Interview Sprecherin Cornelia Waibel im Interview

Du gibst dem Thriller Knochenkalt von Cecily von Hundt deine Stimme. Was hat dir am besten an der Geschichte gefallen?

Am besten gefallen hat mir, dass alle Charaktere so vielschichtig waren.
Echte Menschen eben, mit einer ganz eigenen Geschichte.
So habe ich beim lesen die Möglichkeit hinter die Fassade zu schauen und die Einzelschicksale besser nachzuvollziehen.
Außerdem war die Geschichte unglaublich spannend und manchmal sogar ein bisschen gruselig...

Die Protagonistin Penny leidet unter einer bipolaren Störung – war es schwierig, das beim Lesen rüberzubringen? Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Pennys bipolare Störung fand ich besonders spannend.
Ich interessiere mich generell sehr für Psychologie und unterhalte mich viel mit meiner Freundin Anja, die Psychologin ist.
Mit ihr habe ich mich auch über dieses Krankheitsbild ausgetauscht.
Die rauschhaften Höhen und die depressiven Tiefen.
Da Cecily von Hundt diese aber so detailgetreu und nachvollziehbar beschrieben hat, konnte ich mich da beim Lesen einfach komplett reinfallen und mich von der Sprache treiben lassen.

Welcher Charakter hat am meisten Spaß gemacht zu sprechen?

Ich mochte alle Charaktere sehr gern und versuche jedem gerecht zu werden. Besonderen Spaß machen mir als Schauspielerin aber die Charaktere, bei denen ich ordentlich auf die Tube drücken und chargieren darf. Das war in diesem Buch zum Beispiel bei Frau Meis, der älteren Berliner Dame, so. Da ich selbst in Berlin lebe, kenne ich die Berliner Schnauze sehr gut und hab mich gefreut, sie hier nach bestem Wissen widerzugeben. 

Gibt es eine Szene in dem Hörbuch, die dir besonders im Kopf geblieben ist?

Besonders gut gefallen hat mir Pennys Date mit dem netten Polizisten bei dem ihr ihre bipolare Störung einen Strich durch die Rechnung macht.
Und die unerwartete Wendung am Endes des Buchs...

Wie sieht dein Job als Sprecherin aus?

Jeder Tag ist anders. Ich arbeite in vielen Sparten der Sprecherbranche, also Synchron, Werbung, Hörspiel, Hörbuch etc.
Dadurch habe ich jeden Tag unterschiedliche Projekte in verschiedenen Studios und teilweise auch in anderen Städten.
Mein Agent Maurice von „Word Up Management“ ist der Boss meines Terminkalenders und hilft mir, den Überblick und Ruhe zu bewahren...

Wann war für dich eigentlich klar, dass du Sprecherin werden wolltest?

Das war ein eher schleichender Prozess. Ich habe Gesang, Tanz, Schauspiel studiert und hatte im Rahmen des Schauspielunterrichts auch das Fach Sprecherziehung.
Unterrichtet wurde ich von einer wirklich tollen Dozentin, die selbst Sprecherin war und die mich ermutigte diese Richtung auch einzuschlagen.
Zuerst hat es mich aber hauptberuflich auf die Bühne gezogen und das Sprechen lief eher nebenbei. Nach 10 Jahren im Rampenlicht hatte ich aber genug vom Bühnenleben und habe mich voll aufs Sprechen konzentriert. So bin ich jetzt seit 2015 hauptberuflich Sprecherin und fühle mich hinter dem Mikrofon sehr wohl!

Was magst du besonders an deinem Job?

Ich mag an meinem Job besonders gerne, dass ich ständig vor neue Aufgaben gestellt werde. Häufig erfahre ich erst im Studio beim Termin um was es geht. Also welcher Text, welcher Charakter usw.
Das ist total spannend und aufregend.
Beim Hörbuch bekomme ich aber glücklicherweise die Bücher vorher und kann mich auf das Einlesen vorbereiten.
Das wäre selbst mir sonst ein bisschen zu aufregend.

Welche Charaktere und Genres liest du am liebsten?

Ich mag sehr gerne starke, facettenreiche Charaktere.
Frauen mit Ecken und Kanten.
Wahrscheinlich, weil ich mich damit am besten identifizieren kann.
Beim Genre habe ich keine Präferenz.
Ich mag gute Bücher - beim Lesen und beim Vorlesen.

Gibt es einen bestimmten Roman, den du am liebsten einmal einsprechen würdest?

Ich bin ganz großer Bukowski Fan! Ich fände es ein tolles Experiment als Frau ein Buch vom ihm einzulesen. Ob und wie das wohl funktionieren würde?
Aber auch ein Buch von Sibylle Berg würde ich sehr gerne vertonen.
Ich finde ihre Sprache, ihren Stil unglaublich.

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Es sind zwei Bücher. Das erste ist Spieltrieb von Juli Zeh und das zweite ist ein Geschenk von meiner Freundin Nicole: ein selbstgemachter Bildband unserer Costa Rica Reise Anfang 2020. Wir sind zwei Wochen lang mit dem Rucksack durchs Land gereist. Ein wunderschönes Geschenk zu meinem Geburtstag. Immer wenn ich reinschaue packt mich das große Fernweh.
Ich hoffe so sehr, dass wir uns bald alle wieder unbeschwert begegnen und viele Abenteuer erleben können.
Bis es soweit ist, lese ich weiter viele Bücher und erlebe die Abenteuer in meiner Fantasie.