Erfundene Welten, exotische Sehnsuchtsorte und urige Kleinstädte – wie der Handlungsort die Geschichte bestimmt 03. August 2019

Quelle: ali elliot/Unsplash.com

Wenn man als Autor die Idee zu einer Geschichte hat, stellt sich beim Notieren schnell die Frage: Wo soll die Handlung spielen? In einer nicht näher benannten Stadt, die überall sein könnte? In dem kleinen Dorf in Schleswig Holstein, das man wie seine Westentasche kennt? Oder in einer völlig neu ausgedachten Welt? Der Handlungsort wirkt sich mehr auf die Geschichte aus, als man zunächst vielleicht denkt, deshalb sollte die Wahl gut überlegt sein.

Am einfachsten ist es natürlich, einen nicht näher beschrieben Ort für seine Handlung zu wählen, denn wer würde dann sagen können, dass irgendwas nicht korrekt ist.

Für einige Genres gibt es ganz typische Orte, an denen sie spielen und die dem Leser sofort ein typisches Bild vor Augen rufen. Viele zeitgenössische wie historische Liebesromane spielen in den schottischen Highlands, wie z. B. Kathleen Givens‘ Das Licht der Highlands oder Ladina Bordolis Verliebt in den Highlands. Die wildromantische, ungezähmte Natur ist hier Kulisse für die ganz großen Gefühle.

Unsere gemütlichen Cosy Crimes hingegen – wie Elisabeth Marienhagens Der Tote von Wynden Manor oder Janet Laurence‘ Darina Lisle ermittelt-Reihe – spielen in Großbritannien, weil man hier an schrullige Briten und bekannte Ermittler wie Sherlock Holmes, Miss Marple oder Pater Brown denken muss.

Dann gibt es natürlich noch sogenannte Love-and-Landscape-Romane, Liebesromane vor einer malerischen Landschaft, wie Der Duft von Olivenblüten von Linda Cuir, die von den schönen und exotischen Beschreibungen ihrer Sehnsuchtsorte leben.

Neben dem passenden Setting für eine Stimmung oder ein Genre kann der Ort aber auch die Handlung bestimmen. In Mariah Stewarts Auftakt der Hudson Sisters-Reihe Liebe in Hidden Falls werden die überzeugten Großstädterinnen Allie, Cara und Des durch das Testament ihres Vaters gezwungen, gemeinsam in eine verschlafene, amerikanische Kleinstadt zu ziehen und gemeinsam das heruntergekommene Theater zu sanieren.

Der Handlungsort kann aber auch genauso den Konflikt zwischen den Hauptfiguren verdeutlichen und forcieren. Wie zum Beispiel in Chaos Queen von Katie MacAlister, wenn die quirlige, ungezwungen Amerikanerin Alix nach Großbritannien reist und sich dort ausgerechnet in den grundanständigen, zugeknöpften Scotland-Yard-Inspektor Alexander verliebt.

In Krimis und Thrillern wird häufig ein Land oder eine Zeit mit einer brisanten politischen sozialen Lage gewählt, um eine bedrohliche Atmosphäre und Spannung zu erzeugen. Beispiele dafür sind Marokko in Thomas Fitzners Deine fremde Tochter und die Ukraine in Caroline de Vries‘ Tödliche Schuld. Doch hier muss man sich bewusst sein, dass bei so einer Geschichte eine ganze Menge Recherchearbeit zu Kultur und Vergangenheit eines Landes auf den Autor wartet.

Um dem aus dem Weg zu gehen, kann man natürlich wie Emily Dunwood im Auftakt ihrer Dilogie Java & Glass, Die gefallen Stadt, eine ganz eigene Welt erfinden. Da jedoch niemand außer dem Autor selbst die Welt kennt, muss diese im Buch sehr gut beschrieben und stimmig erklärt sein, damit der Leser sich auch in die Geschichte hineinversetzen kann. Hier bestimmen ebenfalls die Welt und ihre Andersartigkeit zu unserer Welt die Handlung und machen die Geschichte dadurch interessant.

Der Fantasie sind hier buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Aber egal ob erfundene Welten, exotische Sehnsuchtsorte oder urige Kleinstädte – für eine gutes Buch ist wichtig, dass Handlungsort, Geschichte und Genre zusammenpassen und sich ergänzen.