Interview Autor Paul Decrinis im spannenden Interview

Worum geht es in deinem Buch Verdacht
In diesem Buch geht es um den untauglichen Versuch eines Befreiungsschlages durch einen Amokläufer. In diesem Werk wird die Vorgeschichte eines Massenmörders gezeigt, ohne dabei die Klischees zu bedienen. Der Roman zeigt die menschlichen Abgründe auf und macht diese für den Leser nachvollziehbar.

Wie bist du auf die Idee zu dem spannenden Roman gekommen?
Die Idee entstand noch vor der Jahrtausendwende, als ich den Spielfilm Turm des Schreckens über den Amoklauf von Austin in Texas vom 1. August 1966 sah. Nach dem Film stellte ich mir die klassischen Fragen, die nach derartigen Taten auftauchen.
Warum?
Was motiviert eine Person, in blinder Wut möglichst viele Mitmenschen zu erschießen?
Wie verlief in der Regel das Leben eines Amokläufers vor der Tat?
Das Ergebnis meiner Suche nach Antworten ist der Roman Verdacht – Was du nicht siehst.

Wie hast du recherchiert? Hattest du Hilfe von der Polizei?
Zunächst googelte ich im Internet nach den Themen dieses Buchs und vertiefte es bei Bedarf mit Fachliteratur. So hatte ich mir unter anderem die Bücher A sniper in the tower und Todesermittlung besorgt. Danach suchte ich das Gespräch mit den Betroffenen der Branche. Unter anderem führte ich ein Gespräch mit einem hohen Polizeibeamten der Verhandlungsgruppe Süd, der mir wesentliche Informationen mitgab. Durch den Ehemann meiner Kollegin Jennifer B. Wind konnten wir eine polizeiliche Schwachstelle am Beginn des Romans aufdecken und ausmerzen. Insgesamt hat der Roman durch die Recherchen stark an Kraft gewonnen.

Du schreibst spannende Geschichten, die eine sehr dramatische Geschichte im Hintergrund haben, woher nimmst du dazu die Inspiration?
Die Inspiration kommt direkt aus dem Leben selbst. Ich schaue mir an, was alles in der Welt passiert. Es ist die Frage nach dem Warum, aus der ich die Inspiration schöpfe, wenn ich nach den Antworten suche.
Zudem interessiere ich mich für Geschichte und frage mich, welche Auswirkungen vergangene Ereignisse heute hätten, würden sie jetzt passieren. Würde es gleich oder ähnlich ablaufen oder käme es ganz anders, als wir die Ereignisse aus der Geschichte kennen.

Gehen dir deine Geschichten selbst nahe? Welche Szene war am schwierigsten für dich.
Am schwierigsten war es für mich, den Amoklauf von Graz zu verfassen. Um authentisch zu schreiben, war es notwendig, völlig in die Gedankenwelt des Täters einzutauchen. Das ist mir auch gelungen und mir ist in diesem Moment klar geworden, warum sich oft Amokläufer selbst richten. Denn die Vorstellung, zwölf Leben in blinder Wut ausgelöscht zu haben, war unerträglich. Als Schriftsteller konnte ich ja aus der Figur aussteigen und dann mir sagen: „Ist ja nicht echt.“ Dennoch ist mir diese „Erfahrung“ sehr nahe gegangen.

Was beeindruckt dich an Ermittlergeschichten? Wieso schreibst du sie selbst?
Ich glaube, es ist die allgemeine Faszination für das Böse. Indem wir hier Taten eine Bühne geben, die wir in Wirklichkeit zu Recht als abscheulich und widerwärtig verurteilen, schaffen wir für uns einen Kanal, mit denen wir unsere dunklen Seiten ausdrücken und leben können. Zudem schenken uns gute Ermittlergeschichten den Einblick in die Psyche der dunklen Gestalten.

Was liest du in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit lese ich hauptsächlich Spannungsliteratur. Zu meinen Lieblingsautoren zähle ich Jennifer B. Wind, Kathrin Lange, Sebastian Fitzek und Andreas Eschbach.

Schreibst du auch in anderen Genres?
Ja, ich schreibe auch historische Romane.

An was schreibst du zurzeit? Kannst du darüber schon etwas verraten?
Mein aktuelles Projekt begann als Thriller, aber der Plot weigerte sich, den Konventionen des Genres zu genügen. Es stellte sich heraus, dass mein aktuelles Projekt kein Thriller, sondern ein historischer Roman ist. Es geht darin um einen Professor, der alle Werte verraten muss, um sich und seine Familie zu retten.

Hast du eine Schreibroutine?
Jein. Es gibt bei mir keine festen Schreibzeiten, aber feste Schreibziele. Und ich stehe nicht vom Schreibtisch auf, bis ich das festgelegte Tagesziel auch erreicht habe.

Was magst du am Schreiben am liebsten?
Ich mag am Schreiben, dass ich die dunklen Seiten umsetzen kann, ohne jemandem zu schaden. Wenn ich zum Beispiel behaupten würde, dass die Amokläufer von Erfurt, Emsdetten und Euskirchen Heilige gewesen wären, die gegen die sündige Gesellschaft vorgegangen sind, würde man mich bestenfalls für verrückt erklären. Wenn ich jedoch um diesen Irrsinn eine Geschichte spinne, kann daraus ein Roman entstehen, der Verdacht – Was du nicht siehst heißt.
Mit dem Schreiben kann ich mich in fremde Welten versetzen und das Leben aus der Sicht anderer Figuren erleben. Auch das macht das Schreiben für mich reizvoll.