Interview Sajni Patel im Interview zu ihrem Liebesroman

Worum geht es in deinem Buch Alles, was ich an dir liebe?

Alles, was ich an dir liebe ist die Geschichte einer kämpferischen indisch-amerikanischen Frau namens Liya, die Vorbehalte gegen Männer hegt und von ihren Eltern zu einem Abendessen mit Jay gelockt wird. Liya flieht und rennt Jay dabei buchstäblich über den Haufen. Die beiden prallen daraufhin mehrmals heftig aneinander, besonders als sich herausstellt, dass Jay der neue Anwalt in Liyas Firma ist. Beide haben tragische Erfahrungen gemacht, die ihr Handeln nun beeinflussen, doch sie stellen bald fest, dass sie den jeweils anderen nicht lange hassen können. In diesem Buch geht es darum, langsam Mauern einzureißen, um Freundschaft, Familie, Gemeinschaft, Heilung und darum, sich selbst und andere lieben zu lernen.

Zu Beginn der Geschichte wollen Liyas Eltern sie verkuppeln. Ist dir das jemals passiert? Wie hast du reagiert?

Meine Eltern haben nie versucht mich zu verkuppeln. Ich war eine ziemlich rebellische Tochter. (Kein „ordentlicher Inder“ hätte mich gewollt, haha!)


Was hat dich zu dem Roman inspiriert?

Liya hat mich inspiriert. Sie war eine Nebenrolle in einer anderen Geschichte, hatte aber diese starke Stimme und diese Geschichte, die erzählt werden wollte. Liya ist alles, was ich mir gewünscht hätte zu sein: eigensinnig, stark, klug, und sie sagt, was sie denkt. Ich habe sie mir ihre Geschichte erzählen lassen und so viel davon stammte aus meinen persönlichen Erlebnissen. Die zentrale Nachricht, die ich vermitteln wollte, war, dass es keine Rolle spielt, wie eine Frau sich verhält oder ob sie die Erwartungen einer Gemeinschaft oder ihrer Familie nicht erfüllt – das sollte sie nicht abwerten. Sie kann trotzdem ein guter Mensch sein und Respekt verdienen. Aus Klatsch und unbegründeten Urteilen von Menschen, die einen beschützen sollten, entsteht so viel Schmerz und Elend, das verheerende Konsequenzen haben kann. Wir Menschen sollten anderen gegenüber nicht so kritisch sein. Wir sollten leben und lieben.


Liya hat in ihrer Vergangenheit Schlimmes erlebt. Was würdest du jungen Menschen raten, die dieselben Erfahrungen gemacht haben?

Viele Leserinnen haben mir erzählt, dass Alles, was ich an dir liebe sie auf einer sehr starken, persönlichen Ebene angesprochen hat, weil sie sich selbst so sehr in Liya wiedererkannt hatten. Wie viele Mädchen wurde Liya in einem jungen Alter von jemandem sexualisiert und vergewaltigt, der daraufhin die Wahrheit verdreht hat, um ihr die Schuld zuzuschieben. Es ist eine entmutigende Wahrheit, die die Gesellschaft noch bereinigen muss. Den Mädchen wird gesagt, dass sie nur so gut sind wie ihre sexuelle Reinheit. Man sagt ihnen, dass sie sich selbst in Situationen gebracht haben, die von anderen ausgenutzt werden, und dass sie deshalb mit den Konsequenzen leben müssen. Den Mädchen wird beigebracht, dass sie sich für etwas schämen müssen, das jenseits ihrer Kontrolle liegt, und dass es Schande über sie und ihre Familien bringt, wenn sie in der Öffentlichkeit darüber sprechen. Denkt das nicht. Glaubt das nicht. Verbreitet das nicht.
Väter sollten ihre Töchter beschützen. Mütter sollten sie unterstützten. Schwestern und Freunde und Gemeinschaften sollten zusammenhalten und Opfern helfen zu heilen und zu wachsen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Ich hoffe, dass Opfer – männlich oder weiblich – die Stärke finden, über ihre Misshandlung zu reden. NEIN zu sagen und mental, emotional und vielleicht auch körperlich zu kämpfen. Ich hoffe, dass ihnen klar wird, dass sie nicht verdienen, was ihnen angetan wurde, und auch nicht die schlechte Behandlung durch andere. Sie sollen wissen, dass sie nicht beschädigt oder nutzlos sind oder Schande über andere bringen. Sie sollen ihre Köpfe hoch tragen und wissen, dass sie nach vorn schauen können. Ihnen soll klar sein, dass so viele andere dasselbe Schicksal haben und sie nicht allein sind. Bitte sprecht mit jemandem und zeigt die Vergewaltigung an. Bitte seid stark. Bitte seid euch bewusst, dass ihr geliebt werdet und wertvoll und wunderbar seid und dass dieser schreckliche Vorfall euch nicht definiert oder bewertet. Wenn ihr euch nicht auf eure Eltern verlassen könnt, sucht euch Unterstützung bei vertrauenswürdigen Personen aus eurer Familie, unter Lehrern, Ärzten oder Hotlines und Organisationen, die genau dafür existieren.


Du wurdest in Indien geboren, lebst aber in den USA, genau wie Liya. Wie war es, dort aufzuwachsen? Warst du mit Vorurteilen konfrontiert? Behandelst du sie in deinen Büchern?

Meine Familie ist in die Vereinigten Statten gezogen, als ich vier Jahre alt war. Der Umzug in diesen jungen Jahren war nicht schlecht. Ich habe mich in der Schule sehr gut angepasst. Zunächst war ich in einer ESL-Klasse (English as a Second Language – Englisch als Fremdsprache), kam jedoch ein Jahr später in eine normale Klasse. Ab meinem zehnten Lebensjahr war ich in fortgeschrittenen Klassen. Ich wuchs in einer gemischten Gemeinschaft auf, in der nicht allzu viele Inder waren, wodurch ich mich ein wenig von meiner Kultur losgelöst habe. Ich nahm einen Südstaatenakzent an, spielte Softball und Volleyball, sah amerikanische Unterhaltungssendungen und hatte eine schöne Kindheit. Meine Eltern hatten beide zwei Jobs und sparten Geld, um später ein Unternehmen und ein Haus zu kaufen. Sie waren ein Musterbeispiel für hart arbeitende Immigranten. Ein paar Vorurteile sind mir schon begegnet. Curry-Witze und Mikroaggressionen wie dass ich für eine Inderin sehr gut Englisch spreche. Doch es war nichts im Vergleich zu dem, was mir heute begegnet. Ich finde, ich habe eine deutliche Meinung darüber, wie die Gesellschaft mit Ungerechtigkeiten umgeht, und weise in meinen Romanen darauf hin. „Alles, was ich an dir liebe“ behandelt Themen wie sexuellen Missbrauch und den Tod eines geliebten Menschen, doch in anderen Büchern, die ich noch in Arbeit habe, geht es um Rassismus und Mikroaggressionen. Es ist wichtig, in Büchern über diese Dinge zu schreiben, damit Leser sich selbst wiederfinden oder eine neue Perspektive gewinnen können.


Du hast in der Weltraumforschung gearbeitet. Warum hast du begonnen zu schreiben?

Ich habe im Alter von zehn Jahren begonnen zu schreiben, weil mein Kopf voller Geschichten gewesen ist. Ich bin von Natur aus kreativ. Auch während meiner Zeit in der Weltraumforschung war es meine Aufgabe, zu schreiben und zu editieren, wenn auch auf technischer Ebene. Geschichtenerzählen ist mein Ventil, meine Leidenschaft und eines der wenigen abstrakten Dinge, ohne die ich nicht leben kann.


In deinem Roman geht es um dramatische Themen und eine Liebesgeschichte, die von Anfang an schwierig ist. Doch niemals fehlt ihm eine gute Portion Humor. Ist Humor für dich ein unverzichtbarer Teil einer jeden Geschichte oder hat es zu „Alles, was ich an dir liebe“ einfach gepasst?

Ich liebe Humor. Es tut gut zu lachen und das Gute in allem zu sehen. Es hält die Geschichte auch davon ab, langweilig und zu ernsthaft zu klingen. Humor hilft den Lesern, einige sehr dunkle Wahrheiten zu verdauen. Ich habe Liya ihre Geschichte erzählen lassen, anstatt zu versuchen, ihr die Geschichte zu erzählen. Liya kann grob und direkt sein, doch sie ist auch sehr liebevoll und lustig. Humor passt zu ihr und Jay.


Was inspiriert dich zum Schreiben?

Buchstäblich alles. Musik, Szenen, Essen, Geschichten, Gefühle … all das bewegt mich zum Schreiben.


Ähnelt deine Protagonistin dir oder ist sie komplett erfunden? Wie verhält es sich mit den anderen Charakteren? Haben sie reale Vorbilder?

Liya und ich haben ähnliche Neigungen und einen gemeinsamen Hintergrund, doch ich wünschte, ich wäre mehr wie sie. Sie ist kompromisslos sie selbst. Ich denke, Preeti ist mir am ähnlichsten. Einige der Nebenrollen haben reale Vorbilder.

 

Du magst Schokolade aus aller Welt. Welche Art Schokolade aus welchem Teil der Welt magst du am liebsten?

Besonders gern mag ich Kramelmilchschokolade mit Pistazien aus Dubai.