Homebase fürs Herz

Kapitel 1

 

Savannah Thomas war ein geduldiger Mensch.

Sie hielt es bis zu drei Stunden in Telefonwarteschlangen aus. Sie fädelte in Seelenruhe den dicksten Bindfaden durch das dünnste Nadelöhr. Sie hörte Mrs. Bernard, ihrer dementen Nachbarin, täglich bei derselben Geschichte zu. Sie erklärte Jake Braker, dem notorischen Womanizer der Delphies, immer wieder aufs Neue, wie man ein Kondom benutzte, aus Angst, er könne an einer Geschlechtskrankheit verrecken. Und erst letztens hatte sie ihre Q-tips gezählt und zu einem wackeligen Haus zusammengeklebt, als nichts Gutes im Fernsehen gekommen war.

Aber auch Savannah hatte Grenzen. Und eine davon war, wie es so wollte, eine Frau, die sich seit einer geschlagenen halben Stunde nicht abwimmeln ließ, sich anhörte, als habe sie ein weinendes Kind verschluckt und nicht einmal ihren Vornamen kannte!

„… und er sagte doch, dass er sich melden würde!“

„Tatsächlich.“ Savannah bohrte die Spitze ihres Bleistifts so fest in die Schreibtischplatte, dass sie darin stecken blieb.

„Ja!“ Das hysterische Schluchzen der Frau wurde lauter und Savannah sah sich dazu gezwungen, den Hörer von ihrem Ohr wegzuhalten.

„Ich meine, wir haben uns geküsst, ist das denn gar nichts wert?“

„Ich weiß nicht, kommt auf den Kuss an, würde ich sagen.“

„Er war spektakulär! Aber alles, was er mir gegeben hat, ist diese Nummer. Und da müssen Sie doch verstehen, wie mich das aus der Bahn wirft, wenn am anderen Ende eine Frau abhebt. Ich wusste ja nicht, dass Sie seine Assistentin sind.“

„Ich bin nicht seine Assistentin“, stellte Savannah klar und hörte sich dabei womöglich wie ein Hund an, dem sein Knochen weggenommen wurde. Tatsächlich hielt sie es auch nicht für ausgeschlossen, dass sie heute noch jemanden biss, denn Cole Panther hatte ihre Nummer an einen wildfremden Menschen weitergegeben! Schon wieder! Das war das vierte Mal diese Woche. Und es war erst Mittwoch!

„Aber Sie sagten doch, dass Sie für ihn arb-“

„Ja, ich arbeite in seiner Organisation, aber nicht als seine Assistentin“, erklärte sie abgehackt und riss den Bleistift mit Gewalt wieder aus dem Holz. Er brach entzwei und rollte in den Stapel Haftnotizzettel, der den größten Teil ihrer Arbeitsfläche bedeckte.

„Ach so.“ Eine kurze, nachdenkliche Stille folgte, bevor die Frau schniefend fragte: „Aber warum gibt er mir denn dann Ihre Nummer?“

Weil er ein verdammter Feigling ist, der sich nicht mit seinen billigen Verflossenen herumärgern will!

„Er muss wohl die hinteren Ziffern vertauscht haben.“

Hatte er nicht.

„Das ist mein Arbeitshandy.“

War es nicht.

„Und die Nummern der Delphies-Organisation unterscheiden sich nur in ihren letzten Zahlen.“

Taten sie nicht.

„Oh, also meinen Sie, es war ein Versehen?“

Um Gottes willen, nein! Cole Panther tat nie etwas aus Versehen. Denn das könnte ja Spaß machen – und Spaß zerknitterte seinen Anzug.

„Vielleicht könnten Sie mit ihm reden und meine Nummer weiterleiten?“

Savannah biss die Zähne zusammen und stand von ihrem Stuhl auf. „Oh ja, ich rede mit ihm“, versprach sie gepresst und stieß mit ihrer freien Hand die Bürotür auf.

„Das wäre wunderbar.“ Die Frau hatte aufgehört zu schluchzen, was Savannahs Ohren ungemein freute. „Ich würde ihn wirklich gerne wiedersehen. Er war so charmant.“

Mit welchem Cole Panther war die Frau nur ausgegangen? Es gab neunundneunzig Worte, mit denen Savannah Cole Panther beschrieben hätte. Charmant war keines davon. Aber das erste war Arsch und das zweite Loch.

„Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er mich mag“, plapperte die Frau munter weiter.

Savannah verdrehte die Augen, während sie in langen Schritten die Distanz zum Fahrstuhl überwand, hineintrat und auf den Knopf für das oberste Stockwerk drückte. Auch das bezweifelte sie, denn Cole Panther mochte keine Menschen. Es war ihr schleierhaft, warum er überhaupt mit Frauen ausging, wo sie ihn doch allesamt nur zu nerven schienen.

Die Fahrstuhltüren schlossen sich und sie hoffte schon, dass die Verbindung abbrach, aber natürlich hatte sie selbst in der blechernen Büchse Empfang. Gott, sie hätte ja aufgelegt, aber sie war PR-Beraterin und die konnten es sich nicht leisten, einen schlechten Ruf zu haben.

„Er hat mir so viele Komplimente gemacht, den ganzen Abend über. Glauben Sie, er wird noch einmal mit mir ausgehen?“

Super. Genau die Frage, die Savannah nicht hatte hören wollen. Sie hätte die Frau anlügen können, aber sie brachte es einfach nicht übers Herz. Es war ja nicht ihre Schuld, dass Cole Panther ein kaltherziger Bastard war.

„Wissen Sie, ich würde mir nicht allzu große Hoffnungen machen. Mister Panther ist einfach sehr beschäftigt“, sagte Savannah und hatte Mühe dabei, ihre Zähne auseinanderzureißen. „Er … hat zurzeit mit einer schlimmen Geschlechtskrankheit zu kämpfen und erst letzte Woche Hämorriden entfernt bekommen. Nehmen Sie es ihm nicht übel. Er nimmt ständig Schmerzmittel und weiß einfach nicht mehr, was er tut. Er hat gestern sogar seine Haartransplantation vergessen, dabei steht der Termin seit Monaten fest. Ich fürchte, seine gesundheitlichen und beruflichen Verpflichtungen lassen eine Beziehung zurzeit einfach nicht zu.“

So, jetzt fühlte sie sich besser. Wenn Cole je wieder mit Miss Heulsuse sprach, würde sie in die Hölle kommen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das passierte, lag ungefähr bei minus dreitausend Prozent. Savannah machte sich also keine Sorgen.

„Oh, aber warum meldet er sich dann bei einer Dating Seite an?“

Dating Seite?

Savannahs Kinnlade klappte herunter. Cole Panther bei einer Online-Partnervermittlung? Das passte ungefähr so gut wie … ein Haifisch in ein Goldfischglas, die Nazis auf die helle Seite des Mondes oder Donald Trump in einen Friseursalon.

„Ich hab‘ absolut keine Ahnung“, sagte Savannah wahrheitsgemäß. „Keinen blassen Schimmer.“

Mit einem Ping öffneten sich die Fahrstuhltüren. Savannah war so verdattert über die Information, die sie soeben erhalten hatte, dass sie sich mehrere Minuten lang nicht bewegte. Erst als die Türen sich bereits wieder schlossen und die Frau am Telefon Anstalten machte, das Gespräch fortzusetzen, erwachte sie wieder zum Leben.
Eine Dating Seite – das erklärte einiges! Definitiv schon mal die Tatsache, dass sie in den letzten drei Tagen Anrufe von vier heulenden Frauen hatte entgegennehmen müssen, die ihr versicherten, dass Cole Panther die Liebe ihres Lebens sei. Wieso außerdem die halbe Organisation bei ihr durchklingelte, um Nachrichten für Panther Junior zu hinterlassen, war Savannah dennoch schleierhaft.

„Ja, na gut“, wiederholte Savannah, trat aus dem Fahrstuhl und wandte sich nach rechts, zu dem riesigen gläsernen Büro, das einen Ausblick auf das dahinterliegende Baseballstadion gab. „Sie entschuldigen mich, ich habe jetzt einen wichtigen Termin.“

„Oh, natürlich. Vielen Dank für Ihre Hilfe.“

Savannah antwortete nicht, sondern legte einfach auf. Sie beschleunigte ihren Schritt, froh darüber, dass sie ihre Schuhe heute ausnahmsweise mal anbehalten hatte. Mit der einen Hand stopfte sie das Handy in ihre Blazertasche, mit der anderen stieß sie ohne Ankündigung die Glastür auf. Sie war wohl etwas zu energisch gewesen, denn die Tür knallte mit einem zufriedenstellenden Klirren gegen die dahinterliegende Glaswand.

Cole Panther saß tief in den Chefsessel gelehnt, die langen Beine ausgestreckt, das Telefon an sein Ohr geklemmt, hinter seinem Schreibtisch. Seine hellblaue Krawatte saß makellos, die schwarzen Haare hielt er für vierhundert Dollar im Monat kurzgeschnitten – Gott bewahre, sie könnten seinen Hemdkragen beschmutzen! – und seinen Dreitagebart stutzte er auf eine respektable, gepflegte Länge. Mit der freien Hand machte er sich Notizen auf einem Block, der mittig auf dem ebenfalls gläsernen und penibel ordentlich gehaltenen Schreibtisch lag. Seine eisblauen Augen fixierten sie fragend, während er unbeirrt weiterredete.

„… drüber gesprochen, Miles. Ich habe das Budget selbst überprüft und bin bereit, bis zu zwei Millionen Dollar nach oben zu gehen. Weiter nicht.“

Savannah funkelte ihn an, überwand die restliche Distanz und schlug mit der Faust auf den Tisch.

Ja, sie wusste, dass Cole Panther ihr Vorgesetzter war.

Ja, sie wusste, dass er milliardenschwer war.

Ja, sie wusste, dass viele Leute Angst vor ihm hatten.

Aber sie wusste auch, dass Höflichkeit einen im Leben nicht weiterbrachte. Wenn man sich einschüchtern ließ und sich nicht verteidigte, dann war es schwer, aus dem Muster auszubrechen. Und sie würde sich nie wieder herumschubsen lassen.

„Ich bin nicht deine verdammte Assistentin!“, zischte sie.

Cole hob eine Augenbraue, zog ein Taschentuch aus seiner Anzugtasche hervor und wischte langsam den Fettfleck von seiner Arbeitsfläche, den Savannahs Faust dort hinterlassen hatte, während er gelassen in den Hörer sprach.

„Mich interessiert der Weg nicht. Mich interessieren Ergebnisse. Und wenn Sie mich diesmal enttäuschen, Miles, dann werde ich Sie vielleicht aus der Gleichung nehmen müssen. Es ist Ihr verdammter Job, den Preis auf eine respektable Größe zu drücken, die abschließenden Verhandlungen führe dann ich.“

Savannah riss ihm das Taschentuch aus der Hand und ließ es auf den Boden fallen.

„Ich bin nicht deine Assistentin!“, wiederholte sie laut. „Hast du mich verstanden? Würdest du also in Gottes Namen damit aufhören, deinen Freundinnen meine Telefonnummer zu geben?“

Cole hob einen Finger in ihr Gesicht und wandte seinen Kopf ab, während er weiter in den Hörer sprach.

„Sie hören mir jetzt mal zu! Es ist mir egal, wie viele Kinder Ihre Frau bekommen hat. Es ist mir egal, dass Sie sich Mühe geben. Ich will Jimmy Rodriguez und Sie sind dafür verantwortlich, dass ich ihn bekomme! Und wenn das nicht passiert, werde ich sehr ungehalten.“

„Cole“, sagte Savannah ernst und schlug seinen Finger weg.

Aus dem Finger wurde die ganze Hand und aus Savannahs anfänglichem Unmut wurde Wut.

„Cole!“, sagte sie lauter. „Ich möchte, dass du mir sofort versprichst, nie wieder meine Nummer an eines deiner Bimbos weiterzugeben! Und wenn du das Telefonat jetzt nicht beendest, werde ich deine Privatnummer auf Facebook posten.“

Cole Panther seufzte laut, ließ die Hand sinken und sagte ins Telefon: „Entschuldigen Sie mich, Miles, ich werde gerade von einer Frau angeschrien … nein, machen Sie sich eher um ihren Job Sorgen. Das mit den schreienden Frauen passiert mir öfter. Also – leiten Sie es einfach in die Wege.“

Er legte auf, faltete die Hände auf dem Schreibtisch und sah sie frostig an. „Ich hätte dir nie meinen Vornamen anbieten dürfen“, stellte er schließlich nachdenklich fest. „Offensichtlich lässt dich dieser Umstand vergessen, dass ich dein Boss bin.“

Savannah schnaubte und verschränkte die Arme. „Du hättest mir deinen Vornamen und deinen erstgeborenen Sohn anbieten müssen, für all das, was ich für dich tue – gleichwohl nichts davon in meinen Aufgabenbereich fällt.“

„Setz dich doch, Savannah“, sagte er ungerührt und deutete auf den Stuhl zu ihrer Rechten. „Ich habe das Gefühl, dass dieses Gespräch länger dauern wird.“

„Das muss es nicht, wenn du einfach meine Privatnummer aus deinem Speicher löschst – wie bist du da überhaupt drangekommen?“

„Sie steht in deiner Personalakte. Und warum sitzt du immer noch nicht?“

Sie ließ sich auf den Stuhl sinken und deutete mit dem Zeigefinger auf ihn. „Ich sage es jetzt zum letzten Mal: Ich bin nicht deine Assistentin, Cole!“

Cole runzelte die Stirn. „Wer ist es dann?“

„Keine Ahnung. Wo ist die Blondine, die bis gestern noch am Schreibtisch vor deinem Büro saß?“ Savannah wandte sich um und sah durch die Glastür auf den leeren Arbeitsplatz.

„Die habe ich gefeuert. Hing dauernd bei Facebook rum.“

„Nun, dann hast du keine Assistentin“, sagte Savannah schlicht.

„Richtig. Und aus genau diesem Grund brauche ich dich.“ Er sprach, als würde er einer Siebenjährigen erklären, dass es den Weihnachtsmann nicht gab.

Genervt presste Savannah die Lippen aufeinander. „Ich bin PR-Beraterin, keine Sekretärin.“

„Wenn ich mich nicht irre“, meinte er langsam und ließ die Fingerkuppen auf den Tisch tippen, „dann warst du die letzten Tage beides.“

„Ja, weil du einfach allen meine Telefonnummer gibst, meine private noch dazu! Aber das muss aufhören. Ich habe einen anderen Job. Dann musst du eben ohne Hilfe auskommen.“
„Aber ich bin der Chef der gesamten Organisation. Mir gehört das Team.“ Er tippte sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. „Wie kann ich da keine Assistentin haben?“

„Weil du so unerträglich bist, dass du alle vergraulst!“, fuhr Savannah ihn an.

Das verleitete Cole doch tatsächlich zu einem Lächeln. „Weißt du eigentlich, wie oft ich jeden anderen schon dafür gefeuert hätte, wie du mit mir redest?“

Oh, bitte. Welch eine leere Drohung. Er konnte sie nicht feuern. Er wäre aufgeschmissen ohne sie! Sie war nun einmal die Beste und das wusste er.

Sie verdrehte die Augen und Coles Lächeln wurde breiter.

„Du erinnerst dich aber schon daran, dass ich deinen Gehaltscheck unterschreibe, oder?“, fragte er interessiert. „Du scheinst diesen Umstand in der letzten Woche erschreckend oft vergessen zu haben.“

„Ja, du hast recht. Du unterschreibst meinen Gehaltscheck. Den als PR-Beraterin, nicht als Assistentin!“

Seufzend lehnte Cole sich im Sessel zurück. „Aber du scheinst zusammen mit Sam die einzige kompetente Person in dieser Institution zu sein.“

„Na, dann frag doch Sam, ob er für dich mit deinen Betthäschen Schluss macht! Ich wette, das kann er ganz wunderbar.“

Cole schüttelte den Kopf. „Nein, er ist zu weich. Er kann den armen Frauen nicht das Herz brechen. Du hingegen …“

„Sag mal, was an den Worten Ich bin nicht deine Assistentin verstehst du nicht?“, fragte Savannah fassungslos. „Wie kann es sein, dass wir immer noch darüber diskutieren?“

Sie wusste ja, dass Cole Panther es gewöhnt war, seinen Willen zu bekommen. Dennoch musste er doch langsam dazulernen. Er arbeitete immerhin seit einem Jahr mit ihr zusammen und sollte sich außerdem noch daran erinnern können, was mit seinem Anzug geschehen war, als er sie gebeten hatte, ihn aus der Reinigung abzuholen. Savannah war geübt darin, sich gegen ältere, größere, stärkere, einflussreichere Menschen zu behaupten. Herrgott, sie hatte ihr ganzes Leben damit verbracht, sich gegen Menschen durchzusetzen, die sie von Ort zu Ort hatten schieben wollen. Und verdammt sei sie, sich von Cole Panthers Autorität überrollen zu lassen – die er zugegebenermaßen in Massen besaß. Alles an ihm war eindrucksvoll, kühl und berechnend. Nur, weil sie diesen Umstand ignorierte, hieß das noch lange nicht, dass sie sich dessen nicht bewusst war!

„In Ordnung. Reden wir darüber.“ Cole legte die Hände auf den Tisch und bedachte sie mit einem abschätzenden Blick. Die Art von Blick, die er aufsetzte, sobald er in Verhandlungen trat. Der Blick, der ihn zu einem der verdammt besten Anwälte der Stadt gemacht hatte, bevor er den Chefposten der Delphies, Philadelphias Baseballmannschaft, übernommen hatte. Der Blick, der keine Widerrede zuließ.

„Du sagst, ich unterschreibe nur deinen Gehaltscheck als PR-Beraterin – ich sage, fügen wir noch einen für dich als meine Assistentin hinzu.“

Savannah schnaubte. „Für kein Geld der Welt würde ich-“

„Ich gebe dir dreißigtausend Dollar für die nächsten zwei Monate.“

Savannah riss die Augen auf und fiel beinahe vom Stuhl. War das sein Ernst?

„Das ist mein voller Ernst“, sagte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen.

Sie starrte ihn an, öffnete den Mund, schloss ihn wieder und stellte dann verblüfft fest: „Meine Güte, du bist ja richtig verzweifelt.“

 


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Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist … Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag ihres Medienmanagementstudiums in Köln einfach mal zu vergessen.

Racing Love – Boxenstopp für einen Kuss

Stuttgart, Februar 2018.  Als die Autorin Bettina Kiraly 2014 in Spielberg das erste Formel-1-Rennen in Österreich erlebt, ist sie begeistert von der Perfektion und Kontrolle: Die Königsklasse des Motorsports verkörpert mit ihren sportlichen, risikobereiten Fahrern und den technisch (fast) vollkommenen Autos Erfolg, Dynamik und Zuverlässigkeit. Auf der Suche nach einer Idee für ihre neue Sports-Romance-Reihe, gaben die Erinnerungen an dieses Erlebnis den Ausschlag für ihre Entscheidung, die Reihe im Rennzirkus spielen zu lassen. So sind denn in der Reihe Racing Love die Liebesgeschichten auch ein wenig rasanter und turbulenter.

In Boxenstopp für einen Kuss geht es um Thimo – Mechaniker bei Amber Heart Racing – der seit Jahren unsterblich in Greta verliebt ist. Die selbstbewusste Greta wünscht sich dagegen nichts sehnlicher, als aus ihrer losen Affäre mit Marc mehr werden zu lassen. Dumm nur, dass Marc Thimos Bruder ist und Greta sich ausgerechnet bei Thimo Rat holen will. Es kommt wie es kommen muss: Thimo gesteht ihr seine Gefühle und setzt damit die Freundschaft zu Greta und die Beziehung zu seinem Bruder aufs Spiel. Doch was passiert, wenn die Anziehungskraft zwischen Thimo und Greta gar nicht so einseitig ist, wie es erst den Anschein hat?

Download Pressemitteilung: PM 02-2018_dp_Digital Publishers_Boxenstopp für einen Kuss

Bettina Kiraly – Boxenstopp für einen Kuss

Mit Herz und Happy-End: Die Protagonisten des zweiten Bandes der neuen Sports-Romance-Reihe Racing Love starten in eine turbulente Dreiecksgeschichte. Boxenstopp für einen Kuss erscheint bei dp DIGITAL PUBLISHERS im Februar.

Win my Heart – Spiel um die Liebe

1. Eine verrückte Idee

Aufbewahren oder Altpapier? Unschlüssig wog Sonja den schweren Aktenordner mit den gesammelten Bewerbungen in der Hand und seufzte. Wenn sie nur schon eine neue Wohnung hätte. Der nächste Erste rückte bedrohlich näher.

Entschlossen warf sie den Ordner in die Altpapierkiste. Es waren ohnehin nur Absagen. Anhand der Anschreiben auf ihrem Laptop wusste sie, welche Hotels sie bereits angeschrieben hatte, und würde so nicht den Fehler begehen, eine Doppelbewerbung hinauszuschicken.

Gerade gestern hatte sie eine weitere Bewerbung per Mail verschickt. Ob es darauf schon eine Antwort gab?

Sie überließ die Umzugskisten sich selbst und setzte sich mit dem Laptop auf den Boden. Tatsächlich gab es einige neue Nachrichten: Werbung, eine weitere Absage, noch mehr Werbung. Enttäuscht presste sie die Lippen zusammen.

Sonja archivierte die Absage, ehe sie Mail für Mail löschte. Bei einer stockte sie kurz. Ein Online-Casino bot für die Erstanmeldung einen Bonus, um gleich losspielen zu können. Gerade wollte sie den Löschen-Button anklicken, als ihr Blick an einigen Worten hängenblieb: Blackjack-Turnier. Live. In Frankfurt. Sonja klickte auf den Link. Den Finalteilnehmern winkte ein Wochenende im Luxushotel, dem Gewinner schließlich fünfzigtausend Euro. Das klang verlockend. Um teilzunehmen, musste es ihr lediglich gelingen, online den Bonus zu verdoppeln.

Sie las sich die Bedingungen durch und tatsächlich: Es wurde kein eigenes Geld, das sie ohnehin nicht besaß, als Einsatz gefordert, um die Fünfzigtausend zu gewinnen.

Aber.

Sollte sie sich wirklich noch einmal auf Glücksspiel einlassen? Damit hatten schließlich all ihre Probleme angefangen.

***

»Salut, Lubaid!« Hassan stellte eine Papiertasche, aus der es süß duftete, auf den Tisch und begrüßte seinen Freund mit einer kurzen Umarmung.

Dieser schnupperte. »Mandeln, Honig, Zimt. – Du hast doch nicht wieder Mhancha mitgebracht? Willst du mich mästen?«

Hassan schmunzelte: »Ich weiß doch, was du gern magst. Außerdem habe ich extra nur einen für jeden gekauft.«

»Einer ist keiner.« Lubaid grinste und orderte bei seiner Assistentin Kaffee, den diese nach kurzer Zeit zusammen mit zwei Tellern und Servietten hereinbrachte. Schon bald mischt sich der Duft frischen Kaffees mit dem Mandelaroma.

Die Männer ließen sich einander gegenüber in den bequemen Sesseln nieder, die in der kleinen Sitzecke von Lubaids Büro standen, ehe Hassan in sein Mhancha biss, wobei er achtgab, dass weder Mandelsplitter noch Teigkrümel auf seinen dunklen Anzug fielen. »Hm«, murmelte er und schloss für einen Augenblick genießerisch die Augen, während er sich die letzten Reste der honiggetränkten Mandelsplitter von den Fingern leckte. Auch Lubaid schwelgte in der kleinen Köstlichkeit und schien sich kaum davon losreißen zu können.

»Ich glaube, in einem solchen Moment könnte ich alles von dir verlangen, oder?« Hassan, der schneller gegessen hatte als Lubaid, hatte den Freund beobachtet.

Lubaid schluckte. »Keine Chance. Ich kann genießen und anschließend knallhart feilschen, wie du weißt.«

Das weiß ich allerdings und ich könnte mir keinen Besseren als Hotelmanager hier in Aachen vorstellen, dachte er, während er sich in dem kleinen Badezimmer, das an Lubaids Büro angrenzte, die klebrigen Finger wusch.

Hinter ihm erklang Lubaids Stimme. »Meine Schwester kommt mich übrigens am Wochenende besuchen, sollen wir gemeinsam etwas unternehmen?«

»Ich werde nicht in Aachen sein, désolé.«

»Ach, nein?«

»Heute Nachmittag habe ich noch einen Termin wegen der Übernahme in Düsseldorf und dann fahre ich nach Frankfurt. Wie lange bleibt Fatima denn?«

»Bis Sonntagmittag, sie muss ja am Montag wieder arbeiten.«

»Dann werden wir uns wohl nicht sehen.« Hassan zuckte bedauernd mit den Schultern.

»Kannst du den Termin in Frankfurt nicht verschieben? Sie freut sich darauf, dich zu treffen.«

Hassan lachte. »Diesen Termin kann ich beim besten Willen nicht verschieben. Ich habe mir freigenommen und mich bei einem Turnier angemeldet. Ich will einfach mal was anderes sehen, als die Arbeit.«

***

»Mach es.«

Zweifelnd sah Sonja ihre beste Freundin an. Die Idee war aberwitzig – ohne Risiko, damit hatte Marie zwar recht –, aber eben aberwitzig.

»Was hast du schon zu verlieren? Wenn du früh aus dem Wettbewerb ausscheidest, ist es ein vertaner Tag. Erreichst du die Finalrunde, hast du ein Wochenende im Luxushotel gewonnen und wenn du gewinnst, ist es vielleicht die Lösung für all deine Probleme.«

Die Lösung. Das wäre wirklich zu schön. Auf einen Schlag alle Schulden loszuwerden, war ein verlockender Gedanke.

Eine leise Stimme im Hinterkopf mahnte zur Besonnenheit. Es werden Blackjack-Spieler mit mehr Erfahrung mitmachen. Um überhaupt Erfolg zu haben, musst du abgebrüht sein, als ginge es um nichts.

Und eben nicht um die Existenz. Aber um die ging es ja ohnehin, ob sie nun dieser verrückten Idee folgte oder nicht.

Sonjas Blick schweifte zwischen den Umzugskartons umher. Der Gedanke hier herauszukommen, und sei es nur für einen Tag, war verlockend.

Sie seufzte. »Gut, dass ich meine Klamotten noch nicht eingepackt habe. Es gilt doch sicher ein Dresscode, wenn die Veranstaltung in diesem Nobelschuppen steigt.«

Marie strahlte. »Wir machen die Online-Anmeldung fertig und dann suchen wir gemeinsam die Sachen aus.« Eifrig griff sie nach dem Laptop und rief die Seite des Veranstalters auf. Als das Anmeldeformular zu sehen war, reichte sie das Gerät an Sonja weiter.

»Meinst du wirklich?« Sonja kaute auf ihrer Unterlippe.

»Jetzt mach keinen Rückzieher!«

Mit einem Schnauben griff Sonja nach dem Computer und begann, die Maske auszufüllen. Erst als sie fertig war und die Eingaben noch einmal auf ihre Richtigkeit prüfte, sah sie, dass sie ihren Mädchennamen angegeben hatte. Müller stand dort, nicht Reinhard, der Name ihres verhassten Ex. Anfangs war sie froh gewesen, den Allerweltsnamen ihrer Mädchentage los zu sein. Wie lange war das her? Egal. Bald würde sie wieder so heißen. Einen letzten Termin vor Gericht würde es noch geben, dann war diese Ehe Geschichte. Trotzdem, heute hieß sie Reinhard und an der Namensangabe sollte es nicht scheitern. Sie korrigierte den Eintrag und kontrollierte akribisch die anderen Felder: 28 Jahre, Köln … Bevor sie es sich noch einmal anders überlegen konnte, klickte sie auf Senden.

Postwendend kam die Bestätigungsmail mit dem Zugangscode zur Online-Vorrunde.

»Fünfzigtausend Euro«, Maries Stimme bekam einen schwärmerischen Klang.

»Die wollen erst einmal gewonnen werden. Nur der Beste erhält Geld. Alle anderen Finalteilnehmer werden mit dem Wochenende abgespeist.«

»Abgespeist. Also ehrlich. Es ist ein angesagtes Hotel mit Sternerestaurant und grandiosem Wellnessbereich, Massagen, Zimmerservice …«, Marie schüttelte den Kopf.

»Langsam«, bremste Sonja die Freundin. »Vor dem Livespiel in Frankfurt muss ich die Vorrunde im Online-Casino überstehen.« Sie loggte sich mit dem Code aus der Mail ein.

»Wie spielt man Blackjack eigentlich?« Marie reckte den Hals, um mit Sonja gemeinsam auf den kleinen Bildschirm des Laptops schauen zu können.

»Weißt du noch, wie wir früher Siebzehnundvier gespielt haben? Blackjack funktioniert genauso. Du bekommst zwei Karten und kannst weitere einfordern, mit dem Ziel, möglichst nah an die Einundzwanzig zu kommen.« Sonja klang leicht abgelenkt, weil sie gleichzeitig versuchte, sich ein Bild zu machen, wie das Spiel online ablief.

»Stimmt, wer mehr als einundzwanzig Punkte hat, verliert. Aber wie gewinnt man dabei Geld?«

Mit einem Seufzen wandte sich Sonja vom Bildschirm ab und ihrer Freundin zu. »Bevor ich Karten bekomme, setze ich einen Geldbetrag und dann spiele ich gegen den Dealer, also den Kartengeber.«

Maries Augen weiteten sich erschrocken. »Dann kannst du dabei Geld verlieren?«

Sonja schmunzelte. »Im echten Casino ja. Hier spiele ich online im Rahmen dieser Werbeaktion mit virtuellem Geld, meinem Bonus für die Neuanmeldung. Wenn ich den Betrag verdopple, darf ich am Livespiel in Frankfurt teilnehmen, ohne Geld einzusetzen.«

»Puh, da bin ich aber erleichtert! Jetzt hatte ich doch einen Moment Angst, es ginge dabei um dein Geld.«

Sonja umarmte die Freundin herzlich. »Keine Bange.« Sie konzentrierte sich jetzt wieder auf den Bildschirm. »Na dann.« Mit ihrem Einsatz startete sie das Spiel, und erhielt Karten. Gleich beim ersten Mal hatte sie Glück und bekam ein Ass und eine Zehn.

»Das ist übrigens ein Blackjack. Der gibt mehr Geld, vorausgesetzt der Dealer hat weniger Punkte«, kommentierte sie.

Schweigend spielte sie die nächsten Runden und langsam aber stetig vergrößerte sich ihr Guthaben.

»Mist!«

»Was ist?« Marie schaute verständnislos auf den Bildschirm.

»Das war ein sogenannter Bust, ich habe mich überkauft und mehr als einundzwanzig Punkte. Der letzte Einsatz ist weg.«

Nun spielte Sonja vorsichtiger weiter, was zwar den Kontostand hielt, aber nicht vermehrte. So kann das nicht weitergehen, dachte sie und verdoppelte den Einsatz, als sie eine Zehn bekam. Sie hielt den Atem an, während sie auf die zweite Karte wartete. Wenn sie nun einen kleinen Zahlenwert erhielt, würde sie wahrscheinlich verlieren, da sie nur noch eine Karte bekommen konnte. Das war der Preis für die Verdopplung, die eben im Gewinnfall auch mehr einbrachte. Die zweite Karte war ein Bube. Jetzt muss nur noch der Dealer unter Zwanzig bleiben, hoffte sie. Tatsächlich hatte der Geber in dieser Runde nur neunzehn Punkte und sie strich den doppelten Gewinn ein. Nach einem tiefen Durchatmen ging es in die nächste Partie.

Wie viel Zeit verstrichen war, wusste Sonja nicht, als ein goldener Schriftzug auf dem Display aufblinkte.

»Du hast es geschafft!«, jubelte Marie. Sie hatte im Gegensatz zu Sonja gelesen, dass dort zur Verdopplung des Startkapitals gratuliert wurde. »Wow, war das spannend!«

Ein Ton meldete eine eingegangene Mail und ein Fenster öffnete sich, um anzuzeigen, dass die Eintrittskarte zum Turnier angekommen war.

Marie fiel ihr um den Hals. »Dann werden wir dich mal herausputzen. Komm!«

Sonja folgte ihrer Freundin langsam in ihr Schlafzimmer. Marie schob bereits die Bügel auf dem Kleiderständer hin und her. Einen Schrank gab es nicht mehr.

»Das brauchst du unbedingt für das Dinner am Samstagabend.« Sie hielt ein rotes Cocktailkleid in der Hand. Ausgerechnet. In dem Kleid hatte Sonja damals geheiratet. Ihr erster Impuls war, das Ding zu nehmen und es in den Müll zu werfen, aber dann hätte sie nichts, um gegebenenfalls am Dinner teilzunehmen. Ein neues Kleid war auf keinen Fall drin.

»Hier sind auch die passenden Schuhe, Handtasche. Was ist mit einer Strumpfhose?«

Die Frage war berechtigt, schließlich trug Sonja fast nie Kleider oder Röcke. Für den besonderen Anlass damals hatten es halterlose Strümpfe sein müssen. Auch die lagen noch in einer unscheinbaren Schachtel; trotz aller Erinnerungen waren sie so teuer gewesen, dass Sonja sie nicht hatte entsorgen mögen.

»Wow. Habe ich dich jemals in diesen Sachen gesehen?«

Ein Kopfschütteln. Sonja war gerade nicht nach Reden, was Marie bemerkte und mit einer kurzen Umarmung quittierte, bevor sie sich wieder der Kleiderstange zuwandte.

Schließlich lagen zwei Hosenanzüge mit passenden Blusen, Ballerinas und eben jenes Cocktailkleid mit den zugehörigen Accessoires auf dem Bett.

»So müsste es gehen.«

»Ein Schlafanzug fehlt noch.«

Marie lachte. »Dann traust du dir also doch zu, ins Finale zu kommen?«

Ein Schulterzucken.

»Na komm, ich lade dich heute zum Essen ein und morgen früh bringe ich dich zum Bahnhof.«

Dann komme ich nicht zum Grübeln und fahre auch sicher dorthin. Sonja verstand die unausgesprochenen Hintergedanken der Freundin und war froh darüber.

Beim Essen in der kleinen Pizzeria an der Ecke kam die angekündigte Mail des Veranstalters. Der Ablauf war angehängt, aber den würde Sonja sich während der Zugfahrt morgen anschauen.

Wie vereinbart, klingelte am nächsten Morgen Marie mit einer Brötchentüte und zwei Kaffeebechern an der Tür, und ließ ihren Blick über Sonja gleiten. Mit einem anerkennenden Nicken bestätigte sie Sonjas eigene Einschätzung.

Der Hosenanzug stand ihr ausgezeichnet. Die langen Beine wurden durch das dunkle Blau betont und wirkten noch schlanker, als sie es ohnehin waren. Die Bluse war eng und umschmeichelte Sonjas Figur, gleiches galt für den kurzen Blazer.

»So kann ich dich auf die Menschheit loslassen«, verkündete Marie, nachdem sie ihre Freundin auf jede Wange geküsst hatte.

»Ich wäre ja gerne Mäuschen«, ergänzte sie, »wenn du in dem Aufzug schon so viel hermachst, würde ich dich gern in dem Kleid sehen. Den Männern an deinem Spieltisch wird es schwerfallen, sich auf ihr Blatt zu konzentrieren.«

»Auch Frauen spielen«, wandte Sonja ein und wies auf sich, »und wenn Profis dabei sind, wird sie nichts aus der Fassung bringen können.«

»Trotzdem kann es nicht schaden, wenn du noch einen Knopf deiner Bluse öffnest.« Unbefangen nestelte sie an dem besagten Knopf und grinste anerkennend. »Schicker BH.«

»Lass das. Erst einmal muss ich den Zug erreichen. Ich möchte auch keine Missverständnisse hervorrufen, weder unterwegs noch beim Empfang.«

»Ich möchte ja auch nicht, dass dich die Sitte wegen unerlaubter Prostitution im Nobelhotel gleich einkassiert.«

Sonja verdrehte die Augen.

»Aber du solltest die Möglichkeit im Hinterkopf haben. Wenn es heiß wird, kannst du beiläufig den Knopf öffnen und deine Gegner mit deinen Mädels da ablenken.« Marie deutete auf den offenen Ausschnitt, den Sonja gerade wieder zuknöpfte.

Schwatzend ging sie hinunter zu Maries Auto, den kleinen Koffer in der Hand, und Sonja war froh über die Ablenkung, die ihre Freundin ihr bot. So brauchte sie nicht über das bevorstehende Wochenende nachzudenken.

2. Frankfurt

Das Gedankenkarussell startete fast zeitgleich mit dem Zug. Nach dem letzten Blick auf Marie, die euphorisch und mit Daumen nach oben winkte, lehnte sich Sonja in das Polster zurück. Auf dem Smartphone las sie nun in Ruhe die Anhänge der zweiten Bestätigungsmail.

Neben dem zeitlichen Ablauf waren noch einmal die Regeln aufgeführt, nach denen Blackjack gespielt werden würde. Sonja entdeckte nichts Neues.

Etwas entspannter hob sie den Kopf und blickte aus dem Fenster. Es war eine Weile her, seit sie mit ihrem Ex gemeinsam Stammgast im Casino gewesen war. Während er den Roulettetisch oder das Würfeln vorzog, hatte es sie immer wieder zu den Karten gezogen. Und im Gegensatz zu ihrem Ex-Mann hatte sie stets mit einem klaren Limit gespielt. Sobald der Einsatz weg war, hatte sie aufgehört. Einige Male hatte sie auch im Casino ihr Geld vermehrt und sich gefreut, aber alles in allem war es eine Nullnummer gewesen – bei ihr. Sie hatte zwar bemerkt, dass Nick deutlich risikofreudiger, aber nicht, wie weit er tatsächlich gegangen war. Nach außen hatte er sich immer als smarter Geschäftsmann gezeigt, der alles im Griff hatte und doch hatte er sich übernommen, weit mehr verspielt, als er besaß.

Entschlossen verstaute sie das Smartphone in der Handtasche und ließ den Blick über die Mitreisenden im Abteil wandern. Gegenüber saß ein Herr im Anzug, der sie interessiert beobachtete. Als sie nun zurückblickte, nickte er ihr lächelnd zu und schaute dann aus dem Fenster.

Auch Sonja blickte auf die vorbeifliegende Landschaft und ließ ihre Gedanken treiben.

Als sie Nick kennengelernt hatte, hatte er sie sofort beeindruckt. Er war so weltmännisch, so versiert aufgetreten. Das Gegenteil von ihr, die sich immer schnell begeistern ließ, und damals eher flippig gewesen war. Seine Ruhe hatte ihr gutgetan. Sie hatte an die große Liebe geglaubt.

Die große Liebe für drei Jahre.

War sie blöd gewesen! Heirat, den Job gekündigt, um sich ganz um ihren Traummann kümmern zu können, der Wunsch nach einem gemeinsamen Baby, das nicht kommen wollte. Rückblickend war sie erleichtert und froh, nicht auch noch ein Kind versorgen zu müssen. Solange sie in der Eigentumswohnung lebte, reichte der Minijob für die laufenden Kosten, aber jetzt? Die Wohnung war zwangsversteigert und musste geräumt werden. Eine neue Bleibe hatte sie noch nicht finden können, bezahlbarer Wohnraum war knapp in Köln. Einen neuen Job brauchte sie auch, einen, der ihr half, die drückenden Schulden abzubauen.

Mit einem Schnauben schob sie die Sorgen um Wohnung und Geld beiseite und lächelte ihrem Gegenüber entschuldigend zu, der sie wegen des Geräusches irritiert musterte. Etwas verlegen gab sie vor, die Mitreisenden im Gang zu beobachteten, und richtete ihre Gedanken auf das Blackjack-Turnier. Sie war ihrer Freundin dankbar, sie mit dieser verrückten Idee aus Köln herausgeführt zu haben. Für die nächsten Stunden – oder Tage? – war sie nicht die gescheiterte Ehefrau, sondern … ja was eigentlich? Sonja richtete sich auf. Sie würde als selbstbewusste Zockerin auftreten, ihr Pokerface einsetzen, an dem sie lange gearbeitet hatte, weil Nick immer meinte, sie sei so leicht zu durchschauen.

Vom Hauptbahnhof Frankfurt ging es mit der Straßenbahn weiter, drei Stationen später stieg sie an der Haltestelle Festhalle, Messe aus. Auf dem Vorplatz ließ sie das historische Gebäude auf sich wirken und schaute zur Kuppel hoch.

Sie haben ihr Ziel erreicht, hallte es durch ihren Kopf. Mit einem Grinsen durchschritt Sonja den Eingang und gab zunächst ihr Gepäck an der Garderobe ab. Erst danach machte sie sich zur Anmeldung auf. Mit ihrem Teilnehmerausweis verschaffte sie sich einen Überblick, wo ihr erstes Spiel stattfinden würde.

Weil bis zum großen Start noch Zeit war, stieg sie die Treppen zum ersten Rang hinauf, um sich die Festhalle anzuschauen. Die eiserne Dachkonstruktion aus dem letzten Jahrhundert war beeindruckend, und sie ließ den riesigen Raum auf sich wirken. Tageslicht drang durch die Kuppel und leises Gemurmel, sowie das Geraschel unzähliger Füße umfingen sie während ihrer Besichtigung. Sie war überrascht, wie viele Menschen hier waren. Der Blick nach unten offenbarte zahllose Spieltische, die darauf warteten, besetzt zu werden. Da die erste Runde in mehreren Schichten gespielt werden würde, mussten es weit über tausend Spieler sein. Beeindruckt, aber fest entschlossen, sich nicht entmutigen zu lassen, machte sie sich wieder auf den Weg hinunter ins Foyer. Hier nahm die Geräuschkulisse nochmals zu.

Das Erdgeschoss der Festhalle, in dem die Spieltische aufgebaut waren, war noch gesperrt und so warteten die meisten Spieler, weitere kamen oder drängten sich zu den Treppenaufgängen durch, um die erste Runde aus dem Rang zu verfolgen. Sonja bot sich ein buntes Bild. Erwachsene aller Altersklassen und in den unterschiedlichsten Outfits waren zusammengekommen. Direkt neben ihr standen einige jugendlich wirkende Männer beisammen und überspielten ihre Nervosität mit flapsigen Sprüchen. Sie trugen Jogginghosen und weite T-Shirts. Sonja konnte nicht verstehen, was sie sprachen, aber das Gelächter war deutlich zu hören. Es gab vereinzelt Teilnehmer, die gemäß der Kleiderordnung für Casinos gekleidet waren. Strenggenommen war Sonja dies selbst nicht, aber die Vorstellung, vormittags in einem Kleid in dieser Menschenmasse zu stehen, erheiterte sie. Die wenigen Frauen, die sie von ihrem Standort ausmachen konnte, trugen gehobene Freizeitkleidung. Und ihr Hosenanzug hatte in den früher besuchten Casinos in Duisburg oder Aachen kein Aufsehen erregt.

Dann kam Bewegung in die Menge. Die Türen wurden geöffnet und die Spieler strömten in den Saal. Sonja wartete, bis das Gedränge nachließ, bevor sie sich auf den Weg machte. Sie musste fast auf die andere Seite und passierte auf ihrem Weg viele Spieltische, an denen die Teilnehmer von den Croupiers begrüßt wurden.

Schließlich nahm sie selbst Platz und musterte ihre Mitspieler für die erste Runde. Eine bunte Mischung setzte sich nach und nach an ihren Tisch. Vom Milchbart mit Jeans und T-Shirt, über zwei Männer in ihrem Alter, bis hin zu einem gepflegten Herrn im Anzug, der überheblich lächelnd ebenfalls die anderen beobachtete, während er sich durch den ergrauten Dreitagebart strich.

Kurz kreuzten sich ihre Blicke, dann trat der Croupier heran und bereitete sich mit den letzten Handgriffen auf die kommende erste Spielrunde vor. In diesem Moment knackte es in den Hallenlautsprechern.

»Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie im Namen des Fremdenverkehrsverbandes, sowie der Casinogesellschaft und der Sponsoren zum ersten Blackjack-Turnier der Stadt Frankfurt. Mit der Anmeldebestätigung sind Ihnen die Spielregeln und Abläufe zugekommen. Wir starten mit einem zentralen Signal und Sie bekommen zunächst das einheitliche Startkapital ausgehändigt. In vorgegebener Weise werden Sie an drei Tischen zunächst Ihr Kapital einsetzen und so die Vorrunde bestreiten. Am Ende der drei Spielrunden gibt es Erfrischungen im Foyer, während im Hintergrund die Auswertung vonstattengeht, und so werden Sie frisch gestärkt in die Zwischenrunde starten können. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.«

Kaum, dass die Ansprache beendet war, fand Sonja einen sorgfältig geschichteten Stapel Jetons vor sich, wie sie ihn nun auch bei den anderen entdeckte. Der Croupier an ihrem Tisch schob gerade dem Milchbart die Spielmarken zu, der sie gekonnt durch die Finger gleiten ließ.

»Wenn Sie bereit sind, werden wir nun starten.« Die letzten Worte gingen im Heulen einer Sirene unter, die den Beginn des Turniers markierte. Alle schoben ihre Einsätze in die Tischmitte und bekamen ihre Karten. Der Spieler rechts neben Sonja verlangte eine weitere. Sie selbst hatte einen König und eine Acht, und verzichtete daher, denn mit achtzehn Punkten war sie den angestrebten einundzwanzig sehr nahe. Nach und nach wurde weiter ausgeteilt und schließlich deckte der Dealer seine zweite Karte auf. Die Bank hatte einen Blackjack.

Sonjas erster Einsatz war also verloren. Milchbart und der ältere Herr hatten ebenfalls einen Blackjack und hielten ihre Einsätze.

Einige Spiele später hatte Sonja zumindest ihr ursprüngliches Guthaben wieder erreicht und kurze Zeit danach verkündete die Sirene das Ende der ersten Spielrunde. Sonja nahm ihre Jetons und nickte den anderen zum Abschied zu. Zwei Tische weiter würde sie ihre nächste Runde bestreiten.

Nach der anfänglichen Aufregung hatte sich in Sonja ein Gefühl von Routine ausgebreitet. Sicher, der letzte Casinobesuch lag lange zurück, aber sie hatte mit ihrem Ex regelmäßig gespielt. Auch wenn die Atmosphäre in der Stadthalle vollkommen anders war, als in einem Casino, so war es doch das gleiche Spiel. Was sie zunächst sehr abgelenkt hatte, war der hohe Geräuschpegel. Zwar wurde nicht laut gesprochen, kommentiert oder gar applaudiert, aber die große Menschenmenge erzeugte einen ungewohnten Lärm. Ständig war Geraschel oder Husten zu hören und auch die leisen Gespräche zwischen Kartengeber und Spieler summierten sich bei so vielen Tischen. Hinzu kam das Gemurmel von den Zuschauern aus dem Rang von oben. Wie viel angenehmer war da die leise gepflegte Atmosphäre bei zwei bis fünf Blackjack-Tischen in einem Casino.

Die zweite Runde beendete sie dann auch mit einem deutlichen Plus, das sie in der dritten schließlich halten konnte. Am Ende gaben alle Spieler ihre Jetons dem Dealer, der die Gewinne in ihrem Beisein säuberlich notierte.

Im Foyer drängte sich die Mehrzahl der Teilnehmer um die Tische, an denen belegte Brötchen verkauft wurden.

Sonja ließ ihren Blick durch den Raum schweifen und entschied sich dann für einen Kaffee. Am Stand zu ihrer Rechten war die Schlange überschaubar und so stellte sie sich an. Sie bekam bald den bestellten extragroßen Latte Macchiato überreicht und drehte sich nach einem kurzen Dank schwungvoll um. Unmittelbar hinter ihr stand jemand im dunklen Anzug, gegen den sie nun mit ihrem Arm stieß. Der Kaffee spritzte hoch.

»Oh, punaise!«, der Fremde schreckte zurück, um dem Kaffeeschwall auszuweichen.

Auch Sonja wich zurück, während sie ihr Gegenüber entsetzt anstarrte. Das Platschen des Kaffees ließ sie den Blick senken. Zwar hatte die heiße Flüssigkeit ihn nicht direkt getroffen, aber seine Schuhe bekamen gerade milchkaffeefarbene Tupfen.

»Oh Gott! Es tut mir leid, ich …« Was stammelte sie denn da? »Moment.« Sie drückte dem verdutzten Mann ihren Kaffeebecher in die Hand und nahm sich vom Tresen eine Handvoll Servietten. Einige legte sie in die Kaffeepfütze, bevor sie vorsichtig, um nicht selbst auszurutschen und in die Lache hineinzufallen, seine Schuhe säuberte. Dann schob sie die vollgesaugten Papiertücher zusammen und wischte noch einmal nach. Im Aufstehen musterte sie sowohl seine als auch ihre Hose und warf die nassen Servietten in den Müll.

»Es tut mir wirklich sehr leid«, wiederholte Sonja, »zumal ich augenscheinlich weniger abbekommen habe als Sie.«

»Da haben Sie wohl recht. Es hätte aber schlimmer kommen können.«

»Darf ich?«, sie deutete auf den Kaffeebecher in seiner Hand.

Sonja bekam ihren deutlich geleerten Becher von ihm zurück und streckte ihm ihre Hand entgegen: »Mein Name ist Sonja Reinhard, soll ich für die Reinigung aufkommen?«

Überrumpelt schüttelte er ihre Hand. »Es ist ja nichts weiter passiert und meine Schuhe sind schon wieder sauber.« Mit einem Auflachen zeigte er darauf. »Sind Sie immer so effizient?«

»Wie bitte?«

»Vom Zusammenstoß bis zur vollständigen Beseitigung des Malheurs waren es«, er schaute demonstrativ auf seine Uhr, »gerade mal zwei Minuten.«

Jetzt musste auch Sonja grinsen. »Vielleicht ist ja etwas dran, was ich mal gelesen habe: Damit ein Kaffee wirkt, sollte man ihn nicht trinken.«

»Sondern?«

»Im Original wurde empfohlen, ihn über seine Computertastatur zu gießen. Ein fremder Anzug samt Schuhen wirkt wohl ähnlich.«

Er schmunzelte. Sonja sah seine dunklen Augen leuchten. Erst jetzt nahm sie sich Zeit, ihn genauer zu betrachten. Dunkelbraun waren die Augen, umgeben von feinen Lachfältchen. Passend zu seinem dunklen Teint trug er sein schwarzes Haar leicht lockig, wenn auch sehr kurz.

»Hassan Djamali, angenehm. Darf ich Ihnen einen neuen Becher kaufen?«

Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie noch immer seine Hand hielt. Etwas verlegen ließ sie ihn los und schüttelte ablehnend den Kopf.

»Nein, danke. Nachdem ich Sie angerempelt habe, sollte ich wohl eher Ihnen einen Kaffee anbieten.« Er winkte jedoch ab.

Sie lächelte ihm noch einmal entschuldigend zu und drehte sich um.

Während er seinen Kaffee bestellte, schlenderte Sonja zum Ausgang der Halle, um frische Luft zu schnappen. An der Tür kam ihr jedoch der Qualm der Raucher entgegen, die eng gedrängt zusammenstanden, um dem Rauchverbot zu entgehen. Also drehte sie ab, trank mit zwei Schlucken ihren Becher leer und beschloss, die Toiletten aufzusuchen.

In der Rückschau auf den Zusammenstoß schnaubte sie leise. Sie hatte also immer noch eine Schwäche für braune Augen. Sein Blick hatte sie einen kurzen Moment ihre Umgebung vergessen lassen. Selbst jetzt noch musste sie schlucken, als sie sich an sein Gesicht erinnerte. Dieses warme Braun der lachenden Augen, aufmerksam hatten sie geschaut und interessiert. Ach was, schalt sie sich selbst. Er wird wohl vor allem froh sein, dass nichts passiert ist. Schlanke Hände hatten glatt und warm ihre umfasst. Hassan war ein arabischer Name, aber geflucht hatte er auf Französisch.

***


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Anne Lay – Win my Heart

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Anne Lay ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Sie arbeitet als Lehrerin im Bergischen Land (NRW). Die Begeisterung für Geschichten begleitete Anne Lay schon früh durchs Leben. Seit 2006 widmet sie sich dem Schreiben.

Win my Heart – Spiel um die Liebe

Lässt sich im Casino nur das Glück im Spiel oder auch das Glück in der Liebe finden?

Stuttgart, Februar 2018.  Seit ihrer Kindheit hat sich Anne Lay Geschichten ausgedacht: „Bücher, deren Figuren mich gepackt hatten, mochte ich nicht einfach beenden. Also dachte mir neue Abenteuer für meine Helden aus. Nach und nach kamen immer mehr eigene Ideen hinzu.“ Einen ersten Text gibt sie einer befreundeten Journalistin zum Lesen und wird von ihr ermutigt, weiterzumachen. Lay zieht die Inspiration für ihre Romanfiguren aus Menschen, denen sie im realen Leben begegnet. So entstehen charakterstarke Protagonisten, denen sie in ihren Geschichten ein spannendes Leben einhaucht. Der Leser möchte sie näher kennenlernen und ihnen durch Verwicklungen und Schwierigkeiten folgen, miterleben, wie sie sich annähern und Hindernisse meistern. Und genau das macht für Lay eine gute Lovestory aus.

Zum Inhalt von Win my Heart: Er ist einer der reichsten Junggesellen, dem die Frauen scharenweise zu Füßen liegen. Sie steht vor den Scherben ihres Lebens, zwischen der Zwangsversteigerung ihrer Wohnung und ihrer Scheidung – und sie setzt alles auf eine Karte. Sonja nimmt nimmt an einem Blackjack-Turnier teil, bei dem ein großer Geldgewinn lockt und begegnet Hassan. Was hält Fortuna für sie bereit: Glück im Spiel oder Glück in der Liebe? Nach einer magischen Nacht trennen sich allerdings ihre Wege wieder. Sonja hat kein Interesse, sich nach der Enttäuschung mit ihrem Ex schon wieder in den Falschen zu verlieben. Doch er kann sie nicht vergessen … aber kann sie ihm auch vertrauen?

Download Pressemitteilung: PM 02-2018_dp_Digital Publishers_win my heart

Anne Lay – Win my Heart

Spiel um dein Herz: In der spannenden Welt eines Casinos begegnen sich interessante Charaktere und faszinierende Kulturen. In dem neuen Roman von Anne Lay entspinnt sich vor dieser Kulisse eine romantisch-dramatische Liebesgeschichte.