Interview Melanie Lindorfer im Interview

Worum geht es in deinem Buch Was mein Herz dir sagen möchte?

 Es geht darum, Verantwortung für sein Leben – seine Träume – zu übernehmen. Die Botschaften im Blechherz geben für Annabell den Anstoß, etwas zu verändern. Das hat sie bitter nötig, denn sie fühlt sich von der Welt verstoßen. Anfangs scheint sich selbst das Schicksal gegen sie verschworen zu haben, doch dann merkt sie, dass die

Dinge aus gutem Grund geschehen und sie etwas daraus lernen kann.

Annabell Weber hat eine große Leidenschaft: Sie sammelt Flohmarktstücke. Warum?

Sie ist fasziniert von den Geschichten, die ihr diese Gegenstände „erzählen“. In Wirklichkeit verbirgt sich hinter der Sammelleidenschaft aber etwas anderes: Ein Mangel, der nicht mit materiellen Dingen ausgeglichen werden kann. Eine Verletzung, die in Annabells Kindheit zurückreicht und nur langsam heilt.

Beschreibe die Protagonistin Annabell Weber?

Annabell ist liebenswürdig, ein wenig chaotisch und zu Beginn auch ein kleiner Feigling. Sie schreckt vor dem Leben zurück und den Möglichkeiten, die sich ihr bieten. Im Laufe der Geschichte entdeckt sie jedoch, welche verborgenen Talente in ihr schlummern.

Welchen Herausforderungen muss sich Annabell stellen?

Sie muss ihr Leben aufräumen, ihre Vergangenheit hinter sich lassen und ganz von vorne anfangen. Aber auch Vincent bereitet ihr ziemliches Kopfzerbrechen – und Herzklopfen.

Welche Rolle spielt die geheimnisvolle Herzdose?

Das Herz ist ein Abschiedsgeschenk von Annabells bester Freundin Luisa. Als diese nach Amerika geht, um sich ihren Traum zu erfüllen, konserviert sie gut gemeinte Ratschläge in der Dose und bestückt sie mit Aufgaben, die Annabell von ihrem Trennungsschmerz ablenken sollen. Die Dose wird zu Annabells ständigem Begleiter, bis sie nicht mehr daran erinnert werden muss, auf ihr Herz zu hören.

Dieses Blechherz gibt es übrigens wirklich. Als mir die Idee für diese Geschichte gekommen war, habe ich zunächst überlegt, welche Aufgaben Spaß machen und Annabell aufrütteln würden. Ich habe sie in der Dose gesammelt und vorm Schreiben gelegentlich einen der Zettel gezogen – das hat es unheimlich spannend für mich gemacht.

Gibt es die Kneipe Red Rabbit wirklich bzw. durch welches Location/s ist das Red Rabbit inspiriert?

Das Red Rabbit entspringt meiner Fantasie. Beim Schreiben fühlte ich mich aber oft an die Atmosphäre in einem Lokal erinnert, das ich mit meiner Schwester bei einem Pragbesuch entdeckt habe. Dort habe ich mich augenblicklich wohlgefühlt, den Namen habe ich leider vergessen.

Warum können sich Leser mit Annabell identifizieren?

Ich denke, jeder von uns fühlt sich manchmal allein und unsicher. Oft erleben wir die Welt als ungerecht und geben anderen die Schuld, wenn in unserem Leben nichts gelingen will, die Freude wegbleibt und das Herz eng wird.

Ich hoffe Annabells Entwicklung macht allen Mut, die solche Situationen kennen, und zeigt ihnen vielleicht einen Ausweg.

Welches ist dein Lieblingszitat aus der Geschichte?

Hmm. Da klaue ich am besten eine von Luisas Weisheiten:

Bau dir Luftschlösser und greif nach den  Sternen. Aber belass es nicht beim Träumen  allein.

Aber auch die freche Schnauze von Max, dem jungen Koch im Red Rabbit, gefällt mir. Annabell fragt ihn nach einer antiken Apothekerkommode, die sie im Keller entdeckt hat. Darauf antwortet Max:

„Hab ich noch nie drauf geachtet. Ich habe nur Augen für meine Kohlköpfe.“

An was schreibst du gerade?

Derzeit schreibe ich schon an meiner nächsten Geschichte, die ebenfalls bei dp Digital Publishers erscheinen wird. Es geht um ein Familiengeheimnis, aber ich finde auch das Setting unglaublich spannend. Es ist inspiriert von einem Schloss, das es bis Anfang der 60er wirklich gab, bevor es – wie anzunehmen ist – aus wirtschaftlichen Interessen zerstört wurde. Ich habe bei meiner Recherche so viele faszinierende Details gefunden, die mich angetrieben haben, diese Geschichte zu schreiben. Ich liebe es, wenn sich all diese Bilder beim Schreiben zusammenfügen und in meinem Kopf lebendig werden.

Hast du Buchtipps für unsere Leser?

„Schlafes Bruder“ von Robert Schneider und „Das Parfum“ von Patrick Süskind sind Titel, die mich tief beeindruckt haben und bis heute nachhallen. Viele Szenen habe ich noch immer bildlich vor Augen, obwohl es schon um die 15 Jahre her ist, dass ich sie gelesen habe.

Aktuell lese ich neben dem Schreiben am liebsten die Werke meiner Autoren-Kolleginnen von der Agentur Ashera, komme aber kaum hinterher, weil eine Veröffentlichung die nächste jagt. Erst kürzlich bei dp DIGITAL PUBLISHERS erschienen sind beispielsweise „Mörderisches Paradies“ von Sabine Strick, „Highland Hearts“ von Gabriele Ketterl und „Das Erbe von Pollard Creek“ von Claudia Romes.