Interview Dianne Freeman im Autoreninterview zu Tod in feiner Gesellschaft

Worum geht es in deinem Buch Tod in feiner Gesellschaft?

Tod in feiner Gesellschaft ist ein unbeschwerter Krimi, der im aristokratischen viktorianischen London spielt.

Du hast London als Schauplatz gewählt. Welchen Bezug hast du zu England?

Die Cosy-Crime-Reihe entstand durch eine Faszination für die transatlantischen Ehen zwischen amerikanischen Erbinnen und europäischen Aristokraten – zumeist Briten. Es war ein Phänomen, das im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auftrat. Die Töchter amerikanischer Raubritter wurden in ihrem eigenen Land in der Oberschicht nicht akzeptiert, und die Adligen in Europa, vor allem in England, brauchten eine Finanzspritze.

Viktorianische Frauen werden oft als fügsam und unterwürfig dargestellt, dabei gingen diese Frauen ein großes Risiko ein – sie verließen ihre Familien, zogen in einen anderen Kontinent, übergaben ihr Vermögen an einen Ehemann und stürzten sich blindlings in ein neues Leben. Sie nahmen ihre Zukunft in ihre eigenen, sehr fähigen Hände. Sie waren intelligent und mutig und waren die Vorbilder für meine Figur Frances. Sobald ich meine Protagonistin hatte, kamen die Ära und das Setting von ganz allein.

Was gefällt dir am meisten an der viktorianischen Ära? Könntest du dir vorstellen, selbst in dieser Zeit zu leben?

Meine Romane spielen im Jahr 1899, fast am Ende der viktorianischen Ära. Wenn ich ein Wort für diese Ära wählen müsste, wäre es „Veränderung“. Die industrielle Revolution war in ihrer Blütezeit. Es gab so viele Fortschritte in der Medizin, der Technik und der Kunst, dass sich das auf die Gesellschaft auswirkte. Der Landadel, zu dem viele meiner Figuren gehörten, musste der aufstrebenden Mittelschicht Platz machen, die ihr Leben selbst in die Hand nahm. Es war eine faszinierende Zeit, um am Leben zu sein. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in dieser Zeit zu leben.

Kannst du deine Protagonistin Frances Wynn in drei Worten beschreiben?

Witzig, echt, unverwüstlich.

Wie kamst du auf die Idee, die Londoner Oberschicht mit einem Krimi zu verbinden?

An diesem Punkt der Geschichte sendete die königliche Familie gemischte Signale. Seit Victoria den Thron bestiegen hatte, vertrat die Monarchie familiäre Werte und moralisches Verhalten. Königin Victoria regierte noch im Jahr 1899, in dem meine Cosy-Crime-Reihe spielt. Aber in den Jahrzehnten nach dem Tod von Prinz Albert stürzte sie sich in Trauer und mied die Gesellschaft. Ihre Abwesenheit änderte nichts an ihrer Erwartung, dass die Aristokratie ein Beispiel für moralische Rechtschaffenheit geben würde.

Während die Königin die Gesellschaft mied, liebte ihr Sohn und Erbe, der Playboy-Prinz, sie und die Gesellschaft liebte ihn zurück. Er war der königliche Spaßvogel. Die Königin erlaubte ihm wenig oder gar keine Verantwortung in Angelegenheiten des Reiches, und da er nichts Wichtigeres zu tun hatte, vergnügte sich der Prinz. Viele Aristokraten schlossen sich ihm in diesem Bestreben an. Sie verspielten Vermögen, behandelten ihre Diener wie Eigentum, betrogen ihre Ehepartner, tranken bis zum Exzess, nahmen Drogen, und wenn ihnen die Mittel ausgingen, hörten sie einfach auf, für Dinge zu bezahlen.

Natürlich war die Königin immer noch die Königin, und die Gesellschaft hatte immer noch all diese strengen Regeln, und Aristokraten sollten hohe Ideale verkörpern. Niemand wollte seinen Status verlieren oder seinen Ruf beschmutzen, also gab man sich große Mühe, auch nur die kleinste Andeutung von Fehlverhalten zu verbergen.

Welcher Ort eignet sich besser für einen Krimi als eine Gesellschaft, in der jeder etwas zu verbergen hat?

Liest du selbst gerne viktorianische Romane? Welche würdest du uns empfehlen?

Ich liebe historische Romane und das Viktorianische Zeitalter ist eine meiner Lieblingsepochen. Die Veronica-Speedwell- und Lady-Julia-Reihen von Deanna Raybourn sind wunderbar, ebenso wie die Lady-Darby-Reihe von Anna Lee Huber. Ich mag auch die Gilded-Newport-Reihe von Alyssa Maxwell und die Gilded-Age-Reihe von Rosemary Simpson. Sie spielen in der gleichen Zeit, aber in den USA, so dass sie als Gilded Age und nicht als viktorianisches Zeitalter gelten.

Woher holst du dir deine Inspirationen?

Inspiration kann von überall her kommen - Menschen, die ich treffe, eine Geschichte, die ich gehört habe. Ich verbringe jeden Tag ein wenig Zeit damit, Zeitungen aus dem Jahr 1899 zu lesen. Als ich über den Großfürsten Michael Mikhailovich Romanov las, der die britische Königsfamilie besuchte, behielt ich mir das im Hinterkopf, um später darüber zu schreiben. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Geschichte darüber entwickelte.

Wie sieht dein Arbeitsalltag als Autorin aus? Kannst du uns etwas über deine Schreibroutine erzählen?

Ich recherchiere und plotte viel, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben anfange. Dann schreibe ich Entwürfe. Der erste Entwurf besteht nur aus Handlung und Erzählung und ist normalerweise sehr kurz. Im zweiten Entwurf verwandle ich einen Großteil der Erzählung in Szenen und stelle sicher, dass die Charaktere definiert sind. Im dritten Entwurf füge ich das Setting, den Hintergrund und alles andere ein, was noch fehlt. Der vierte Entwurf ist für den Feinschliff. Es gibt auch Entwürfe, die ich aufgrund des Feedbacks von Beta-Lesern überarbeite. Wenn ich fertig bin, habe ich das Buch mindestens fünfmal von vorne bis hinten durchgelesen.