Leseprobe (K)ein Milliardär für eine Nacht

Kapitel eins

Der Mann vor ihr war verrückt. Entweder das, oder er hatte eine Art von Anfall, der es mit sich brachte, dass er auf- und abhüpfte und wild gestikulierte, während er wie ein Wasserfall redete. Die Worte kamen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sie alle in einem dichten und unverständlichen Strom mündeten.

Nicht dass Harry die Worte verstanden hätte, selbst wenn der Mann langsamer gesprochen hätte. Sie stand von der hölzernen Sitzecke auf, auf der sie gesessen und den Frieden der linden Mittelmeernacht genossen hatte. „Die Versuchung etwas von wegen ‚babylonische Sprachverwirrung‘ zu sagen, ist fast überwältigend – das ist Ihnen klar, oder?“, fragte sie den Mann.

Er machte weiter mit seiner Routine aus Hüpfen, Gestikulieren und Plappern, dieses Mal fügte er noch eine merkwürdige zupfende Bewegung am Saum ihrer Leinentunika hinzu. Sie schaute sich um, fragte sich, ob sie etwas falsch verstanden hat. „Ich darf nicht hier sein? In diesem Garten ist für uns Zutritt verboten? Derek sagte, es wäre der Gartenbereich auf der anderen Seite des Hauses, der für die Gäste reserviert wäre. Habe ich das falsch verstanden?“

Der kleine Mann – und er war klein, mehr als 20 cm kleiner als ihre stabilen 1,80 m – hatte offensichtlich genug von ihrer Begriffsstutzigkeit, denn er ergriff ihr Handgelenk und zerrte sie in Richtung des riesigen Klotz von Haus.

„Ist das Kind in den Brunnen gefallen?“, fragte sie, ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen bevor ihr Blick von dem Mann, der ihr vorkam wie einer der Bediensteten, zum Haus selbst wanderte. „Nur dass ‚Haus’ eine ziemliche Untertreibung als Beschreibung ist, oder etwa nicht? Es ist mehr ein Palast. Häuser haben keine Seitenflügel – Paläste schon. Und es wäre eine Herausforderung, ein Haus zu finden, ganz für sich alleine, auf seiner eigenen griechischen Insel. Nein, mein Herr, das ist einfach ein ausgewachsener Palast, und obwohl ich davon ausgehe, dass Sie einen guten Grund haben, mich dorthin zu zerren, sollte ich Sie darauf hinweisen, dass die einzigen Leute, die in diesen palastartigen Anlagen übernachten, Gäste sind, und ich begleite die Band. Wir haben den kleinen Bungalow an dem Ende der Insel, wo die Bediensteten wohnen. Hallo? Sie sprechen wirklich kein einziges Wort Englisch, oder?“ Harry seufzte.

Der Mann zog sie weiter durch einen sehr hübschen Garten, der bepflanzt war mit süß duftenden, blühenden Sträuchern aus der Mittelmeerregion, die ihr unbekannt waren, schönen Hecken, und hübschen neoklassischen Statuen. Die Nachtluft war mild; der schwere Duft von einigen Blumen mischte sich mit dem schärferen, und ihrer Meinung nach, angenehmeren, Duft des Tangs. Es war alles so, wie sie sich das private Inselparadies eines reichen Mannes vorgestellt hatte. Nun, mit der Ausnahme des zähen, kleinen Mannes, der ihr Handgelenk umklammert hielt.

„Darf ich mich nicht einfach ruhig irgendwohin setzen?“, fragte sie den Mann. „Ich verspreche, dass ich niemanden belästigen werde. Ich glaube nicht, dass ich dazu in der Lage wäre – ich habe einen solchen Jetlag, ich kann noch nicht einmal klar denken. Schauen Sie, da ist eine schöne kleine Bank in einer Ecke neben der Statue des Typen mit dem ziemlich großen Schwanz. Ich wäre niemandem im Weg. Ich werde einfach da drüben sitzen und über seine gigantischen Genitalien nachdenken und alles ist gut.“

„Harry!“, ein Mann tauchte plötzlich an einem Fenster auf, hängte sich über die Brüstung und winkte hektisch, „da bist du ja! Beeil dich!“

„Derek, was tust du im Haus?“, Harry presste die Lippen zusammen beim Anblick des jungen Mannes. „Du hast gesagt, wir dürften nicht in seine Nähe kommen, während die Gäste hier sind.“

„Das ist jetzt egal! Beeil dich!“

„Wenn du denkst, dass ich nichts Besseres zu tun habe als um die halbe Welt zu fliegen, um deinen Hintern zu retten, weil du dich nicht an ein paar einfache Regeln halten kannst –“

„Nein, es geht nicht um mich“, er trat vom Fenster weg, „es geht um Cyn! Sie ist angegriffen worden!“

„Was?“, der Ausruf überraschte den kleinen Mann, der immer noch ihr Handgelenk festhielt, sodass er es fallen ließ, als hätte es plötzlich Feuer gefangen. Adrenalin schoss durch sie wie ein schmerzhafter Stachel, Adrenalin und eine Wut, die sie fast auffraß. Sie sprang vorwärts, leichtfüßig setzte sie über die niedrige Steinbalustrade auf dem Patio und schoss wie der Blitz zum nächsten Eingang des Hauses und riss die französischen Türen auf. Sie legte keinen Stopp ein, um sich bei der kleinen Gruppe von Leuten zu entschuldigen, die um einen Billardtisch stand, als sie um die Männer und Frauen in eleganten Abendroben spurtete und zielstrebig durch die Tür hechtete, die in einen Hauptteil des Gebäudes führen musste.

Der kleine Bedienstete folgte auf dem Fuß bis in den Flur, der mit Marmor gefliest war, wo er weiß Gott wohin abdrehte. Harry war es egal – ihr Kopf war leer bis auf das Entsetzen, das in den Worten klang, die sich in ihrem Kopf wiederholten. Es geht um Cyn! Sie ist angegriffen worden!

„Harry, Gott sei Dank –“, Terry tauchte aus einem Seitenflur auf, gestikulierte zu einer ausladenden Treppe, in sein Gesicht von Besorgnis verzogen. „Wir wussten nicht, wo du warst. Sie ist da oben.“

Harry schabte ein oder zwei Lagen von Glasur ab, als die beiden die scheinbar endlosen Stufen hinaufschossen; ein abgelenkter Teil ihres Gehirns fand es ironisch, dass sie ausgerechnet jetzt für ihre Größe und ihre langen Beine dankbar war. „Was ist passiert?“, keuchte sie, als sie oben ankamen, und Terry deutete nach links.

Er warf ihr einen besorgten Blick zu, sagte aber nichts. Derek stieß fast mit ihr zusammen, als er aus dem Raum schoss. „Hier rein! Harry, du musst etwas unternehmen! Dieser Bastard… er… er…!“

„Ich bringe ihn um, wer auch immer es ist“, sagte sie, während ihr das Blut in den Adern gefror bei dem Gedanken, welche Abscheulichkeit sich zugetragen hatte. Sie drückte Derek zur Seite und betrat den Raum, ihr Atem abgehackt, der Herz kurz vor dem Bersten. Sie hatte den Ausdruck „rot sehen“ zuvor schon gehört, aber sie hätte niemals gedacht, dass man das wörtlich nehmen sollte. Für einige Sekunden aber hätte sie geschworen, dass alles in dem Zimmer einen hässlichen roten Farbton annahm. Es war offensichtlich ein Schlafzimmer; ein schneller Blick ließ sie die üblichen Stühle erkennen, einen großen Schreibtisch mit passendem Kleiderschrank und ein großes Bett mit dünnen Vorhängen, die in der Brise wehten, die durch die offenen französischen Türen hereinkam. Ihre Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Bett, als sie darauf zustürzte; sie nahm sofort eine der zwei zusammengesunkenen schluchzenden Gestalten in ihre Arme.

Vage nahm sie wahr, dass noch eine andere Person im Zimmer war, aber seine Identität verblasste zur Bedeutungslosigkeit. „Es ist alles gut, Cyndi. Ich bin jetzt hier“, sagte sie und ihre Wut wurde größer, als die jüngere Frau an ihrer Schulter weinte. „Du wirst in Ordnung kommen. Wir werden denjenigen, der das getan hat, bezahlen lassen.“

„Er ist bösartig! Er ist schrecklich!“, Cyndi lehnte sich zurück, Tränen rannen aus ihren schon roten, blutunterlaufenden Augen. Sie war nackt, ein Betttuch umklammerte sie über ihren bloßen Brüsten, ihr Gesicht unverletzt, aber fleckig von den Tränen. Einige fies aussehende, wunde Flecken waren auf ihrem Hals und ihrer Brust, aber es war der quengelig verzogene Mund, der plötzlich eine Alarmglocke in Harrys Kopf angehen ließ.

„Was ist passiert? Hat dich jemand angegriffen?“ Cyndi holte tief und zitternd Luft und schaute kurz über Harrys Schulter. „Ja! Naja… Mehr oder weniger. Er hat mich abserviert, Harry. Abserviert!“

Harry blinzelte einige Sekunden. „Er was?“

„Er hat mich abserviert, gemein und… und… hinterhältig. Ich kam hier in sein Zimmer, und ich dachte, wir würden miteinander anbandeln, und alles lief wie am Schnürchen, aber bevor wir zur Sache kommen konnten, du weißt schon, es richtig machen konnten, hat er mir gesagt, ich solle verschwinden. Einfach so!“

Harry fuhr sich mit einer zitternden Hand über die Augen. Langsam normalisierte sich ihr Herzschlag wieder. „Also bist du nicht angegriffen worden?“

„Verbal schon. Er hat mir gesagt, er wollte mit mir keinen Sex, und dass ich verschwinden sollte, weil er schlafen wolle.“ Cyndi gestikulierte zum Bett. „Wenn das keine Beleidigung ist, jemanden ins Bett zu locken, ihn auszuziehen, und ihn dann überall zu küssen, bevor man demjenigen sagt, er solle verschwinden, dann weiß ich nicht, was eine Beleidigung sein soll!“

„Er hat dich gelockt?“

„Ja! Nicht so sehr mit Worten, aber hat mich mehrmals heute Nacht angesehen, und eine Frau weiß, was dieser eine Blick bedeutet“, sagte Cyndi mit merkwürdig hochnäsiger Schüchternheit. „Er begehrte mich. Also kam ich hier herauf und dann war alles wirklich schön, bis er total verrückt wurde und mir sagte, ich solle verschwinden. Das ist einfach nicht richtig, Harry. Es ist traumatisch! Du hast keine Ahnung, wie traumatisch das ist, in jemandes Zimmer zu gehen, in dem man vorhat, fantastischen Sex zu haben, und dann einfach gesagt bekommt, man solle verschwinden, weil jemand schlafen will. Ich bin noch keine Schlampe! Ich sollte hier auch schlafen!“

Harry holte einen tiefen, tiefen Atemzug, um sich davon abzuhalten, dass junge, selbstgerechte Mädchen vor ihr zu erwürgen. Sie erinnerte sich daran, dass der einzige Zweck ihres Aufenthaltes hier darin bestand, auf die Kids aufzupassen und zuzusehen, dass ihnen nichts passierte. Ihr fielen die roten Striemen auf Cyndis Brust ins Auge und ein kleiner Funke von Wut brannte in ihrem Magen.

Sie drehte sich um, zog die lauernden Gestalten von Terry und Derek aus dem Weg. Amy hatte sich an letzteren geklammert, ihre Augen groß und besorgt. Auf der anderen Seite des Zimmers lehnte ein Mann betrunken an der Wand, er trug ein paar offensichtlich hastig angezogene Hosen mit offenem Hosenbund, sein Gesicht war schlaff und ausdruckslos, als er beobachtete, wie Harry auf ihn zukam. Er war ein klein wenig größer als sie, offensichtlich Grieche, mit dunklen Augen und dunklem Haar, und unter anderen Umständen hätte er sicherlich als klassische Schönheit gegolten, für die sie hätte tot sein müssen, um sie nicht wahrzunehmen.

„Ich habe in drei Teufels Namen keine Ahnung, was du ihr angetan hast, um solche Striemen zu hinterlassen, aber ich habe den Eindruck, dass es wichtig sein könnte, dich darauf hinzuweisen, dass sie gerade mal achtzehn Jahre alt ist. Hast du es nicht geschafft, sie aus dem Zimmer zu kriegen, ohne sie anzufassen?“, fragte sie, und kämpfte gegen den Drang an, Cyndi oder den brünstigen Hengst vor ihr anzuschreien. Er musste einer der Gäste der Party sein – für die die Band mit großen Unkosten hergebracht wurde, um zu spielen – aber in diesem Moment hätte es Harry nicht egaler sein können, wenn er der Besitzer dieses Sündenpfuhls gewesen wäre; sie wollte einfach nur Cyndi hier herausschaffen ohne ein weiteres Drama.

„Ich –“, der Mann blinzelte sie an, schluckte schwer, und stieß sich von der Wand ab, um einen Schritt vorwärts zu machen. „Die kleine Nutte hat sich mir an den Hals geworfen. Sie war in meinem Bett, hat auf mich gewartet. Ich hab sie nicht genagelt, wenn es das ist, was alle so aufregt.“

„Nutte!“, brüllte Cyndi und hätte sich auf den Mann gestürzt, wenn sie nicht in dem Bettlaken verwickelt gewesen wäre. „Du Bastard! Ich bin keine Nutte! Terry, was ist eine Nutte?“

 „Es ist mir egal, wer hier wen versucht hat zu verführen. Du hättest wissen sollen, dass sie zu jung ist. Du hast einfach Glück, dass sie volljährig ist. Und offensichtlich bist du ein bisschen hart mit ihr umgesprungen, wenn du solche Striemen hinterlassen hast.“

 „Ich bin verletzt!“, heulte Cyndi, die sich auf den Gedanken einließ. „Er hat mich verletzt! Er ist ein tierischer, schrecklicher Mann, der mich verletzt und beleidigt hat! Ich glaube, ich werde ohnmächtig.“

„Du bist nicht verletzt du kleine –“ klugerweise behielt der Mann das letzte Wort für sich, als Harry die Stirn runzelte. „Ich habe sie nicht verletzt.“

 „Oh mein Gott, ich blute!“, heulte Cyndi in einer dramatischen Tonlage und klammerte sich an Terry fest. „Ich muss ins Krankenhaus!“

 „Schau, das ist nun weit genug gegangen. Ich will einfach nur, dass du mir verspricht um Cyndi für den Rest des Wochenendes einen Bogen zu machen, in Ordnung?“, sagte Harry in einem Versuch, wieder Kontrolle über die Situation zu bekommen.

Der Mann schaute sie finster an. „Wer zum Teufel bist du, mir das zu sagen? Ich wette, ihr habt das alles hier geplant mit der kleinen Nutte oder etwa nicht? Was für ein abgekartetes Spiel, eure Freundin hier raufzukriegen, die versuchen sollte, mich rumzukriegen, und dann vorgeben sollte, dass sie angegriffen wurde. Was habt ihr noch auf Lager? Erpressung? Das könnt ihr gleich vergessen, weil ich auf gar keinen Fall auf euren kleinen Plan hereinfallen werde.“

Mit jedem Wort wuchs Harrys Wut. Oh, sie wusste ganz genau, dass Cyndi die Situation ausnutzte bis zum letzten Rest, genauso wie sie wusste, dass Cyndi ihm nachgelaufen war und nicht andersherum, aber seine Verleumdung brachte sie dazu, ihm einfach nur eins auf die Nase geben zu wollen. Hinter ihr hörte sie, wie sich die Tür öffnete, aber sie ignorierte es und sagte einfach: „Wer ich bin? Ich sag’ dir, wer ich bin. Ich bin dein schlimmster Albtraum.“

„Ich weiß nicht“, er grinste auf diese anzügliche und Art, wie es Betrunkene tun. „Ich bin bereit, mich auf einen Versuch einzulassen. Ich wette mit dir, dass du ein paar Dinge weißt, die deine kleine Freundin nicht weiß.“

Der Mann langte nach ihren Brüsten. Harry sah wieder rot, bevor sie seine Hand wegschlug und so fest sie konnte auf seinen nackten Fuß trat. Dann rammte sie schnell ihr Knie zwischen seine Beine. Als er sich mit einem Schrei krümmte, verpasste sie ihm, so fest sie konnte, ein blaues Auge. Sein Kopf ruckte nach hinten, sein Gesicht für einen Moment erstarrt in Schock und Schmerz bevor er nach hinten zusammenbrach.

„Was zur Hölle ist hier los?!“, brüllte eine Stimme hinter ihr.

Sie wirbelte herum, um einen absolut wütenden Mann auf sich zukommen zu sehen. Sie blinzelte bei diesem Anblick, für einen Moment geplättet, dass solch eine glorreiche Version von männlicher Schönheit jenseits der Seiten von Hochglanz-Modemagazinen existierte. Er war sogar größer als der Mann, den sie gerade ausgeknockt hatte, gute zehn cm größer als sie selbst, mit einer breiten Brust, die kein bisschen versteckt wurde von einem schwarzen Seidenshirt, das am Kragen offen war, und dabei ein Stück bronzefarbener Haut enthüllte, das sie plötzlich lecken wollte. Die kleine Einbuchtung, wo sein Hals auf sein Schlüsselbein traf, lockte sie mit sündhafter Faszination, und sie starrte ihn an, für einen Moment verwirrt, fragte sich, was in aller Welt ihr Gehirn tat, dass es verlangte, dass sie diesen fremden, wenn auch schrecklich schönen, Mann kosten sollte.

„Wer sind Sie?“, verlangte er zu wissen, seine schwarzen Augen glitzerten vor Zorn, der irgendwie bekannt aussah. „Was zur Hölle haben Sie mit meinem Bruder gemacht?“

 „Ihr Bruder?“ Plötzlich waren aller Ärger und der ganze Zorn wieder da und erfüllte sie mit Selbstgerechtigkeit. „Ich habe ernsthaft in Betracht gezogen, ihn in einen blutigen Haufen zu prügeln. Du bist ein großer Junge – ich lass dich helfen, wenn du magst.“

Ein dunkler Blick wanderte über sie auf eine Art, bei der ihr heiß und kalt zugleich wurde, der sie aber sofort als unter seiner Würde aussortiert. Er stieß sie zur Seite und marschierte dorthin, wo der andere Mann sich schwach an der Wand bewegte. „Ich glaube, der Ausdruck heißt ‚nur über meine Leiche’. Steh auf, Theo.“

 „Du willst auch auf meine Liste? Prima“, schnaufte Harry und hätte ihre Ärmel hochgekrempelt, wenn nicht die Leinentunika, die sie trug, ärmellos gewesen wäre. „Du kommst als nächstes dran. Mach schon, Theo, steh auf, damit ich dir den Kopf abhaken kann.“

Der große, unglaublich attraktive Mann hievte seinen Bruder auf die Füße, eine seiner Lippen kräuselte sich. „Du bist betrunken.“

 „Nicht betrunken“, protestierte Theo, seine Augen glasig. „ Ich hatte kaum was. Diese kleine Hexe –“

Harry bewegte sich schneller als sie sich jemals bewegt hatte, darauf aus, ihm das Wort direkt von den Lippen zu prügeln, aber der andere Mann hielt sie fest, als sie sich auf seinen Bruder werfen wollte.

„Wer zum Teufel sind Sie?“, schnaubte er, sein Arm wie Stahl um ihre Hüfte.

 „Den ‚schlimmste Albtraum’-Satz habe ich schon aufgebraucht“, keifte sie ihn an, ihre Hände zu Fäusten geballt. „Aber Du glaubst besser, dass ich das in der Tat bin!“

Er hielt ihre Faust auf, gerade als sie dabei war, ihm einen Schlag auf die Nase zu versetzen, und schubste sie zurück in die kleine Gruppe von Leuten, die neben dem Bett stand. Seine schwarzen Augen wanderten über sie alle. „Ihr seid nicht auf der Gästeliste. Was tut ihr hier?““

 „Sie sind die Band“, sagte Harry, während sie mit dem Daumen auf die vier wies, Cyndi nun aufrecht, eingewickelt in das Laken, dass sie in stummem Erstaunen zusammenpresste. „Die, die deine Schwester für ihren achtzehnten Geburtstag engagiert hat; ich nehme an, du bist der Besitzer dieses Hauses der Laster.“

Die Augen des Mannes kehrten zu ihr zurück, Verachtung tropfte aus ihnen genauso wie aus seiner Stimme, als er sagte: „Du siehst ein bisschen zu alt aus, um in einer Teenieband zu spielen.“

 „Ich bin nicht alt“, sagte sie und streckte sich. Hinter dem Mann brach Theo in einem Stuhl zusammen, beugte sich vor, um den Kopf mit einem Mitleid erregenden Stöhnen in seinen Händen zu vergraben. Sie verengte ihre Augen, als sie ihn ansah, und fragte sich, ob sie seinen Bruder lange genug ablenken könnte, um einen wirklich guten Treffer zu landen. „Ich bin gerade mal dreiundreißig und ich bin ihr Manager. So ähnlich. Als Bevollmächtigte. Ich bin eigentlich Schriftstellerin, aber ich bin als ihr Manager eingesprungen, weil Timothy einen Blinddarmdurchbruch hatte und Jill musste bei ihm bleiben, weil sie den Termin für ihr erstes Kind hat, und es gab keinen anderen, der auf die Kids aufpassen könnte, also hat sie mich gefragt, ob ich für diesen einen Auftritt dabei wäre. Und, Idiot, der ich war, habe ich gedacht, wie schwer kann es sein, aufzupassen während sie auf einer Party eines obszön reichen Ölmilliardärs spielen? Niemand hat mir gesagt, dass dein Bruder ein Trunkenbold ist, der nicht so viel Verstand hat wie Gott einem Kartoffelkäfer gegeben hat!“

Harry starrte den Mann böse an, als der von seinem Bruder zu dem zusammengekauerten Mädchen schaute, das nun Gott sei Dank still war. Er nahm ihr zerzaustes Erscheinungsbild wahr bevor er seine Augen auf Harry verengte. „Ich verdiene mein Geld mit Immobilienerschließung, nicht Öl.“

Sie starrte ihn für einen Moment an: „Macht das einen Unterschied?“

 „Tut es, wenn du glaubst, dass die Quelle meines Reichtums ein Grund für eine Beleidigung ist. Und zu dieser Situation“ – er gestikulierte mit Abscheu zu Cyndi – „Theo musste niemals Gewalt anwenden, um eine Frau in sein Bett zu bekommen. Normalerweise ist es genau andersherum.“

 „Behaupten Sie, dass ich hier ganz alleine raufkam, ohne dass er mich zuerst gefragt hat?“ Cyndi rang mit einem Seufzen nach Luft und deutete mit dem Kinn auf ihn. „Er hat mich gebeten hier hochzukommen. Nicht so sehr mit Worten, aber mit seinen Taten.“

Harry runzelte die Stirn: „Welche Taten?“

 „Er hat mich zweimal angelächelt und mir einmal zugezwinkert und dann hat er meinen Arm berührt als ich an ihm vorbeigegangen bin. Ich bin nicht blöd, wisst ihr! Ich merke schon, wenn ein Mann mich begehrt! Also bin ich hochgekommen, um auf ihn zu warten, weil es klar ist, dass er denkt, dass ich superheiß bin.“

Harry schloss ihre Augen für einen Moment, dann nahm sie Cyndi beim Arm und unterdrückte den Impuls sie zu schütteln. „Ich weiß noch nicht einmal, wo ich anfangen soll, Cyndi.“

„Anfangen womit? Ich bin nicht die, die hier im Unrecht ist. Theo ist das!“, antwortete Cindy mit einem weiteren selbstgerechten Seufzen.

„Dachte ich mir so. Das wäre nicht das erste Mal, dass eine geschäftstüchtige junge Dame versucht, sagen wir, finanzielle Vorteile aus Theos mangelndem Verstand zu ziehen“, sagte der nervtötende Mann.

 „Bullshit!“, fauchte Harry und ließ Cyndi los, um zu dem Mann hinüberzumarschieren. Seine Augenbrauen wanderten in die Höhe bei diesem Kraftausdruck. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sein Name lautete – es war einer dieser langen Namen mit scheinbar viel zu vielen Vokalen darin – aber sie konnte sich vage erinnern, dass Jill etwas gesagt hatte darüber, dass er auf der Liste der weltweit begehrtesten Junggesellen war. Wenn sein Aussehen ein Indikator dafür war, dann wollte sie das gerne glauben. „Ich bin gewillt zuzugeben, dass Cyndi heute Abend einen großen Mangel an Intelligenz offenbart hat –“

Cyndi schnappte wieder nach Luft, wütend.

 „Aber weder sie noch ich versuchen deinen kostbaren Bruder zu erpressen. Es war einfach nur ein junges Mädchen – ein sehr junges Mädchen, das gerade mal volljährig ist, möchte ich betonen – das offensichtlich geblendet von der Situation war und einige Fehlentscheidungen getroffen hat.“

 „Ich bin nicht geblendet“, protestierte Cindy. „Ich bin verletzt! Ich blute überall!“

Der Mann machte ein angewidert Geräusch und sah aus, als wollte er mit den Augen rollen.

„Das ist kein Blut, Cyndi“, erklärte Harry. „Obwohl ich zugebe, dass dein Spielgefährte viel zu hart mit dir umgegangen ist. Und obwohl eine härtere Gangart kein Verbrechen ist, ist es sicherlich auch kein vergnügliches Schäferstündchen.“

 „Es ist kein Verbrechen begangen worden, abgesehen von Fehlentscheidungen“, fauchte der Mann bei ihrem zarten Hinweis, sein Stirnrunzeln wandelte sich für einen Moment in einen Ausdruck der Überraschung, als Harry ihn in die Brust piekste, als sie sprach: „Sie hat überall auf ihrem Dekolleté Striemen! Schau sie doch einfach nur an! Welche Art von Mann tut so etwas?“

Iakovos Papaioannou konnte nicht glauben, dass die Amazone vor ihm die Nerven hatte, ihn in die Brust zu pieksen, als ob sie das Recht dazu hätte, ihn zurechtzuweisen. Für einen Moment war er sprachlos, weil sie keinerlei Rücksicht auf seine Bedeutung nahm, als sie ihn weiterhin scharf kritisierte, und ihm die absurdesten Anschuldigungen um die Ohren haute.

Er ließ sie weitermachen, einfach nur um das Vergnügen zu haben, sie zu beobachten, und musste sich eingestehen, dass, obwohl seine Präferenz in Frauen selten über schlanke, elegante, kühle Blondinen hinausgingen, diese Frau, diese Erdgöttin mit ihren üppigen Kurven und wildem braunen Haar, das sich über ihren Rücken ringelte, etwas tief in ihm rührte. Etwas Ursprüngliches, einen Drang, der erwacht war und verlangte, dass er sie in der grundlegendsten Art, zu der ein Mann nur fähig war, zu der seinen zu machen.

Seine Augen wanderten zu ihrem Mund, und er schaute fasziniert zu, wie sie die Lippen bewegte, während sie ihm weiterhin eine Predigt hielt. Ein flüchtiger Geruch erregte seine Aufmerksamkeit und er atmete tiefer ein in der Hoffnung, ihn wieder zu riechen; und als er ihn wiedergefunden hatte, bemerkte die analytische Seite von ihm, dass es einfach nur der Duft nach einer sonnengewärmten Frau war, als ob sie draußen am Strand gelegen hätte. Es war nichts Besonderes, nichts Ungewöhnliches und doch schien es direkt zwischen seine Beine zu gehen, befeuerte sein Begehren, wie es das teuerste Parfum niemals getan hatte.

„– und Du hörst noch nicht einmal zu!“, brüllte die Göttin, lenkte seine Aufmerksamkeit ab von der Fantasie, wie er sie auf seinem Bett ausbreiten und sich tief in ihrem glorreichen Körper vergraben würde. Sie versetzte ihm einen besonders harten Pieks in die Brust und er nahm ihre Hand gefangen, ohne nachzudenken, und strich müßig mit dem Daumen über ihre Finger.

„Natürlich tue ich das nicht“, sagte er wegwerfend. „Da gibt es nichts weiter zu diskutieren. Die Frau hat Theo verfolgt, nicht andersherum. Sie ist nicht verletzt, obwohl sie das Gegenteil behauptet.“

Sie starrte ihn mit sprachloser Überraschung für einen Moment oder zwei an. Dicke schwarze Wimpern blinzelten über Augen, von denen er zuerst geglaubt hatte, dass sie grau waren, aber nun konnte er sehen, dass sie mehr haselnussbraun waren; die Iris schien leicht dunkler zu werden, als sie seine Hand anschaute: „Was tust du da?“

„Ich versuche, das Offensichtliche klarzustellen“, gab er zur Antwort, seine Augen auf ihren Lippen und er fragte sich, ob sie nach Meer schmecken würde. Sie sah nach einer Göttin aus, die dem Meer entstiegen war, um Rache zu üben, ein Sturm in menschlicher Form.

„Nein, deine Hand. Dein Daumen, es ist …“

Ihr Blick wanderte zu seinem und er beobachtete mit primitiver Befriedigung, wie sich ihre Pupillen weiteten in ihrer plötzlichen Anerkennung von ihm als Mann. Wie einfach es wäre, sie zu erregen, diesen Sturm. „Wie heißt du?“

„Harry“, sagte sie und schauderte plötzlich ein wenig, als sie ihre Finger seinen entzog.

Er runzelte die Stirn. Das war auf gar keinen Fall angemessen für eine Göttin aus dem Meer: „Du hast einen Männernamen?“

„Es ist eigentlich ein Spitzname“, sagte sie mit einem reuigen Lächeln. Sein Blick wanderte sofort zu ihren Lippen, das Ziehen in seinen Lenden warnte ihn, dass, wenn er weiter über ihren Mund nachdachte und was er gerne mit ihm anstellen würde und was dieser Mund mit ihm anstellen könnte, dann würde es damit enden, dass er sie zu seinem Bett trug. Während diese Idee für ihn ganz in Ordnung war, gab es andere Dinge, um die er sich kümmern musste… Zumindest solange Elenas Party stattfand.

„Mein Name ist eigentlich Eglantine, aber niemand außer meine Mutter ruft mich so. Es ist einfach so ein sperriger Name, dass jeder mich Harry nennt. Wie heißt du?“

„Iakovos Panagiotis Okeanos Papaioannou“, sagte er mit einem leichten Stirnrunzeln, als ob er überrascht wäre, dass sie das nicht wusste. Das machte sie platt. Sie stürzte sich auf den ersten Teil: „Jackydos?“

„Iakovos. Das ist griechisch für Jakob.“ Als sie ihn nur anstarrte, erklärte er: „Mein Name ist mehr als nur ein bisschen sperrig, ja. Ich würde vorschlagen, da du die Managerin dieser jungen Frau bist, dass du sie zu ihrer Unterkunft begleitest. Ich werde mich um meinen Bruder kümmern.“

„Ich bin verletzt! Ich will ins Krankenhaus!“, weinte Cyndi.

„Mach’ dich nicht lächerlich. Du brauchst keinen Arzt“, erklärte Iakovos ihr.

„Ich bin ihre Ersatzmanagerin und wenn sie ins Krankenhaus will, dann bringe ich sie in ein Krankenhaus.“ Harry piekste ihn wieder in die Brust, nicht, wie sie sich selbst erklärte, weil sie wieder seine Finger auf ihren spüren wollte. Ja, sicher, er war der Inbegriff von Sex auf zwei Beinen, der Standard von blendend aussehender Kerl, aber er war auch ein extrem begriffsstutziger, blendend aussehender Kerl, der eine große Überraschung auf sich zukommen sah, wenn er dachte, dass er einfach Cyndis (wenn auch kleinere) Verletzungen abtun könnte.

„Darf ich dich daran erinnern, dass du in meinem Haus bist“, sagte Iakovos, seine Stimme tief und unglaublich erregend. „Auf meiner privaten Insel.“

Harry hatte niemals gedacht, dass Stimmen sündhaft sexy sein könnten, aber die Art, wie dieser Mann herumgrummelte in seiner Brust, da stellten sich ihr die Härchen im Nacken auf. Es war, als wäre er ein Gott, ein griechischer Gott, der zum Leben erweckt worden war, und direkt hier vor ihr stand, der allerhand Dingen mit intimen Teilen ihres Körpers anstellte, über die sie nicht nachdenken wollte. Er war der Bruder eines Trunkenbolds, um Himmels Willen! Wie konnte sie nur seine Stimme erregend finden? „Schau mal, Yacky –“

„Iakovos!“

„Wir mögen zwar in deinem Haus sein auf deiner kostbaren Insel, aber wir sind auch in einem Land, wo ich durchaus gewillt bin zu wetten, dass es den Missbrauch von Frauen nicht toleriert, besonders bei amerikanischen Staatsbürgern und doppelt besonders, wenn diese amerikanische Staatsbürgerin gerade über achtzehn ist.“ Harry holte tief Luft und schickte dem griechischen Gott einen Blick, der ihn hätte zusammenbrechen lassen sollen. „Ich nehme an, dass wir ein Boot nehmen müssen, um von dieser Insel des Schmutzes herunterzukommen, wir brauchen eines, um Cyndi zum Krankenhaus auf dem Festland zu bringen. Und da ich auch annehme, dass dir alle Boote hier gehören, würde ich es sehr wertschätzen, wenn du einen deiner Lakaien schicken könntest, um eines für uns aufzutreiben.“

„Und wenn nicht?“, fragte Iakovos, seine schwarzen Augen waren nahe daran, ihr Feuer entgegenzuspucken.

„Dann wirst du ein kleiner trauriger Panda sein“, schnaubte sie.

„Du drohst mir?“, er sah aus, als wäre er deswegen völlig fassungslos. „Darauf kannst du deinen unglaublich attraktiven Arsch verwetten, der wahrscheinlich hart genug ist, das ich Centstücke darauf springen lassen kann, dass ich dir drohe!“, fauchte sie zurück.

Ein unbeschreiblicher Blick huscht über sein Gesicht. „Du bist die respektloseste Frau, die mir je begegnet ist.“

„Du bist der attraktivste Mann, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe, aber das bedeutet nicht, dass ich dich lecken werde!“, schrie sie.

Er starrte sie offen überrascht an.

„Entschuldige. Das kam ein bisschen falsch rüber“, ihr wurde heiß, als sie eine gesunde Gesichtsfarbe annahm, während sie sich mental dafür verdammte, dass ihr merkwürdiges Gehirn sie zuerst sprechen ließ und dann denken. „Manchmal kommt der Dialog, den ich in meinem Kopf schreibe, aus meinem Mund anstatt da zu bleiben, wo er hingehört.“

„Du willst... lecken?“, fragte er, mit dem gleichen merkwürdigen Gesichtsausdruck.

„Nicht alles von dir!“, sagte sie mit Würde und straffte ihre Schultern. „Einfach nur diesen einen Punkt, wo dein Hals auf das Schlüsselbein trifft. Wo diese kleine Einbuchtung ist…“ Ihre Stimme verlor sich, als er sie weiterhin ansah, als wären gerade zwei tanzende Brüste auf ihrem Kopf erschienen.  „Das ist jetzt egal, es ist nicht wichtig.“

Er öffnete sein Mund, um etwas zu sagen, schüttelte den Kopf, und mit einem wegwerfende Blick Richtung Cyndi und den anderen, die immer noch um sie herum im stillen Schock versammelt waren, holte er ein Handy aus der Tasche und sprach schnell in Griechisch „Ein Boot wird auf euch am östlichen Dock warten.“ Seine Lippen verengten sich, als er zu seinem Bruder sah, bevor er ihn in die Höhe riss. „Ich nehme an, dass ein Besuch im Krankenhaus dich rückversichern wird, dass dein Schützling keine weiteren Verletzungen davongetragen hat, außer die von ihrem Stolz.“

„Stolz?“, Harry ergriff seinen Arm, als er gehen wollte. Er wirbelte herum und nagelte sie mit einem wütenden Blick fest, dem sie mehr als nur begegnete mit einem von ihren eigenen. „Sie ist schrecklich gebeutelt.“

Sein Blick flackerte zu Cyndi, die sich in die Brust warf und ihm einen widerspenstigen Blick schenkte. „Ich sehe keine Anzeichen von Gebeutelt-Sein.“

„Sie hat Striemen überall auf ihrer Brust und ihrem Nacken!“, sagte Harry und deutete zu Cyndi.

Er schaute sie für einen Moment lang ruhig an und dann hätte sie schwören können, dass einer seiner Mundwinkel zuckte. „Hattest du niemals einen Liebhaber, der starken Bartwuchs hatte?“

„Hä?“

„Es ist normal bei griechischen Männern, dass sie sich mehr als einmal am Tag rasieren müssen, und mein Bruder und ich sind keine Ausnahme dabei.“

Sie betrachtete seinen Kiefer und kniff leicht die Augen zusammen. Er hatte leicht dunkle Schatten auf seinem unteren Gesicht, als ob er bald einen männlichen Stoppelbart zur Schau tragen würde. Er hatte außerdem sehr attraktive Lippen, die Unterlippe insbesondere. Mit diesem süßen, oh so süßen Schwung, und der Oberlippe mit dem tiefen Einschnitt in Verlängerung der langen geraden Nase. Wie bei der Stelle an seinem Nacken hatte sie den schlimmsten Drang, diese Einbuchtung der Oberlippe zu kosten. Sie leckte tatsächlich ihre eigenen Lippen, während sie darüber nachdachte, bevor sie sich erinnerte, dass es keine Option war, den Bruder eines Trunkenbolds anzuschmachten, besonders dann wenn dieser auf dem Cover von GQ sein könnte. „Er… Was war die Frage?“

Er seufzte: „Kratzspuren vom Bart. Das ist das, was all diese roten Striemen zu bedeuten haben.“

„Haben sie?“ Sie wandte sich an Cyndi. „Cyn?“

„Er hat mich verletzt“, sagte sie mit Tränen in den Augen. „Selbst wenn es nur seine rauen Wangen waren, ich muss einen Arzt konsultieren.“

Amy, die Freundin von Derek und die zweite Sängerin der Band, umarmte sie sofort, Sorge stand in ihren blauen Augen. Sogar Terry, der fröhliche Terry, der immer einen Scherz auf den Lippen hatte, sah ernst aus, als er näher zu den beiden Frauen trat. Vier Augenpaare beobachteten Harry, mit einer offensichtlichen Bitte in ihnen.

„Kratzspuren vom Bart.“ Sie wandte sich nach dem nervtötenden Gott mit den sexy Lippen um. Er hob eine Augenbraue und sie war dankbar, dass er offensichtlich über solchen sterblichen Dingen stand wie ‚ich hab's dir ja gesagt’.

„Ich hab dir gesagt, dass sie nicht verletzt ist“, sagte er mit einem leichten Grinsen.

Sie deutete mit dem Finger auf ihn: „Du hast dich gerade selbst von deinem Podest gestoßen, Loser. Alles klar. Ich bin bereit zu akzeptieren, dass dein Bruder sie nicht absichtlich verletzt hat. Aber sie ist sehr durcheinander und sie hat in der Tat einige fiese Striemen, also denke ich, es wäre besser für unser aller Seelenfrieden, wenn sie einen Arzt konsultieren würde. Wenn du und Mister Übergriffig da drüben hier verschwinden würdet, würde ich Cyndi etwas anziehen und wir werden sie aufs Festland bringen.“

Er presste seine leckbaren Lippen aufeinander, als wäre er nicht daran gewöhnt, Befehle entgegenzunehmen, ein Gedanke, der ihr immenses Vergnügen bereitete. Oh, wie viel Spaß würde es machen, ihn ein oder zwei Grad runterzustufen, um ihn daran zu erinnern, dass er von sich selbst zwar dachte, dass er ein Gott unter Geringeren sei, aber dass er in Realität nicht mehr als ein Mann war. Ein sehr reicher, urbaner, sexy und wahrscheinlich sehr faszinierender Mann, aber immer noch ein Mann.

Sie sah auf die Einbuchtung an seinem Schlüsselbein. Ihre Zunge drückte gegen ihren Gaumen. „Versuchung ist ein Schwein.“

„Das kannst du laut sagen“, murmelte er und schenkte ihr einen dunklen Blick, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und den Raum verließ, seinen Bruder hinter sich herschleppend.