Interview Andrea Instone im Autoreninterview zu Mord in Nizza

Worum geht es in deinem Buch Mord in Nizza?

Im Mittelpunkt steht die Erzählerin Mrs Thomas Daniel Davies. Sie ist eine junge Kriegswitwe, die im Jahr 1921 nicht nur an die französische Riviera aufbricht, sondern mehr noch in ein neues Leben. Und je weiter sie sich von ihrer Heimatstadt Penzance entfernt, desto mehr kommt ihr früheres Selbst zum Vorschein: Eine Frau nämlich, die keine Angst davor hat, für sich selbst zu sorgen und dabei ungewöhnliche Wege zu gehen.
Natürlich geht es auch um den Mord, der die kleine Gesellschaft erschüttert, in der Elizabeth sich befindet. Ein Mord, der nicht nur Lizzies Träume von einer goldenen Zukunft bedroht.

Beschreibe Elizabeth Teague in zwei bis drei Sätzen.

Lizzie ist Anfang dreißig und daran gewöhnt, ihre eigenen Bedürfnisse zum Wohle anderer zu vernachlässigen. Dennoch ist sie durchaus selbstbewusst und gesellschaftlich gewandt, sie hat Sinn für Humor, ist gebildet und einfallsreich. Jetzt, da sie auf eigenen Füßen steht, erinnert sie sich auch wieder an das muntere Mädchen, das sie vor ihrer Ehe war.

Kannst du dich mit einer der Figuren identifizieren? Wenn ja, mit welcher und warum?

Ich kann mich immer mit all meinen Figuren identifizieren, mit einigen mehr, mit manchen weniger.
Aber natürlich ist Lizzie diejenige, in die ich mich am besten einfühlen konnte. Dass sie von einer Minute auf die andere einen neuen Weg einschlägt, obwohl sie nicht weiß, was auf sie zukommen wird, das ist eine Entscheidung, die ich aus eigener Erfahrung kenne, wenn auch die Umstände völlig andere waren.
Florence Smith-Babington hingegen hat mir Freude bereitet mit ihrer unverstellten Egozentrik. Und Vera Gagarina, eine russische Künstlerin, ist mir so lieb geworden, dass sie auch in weiteren Fällen Lizzies mitmischen wird.

Der Roman spielt an verschiedenen Orten: Warst du bereits in Nizza oder Cornwall? Warum hast du gerade diese Orte ausgewählt?

Ich mag beide Gegenden sehr und so erging es vielen Menschen vor mir und nach mir.
Weshalb habe ich sie gewählt? Lizzie entstammt einer Künstlerfamilie und passt damit perfekt ins wildromantische Cornwall, in dem Malerinnen, Bildhauer und Schriftstellerinnen überall zu finden waren. Das milde Klima, die günstigen Mieten, das herrliche Panorama, die alten Geschichten von Piraten und Rittern lockten sie an.
Die französische Riviera wiederum war und ist ein Sehnsuchtsort besonders auch für britische Reisende – nicht umsonst gibt es in Nizza die Promenade des Anglais. Und weil wir alle gerade nur von schönen Orten träumen können, wird Lizzie stellvertretend für uns überall dorthin reisen, wo wir gerne wären. Dieses Mal also ins sonnige Nizza ans blaue Mittelmeer, wo sich die Reichen und Schönen treffen. 

Dein Cosy Crime spielt in den 1920er Jahren. Warum hast du dich für diese Zeit entschieden?

In diesen Jahren begann die Goldene Zeit der Kriminalliteratur, das war sicherlich ein Grund für mich, auch meine Geschichten dort spielen zu lassen. Dazu finde ich es spannender, Ermittlungen zu begleiten, die ohne die technische Ausrüstung unserer Zeit stattfinden müssen.
Davon abgesehen aber interessiert mich die Vergangenheit immer schon und besonders diese Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Es schien so vieles möglich zu sein, besonders für Frauen. Es boten sich ungekannte Chancen und die will ich Lizzie ergreifen lassen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Geschichte zu schreiben?

Nachdem mich dp auf meine Kriminalserie rund um Fräulein Schumacher angesprochen hatte, die ja ebenfalls in den Zwanzigern spielt, lag es nahe, eine zweite, gänzlich andere Dame die Fälle übernehmen zu lassen, die für meine Bonner Sekretärin nicht infrage kommen.
Und wie es meist ist (bei mir und auch bei anderen Autorinnen), stand ich unter der Dusche, als sich Lizzie bei mir vorstellte. Fort von ihrer Schwiegermutter wolle und müsse sie und sie habe gehört, ich hätte eine Stelle zu besetzen. Heldin – das könne sie, da sei sie sicher. Sie verlangte nicht viel, war bereit, sich in ein Abenteuer zu stürzen, wir waren uns sympathisch, also stellte ich sie auch dem Verlagsteam vor, die sie ebenfalls zu überzeugen wusste. Dann setzte ich mich auf mein Sofa und fing an.

Wie sieht dein Arbeitsalltag als Autorin aus?

Lang vor allem, denn ich beschäftige mich täglich zwischen zehn und vierzehn Stunden mit allem, was mit meinen Romanen zu tun hat. Ich schreibe am besten am Vormittag, wenn es ruhig im Haus ist – das ist mit Corona leider schwieriger geworden, denn wenn zwei Söhne und der Mann ebenfalls hier arbeiten, ist Ruhe etwas Relatives.

Was tust du, wenn du gerade nicht schreibst?

Dann arbeite ich an meiner Webseite oder an einem neuen Cover, ich bin mit den Hunden draußen, kuschle mit den Katzen, versuche mich an Yoga-Flows (trotz beurkundeter Unsportlichkeit), telefoniere mit den besten Freundinnen oder schaue eine Serie (wobei ich dann aber doch auch wieder an etwas bastele, was ich für die Arbeit benötige). Ach, und ich habe wahrhaftig mit dem Backen begonnen, was ich noch weniger kann als Yoga.

Hast du noch einen Buchtipp für uns?

Ganz viele vermutlich; es kommt nur darauf an, welches Genre gewünscht ist. Wenn wir bei Krimis bleiben mögen, dann liebe ich Josephine Tey und Patricia Wentworth, aber auch Anne Perry und Rhys Bowen finde ich wunderbar.