Interview Ines Vitouladitis im Autoreninterview zu Liebe in Sicht

Worum geht es in deinem Buch Liebe in Sicht?

Liebe in Sicht ist eine unterhaltsame Geschichte zum Wohlfühlen, die aber auch Tiefgang besitzt. Nami nimmt das Erbe ihrer Tante als Anlass für ein neues Leben. Mit Sohn Codey und Teenagerbruder Nolan, für den sie das Sorgerecht hat, bricht sie nach Rose Village auf, dem träumerischen, abgelegenen Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Doch ihr direkter Nachbar ist ausgerechnet Jack Montgomery – Namis ehemaliger Erzfeind und zu Jugendzeiten Albtraum des ganzen Dorfes. Es fällt ihr schwer zu glauben, dass aus dem unangenehmen Teenager ein derart attraktiver, hilfsbereiter und sympathischer Mann geworden ist. Nur allmählich beginnt Nami, sich in Rose Village dank der tollen Bewohner zu entspannen. Doch die Vergangenheit droht, sie einzuholen.

Was war deine Inspirationsquelle bei dieser Geschichte?

Die Story entstand, wie auch schon Mitbewohner küsst man nicht, durch einen Traum. Ich habe mir die Grundidee notiert und direkt angefangen, daran zu feilen. Enemies To Lovers schreibe ich sowieso gerne.

Du hast bereits als Jugendliche Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben. Gibt es vielleicht ein Gedicht, das du mit deinen Leser:innen hier teilen möchtest?

In meiner Jugendzeit und auch noch als junge Erwachsene habe ich Unmengen an Gedichten verfasst und damit ganze Notizbücher gefüllt. Gedichte haben mir geholfen, Alltagsärger, Streit und auch Liebeskummer zu verarbeiten. Gerne teile ich eines mit euch. Es heißt Du mit allen Sinnen.

Ich fühl mich blind und kann nicht sehen,
Im Wind hör‘ ich die Farben wehen.
Ich fühl‘ mich taub und kann nicht hören,
Seh‘ Melodien mit Tanz betören.
Ich fühl‘ mich stumm und kann nichts sagen,
Stelle schweigend meine Fragen.

Du bist ein Foto, bist ein Abbild,
Bist ein Gemälde und ein Wegschild,
Selbst ohne Augen seh‘ ich dich,
Seh‘ deine Hand und dein Gesicht.
Du bist die Stille, bist ein Flüstern,
Bist ein Raunen und ein Wispern.
Selbst ohne Ohren hör‘ ich dich,
Hör‘ dein Lied und dein Gedicht.
Du bist mein Echo, mein Gewissen,
Bist meine Stimme und mein Wissen.
Selbst ohne Wort erreich‘ ich dich,
Selbst ohne Sprache hörst du mich.

Ich bin nicht blind, oh, ich kann sehen!
Ich seh‘ dank dir die Farben wehen.
Ich bin nicht taub, oh, ich kann hören!
Hör‘ Melodien, die uns betören.
Ich bin nicht stumm, kann alles sagen
Und kann dank dir nach Liebe fragen.

Das ist eines der positiveren Sorte, es gibt aber auch viele mit eher traurigem Text. Man kann ruhig sagen, dass ich damals ein wenig melodramatisch unterwegs war. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht mal mehr genau, von wem dieses Gedicht handelt.
Einige meiner Gedichte habe ich damals auch veröffentlicht. Ich war Teil einer ganz tollen Jungautorengruppe. Wir nannten uns Die Stifthelden, hatten ein Forum und haben uns auch mal alle auf der Frankfurter Büchermesse getroffen, das war großartig. Neben einer Lyrik-Anthologie haben wir damals auch eine Prosa-Anthologie veröffentlicht. Leider hat sich das alles etwas verlaufen, als wir erwachsen wurden, und die Stifthelden haben sich aufgelöst.
Ich habe ewig keine Gedichte und auch keine Kurzgeschichten mehr geschrieben, inzwischen entwickelt sich irgendwie immer direkt ein Roman, wenn ich anfange, zu schreiben.

Wie und wo schreibst du am liebsten?

Im Frühling und Sommer schreibe ich gerne auf der Terasse, die spielenden Kinder im Hintergrund und ein Glas Eiskaffee vor mir. (Wer Kinder hat, weiß, dass das ein seltener Zustand ist. Meistens ruft man nach jedem geschriebenen Satz einmal „NEIN, WIR TRETEN UNS NICHT!“ „IST MIR EGAL, WER ANGEFANGEN HAT!“ u.s.w.) Ansonsten schreibe ich viel und oft im Bett, aber nehme mein Notizbuch auch immer mit, sodass ich unterwegs schreiben kann.

Du hast bereits in unterschiedlichen Genres geschrieben. Gibt es eines, das dir besonders gut gefällt?

Ich schreibe sowohl Romantasy als auch Romance/New Adult sehr gerne. Sie fesseln mich auf unterschiedliche Weisen, bei Romantasy gefällt mir die Möglichkeit, völlig surreale Situationen „erleben“ zu dürfen. Bei Romance/New Adult mag ich gerade das Realitätsnahe - und baue auch gerne eine Prise Humor ein. Mal sehen, was ich noch ausprobiere. Dark Romance reizt mich auch irgendwie.

Was macht Nami und Jack für dich besonders?

Für beide ist Rose Village ein Zufluchtsort. Ein Zuhause. Ein Anfang. Sie tragen ihre Bürden mit sich herum, geben aber alles, um für andere da zu sein. Jack kümmert sich hingebungsvoll um seinen alten Hund Duke und bietet sowohl Nami als auch den anderen Dorfbewohnern regelmäßig seine Hilfe an, während Nami, die selbst Halt gebrauchen könnte, alles tut, um für Nolan und Codey stark zu sein. Ich finde, sie sind beide sehr starke Charaktere mit Narben, die sie zu denen gemacht haben, die sie nun sind.

Wie würdest du die beiden in drei Worten beschreiben?

Jack: Fußballtrainer. Handwerker. Hundefreund.
Nami: Kleider-Fan. Aufopfernd. Vorsichtig.

 

Gibt es bereits Pläne für die Zukunft?

Nach Liebe in Sicht darf ich im Oktober auch Marry me, Santa im dp-Verlag veröffentlichen, worauf ich mich schon sehr freue, da diese Geschichte auch als Hörbuch vertont wird. Ich habe noch einige Manuskripte angefangen, die ich bald weiterführen und mit viel Glück natürlich gerne veröffentlichen möchte.
Außerdem erwarte ich mein viertes Kind, das Anfang Oktober zur Welt kommen wird. In den ersten Wochen der Schwangerschaft ging es mir nicht sehr gut und ich war ständig müde, sodass das Schreiben etwas vernachlässigt wurde – ich habe lieber in jeder freien Minute geschlafen. Aber langsam geht es mir besser und die Lust auf das Schreiben kehrt mitsamt neuer Ideen und frischer Energie zurück. Mal sehen, wie viele Werke ich vor der Geburt noch vollenden kann.

Hast du eine Leseempfehlung für uns?

Mein Lieblingsbuch ist definitiv Lucy in the sky von Paige Toon. Ein wunderbares Wohlfühl-Buch!