Interview Matthias Ernst im Interview

Worum geht es in deinem Buch Der Therapeut?

Der Londoner Psychotherapeut John Burgess muss den Tod eines seiner Patienten aufklären, um eine jahrzehntealte Verschwörung aufzudecken, die weitreichende politische Folgen für Großbritannien haben könnte. Unterstützt wird er dabei von seiner Teenager-Tochter Poppy und einer ehrgeizigen jungen Boulevardjournalistin.

Warum sollten alle unbedingt Ihren Thriller lesen?

Weil meine Lieblingsfigur Sir Edmund Hathaway ein großes Publikum verdient hat.

Die Traumdeutung in den Vordergrund einer kriminalistischen Spurensuche zu stellen, ist eine originelle Idee. Woher hast du die Inspiration genommen?

Freuds Traumdeutung ist schon seit über einem Jahrhundert immer wieder literarisch verarbeitet worden, zum Beispiel in Schnitzlers Traumnovelle. Ich fand es reizvoll, sie einem Spannungsroman zugrunde zu legen, da sich in Träumen allerhand dunkle Geheimnisse verbergen lassen. Zudem fand ich es besonders interessant, John Burgess, den titelgebenden Therapeuten, der die Traumdeutung als unwissenschaftlich ablehnt, zu zwingen, sich mit ihr zu beschäftigen, um seine berufliche Existenz zu retten.

Quelle: Matthias Ernst

Beim Lesen (oder hören des Hörbuchs) merkt man, dass du dich gut mit der Materie Psychotherapie und Traumdeutung auskennst. Wie kam es zu dieser Leidenschaft?

Ich habe Psychologie studiert und arbeite seit 15 Jahren mit Menschen mit psychischen Erkrankungen. Insofern ist Psychotherapie eine tägliche Erfahrung in meinem Leben. Da das Schreiben meine zweite, große Leidenschaft ist, lag es nahe, die beiden Bereiche zu verbinden.

Beschreibe deine drei wichtigsten Protagonisten in jeweils drei Worten.

John Burgess: harmoniebedürftig, gewissenhaft, selbstlos

Poppy Burgess: verträumt, kreativ, konsequent

Unity Wilmore: ehrgeizig, zielstrebig, stur

Dein Roman spielt in London, wieso hast du diesen Ort gewählt und warst du selbst dort, um zu recherchieren?

Ich war schon öfter in London und auch in Cornwall an den Schauplätzen des Romans. Mir war wichtig, alle diese Orte einmal selbst besucht zu haben, weil ich so viel mehr realistische Details einfügen und Atmosphäre erzeugen kann. London ist eine großartige Stadt, die sich unter anderem deswegen wunderbar als Schauplatz für meine Geschichte eignet, weil Sigmund Freud dort seine letzten Lebensjahre verbracht hat. Zudem liebe ich die Frida-Klein Reihe von Nicci French, die ebenfalls in London spielt.

Quelle: Matthias Ernst

Findet man etwas von dir oder Personen des aktuellen Zeitgeschehens in der Geschichte wieder?

Der Brexit und der in diesem Zusammenhang berüchtigt gewordene Politikstil, spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte. Außerdem habe ich vor Jahren einmal ein Notizbuch in den Stable Markets in Camden Town gekauft, das dem Traumtagebuch von Christopher Maddock gleicht wie ein Ei dem anderen.

Du bist bereits Autor mehrere Kriminalromane und Mitglied des Syndikats. Was liebst du an Spannungsliteratur?

Spannungsliteratur bietet einen klaren Rahmen für die Handlung. Es geht im weitesten Sinn um ein Verbrechen, also etwas nicht Alltägliches, was wiederum jeder Figur abverlangt, ihre Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren. Das ist im Grunde wie bei einer Psychotherapie, womit wir wieder bei meiner zweiten, großen Leidenschaft wären.

Quelle: Matthias Ernst

Könntest du dir auch vorstellen in einem anderen Genre zu schreiben?

Zum Schreiben bin ich ursprünglich über historische Romane gekommen. Erst später habe ich mich der Spannungsliteratur zugewandt. Aktuell schreibe ich an einem mehrteiligen, historischen Familienroman.

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?


Ich arbeite als Psychologe in einer Schmerzklinik, lese meinen Kindern vor, blogge über Persönlichkeitspsychologie, spiele Bass in einer Rockband und kümmere mich um meine Hundedame und eine 60 Jahre alte Vier-Zehen-Schildkröte, die ich vor kurzem geerbt habe.

Liest oder hörst du selbst gerne Krimis und Thriller? Hast du einen Buchtipp für uns?


Da ich historische Romane und Spannungsliteratur liebe, schätze ich besonders die Kombination aus beidem. Großartig recherchiert und spannend finde ich beispielsweise die Shardlake-Reihe von C.J. Sansom beginnend mit Pforte der Verdammnis