Interview Madeline Hunter über ihre neue Regency Romance

Worum geht es in deinem Buch Eine gefährliche Sehnsucht?

Es ist eine Liebesgeschichte, die sich entwickelt, obwohl der Held und die Heldin aus Familien stammen, die seit Langem zerstritten sind. Der Held beschuldigt ihren Vater für den Tod seines eigenen Vaters verantwortlich zu sein. Er hat sich in Frankreich mehrfach duelliert, um die Ehre seines Vaters zu verteidigen, weswegen die Londoner Society ihn als gefährlich betrachtet. Die Heldin ist in höchstem Maße unabhängig und ist die heimliche Herausgeberin eines Magazins für Frauen, in dem unter anderem Skandale beleuchtet werden wie jener, der den Vater des Helden umgibt.

Du schreibst historische Romane. Eine gefährliche Sehnsucht spielt in England im Jahre 1822. Warum hast du dich für diese Zeit entschieden? Was fasziniert sich daran?

Obwohl ich auch Geschichten geschrieben habe, die zu anderen Zeiten spielen, sind die 1820er meine Lieblingsjahre. Dieses Jahrzehnt war eines mit enormen Veränderungen in vielen Lebensbereichen. Es beginnt mit einem Fuß im achtzehnten Jahrhundert und endet auf dem Gipfel der Viktorianischen Ära. Damals wurden Dampflokomotiven entwickelt, der religiöse Eifer wuchs und die Bewegung gegen die Sklaverei bekam neuen Wind. Die Gesellschaft war in Aufruhr, weil die unteren Klassen mehr Einfluss im Regierungsgeschehen forderten. Diese Zeit bietet reichlich Material für einen Autor.

Würdest du gern im England von 1822 leben? Warum (nicht)?

Meine Antwort auf die Frage, ob ich gern in der Vergangenheit gelebt hätte, ist folgende: nur, wenn ich die moderne Medizin mit mir dorthin nehmen könnte! Die Bedingungen für Frauen waren auch nicht sehr gut. Auch wenn viele der Unterschiede zu unserer heutigen Zeit verlockend erscheinen, wäre die Realität eines Lebens in der Vergangenheit nichts für mich. In Eine gefährliche Sehnsucht habe ich eine meiner modernsten Heldinnen kreiert, und die Leser können sehen, dass selbst für sie die Erwartungen der Familie und der Gesellschaft eine Last sind. Und sie stammte aus einer Aristokratenfamilie und verfügt über finanzielle Unabhängigkeit. Ich bezweifle, dass ich ein solches Glück gehabt hätte. Demnach wäre das Leben für mich weit weniger spaßig gewesen.

Du hast bereits einige Bücher geschrieben und veröffentlicht. Hast du aus all deinen Geschichten einen Lieblingscharakter?

Nein, tatsächlich nicht. Ich mag einige von ihnen aus bestimmten Gründen und andere aus anderen. Außerdem muss eine Schriftstellerin die Figuren lieben, die sie beschreibt, während sie an ihrer Geschichte arbeitet. Sie können keine zweite Wahl sein. Also ist jedes Buch, das ich gerade schreibe, mein Lieblingsbuch und ebenso seine Protagonisten.

Wie recherchierst du für deine Romane? Wie lange dauert das?

Das hängt von der Story ab. Für einige musste ich fast gar nicht recherchieren. Sie spielen in einer Welt, die ich mittlerweile ziemlich gut kenne, und ich muss nur ein paar Details klären. In anderen Fällen gehört ein bestimmter gesellschaftlicher oder geschichtlicher Aspekt zur Geschichte, den ich tiefgehend recherchieren muss. Normalerweise recherchiere ich mehrere Wochen, bevor ich beginne, und informiere mich über alles Weitere während des Schreibens.

 

Liest du selbst historische Liebesgeschichten? Hast du ein Lieblingsbuch?

Wie viele Leser mag ich die ersten historischen Romane, die ich gelesen und durch die ich das Genre entdeckt habe, sehr gern. In meinem Fall sind das die Romane von Roberta Gellis, Mary Balogh und Mary Jo Putney. Ich habe jedoch keinen Lieblingsroman.

Woher bekommst du die Ideen für deine Romane? Was inspiriert dich?

Ideen bekomme ich auf viele Weisen. Manchmal fällt mir eine Figur ein oder taucht in einem anderen Buch auf, und ich weiß sofort, dass ich seine Geschichte schreiben muss. Manchmal bekomme ich ein Konzept und spiele damit in meinen Gedanken. Mich inspirieren viele Dinge. Ein mittelalterlicher Wachturm an der italienischen Küste, ein Porträt in einem Museum, der Grundriss eines alten Herrenhauses und einmal sogar eine Geschichte aus der Bibel.

Wie arbeitest du an deinen Büchern? Fängst du einfach an zu schreiben oder ist die Story vorher klar umrissen?

Ich beginne mit dem Keim einer Idee und lasse meinen Gedanken dazu freien Lauf. Manchmal schreibe ich sie auf. Irgendwann sehe ich dann den Umriss einer Geschichte. Dann versuche ich eine Zusammenfassung der Story zu schreiben, um zu sehen, ob sie genügend Material für einen Roman bietet. Diese Zusammenfassung bearbeite und verändere ich, bis sie eine annehmbare Form hat. Es ist mehr als ein Umriss. Es beschreibt das wer, was, wo und warum, aber noch nicht das wie. Dann beginne ich zu schreiben und spiele damit herum. Das Rückgrat der Geschichte steht also, wenn ich anfange, aber nicht mehr. So habe ich allerdings nicht angefangen zu schreiben. Begonnen habe ich als „Pantser“. So nennen wir Schriftsteller, die sich einfach auf den Hosenboden (engl. pants) setzen und drauflos schreiben. Das macht sehr viel Spaß, ist aber nicht effizient. Zum einen ist man sich als „Pantser“ nicht sicher, dass man eine gute Story hat, bevor man schon sehr viel geschrieben hat. Ich habe ein paar angefangene Manuskripte in meiner Schublade, die einfach nicht funktioniert haben.

Gibt es Dinge, die zu schreiben du schwierig findest?

Liebesszenen. Ich habe viele davon geschrieben. Sie frisch zu gestalten, ist ein bisschen nervig. Wein hilft.