Interview Claudia Romes im Interview

Worum geht es in deinem Buch Das Erbe von Pollard Creek?

 Im Grunde geht es um das, was wirklich wichtig ist im Leben. Darum, Zeit mit jenen zu verbringen, die es wert sind. Zu tun, was uns glücklich macht, an dem Ort, den wir unser Zuhause nennen. Außerdem geht es auch darum, hinter die Fassaden der Menschen zu blicken. Jeder hat dann und wann mit Problemen zu kämpfen, ist unzufrieden oder frustriert. Viel zu schnell verschließen wir uns vor der Tatsache, dass es auch andere schwer haben. Es ist längst nicht alles so, wie es scheint.

Wie bist du auf die Idee zu der Geschichte gekommen?

Meine erste große Liebe hat ebenfalls in einem anderen Land gelebt. Wir haben uns regelmäßig geschrieben. Briefe können tröstend sein, aber sie helfen eben nur teilweise über die Sehnsucht hinweg. Damals hatte ich dieselben Ängste und Zweifel auszustehen wie Ellie. Noch heute frage ich mich manchmal, wie mein Leben ausgesehen hätte, wäre ich ausgewandert. Hätte es wohl funktioniert? Das werde ich nie wissen. Ellie und Sean haben sozusagen das Ende bekommen, das vielleicht auch für mich möglich gewesen wäre.

Wie würdest du die Protagonistin Ellie beschreiben?

Sie ist herzensgut und offen, dabei aber auch voller Selbstzweifel, aufgrund ihrer schwierigen Kindheit. Zu Kanada hat sie eine besondere Beziehung. Dort fühlt sie sich wohl und kann der Mensch sein, der sie ist.

Hast du reale Vorlagen für deine Charaktere oder entspringt alles ausnahmslos deiner Fantasie?

Beides. In Ellie steckt zum Beispiel ein großer Teil von mir selbst. Sean ist in etwa die kanadische Version von James McAvoy ???? Das ist natürlich nicht immer so – obwohl es einfacher ist, wenn man eine optische Orientierung hat. Oft träume ich von besonderen Charakteren. Manchmal finden aber auch Personen in meine Bücher, denen ich nur kurz auf der Straße begegnet bin, mit denen ich nicht mehr als ein paar Worte gewechselt habe. Entscheidend ist, dass die Begegnung etwas in mir hinterlässt.

In deinem Buch spielen Liebesbriefe ja eine wichtige Rolle. Schreibst du selbst noch Briefe von Hand?

Leider viel zu selten. Früher aber regelmäßig, quasi ununterbrochen. Meine Freunde und ich hatten ganze Briefmappen. Wir haben jeden einzelnen, noch so kurzen Brief darin aufbewahrt. Sie alle waren besonders und persönlich. Etwas, das eine WhatsApp-Nachricht niemals sein kann. Ich finde es sehr schade, dass die gute alte Briefkultur inzwischen überflüssig geworden ist. Heutzutage kennt kaum noch jemand die freudige Erwartung, die man hat, wenn man einen handgeschriebenen Brief erhält. Es ist ein bisschen so, als hätte ich diesen Trend vorausgeahnt, denn ich habe mich in all den Jahren nicht von meiner Briefsammlung getrennt. Sie steckt voller schöner Erinnerungen, Geheimnisse, die meine Freunde einst mit mir geteilt haben. Als ich zwölf war, hatte ich sogar einen englischen Brieffreund. Ich weiß noch, dass ich es damals unglaublich spannend fand, Post aus England zu bekommen.

Verrätst du uns, ob du selbst schon mal einen Liebesbrief bekommen hast?

Oh ja. In meiner Jugend habe ich den einen oder anderen Liebesbrief bekommen. Ein paar davon bewahre ich in einer kleinen Schachtel auf, die ich wie einen Schatz hüte.

Wieso spielt die Geschichte in Kanada? Hast du eine Verbindung zu diesem Land?

Der Bruder meines Schwagers lebt seit vielen Jahren auf seiner eigenen Ranch in Kanada. Die Fotos der schneebedeckten Wälder und zugefrorenen Seen, sowie seine Berichte von riesigen, gefährlichen Grizzlybären faszinierten mich vom ersten Augenblick an.

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Schreibst du lieber alleine oder gehst du dafür unter Menschen?

Das ist ganz unterschiedlich und richtet sich nach meiner Stimmung. Meistens schreibe ich aber allein in meinem kleinen Schreibzimmer oder früh morgens am Esstisch, wenn die Kinder in der Schule sind.

Was macht für dich eine gute Liebesgeschichte aus?

Man sollte sich in ihr wiederfinden können.

Was liest du selbst am liebsten?

Historische Romane z.B. von Philippa Gregory. Liebesromane und Jugendbücher.

Hast du noch eine Buchempfehlung für uns?

Unter meinen Lesehighlights dieses Jahr waren Die vergangenen Tage auf Leden Hall von Susann Anders und Des Teufels Kopfgeldjäger von Sandra Binder.