Leseprobe Liebe lieber britisch

KAPITEL EINS

Lady Rowena schnappte beim Anblick von Lord Raouls majestätischem, purpur behelmten Krieger der Liebe vor Entsetzen nach Luft.

„Gütiger Gott“, keuchte sie, einer Ohnmacht nahe. Ihre Augen weiteten sich, als der Krieger vorwärts schnellte und seine mächtige Lanze vor ihr schwenkte. „Wie wollt Ihr dieses mächtige Schwert in meine kleine und bisher noch unberührte seidene Scheide bekommen?“

„Genau so“, knurrte Raoul, und er warf sich auf sie und tauchte tief, tief, oh so tief in ihre Tiefen ein, entriss ihr das wertvollste Juwel der Weiblichkeit und entlockte ihr einen Schrei des Vergnügens, als er seine Liebeslanze in ihr versenkte.

 

„Also, was meinst du?“

Ich konnte die Stille fast greifen.

„Komm schon, Isabella, du hast gesagt, du würdest mir hiermit helfen. Was meinst du dazu? Du kannst ehrlich sein, du wirst meine Gefühle schon nicht verletzen.“

„Nun …“

„Es ist sehr lebendig, oder?“

„Ja …“

„Magst du die Symbolik? Ich habe versucht, es anschaulich zu gestalten.“ Ich angelte mir die Teetasse und umschloss ihren kleinen runden Bauch. Er war kalt. Mist. Ich erhob mich von meinem Sitzkissen und tappte barfuß in das Kämmerchen, das als Küche galt.

„Ja, es ist sehr lebendig …“

„Und wie du siehst, habe ich sie im ersten Kapitel schon im Bett. Sex sells, weißt du, und ich habe mit einem großen Knall angefangen. Ha ha, ein Knall, verstehst du?“ Ich kicherte vor mich hin, während ich den Wasserkocher anstellte.

„Ähm …“

„Also, was meinst du nun? Findest du es gut?“ Ich ging zurück und stand schließlich vor der jungen Frau, die sich auf der Weidenrécamiere fläzte. Isabella nagte an ihrer Unterlippe und sah ein wenig unbehaglich aus, obwohl sie auf dem bequemsten Möbelstück in der Wohnung lag. „Alix …“

„Ja?“

„Es ist furchtbar.“

Ich runzelte die Stirn. Furchtbar? Meine Geschichte? „Sicher ist es doch nicht so schlimm, oder?“

Isabella zog eine Grimasse und wedelte mit ihrer schlanken Hand mit den rosa lackierten Nägeln auf eine beiläufige Art und Weise in meine Richtung, als würde sie eine unwichtige Mücke erschlagen.

„Es tut mir leid, Liebling, aber das ist es. Es ist einfach nur furchtbar. Grässlich. Abgedroschen und abscheulich brutal.“

„Brutal? Es ist nicht brutal, es ist erotisch! Das ist ein Unterschied.“

Sie schüttelte den Kopf, ihr Haar ein glänzender Vorhang aus Silberblond, das in meinem Herz meinen eigenen dunklen Haaren geschuldet den heftigsten Neid erweckte, und erhob sich in eine sitzende Position. Sie klopfte auf den Stapel der Manuskriptseiten, der auf dem kleinen Weidentisch neben der Récamiere lag. „Das ist nicht erotisch, es ist gleichbedeutend mit Vergewaltigung. Da sind keine Gefühle im Spiel, bei keinem der beiden Charaktere, kein Vorspiel, keine Zuneigung, nur ein Mann, der sich nimmt, was er kann.“

„Oh.“ Ich spürte, wie mein Gesichtsausdruck gemeinsam mit meinen Gefühlen in den Keller rauschte, aber sofort sah ich wieder einen Weg nach oben. Immerhin sagte Isabella von sich selbst, dass sie keine Romane las, und vielleicht würde sie einen guten nicht einmal erkennen, wenn er ihr in den Hintern biss. Trotzdem war es wichtig, dass ich das hier auf Anhieb verstand – ich hatte nicht viel Zeit, mich damit zu befassen. „Mochtest du Lady Rowena nicht? Oder den schneidigen Lord Raoul? Was kann man an ihm nicht mögen?“

„Ich mochte keinen von beiden. Nein, das stimmt nicht. Ich mochte Rowena. Und ich schätze, Raoul ist vielversprechend.“ Sie wedelte erneut mit der Hand und zuckte leicht mit den Schultern, während ich meinen Fuß um einen dreibeinigen Hocker wand, ihn zu mir heranzog und mich vorsichtig darauf setzte. Ich hatte Erfahrung mit diesem Hocker gesammelt in den zehn Tagen, in denen ich in der Wohnung wohnte, und begegnete ihm nun mit dem nötigen Respekt. Mehr als einmal war ich unvorsichtig gewesen, mit dem Resultat, dass der Hocker mich abgeworfen hatte und ich grausame Brandverletzungen von diesem grässlich kratzigen, orangefarbenen Polyesterteppichboden davongetragen hatte.

„Ehrlich, Alix, es sind nicht die Personen, es ist deine Art zu schreiben.“

Ich setzte mich auf und griff nach der Platte mit den Zitronenkeksen, von denen Isabella sich gerade einen nehmen wollte. Das war jetzt wirklich ein bisschen viel! „Was stimmt nicht mit meiner Art zu schreiben?“

„Na ja, sie ist ein bisschen … purpur.“

„Purpur!“

„Ja, purpur. Überzogen. Niemand nennt einen Schwanz einen purpur behelmten Krieger der Liebe.“

Ich wurde ein bisschen rot. „Na ja, ich nenne es auch nicht … du weißt schon.“

„Was?“

„Du weißt schon. Wie du es genannt hast. Das Sch-Wort.“

„Schwanz?“

„Ja.“

„Wie nennst du es?“

„Ich verwende beschönigende Umschreibungen“, sagte ich mit großer Würde und erlaubte Isabella, sich genau einen Zitronenkeks zu nehmen. Es waren meine Lieblingskekse, und sie waren sehr teuer. Aber sie war meine Vermieterin und sie hatte freiwillig angeboten, mir ihre Meinung zu meinem Werk mitzuteilen. Manchmal waren Opfer eben unvermeidlich. „Trotzdem möchte ich letztendlich Schriftstellerin werden. Ich denke, ich werde eben eher auf der überschwänglichen Seite stehen, um genau zu sein.“

Isabella schürzte die Lippen und legte einen eleganten Finger auf deren rosige Fülle. Als ich ihren perfekten Mund in ihrem perfekten Gesicht auf ihrem perfekten Körper anschaute, sog ich meine Unterlippe ein und knabberte die Hautfetzen ab, die sie zierten. Währenddessen notierte ich mir in Gedanken, herauszufinden, ob die staatliche Krankenversicherung für Amerikaner auf Besuch plastische Chirurgie abdeckte.

„Euphemismen wie Liebeslanze und irgendetwas mit einem Helm sind passé, Alix. Ich schlage vor, du versuchst etwas weniger Blumiges.“

„Blumig, ja?“ Sie nickte. Ich dachte darüber nach. „Wie wäre es, wenn ich die erste Zeile wie folgt ändere: Lady Rowena schnappte beim Anblick von Lord Raouls pulsierender Männlichkeit nach Luft …

„Nein“, sagte Isabella entschieden und schüttelte den Kopf. Ihre Pagenfrisur wippte nachdrücklich. „Kein Pulsieren. Nichts sollte pulsieren. Es klingt, als wäre etwas krank. Denk dir etwas anderes aus.“

„Mmm … Lümmel und Schniedel?“

Sie hob eine perfekt geformte hellblonde Augenbraue. „Ich denke nicht.“

„Ähm … Fleischpeitsche?“

„Wirklich, Alix, das ist nicht dein Ernst.“

„Wie wär's mit Ständer? Ständer ist gut. Ich mag Ständer. Ständer hört sich männlich und kräftig an und nicht im Mindesten krank.“

„Nein“, sagte sie gedehnt, nachdem sie einen Moment überlegt hatte. „Das ist zu plump. Wenn du meinen Rat hören willst …“

„Was ist mit Gemächt?“

„Was?“

„Zu altertümlich?“

„Definitiv.“

„Wie wär's mit Streitaxt?“

Sie schauderte leicht. „Zu gewalttätig. Wieso musst du um den heißen Brei herumreden? Wenn du nicht Schwanz sagen willst, dann sag eben Glied.“

„Glied“, spottete ich. „Glied! Wie prosaisch. Glied.“

Sie schaute auf die schmale Golduhr an ihrem filigranen Handgelenk. Ich gab meinen Protest auf und ging zum nächsten Thema über, denn ich hielt es für besser, die wirklich wichtigen Dinge zu klären. Wenn ich eins gelernt hatte, dann war es, sich nicht über Kleinigkeiten den Kopf zu zerbrechen.

„Na schön, damit wir endlich weiterkommen, ich nehme Glied. Jetzt zur nächsten Szene …“

„Weißt du, Schätzchen, ganz ehrlich, ich glaube du bist ein bisschen überfordert mit dem Projekt. Du hast selbst gesagt, dass du noch nie etwas geschrieben hast, und nun gleich mit einem Roman zu beginnen scheint mir ein wenig …“

„Gewagt?“

Sie seufzte. „Ambitioniert. Alix, ich glaube, du solltest deinen Plan noch einmal überdenken. Sicher würde deine Mutter es verstehen, wenn du zu dem Schluss kämst, dass es für dich einfach zu viel ist, um es in drei Monaten zu bewältigen. Warum genießt du nicht einfach deinen Urlaub, anstatt die ganze Zeit zu schreiben? Du könntest herumreisen, nach Europa fahren, dir den Rest Englands ansehen …“ Sie schwieg, als ich eine ungezogene Grimasse schnitt.

„Ich denke, du hast meine Mutter anhand des Geldes, das sie für die Wohnung überwiesen hat, nicht besonders gut kennengelernt, aber ich kann dir sagen, dass unsere Vereinbarung in Stein gemeißelt ist. Und es sind keine Änderungen erlaubt: Sie bezahlt diese recht teure Wohnung für zwei Monate, und ich schreibe ein Buch. So einfach ist das. Wenn ich es nicht schaffe …“ Mein Mund wurde trocken angesichts der Alternative. „Nun, ich möchte lieber nicht daran denken. Wenn ich das Buch beende, kann ich leben wie Gott in Frankreich. Mom hat zugestimmt, dass ich ein Jahr mietfrei in der Wohnung über ihrer Garage wohnen kann, um mich als Schriftstellerin zu etablieren. Danach ist meine weitere Zukunft verhandelbar.“

Träge griff sie nach dem roten Lackfächer, der auf dem Beistelltisch neben dem Teetablett lag. Ich ignorierte die Fragen in ihren Augen und sah nach dem Teewasser.

„Falls du dich wunderst, ich habe diese Teebeutel weggeschmissen und mache den Tee jetzt so, wie du ihn magst. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir immer noch ein Rätsel ist, wie ihr Engländer im Hochsommer heißen Tee trinken könnt.“ Ich füllte die Teekanne mit heißem Wasser und gab losen Tee hinzu. „Man sollte Eistee trinken, wenn es draußen dermaßen heiß ist.“

Isabella inspizierte ihre perfekt lackierten, roséfarbenen Fußnägel. „Tee sollte heiß sein und nicht kalt“, sagte sie spitzfindig und lächelte, während ich den Tee auf den kleinen Tisch neben ihr stellte. „Und Kaffee sollte mit Milch getrunken werden und nicht schwarz.“

Ich schauderte, als ich das Sitzkissen neben den Tisch kickte. „Ich werde nicht schon wieder mit dir darüber diskutieren. Du vergisst, dass ich aus Seattle bin. Wenn es nicht stark genug ist, um Farbe zu lösen, ist es kein richtiger Kaffee.“

„Du sagst das mit Stolz.“

Sofort lag mir eine neunmalkluge Antwort auf den Lippen, aber sie schwand dahin, als ich einen Ausdruck von Besorgnis in ihren Augen sah. Ich hatte ihr nicht viel über mein Leben erzählt, aber Isabella hatte offenbar die unheimliche Gabe, hinter die Kulissen zu blicken. Ich lächelte sie reumütig an und ließ mich auf das Kissen plumpsen. „Für Leute aus Seattle ist ihr Kaffee sehr wichtig.“

„Was machst du, wenn du dein Buch nicht fertig kriegst?“

Ich überlegte, was ich ihr sagen sollte, während ich Mutti spielte und Tee eingoss, ihren mit Milch, meinen mit Zitrone. Ich kannte Isabella erst seit wenig mehr als einer Woche. Seit dem Tag, an dem ich die Wohnung zur Untermiete übernommen hatte. Sie war sehr höflich, aber ziemlich distanziert gewesen, erwärmte sich meiner aber von Tag zu Tag mehr, bis ich ihr gestern von dem Grund für meinen Aufenthalt in London erzählt hatte. Obwohl wir täglich nur ein paar Stunden am Nachmittag miteinander verbrachten, hatte sich unsere Freundschaft sehr angenehm entwickelt. Ich vertraute ihr wie nur wenigen sonst.

„Wenn ich es als Schriftstellerin nicht schaffe, werde ich …“ Ich machte eine Pause, starrte in meinen Tee und hoffte auf Inspiration, auf ein lebensveränderndes Ereignis, auf Hoffnung. „… werde ich ein Sklave sein, der keine Zukunft hat. Keine. Niemals.“

Sie schloss die Lider über ihren himmelblauen Augen. Draußen heulte die Sirene eines Streifenwagens, der sich durch den dichten Nachmittagsverkehr kämpfte, um die Ecken des Beale Square fuhr und endlich Gott weiß wohin entschwand. Wir tranken unseren Tee in kameradschaftlichem Schweigen. Der aromatische Duft des Earl Greys vermischte sich mit dem intensiven Geruch der frischen Zitrone und der leicht sauren Note der Blumen, die ich im Laden an der Ecke gekauft hatte. Ich hörte auf, das Unvermeidliche vermeiden zu wollen, und sah Isabella an.

„Ich muss los“, sagte sie mit ehrlichem Bedauern und stellte ihre Teetasse neben den wenigen Seiten meines Buches ab. Für einen kurzen Augenblick erschien eine feine Linie zwischen ihren Augenbrauen, als sie die Seiten ansah. Dann wurde ihre Stirn wieder glatt, und sie erhob sich graziös von der Récamiere, strich mit ihren Händen über ihren handgefärbten, blassrosa Hausanzug, den ich fast so sehr begehrte, wie alles, was sie sonst getragen hatte. „Manchmal will man etwas einfach zu sehr, Liebes. Wenn du alles vergisst, was du jemals über das Bücherschreiben gelesen hast, wird dein Stil vielleicht weniger …“

Ich starrte den seidenen Hausanzug einen Augenblick lang an und überlegte, wie viel er wohl gekostet haben mochte, und kam zu dem Schluss, dass er vielleicht teurer war als mein gesamter Englandaufenthalt. „Was?“ Ich erhob mich von meinem Kissen und ging hinüber zur Tür. „Purpur?“ Ich zog einen Schmollmund.

Plötzlich lächelte sie, wobei winzige Lachfältchen rund um ihre tiefblauen Augen erschienen. Sie klopfte mir aufmunternd auf die Hand. „Scheußlich.“

Mein Lächeln wurde ein wenig schwächer, aber ich schaffte es, meinen Dank für ihre Einschätzung zu murmeln.

„Weißt du, was du brauchst?“, fragte sie, während sie ihren Kopf zur Seite neigte und mich ansah. Ich gab meine übliche krumme Haltung auf und machte mich gerade. Ich wünschte, ich hätte etwas Eleganteres an als das schlichte indische Sommerkleidchen, das ich in einem kleinen Laden in der U-Bahn-Station gefunden hatte. Ich wünschte mir auch kurz, nicht so amazonenhaft zu sein, sondern ebenso grazil wie Isabella, schob den Gedanken aber beiseite. Wünsche würden mich nicht kleiner, schlanker oder anmutiger machen.

„Was brauche ich denn?“, fragte ich, sobald sie ihre Musterung meines zerknitterten Kleides, meiner nackten Beine und unlackierten Zehennägel beendet hatte.

Ihr Lächeln wurde breiter, und ein Grübchen erschien auf einer Seite neben ihrem Mundwinkel. „Einen Mann.“

„Aha!“ Ich heulte vor Lachen. „Sicher hast du einen in deiner Tasche, nicht wahr? Ich nehme ihn!“

Fragend hob sie eine perfekte blonde Augenbraue.

„Du dachtest, ich sage, dass ich keinen will, oder? Denk noch mal nach, Schwester. Ich suche schon mein ganzes Leben nach einem Mann.“

„Verstehe.“

„Ich hatte schon welche. Ich will nicht, dass du denkst, ich hätte noch keinen gehabt.“

„Ich habe mir nie vorgestellt, dass du noch keinen hattest.“

„Sie waren nur alle Versager. Ich ziehe Versager irgendwie an, verstehst du. Wenn irgendein komischer Typ ankommt, der denkt es sei sexy, Chips über all meine erogenen Zonen zu reiben, verliebe ich mich in ihn.“

„Das hört sich ziemlich unangenehm an.“

„Das Chips-Zerreiben oder die Versager? Egal, es ist beides unangenehm. Wenn du also einen Typen hast, der einfach nur eine Freundin sucht, bin ich dein Mädchen.“

„Ich bin nicht sicher, ob er eine Freundin sucht…“

„Natürlich muss er lustig sein. Ich mag diese langweiligen Kerle nicht, Anwälte und Karrieretypen. Und ich habe keine Zeit für eine richtige Romanze, weißt du, nur ein Quickie oder zwei.“

Isabella runzelte die Stirn. „Ich bin sicher, dass mein Freund mehr möchte als nur gelegentlichen Sex.“

„Oh, verdammt. Nun, dann bringst du uns besser nicht zusammen. Ich habe weder die Zeit noch die Kraft für dieses ganze Beziehungsding mit einem Kerl. Kennst du nicht jemanden, der nur gelegentlichen Sex will?“

Sie lächelte ein distanziertes, ziemlich kühles Lächeln. „Ich bin mir sicher, dass du jede Menge solcher Kerle im Drake’s Bum finden kannst.“

Ich zog einen Flunsch. Ich war im Drake’s Bum gewesen. Es war eine örtliche Kneipe, die um ein Haar um ihr Leben modernisiert worden wäre. Nun war es ein angesagter Treff für jene, die sehen und gesehen werden wollten. Überhaupt nicht mein Publikum. „Ich hatte irgendwie auf jemanden gehofft, der bereits den Versager-Test bestanden hat.“

„Da kann ich dir leider nicht helfen. Ich zähle nur selten Versager zu meinem Bekanntenkreis.“ Sie versuchte, sich an mir vorbeizuschleichen.

Ich stellte mich ihr in den Weg und begann zu philosophieren. „Weißt du, Isabella, ich habe schon immer gesagt, dass Männer wie eine Chipstüte sind. Sie mögen knackig und lecker aussehen, aber wenn du mit ihnen fertig bist, bleibt dir nichts als eine leere Tüte.“

Sie hielt inne und runzelte leicht die Stirn. „Ich verstehe diese Analogie nicht wirklich.“

Ich wedelte geringschätzig mit der Hand. „Unwichtig. Der Punkt ist, wenn du keinen Nicht-Versager kennst, der nur ein kleines Abenteuer will, bin ich nicht interessiert.“

Sie schwebte an mir vorbei. „Wenn du deine Meinung änderst, sag mir Bescheid. Der Mann, an den ich denke, würde perfekt zu dir passen. Ich habe das schon an dem Tag gesehen, an dem du hier angekommen bist, aber ich wollte dich erst etwas näher kennenlernen, bevor ich ihn ins Gespräch bringe.“

Eine kupplerische Vermieterin – alles, was ich zu meinem Glück noch brauchte. „Danke, aber nein danke.“

Sie nickte und trat durch die Tür. Ich beobachtete, wie sie die Treppe zum höhergelegenen Stockwerk hochstieg, das sie mit einem weiteren Mieter teilte. Dabei lehnte ich mich an den Türrahmen, um eine Stelle zwischen meinen Schulterblättern zu kratzen.

Ein perfekter Mann. Ha ha! In meinen ganzen neunundzwanzig Jahren hatte ich so etwas noch nicht gesehen. Perfekt für jemand anderen, ohne Zweifel, aber nicht für mich. Ich hatte nicht vor, diesen rutschigen Weg in die Hölle noch mal zu gehen. Nein, nicht ich. Das gebrannte Kind scheut das Feuer. Betrüge mich einmal, Schande über dich; betrüge mich zweimal, Schande über mich. Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube … Oh je.

„Ähm … Isabella?“

„Ja?“, rief sie ohne innezuhalten.

„Du sagtest, dieser Typ passt perfekt zu mir?“

„Perfekt, ja.“

Sie bog um die Ecke und verschwand auf den oberen Treppenstufen.

„Wie perfekt?“, rief ich ihr hinterher, meine guten Manieren über Bord werfend, obwohl ich mir selbst versicherte, dass ich nicht im Mindesten interessiert war.

„Perfekt.“ Selbst ihre Stimme war elegant. Nur runde Vokale und träge englische Fülle.

Ich trat ans Geländer und sah die Treppe hinauf. „Ist dieser perfekte Mann ein Freund von dir?“

„Sozusagen.“ Ihre Stimme drang zu mir herab und wurde schwächer. Ich hörte das Glockenspiel über ihrer Tür leise klingeln, als sie ihre Wohnung betrat. „Er ist mein Liebhaber.“