Interview Juli Hex im Autoreninterview zu A Slice of your Life

Worum geht es in deinem Buch A Slice of your Life?

Es geht um den Autor Phil, der sich selbst eine eigene Liebesgeschichte wünscht. Seine Leidenschaft für Pizza ist es aber schließlich, die dafür sorgt, dass er auf den sehr subtil flirtenden Pizzaboten, Noah, aufmerksam wird.
Kernthemen sind: Introvertiertheit, (queeres) Online-Dating, aber auch eine große Portion Freundschaft und Frisch-Verliebtsein. Ach ja, ich darf Pizza nicht vergessen.

Wie kam dir die Idee zum Roman?

Tatsächlich kommen meine Ideen immer sehr sprunghaft und auf den unterschiedlichsten Wegen zu mir, weshalb es in diesem Fall ausgereicht hat, dass ein*e Nachbar*in bei uns im Haus regelmäßig Pizza bestellt hat. Der Duft von frischer Pizza im Hausflur, die Beobachtung, dass es immer wieder derselbe Lieferant war – plötzlich war einfach der Gedanke da, wie sich zwischen Lieferant*in und Kund*in etwas entwickeln könnte. Nur einen Augenblick später spann sich das dann in meinem Kopf zusammen und ich saß schon am PC.

Mit wem aus A Slice of your Life kannst du dich am besten identifizieren?

Der Erzähler Phil und ich haben wohl am meisten miteinander gemeinsam. Wir sind beide Autoren, schreiben Liebesgeschichten, brauchen bei der Arbeit absolute Ruhe und bemerken es einfach nicht, wenn jemand flirtet.

Auf Instagram sprichst du über Themen wie queere Repräsentation, Diversität und mentale Gesundheit. Warum sollten diese Themen deiner Meinung nach auch in der Literatur behandelt werden?

Literatur sollte die Gesellschaft widerspiegeln. Queere Menschen, psychisch kranke Menschen, Menschen jeder Hautfarbe und/oder Herkunft sind Teil der Gesellschaft. Dafür ist der deutsche Buchmarkt aber erschreckend weiß, normschön, cis und hetero. Und wenn wir über psychische Probleme sprechen, werden diese romantisiert. Dabei wollen alle Menschen einfach nur gesehen werden, wahrgenommen werden in ihrem bloßen Sein. Ich hätte mir in meiner Jugend zum Beispiel Buchhelden gewünscht, die queer oder auch depressiv waren, schon allein um das Gefühl zu haben Du bist nicht allein, oder falsch.“ Es sollte kein Tabu mehr sein, über psychische Krankheiten zu sprechen, oder Marginalisierungen abzubilden. Für Betroffene ist es wichtig irgendwo aufgefangen zu werden und Bücher sind ein mächtiger Ort dafür. Gleichzeitig schaffen wir so ein Bewusstsein.
Es sollte nichts Besonderes mehr sein, wenn eine queere Beziehung in einem New Adult Roman thematisiert wird, ein Protagonist neurodivers ist, oder vielleicht einen anderen kulturellen Hintergrund hat, sondern das, was es eigentlich ist: Völlig normal. Deshalb ist es meiner Meinung nach eine der wichtigsten Aufgaben von uns Autor*innen, die Gesellschaft so in unseren Büchern abzubilden, wie sie wirklich ist: vielfältig. So haben wir vielleicht auch die Chance ein paar Vorurteile bei Lesenden abzubauen und damit auch unsere Welt ein bisschen zu verändern.

Wie stehst du zu gendergerechter Sprache?

Das ist für mich sehr wichtig. Sprache schafft Wirklichkeit und wenn wir uns bemühen, dass alle Menschen miteinbezogen werden, verändern wir etwas zum Positiven. Besonders ich als nichtbinäre Person werde oft nicht angesprochen. Deshalb setze ich mich zum Beispiel stark dafür ein, dass wir im Brief/Email-Verkehr auf eine neutrale Anrede wechseln. Also statt „Herr/Frau“ einfach „Hallo/Guten Tag Vorname Nachname“. Das ist nur eine kleine Veränderung, die niemanden einschränkt, aber viel mehr Menschen fühlen sich gesehen. Natürlich wäre auch die alltägliche Nutzung gendergerechter Sprache, mehr neutrale Begriffe oder das Normalisieren vom Fragen nach den Pronomen eines Menschen wichtig, aber das ist dann der nächste Schritt. Nicht immer haben alle Menschen gerade die Kapazitäten sich damit auseinander zu setzen, warum das so wichtig ist, und dafür möchte ich auch Verständnis zeigen. Mir geht es deshalb auch gar nicht darum, dass jeder alles sofort hundertprozentig richtig macht, sondern, dass mehr Menschen offen dafür sind, zuhören und sich einfach bemühen.

Was machst du am liebsten, wenn du nicht liest, schreibst oder auf deinem Account bist?

Schreiben, Social Media und die einzelnen Steps zur Veröffentlichung nehmen sehr viel Zeit und Energie in Anspruch, weshalb ich oft schon froh bin, noch zum Lesen zu kommen. Als Vollzeitautor ist es schwer Feierabend zu machen. Ich würde euch hier wirklich gerne ein richtig cooles Hobby nennen, oder erzählen was für eine sportliche Person ich bin. Die Wahrheit ist aber, dass ich jede freie Minute mit meinen drei Hunden und meinem Partner verbringe, die meine Akkus dann wieder aufladen müssen.

Was liest du selbst am liebsten für Genre?

Hauptsächlich Romance, egal ob New oder Young Adult, aber am liebsten mit queerer Repräsentation. Und auch sehr gerne Science Fiction.

Hast du absolute Leseempfehlungen?

Da gibt es so ein paar Bücher, denen gehört einfach uneingeschränkt mein Herz und die möchte ich am liebsten jeden ins Regal stellen: Loveless (Alice Oseman), Heartbreak Boys (Simon James Green), Royal Blue (Casey McQuiston), Better than a fake boyfriend (Ina Taus) und Fangirl (Rainbow Rowell). Ich weiß, dass sind ein paar mehr, als ihr vielleicht erwartet habt, aber das sind alles Bücher, in denen ich lachen und mich unfassbar wohlfühlen konnte und ich glaube, diese Gefühle kann niemand genug haben.