Interview Freja Amundsen im Interview

Worum geht es in deinem Buch Rosenknospensommer?

In einem Wort: Loslassen! Genauer gesagt: Was man weder akzeptieren noch ändern kann, muss man loslassen, um sein Leben wieder in die Hand nehmen zu können. Wie schwer das ist, erlebt der Leser bei Josephines verzweifelten Versuchen, etwas zu ändern, was sie nicht ändern kann, hautnah mit.

 

Was war deine Inspiration für den Ort? Gibt’s den wunderschönen Landgasthof im wirklichen Leben?  

Bestimmt gibt es so ein Anwesen, jedenfalls ein ähnliches! Ich liebe romantische Orte und romantische Plots, aber beides entspringt in diesem Fall komplett meiner Fantasie. Dennoch ist mir in jedem meiner Romane wichtig, dass all das, was ich schreibe, in der Realität genauso aussehen oder geschehen könnte. Das betrifft im „Rosenknospensommer“ in erster Linie den Rahmen der Handlung: Eine von ihren Lebensumständen zutiefst irritierte Frau ohne großartige finanzielle Mittel nimmt Knall auf Fall eine Auszeit gegen Kost und Logis. Das ist ohne weiteres für jeden realisierbar, der verzweifelt und mutig genug ist, so einen Schritt zu wagen. Ich habe vorab ausführlich zu derartigen faszinierenden Gelegenheiten recherchiert.

 

Warum ist es Ihnen wichtig, dass Ihre Geschichten realitätsnah sind?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben voller faszinierender Möglichkeiten steckt, wenn man das Kunststück fertig bringt, sich aus seiner Komfortzone herauszuwagen. Dazu muss man den reichen Märchenprinzen, der plötzlich mit dem Wahnsinns-Jobangebot unter dem Arm vor der Haustür steht, nicht unbedingt bemühen.

 

Zwischen dem Leben in einer großen Stadt und auf dem Land – was würdest du wählen und warum?

Eine Stadt hat unzweifelhaft ihre Reize. Ich weiß das, weil ich viele Jahre gerne in einer Stadt gelebt habe – wenn auch nur in einer mittelgroßen. Überall mit dem Rad hinzukommen und viel unternehmen zu können, hat mich fasziniert. Aber alles hat seine Zeit, und jetzt bevorzuge ich das Landleben. Dabei kann es mir gar nicht ländlich genug sein! Wenn ich groß bin, kaufe ich mir ein verwunschenes altes Gut an einem wirklich abgelegenen Ort;-)

Übrigens hat es mich – lange, nachdem ich das Manuskript fertig gestellt hatte – ebenfalls auf einen umgebauten Bauernhof mit mehreren Wohnungen und einem Hofcafé verschlagen, auf dem ich jetzt lebe. Der Landgasthof aus meinem Roman sieht aber natürlich ganz anders aus.

 

Du hast als Marketingexpertin und Vorstandsreferentin gearbeitet. Wie hat es dir geholfen das Arbeitsleben für deine Protagonistin Josephine so realistisch zu gestalten? 

Genau so – durch eigene Anschauung. Ich hatte einen großartigen Marketing-Chef – der hier allerdings nicht vorkommt – kenne aber auch anderes zur Genüge. Beim Schreiben fiel es mir manchmal schwer, nicht aus dem Nähkästchen zu plaudern, sondern Ereignisse zu erfinden. Die realen Geschehnisse sind zwar oft noch viel skurriler, aber ich fände es nicht okay sie auszuplaudern. Außerdem bräuchte man dann im Zweifelsfall einen guten Anwalt:-)

 

Wie sieht dein idealer Schreibort aus? Und: Gibt’s eine Tasse Tee oder Kaffee dazu?

Der ideale Schreibort ist ruhig, er verfügt über eine schöne Aussicht und der Kühlschrank ist nicht weit.

Zum Thema Kaffee oder Tee: Beides.

 

Welcher Teil des Romans hat dir am meisten Spaß beim Schreiben gemacht?

Definitiv die Telefonate von Josephine mit ihrer Schwester Friederike. Die Schwester ist so etwas wie der Antagonist zur Protagonistin. Sie ist das komplette Gegenteil der disziplinierten, zielorientierten, rationalen Josephine, nämlich unkonventionell und vollkommen tiefenentspannt, und das in jeder Hinsicht. Friederike zeigt, dass man seine Umwelt auch komplett anders wahrnehmen kann, als Josephine es tut. Nicht besser oder schlechter – nur anders. In den Dialogen der beiden treffen dementsprechend zwei Welten aufeinander, was nicht nur viel Humor in die Geschichte bringt, sondern auch viele Denkanstöße, denen man folgen kann, aber nicht muss.

 

Welche anderen Romane kannst du empfehlen? Da du freie Redakteurin und Schriftstellerin bist, hast du bestimmt gute Tipps für uns!

Es gibt so viele großartige Romane – es fällt mir schwer, jetzt einen zu nennen und all die anderen wunderbaren Werke unter den Tisch fallen zu lassen. Ich möchte lieber als Tipp mit auf den Weg geben: Wenn man offen ist für Neues und sich inspirieren lassen kann, dann muss man den richtigen Roman zum richtigen Zeitpunkt nicht suchen. Er kommt von selbst! Ist das nicht der großartigste Moment überhaupt, wenn man plötzlich die Antwort auf eine lang bewegte Frage in den Händen hält?