Leseprobe Asche des Krieges

Prolog

Wir sind alle verblendet. Wir sehen nur das Licht und vergessen dabei die Schatten. Ich bin die Regel, nicht die Ausnahme. Hätte ich nicht gesehen, was ich gesehen habe, hätte ich nicht gehört, was ich gehört habe – dann würde ich immer noch tun, was ich getan habe. Es wird erzählt, ich sei verrückt geworden. Doch das ist nicht wahr. Ich bin lediglich aufgewacht und wurde gezwungen, wieder einzuschlafen. Und alles, was mir blieb, war die Hoffnung. Die Hoffnung, dass meine Töchter es besser machen würden als ich. Aber in einer Welt, die sich der Taubheit verschrieben hat, wie soll da jemand Gehör finden?

Sie hatte Angst. Er konnte es in ihrem Blick sehen, der hektisch durch den Raum flog. An der grünbraunen Iris, die fast von der Pupille verschluckt wurde. An ihren Händen, die den goldenen Helm umklammerten.

Angst war etwas Gutes. Angst war das, was sie alle am Leben hielt. Wenn das Volk aufhörte, Angst zu haben … bekämen sie ein Problem.

Er lächelte. Es war eine Ewigkeit her, dass er selbst Furcht verspürt hatte. Zweihundert, vielleicht zweihundertfünfzig Jahre.

„Karu Kerwin. Es freut mich, dass du meinem Ruf so zeitnah gefolgt bist.“

„Natürlich, Api.“ Sie senkte den Kopf, entblößte ihren Nacken. Er konnte sehen, wie schwer ihr diese Geste fiel, wie sie die Schultern versteifte. Konnte hören, wie ihre Atmung flacher wurde.

„Weißt du, warum ich dich habe rufen lassen?“, fragte er leise. Er wandte den Blick ab und strich mit seinen Fingerspitzen die Buchrücken entlang, so wie er es immer tat, wenn er ungeduldig war. Eine schlechte Angewohnheit, die er seit Jahrhunderten nicht abzulegen vermochte. Seine Hand hielt inne, als er den Glaswürfel erreichte, der als Buchstütze diente. Der Würfel, in dem eine einzelne Münze stand. Er ließ seinen Arm fallen und betrachtete wieder die Soldatin vor ihm.

„Ich habe dir eine Frage gestellt.“

„Nein, Api. Ich … mir ist nicht klar, warum Ihr nach mir habt schicken lassen.“

„Tatsächlich?“ Sie log. Alle Menschen logen. Da waren sie den Göttern gar nicht so unähnlich.

„Ja.“ Karu Kerwin schluckte und nickte hastig.

Er seufzte leise und strich sich die goldene Robe glatt. „Karu, es gebietet sich nicht, einen Gott zu belügen.“

„Ich würde nie –“

„Du hast etwas gesehen, Karu. Etwas gehört. Etwas, das nicht für deine Augen und Ohren bestimmt war. Und du hast keine Ahnung, wie sehr mir das leidtut.“

Die Frau wich vor ihm zurück, eine Hand an dem Knauf ihres Schwertes. „Ich … es tut mir leid, Api. Es war ein Versehen. Ich wollte Euch nicht … ich werde es niemandem erzählen.“

„Ah, Karu. Wie könnte ich mir dessen sicher sein?“

„Ich gebe Euch mein Wort. Ich … schwöre auf das Leben meiner Töchter.“

„Deiner Töchter?“ Er hob seine Augenbrauen. „So leichtfertig riskierst du ihr Leben?“

Sein Gegenüber schüttelte hastig den Kopf. „Ich riskiere es nicht, denn ich halte meine Versprechen.“

Wieder seufzte er schwer. Versprechen waren nichts wert. Versprechen wurden gebrochen. „Ich fürchte, darauf kann ich mich nicht verlassen, Karu. Denn vor einer Woche hättest du sicherlich auch noch behauptet, dass du nie auf die Idee kämest, die Götter zu belauschen.“

Die Frau vor ihm befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge, ließ ihre Hand vom Knauf ihres Schwertes gleiten und atmete zitternd aus. Sie gab auf. Und er war erleichtert darüber.

„Werdet Ihr … werdet Ihr mich töten?“, fragte sie mit bebender Stimme.

„Töten? Nein. Dafür bist du viel zu wertvoll, Karu. Eine so starke Ikano des Feuers findet man nur selten. Nein, nein. Du wirst leben. Aber ich fürchte, ich muss dich etwas vergessen lassen.“

„Vergessen?“

„Ja.“

„Wenn es wegen Tergon ist …“

„Ja, unter anderem auch wegen Tergon“, sagte er leise und trat einen Schritt auf sie zu. „Die Menschen dürfen nicht wissen, was mit ihm passiert ist. Sie könnten den falschen Eindruck gewinnen, solltest du ihnen jemals von den Dingen erzählen, die du belauscht hast, findest du nicht?“

„Natürlich. Natürlich! Wie gesagt, ich werde es nicht verraten. Ich –“

„Ich vertraue keinem Menschen, Karu, tut mir leid“, murmelte er, überwand die restliche Distanz zwischen ihnen und presste seine kalten Finger auf ihre Schläfen. Sofort befand er sich in dem Raum ihres Geistes. Sie wehrte sich nicht einmal. Hatte nicht einmal eine Tür geschaffen, um ihn aufzuhalten. Er blickte in die Fenster ihrer Erinnerungen und wischte fahrig Bild um Bild fort, bis er zu dem Ereignis kam, das er gesucht hatte. Er starrte seine eigene Reflektion an. Die von Valera. Von Thaka. Dann griff er in das Fenster und zerschnitt sie mit seinen Fingern. Verwischte sie, verschleierte sie, zerstörte sie. Er arbeitete schnell, denn mit jedem verstreichenden Moment wurde es heißer. Der Ikano war bewusst geworden, was er tat. Sie begann sich zu wehren. Seine Griffe wurden immer unpräziser, aber darauf konnte er keine Rücksicht nehmen.

Die Hitze wurde unerträglich. Umschloss ihn, drang durch den Stoff seiner Robe. Er musste gehen. Er hatte genug Spuren verwischt. Genug Erinnerungen entfernt. Es würde reichen. Mit Sicherheit.

Kapitel 1

Karus Schritte federten auf dem weichen Teppich wider, der auf den Treppen ausgelegt war. Sie war müde. Sie wollte endlich nach Hause, ihre beiden Töchter in die Arme nehmen, ihrem Mann einen Kuss geben und diesen Tag vergessen. Doch sie musste den Göttern Bericht erstatten, so verlangte es das Protokoll.

Sie erreichte den Treppenabsatz, glitt langsam den Flur entlang – und stockte.

Nym keuchte auf und schnappte nach der kalten Luft, die in Form weißen Nebels vor ihrem Gesicht hing. Ihr Kopf tat weh. Noch nie hatte ihr eine von Apis Erinnerungen geschmerzt, aber diese … diese ließ sie ihre kalten Handflächen an die heißen Wangen pressen.

Es war Api gewesen. Der Gott der Vergeltung hatte dafür gesorgt, dass ihre Mutter verrückt geworden war.

Es war nicht ihre Schuld. Es war nicht Veas Schuld. Sie hatten nichts mit dem Selbstmord ihrer Mutter zu tun. Api hatte ihren Geist verändert – und dabei versagt. Er war nicht präzise genug vorgegangen. Er hatte sie verrückt werden lassen.

Aber warum? Was hatte sie gesehen? Was hatte sie herausgefunden? Was war mit Tergon passiert? Was durften die Menschen nicht erfahren? Was verbargen die verdammten Götter da nur vor ihrem Volk?!

„Salia? Was ist los? Alles okay?“

Ihr Kopf fuhr herum und sie blickte in warme dunkle Augen. Jeki. Er hatte wohl Wache gehalten.

Sie zog ihre Beine an, ließ die Hand zu ihrer Stirn gleiten und atmete zitternd aus.

„Salia?“

„Ich habe nur … nur schlecht geträumt“, murmelte sie, schüttelte den Kopf und ließ den Blick über die Ebene gleiten, auf der sie ihr Lager aufgeschlagen hatten. Sie hatten ihre Matten kreisförmig um ein bereits erloschenes Feuer gelegt. Jeki saß zu ihrer Rechten, Levi lag zu ihrer Linken. Leena und Filia schliefen ihr gegenüber.

„Schlecht geträumt?“, wiederholte Jeki, der neben ihr hockte, seinen intensiven Blick auf ihr Gesicht gerichtet.

Sie nickte. „Ja, keine große Sache.“

Sie hatte niemandem erzählt, dass sie Zugang zu Apis Erinnerungen hatte – und das würde sie auch nicht nachholen. Ihre Mitstreiter hatten genug Sorgen, als dass sie auch noch befürchten mussten, dass Nym durchdrehte. Die Angst davor setzte ihr allein schon genug zu!

Wusste der Gott von ihrer Verbindung? Konnte er sie ebenso nutzen, vielleicht sogar, ohne dass sie es merkte? Überwachte er jeden ihrer Schritte?

„Hast du etwa auch vergessen, gut zu lügen?“, fragte Jeki interessiert und ließ sich neben ihr auf die Bambusmatte sinken. Auf die Stelle, wo soeben noch ihr Kopf gelegen hatte.

„Was?“ Nym wandte ihm den Kopf zu und erwischte ihn bei einem Lächeln.

„Du lügst“, stellte er fest und legte einen Arm um sie, „und du bist eiskalt!“ Die Worte kamen so schockiert über seine Lippen, dass Nym fürchtete, er könne damit die anderen aufwecken. Doch niemand regte sich.

„Salia! Du frierst. Was zum Teufel hat dich geweckt?“

Augenblicklich erhitzte Nym ihre Haut. „Nur eine Erinnerung, die mit meiner Mutter zu tun hatte“, erklärte sie.

„Okay.“ Jeki drängte sie nicht dazu, mehr zu sagen. Vielleicht, weil er wusste, dass sie sich nicht drängen lassen würde.

Sie saßen eine Weile schweigend da, Nym eng an seine Seite gepresst, in Sicherheit. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und sah durch die kargen Baumkronen des asavezischen Laubwaldes auf die Spitzen der Kreisberge, deren schwarze Umrisse sich vom klaren Sternenhimmel abhoben. Wie große Männer, die bedrohlich auf sie hinabsahen. Darauf warteten, dass sie einen Fehler begingen, damit sie angreifen konnten. Morgen würden sie sich an den Aufstieg machen. Hier, am Fuße der Berge, war es bereits kühl, und Nym wollte gar nicht wissen, wie kalt es auf dem Gebirge selbst sein würde.

Die Kreisberge. Niemand ging in die Kreisberge.

Sie senkte den Blick. Vielleicht war sie dem Wahnsinn ja schon verfallen.

„Hast du Angst?“, fragte Jeki leise, der ihrem Blick gefolgt war.

„Vor den Kreisbergen?“

Er nickte.

„Nein. Nicht vor den Bergen. Ich habe Angst davor, dass wir nichts finden werden. Dass ich keine Antworten auf meine Fragen bekomme.“

„Angst davor, dass das Kreisvolk nicht existiert?“

Sie lächelte grimmig. „Oh, es existiert. Ich weiß, dass es existiert. Die Götter würden sich nicht die Mühe machen, die Existenz des Volkes derart infrage zu stellen, wenn es nicht tatsächlich real wäre. Aber ich fürchte, dass wir sie nicht finden werden, wenn sie nicht gefunden werden wollen.“

„Wir schaffen es schon“, sagte Jeki, und er klang zuversichtlicher, als Nym sich fühlte. „Ich hasse es, das zu sagen, aber zusammen mit dem Ikano der Luft sind wir eine ziemlich starke Streitmacht.“

Ja, vielleicht. Aber ein Kampf war in diesem Fall nicht die Lösung.

„Letztendlich ist es egal, ob wir gut oder schlecht vorbereitet sind“, meinte Nym schulterzuckend. „Die Unwahrscheinlichkeit, das Volk zu finden, ändert nichts an der Tatsache, dass wir es versuchen müssen.“

Sie konnte Jeki nicken spüren, doch er schwieg.

Sie kuschelte sich enger in seine Umarmung, einfach weil sie sie nötig hatte, und ihr Blick flackerte kurz zu Levi, der auf dem Rücken schlief, einen Arm unter den Kopf geklemmt. Er sah friedlich und zufrieden aus. Ein Umstand, der sich ändern würde, sobald er die Augen aufschlug. Nyms Mundwinkel zuckten. Irgendwie, wenn man den bevorstehenden Krieg mal außen vor ließ und ihre derzeitige Situation neutral betrachtete, war die ganze Sache hier ganz schön aberwitzig.

Sie war mit ihrem Verlobten, den sie vergessen hatte, ihrem Liebhaber, der mehrfach versucht hatte, sie umzubringen, ihrer ehemaligen besten Freundin, die sie nun hasste, da Nym ihre zwei Brüder umgebracht hatte, und der größten Zicke, die in den letzten Tagen die Netteste von allen gewesen war, unterwegs in die Kreisberge, die einen laut Legende töteten, sobald man den ersten Fuß auf sie setzte. Manche Dinge konnte man einfach nicht erfinden.

Sie seufzte leise und zog sich den Leinenstoff, der ihr als Decke diente, höher um die Schultern. „Jeki? Hast du dich schon einmal gefragt, wo Tergon steckt?“

„Was?“

„Tergon. Der vierte Gott. Hast du ihn schon einmal gesehen?“

„Nein, natürlich nicht. Niemand hat das. Er mag die Öffentlichkeit nicht.“

Sie nickte. „Ja … oder er ist verschwunden. Vielleicht sogar tot. Möglicherweise ist es das, was die Götter versuchen zu vertuschen. Dass Tergon überhaupt nicht mehr existiert.“

„Wie kommst du jetzt darauf?“

„Keine Ahnung, es ist nur so ein Gefühl. Findest du es nicht merkwürdig? Dass niemand ihn gesehen haben will?“

„Doch schon, aber –“ Jeki hielt inne. „Moment. Das stimmt nicht. Es gibt jemanden, der ihn getroffen hat.“

Nym wandte ihm abrupt den Kopf zu. „Was?“

Er nickte. „Natürlich. Deine Schwester.“

„Vea?“

„Hast du noch eine andere?“

„Aber … wann?“

„Erinnerst du dich nicht? Du hast es mir damals selbst erzählt. Nachdem eure Mutter gestorben ist, wurde Vea in den Palast geladen, wo sie allen Göttern vorgeführt wurde. Allen vieren. Das waren deine Worte. Und ich wüsste nicht, warum Vea dich damals hätte anlügen sollen.“

Nym zog die Augenbrauen zusammen und dachte über Jekis Worte nach. Sie waren wahr. Das wusste sie, auch wenn sie sich selbst nicht mehr an die Situation erinnern konnte. „Du hast recht. Vea hat sie alle vier gesehen.“

Und dennoch: Irgendetwas stimmte nicht mit Tergon. Ihre Mutter hatte etwas herausgefunden, und als Jaan in der Zweiten Mauer den Gott der Vergebung erwähnt hatte, hatte Thaka äußerst erbost reagiert. Das musste doch etwas bedeuten, oder nicht?

Nur was?

Und falls er noch lebte – vielleicht hielten die anderen Götter ihn im Palast gefangen? Gegen seinen Willen? Weil er die Wahrheit hatte erzählen wollen? Die Wahrheit über … was auch immer.

Aber nein. Alle Götter waren gleichstark. Sie beherrschten die vier Elemente. Sie waren unsterblich. Man könnte Tergon sicher nicht einfach überwältigen … obwohl: Wenn drei gegen einen kämpften?

Frustriert ließ Nym ihren Kopf nach vorne auf ihre Knie fallen. Sie wusste es nicht! Da waren zu viele Komponenten, die sie nicht erklären konnte. Zu viele Puzzleteile, die nicht passten. Zu viele verdammte Informationen, die sie nicht hatte!

Sie musste etwas übersehen. Irgendetwas Großes. Es musste doch eine Erklärung für all das geben.

„Du solltest noch etwas schlafen, Salia“, flüsterte Jeki und drückte sanft ihre Schulter. „Wir haben morgen einen anstrengenden Tag vor uns und wir brauchen deinen Kopf wach und geordnet.“

Sie hätte beinahe laut zu lachen angefangen. Wann bitte war ihr Kopf das letzte Mal geordnet gewesen? Das war ein Zustand, den sie sich nicht einmal mehr vorstellen konnte.

Dennoch nickte sie. Sie war erschöpft. Die nächtlichen Stunden, die sie in dem Raum ihrer Gedanken verbrachte, waren nicht erholsam. All diese Zeit, in der sie ihre eigenen Erinnerungen studierte, die Gedanken Apis aufgedrängt bekam und den Hebel anstarrte, der auf einmal an der Wand erschienen war, nahmen ihr den ruhigen Schlaf, den sie brauchte.

Sie schloss die Augen, genoss Jekis vertraute Wärme und fragte sich, ob sie vielleicht glücklicher wäre, wenn sie ihre Erinnerung nie verloren hätte und immer noch den Göttern folgen würde. Wahrscheinlich ja. Es war so viel einfacher, die Gegebenheiten blind zu akzeptieren.

„Ich bin froh, dass du nicht mehr bei den Göttern bist, Jeki“, murmelte sie und ließ ihren Kopf auf seine Schulter sinken. „Ich bin froh, dich hier zu haben.“

Jeki antwortete nicht. Sie konnte ihn lediglich nicken spüren. Er war ihretwegen hier. Nicht aus freien Stücken. Und wahrscheinlich vertraute er den Göttern noch immer, egal, wie viel Leid sie ihm zugefügt hatten. Aber Nym hatte die Ahnung, dass sich dies ändern würde – sollten sie das Kreisvolk jemals finden.

 

***

 

Es roch nach Zimt und Staub.

Da waren Stimmen. Männliche Stimmen. Die tiefen Töne kitzelten in ihren Ohren. Sie fühlte sich merkwürdig. Ausgeschlafen, so als wären ihre Augen tagelang geschlossen gewesen, aber gleichzeitig zittrig erhitzt, so als wisse ihr Körper nicht genau, ob ihre Beine sie tragen würden.

„Sie hat sich bewegt!“

„Was?“

„Ihre Augenlider haben gezuckt.“

„Sicher, dass es nicht dein Kopf war, der gezuckt hat?“

„Sieh doch hin, du Frosch! Ihre Finger zittern.“

„Frosch? Weil ich ein Ikano des Wassers bin?“

„Du bist von der schnellen Sorte, oder?“

„Ist Frosch eine Beleidigung? Ich meine, Frösche sind anmutige Tiere mit klasse Sprunggelenken. Ich wünschte, ich könnte so hoch springen wie ein Frosch. Dann würde ich einfach in die erste Mauer hüpfen und die Götter besuchen.“

„Halt die Klappe und hol Wasser!“

„Wer hätte gedacht, dass du tief in dir verborgen die Autorität deines Bruders versteckt hältst?“

Schritte entfernten sich, eine Tür wurde geöffnet und geschlossen und dann spürte Vea, wie die weiche Unterlage, auf der sie lag, nach unten gedrückt wurde und eine warme Hand über ihre Wange strich.

„Vea? Vea, bist du wach? Wenn du wach bist, mach bitte die Augen auf, ja?“

Die Stimme klang so vorsichtig, so bittend, dass sie gar nicht anders konnte, als ihrer Anweisung zu folgen.

Sie blinzelte und brauchte eine Weile, bis sich ihre Augen an das helle Licht gewöhnt hatten und das Gesicht erkannten, das sich über ihres beugte.

„Janon“, flüsterte sie und lächelte.

„Wie kannst du es wagen, zu lächeln?“, wollte ihr Freund ungläubig wissen. Er stieß zischend Luft aus und schob ihr mit zittrigen Fingern die Haare aus dem Gesicht. „Du hast mir eine Todesangst eingejagt. Ich dachte, du wachst nie mehr auf!“

Vea gähnte und wollte sich aufrichten, doch Janon drückte sie mit sanfter Gewalt an den Schultern zurück auf die Matratze.

„Was genau hast du vor?“, fragte er perplex und besorgt zugleich.

Sie verdrehte die Augen. „Aufzustehen, Janon! Es ist hell draußen.“

„Das kannst du vergessen. Du rührst dich nicht von der Stelle.“

Also, jetzt war er einfach nur albern. „Stell dich nicht so an, Janon.“

„Vea. Du bist umgekippt und warst fast zwei Tage lang nicht bei Bewusstsein“, sagte er mit eindringlich leiser Stimme. „Du bist weiß wie eine Wand geworden und hast dich die nächsten achtundvierzig Stunden lang nicht mehr gerührt. Du wirst nicht aufstehen.“

„Ich habe zwei Tage lang durchgeschlafen?“ Stirnrunzelnd neigte sie den Kopf. Das konnte unmöglich wahr sein.

„Kannst du mich nicht hören? Ist was mit deinen Ohren?“ Janons dunkle Augen waren so besorgt, dass Vea unwohl zumute wurde. Er nahm das Leben doch sonst so leicht. Wenn er wirklich Angst um sie gehabt hatte …

„Meinen Ohren geht es gut, Janon. Mir geht es gut.“

„Ach ja? Dann wiederhole ich noch mal: Du hast nicht friedlich geschlummert, Vea. Du bist umgekippt und hast für zwei verdammte Tage dein Bewusstsein verloren!“

Blinzelnd und noch ein wenig benommen wandte sie ihren Kopf und sah sich im Raum um. Sie befand sich in einem von Brags Schlafzimmern. Daran war nichts Ungewöhnliches.

„Aber ich verstehe nicht. Was ist denn passiert, ich … oh!“

Mit einem Mal kam alles wieder zurück. Die Sechste Mauer. Die Ratsmitglieder, die darüber entscheiden mussten, ob sie kämpften oder sich unterordneten. Sie hatten abgestimmt und dann … dann …

Vea fuhr in die Höhe und saß kerzengerade im Bett.

„Du sollst dich nicht bewegen“, sagte Janon angespannt, seine Hände wieder auf halbem Wege zu ihren Schultern, doch sie schlug sie weg.

„Was ist passiert?“, fragte Vea verwirrt. „Hat die Garde uns erwischt? Musstet ihr gegen sie kämpfen? Wo sind die anderen? Geht es ihnen gut? Wo ist Nika?“

„Vea, beruhige dich.“

Wie sollte sie sich beruhigen? Da waren Soldaten an der Tür gewesen. „Wo ist sie? Lebt sie noch? Ist sie –“

„Vea“, unterbrach Janon sie laut, die Hände nun fest um ihr Gesicht geschlossen, damit sie stillhielt. „Es geht ihr gut! Es geht allen gut. Keine Garde, kein Kampf. Es ist nichts passiert – von deiner dramatischen Ohnmachts-Einlage mal abgesehen.“

Sie blinzelte verwirrt, zog ihre Beine an und lehnte sie gegen Janons Seite. „Ich verstehe nicht.“

„Na, da sind wir schon zwei.“

„Aber das Klopfen, Janon! Da war ein Klopfen. Kurz bevor ich ohnmächtig geworden bin. An Hegins Tür.“

„Was?“

„Bei Nerrew Hegin!“ Ihre Stimme wurde lauter, aber was sollte sie auch anderes tun, da er doch offenbar so schlecht hörte! „Bei der Abstimmung. Jemand hat ‚Aufmachen!‘ geschrien. Ich dachte, es wäre die Göttliche Garde, und dann …“ Sie runzelte die Stirn. „Nun, ich erinnere mich nicht daran, was danach passiert ist.“

„Vea.“ Janon strich mit den Daumen über ihre Wangen, doch diese beruhigende Geste machte sie nur noch aggressiver. „Da hat niemand geschrien. Weder aufmachen noch irgendetwas anderes.“

Was redete er da?! Gewaltsam zog sie seine Hände von ihrem Gesicht. Er verhielt sich, als sei sie verrückt geworden!

„Doch, natürlich. Die Ratsmitglieder haben gerade die Hände gehoben und … Bei den Göttern, die Abstimmung! Wie haben sie entschieden? Was wird passieren? Haben sie –“

„Könnten wir uns vielleicht erst einmal auf die Stimmen in deinem Kopf konzentrieren, bevor wir wieder in die Realität zurückkehren?“, fragte Janon vorsichtig.

„Ich hab mir das nicht eingebildet!“, schrie sie. „Es …“

„Du bist wach.“ Die Tür wurde aufgestoßen und Nika stürzte herein. „Wusste ich doch, dass das deine liebliche Stimme ist. Bei den beschissenen vier Göttern, ich dachte, jetzt ist es um dich geschehen.“

Erleichtert sackte Vea in sich zusammen. Sie war genau die Person, die sie jetzt brauchte.

„Nika“, stieß sie aus und umfasste die Hände ihrer Freundin, die sich neben Janon auf die Bettkante gesetzt hatte. „Könntest du Janon bitte erzählen, dass ich nicht bescheuert bin? Du hast das Klopfen doch auch gehört, oder?“

Nika blickte zwischen Janon und Vea hin und her, bevor sie die Augenbrauen hob. „Das Klopfen? Ja, natürlich.“ Sie nickte, und Vea seufzte auf. Endlich! „Ich glaube, das waren die Nachbarn“, fuhr Nika fort. „Sie haben vor ein paar Stunden offenbar versucht, ein Bild aufzuhängen. Das muss ein Monstrum von Gemälde gewesen sein, so viele Nägel, wie die in die Wand gehauen haben …“

„Was?“ Veas aufkeimende Erleichterung verflüchtigte sich schlagartig. Sie schüttelte den Kopf. „Das meinte ich nicht. Ich spreche von dem Klopfen bei der Abstimmung. Bevor ich ohnmächtig geworden bin. Jemand hat gerufen und –“ Angesichts des Unverständnisses auf Nikas Gesicht brach sie ab. „Du hast es auch nicht gehört?“

Entschuldigend zog Nika die Schultern hoch. „Nein, tut mir leid. Du bist umgekippt – aber da war kein Ruf oder Klopfen. Vielleicht hast du es ja geträumt? Genug Zeit dafür hattest du ja.“

Vea öffnete den Mund, betrachtete Janon, dessen Miene nur noch besorgter wirkte, sah Nika an, die erwartungsvoll auf Bestätigung wartete – und schloss ihn wieder.

Sie nickte. „Ja. Das wird es gewesen sein.“

Aber das stimmte nicht. Sie hatte es nicht geträumt. Genauso wenig, wie sie es sich eingebildet hatte. Sie spürte immer noch Janons skeptischen Blick auf ihrem Gesicht – er hatte schon immer gewusst, wann sie Blödsinn von sich gab – und zwang sich zu einem Lächeln. „Entschuldigt, ich bin vom vielen Schlafen wohl etwas durcheinander.“

„Du hast nicht geschlafen“, fuhr Janon sie an. „Du warst ohnmächtig, du –“

„Du wiederholst dich, Janon. Mir geht es gut. Ich fühle mich wunderbar. Wirklich. Hör auf, mich anzusehen, als –“

„Als wärst du umgekippt und zwei Tage lang nicht wieder aufgestanden?!“

Meine Güte, seine hysterische Seite konnte sie wirklich nicht leiden. „Ich war offensichtlich übermüdet“, stellte sie fest. „Zu viel Druck und Stress und … na ja, Krieg ist nun einmal nicht gerade entspannend. Wer hätte das ahnen können?“

„Vea, hör auf, es runterzuspielen. Du hast keine Vorstellung davon, wie viel Angst wir um dich hatten. Du hast nicht gesehen, wie dir das Blut aus dem Gesicht geflossen ist. Irgendetwas stimmt offensichtlich nicht mit dir!“

„Mit mir ist alles okay, Janon. Im Moment würde ich mir eher Sorgen um dich machen. Dein Gesicht sieht aus, als würdest du versuchen, es zum Platzen zu bringen.“

Janon wirkte nicht amüsiert, dabei fand Vea sich gerade ziemlich witzig.

Seufzend legte sie ihre Arme um seinen Hals. „Janon“, murmelte sie und küsste ihn. „Vielleicht war mit meinem Körper irgendetwas nicht in Ordnung und er hat zwei Tage gebraucht, um es zu bekämpfen. Aber mir geht es gut. Wirklich. Er hat die Krankheit, oder was auch immer mich umgehauen hat, offensichtlich besiegt.“

Misstrauisch musterte er sie und ließ eine Hand auf ihre Stirn gleiten, bevor er schließlich aufstand. „Mir gefällt das ganz und gar nicht, Vea.“

„Ich liebe dich, Janon.“

Seine Mundwinkel zuckten. „Das wiederum gefällt mir sehr.“

„Schön, dann hätten wir ja geklärt, was du gut und was du schlecht findest.“ Sie schwang die Beine aus dem Bett. „Könnte mir dann jetzt bitte endlich jemand sagen, wie die Ratsmitglieder entschieden haben? Und mir etwas zu essen bringen? Ich verhungere gleich.“

Wie auf Kommando öffnete sich die Tür und Ro trat ein. In der rechten Hand hielt er einen mit Wasser gefüllten Becher, in der linken ein Stück Brot. „Ich hoffe, ihr habt euch jetzt beruhigt“, stellte er fest und reichte ihr Getränk und Essen. „Das ganze Geschrei hätte womöglich noch die Garde auf den Plan gerufen, und ich möchte meinen Morgen nicht mit einem Gemetzel beginnen.“

Er sollte sich nicht zu früh freuen. Wenn ihr nicht gleich jemand erzählte, was in der Sechsten Mauer vorgefallen war, würde sie mit dem Brüllen nämlich wieder anfangen.

„Sie haben dafür gestimmt“, sagte Janon und strich sich die Falten aus der Hose. „Für eine Rebellion“, erklärte er weiter, als Vea ihn fragend ansah. „Sie wollen gegen die Götter kämpfen und uns helfen. Deine Ansprache hat sie wohl überzeugt.“

„Aber?“, fragte Vea mit vollem Mund, bevor sie das Brot mit etwas Wasser herunterspülte.

„Aber?“, echote Janon.

Sie schnaubte. „Komm schon. Du kannst mir nicht erzählen, dass sie keine Bedingungen gestellt haben. Die Ratsmitglieder waren ja nicht gerade versessen darauf, sich in die Schlacht zu stürzen.“

Seufzend sah er zu Ro hinüber, der leise lächelnd an der Tür lehnte.

„Es gibt ein Aber“, bestätigte er schließlich. „Sie verlangen, dass wir zuerst ihre Kinder in Sicherheit bringen, bevor sie einen Aufstand lostreten.“

Vea hob die Schultern. „Klingt vernünftig. Na, dann machen wir das doch.“

Ro stieß einen Ton aus, den Vea nicht ganz einem Lachen oder einem Laut des Wahnsinns zuordnen konnte.

„Natürlich!“, sagte er. „Wir schaffen alle Kinder raus und danach schreibe ich Valera einen Liebesbrief, bekomme zwei hübsche Kinder mit ihr und hole mir den Mond vom Himmel.“

Vea legte den Kopf schief. „Ich persönlich finde die Sonne ja viel interessanter, aber wenn du den Mond haben willst … tu dir keinen Zwang an.“

„Findest du Valera etwa attraktiv?“, wollte Nika wissen, die Arme vor der Brust verschränkt. „Sie ist viel zu alt für dich! Älter als zweitausend Jahre, Ro. Das ist … eklig.“

„Meine Güte.“ Ro legte sich eine Faust auf die Stirn und schüttelte den Kopf. „Übersieht denn jeder hier das Offensichtliche? Wir können die Kinder nicht einfach alle rausschaffen! Ihr erinnert euch vielleicht daran, was das letzte Mal passiert ist, als wir Rebellen aus der Sechsten Mauer schleusen wollten? Tod? Verderben? Feuer? Klingelt da was?“

„Du bipft spfo nepfativ, Ro!“, sagte Vea, während sie mit ihren Zähnen ein weiteres Stück Brot abriss.

„Seit wann ist Realismus negativ?“, wollte Ro feindselig wissen, bevor er laut seufzte. „Ich brauche Levi. Niemand ist ein so begabter Schwarzmaler wie er. Er würde euch die Flausen schon aus dem Kopf brüllen.“

Vea schluckte. „Das letzte Mal hattet ihr einfach einen beschissenen Plan“, stellte sie fest.

Irritiert sah Ro sie an. „Wir hatten gar keinen Plan.“

„Ich weiß. Das war ja das Beschissene daran.“

Er verdrehte die Augen. „Levi und ich hatten davor immer großen Erfolg mit unserer Philosophie.“

Schnaubend zeigte Vea ihm den Vogel. „Nichts für ungut, aber das, wonach ihr gehandelt habt, kann man beim besten Willen nicht Philosophie nennen. Normale Menschen benutzen das Wort Wahnsinn. Ihr hattet mehr Glück als Verstand und seid begabte Kämpfer. Das ist der einzige Grund, warum ihr beide noch nicht am Grund des Appos liegt.“

„Ich stimme ihr zu“, sagte Nika.

„Natürlich tust du das“, grummelte Ro und hob beide Hände in die Höhe. „Schön, Vea. Erkläre es mir. Wie willst du alle Kinder aus der Sechsten Mauer bringen, ohne dass sich das Massaker vom letzten Mal wiederholt?“

Vea schluckte das letzte Stück Brot herunter und sah dann aus dem Fenster. In der Ferne erkannte sie die Sechste und Siebte Mauer, die mittlerweile die Farbe des sandigen Bodens angenommen hatten, auf dem die Steine seit Ewigkeiten standen.

Die Sechste Mauer war groß. In ihr lebten mehr Menschen als in allen anderen. Die Siebte hingegen wurde meist vergessen, so klein und dünn besiedelt war sie. Außerdem gab es in der Siebten Mauer kaum Wachen, da dort nur verlorene Existenzen und Menschen lebten, die in Vergessenheit geraten waren. Bettler, Krüppel, Gesindel. Diese musste man kaum kontrollieren. Nein, das Problem waren die Soldaten, die aus der Vierten in die Fünfte Mauer strömen würden – und der Mangel an fähigen Kämpfern.

„Man müsste es gleichzeitig machen“, sagte Vea langsam und fuhr mit ihren Fingern den rauen Stein des Fenstersimses nach.

„Alle Kinder gleichzeitig zur Schlachtbank führen?“, fragte Ro ungläubig.

„Nein. Nein, das meine ich nicht.“ Vea hob den Blick zum Horizont. „Den Aufstand lostreten und die Kinder in Sicherheit bringen. Die offene Rebellion wird für genug Ablenkung sorgen, sodass man die Kinder unbemerkt aus der Sechsten Mauer bringen könnte. Außerdem müsste man die Tore schließen, die von der Sechsten zur Fünften Mauer führen. Aber dafür brauchen wir Hilfe aus Asavez. Wir sollten auf die asavezischen Soldaten warten und einen Weg finden, die Tore zur rechten Zeit zu verriegeln, sodass die Garde der äußeren Mauern nicht mehr verstärkt werden kann. Dann müssen wir die Soldaten, die sich in der Sechsten Mauer befinden, außer Gefecht setzen und die Tore mit genügend Kämpfern gegen die Göttliche Garde abschotten – tadaa: Die Sechste Mauer ist eingenommen, die Kinder in Sicherheit. Außerdem sind wir dann in der perfekten Ausgangssituation für den Krieg, da die Göttlichen Soldaten in den inneren Mauern eingekesselt sind und keine neuen Vorräte heranschaffen können. Wir bräuchten allerdings genug Männer und Waffen, um die Ausgänge effektiv zu verriegeln. Wie viele Soldaten werden von Provodes zur Unterstützung gestellt? Und gibt es jemanden, der die Bauern innerhalb von wenigen Tagen im Kampf ausbilden kann? Zumindest provisorisch?“

Sie wandte sich um und bemerkte, dass alle sie anstarrten.

„Was ist?“, wollte sie verblüfft wissen.

Ro schüttelte den Kopf. „Scheiße, sie ist wirklich eine verdammte Taktikerin.“

„Du machst mir Angst, Vea“, sagte Nika.

„Ich liebe dich“, stellte Janon grinsend fest.

Veas Mundwinkel zuckten. „Ich übersetze das mal mit: Guter Plan, Vea! Du bist toll, wir lieben dich und wollen dir ein Denkmal bauen.“

„Falls der Plan funktioniert, können wir noch einmal über das Denkmal diskutieren“, murmelte Ro.

„Ich will eine goldene Statue mit Diamanten als meine Augen.“

„Und ich möchte ein Glas Met“, seufzte der Ikano. „Lasst uns nach unten gehen. Dann können wir Brag einweihen – und uns überlegen, wie wir fünf Tore versiegelt bekommen, ohne dass ein Ikano der Erde sie sofort einreißt und wir alle sterben.“

„Immer dieser ungebrochene Optimismus“, meinte Vea kopfschüttelnd, verschränkte ihre Hand mit der Janons und zog ihn aus der Tür.

Sie fühlte sich aufgekratzt. Sie hatten ein Ziel. Einen konkreten Plan. Alles würde sich fügen. Die Unterdrückung, die Unruhe, die Angst – all das würde ein Ende finden.

Ihr Körper pumpte Adrenalin durch ihre Adern – zu viel, als dass sie der Tatsache, dass ihre Beine einige Momente brauchten, bis sie sich so geschmeidig wie sonst bewegten, allzu viel Bedeutung beigemessen hätte.