Leseprobe Die Lüge des Herzensbrechers

1

SOMMER, 1823

Die Gräfin Churzy war bisher dreimal verliebt gewesen.

Zuerst, als sie einfach Letty Price, kaum acht Jahre alt und sich des Ernsts des Lebens herrlich unbewusst war, liebte sie ihren besten Freund, Joey Purser. Sie spielten jeden Tag zusammen, bis Joeys Mutter ihn zum Arbeiten in das Sägewerk der Prices schickte. Da durfte sie dann als Tochter des Besitzers nicht mehr mit Joey spielen.

Zum zweiten Mal, als sie verliebt war, war sie Miss Leticia Price, Schwester der Lady Widcoate, und von jedem ehrbaren Mitglied der Gesellschaft gemieden. Da sie nur die Tochter eines Sägewerksbesitzers war, war ihres Vaters Vermögen zwar genug, ihrer Schwester ein Landei mit Titel zu erkaufen, doch dass Leticia dachte, dass ihre Schönheit und Grazie ihr in den oberen Kreisen weiterhelfen würden, das war einfach zu viel der Anmaßung. Da begab sich Konrad Herzog, Graf Churzy, auf die Seite des Raumes, wo sie saß, und forderte sie zum Tanz auf. Er war ein österreichischer Aristokrat, der London genoss, während die letzten Überreste des Krieges sich verflüchtigten, und Leticia verliebte sich im selben Augenblick in ihn, als er ihr während der Quadrille zuzwinkerte.

Das dritte und letzte Mal, da Leticia – nunmehr verwitwet, verzweifelt und auf Ausschau nach einer sicheren Zukunft – wusste, dass sie verliebt war, da hatte sie gerade ihre Schlafzimmertür aufgestoßen und den Earl von Ashby vorgefunden, wie er da auf der Schwelle stand.

»Oh … hallo, Letty«, flüsterte er; seine Hand hing weiterhin in der Luft.

»Guten Abend«, gab sie mit einem halben Lächeln auf den Lippen zurück. »Du scheinst dich zu wundern, mich zu sehen.«

»Ich dachte, du würdest vielleicht schlafen.«

»Warum dann klopfen?« Ihr Morgenrock war keineswegs unzüchtig – leider. Sie arbeitete jedoch, womit sie konnte, rollte ihre Schultern zurück und zeigte ihren Busen so vorteilhaft wie möglich.

Seine Mundwinkel kamen hoch, da seine Augen sich dankbar senkten. Er musste wissen, was sie da vorhatte. Sie hatten dieses Spiel nun schon wochenlang gespielt.

Vor lauter Spannung überschlug sich ihr Herz. Ihr Blut stieg davon auf.

Und an diesem Abend war es nicht das erste Mal, dass der Earl von Ashby ihr solche Gefühle verschafft hatte.

»Weil ich nicht schlafen kann, und ich dachte, du vielleicht auch nicht«, antwortete er.

»Ich versuchte es mit aller Tapferkeit. Es ist schon lange nach Mitternacht, Mylord.«

»Dann ist es ein Glück, dass ich Sie erwische, Mylady.« Etwas fiel ihm über die Augen. Etwas Ehrliches und Schweres. Er holte tief Luft, dann nochmal, bevor er sprach. »Ich wollte sichergehen, dass es dir gut geht. Ich … ich habe mich heute Abend vorschnell verhalten.«

»Ach ja?«, fragte sie ganz unschuldig. »Wie das?«

»Heute Abend, beim Sommerball, als ich …« Er räusperte sich.

»Als du mich geküsst hast«, sagte sie ihm vor.

Oh ja, er hatte sie geküsst. Sie war auf der anderen Seite des Raumes gestanden und hatte mit jemandem geredet – es mochte ihre Schwester, Fanny, gewesen sein, doch sie konnte sich nicht mehr erinnern, denn in jenem Augenblick stockte ihr der Atem und ihr Herz begann sich aus ihrer Brust zu schlagen, als sie sah, wie der Earl von Ashby herankam und seiner Beute nachjagte.

Wie er ihr nachjagte.

Bevor sie auch nur ausatmen konnte, hatte er sie in seine Arme gerissen und küsste sie, gleich da auf der Tanzfläche einer öffentlichen Halle, vor aller Welt.

Es war, nach einer Lebenszeit voller Enttäuschungen, ihr Sieg.

Obwohl es eine ziemlich skandalöse öffentliche Zurschaustellung war, kam es nicht aus heiterem Himmel. Sie und der Earl von Ashby hatten sich in den vergangenen zwei Wochen angenähert. Er und sein Geschäftsmann, Mr. Turner, waren gekommen, im Anwesen ihrer Schwester zu übernachten, während er einige Schwierigkeiten um ein Grundstück klärte, das ihm in der Nähe gehörte. Dass sie zufällig zur selben Zeit wie ein recht gutaussehender und überaus wohlhabender, bekannter Gentleman ihre Schwester besuchte, das war nicht zu beachten.

Dass sie beinah seit dem Augenblick seiner Ankunft unzertrennlich gewesen waren, das war viel bedeutungsvoller.

Sie hatte nicht erwartet, dass es so einfach wäre. Sie war sich sicher gewesen, dass sie, um den Earl von Ashby zu umgarnen, ihre hingebungsvollste Anhimmelei, die beste Darbietung von Witz und Lebhaftigkeit heraufbeschwören müsste; den Drahtseilakt zwischen Faszination, Nahbarkeit und Unerreichbarkeit zugleich bestehen.

Stattdessen war es gewesen, als glitte man nach einem langen Tag ins Bett. Jeder kleine Blick, jedes Mal, da er ihr den Arm bot, alle Unterhaltungen über alles und nichts … es hatte sich so, so richtig angefühlt.

Es war erstaunlich.

Es war furchteinflößend.

Und nun stand er vor ihr, mitten in der Nacht. Immer noch in seiner Abendtracht vom Ball, mit offenem Hemdkragen, dem Halstuch lose an der Kehle, wodurch unten an derselben ein verführerisches Bisschen Haut zum Vorschein kam. Und doch passten seine Kleider ihm trotz all der Feinheit ungenau, als hätte er lieber Leder und Kniehosen getragen – oder gar nichts.

Doch da war etwas unterhalb. Eine Sorge. Ein … Bedürfnis.

Ein Stoß ging ihr durchs Rückgrat. Vielleicht passte sein Bedürfnis zu ihrem.

»Du warst sehr leichtsinnig«, sagte sie mit Ernst.

»Das war ich. Ich entschuldige mich für jede Kränkung, die ich vielleicht verursacht habe.« Er holte wieder Luft. »Es gibt da Einiges, was ich nicht – also, was wir nicht besprochen haben – und ich fürchte, dass es nur gerecht ist, bevor irgendetwas Weiteres passiert, dass –«

»Ashby«, sagte sie und ihr gerader Tonfall schnitt durch sein nervöses Geplapper.

»Ja?«

Sie schwang die Tür weit auf und zog ihn hinein.

»Ich kann auch leichtsinnig sein.«

***

Und leichtsinnig war es auch. Sie wusste es, als seine Lippen auf ihre trafen. Als ihre Hände die Revers seiner Jacke ergriffen, als seine Überraschung zu Verlangen dahinschmolz, wusste sie, dass es das Leichtsinnigste war, was sie tun konnte.

Leticia hatte eine Strategie – die musste sie haben, denn sie hatte sonst sehr wenig.

Ihr einziger Vorteil in dieser Situation war, dass er sie geküsst hatte. Er hatte der Welt seine Gefühle offenbart. Der nächste logische Schritt war, was jener Kuss andeutete – eine noch öffentlichere Erklärung. Vorzugsweise in einer Kirche, doch sie würde sich mit Gretna Green begnügen; sie war nicht wählerisch.

Ihn aber hier zu haben, in ihrem Schlafzimmer, ohne jegliches formelle Versprechen, wo seine Hände an ihrem Körper auf- und abliefen, das glich einem Fenstersturz all ihrer harten Arbeit.

Und es kümmerte sie nicht.

Sie beschloss, dass es nur eine Erklärung für ihr Handeln gab: Sie hatte den Verstand verloren.

Sein warmer Atem strich über ihre Wange, als er sich von dem Kuss löste und seinen Mund auf ihr Kinn senkte, auf ihren Hals, zu der kleinen Kerbe unten an ihrer Kehle. Ein grober Hauch entkam, als seine Hände an ihrem Rücken hinabglitten, weiter, bis zur runden Erhöhung ihres Hinterteils.

»Du hast … großartige Hände«, sagte sie mit zitternder Stimme, da die wunderbaren Finger über das feine Leinen ihres Morgenrocks tanzten – das Einzige, was zwischen seinen Händen und ihrer Haut lag.

Doch es war, als durchbräche ihre Stimme seine Vernebelung, und er hob den Kopf.

»Ich muss dir sagen …« Er mühte sich mit den Worten. »Wir … wir sollten nicht –«

Sie nahm zweimal tief Luft, versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Vielleicht hatte er Recht. Vielleicht …

»Wir sollten nicht?«, fragte sie, da ihr Morgenrock – völlig von selbst! – von einer ihrer vollkommenen Schultern rutschte.

»Zum Teufel«, knurrte er, und sein Mund fand ihren wieder.

Kleider fielen ab, da sie sich den Weg zum Bett ertasteten. Seine Jacke fiel zu Boden. Sein Halstuch, das schon lose herabhing, war im Weg. Und warum mussten Männerhemden nur Knöpfe haben?

Bald aber lag ihr Morgenrock offen und setzte ihre Brüste der kühlen Nachtluft aus, und sie hatte anderes im Kopf.

Nämlich ihn. Den Mann, der ein langes, zittriges Pfeifen aushauchte, als er sie sah.

Sie war noch nie so angesehen worden. Nicht von Konrad. Von niemandem. Da fühlte sie sich …

Mächtig.

Seine Hände – solch wundervolle Hände! – fuhren um die Kurve ihrer hohen Brust (wenn auch nicht so hoch wie einst) und umfassten das Gewicht, bevor sein Kopf sich neigte und sie kostete.

»Ned. Oh, Ned.« Sein Name hallte in der Nachtluft.

Seine Hände, die sich an ihren Beinen hoch begaben, hielten mitten auf der Fahrt an. Sein Mund, der ihre Brüste mit jedem erdenklichen Lob überhäufte, stand einfach still.

Leticia stockte. »Ned?«

»Nenn … nenn mich nicht so«, ächzte er und schaute hoch. Im Dunkeln konnte sie sein Gesicht nicht sehen, konnte nicht sehen, was er meinte.

»Tut mir leid … Ich hätte mich nicht anmaßen sollen, dich beim Taufnamen zu nennen«, flüsterte sie. »Ich dachte nur, da du und ich … da heute Abend …« Doch nicht erst seit heute Abend. Er hatte sie seit seiner Ankunft Letty genannt, einen Namen, den sie außerhalb ihres eigenen Kopfes seit beinah zwanzig Jahren nicht auszusprechen erlaubt hatte. Es hatte als Scherz begonnen. Insgeheim mochte sie es aber.

»Nein, nichts zu entschuldigen«, sagte er schnell.

»Ashby …«

»So auch nicht«, sagte er verbissen – so barsch, dass es sie erschreckte.

»Wie soll ich dich sonst nennen?«, fragte sie, da Sorge sich in ihrer Vorstellung breitmachte. »Schatz?«

Er antwortete nicht.

»Liebster?«, fragte sie versuchsweise und biss sich auf die Lippe.

»Wir können das nicht. Nicht jetzt«, sagte er und bewegte sich von ihr weg. Er hob sich auf die Knie. Die kühle Luft an ihrer Haut schmerzte beinah. Die bekannte Enttäuschung war schlimmer.

»Ich verstehe«, sagte sie und schloss den Morgenmantel um ihren Körper.

»Nein, du verstehst nicht«, sagte er und fuhr sich mit der Hand durch sein dunkles Haar. »Ich muss dir etwas sagen … bevor wir einen Fehler begehen. Und ich kann jetzt nicht«, sagte er, da sein Blick auf ihren Körper fiel, dann schnell wieder zu ihrem Gesicht hochschoss. »Ich glaube, es ist bewiesen, dass ich keine zwei Sätze schaffe.«

»Ash– soll heißen, Liebster, was auch immer, du kannst es mir sagen«, sagte sie und setzte sich aufrecht hin. Sie streckte ihre freie Hand nach ihm aus und streichelte ihm über die Seite seines Gesichts. Er lehnte sich an ihre Handfläche und ein verlangendes Schluchzen entkam seiner Kehle.

Er nahm aber ihre Hand in seine und setzte sie an seine Wange an. »Und das werde ich auch«, sagte er mit Entschlossenheit in der Stimme. »Morgen.«

»Morgen?«

»Morgen«, versprach er, nahm ihre Hand und küsste diese. »Morgen werde ich … sagen, was zu sagen ist.«

Seine Küsse wanderten von ihrer Handfläche zu ihrer Ellenbogenbeuge, zogen sie näher heran, verdrehten ihr den Kopf. Er quälte sich selbst.

»Nmmmmmnh«, kam das Gejammer, als er sich losriss, diesmal zum Schluss, und vom Bett sprang, seine Kleidung aufhob, die zerknittert in Lachen auf dem Boden lagen.

Und dann war er weg.

»Morgen«, flüsterte sie, da sie schlaff auf die Kissen zurückfiel. Morgen würde er sagen, was er musste. Und sie wusste, was es war. Seine herrenhaften Instinkte hatten seine niedrigeren überwältigt und er würde die Gräfin nicht entehren, indem er nahm, was sie – im schwindligen Nebel prickelnder Liebe – so sehr geben wollte.

Stattdessen würde er sich auf ein Knie senken, er würde um ihre Hand anhalten, und sie würde sie ihm gewähren. Sie würden heiraten und zur Saison in seinem Stadthaus in London wohnen; auf seinem Familiensitz, wenn es sich gut schießen ließ; und zu jeder anderen Zeit, wenn sie wollten, überall sonst. Sie würde sich nie mehr um Geld sorgen müssen, oder ihren gesellschaftlichen Stand, oder wie sie jetzt weiterleben würde.

Sie wäre die Gräfin Ashby und er ihr Retter.

Es würde alles morgen beginnen, dachte sie, da ihr Herz träger wurde und sie in den Schlaf glitt.

2

SOMMER, 1824

»Leticia, möchtest du mich heiraten?«

Leticia lächelte den Mann vor ihr an, der die Arme ausstreckte und ihre Hand zärtlich in seiner hielt.

»Oh, mein Schatz! Natürlich möchte ich!«

Es war kaum zu glauben, doch sie hatte es tatsächlich geschafft. Sie hatte sich tatsächlich errettet. Es hatte beinah ein ganzes Jahr gedauert, und sie hatte beinah ihren ganzen Schmuck verpfänden müssen (sie hatte die Diamant-Ohrhänger eh nie gemocht, viel zu ungeschickt), doch es war dies alles völlig wert gewesen, denn da stand sie nun und erhielt einen Antrag von keinem Geringeren als dem Mann, mit dem sie glücklich den Rest ihres Lebens verbringen würde.

Er brachte seinen Antrag im Sitzen an, da das Knien nicht wirklich zu seinem Repertoire gehörte.

Sir Bartholomew Babcock erhob sich (mit nur geringer Mühe) und lächelte breit unter seinem buschigen, weißen Schnauzbart hervor. Sein Gewicht richtete sich ein und er fand das Gleichgewicht, indem er seinen Gehstock mit einer Hand und Leticias Hand mit der anderen ergriff.

Er war der Mann ihrer Träume.

Ja. Es hatte sich viel verändert seit letztem Sommer. Seit sie von der Lüge erfahren hatte.

»Stört es, wenn ich dich küsse, Liebste?«, fragte er ein wenig schüchtern.

»In aller Öffentlichkeit?«, fragte sie. In dem Museum waren allerlei Leute um sie, allesamt französisch pompös, und niemand schenkte dem Paar an der mittig gelegenen Bank im Karyatidenraum seine Aufmerksamkeit, doch Leticia hütete sich auch so vor öffentlichen Kundgebungen.

»Bloß, um es amtlich zu machen.« Er errötete und schaute auf seine Zehen – oder eher, in Richtung seiner Zehen. Er konnte sie unmöglich an seinem Bauch vorbei sehen.

Trotz aller Umsicht lächelte Leticia. Er war solch ein großer, grober Mann, viel älter als sie und, ja, genoss einen besonders unglücklichen Anfall seiner Gicht, wollte aber doch liebreizend sein.

»Wenn dem so ist, Sir Bartholomew – selbstverständlich«, sagte sie.

Er küsste sie auf die dargebotene Wange – respektabel, ehrbar. Auf die Art, wie eine Dame von ihrem Versprochenen in der Öffentlichkeit geküsst werden sollte.

»Wo ich dich schon überzeugt habe, mich zu heiraten, wie kann ich dich jetzt überzeugen, mich Sir Barty zu nennen?«

Als Leticia lachte und Sir Bartys Arm nahm, da erlaubte sie sich einen Augenblick der Selbstbeglückwünschung. Wer hätte gedacht, dass Leticia, als sie vor drei Wochen in diese Bildergalerie kam, den Mann treffen würde, den sie heiraten würde?

Will heißen, wer außer Leticia.

Natürlich war Paris nicht ihr erster Halt gewesen. Sie hatte es in London versucht, doch es dauerte kaum drei Wochen, bis die Blicke anfingen. Dann versuchte sie es in Brighton, Portsmouth, Plymouth, flüchtete sogar nordwärts bis nach Edinburgh, doch überall, wo sie hinging, fing das Geflüster an, bevor sie auch nur irgendwie Fuß fassen konnte. Es blieb ihr nichts übrig, als zu fliehen, gehetzt – von der Lüge.

Der Kontinent war ihre letzte Zuflucht gewesen, und das größte Risiko von allen.

Sie wäre beinah nicht gegangen. Paris war eine kostspielige Stadt. Die Unterkünfte waren teuer, die kulinarischen Köstlichkeit außer möglicher Reichweite, und wenn man den oberen Gesellschaftskreisen begegnen und sich untermischen wollte, da war ein kleines Vermögen nötig, oder eine Armee persönlich Bekannter, die für den guten Stand eintraten.

Leticia hatte keines von beidem, aber gerade noch genug Geld für ein Zimmer in einer respektablen Einrichtung für Damen auf Reisen und eine Wocheneintrittskarte für den Louvre.

Und das Wissen, wann die Führer ihre englischen Gäste hindurchgeleiteten.

Das war die beste – und wichtigste – Münze, die sie ausgegeben hatte – die, mit der sie die Männer bestochen hatte, die auf Geld aus waren, außerhalb der englischen Hotels herumlungerten und sich von jungen Gentlemen als Führer anheuern lassen wollten, die frisch aus Oxford oder Cambridge angekommen und auf ihrer großen Reise voller Wunderstaunen waren. Die geschickten Führer würden ihr verraten, wann sie gedachten, ihre Kunden in den Louvre zu bringen, wonach Leticia wüsste, wann sie am besten dort sein, durch die Galerien spazieren und die griechischen, römischen und renaissancezeitlichen Werke und alles Weitere genießen sollte, was nicht in seine Heimat zurückgeschickt worden war, nachdem Napoleon es sich »geliehen« hatte.

Es war natürlich große Geduld vonnöten. So faszinierend man sie auch fand (und alle fanden sie sie faszinierend), waren junge Männer auf ihrem ersten Abenteuer in der Welt nicht sehr gewillt, das Abenteuer gleich aufzugeben, und da Paris oft der erste Halt auf solcher Reise war, gestatteten sie Leticia, sie zu faszinieren (und sonst weiter nichts), während sie sich einige Wochen in Frankreich aufhielten, bis sie sie zugunsten der reizenden spanischen, italienischen und deutschen Ländereien zurückließen.

So ging es monatelang und Leticia stand kurz davor, die Hoffnung aufzugeben. Doch dann saß sie eines Tages auf einer Bank vor einer großen Statue einer geflügelten Frau, und ein runder Mann mit Gehstock humpelte neben ihr heran.

»Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich mich setze, junge Dame«, hatte der Mann gesagt und sich auf die gegenüberliegende Seite der Bank fallen lassen.

»Na… Natürlich nicht –«, brachte Leticia heraus, da sie von der Anmaßung der Bitte durcheinandergebracht war – wenn man es überhaupt eine Bitte nennen konnte. Immerhin würde kein Gentleman sich übernehmen und einer Dame seine Gesellschaft aufzwingen. Außerdem wartete sie gerade auf eine Gruppe junger englischer Gentlemen, die vorbeikommen würden – der Pförtner, den sie bestach, war sonst so pünktlich.

»Ah, gut! Sie sind Engländerin!«, rief er. »Kann Ihnen gar nicht sagen, wie schwer es ist, sich in dieser Stadt zu bewegen und im Versuch, eine Unterhaltung anzufangen, nicht viel mehr als ›Bonjour‹ zu bekommen.«

»Das … kann ich mir vorstellen«, sagte Leticia dazu.

»Ich tauge nicht zu viel mehr, als zur Unterhaltung«, sagte der Mann. »Wenn ich überhaupt dazu tauge.« Er klopfte sich mit dem Stock an den Oberschenkel, streckte seinen Unterschenkel über dem schwarzweißen Marmorboden aus und zuckte dabei zusammen.

»Ist die Gicht«, sagte er, da er offensichtlich ihre Blickrichtung sah. »Ich fürchte, ich kann mit den jungen Burschen nicht mithalten.«

»Sind … Sind Sie mit Ihrem Sohn hier?«, fragte sie. Vielleicht gehörte er zur Gruppe des Pförtners.

»Hab keinen Sohn! Nur mein kleines Mädchen. Aber die ist auch nicht hier. Die ist zu Hause, in Lincolnshire. Nein – ich bin hier auf großer Reise! Sir Bartholomew Babcock, zu Ihren Diensten. Aber jeder nennt mich Sir Barty.«

Er verbeugte sich ein wenig, doch als er bemerkte, dass es vielleicht nicht auffiel, wenn man sich im Sitzen verbeugte, zog er stattdessen den Hut. Dann bemerkte er, dass er in einem Gebäude mit einer Dame sprach, und tat den Hut gleich ganz weg.

»Sie sind auf großer Reise?«, fragte Leticia.

»Sehe nicht gerade danach aus, wie?«, sagte Sir Barty. »Mein bestes Reisealter liegt schon Jahrzehnte zurück, ich weiß, aber ich konnte nie verreisen, bevor ich geheiratet habe – das hat dieser kleine Frosch Napoleon vermiest – und dann, nach der Hochzeit, da wollte ich die Heimat nicht mehr verlassen.«

Er zwinkerte und lachte, ein riesiges Gebrüll, von dem die Statuen in der Galerie wackelten.

Leticia hatte gelächelt und sich gegenüber den Aufmerksamkeiten des etwas groben aber offensichtlich freundlichen Mannes erwärmt. Immerhin schienen der Pförtner und seine Gruppe sich Zeit zu lassen. Eine kleine Unterhaltung, während sie wartete, konnte nicht schaden.

»Und was meint Ihre Frau dazu, dass Sie jetzt außer Landes reisen?«

Er hantierte eine Weile mit seinem Gehstock, wobei er mit diesem nebenbei an seinen Schenkel klopfte. »Ist verstorben. Vor zwei Jahren.«

Plötzlich wurde dieser Sir Bartholomew – wie hieß er noch, Babcock? – viel interessanter.

»Mein Beileid ob Ihres Verlustes«, sagte Leticia und lehnte sich näher hinzu.

»Danke, meine Liebe«, sagte Sir Barty. »Es war schwer, das gebe ich zu. Aber bevor sie ging, nahm sie mir das Versprechen ab, mir etwas von dem Staub abzuschütteln, und das mache ich jetzt.« Er zuckte und deutete mit dem Kopf auf sein ausgestrecktes Bein. »Auch wenn der Ausgang etwas angenehmer wäre, wenn er im Gang geschehen könnte.«

»Ach, Sie müssen ja furchtbare Schmerzen haben!«, rief Leticia und legte ihre Hand auf seine. »Sie können ja gar nicht auf die Füße …«

»Kann mich aber auch nicht im Hotel einbuchten. Da ist es seltsam. Die essen zum Frühstück … Orangen«, flüsterte er ihr zu, im selben Ton, wie man sagt: »Dort laufen die Uhren rückwärts.«

»Dazu würde ich nie raten«, sagte Leticia dazu. »Nicht wenn Sie auf Heldenfahrt sind.«

»Auf Heldenfahrt? Na, das bin ich wohl.«

»Zum Glück gibt es hier im Museum Stühle zum öffentlichen Gebrauch. Wir mieten Ihnen einen.«

Leticia rief einen Wachmann oder Diener – man schien hier beide Rollen zugleich zu füllen – und wollte ihn bitten, einen der Weidenrollstühle zu holen, doch Sir Barty hielt sie zurück.

»Oh nein – darum kann ich ja nicht bitten.«

»Warum denn nicht?«

»Das ist nicht … Ich will ja nicht, dass … Ich bin meinen Fuß gewöhnt, und zu Fuß zu gehen, das ist alles.«

Ein katzenhaftes Lächeln kam über Leticias Gesicht. Natürlich. Ein großer, grober Mann aus Lincolnshire würde nicht schwächlich wirken wollen. Das männliche Ego war etwas furchtbar Albernes, und es schien, dass dieser Sir Barty ein recht typisches hatte. Es hieß aber auch, dass Leticia seine Schwäche kannte – seinen Stolz.

»Da haben Sie wohl Recht«, meinte sie. »Es wäre töricht, wenn ein kräftiger Mann wie Sie sich in einen Stuhl setzte. Da würde der Stuhl jemandem genommen, der ihn wirklich braucht.«

»So ist es.« Sir Barty entspannte sich. »Und mit solch liebreizender Gesellschaft warte ich gerne hier auf den Führer – so ein Franzmann namens Gaston – der mir versprochen hat, mir die Sehenswürdigkeiten an diesem noblen Ort zu zeigen. Hab dem Mann fünf Francs bezahlt – meinte, er kenne den Louvre wie seine Westentasche.« Seine Mundwinkel senkten sich. »Ich glaube zumindest, dass er das gesagt hat.«

Leticias Braue hob sich. Sie kannte Gaston – er war einer der weniger achtbaren Pförtner. Sie war sich tatsächlich sicher, dass er eine umfassende Führung versprochen hatte, bezweifelte aber, dass er sich im Museum sehen lassen würde – es war viel wahrscheinlicher, dass er gerade Sir Bartys Francs versoff.

»Wenn Ihr Gaston sich so verspätet, würde ich Ihnen gerne das Museum zeigen«, bot Leticia an. »Ich komme so oft her, dass ich meine, ich kenne jedes Kunstwerk persönlich.« Als er verwirrt dreinschaute, zeigte sie auf ein bronzenes Basrelief, einen Halbkreis an der Wand, auf dem eine Nymphe unter dem Kopf eines Hirsches lag. Die Nymphe von Fontainebleau – eines von Leticias Lieblingswerken. »Das zum Beispiel ist Nancy.«

»Nancy?«, fragte Sir Barty und sah sich die Skulptur durch zusammengekniffene Augenlider an.

»Jawohl. Nancy die Nymphe. Sie war den ganzen Morgen über auf der Jagd und hat endlich einen Hirsch erlegt – was, wie Sie wissen müssen, äußerst anstrengend ist. Deshalb hat sie beschlossen, all ihre Kleidung abzulegen und sich zu einem kleinen Schläfchen hinzulegen.«

»Das kann ja nicht stimmen.« Sir Barty schaute völlig verwirrt von der Nymphe zu ihr und wieder zurück. »Oh, ich verstehe!«, rief er dann. »Sie haben sich zu der Statue eine Geschichte ausgedacht. Wie lustig!«

»Ich fürchte, so sehr ich das Museum auch genieße, bin ich keine wirkliche Gelehrte«, sagte Leticia zögerlich.

»Ich auch nicht, meine Liebe«, sagte Sir Barty vertraulich. »Sah nie viel Sinn dahinter, die Namen all dieser Dinge zu kennen. Also, was ist mit der da?«

Er deutete auf eine sehr große Statue eines Mannes mit Flügeln, der eine Frau umarmte. Psyche.

»Nun, das ist offenbar ein Mann, der nebenbei auch ein Vogel ist.«

»Kein Engel also?«, fragte Sir Barty.

»Nein. Er wird aber immerfort mit einem verwechselt, und das lastet schwer auf ihm. Sie ist die Einzige, die je richtig erraten hat, dass er ein Vogelmensch ist, und darum hat er sich sofort in sie verliebt.«

Sir Barty brüllte sein tiefes Lachen, wobei diesmal einiges davon obendrein durch seine Nase kam.

»Wenn Sie das lustig finden, sollten Sie sich die Frau ohne Arme im nächsten Raum ansehen – die hat eine äußerst interessante Geschichte«, sagte Leticia lächelnd. »Sie hat sich beide Arme abgeschnitten«, flüsterte sie.

»Wie schneidet man sich denn selbst die Arme ab?«, fragte Sir Barty, da er aufstand und Leticia seinen Arm anbot. »Man würde ja meinen, dass man die Arme zum Schneiden braucht.«

»Das ist ja so interessant.«

»Ich glaube, das Interessante ist, wer ihre Geschichte erzählt«, sagte Sir Barty mit einem Kleinstmaß an Galanterie. Sie verbrachten den Rest des Nachmittags zusammen – Leticia bahnte sich als Scheherazade den Weg durch die Galerie und erfand Geschichten für jede Statue und jedes Gemälde, wobei Sir Bartholomew Babcock mit jeder neuen Albernheit mehr und mehr ihrem Bann verfiel. Sie bewegte sich gewollt langsam und nahm etwas von seinem Gewicht auf ihren Arm, weswegen er nie fand, dass sein gichtiges Bein ein Problem darstellte.

Sie gingen an dem Tag auseinander, ohne irgendwelche Angaben auszutauschen. Am nächsten Morgen standen keine Blumen vor Leticias Tür, keine Schokolade oder ein betagter Gentleman aus Lincolnshire, der sich förmlich an sie wandte. Als sie aber am nächsten Tag zum Louvre kam, war Sir Barty dort, genau da, wo sie ihn erwartet hatte.

Sie erfuhr viel über ihn, während sie im Schneckentempo durch die Räume trotteten. Sie erfuhr, dass die Babcocks seit der Zeit König Karls zu den größten Landbesitzern in Lincolnshire gezählt hatten. Sie erfuhr, dass er zuletzt als junger Mann in London gewesen war und nicht viel davon gehalten hatte. Wenn er in die Stadt musste, zog er eher das nahegelegenere York vor, um sich Szene und Gesellschaft zu verschaffen. Sie erfuhr sogar, wieso er sich so vor einem Hotel erschrocken hatte, das Orangen zum Frühstück servierte.

»Nun, das ist ja Angeberei, oder nicht?«, fragte er. »Ich bin ein recht vermögender Mann, ich besitze einen Obstgarten – aber Orangen habe ich vielleicht dreimal im Leben gegessen. Eine ganze Schale zum Frühstück hinzustellen, also …« Es schauderte ihn, und Leticia lachte.

Sir Barty hatte keine Kinder, außer seiner Tochter Margaret, die, wie Sir Barty es formulierte, »zu Hause wahrscheinlich gerade in der Erde wühlte und ihre Knie furchtbar aufscheuerte.«

»Ich habe so eine Nichte«, sagte Leticia dazu. »Sie ist neun und verrückt nach Pferden.«

Sir Barty brummte zustimmend. »Sie braucht eine Frau zum Vorbild«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Ich versuche, was ich kann, aber seit ihre Mutter gestorben ist …«

Leticia legte ihre Hand auf die von Sir Barty. »Ich verstehe völlig.«

Und sie verstand tatsächlich. Sie verstand, dass Sir Barty eine Mutter für seine Tochter genauso brauchte wie eine Frau für sich selbst. Und zum Glück stand sie bereit, als beides herzuhalten – wodurch er mitten in ihren Machtbereich kam.

Natürlich erfuhr Sir Barty auch einiges über sie, doch nur, was sie erlaubte.

Sie erzählte ihm von ihrem geliebten Konrad, der drei Jahre zuvor bei einem Reitunfall in Brighton verstorben war. Sie erzählte ihm von ihrer Schwester, Fanny – Lady Widcoate – und wie lieb sie Fannys Kinder hatte, Rose und Henry. (Sie erwähnte nicht, dass sie Kinder erst erfreulich fand, wenn diese einmal das Alter erreicht hatten, in dem sie sich selbst zu unterhalten verstanden.)

Und dann erzählte sie ihm von der Lüge.

Natürlich nicht die auffälligen Kleinigkeiten. Nur, was relevant war.

»Letztes Jahr … Letztes Jahr war ich beinah verlobt«, sagte sie, und ihr Blick fiel auf den Steinboden zwischen ihnen. »Doch es stellte sich heraus, dass der Mann, der in Frage kam, mir falsch mitspielte.«

»Wie das?«

»Er hatte gelogen. Darüber, wer er war. Woher er kam. Über seinen Namen sogar.«

Es war ein Name gewesen, den sie sich für sich selbst erhofft hatte – Ashby. Doch der gehörte nicht dem Mann, der sie auf der Tanzfläche geküsst und sie im Dunkel ihres Schlafzimmers vor Verlangen verrückt gemacht hatte. Stattdessen war sein Name grob und gewöhnlich, so wie er: Turner. Genauer noch, Mr. John Turner, der Sekretär des wahren Earls von Ashby. Während sie bei ihrer Schwester zu Besuch gewesen waren, hatten Mr. Turner und der Earl zum Jux die Rollen getauscht.

Und zum Jux beinah Leticias Leben ruiniert.

»Zum Glück kam seine Lüge zur rechten Zeit heraus«, erzählte Leticia und schüttelte ihren anwachsenden Zorn ab. »Es war aber sehr peinlich.«

»Hat Ihnen das Herz gebrochen, wie?«, hatte Sir Barty rau dazu gesagt.

»Ich weiß nicht –« Doch sie stockte, denn so sehr sie es auch hasste, es zuzugeben – zuzugeben, dass irgendjemand solche Wirkung auf sie gehabt hatte – war es doch das eine, was sie nie sehr gut zu verbergen schaffte. »Ja, das hat er. Doch das liegt zum Glück in der Vergangenheit.«

»Zum Glück«, sagte Sir Barty dazu. Dann ließ er mit einer Kühnheit, die sie sich nicht von ihm vorgestellt hätte, seine Hand auf ihre fallen, wo diese lag. »Meine Liebe, ich hoffe, dass Sie wissen, dass ich Sie nie so belügen würde. Ich würde mich viel lieber um Sie kümmern.«

Und sie strahlte vor Triumph.

Spaziergänge durch den Louvre führten zu Schokolade, die sie in kleinen Cafés an der rue tranken. Dann zu Mahlzeiten, die sie zusammen in Sir Bartys Hotel aßen, bevor sie ins Theater gingen. Alles unter den Augen von Dienern und mit dem höchsten Anstand. Sir Barty reiste ohne Freunde, und Leticia hatte keine, also hätten sie leicht achtlos handeln können. Doch die Tatsache, dass Sir Barty mit seinen Aufmerksamkeiten so umsichtig und Leticia bei ihren so beherrscht war, hatten zu dem Moment im Louvre geführt, in dem Sir Barty ihre Hand in seine genommen hatte und mit seinem Antrag herausgeplatzt war.

Es war ein strategischer Triumph, und den hätte sie nicht besser ausspielen können, fand Leticia.

»Natürlich werde ich dich Barty nennen«, gab sie zurück. »Wenn du es wünschst. Und du musst mich Leticia nennen.«

»Aber ich nenne dich doch schon Leticia.« Seine Mundwinkel senkten sich.

»Na, dann überlegen wir uns einen anderen Kosenamen.« Sie tätschelte ihm lieb die Hand.

»Du wurdest noch nie Letty genannt, nehme ich an?«, sagte er.

Ein reumütiger Schmerz durchzog sie. Sie musste jedoch angeschlagen ausgesehen haben, denn Sir Barty drückte ihr sofort die Hand. »Nein, selbstverständlich nicht. Niemand so Feines wie du wäre jemals Letty genannt worden.«

Leticia zwang sich, sich zu beruhigen, zu lächeln. »Mir gefällt es, wie du ›meine Liebe‹ sagst, Sir Barty«, bot sie mit sanfter Stimme an.

Da leuchteten Sir Bartys Augen auf. »Dann also ›meine Liebe‹.« Er drückte ihr die Hand, diesmal zärtlicher. »Nun, meine Liebe, ich meine, dass ich gerade genug von der Reise auf dem Kontinent hatte, dass es für eine Lebenszeit reicht. Würdest du gerne nach Hause fahren?«

Er meinte nicht zurück ins Hotel, oder in ihre Unterkunft. Nein, er meinte nach Hause.

Nach England.

Endlich.

Ja, Leticia Herzog, Gräfin Churzy, geborene Price, und bald Lady Babcock, würde zurückkehren, wo sie hingehörte.

Triumphal.

»Ja, Barty«, gurrte sie. »Fahren wir nach Hause.«