Interview Christian Hardinghaus im Autoreninterview zu Der Killer

Worum geht es in deinem Buch Der Killer?

Um einen ziemlich durchgeknallten Killer Konrad, der sich an den Menschen rächen will, von denen er meint, dass sie durch Pfuscherei verantwortlich für den Tod seiner Tochter sind. Er hasst Dilettanten und Stümper. Da der Killer natürlich den Verdacht von sich weglenken will, versucht er seine Morde so aussehen zu lassen, als sei ein brutaler Serienmörder unterwegs. Aber nicht einfach so. Als Perfektionist will Konrad unbedingt ein angesehener Serienmörder sein, einer, der nie gefasst wird, einer, der vom Volk verstanden wird, der nur die tötet, die es verdient haben. Allein aufgrund der Brutalität und scheinbarer Unsinnigkeit seiner Morde klappt das natürlich nicht so wie er sich das vorstellt.

Wie würdest du Kommissar Echtner in wenigen Worten beschreiben?

Kommissar Echtner ist der Ermittler, der den Killer Konrad unbedingt zur Strecke bringen will. Dabei hat er keine edlen Motive, sondern strebt seine Rehabilitation an. Nach der Trennung von seiner Frau macht er eine schwierige Phase durch und überwirft sich beruflich. Er wird von der Mordkommission in den Innendienst versetzt, wo er unbedingt wieder raus will. Doch Depressionen lähmen ihn, bis er die Droge Chrystal Meth entdeckt. Dann bekommt er plötzlich eine zweite Chance und macht seine Sache wirklich gut. Natürlich dürfen die Kollegen nicht ahnen, dass er Drogen nimmt, und auch er selbst will weg davon. Aber zuerst muss er den größten Serienmörder der Stadt fangen, um es allen zu beweisen. Und das meint er, nur noch unter Drogen schaffen zu können. Ein Teufelskreis.


Was hat dich inspiriert, Der Killer zu schreiben?

Neben meiner Tätigkeit als Historiker und Sachbuchautor brauche ich den Ausgleich des literarischen Schreibens. Dafür gut geeignet sind Thriller, in denen die Fantasie mal komplett übernehmen kann. Außerdem liebe ich schon immer verrückte Geschichten. Es kommt mir nicht auf die Brutalität einer Geschichte an, sondern auf das Besondere, Einzigartige. Ich liebe Suspense und irre Wendungen in einer Geschichte, mit denen man nicht rechnet. Mit diesen Dingen kann ich literarisch auch sehr gut selbst spielen. Nichts ist so langweilig wie eine Story, die man schon glaubt zu kennen.


Wie hast du für dein Buch Der Killer recherchiert und wie lange hast du daran geschrieben?

Da der Thriller in meiner Heimatstadt Osnabrück spielt, kenne ich alle Orte, die in der Geschichte vorkommen gut, und habe sie während des Schreibens auch immer wieder aufgesucht, um mich ganz in die handelnden Charaktere hineinversetzen zu können. In allen Genres kommt es meines Erachtens auf Authentizität an. Die Figuren können ruhig verrückt handeln, der Leser muss ihnen aber alles, was sie tun, abnehmen. Um das zu garantieren, recherchiert ein guter Autor den Kontext um die Geschichte herum. Was seine Figuren auch anschaut, benutzen oder fühlen, alles muss glaubwürdig sein. Schreiben bedeutet immer viel Recherche, egal, in welchem Genre. Ich habe jedenfalls länger über die Story nachgedacht und daran recherchiert als letztendlich daran geschrieben.

Der Killer ist ein Thriller, du hast aber auch schon historische Romane oder Sachbücher veröffentlicht. Was gefällt dir am Thriller Genre und gibt es ein Genre, an welches du dich gar nicht traust?

Auch für meine Sachbücher und Romane gilt, dass ich nach Außergewöhnlichem suche. Es stehen immer Menschen mit extremen Erfahrungen im Mittelpunkt. Diese können in jedem Genre angesiedelt sein. Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg bieten sich für mich aber besonders an. Nicht nur, weil ich mich da als Historiker besonders gut auskenne. Die Menschen damals haben einfach die unglaublichsten Geschichten erlebt und es sind lange noch nicht alle erzählt. Ich arbeite besonders gerne mit Zeitzeugen, die allerdings zum Thema Zweiter Weltkrieg natürlich immer weniger werden. Leider. Ich denke, ich würde in jedem Genre und in jeder Zeit meine Geschichten spielen lassen können: Ob Liebe oder Wut, in der Vergangenheit erzählt oder in der Zukunft, das entscheidende ist die Story. Ich denke, mit allem Seichten würde ich mich schwer tun. Eine Drehbuchfolge fürs Traumschiff würde ich wohl eher nicht schreiben, dann lieber damit fahren.


Welche Geschichte / welcher Charakter verfolgt dich schon seit Jahren? Hast du die Geschichte jemals aufgeschrieben?

An Paranoia leide ich zum Glück nicht. Verfolgt fühle ich mich auch nicht. Ich bin sicher, die richtigen Geschichten und Charaktere werden mich auch in Zukunft finden und so lange kitzeln, bis ich sie aufschreibe.


Arbeitest du gerade an neuen Projekten, wenn ja, welche?

Wie meistens an mehreren. Gerade schließe ich ein erzählendes Sachbuch über die wahre Geschichte eines ehemaligen Königsberger Wolfskindes ab. So nannte man etwa 20.000 Waisenkinder, deren Eltern meist im Krieg gestorben waren und die ab 1945 alleine in Ostpreußen umherirrten. Sie wurden von der Sowjetarmee nicht versorgt, und um nicht zu verhungern, haben sie sich nach Litauen geflüchtet und dort teilweise über Jahre wie Wölfe in den Wäldern gelebt.


Wer sind deine Vorbilder?

Ich betrachte vielen Personen der Vergangenheit und Gegenwart mit Respekt und Hochachtung. Ein einzelnes Vorbild würde ich mir nicht nehmen. Das kann es meines Erachtens auch nicht geben, denn es gibt niemanden, von dem ich sagen könnte, dass ich ihm in Gänze nacheifere. Dazu bin ich zu vielseitig interessiert. Ich strebe auch nach dem Individuellen und möchte niemand sein, den es schon gibt.


Welche Bücher liest du selbst gerne? Hast du ein Lieblingsbuch?

Ich lese unglaublich viele Fachbücher, eben zu Recherchezwecken. Die sind mal gut geschrieben, mal weniger. Aber das ist Arbeit. Leider bleibt mir wenig Zeit in der Freizeit, selbst noch Romane oder Thriller zu lesen. Bislang sind es, denke ich, immer noch die Bücher meiner Jugend, die mich am meisten beeinflusst haben. Ich würde sagen: Die unendliche Geschichte von Michael Ende, Herr der Fliegen von William Golding, Der Strand von Alex Garland.