen Schoß setzen würde, bekäme ich extra viel Trinkgeld“, schloss sie mit einem Lachen.

Ärger wallte in ihm hoch. „Wie unverschämt. Ich gehe gleich rüber zu ihm und werde ihm mal …“

Greta legte eine Hand auf seinen Unterarm. Sie kannten sich erst seit ein paar Stunden, aber es fühlte sich richtig an, dass sie ihm so nahe kam. „Schon okay. Das war noch einer der harmloseren Kommentare, die ich heute Abend gehört habe.“

„Männer sind Schweine“, sagte Thimo.

„Manchmal“, antwortete sie. „Aber ich bin froh, einem netten Kerl gegenüberzusitzen.“

„Du hast das Recht, mit Respekt behandelt zu werden. Es gibt nur Typen, die das gerne vergessen.“

„Vielleicht sind wir Frauen zum Teil selbst schuld. Schließlich können wir unsere Finger nicht von den bösen Jungs lassen. Wir sollten uns nicht wundern, wenn sie sich uns gegenüber manchmal grob verhalten.“

Er wusste nur zu genau, wovon sie sprach. Sein Bruder war einer dieser schlimmen Jungs. Marc war der Meinung, Frauen seien nur zu seinem Vergnügen auf dieser Welt. Er nahm sich, was er wollte und verschwand danach einfach wieder. Und dennoch waren die Frauen von seiner raubeinigen Art hin und weg.

Thimo hingegen wurde neben seinem Bruder kaum bemerkt. Dabei würde er sich selbst als einen der Guten bezeichnen. Der richtigen Frau würde er niemals einen Grund geben, an seiner Liebe zu zweifeln. Die richtige Frau …

„Ich bin ein Netter“, stellte er klar und suchte Gretas Blick. „Brav, aber nicht langweilig. Die ideale Mischung.“

„Soso. Vielleicht auch noch statistisch bewiesen? Hast du dafür extra Daten zusammengetragen?“

Er nickte und bemühte sich um eine ernste Miene. „Ich habe unzählige Frauen befragt. Deine Meinung werde ich auch auswerten. Das geht allerdings erst nach einem richtigen Date.“

„Solange will ich nicht warten.“

„Aber …“

Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn. Ihre Lippen berührten seine mit sanftem Druck. Dann lehnte sie sich wieder zurück, um ihm in die Augen zu schauen.

Perplex starrte er sie an. Der Kuss hatte ihn überrumpelt. Er war zu schnell vorbeigewesen. Gerade deshalb hatte Thimo noch nicht genug. Er legte ihr die Hände ums Gesicht, doch sie stand auf.

„Nicht hier.“ Sie zog ihn hoch.

Er hatte die Menschen vergessen, die mit ihnen im Zelt saßen. Sein Gesicht wurde heiß. Perplex stolperte er hinter ihr her.

„Ich habe unsere letzten Getränke noch nicht bezahlt“, erinnerte er sie.

„Darum kümmere ich mich morgen bei der Nachbesprechung. Jetzt komm mit.“

Sie verließen das Zelt und liefen dann ein paar Meter die Straße entlang, bis der Lärm nicht mehr zu ihnen drang. Im Schatten einer Wand blieb sie schließlich stehen. Links und rechts von der Straße parkten Autos, doch im Augenblick waren sie alleine. Das Licht der Straßenlaternen erfasste sie nicht, weshalb er hoffte, dass sie eine Zeit lang ungestört blieben.

Er drängte sie rückwärts, bis sie gegen die Mauer stieß, legte seine Hände um ihr Gesicht und knabberte an ihrer Unterlippe. Seine Zunge bahnte sich den Weg zwischen ihre Lippen. Sein Körper jubilierte, als sie den Mund leicht öffnete. Er genoss es, wie sie leise stöhnte, als ihre Zungen sich berührten, wie sie sich an ihn presste, um ihm noch näher zu sein.

Als ihre Hände über seinen Oberkörper strichen und alles in ihm darauf drängte, sie aus diesem verführerischen Dirndl zu bekommen, machte er einen Schritt zurück. Immer schön langsam. Er war schließlich ein Gentleman.

„Sag, dass du mich in Wien besuchen wirst. Vielleicht kannst du nächstes Wochenende kommen. Neunbach ist nur zwei Stunden von Wien entfernt. Wir könnten einen Tag zusammen verbringen, und ich zeige dir die Stadt. Wenn du magst, kann ich mich auch ins Auto setzen und herkommen.“

„Wir werden sehen.“ Sie zog seinen Kopf zu sich, um ihn zu küssen.

Seine Hände verselbstständigten sich und fuhren von ihrer Taille hoch. Knapp unter ihren Brüsten hielt er inne. Der Ausschnitt der Dirndlbluse hatte ihn bereits zuvor in Versuchung geführt. Er konnte das schnelle Klopfen ihres Herzens spüren, als er einen Arm hob und mit den Knöcheln über die zarte, entblößte Haut strich. Ihr Kuss wurde stürmischer.

„Warte, Greta“, bat er außer Atem, legte seine Wange an ihre. „Vielleicht sollten wir das nicht überhasten …“

Sie lachte. „Gott, bist du süß. Es ist in Ordnung. Ich will dich. Du scheinst mich auch zu wollen … oder täusche ich mich?“

Er starrte sie an und schüttelte den Kopf. Sollte sie wirklich vorschlagen, dass sie beide …? Ging das nicht zu schnell? Normalerweise führte er Frauen mehrmals aus, begnügte sich mit einem Gute-Nacht-Kuss zum Abschied, nahm sich Zeit, sein Gegenüber näher kennenzulernen. Bisher hatte er Zeit gebraucht, um eine Verbindung zu seinem Gegenüber aufzubauen. Aber Greta hatte ihn vom ersten Augenblick an in ihren Bann gezogen.

„Natürlich“, antwortete er schließlich. „Aber bist du dir wirklich sicher?“

Mit einem frechen Grinsen nickte sie. „Ich glaube, dass das zwischen uns nichts Fixes werden kann. Eine Fernbeziehung ist nicht mein Ding. Trotzdem fühle ich mich zu dir hingezogen. Warum also nicht ein wenig unbeschwert sein?“

„Warum sollten wir nicht zusammen sein, wenn wir uns mögen? Die Entfernung stellt kein echtes Problem dar. Ich kann dich besuchen. Und wenn wir merken, dass es nicht reicht, uns in unregelmäßigen Abständen zu sehen, könnte einer von uns umziehen. Lass uns doch einfach sehen, was passiert.“

Sie schüttelte den Kopf. Ihr Körper presste sich immer noch an ihn. „Ich bin nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Ich bin zwanzig, versuche mir gerade den Traum von einem eigenen Laden zu verwirklichen. Keine Ahnung, wohin mich der Wind treibt. Erst mal kann ich dir lediglich diese eine Nacht anbieten.“

Er wollte widersprechen, ihr sagen, dass es ihm nicht reichte, dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt hatte, dass sie die Richtige sein könnte. Stattdessen beugte er sich vor und küsste sie, versuchte ihr seine Gefühle mit einer sanften Berührung seiner Lippen mitzuteilen.

Greta vertiefte den Kuss viel zu schnell. Das Begehren ließ ihn seine Gegenargumente vergessen. Schließlich sah sie keuchend zu ihm auf. Ihre Pupillen geweitet, die Wangen gerötet.

„Wir haben nur ein wenig Spaß, okay? Keine Komplikationen, keine Ansprüche.“ Forschend betrachtete sie sein Gesicht.

Er nickte. Wenn es das war, was sie wollte, sollte sie es bekommen. Erst mal.

Sie küsste ihn neuerlich, drückte sich noch enger an ihn. „Dann lass uns von hier verschwinden“, murmelte sie atemlos an seinen Lippen.

„Ich wohne in einem Hotel hier ganz in der Nähe“, bot er schnell an.

„Wir sollen zu dir? Bedeutet das nicht schon mehr Komplikationen als es sollte?“

„Das ist in Ordnung für mich … Verdammt! Meine Freunde könnten schon zurück in unserem gemeinsamen Zimmer sein.“ Gott sei Dank hatte er rechtzeitig daran gedacht.

Ihre Hand schob sich an seinem Rücken hinunter. Sie kniff ihn in den Po. „Zu schade. Was dann? Rückbank deines Autos?“

Sein Gehirn funktionierte offensichtlich nicht mehr so tadellos, wie es sollte. Es fiel ihm schwer, vernünftige Argumente zu finden, wenn das Blut in seinem Körper mit etwas anderem beschäftigt war. „Nein, ich bin zu Fuß hergekommen.“

„Du kannst nicht mit zu mir. Meine Familie hört, wenn ich nach Hause komme.“

Vielleicht wollte ihnen das Schicksal einen Wink geben. Möglicherweise sollten sie der Anziehungskraft zwischen sich eine Chance geben und sich mit ihrem spontan geplanten Vorhaben noch etwas Zeit lassen.

„Unter Umständen ist das …“, begann er.

„Ich habe eine Idee!“, unterbrach sie ihn und zog ihn mit sich. „Du nimmst einfach ein zweites Zimmer in dem Hotel.“

Er hatte keine Ahnung, weshalb er ihr nicht Einhalt gebot oder wieso er nicht in der Lage war, ihr zu widersprechen. Sie hatte irgendetwas an sich, das ihn willenlos machte. Vermutlich war ihr Zauber ihm direkt ins Gehirn gekrochen. Anders konnte er sich nicht erklären, warum er kurz darauf an der Rezeption stand und um ein Zimmer bat, das im Erdgeschoss lag.

Es war nur eines mit einfacher Ausstattung verfügbar, aber das spielte für ihn keine Rolle. Die neugierigen Blicke des Rezeptionisten ignorierte er.

Sobald er das Zimmer gefunden hatte, öffnete er die Terrassentür und lauschte in den Garten. Die Geräusche des Festes drangen zu ihm, doch es schien sich sonst niemand in der Nähe zu befinden. In der Nacht zuvor war Vollmond gewesen, weshalb er draußen keine Details erkennen konnte. Ob es Greta gelungen war, sich auf das Grundstück des Hotels zu schleichen?

In einem Busch ganz in der Nähe raschelte es. Er hielt den Atem an und trat nah an das Geländer.

„Greta?“, flüsterte er.

Ein leiser Fluch war zu hören. Das Rascheln verstärkte sich. Dann drängte sich Greta durch die Zweige des Busches.

„Alles in Ordnung?“, erkundigte er sich besorgt.

„Ja, klar. Ich habe bloß vergessen, dass dieses Dirndl sich nicht für Abenteuer eignet.“

Sie grinste übermütig, als er ihr über das Geländer half. Ihre Augen blitzten. Ihre Wangen hatten sich gerötet. Sie schien diese Heimlichkeit von ganzem Herzen zu genießen.

In diesem Moment eroberte sie einen Teil von ihm. Sie war eine lebenslustige, herzliche, selbstbewusste junge Frau. Er hoffte, dass das Schicksal ihr niemals Steine in den Weg legte, um ihren Geist zu brechen. Er würde sie niemals bremsen. Er wünschte, sie ließe zu, dass er sie in Zukunft vor den dunklen Seiten des Lebens beschützte.

Sie schlang ihm die Arme um den Hals. „Wo waren wir stehengeblieben?“, fragte sie.

Dann küsste sie ihn und drängte ihn ins Zimmer zurück. Er wurde von ihrer stürmischen Eile förmlich überrollt. Jeder Gedanke an die Zukunft wurde von Verlangen ausgelöscht.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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Band 1: Poleposition für die Liebe