Versuchung zu viert

Zehn: Dominic

 Ich bin direkt froh, dass ich mich heute doch für die Jeans entschieden habe. Verflucht, hat Alina immer schon so heiß ausgesehen? Alter, du hast ihr gerade voll auf die Brüste und auf den Hintern gestarrt! Mist. Ob Kim etwas gemerkt hat? Aber die scheint mit den Gedanken woanders zu sein.

Entweder bin ich aufgrund der Lernerei in den letzten Monaten hormonell unterfordert, oder es liegt daran, dass ich sie zuletzt im Winter gesehen habe. Da hatte sie einen dicken Pulli und eine lange Hose an. In diesem dünnen Top und den Shorts sieht man, was sie für eine Hammerfigur hat. Wie sie sich gerade nach der Tasche gebückt hat und ihre Shorts sich so über diesen perfekten, knackigen Apfelpo gespannt haben … hui! Ich musste mich zwingen, nicht wie ein sabbernder Idiot draufzustarren, als sie vor mir herging. Die dunklen Haare und die tolle Sonnenbräune – genau mein Typ. Kim ist natürlich auch megahübsch. Aber, wenn ich ehrlich bin, sind blonde Haare gar nicht unbedingt mein Favorit. Kim steht das helle Blond – sieht toll aus an ihr. Sie könnte Werbung für Urlaub in Schweden machen. Verliebt habe ich mich zuerst in ihre tollen blauen Augen und ihr Lachen. Ihre ganze Art – es hat eben gepasst. Und das werde ich jetzt auch nicht aufs Spiel setzen, indem ich wie ein Blödmann ihre beste Freundin angaffe.

Okay, also krieg dich jetzt gefälligst unter Kontrolle und denk an etwas Urlangweiliges oder Ekliges – Raststättenklos, Strömungsmechanik, der Badmülleimer … puh! Problem vorerst gelöst. Das sollte mir jetzt aber nicht noch einmal passieren – schon gar nicht in Badehose. Kim hat was von einem Whirlpool und einer Sauna gesagt. Na, Prost Mahlzeit. Das wird noch lustig.

Dieser Cito scheint ganz locker drauf zu sein. Netter Typ. Aber ob er auch noch so nett ist, wenn er spitzkriegt, dass seine Freundin bei mir gerade einen mordsmäßigen Ständer verursacht hat? Wohl kaum. Der sieht eher aus wie der Typ, der dir dann aufs Maul haut. Und Kim? Wie würde Kim reagieren?

Ich muss unwillkürlich grinsen, als ich es mir vorstelle. Die brächte es nämlich fertig und würde sich darüber kaputtlachen, wenn sie wüsste, was da gerade in meiner Jeans los war. Und dann würde sie mich damit den ganzen Urlaub lang piesacken.
»Los, hol mir einen Drink, oder ich sage Alina, dass du ihr auf den Arsch geguckt hast.«
Die meisten Mädchen, die ich kenne, würden mir die Augen auskratzen und mich auf der Stelle verlassen. Kim nicht. Die ist echt entspannt. Sie ist selbstbewusst genug zu wissen, dass ich sie liebe und schon keinen Unsinn machen werde. Das ist das Tolle an ihr. Ehrlich, ich kann froh sein, dass ich eine so entspannte Freundin habe, die mich nie kontrolliert oder mich grillt, weil ich mal eine Stunde zu spät bin oder ihr vergessen habe, zu texten. Ich weiß das durchaus zu schätzen und gerade deshalb sollte ich aufpassen, dass ich mich schnell wieder in den Griff bekomme. Also: Strömungsmechanik, Raststättenklos, Badmülleimer …

 

 

Elf: Kim

 Langsam beginne ich, mich ein bisschen zu entspannen. Alina und Dominic scheinen nichts mitbekommen zu haben und Christos hätte ehrlich einen Oscar verdient. Er wirkt so locker und natürlich, während ich glaube, jeder könnte mir das schlechte Gewissen und die schmutzigen Gedanken an der Nasenspitze ansehen.

Nach knapp dreieinhalb Stunden und einem Einkaufsstopp in Flensburg haben wir die Fahrt überstanden. Mir ist es bisher gelungen, mein Unbehagen einigermaßen zu überspielen. Alina hat extra eine Playlist für die Fahrt zusammengestellt. Alle Hits unserer wilden Jugend, die wir lauthals mitgeschmettert haben. Die Jungs waren gleich auf einer Wellenlänge und fingen an, über Fußball, Technik und Marvel-Superhelden zu fachsimpeln. Eigentlich könnte das ein super Urlaub sein – wie gesagt: eigentlich. Wenn da nur nicht die klitzekleine Nebensache wäre, dass ich mit fünfzig Prozent der Mitreisenden Sex hatte und weitere fünfzig Prozent – also genau die Falschen – vollkommen ahnungslos sind. Und wenn da nicht die unwesentliche Kleinigkeit wäre, dass Christos bei mir nach wie vor alle möglichen Gefühle auslöst, die ich auf einer Urlaubsreise mit meinem Freund definitiv nicht haben sollte.

Bei uns herrscht anscheinend frühsteinzeitliche Rollenverteilung: Während Alina und ich auspacken, Getränke kaltstellen und unsere »Höhle« einrichten, sind die Männer damit beschäftigt, Feuer zu machen – sprich, den Grill auf der Terrasse anzuheizen – und sich mit der Zubereitung der in Flensburg erlegten Grillspezialitäten zu beschäftigen. Und damit das Klischee perfekt ist, schnippeln wir Mädels noch brav das Gemüse für den Salat, den es – sind wir mal ehrlich – gar nicht erst geben würde, wenn unsere Höhlenmänner den Speiseplan zu bestimmen hätten. Manchmal wundert es mich, wie Dominic so gut in Form bleibt, bei der Ernährung. Allerdings treibt er auch viel Sport und er hat ja mich, die dafür sorgt, dass er auch mal was Gesundes isst.

Kurze Zeit später brutzeln die ersten Fleischstücke auf dem Grill und verbreiten einen verführerischen Duft, der sich mit der würzigen Seeluft mischt und bei mir für Urlaubsfeeling sorgt. Langsam senkt sich die Sonne, doch es ist noch immer sommerlich warm. Ich freue mich auf unseren selbstgemixten Hugo und Gegrilltes. Es fühlt sich alles herrlich normal an und fast könnte ich unser kleines Problem vergessen. Vielleicht ist es doch nicht die Vollkatastrophe, dass wir zufällig beide hier gelandet sind. Es wird uns doch wohl gelingen, die Finger voneinander zu lassen und die Klappe zu halten.

 

Satt und zufrieden lehne ich mich zwei Putensteaks, einen Salat und drei Hugos später in meinem Stuhl zurück, blicke in den dämmrigen Sommerabendhimmel und feiere im Stillen mein Leben, das gerade nicht besser sein könnte – gut, mal von der Komplikation mit Chris abgesehen.

»Ich hol mir noch ein Bier. Du auch noch, Chris?«

»Klar, gerne.«

Dominic ist aufgestanden und geht in den Schuppen, um die Getränke aus dem Kühlschrank dort zu holen. Kurz darauf erscheint sein Kopf wieder in der Tür.

»Geil! Alina, ist das da drin etwa eine Hollywoodschaukel?«

Er zeigt auf das unförmige, von einer Plane verhüllte Etwas, das man durch die geöffnete Tür sehen kann.

»Ja. Die stand früher hier auf der Terrasse, aber seit wir nicht mehr so oft herkommen, haben meine Eltern sie eingemottet.«

»So eine hatte meine Oma im Garten!« Dominic ist begeistert über seinen Fund. »Meinst du, es ist okay, wenn wir sie auf die Terrasse stellen?«

»Das macht ihr aber mal schön alleine!«, findet Alina. »Ich bin pappsatt und rühre jetzt keinen Finger mehr. Aber anschaukeln dürft ihr mich dann anschließend gerne.«

»Warte, ich helfe dir!« Schon ist Chris aufgesprungen, und mit vereinten Kräften hieven die Jungs das alte Schätzchen auf die Terrasse.

Nachdem sie es von der Plane befreit haben, schmeißt Dominic sich lang ausgestreckt auf das blaugeblümte Polster.

»Aaah, gemütlich!«

»Hey! So haben wir nicht gewettet.« Alina springt auf. »Mach gefälligst Platz!«

»Was? Hast du da auch so ein Rauschen gehört, Chris?« Dominic grinst frech und denkt gar nicht daran, Platz zu machen. Die Stimmung ist nach dem Alkoholgenuss nun ziemlich ausgelassen. Ich beginne gerade, mich zu entspannen, als Chris sich auf den freigewordenen Stuhl neben mir setzt. Einen kurzen Augenblick zieht eine Gänsehaut meinen Arm hinauf und setzt sich als Kribbeln in meinem Nacken fest. Ich ärgere mich über meinen blöden Körper und diese verflixten Hormone. Dass dieser Typ immer noch so eine durchschlagende Wirkung auf mich hat!

Wildes Gelächter und Kreischen von der Hollywoodschaukel. Alina hat sich schlicht auf Dominics Beine gesetzt und er versucht, sie mit einer Kitzelattacke zu verscheuchen. Hm. Die beiden verstehen sich aber auch ziemlich gut. Vielleicht ein bisschen zu gut. Kurz durchzuckt mich so etwas wie Eifersucht. Doch dann schelte ich mich selbst für meine Heuchelei. Eifersucht kann ich mir in meiner Situation ja wohl kaum erlauben. Eine Sekunde lang blitzt ein Gedanke auf, der so abwegig ist, dass ich ihn schnell beiseiteschiebe. Ich fühle Christos’ Blick auf mir und sehe schließlich zu ihm hinüber. Er lächelt und nickt mir kaum merklich zu. Als ob er sagen wolle: »Siehst du? Alles okay, kein Grund zur Panik.«

Während Alina und Dominic sich weiter lautstark und ausgelassen um den Platz auf der Hollywoodschaukel balgen, spüre ich eine zarte Berührung an meinem Unterarm. Ich drehe den Kopf und schicke Chris einen »Bist du verrückt!?«-Blick. Wie zufällig streift er mit dem kleinen Finger noch einmal sachte mein Handgelenk, dann zieht er die Hand zurück und schaut etwas betreten. Wahrscheinlich muss er mir recht geben, dass das überhaupt keine gute Idee ist. Doch die Berührung – die spüre ich noch immer. Und nicht nur am Handgelenk. Sie windet sich wie ein elektrischer Strom als aufregendes Kribbeln durch all meine Nervenbahnen und macht sich zwischen meinen Schenkeln breit. Das muss der vielzitierte Reiz des Verbotenen sein, der dieser Chemie zwischen uns noch den letzten Turbokick gibt. Es ist aufregend und abschreckend zugleich, mir vorzustellen, dass wir hier fortsetzen, was wir damals angefangen haben. Hier, quasi direkt unter den Augen von Alina und Dominic. Das Kribbeln lässt bei dem Gedanken keinesfalls nach – im Gegenteil.


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Lia Bergman lebt und arbeitet in einer kleinen Stadt im Münsterland und schreibt Romane über Liebe, Lust und Leidenschaft. Lia ist ausgebildete kaufmännische Assistentin für Fremdsprachen, hat Anglistik und Germanistik studiert und arbeitet als Autorin, Übersetzerin, Lektorin und Sprachlehrerin. Das Herz der reiselustigen Autorin schlägt vor allem für die britischen Inseln und Skandinavien und eine sinnliche Atmosphäre und interessante Kulisse sind für sie wichtige Bestandteile einer fesselnden Geschichte.

Erin Buchanan über ihren neuen Erotikroman

153A6823Worum geht es in deinem Buch Gipfel der Lust?

Physiotherapeutin Emily tritt eine leitende Stelle in einer Privatklinik an. Bereits bei der ersten Begegnung ist sie fasziniert von ihrem Boss in spe Oliver, der mehr als nur ein berufliches Interesse an ihr zu haben scheint. Es ist die Geschichte über Emily, die sich ihrer neuentdeckten, devoten Ader im sexuellen Bereich stellt. Dabei hat sie nicht nur mit ihrer Sexualität zu kämpfen, sondern auch mit ihren Gefühlen zu Oliver. Die Erotik kommt dabei natürlich nicht zu kurz.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Inklusive Vor- und Nachbereitung waren es etwa zwei Monate.

Wie kamst du dazu, einen Erotikroman zu schreiben?

Ich habe mich mit einer Freundin darüber unterhalten, wie schwer es ist, gute Sexszenen zu schreiben und einen Erotikroman nicht zu seicht werden zu lassen. Da ich mich gerne neuen Herausforderungen stelle, beschloss ich, es einmal auszuprobieren. Und siehe da: Es hat funktioniert.

War ein bestimmter Mr. Grey die Inspiration für Oliver? 😉

Nein. Natürlich weiß ich aufgrund des Medienhypes, dass Mr. Grey ein Charakter aus Shades of Grey ist. Das Buch habe ich tatsächlich nie gelesen. Über die Leseprobe bin ich nicht hinausgekommen, da mir der Schreibstil von E. L. James nicht zugesagt hat. Von den Filmen habe ich nur die Trailer gesehen.

Zum BDSM gekommen bin ich durch die Heftromanreihe Shadows of Love, für die ich ebenfalls schreibe. Im Reihenkonzept las ich „(…) Sexszenen, BDSM (…)“, woraufhin ich mich an die Arbeit gemacht habe. Meine Agentin Anna Mechler fragte mich irgendwann, wieso ich ausgerechnet darauf gekommen bin. Tja, dann habe ich nochmals genau im Konzept nachgelesen und da steht „(…) Sexszenen, z. B. BDSM (…)“. Das war mal wieder so ein typischer Erin.

Wie sieht deine Herangehensweise an das BDSM-Erotik-Thema aus?

Ich habe viel im Internet recherchiert, mich in BDSM-Foren herumgetrieben, entsprechende Romane gelesen und eine Freundin ausgequetscht, die aktiv BDSM betreibt.

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Mir ist es wichtig, dass die Sexszenen anschaulich beschrieben sind und die Hauptcharaktere eine gewisse Gefühlstiefe aufweisen. Auch zu einem Erotikroman gehört eine Handlung, damit er nicht zu einem reinen Porno verkommt. Von Ausdrücken wie „Lachshöhlen“ und „Schlangengurken“ halte ich nichts. In geselliger Runde haben wir so manches Mal ähnliche Wortneuschöpfungen kreiert und uns darüber schlappgelacht. 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Bei dp Digital Publishers erscheinen noch zwei Erotikromane für die Reihe Secret Desires, die allerdings andere sexuelle Spielarten thematisieren. Danach plane ich mal wieder eine Romantasy, in der eine Polizistin und ein Krieger die Hauptrollen spielen werden.

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Als kleines Mädchen wollte ich Astronautin werden. Ich war fasziniert vom Mond und von den Sternen, weswegen ich unbedingt mal da hinaufwollte. Außerdem belächelte man mich, da zur damaligen Zeit Frauen in der Raumfahrt noch sehr selten waren. Daraufhin wollte ich es natürlich erst recht.

Der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, kam erst auf, als ich etwa 12 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die Bücher der Kinderbücherei ausgelesen und bin meinen Eltern beständig auf die Nerven gegangen, damit sie mir neuen Lesestoff kaufen.

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Wenn ich nicht gerade lese, gehe ich gern spazieren, verbringe Zeit mit meinem kleinen Sohn, werkle im Garten oder trinke Kaffee mit meinen Freundinnen. Ich fotografiere auch sehr gerne und viel. Letztens fragte mich eine Freundin: „Na, hast du Fotos gemacht?“ Gleich darauf griff sie sich an den Kopf, lachte und beantwortete sich die Frage selbst.

Wo ist dein Lieblingsplatz zum Schreiben?

Ist das Wetter schön genug, sitze ich mit meinem Laptop auf der Terrasse. Schreiben fühlt sich für mich ohnehin nicht wie Arbeit an. Draußen zu schreiben ist fast wie Urlaub.

Welches Genre liest du selbst gerne?

Ich lese gerne heitere Liebesromane, Romantasy, Urban Fantasy und Thriller. Wenn mich ein Klappentext anspricht, darf es zwischendurch gerne ein anderes Genre sein.

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Es gibt so viele großartige Autoren, dass es wirklich schwer ist, mich zu entscheiden. Wenn ich es müsste, würde ich Ursula Poznanski nehmen. Durch ihre Bücher fliege ich nur so durch. Ich liebe ihren Schreibstil, ihre Figuren, ihre Settings und ihre Plots.

Was ist das Wichtigste, was man über dich wissen sollte?

Meistens habe ich gute Laune und liebe es, diese auch zu verbreiten. Wenn man allerdings mich, meine Familie oder Freunde ungerecht behandelt, werde ich zum feuerspeienden Drachen.

Erin Buchanan ist seit ihrer Jugend von Sprachen und menschlichen Beziehungen fasziniert. Diese Faszination lässt sie auch in ihre Geschichten einfließen. Dabei hat sie sich vor allem auf Liebesromane spezialisiert, da sie dieses Genre selbst gerne und viel liest. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhof in Köln.

Hier geht’s zur Leseprobe von Gipfel der Lust.