Leseprobe Wie widersteht man einem Schotten?

1. Kapitel

FECHTGRUSS:

Zeremonielle Begrüßung des Gegners

Vauxhall Garden, London

Juni 1805

„Irgendwo im Himmel weint Maestro Angelo.“

„Wer hat das gesagt?“ Der junge Lord ,Figgy‘ Figburt, der gerade dabei gewesen war, seinen jugendlichen Begleitern eine Parade vorzuführen, fuhr herum. Er spähte den schwach beleuchteten Lovers Walk in Vauxhall Garden hinunter, um zu sehen, wer den Namen des größten Fechtmeisters des letzten Jahrhunderts beschworen hatte.

„Das war ich.“ Eine große geschmeidige Gestalt löste sich aus dem Schatten und trat auf die Burschen zu. Es sah aus, als füge sich die Dunkelheit selbst zu einer stofflichen Form zusammen. „Ich habe wirklich versucht, mich nicht einzumischen. Es war meine feste Absicht, stumm vorüberzugehen“, sagte der Fremde mit einem eleganten schottischen Akzent. In seinem Gesicht, das halb von der Dunkelheit verborgen war, blitzten weiße Zähne auf. „Aber solange noch ein Funken Leben in mir ist, kann ich nicht zulassen, dass ein Sport, der mir so lieb ist, derart beschmutzt wird.“

„Was m-meinen Sie mit ,Angelo weint‘?“, verlangte Thom Bascomb beschwipst zu wissen. Er war ein Koloss von einem Mann und für die abendliche Maskerade als ziemlich stark behaarte Schäferin verkleidet. „Was w-wollen Sie Figgys Fechtkunst unterstellen?“

„Ich unterstelle gar nichts. Ich habe allerdings festgestellt, dass seine Rimesse abscheulich ist. Dennoch … er ist durchaus kein hoffnungsloser Fall.“

Der Schotte trat näher zu ihnen hin, und das gedämpfte Licht der Gaslaternen, die in den Bäumen hingen, enthüllte einen der attraktivsten Männer, die Figgy je zu Gesicht bekommen hatte: einen großen, gertenschlanken und athletisch wirkenden Kerl, der im Gegensatz zu den anderen Besuchern der nächtlichen Festivität darauf verzichtet hatte, ein Kostüm anzuziehen. Stattdessen trug er dunkle Hosen, einen schwarzen Gehrock mit einer blauen Weste darunter und eine einfache weiße Halsbinde, an der ein Schmuckstück befestigt war: eine kleine goldene Krawattennadel in Form einer Rose.

Einfach alles an ihm verursachte bei Figgy ein Gefühl der Unbeholfenheit, und das verdross ihn außerordentlich. „Dies ist ein Kostümball, Sir! Das bedeutet, dass man ein Kostüm tragen muss“, verkündete er gereizt. „Sehen Sie Thom hier? Der ist in Wirklichkeit gar kein Mädchen, und ich bin auch kein Rajah.“

„Was Sie nicht sagen.“

Thom wankte nach vorne und starrte den Schotten wütend an. „Als was genau sind Sie denn verkleidet, Mister?“

Der Schotte, der beinahe ebenso groß war wie Thom, aber mindestens zwanzig Kilo weniger wog, ließ seinen Blick an dem dicken eingeschnürten Leib des jungen Mannes bis hinunter zu den bauschigen rosa Rüschenröcken wandern. „Als Gentleman?“, schlug er mit weicher Stimme vor.

Während Thoms Gesicht leuchtend rot anlief, ertönte aus der Gruppe der restlichen Burschen schallendes Gelächter. Thom verlangte jedoch keine Genugtuung für die Beleidigung. Obwohl der Alkoholdunst das bisschen Vernunft, das der Bursche besaß, vernebelte, witterte er etwas Gefährliches an dem Schotten. Etwas, das außerhalb seiner Erfahrungen lag. Etwas … Tödliches.

„Wer sind Sie?“, forderte er.

„Ramsey Munro.“ Der Mann neigte leicht den Kopf. „Ich bin der Besitzer der École de la Fleur, eines kleinen Fechtsaales in White Friars. Stets zu Diensten, meine jungen Herren.“

Sie wollen ein Fechter sein?“, höhnte Thom und reichte Figgy eine Flasche, die er aus den Tiefen seiner Röcke hervorgezaubert hatte.

„Das bin ich“, erwiderte Munro. „Ich kam zufällig gerade vorbei, als ich hörte, wie Sie über das Internationale Fechtturnier sprachen, das bald stattfindet. Sie ziehen in Erwägung, daran teilzunehmen?“

„Und wenn dem so wäre?“, fragte Figgy. „Was geht Sie das an?“

„Nichts. Aber da ich die Kunst des Fechtens unterrichte, hat es mich interessiert. Ich blieb stehen und sah, wie Sie eine Rimesse ausführten, die selbst ein Kind hätte abwehren können.“

„Ich schätze, Sie könnten das besser?“

Der Mann zog in einer eleganten Geste die Schultern hoch. „Viel wichtiger ist, dass ich Sie lehren könnte, es besser zu machen.“

Figgy, der Spaß witterte, grinste. Er war mit Abstand der beste Fechter der gesamten Gruppe. „Könnten Sie Thom beibringen, meine Rimesse zu parieren?“

Munro blickte zu Thom hinüber. „Der Schäferin? Selbstverständlich.“

„Oder einem der anderen?“ Figgy deutete auf seine übrigen Begleiter, die alle sichtlich angetrunken um sie herumstanden.

„Jedem Einzelnen von ihnen.“

Er klang viel zu überzeugt von sich, und Figgys Selbstvertrauen schwand. Vielleicht kannte der Schotte eine geheime botte, irgendeinen Trick, der kaum Übung erforderte, sondern schnell zu erlernen war, und den man kaum parieren konnte?

Zum Teufel, jetzt konnte er nicht mehr zurück. Er hätte sich nur gewünscht, dass er nicht ganz so betrunken gewesen wäre. Bei diesem Gedanken hob er die Flasche und leerte sie in einem Zug. Im selben Moment nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung am anderen Ende des Kiesweges wahr. Eine Gestalt, die wie ein Lakai aus dem vergangenen Jahrhundert gekleidet war, eilte auf sie zu.

Figgy beobachtete sie, dankbar für die Ablenkung. Trotz der männlichen Kleidung konnte es keinen Zweifel daran geben, dass die Gestalt in den rubinroten Samtkniehosen und dem engen Gehrock ganz eindeutig eine ,Sie‘ war – eine süße, kurvige, appetitliche ,Sie‘. Sie hatte ihr Haar unter eine schwarze Kappe gestopft und ihr Gesicht mit einer schwarzen Seidenmaske bedeckt, aber nichts konnte den Schwung ihrer Hüften verbergen, ebenso wenig wie ihre Brüste, die der Anstrengung des Mädchens, sie zurückzubinden, förmlich hohnsprachen.

Ob sie eine Dame war oder eine Dirne, machte kaum einen Unterschied. Sie war ohne Begleitung auf einem Maskenball in Vauxhall Garden, auf dem berüchtigten Lovers Walk. Was bedeutete, dass sie bestenfalls eine zerbrechliche Barke war, die nach einer Klippe suchte, um daran zu zerschellen, und schlimmstenfalls ein Lastkahn aus Haymarket, der Ausschau nach neuen Passagieren hielt. In jedem Fall war sie leichte Beute, und das Spiel, das er mit ihr zu spielen gedachte, würde überaus unterhaltsam sein. Er lächelte.

„Sie könnten das also“, meinte er zu Munro, „tatsächlich jedem beibringen?“

„Ja.“

„Wie wäre es dann mit ihr?“ Figgy zeigte auf die Frau.

Ihr Schritt verlangsamte sich. Das Licht einer Laterne ließ ihre saphirblauen Augen hinter der Maske aufblitzen. Oh ja, er mochte blaue Augen.

Munro drehte den Kopf. „Eine Frau?“, fragte er verachtungsvoll mit einem gelangweilten Blick. „Nein.“

Figgy grinste vor Erleichterung. Nachdem er den Fremden als Aufschneider entlarvt hatte, konnte er ihn nun fortschicken und sich den Rest des Abends anderen, plötzlich wesentlich interessanter erscheinenden Dingen widmen.

„Das ist mir ganz recht“, erwiderte Figgy gutmütig. „Ich würde ihr nämlich selbst gerne ein paar Dinge beibringen, mit denen sie deutlich mehr anfangen kann.“

Seine Freunde lachten, während die Frau nach kurzem Zögern eine andere Richtung einschlug und ihren Schritt beschleunigte. Thom hielt sie auf, indem er seinen massigen Arm um ihre Taille legte.

„Lassen Sie mich los, junger Mann.“ Ihre Stimme war tief, gelassen und unerwartet energisch. Wenn Thom nicht ganz so betrunken gewesen wäre, hätte er vermutlich seinen Arm zurückgezogen und wäre kleinlaut davongeschlichen. Aber Thom war betrunken. Sehr betrunken.

„Komm schon, Süße“, schmeichelte er. „Wir sind genau das, was du gesucht hast.“

„Das sind Sie mit Sicherheit nicht.“ Sie wehrte sich nicht. Stattdessen reckte sie einfach das Kinn über ihrem spitzenbesetzten Halstuch vor und blickte durch ihre schwarze Seidenmaske in Thoms schief grinsendes Gesicht. „Kommen Sie“, fuhr sie mit einer Stimme fort, die kaum mehr als ein Flüstern war. „Haben Sie nichts Besseres zu tun? Wollen Sie nicht lieber den Unterstand des Nachtwächters umstoßen oder die Laternen mit Steinen bewerfen?“

„Das haben wir gestern Abend gemacht“, gab Thom zu und zog sie ins Licht.

Figgy bemerkte, wie Munro sich versteifte, und blickte neugierig zu dem Schotten hinüber. Er hätte schwören können, dass Munro einen Augenblick lang überrascht aussah.

„Meine Herren“, sagte die Frau, „Sie verwechseln mich offensichtlich mit jemandem oder halten mich für etwas, das ich nicht bin.“

In dem sichtbaren Teil ihres Gesichtes hatte sie etwas Farbe bekommen, aber sie hörte sich nicht ängstlich an. Vielleicht war sie schon ein alter Hase in solchen Dingen? Ein Stammgast in Lustgärten und auf ausgelassenen Veranstaltungen? Herrlich.

„Nein, das tun wir nicht.“ Einer der Burschen schüttelte den Kopf. „Wir haben dich gleich als das erkannt, was du bist. Ein Paradiesvogel, der nach einem Nest sucht.“

Sie sah auf jeden Fall aus wie eine Dirne, so viel war klar. Ihre Beine waren lang und ihr Po gerundet, und die Kniehosen umschlossen das alles gerade eng genug, dass die Fantasie auch das ergänzen konnte, was das Auge nicht sah. Dazu hatte sie noch eine glatte Haut, die blass und klar wie Elfenbein war, und einen tiefrosa Mund, dessen kurze geschwungene Oberlippe eine appetitlich volle Unterlippe krönte.

„Ihnen ist ein Fehler unterlaufen“, wiederholte sie und versuchte, sich loszumachen.

„Nicht so schnell!“, protestierte Thom und zog sie zurück.

„Das ist doch lächerlich. Ich habe keine Zeit, mit kleinen Jungen zu spielen. Lassen Sie mich los.“ Sie riss ihre Hand weg.

Kleine Jungen? Figgy trat vor sie hin und verstellte ihr den Weg. Er wurde diesen Monat achtzehn! Er würde ihr zeigen, wer hier ein Junge war und wer ein Mann! Egal, ob sie eine Marchioness oder eine Küchenmagd war, sie war von selbst hierhergekommen, die Burschen hatten sie nicht gerufen. Wenn die Frau keine Lust hatte, ein bisschen zu flirten, hätte sie eben nicht alleine auf dem Lovers Walk herumstreunen sollen. Und sie hätte sich auch nicht so unanständig kleiden sollen. So, wie sie aussah, bettelte sie die Männer ja geradezu darum an, ihr ihre Aufmerksamkeit zu schenken … und noch so allerhand anderes.

Außerdem hatte er sein Florett auf den Kiesweg fallen lassen, er hatte nicht vor, ihr wehzutun, er wollte nur diese unglaublichen Lippen kosten …

„Ich habe meine Meinung geändert.“ Munro stand plötzlich zwischen Figgy und dem Mädchen. „Ich kann ihr nicht nur beibringen, Ihre Rimesse zu kontern. Ich kann ihr beibringen, Sie zu entwaffnen.“

„Was?“ Figgy blinzelte. Er hatte Munro völlig vergessen. Er hatte alles vergessen, außer seinem Vorhaben, etwas an dieser hochnäsigen Zuckerschnecke zu naschen. Und genau das wollte er jetzt auch tun.

„Natürlich nur“, fuhr die höfliche Stimme fort, „wenn Sie so kühn sind, wie ich vermute.“

Kühn? Figgy hielt im Begriff, nach dem Mädchen zu fassen, inne. Er hatte das unangenehme Gefühl, dass Munro gerade seine Courage infrage gestellt hatte.

„Was? Natürlich bin ich das“, murmelte Figgy und runzelte die Stirn. Unbestritten war er das. Wer hätte das bezweifeln können?

„Wetten Sie mit mir?“

Figgy nickte prompt. Wie jeder Narr in der Gesellschaft hielt auch er sich für einen regelrechten Wettspezialisten, wenn auch für einen, der gelegentlich vom Unglück verfolgt wurde.

„Ich habe zehn Pfund“, fuhr der Schotte fort, „und sage, dass diese Frau nach einer fünfzehnminütigen Lektion in der Lage sein wird, Sie zu entwaffnen.“

„Und ich habe zwanzig Pfund und sage, schenk ihm seine zehn und schick ihn nach Hause!“, verkündete Thom laut, während er sich mit den Augen an dem Mädchen gütlich tat.

„Einhundert“, erwiderte Munro prompt.

Das brachte Thom und den Rest von Figgys Freunden zum Verstummen. Eine Wette über einhundert Pfund klang interessant. Vor allem, weil sie wussten, dass Figgy am vorletzten Abend ordentlich verloren hatte und sich heute darauf verlassen musste, dass seine Freunde ihm das Spiel finanzierten.

„Mach es!“, rief jemand.

Eine Frau sollte ihn entwaffnen können? Einhundert Pfund? Das klang bei Weitem zu einfach.

„Gemacht.“

„Das ist doch lächerlich!“, meldete sich die Frau zu Wort. Sie wandte sich um, und obwohl sie eine Maske trug, konnte Figgy genau erkennen, in welchem Augenblick sie Munro sah, ihn wirklich sah. Sie hielt inne und schien von seinem verflucht hübschen Gesicht gefangen zu sein wie eine Taube in einem Netz. Drei Herzschläge lang stand sie wie festgefroren, dann drängte sie sich an Munro vorbei und verkündete leidenschaftlich: „Ich bin nicht …“

Munro ergriff ihren Oberarm, zog sie mühelos an sich und schnitt ihr so das Wort ab.

„Ich fürchte, wer oder was Sie sind, macht zu diesem Zeitpunkt keinerlei Unterschied mehr, meine Liebe“, sagte er und bog sie über seinen Arm nach hinten. „Jetzt seien Sie ein braves Mädchen und keine Spielverderberin.“

Obwohl er stark angetrunken war, entging Figgy nicht, dass ihr eine scharfe Antwort auf der Zunge lag. Aber auch die verhinderte Munro, indem er sich tief über sie beugte.

„Als Glücksbringer“, sagte er und küsste sie.

2. Kapitel

ALLER:

Französisch für ,gehen‘

Obwohl sie bereits ihr fünfundzwanzigstes Lebensjahr erreicht hatte, war Helena Nash noch nie geküsst worden – jedenfalls nicht so. Hart, gekonnt und unpersönlich. Beleidigend unpersönlich. Sie hätte ebenso gut ein Kleiderständer oder eine Dirne sein können.

Ihre Schwester Kate hätte Widerstand geleistet, und ihre kleine Schwester Charlotte hätte sich mit Händen und Füßen gewehrt, aber das war nicht Helenas Art. Sie hatte Distanziertheit zu einer Kunstform erhoben. Jetzt wandte sie diese Kunst an und distanzierte sich innerlich von der Vorstellung, die der Schotte gerade gab. Und sie hatte keinerlei Zweifel daran, dass es genau das war: eine Vorstellung, die eher dazu diente, ein Publikum zu beeindrucken als den Empfänger.

Sie wusste natürlich, wer er war. Sie hatte es in dem Moment gewusst, als das schwache Licht auf sein fein gemeißeltes Gesicht gefallen war, während er sich ihr zugewandt hatte. Jeder, der Ramsey Munro jemals erblickt hatte, würde sich an ihn erinnern, ebenso wie er jeder Frau bekannt vorgekommen wäre, die sich schon einmal den Teufel in seiner verführerischsten Form vorgestellt hatte. Er sah einfach zu atemberaubend gut aus.

Vor beinahe vier Jahren, als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, war er genauso schön gewesen, aber die Zeit hatte seine klassischen Züge mit abgeklärter Weisheit durchdrungen und sie zu diamantener Härte geschliffen. Wäre er in früheren Zeiten geboren worden, so hätte sein Gesicht Michelangelo zu Meisterwerken inspiriert: eine leicht römische Nase, feste, bewegliche Lippen, tief liegende, mandelförmige Augen und ein kräftiges, eckiges Kinn. Er war so groß und mager, dass er Helena an einen kaiserlichen Jagdhund erinnerte, an ein elegant modelliertes Tier, das sich durch tödliche Schnelligkeit und große Ausdauer auszeichnet. Seine Schultern waren breit, seine Hüften schmal, seine langen Beine muskulös und sein Bauch flach.

Selbst wenn er nicht vor langer Zeit im schmucklosen Salon ihrer Mutter gestanden und den Eid abgelegt hätte, ihrer Familie zu Diensten zu sein, hätte sie doch seinen Namen gekannt. Dieser Name wurde in den Fluren der Opernhäuser von unzähligen Matronen, Ehefrauen und teuren Kurtisanen geflüstert, seine körperlichen Vorzüge wurden von den Anstandsdamen aufgezählt, die ihren Schutzbefohlenen pflichtbewusst beim Tanze zusahen, beim Nachmittagstee wurde über seine Eroberungen spekuliert, und überall wurden sein beißender Witz und seine lässige Kultiviertheit von Möchtegernlebemännern nachgeäfft.

Während sie sich seinen Ruf in Erinnerung brachte, klammerte Helena sich an Munros breiten Schultern fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, bereit, seinen Affront auf dieselbe Art zu erdulden wie schon so vieles seit das Glück ihrer Familie sich gewendet hatte: mit nüchterner Gleichgültigkeit, unerschütterlicher Würde und kühler … und kühler …

Sein Kuss hatte sich verändert.

Und plötzlich war alles anders.

Seine Lippen wurden weicher, sein sanfter Mund bewegte sich einfühlsam auf ihrem. Es war ein zarter verführerischer Kuss. Ein samtweiches Verschmelzen der Lippen, ein Austausch von Atem, eine süße Einladung zur Sünde und – oh Gott! Seine Zunge berührte ihren Mund, zeichnete träge die Umrisse ihrer Lippen nach, neckte sie, bis sie ihre Lippen öffnete, und streifte dann zart ihre Zähne.

Nie zuvor hatte sie so etwas erlebt!

Sie vergaß alles: den Grund, aus dem sie hier war, die Angst, dass jemand sie verfolgte, das verabredete Treffen am Ende des Weges und das furchtbare Gefühl, von missgünstigen Augen beobachtet zu werden.

Er legte seinen Arm um ihre Taille und zog sie näher an sich. Eine Hand glitt an ihrem Hals hinauf und umfing ihr Kinn. Das Flehen, das in dieser leichten Berührung lag, lähmte sie. Ihr sorgfältig aufgebauter Schutzwall begann zu zerbröckeln, und in diesem Moment, kurz bevor er völlig in sich zusammenstürzte, erwachte tief in ihrem Inneren etwas, das ihr Leben lang dort geschlummert hatte, und sie erkannte die Gefahr.

Sie versuchte, sich aufzurichten, aber er bog sie noch weiter zurück, und sie klammerte sich schwindelig und mit weichen Knien an ihn. Er raubte ihr den Atem. Er stahl ihre Zurückhaltung. Er riss ihre Barrikaden nieder. Sein Kuss erweckte Gefühle zum Leben, an die sie sich nur schwach aus düsteren fiebrigen Träumen erinnerte: erotische, begierige, leidenschaftliche Gefühle.

Sie bebte, und im Gegenzug zog er sie einen Augenblick lang noch enger an sich. Dann hob er sie hoch und stellte sie auf die Füße, und sie wusste, dass er den Kuss gleich beenden würde. Gütiger Himmel! Ihre Finger bohrten sich tiefer in die steinharten Muskeln unter seinem Gehrock, während sie hilflos seine fliehenden Lippen verfolgte.

„Jesus!“, entfuhr es ihm rau, und abermals drückte er sie fest an seinen Körper. Seine Lippen öffneten sich über ihren. Dieses Mal gehörte seine Aufmerksamkeit vollkommen und ungeteilt ihr, und er blendete alles außerhalb dieses Kusses aus. Sein ungebremstes Verlangen ergoss sich über sie, durchströmte sie. Es war eine feurige Leidenschaft, die ihre eigene erwachende Lust in den Schatten stellte, fordernd und …

Um sie herum erschallte derbes Gelächter.

Er hob den Kopf. Was auch immer die anderen in seinen leuchtenden Augen sahen, ließ das Gelächter verstummen. Sie hatte das Publikum vollkommen vergessen.

„Bei meiner Ehre“, kicherte jemand, „mir war nicht bewusst, dass Sie ihr etwas über das Schwert beibringen wollten!“

Er beugte sich über sie. „Wenn Sie unbeschadet hier wegkommen wollen, spielen Sie mit.“

Und dann stand sie plötzlich wieder auf den Beinen. Um sie herum drehte sich alles, und ihr Herz pochte heftig gegen ihre Rippen. Warum tat er das? Warum sollte er sich Sorgen um das Schicksal einer ihm unbekannten Frau machen? Denn er konnte auf keinen Fall wissen, wer sie war! Sie hatte absichtlich tief gesprochen und ihren Yorkshire-Akzent unterdrückt.

Wie hätte Munro ahnen können, dass er ausgerechnet Colonel Nashs geradezu überirdisch abgeklärte Tochter küsste? Eine der drei Töchter, die er zu beschützen geschworen hatte – sehr wahrscheinlich auch vor Beleidigungen wie der, die er ihr eben zugefügt hatte –, als Wiedergutmachung dafür, dass ihr Vater sein eigenes Leben für Ramsey gegeben hatte? Sie konnte es selbst kaum glauben! Auch wenn sie sich in Wirklichkeit weniger gekränkt fühlte als vielmehr … verwirrt.

„Es wird langsam Zeit, Munro! Ein Einsatz steht auf dem Spiel!“

„Ganz recht“, erwiderte er. „Nun die Lektion. Die andere Lektion.“

Noch mehr männliches Gelächter ertönte und rief ihr wieder die widerwärtige Situation ins Bewusstsein, in der sie sich befand, die lächerliche Wette und die Rolle, die sie dabei spielte. Sie konnte das nicht tun. Sie hatte noch nie auch nur eine Waffe in der Hand gehalten. Die betrunkenen Burschen, die sie umringten, würden sich eine andere Zerstreuung suchen müssen. „Ich kann nicht …“

Munro blickte sie scharf an, und sie schluckte ihren Protest herunter. Anscheinend lagen die Dinge etwas komplizierter, als ihr bewusst war.

Der bullige junge Mann mit der Lockenperücke und den leuchtend rosa Röcken verschränkte die Arme über der eingeschnürten Brust, trat vor sie hin und blockierte ihr den Weg, während der Bursche, der wie ein Rajah gekleidet war und dessen Züge von schwarzer Farbe verdeckt waren, boshaft grinste.

„Danke.“ Munro stellte sich mitten auf den Kiesweg. „Achten Sie bitte genau auf das, was ich Ihnen jetzt zeigen werde, Miss. Ich werde ein paar einfache Manöver vorführen, die Sie dann später nachmachen werden. Haben Sie das verstanden? Gut. Wenn jetzt einer der Burschen so nett wäre, sich mir zum Zwecke der Demonstration zur Verfügung zu stellen?“

„Was soll das alles?“, protestierte Figgy, der Junge mit dem Turban. „Sie haben gesagt, Sie bringen ihr bei, mich zu entwaffnen!“

„Und genau das werde ich auch tun. Aber die beste Art, etwas zu lernen, ist, es zunächst einmal zu sehen. Keine Sorge, junger Held, Sie werden Ihren Wettkampf bekommen.“ Munro blickte sich um. „Wer assistiert mir? Nun kommen Sie. Sie werden schließlich derjenige sein, der mit einem Florett bewaffnet ist. Ich bitte Sie lediglich darum, dass Sie mich angreifen. Ist das denn so schwer?“

„Nein.“ Einer der jungen Männer rappelte sich auf und warf den Weinschlauch zu Boden, aus dem er getrunken hatte. „Ich mache es.“

Munro schob seine Stiefelspitze unter die Klinge von Figgys Florett, das noch immer am Boden lag, katapultierte es in die Luft, fing es elegant auf und hielt es dem Burschen hin, dessen Mund weit offen stand. „Hier. Jetzt präsentieren und attackieren Sie.“

„Was?“

Ramsey seufzte. „Präsentieren … und attackieren Sie.“

„Was?“

„Spieß ihn auf, verdammt noch mal!“, brüllte Figgy.

„Oh!“ Der Bursche sprang mit plötzlicher Schnelligkeit, wenn auch ohne jede Eleganz, auf Munro zu und stieß die Klinge vor. Nur, dass sein Ziel nicht mehr da war. Und das Florett, das der Bursche gehalten hatte, hielt jetzt Munro in der Hand.

Der Junge starrte ihn erstaunt an. „Was ist passiert?“

„Ich habe Sie entwaffnet. Das war doch Sinn und Zweck der Übung, oder nicht?“, fragte Munro und hielt ihm die Waffe hin. „Wenn Sie sich in einem Duell wiederfinden, in einem echten Duell, und wenn plötzlich Ihr Leben von Ihren Fähigkeiten abhängt und Sie keine nennenswerten Fähigkeiten besitzen, dann sollten Sie sicherstellen, dass Sie zumindest eines sehr gut beherrschen, und das wäre dann in Ihrem Fall, meine jungen Herren, wie man seinen Gegner entwaffnet.“

„Ha!“, stieß der junge Mann verächtlich aus und riss Munro das Florett aus der Hand. „Nun, das werden wir ja sehen – aha!“

Er sprang wieder vor, und dieses Mal war Helena darauf vorbereitet und beobachtete genau, was passierte.

Eine kleine Gewichtsverlagerung, eine Bewegung von Munros Arm, und das Florett des Jungen war darunter. Munro drückte die Klinge mit dem Arm gegen seine Rippen, schob mit der Schnelligkeit einer angreifenden Schlange seinen Unterarm darunter und wieder darüber, umgriff mit seinen Fingern den oberen Teil der Schutzglocke und pflückte die Waffe mühelos aus der Hand des jungen Mannes.

„So in etwa. Haben Sie es gesehen, Miss?“ Er drehte den Kopf und blickte sie mit forschendem Blick ruhig an.

Sie nickte ernst und versuchte, zuversichtlich zu wirken.

„Das ist natürlich nur die einfachste Art, jemanden zu entwaffnen. Es gibt noch andere Methoden, die ein wenig mehr Kraft erfordern.“ Er hielt die beschlagnahmte Waffe hoch. „Würde jemand anders es vielleicht gerne einmal probieren?“

Mit einem Grollen trat der behaarte junge Mann mit dem Rock und der Perücke vor, den die anderen Thom genannt hatten. „Ich.“

Munro schüttelte den Kopf. „Mit den Röcken sind Sie zu leicht besiegbar.“ Er wandte sich Figgy zu. „Wie wäre es mit Ihnen, junger Herr? Hier.“ Munro warf das Florett zu ihm hinüber. „Hierfür benötige ich auch eine Waffe. Ah!“ Er hatte Thoms Schäferinnenstab entdeckt. Mit einem Lächeln hob er ihn hoch und wog ihn in den Händen. „Das hier ist hervorragend geeignet.“

Figgy kicherte hämisch. „Oh ja. Ich könnte auch einen Mann entwaffnen, wenn ich einen Stab hätte, der zweimal so lang ist wie sein Florett.“

Sogleich brach Munro den Stab über seinem Knie und halbierte ihn, womit er ein gutes Stück kürzer war als das Florett des Rajahs. „Präsentieren Sie.“

Bei dem scharfen Befehl glitt der Bursche automatisch in die richtige Position.

„Sie sind am Zug“, sagte Munro und stützte sich lässig auf den gebogenen Griff des Stabes, dessen zersplittertes Ende sich in die Erde grub.

Figgy leckte sich über die Lippen und versuchte eine zaghafte Parade. Mit leicht ungeduldigem Gesichtsausdruck schlug Munro die Klinge mit der Hand weg.

„Nun kommen Sie“, tadelte er. „Ich habe ein Stück Holz. Sie hingegen haben Stahl.“

Die Provokation funktionierte. Mit einem Grunzen machte Figgy einen Ausfallschritt und stieß zu. Die zersplitterte Spitze von Munros Stab flog hoch, wirbelte einmal um die glänzende Stahlklinge herum, fuhr blitzartig zum Heft, und plötzlich flog das Florett in die Dunkelheit und der Junge schüttelte fluchend seine Hand.

„Würden Sie das gerne noch einmal sehen, Miss?“ Auch wenn Munro so tat, als spreche er mit ihr – sein träger, belustigter und unglaublich gefährlich wirkender Blick ruhte auf der Gruppe der jungen Burschen.

Was würde es bringen, wenn er es noch einmal demonstrierte? Es würde ihr vollkommen unmöglich sein, die Aktion nachzumachen, und das wusste er auch. „Nein. Ich glaube, ich habe es verstanden.“

„Genau wie ich vermutet hatte. Wie dem auch sei, vielleicht würden Sie gerne eine subtilere Methode ausprobieren, um Ihren Gegner zu entwaffnen …“

„Nein!“, unterbrach Figgy wütend. Er hielt sich immer noch die schmerzenden Finger. „Keine weiteren Demonstrationen! Sie haben ihr genügend Instruktionen gegeben. Die Wette war, dass Sie ihr in fünfzehn Minuten beibringen können, mich zu entwaffnen. Also, sie soll es probieren.“

Munro lächelte. „Natürlich. Nehmen Sie Ihre Waffe.“

Einer der Burschen warf Figgy das Florett zu. Der Rajah fing es im Flug und begann dann, damit ganz wild in der Luft herumzufuchteln.

Plötzlich riss der große Schotte die Augen auf, als sei ihm etwas eingefallen. „Aber … das ist ja vollkommen unmöglich.“

„Was?“, wollte Figgy wissen und hieb weiter durch die Luft.

Munro hob die Hände, die Handflächen nach außen gewandt. „Sie hat kein Florett. Keine Waffe. Sie können wohl kaum von ihr verlangen, diesen Stock zu verwenden.“

Helena stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Das war also sein Plan.

Figgy grinste boshaft mit schmalen Lippen. „Mitnichten. Ed, gib ihr deinen Degen.“

Ein Junge, der von irgendwo einen Degen hervorgezaubert hatte, trat vor und hielt ihr die Waffe hin.

Oh nein. Sie wich zurück, doch schon hatte Munro ihr Handgelenk ergriffen und stieß das Heft des Degens gegen ihre Handfläche. Seine behandschuhte Hand bedeckte ihre, er legte ihre Finger um den Satinbezug des Hefts und schloss sie darum.

Das war Wahnsinn. Sie fühlte sich wie eine Figur in einem grotesken Schauerroman, unfähig, sich zu bewegen, unfähig, sich zurückzuziehen, als würde sie von einer gefährlichen Strömung mitgerissen.

Die Angst lähmte ihre Gedanken. Das Geräusch ihres eigenen Atems dröhnte laut in ihren Ohren. Dabei war ihr Angst bisher völlig fremd gewesen. Ihr einziger Gedanke war, dass der Bursche, betrunken, wie er offensichtlich war, ihr das Florett sehr wahrscheinlich direkt ins Herz stoßen würde. Egal, ob er das beabsichtigte oder nicht, das Resultat wäre das Gleiche – sie würde sterben. Es wäre so eine dumme Art zu sterben, hier, jetzt.

„Sobald ich ,präsentieren‘ sage, lassen Sie den Degen fallen und machen einen Schritt nach hinten. Haben Sie das verstanden?“, wies Munro sie so leise an, dass niemand außer ihr es hören konnte.

Ob sie das verstand? Sie konnte nicht einmal atmen. „Nein.“

„Es wird alles gut gehen.“

„Oh ja. Ich bin überzeugt davon, dass der Bursche sehr gut einschätzen kann, wie tief er seine Klinge in mich hineinstoßen darf, ohne mich lebensgefährlich zu verletzen!“, flüsterte sie mit zittriger Stimme zurück. Am Rande ihres Sichtfeldes begann alles zu verschwimmen.

Munro drückte seine Hand noch fester um ihre und brachte Helena durch den plötzlichen Schmerz wieder zurück in die Gegenwart. Ihre Wimpern flogen hoch und sie begegnete überrascht und verletzt seinem Blick. Seine leuchtenden Augen hatten sich unter den üppigen schwarzen Brauen verdunkelt. „Es wird alles gut. Das schwöre ich bei meiner Ehre.“

Erstaunlicherweise glaubte sie ihm. Er hatte es geschworen. Sie erinnerte sich wieder an jenen anderen Schwur, den er vor dreieinhalb Jahren abgelegt hatte. Er hatte schön und elegant wie die Sünde selbst vor ihrer Familie gestanden, er war gekommen, um Wiedergutmachung zu leisten, und hatte versprochen, ihnen zu Hilfe zu kommen, wenn es je nötig werden sollte. Und sie hatte ihm damals ebenso geglaubt, wie sie ihm jetzt glaubte. Was, wie sie vermutete, wohl nicht gerade für ihr Urteilsvermögen sprach. Dennoch nickte sie.

Er wandte sich ab, und sie sah sich einem sehr betrunkenen, sehr übellaunigen jungen Mann gegenüber, dessen Turban schief über einem schwarz angemalten Gesicht saß. Mit einem höhnischen Grinsen hob er sein Florett und salutierte ihr. Sie hob unbeholfen die eigene Waffe und versuchte, es ihm nachzutun.

„Sind Sie bereit?“, hörte sie Munro fragen.

„Ja, ja“, erwiderte Figgy. „Nie zuvor habe ich so leicht hundert Pfund verdient. Ich habe beinahe Schuldgefühle.“

„Präsentieren Sie.“

Es war ein Leichtes, Munros Anweisungen zu folgen. Die schwere Waffe fiel im selben Moment aus ihren zitternden Fingern, in dem seine große Gestalt zwischen den jungen Mann und sie trat. Ein Schrei ertönte, und gerade, als sie nach hinten stolperte, ergriff Munro die Klinge ihres Gegners und bremste seinen Hieb. Er zog dem Jungen lässig die Waffe aus der Hand.

Sie würde nicht sterben. Sie würde nicht sterben! Die pure Freude dieses Gedankens durchströmte sie, und ihr wurde schwindelig davon.

„Das ist nicht fair!“, protestierte der Junge. „Sie hat es nicht einmal versucht.“

„Das habe ich wohl!“, behauptete sie mit einem verlegenen Lächeln.

Munro sah sie mit übertriebener Enttäuschung an und schüttelte den Kopf. „Nein, Miss. Das haben Sie nicht. Sie haben sich lediglich selbst entwaffnet.“

Sie ließ den Kopf hängen und versuchte, zerknirscht zu wirken. „Das ist richtig. Ich habe mich selbst entwaffnet. Es tut mir fürchterlich leid.“

Munro sah wieder zu den Burschen hinüber und seufzte laut. „Ich bin außerordentlich enttäuscht darüber, dass meine ursprüngliche Einschätzung richtig war. Sie ist schließlich doch nur eine Frau. Es ist unmöglich, sie zu unterrichten.“

„Ich kann ja kaum lesen“, gab sie trübselig zu.

Figgys Mund öffnete und schloss sich wie der eines Fisches, der an Land gespült wurde. Einmal. Zweimal. „Aber Sie …“

„Ich schulde Ihnen hundert Pfund? Vollkommen korrekt.“ Munro fasste sich in die Tasche und nahm mehrere Scheine von dem kleinen Stapel, den er herauszog. Er drückte sie Figgy lächelnd in die Hand.

„Rechtmäßig gewonnen“, sagte er, und während die anderen sie noch verwirrt anstarrten, nahm er Helenas Arm.

Er schenkte Figgy ein Lächeln. „Der einzige Vorteil, den Sie je in einem Duell haben könnten, junger Herr, ist Ihr offenkundiger Mangel an Vertrautheit mit Ihrer Waffe. Niemand, der Sie damit sieht, könnte Sie wirklich ernst nehmen. Wenn Sie sich allerdings je dazu entschließen sollten, diesen Sport ernsthaft zu betreiben, schauen Sie doch einfach bei mir vorbei. In White Friars.“

„Aber … aber … das Mädchen!“, rief Thom anklagend und ignorierte völlig, dass sein Freund beleidigt worden war.

Munro schüttelte traurig den Kopf über die erbärmlich wirkende Gruppe. „Aber Gentlemen – und ich darf doch annehmen, dass Sie Gentlemen sind?“

Sie blickten sich gegenseitig prüfend an, um festzustellen, wie die aktuelle Meinung zu diesem Thema war, bevor sie alle zögerlich nickten.

„Sie würden doch nicht etwa das Geld und das Mädchen nehmen wollen, oder etwa doch?“ Munro wartete nicht auf eine Antwort. Er drehte sich um und zog Helena mit sich. „Das hatte ich auch nicht erwartet.“