Interview Autorin Katja Montejano im Gespräch über ihren Psychothriller

Worum geht es in Spiegelmädchen?

Das Leben der neunzehnjährigen Jazz Sanders, die an einer leichten Form von Asperger Syndrom leidet, ist schwer. Sie träumt von der großen Liebe und wünscht sich nichts anderes, als von ihren Mitmenschen als Normal angesehen zu werden, so wie ihre hübsche Zwillingschwester Danika. Als wäre der Alltag für Jazz nicht kompliziert genug, gerät ihr Leben von einem Tag auf den anderen aus den Fugen. Eines Abends, als sie alleine zu Hause ist, wird sie von einem Psychopathen überfallen, vor welchem niemand sicher sein kann und wenn er nicht aufgehalten wird, wird sie sterben. Ein rasantes Katz- und Mausspiel beginnt, in welchem Jessy gezwungen ist, aus ihrem bisherigen Schneckenloch herauszukommen und über sich hinauszuwachsen.

Katja Montejano Interview Bild mit Freund
Autorin Katja Montejano mit Lebenspartner Rony

Im Thriller verfängt sich Protagonistin Jazz in ein erbarmungsloses Katz- und Mausspiel mit dem Entführer ihrer Familie. Was hat dich für diese Geschichte inspiriert?

Man müsste sagen, ich habe mich selbst dazu inspiriert, denn hinter Jessy, die an einer leichten Form von Asperger leidet, steckt ein persönlicher Teil von mir.

Ich bin ein hochsensibler Mensch und hatte als junge Frau Mühe zu verstehen, wer ich bin und warum ich so bin. Mit meiner Andersartigkeit geriet ich oft in innere und äußere Konflikte, weil ich mich von den Mitmenschen und der Welt da draußen viel zu oft unverstanden gefühlt habe.

Heute kennt man den Ausdruck „Hochsensibilität“ und man setzt sich mit dem Thema auseinander, so wie mit Autisten. Vor vielen Jahren, als ich noch jung war, war dies nicht der Fall. In der Schule wurde ich ausgelacht und gemobbt, nicht nur weil ich eine Ausländerin war, sondern auch wegen meiner Andersartigkeit. Jessy steht repräsentativ für alle Menschen, die anders sind oder sich anders fühlen als andere. Sie sind nicht alleine. So wie Jessy, werden auch sie ihre Träume leben können, den richtigen Weg einschlagen, zu sich selbst finden und sich im Leben mit all ihren außerordentlichen Talenten und Stärken behaupten.

Zu diesem Thema könnte ich auch noch ein paar Bände schreiben, deshalb möchte ich abschließend dazu sagen: achtet auch beim Lesen der Geschichte darauf, was Jessy fühlt und denkt, denn alle glauben, dass Betroffene mit Asperger/Autismus nichts fühlen, da man von ihnen keine Gefühlsregungen von außen wahrnimmt. Gefühlskälte.

Glaubt mir, das stimmt nicht. In ihnen steckt eine Explosion von Gefühlen, die nicht herauskommen können.

 

Wie würdest du Jazz in wenigen Worten beschreiben?

Logisch denkend. Reflektierend. Mutig. Träumt die Liebe des Lebens zu treffen, jemand der sie so nimmt und liebt, wie sie ist. Sie will akzeptiert, verstanden und geliebt werden, ohne dass man von ihr verlangt, sie solle sich ändern.

Katja Montejano Interview Bild Kellerwald_Edersee
Der Natur- und Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

Musstest du viel recherchieren? Wie lange hast du daran gearbeitet?

Durch meine eigene Hochsensibilität und Partnerschaft in jungen Jahren mit einem Menschen mit Asperger, habe ich mich über Jahre mit dem Thema auseinandergesetzt. Da ich während des Schreibens mit der Figur Jessy verschmolzen bin, hatte ich den ersten Entwurf bereits in drei Monaten geschrieben. Die Überarbeitung des Manuskripts dauerte natürlich viel länger.

 

Was macht für dich einen guten Thriller aus?

Da ich Gefühle intensiv wahrnehme, ist es für mich wichtig, dass mir die Figuren, mit welchen ich mitfiebere, sympathisch sind und die Spannung von der ersten Seite bis zum Schluss erhalten bleibt. Thriller mit einem 0815 Schema, wo ich schon früh erahne, wer der Täter ist, gehen bei mir gar nicht. Ich suche originelle, spannende Figuren, Themen und Geschichten, solche bei denen die Story in mein Herz geht und den Puls höher schlagen lässt, ich weiterleisen möchte und nicht schon nach den ersten zehn Seiten ein anders Buch aufschlage.

 

Du schreibst vor allem Spannungsromane, in denen es um Mord, Entführungen, Folter usw. geht. Wie schaffst du es nach dem Schreiben abzuschalten?

Ich bin eine ehemalige Leistungssportlerin, die immer noch mit grosser Leidenschaft sehr viel Sport treibt. Heute vor allem CROSSFIT. Das hilft mir, neben meinem Fulltimejob, fit zu bleiben und eine gesunde Work-Life-Balance zu halten. Zudem liebe ich die Natur und Tiere. Ich gehe täglich mit meinem Hund in den Wald spazieren. Dort kann ich mich von allen Reizen, egal welche, erholen, mich erden, zentrieren und gleichzeitig entspannen. 

 

Hast du besondere Schreibangewohnheiten?

Ich stehe sehr früh am Morgen auf und schreibe bevor ich mit der Arbeit beginne und oft auch am Wochenende. In den letzten Jahren hatte ich einige Schreibblockaden zu überwinden, dies bedingt durch eine unangenehme Scheidung. Ich habe mich wieder aus den Blockaden herausgekämpft und dabei auch viel über mich und die Art, wie ich schreibe gelernt. Es brauchte Zeit, aber die hat sich gelohnt. Bei der Kreativität gibt es keinen Knopf, den man einschalten kann. Bei mir läuft alles über das Gefühl und die Intuition. Bin ich in meiner Gefühlswelt blockiert oder sehr verletzt, geht bei mir nichts mehr. Ich brauche Zeit, um wieder zurückzufinden. Also musste ich hart an mir arbeiten, um den Weg zu mir selbst und meiner Kreativität wieder frei zu machen.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Ich verbringe die freie Zeit immer mit meinem Lebenspartner Rony, meinem sechsjährigen Frenchbully „Patatina“ (= Kartöffelchen – Kosename auf Italienisch) und treibe CROSSFIT-Sport.

 

Alle Leser:innen wollen gerne wissen, was ihre Lieblingsautor:innen selbst lesen: Welche Bücher liest du gerne und hast du Empfehlungen für uns?

  • Stephen King (ist mein absoluter Favorit)
  • Søren Sveistrup
  • Max Bentow
  • Sebastian Fitzek
  • Karen Slaughter
  • Wulf Dorn
  • Marc Raabe
  • Simon Beckett
  • Chris Carter
  • Tess Gerritsen
  • Cody McFadyen
  • Joy Fielding
  • David Baldacci
  • Tom Clancy
  • Jeffery Deaver
  • Jussy Adler-Olsen
  • Arno Strobel
  • James Patterson
  • Tony Robbins

 

Meine Empfehlungen: Ich liebe Stephen King und lese ihn schon seit Jahrzehnten.