Interview Juna Kristensen im Autoreninterview zu Rachekarte

Worum geht es in deinem Buch Rachekarte?

Es geht um eine junge Frau namens Svea, die als Schülerin in ein Spiel mit schlimmen Folgen verwickelt wurde. Zehn Jahre später hat sie versucht, alles zu vergessen, doch wird von ihrer Vergangenheit eingeholt und muss sich den damaligen Ereignissen und auch ihren eigenen Taten endlich stellen. In dem Buch geht es um Geheimnisse und menschliche Abgründe. Aber auch um Freundschaft und Liebe und die Frage, wie wir reagieren sollen, wenn uns nahestehende Menschen schreckliche Dinge tun.

In deinem Psychothriller dreht sich alles um ein perfides Spiel unter Freunden, das sogar tödlich endet. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Ich fand es spannend, mir vorzustellen, wie eine Gruppe Jugendlicher sich durch ein anfangs harmloses Spiel Stück für Stück so verändert, dass sie am Ende zu grausamen Dingen fähig sind. Und was für Faktoren außer dem Spiel noch nötig wären, dass es so weit kommt, also die verschiedenen Persönlichkeiten der Charaktere und, ganz wichtig, die Umstände in der Schule und zu Hause.

Wie würdest du die Protagonistin Svea in drei Sätzen beschreiben?

Die achtzehnjährige Svea ist ein einsames Mädchen, das gerade an eine neue Schule gekommen ist, viel liest, aber keine Freunde hat. Deswegen lässt sie sich schnell von dem charismatischen Jeremias für seine Gruppe einspannen. Die erwachsene Svea ist ebenso einsam wie die jugendliche Svea und leidet unter ihren widersprüchlichen Gefühlen bezüglich der Ereignisse zehn Jahre zuvor: Einerseits wünscht sie sich, die Gruppe niemals getroffen zu haben, andererseits vermisst sie ihre ehemaligen Freunde, insbesondere Jeremias.

Wieso lässt sich Svea überhaupt auf das Spiel ein?

Genau wie ihre neuen Freunde wird sie von einer anderen Gruppe an der Schule drangsaliert. Sich durch das Spiel zu rächen scheint anfangs nur fair. Doch je extremer die Bestrafungen werden, desto mehr Zweifel kommen Svea, ob das Spiel wirklich eine gute Idee war. Damit befindet sie sich in einem Konflikt, da sie aus dem Spiel nicht mehr aussteigen kann, ohne ihre Freunde zu verlieren.

Wie würdest du die Dynamik zwischen den Freunden beschreiben?

Insbesondere zwischen Svea und Jeremias entwickelt sich schnell eine tiefe Bindung, die durch Jeremias’ Persönlichkeit und durch seine Vergangenheit verkompliziert wird. Durch das Spiel, Missverständnisse, Geheimnisse und auch Eifersucht geraten alle Freundschaften innerhalb der Gruppe bald in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

Der Thriller spielt an der Nordsee. Warum hast du dir dieses Setting ausgesucht?

Seit meiner Kindheit sind meine Eltern mindestens ein- bis zweimal im Jahr mit uns zum Urlaub an die Nordsee gefahren. Selbst heute fahre ich, wenn möglich, einmal im Jahr mit meinen eigenen Kindern zum gemeinsamen Familienurlaub mit meinen Eltern dorthin. Letztes Jahr ist dort im Urlaub die Idee zu „Rachekarte“ entstanden. Davon abgesehen eignet sich die Nordsee mit dem rauen Wind einfach unheimlich gut als Setting für einen Psychothriller.

Was macht einen guten Psychothriller für dich aus?

Für mich stehen in einem Psychothriller die Charaktere und deren Geheimnisse im Vordergrund. Der Leser soll das, was er über die Protagonisten weiß, immer wieder hinterfragen müssen und bis zum Ende nicht erraten können, was wirklich passiert ist. Ich mag es, wenn sich ein Psychothriller um menschliche Abgründe dreht.

Wie sieht deine Schreibroutine aus? Und an was arbeitest du momentan?

Wenn ich eine Idee zu einem neuen Buch habe, muss diese Idee erst mal in Ruhe wachsen. Das dauert. Dass ich für den Plot eines Buches ein Jahr oder länger brauche, ist keine Seltenheit. Ich fange aber auch erst dann zu schreiben an, wenn der Plot von vorne bis hinten steht. Während des Schreibprozesses ändert sich dann noch hier und da eine Kleinigkeit, aber normalerweise nicht mehr allzu viel.

Liest du selbst gerne Thriller? Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Ich lese sehr gerne Thriller, aber am liebsten ohne viel Blut, dafür aber mit einer psychologischen Komponente und Geheimnissen. Ich kann euch Anders von Anita Terpstra empfehlen. Darin geht es um einen verschwundenen Jungen, der nach vielen Jahren nach Hause zurückkehrt. Er scheint jedoch nicht mehr derselbe zu sein und seine Schwester beginnt sich bald zu fragen, ob es sich bei dem heimgekehrten jungen Mann tatsächlich um ihren Bruder handelt ...