Leseprobe (K)ein Womanizer für eine Nacht

Kapitel 1

Ich habe niemals herausgefunden, ob es der Mann oder das Baby war, das mich handeln ließ und im Handumdrehen meinen gesamten Lebensweg verändert hat. Wenn ich später darüber nachdachte, war ich geneigt zu glauben, dass es das Kind war, aber irgendwo tief in meinem Herzen hatte ich den Verdacht, dass wenn der Mann es nicht gehalten hätte, dann wäre ich an ihnen vorbeigegangen.

Sie waren mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich gerade dabei war, mich mit einer lähmenden Panikattacke auseinanderzusetzen. Für einen unglaublich beängstigenden Moment dachte ich, dass ich die Schultern eines blonden Mannes wiedererkannt hätte, der ein kleines Stück weiter auf dem Bahnsteig stand, und ich erstarrte, mein Magen zog sich vor Angst zusammen. 

„Nein“, flüsterte ich entsetzt, beide Hände hatten sich um meine Tasche verkrampft, zu verängstigt, um mich zu bewegen. „Orangen. Äpfel. Bowlingbälle. Diese kleinen Metallbälle an Schnüren, die auf den Schreibtischen von Abteilungsleitern stehen.“

„Verzeihung?“, fragte die Frau neben mir und warf mir einen Blick zu, der mich als jemand klassifizierte, der von gepolsterten Wänden springen sollte.

„Entschuldigung“, würgte ich als Antwort hervor, mein Körper sackte vor Erleichterung zusammen, als der Mann sich umdrehte und ich erkannte, dass es nicht Mikhail war, einfach nur eine beängstigende Kopie von ihm. Ich fühlte mich schwach wegen des Schreckens, der mich ergriffen hatte und zwei Sekunden später, dem Wissen, dass ich in Sicherheit war – er war mir nicht irgendwie nach Auckland gefolgt. Ich riss mich zusammen und drehte mich mit einem kleinen Lächeln zu der Frau im mittleren Alter um, die neben mir angehalten hatte, um den Becher ihres Kaffees wegzuwerfen. „Swami Betelbaum sagt, dass man sich auf runde Dinge konzentrieren sollte, wenn man gestresst ist. Das beruhigt die Chakren. Oder erleuchtet es das Ka? Es war eines von beidem.“

„Runde Dinge“, sagte die Frau und nachdem sie mich einer wachsamen Musterung unterzogen hatte, ging sie davon und hielt ihre Tasche dicht an sich gepresst, als ob sie dachte, sie könnte sie als Schutzschild gegen eine plötzliche Attacke verwenden. 

„Als ob“, murmelte ich bei mir selbst. „Schneebälle. Kristallkugeln. Weihnachtskugeln.“

Der Bahnhof war gerammelt voll mit Pendlern vom frühen Nachmittag, die alle mit unerschütterlicher Entschlossenheit ihre Routine durchzogen. Ich wurde von Frauen und Männern in Businessoutfits angerempelt, die emsig ihrem Leben und ihrer Karriere nachgingen. Für einen Moment stand ich da wie schiffbrüchig im Meer der Menschheit, alleine, isoliert, unberührt, obwohl ich von anderen umgeben war, aber der Selbsterhaltungstrieb brachte mich dazu, zu einer kleinen Oase der Ruhe neben einer Bank, die übersät war mit alten Zeitungspapieren, hinüberzueilen. 

Langsam begann sich mein Herz zu beruhigen und meine Hände hörten auf zu zittern. „Diese kleinen Süßigkeiten aus Schokolade mit der leckeren Füllung. Schneekugeln. Gummibälle. Köpfe von Babys.“ 

Also, das war seltsam – ich hatte niemals wirklich darüber nachgedacht, dass die Köpfe von Babys rund waren, aber keine fünf Meter von mir stand ein Paar, das sich mit gesenkter Stimme stritt, ein Baby in seinem Kinderwagen daneben war offensichtlich völlig vergessen. Das Baby hatte einen sehr runden Kopf, und ein paar Lungen, die darauf hindeuteten, dass es entweder Opernsänger werden oder in einer dieser Reality-TV-Shows mitspielen würde, in denen die Leute einander ständig nur anschrien.

Stirnrunzelnd sah ich zu dem Pärchen hinüber, abgelenkt von meinen eigenen Sorgen durch die Szene, die sich vor mir entfaltete. Wie konnten sie nur ignorieren, dass sich ihr Kind gerade die Seele aus dem Leib schrie? Welche Art von Eltern waren das, die so mit ihrem Streit beschäftigt waren, dass sie es nicht fertigbrachten, sich mit ihrem offensichtlich aufgebrachten Kind zu beschäftigen? 

Ich entschied, dass die Frau nach Ärger aussah. Sie war groß und elegant, ihr langes schwarzes Haar schimmerte wie ein Vogelflügel und ergoss sich über ihren Rücken, um bis zu ihrem heißen, pinken Minirock zu reichen. Ein passendes Mieder stellte ungefähr alles zur Schau, was sie hatte, und sie hatte eine Menge. 

„Brüste“, sagte ich leise und genauer: „Operierte Brüste. Räder an einem Kinderwagen. Große Tränen, die über ein Babygesicht laufen.“

Armes Kind. Sein Gesicht lief inzwischen rot an, als er weiter weinte, rot und klebrig durch die Tränen, sein Elend wurde durch kleine Rotzblasen hervorgehoben, die aus seiner Nase kamen. 

„Rotzblasen“, fügte ich hinzu und schaute die Eltern empört an. Warum unternahmen sie denn nichts? 

„Es gibt bessere Dinge in meinem Leben als das“, sagte die schwarzhaarige Frau mit einem starken Akzent. Russisch? Ukrainisch? Jedenfalls etwas Slawisches. Bei dem Akzent schüttelte es mich etwas. Ich war nur zu vertraut mit etwas sehr Ähnlichem. „Ich habe ihn zehn Monate. Jetzt ist er deins. Gebe ihn dir! Hier sind Papiere. Organisier das Sorgerecht mit Anwalt und ich unterschreibe.“ 

„Das kannst du nicht machen!“, rief der Mann aus und fasste nach dem Arm der Frau, als sie davonspazierte. Er hatte einen Akzent, der englisch klang, mit etwas anderem darin. 

Ich beäugte ihn, fasziniert trotz des Wissens, dass es wesentlich besser war, sich nicht einzumischen. Er war groß, wahrscheinlich ein paar Zentimeter über eins achtzig.

Ich mochte keine großen Männer.

Er hatte außerdem lange Beine und breite Schultern.

Ich mochte wirklich keine breiten Schultern. 

Am schlimmsten war, dass er diese Art von Gesicht hatte, das Frauen dazu brachte, stehen zu bleiben und zu starren, ganz männlicher Stoppelbart und eine kleine Einbuchtung in seinem quadratischen Kinn, und Augen mit dichten Wimpern, für die ich persönlich jemanden umgebracht hätte. 

Ich mochte wirklich, wirklich keine attraktiven Männer. 

„Ich habe keine Ahnung davon, wie man sich um ein Baby kümmert!“, sagte der Mann in einem wütenden Tonfall, seine Hand auf dem Arm der Frau. 

„Jetzt ist Zeit, dass du lernst“, fauchte die Frau und warf ihr dichtes Haar zurück. „Es ist zu viel für mich! Ich habe Karriere!“ 

„Nastya, warte. Das kannst du mir nicht antun. Ich kann mir das gerade im Moment nicht leisten –“ Der Mann ging hinter ihr her, als sie davonlief. 

Meine Augen weiteten sich, als ich von dem Paar zu dem Baby schaute, Letzteres näherte sich schnell einem hysterischen Anfall an, Rotz und Tränen tropften überall hin und sein durchdringendes Geschrei brachte mich dazu, dass ich mir die Ohren vollstopfen wollte. 

Sie gingen weg? Sie gingen einfach von dem Baby weg? Entsetzt schaute ich mich um, um zu sehen, ob jemand anderes das beobachtet hatte. Machten sie sich keine Gedanken darum, dass irgendein Verrückter das Kind ergreifen könnte? 

Niemand schien es zu bemerken. Niemand schien sich darum zu kümmern. Ich schob mich die Bank hinunter, näher zu dem Baby. Ich sollte etwas unternehmen. Ich konnte die Leute doch nicht einfach davonlaufen lassen und das arme wütende Baby alleine lassen. Aber es war besser, sich nicht einzumischen in einen Wortwechsel zwischen Liebenden. Dort gab es nur Unheil. Richtig? Richtig. 

„Hey“, hörte ich, wie eine Stimme ausrief und zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass sie aus meinem Mund kam. „Hey, Sie vergessen Ihr Baby.“

Der Mann musste mich gehört oder bemerkt haben, dass er das arme Kind nicht einfach alleine lassen konnte, denn er drehte sich um und marschierte zurück, ein wütender Ausdruck war in das hübsche Gesicht eingraviert. 

Ich wandte meinen Blick ab und huschte zurück auf die Bank und gab vor, sehr fasziniert von dem Anblick meiner Schuhe zu sein. 

Die Schreie des Babys nahmen zu. Ich stahl einen Blick aus den Augenwinkeln, um zu sehen, dass der Mann das Baby nun im Arm hielt und es auf und ab wippte, weil er offensichtlich versuchte, es aufzumuntern, damit es seinen Wutanfall vergaß. Das Baby hatte, wie auch der Mann, schwarze Haare und dunkle Augen, es war wahrscheinlich sein Sohn. Welche Art von Vater wusste nicht einmal, wie man das eigene Kind hielt? 

„Ein sehr schlechter Mann“, sagte ich mir selbst und wandte wieder den Blick ab. Ich würde mich nicht einmischen. Das war nicht mein Problem. Er war wahrscheinlich einer von diesen Workaholics, die nie Zeit für ihre eigenen Kinder hatten. Ich verachtete diese Männer. So wie ich die Sache sah, war es so: Wenn man ein Kind in die Welt setzte, dann sollte man auch seine eigenen Verantwortlichkeiten erfüllen. So einfach war das. 

Ich konnte nicht anders, als aufzuschauen, ich wollte dem Mann dringend sagen, was ich von ihm hielt, aber der Anblick, auf den ich traf, ließ mich für ein paar Sekunden innehalten. Das Gesicht des Mannes war ergriffen, als er das schreiende und sich windende Kind hielt, sein Ausdruck nicht der eines herzlosen Vaters, der keine Zeit hatte für sein Kind, sondern der eines Mannes, der offensichtlich genauso verzweifelt war wie das Kind, und noch schlimmer, der keine Ahnung hatte, was er dagegen tun sollte. Er schaute verzweifelt um sich, suchte offensichtlich nach einer Lösung. 

Er sah vollkommen und komplett verloren aus und während Pendler an ihm vorbeiströmten, Frauen und Männer alle auf ihr eigenes Leben fokussiert, und das schreiende Kind und den hilflosen Mann ignorierten, fühlte ich für einen Moment eine Art Verbundenheit, die ein isoliertes Wesen in einem anderen erkannte. 

„Misch dich nicht ein“, warnte ich mich selbst, während ich schon auf den Füßen war und mich auf den Mann zubewegte. Ich hielt vor ihm an und sagte leise: „Kann ich helfen?“ 

Er wandte mir sein Gesicht zu, in dem der Ausdruck völligen Leidens stand, seine dunkelblauen Augen waren mit Panik gefüllt. Aber obwohl diese Emotionen klar auf seinem Gesicht zu sehen waren, musste irgendein väterlicher Instinkt eingesetzt haben, denn er hielt das Baby fester und begann, den Kopf zu schütteln.

„Er ist … Wissen Sie, er ist wirklich voller Rotz“, sagte ich, holte ein kleines Paket mit Taschentüchern aus meiner Tasche und bot sie dem Mann an. „Wenn Sie den vielleicht abwischen, dann fühlt er sich vielleicht besser.“ 

„Rotz?“, wiederholte der Mann und schaute das Baby an, als hätte er keine Ahnung, was er dagegen tun könnte. 

„Oh, um Himmels willen … Hier.“ Ich tupfte die Nase des Babys mit einigen Taschentüchern ab und wischte den Rotz, der sich mit den Tränen vermischt hatte und über seinen Mund und sein Kinn gelaufen war, weg. „Und er ist wirklich aufgebracht, oder nicht?“

„Er ist nicht der Einzige, der aufgebracht ist“, murmelte der Mann, verzog das Gesicht, als das Baby noch lauter schrie, sich wand und versuchte, aus dem Griff des Mannes zu entkommen. „Ich weiß nicht, warum er weint.“

Ich sagte mir, dass ich mich wieder hinsetzen sollte, dass das nicht mein Problem war, dass ich nicht dafür verantwortlich war, dass andere Leute kein Talent als Eltern hatten. 

„Also, zum einen halten Sie ihn falsch“, sagte ich und Frust hatte den gesunden Menschenverstand aus meinem Kopf verbannt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gemütlich ist, so gehalten zu werden, als würden Sie ihn jedem Moment fallen gelassen. Hier, lassen Sie mich ihn für einen Moment haben.“

Ich breitete meine Arme aus. 

Der Mann schaute mich stirnrunzelnd an, seine langen, schmalen, schwarzen Augenbrauen zogen sich zusammen, während er mich betrachtete. 

„In Ordnung“, sagte ich und ließ meine Arme sinken, um zurück zu meiner Bank zu gehen. „Ich habe nur versucht zu helfen. Entschuldigen Sie, dass ich Sie gestört habe.“

„Gott, ich brauche Hilfe. Ich bin … Hier.“ Der Mann drückte mir das Baby in die Arme. Ich passte meinen Griff an ihn an und drückte ihn an meine Seite, eine Hand rieb über seinen Rücken. 

„Ssssch“, murmelte ich dem Kind zu und wiegte es von Seite zu Seite. „Ich weiß, dass du angekotzt bist, aber es wird alles gut. Du musst dich nur beruhigen. Du musst deinen inneren Frieden finden.“

„So redet man nicht mit einem Baby“, sagte der Mann und schwebte schützend vor mir, als würde er mir das Kind gleich wieder wegnehmen wollen.

„Ach wirklich? Sie haben es nicht viel besser gemacht.“ Ich warf ihm einen scharfen Blick zu und murmelte weiter sanft mit dem Baby.

„Ich habe keine Ahnung von Babys“, gab der Mann zu und seine Augen huschten zwischen meinem Gesicht und dem des Babys hin und her. 

„Man muss nicht viel wissen, um eines zu beruhigen.“ Ich hielt meine Stimme sanft, trotz der stechenden Worte. Langsam wurden die Schreie des Babys weniger durchdringend und er begann, leise kleine Schluckauflaute zu machen. „Wie, um Himmels willen, können Sie ein Kind haben und nicht wissen, wie man sich um es kümmert?“ 

„Bis vor einer Stunde wusste ich nicht, dass es ihn gibt“, sagte der Mann grimmig.

Ich warf ihm einen verdatterten Blick zu. „So schlimm ein Mann auch sein mag, der keine Zeit für seine Kinder hat, muss ich sagen, dass derjenige, der noch nicht einmal weiß, dass er ein Kind hat, wesentlich schlimmer ist.“

„Ich wusste nicht, dass ich einen Sohn habe, weil seine Mutter sich niemals die Mühe gemacht hat, es mir zu sagen“, sagte er und hielt dabei seine Stimme leise, als das Kind in meinen Armen schlaff wurde und leise kleine nasse Schnüffelgeräusche gegen meine Wange machte, als er sich entspannte.

„Oh. Also … Oh. Dann tut’s mir leid.“

„Sie sind nicht zufällig ein Kindermädchen, oder?“, fragte der Mann plötzlich und sein Blick wanderte über mich, ohne Zweifel nahm er meine heruntergekommene Kleidung und meinen Seesack mit den Überresten von Reiseetiketten wahr. „Sind Sie Amerikanerin?“

„Ja, ich bin Amerikanerin, und nein, ich bin kein Kindermädchen. Ich habe keine Ahnung von Kindern außer, dass man ihnen die Nase putzen muss und dass man ihren Rücken reiben sollte, wenn sie weinen. Wie ist sein Name?“

Für einen Moment dachte ich, dass der Mann den Stapel von Papieren konsultieren würde, den die Mutter des Kindes ihm in die Hand gedrückt hatte, aber er steckte sie einfach nur in seine Tasche und zog eine kleine Grimasse. 

„Nastya nennt ihn Piotr.“

„Das ist Russisch für Peter. Hey, Peter“, sagte ich leise, meine Lippen gegen die feuchte Stirn des Babys gepresst. „Du musst jetzt schlafen und dein Papi wird sich um dich kümmern, okay?“

„Ich weiß nicht, wie man sich um ein Baby kümmert“, sagte der Mann und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Er schaute sich auf dem Bahnsteig um, als würde er erwarten, dass ein magischer Kindermädchenshop plötzlich vor seinen Augen erscheinen würde. Als das nicht eintraf, wandte er seine Aufmerksamkeit wieder mir zu. „Er mag Sie. Können Sie mir heute Abend helfen?“

„Nein, wehr dich nicht dagegen – schlaf einfach ein. Ich verspreche, dass alles viel besser aussehen wird, nachdem du geschlafen hast“, erklärte ich dem Baby und rieb immer noch seinen Rücken. Die Worte des Mannes trafen einen sensiblen Punkt und brachten mich dazu, ihn ungläubig anzustarren. „Ihnen helfen?“

„Ich brauche jemanden, der mir mit ihm hilft. Mit Peter. Ich werde morgen früh eine Agentur für Kindermädchen anrufen, aber jetzt ist es zu spät, um irgendjemanden zu organisieren“ sagte er mit einem Blick auf seine Uhr.

Seine teure Uhr, bemerkte ich. Ich mochte auch keine Männer, die so viel Geld hatten, dass sie sich Luxusuhren leisten konnten. Diese Art von Männern tendierten dazu zu glauben, dass sie sich alles kaufen könnten, auch die Dienste einer Fremden.

„Sie sind ein völlig Fremder für mich“, bemerkte ich und schüttelte den Kopf.

„Ich kenne Sie auch nicht, aber das bedeutet nicht, dass ich nicht gewillt bin, Ihnen zu vertrauen.“ Sein Blick suchte für einen Moment in meinem Gesicht; plötzlich schenkte er mir ein seltsam schiefes Lächeln, eine Seite seines Mundes kräuselte sich in liebenswerter Art. Plötzliche Hitze traf meinen Bauch beim Anblick dieses Lächelns. „Innerhalb vernünftiger Grenzen natürlich. Ich werde Sie bezahlen. Das Doppelte des üblichen Kurses. Mal angenommen, dass Sie nicht auf dem Weg irgendwohin sind? Und wenn Sie es wären, dann würde ich das Ticket ersetzen.“

„Ich kenne noch nicht einmal Ihren Namen und Sie sind gewillt, mir Ihr Kind anzuvertrauen?“ Ich schüttelte wieder meinen Kopf. „Sie sind bekloppter, als ich dachte.“

„Nicht bekloppt, einfach nur verzweifelt“, verbesserte er mich und streckte die Hand aus. „Mein Name ist Theo. Theodor Papaioannou.“

„Kiera Taylor“, sagte ich automatisch und schüttelte seine Hand ein bisschen, bevor ich wieder das nun stille Baby streichelte.

„Wie wäre es, Kiera? Würden Sie mich heute Abend unterstützen? Ich zahle, was auch immer Sie wollen.“

Ich konnte gar nicht anders, als die Verzweiflung in seinen Augen zu bemerken. Wie konnte ich sie übersehen? Trotz des Wissens, dass das, was er angeboten hatte, sehr ungewöhnlich war, dachte ich darüber nach – ich dachte in der Tat für ein paar Sekunden darüber nach. Dann traf mich der Schmerz der Erkenntnis, was ich gerade tat. Wann würde ich endlich dazulernen? Wie viele Male musste das Leben mich zertrampeln, bevor ich verstand?

„Nein“, sagte ich und platzierte das jetzt schlafende Baby vorsichtig in seinem Kinderwagen und schnallte es an, bevor ich aufstand und den Mann ansah. „Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte, aber es ist sicherer, wenn ich es nicht tue. Viel Glück, Theo.“

Er sagte nichts, beobachtete nur, wie ich meine Tasche und meinen Seesack einsammelte und ohne einen Blick zurück zum Eingang des Bahnhofs ging, wo ich ein Taxi erwischen konnte. Es würde ein Loch in mein Budget reißen, aber ich konnte nicht dort stehen bleiben mit diesem attraktiven, verzweifelten Mann.

Ich machte fünf Schritte, bevor ich ein fast unhörbares „Bitte“ hörte.

Ich hielt an. Ich befahl meinen Beinen, weiterzugehen. Sie blieben stehen. Langsam drehte ich mich um. „Tamburine“, erklärte ich Theo.

Seine Augenbrauen wanderten nach oben. „Trommeln. Der Schalltrichter auf diesen großen Trompeten.“

„Musikinstrumente für 500?“, fragte er und Amüsement glitzerte in seinen Augen.

„Swami Betelbaum, mein Coach in Sachen Meditation, sagt, dass man in Zeiten von Stress an runde Dinge denken soll“, erklärte ich und starrte ihn an. 

Je länger ich ihn ansah, desto weniger mochte ich ihn. Er war zu attraktiv, zu groß, zu bedürftig. Einfach … zu sehr. 

Ich konnte das nicht tun. Es war die eine himmelschreiende Verrücktheit. Er war ein Fremder und ich … Ich konnte es mir nicht leisten, irgendjemandem zu vertrauen.

Ich öffnete meinen Mund, um Nein zu sagen, aber was herauskam, war: „Eine Nacht. Ich helfe Ihnen eine Nacht mit Peter, bis Sie morgen ein Kindermädchen haben, obwohl ich wirklich keine Ahnung von Kindern habe. Ich bin einfach nur eine Anwaltsassistentin aus Sacramento. Leben Sie hier in Auckland?“

„Nein“, sagte er, schenkte mir ein erleichtertes Lächeln, das viel zu viele Dinge mit meinem Inneren anstellte, dass ich mich damit wohlfühlte.

„Aber das könnte ich. Ich denke darüber nach, hier ein Büro einzurichten, hatte mich gerade umgesehen, als Nastya mich ausfindig gemacht hat. Ich habe ein Zimmer in einem Hotel nicht weit von hier.“

 

Wenn er glaubte, dass ich auf so engem Raum mit ihm zusammenbleiben würde, dann war er bescheuert. Er musste mir schon ein eigenes Zimmer besorgen. „Whoa, einen Moment. Ich bleibe nicht mit Ihnen in einem Hotelzimmer.“

Er schickte mir ein weiteres schiefes Lächeln. „Es ist eine Suite. Es gibt zwei Schlafzimmer.“

„Was ganz in Ordnung wäre, wenn wir annehmen würden, dass ich Ihnen vertraue, aber das tue ich nicht.“ Ich beäugte ihn. Es gab keinen Grund, warum ich zustimmen sollte, die Nacht bei einem Mann zu verbringen, der so attraktiv war. Attraktive Männer waren sich immer bewusst, wie sie aussahen. Sie erwarteten, dass Frauen mit ihnen ins Bett sprangen einfach als eine Tatsache im Leben.

Warum solltest du nicht ab und an mal ein bisschen Spaß haben?, flüsterte meine innere Stimme. Diese verdammte innere Stimme, von der Swami Betelbaum sagte, dass ich lernen müsste, sie zu ignorieren, denn sie würde mich wegbringen von Gelassenheit. 

Und was ich so verzweifelt wollte, war Gelassenheit.

„Die Türen haben Schlösser. Sie können sich also einschließen in Ihrem Zimmer“, sagte er und seine Lippen waren schmal.

Ich erkannte, dass ich ihn beleidigt hatte. Das war keine Überraschung, denn ich hatte ihn mehr oder minder beschuldigt, ein Vergewaltiger oder Schlimmeres zu sein. 

„Verschlossene Türen sind nichts weiter als eine Illusion“, sagte ich, plötzlich so müde, dass ich mich einfach nur zu einem kleinen Ball zusammenrollen und die Welt sich ohne mich weiterdrehen lassen wollte. Wie lange war es her, dass ich geschlafen hatte? „Woher weiß ich, dass Sie kein schrecklicher Serienmörder mit einer Axt sind, der mich in sein Hotelzimmer lockt, um mich dann in kleine Häppchen zu hacken?“

„Ich bezweifle, dass viele Serienmörder ihren zehn Monate alten Sohn auf ihre Mördertouren mitnehmen“, sagte er mit dem Ansatz dieses erotischen halben Lächelns. „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen die Namen und Telefonnummern von Leuten geben, die als Bürgen fungieren können.“

„Ihre Freunde mit den Äxten?“, sagte ich mit einem Schnauben. 

„Nur einer davon hat eine Axt“, antwortete er und das Lächeln war diesmal definitiv da. „Ich kann Ihnen den Namen eines respektablen Bankers in Sydney geben und meines Brokers in Athen und …“ Seine Stimme klang ein wenig angestrengt. „… meines Bruders. Er ist ein erfolgreicher Immobilienmakler.“

„Sicher. Und ich bin überzeugt, dass er alles für Sie sagen würde.“

„Nein.“ Das Wort kam plötzlich, aber es steckte eine Menge an Gefühlen darin, Gefühle, die ich gut kannte – Selbsthass, Reue und Leid. „Wenn überhaupt, dann wird er Ihnen wahrscheinlich alle möglichen unschmeichelhaften Geschichten über mich erzählen“, erklärte er und versuchte, die Situation offensichtlich leicht zu nehmen, aber er schaute mir nicht in die Augen. „Er ist aber hochgradig seriös. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.“

Eine Nacht. Der Gedanke tanzte mit schwindelerregender Verlockung durch mein Gehirn. Misha würde mich niemals finden können, wenn ich nicht unter meinem Namen eingecheckt wäre. Ich hätte eine Nacht, in der ich ausruhen, in der Tat schlafen könnte, ohne auf das Geräusch meines Mörders zu lauschen, der sich unbemerkt anschlich. 

Eine Nacht in Sicherheit. Ich wollte es so sehr, dass ich es fast schmecken konnte. 

„Abgemacht“, sagte ich, während ich automatisch die Menge beobachtete. Es war mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. „Aber ich will nicht, dass das Hotel meinen Namen kennt.“

Er schenkte mir einen merkwürdigen Blick, stimmte aber zu und nahm meine Tasche. Ich zögerte einen Moment, dann nahm ich den Kinderwagen in Beschlag und schob ihn hinter ihm her. Ein paar Schritte weiter hielt er inne und sammelte eine Laptoptasche und einen kleinen Trolley ein. 

„Ich werde allerdings Ihre Bürgen anrufen“, warnte ich ihn. „Wenn da etwas faul ist, blasen wir die Sache ab.“

Er neigte zustimmend den Kopf und hielt die Tür für mich mit dem Ellbogen auf. 

Ich sagte nichts, streifte aber seinen Arm, als ich hindurchging und war mir seiner Präsenz als Mann plötzlich sehr bewusst. 

Ein Mann, der viel zu attraktiv und selbstbeherrscht für meinen Seelenfrieden war. 

 

Kapitel 2

Theo saß im Taxi und fragte sich, ob sein Leben jemals wieder so wäre wie vorher.

Er hatte einen Sohn. Einen zehn Monate alten Sohn. Sein Blick wanderte dorthin, wo das Baby saß, festgeschnallt in einem Sitz zwischen ihm und Kiera. Ein Kind, das so aussah wie er, sodass er wusste, dass Nastya nicht einfach nur ans schnelle Geld kommen wollte. Nicht, dass er das wirklich gedacht hätte. Sie mochte viele Dinge sein, aber sie war zu einfach gestrickt, um auf so einen teuflischen Plan zu verfallen.

Das Gefühl der Verzweiflung, das alles lahmlegte, wusch über ihn hinweg, als er das Baby betrachtete, das neben ihm schlief. Wie zum Teufel konnte er ein Vater sein? Er bekam noch nicht einmal sein eigenes Leben auf die Reihe, also wie sollte es ihm möglich sein, ein Kind aufzuziehen, das nicht genauso ein großer Reinfall werden würde wie er?

Sein Bruder, Iakovos, war der perfekte Vater. Nicht er. Nicht der Trunkenbold, der fast eine unschuldige Frau und zwei ihrer ungeborenen Kinder umgebracht hatte. 

Gott, er wollte einen Drink. Nein, nicht einfach nur wollte, er brauchte ihn, er verlangte nach dem Gefühl des Vergessens, das den Schmerz tilgen würde, der immer so nahe zu sein schien, ganz egal, was er tat.

Einen Sohn. 

Er schaute wieder das Baby an und versuchte, seine Gefühle einzuordnen. Teile von ihm, die, von denen er dachte, dass es die guten waren, waren gerührt bei dem Anblick des Kindes. Dein Sohn, flüsterte die gute Seite in ihm, eine fremdartige Welle des Beschützerinstinkts stach ihn heftig in die Brust. Ein Sohn, den er beschützen und ernähren, den er lehren sollte. Einen Sohn, der aufwachsen würde, um ein besserer Mann zu werden als sein Vater.

Das Baby schlief mit zur Seite geneigtem Kopf. Theo runzelte die Stirn. Das konnte nicht bequem sein. Gerade als er den Kopf des Babys bewegen wollte, lehnte sich Kiera über Peter und brachte ihn in eine bequemere Position.

Ihr Blick traf seinen und er war sich wieder einmal der Verurteilung bewusst, die sie offensichtlich über ihn ausgesprochen hatte. Und warum sollte sie auch nicht – hatte sie nicht selbst gefragt, welche Art von Vater nicht wusste, dass er einen Sohn hatte, mal abgesehen davon, wie man für ihn sorgte?

„Ich wusste wirklich nichts von ihm“, erklärte er ihr, er hatte das Gefühl, dass irgendeine Erklärung nötig wäre. „Nastya rief heute Morgen an und sagte, dass sie nach Italien gehen würde und sie wollte mich sehen, bevor sie flog.“

„Italien?“, fragte Kiera.

„Sie ist ein Model.“ Ohne nachzudenken, ließ er seinen Blick über ihren Körper wandern und bewertete die positiven und negativen Dinge, ohne sich bewusst zu werden, was er tat. Sie war größer als der Durchschnitt, für seinen Geschmack ein bisschen zu dünn, mit Haaren, von denen er zuerst gedacht hatte, dass sie dunkelbraun waren, aber die im Licht des Nachmittages in einem satten Kastanienbraun schimmerten. Er konnte ihre Brüste nicht gut sehen in dem formlosen, weiten T-Shirt, das sie über Leggins trug, aber sie schienen nicht zum Träumen zu verleiten. Das Gesicht war herzförmig und hatte viele Sommersprossen und besaß die leichte Einbuchtung eines Grübchens auf einer Wange. Ihre Augen … Ihre Augen verfolgten ihn, auch wenn er mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt war.

„Wovor laufen Sie davon?“, fragte er leise, damit der Taxifahrer sie nicht hören konnte.

Sie schrak gegen die Tür zurück, ihre Augen, mit der Farbe der Ägäis, plötzlich weit vor Angst. Sie leugnete es nicht; sie schaute ihn nur an mit diesen riesigen Augen wie eine Gazelle, die am Wasserloch überrascht worden war. Aus irgendeinem bizarren Grund, den er ganz und gar nicht verstand, war er sich bewusst, dass der frisch erwachte Drang, Peter zu beschützen, sich auch auf sie erstreckte.

Er kannte sie nicht, ermahnte er sich selbst. Tatsächlich wäre er innerhalb der nächsten Stunde im Besitz aller verfügbaren Fakten über sie und ihrer Geschichte, die in Einträgen in Akten gefunden werden konnten, dank der Textnachricht, die er an seine Assistentin gesendet hatte, während sie auf ein Taxi warteten, aber das würde ihm nur die Details über ihr Leben verschaffen. Er kannte sie nicht als Mensch. Und doch … Da war etwas an ihr, eine Art von Zerbrechlichkeit, als wäre sie so angespannt, dass ein kleines Detail sie zerbrechen würde. Das Bild des erschreckten Rehs, das drauf und dran war zu fliehen, blieb ihm.

„Wovor haben Sie Angst?“, fragte er erneut.

„Vor vielen Dingen“, sagte sie und ließ den Blick auf ihre Hände sinken. „Haie. Winzige, giftige  Pfeile. Ent-Enthauptung.“

Seine Augen verengten sich, als sie das letzte Wort stotterte. 

Sie hatte offensichtlich Angst vor etwas. Nein, jemandem. Warum sonst sollte sie zustimmen, bei einem Fremden zu bleiben? Irgendein Grund brachte sie dazu, ihm auszuhelfen, trotz des Fakts, dass sie ihm offensichtlich misstraute. Er war niemals zuvor das kleinere von zwei Übeln gewesen und er mochte dieses Gefühl nicht. Er wollte wissen, vor wem sie Angst hatte, bevor er ihr seinen Sohn anvertrauen würde.

Seinen Sohn. Würde er sich jemals daran gewöhnen, das zu hören? Würde er jemals auch nur ein halb so guter Vater sein wie Iakovos? Das Gefühl der Panik traf ihn tief im Magen, bevor er es niederrang und sich sagte, dass er keine Wahl hatte. Er hatte jetzt einen Sohn. Er musste ein Vater sein, auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte, wie er das machen sollte.

„Ich glaube, ich werde mir diese Bürgen anhören“, sagte Kiera und streckte die Hand nach dem Telefon aus, von dem er gesagt hatte, dass sie es benutzen konnte, um Anrufe zu tätigen. 

Welche Art von Frau hatte heutzutage kein eigenes Handy?

Eine, die vor jemandem davonlief. 

Er rief das Telefonbuch auf, wählte eine Nummer, drückte auf wählen und gab ihr das Handy. „Das ist Simon, mein Banker.“

Er hörte stumm zu, als sie sich für die Störung entschuldigte und dann erklärte, dass sie wegen eines Geschäftsvorschlags anrief, über den sie nachdachte.

„Was ich wirklich gerne wissen würde, ist, ob Sie das Gefühl haben, dass Mister Papaioannou ein gutes Risiko darstellt.“ Er hob eine Augenbraue, als sie darauf bedacht war, Blickkontakt zu vermeiden.

„Nein, nein, natürlich nicht, ich frage nicht nach finanziellen Details – ich will einfach nur wissen, ob Sie meinen, dass … Ein Geschäft mit ihm, hätten Sie kein Problem damit, das mit ihm zu tätigen? Also … Ich glaube nicht, dass die Art des Geschäfts wirklich relevant ist. Entweder vertrauen Sie jemandem oder nicht. Nein, Sir, ich will nicht –“

Theo seufzte, nahm ihr das Telefon ab und sagte abrupt: „Simon, sie will wissen, ob ich vertrauenswürdig bin. Das ist alles“, bevor er das Telefon zurückgab.

Ihr Gesicht überzog sich mit einem Hauch von Pink, etwas, das ihn sowohl amüsierte als auch erstaunte. Er hatte nicht gedacht, dass Frauen immer noch erröteten. Die Art von Frauen, die er normalerweise datete, hatten diese Fähigkeit sicherlich lange verloren. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Nastya über irgendetwas errötete.

„Ich verstehe. Vielen Dank für Ihre Hilfe. Es tut mir leid, Sie gestört zu haben.“

Sie legte auf und biss sich auf die Unterlippe. Eine Welle der Hitze traf ihn, als er ihren Mund betrachtete. Sie hatte die süßesten kleinen, rosenfarbenen Lippen, die ihn dazu brachten, sie schmecken zu wollen. 

„Cantalupe-Melonen“, sagte sie endlich. 

„Golfbälle.“

Sie warf ihm einen überraschten Blick zu. Er lächelte. 

„Oreokekse, wenn man sie von oben betrachtet“, antwortete sie mit herausfordernder Stimme und fügte dann hinzu: „Das war wirklich peinlich, aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann würde ich jetzt gerne den zweiten Bürgen anrufen.“ Sie gab ihm das Telefon zurück.

Er schaute auf die Uhr und wählte eine Nummer. „Hallo, Henry. Tu mir einen Gefallen und sag der Dame, die ich dir gleich geben werde, ob du das Gefühl hast, dass du meinem Wort trauen kannst. Nein, mach es einfach.“

Sie nahm das Telefon und schaute ihn immer noch nicht an. „Hallo. Ja, danke. Tun Sie. Mit … oh.“ Der winzigste Teil ihres Mundwinkels bewegte sich zu einem Lächeln. „Und hat er …  Nein, nein, natürlich nicht. Ich verstehe. Vielen Dank.“

„Habe ich was?“ Er konnte nicht anders, sondern musste sie fragen, als sie ihm das Telefon zurückgab, ihre Wangen immer noch pink, aber für einen Moment stand Lachen in ihren Augen.

„Er sagt, dass er Ihnen so vertrauen würde, dass er Sie seine achtzehnjährige Tochter daten lassen würde und er kann das von niemand anderem behaupten, am wenigsten von dem jungen Mann, den sie datet.“

„Zufrieden oder wollen Sie auch den letzten?“ 

Das Lächeln in ihren Augen erstarb, als sie sich wieder über Peter beugte und die leichte Decke zurechtschob, die über ihm ausgebreitet war. „Ich hätte auch gerne den letzten, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“

„Nein, macht es mir nicht, aber das muss noch ein paar Minuten warten“, sagte er und nickte aus dem Fenster, als sie vor dem eleganten Hotel vorfuhren.

Sie schaute besorgt aus und als sie aus dem Auto stiegen, überprüfte er im Geheimen sein Telefon, wissend, dass selbst eine Assistentin, die so effizient war wie Annemarie, einen Hintergrund-Check nicht so schnell zustande brächte, aber er wollte so sehr wissen, was sie über Kiera hatte ausfindig machen können. 

Er war nicht dumm – er würde seinen Sohn nicht einer potenziell gefährlichen Situation aussetzen, bis er nicht mehr über Kiera wusste, aber bis dahin hatte er das Recht, fasziniert von ihr zu sein.

Der Bericht über ihren Hintergrund sollte besser auch die Information enthalten, vor wem sie solche Angst hatte. Er hatte das Gefühl, dass er mit demjenigen ein oder zwei Takte reden wollte, wer auch immer es war.