Was eine Gliederung kann, wie du mit ihr umgehst und was reingehört Fünf Tipps für die erfolgreiche Planung deines nächsten Buches

„Fangen Sie noch nicht an zu schreiben. Lassen Sie uns erst das Exposé sehen.“ Exposé? Ein Exposé – das ist die kurze Zusammenfassung des Buches, das du schreiben willst. Nur ein paar Seiten, die die Höhepunkte und die großen Wendungen der Handlung umschreiben. Es kann ein Zwischenschritt in deinem Schreibprojekt, dein Plan oder ein Überblick über den Inhalt deines künftigen Buches sein. Keine große Sache? Nun, damit es wirklich keine ist, kommen hier die fünf besten Tipps für die erfolgreichen Planung deiner Geschichte – das Warum für eine Gliederung.

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1. Gliederung = Probefahrt

Würdest du ein Auto kaufen, ohne es Probe zu fahren? Würdest du ein Buch schreiben und abgeben, ohne es zu überarbeiten? Stell dir die Gliederung als ersten Entwurf deines Buches vor. Oder als Vorentwurf deines Buches. Mit der Gliederung hast du die Möglichkeit, alle wichtigen Fragen zu den Charakteren und der Handlung zu beantworten. Sollte etwas nicht funktionieren (Chuck kann nicht der Dieb sein, er hat Klaustrophobie), merkst du das frühzeitig und gerätst während dem eigentlichen Schreiben nicht aus der Bahn. Das ist vor allem wichtig für dich, wenn du pro Jahr mehr als ein Buch schreibst und neben deinem Autorendasein noch einen anderen aufreibenden Job hast, deine Familie managst oder anderweitig vielseitige Aufgaben hast.

2. Gliederung = Straßenkarte

Wenn du jünger als 30 Jahre bist, dann sei kurz erklärt: Eine Straßenkarte ist ein großes, seltsam gefaltetes Stück Papier, das wir früher (vor Google Maps & Co.) im Auto aufbewahrt haben. Auf ihr sind Autobahnen, Straßen, Städte und Dinge markiert. Bevor man länger unterwegs war, hat man sich die Karte angesehen und damit die Route und Zwischenstopps geplant. Gibt es immer noch. Funktioniert auch immer noch – wie bei deiner Gliederung. Sobald deine Probefahrt abgeschlossen ist, wird diese „Karte“, also deine Gliederung, zum Leitfaden. Du kannst immer wieder darauf zurückgreifen, wenn du dich unterwegs mal verlaufen hast. Bei einigen Büchern schaust du vielleicht nie mehr auf die Gliederung zurück, sobald du zu schreiben beginnst. Bei anderen machst du das vielleicht häufiger – je nachdem, wie verstrickt die Handlung ist, wo und in welcher Welt sie spielt etc. Die Gliederung soll dir schlichtweg Vertrauen geben. Du weißt, dass du diese Karte hast, wenn du sie brauchst.

3. Sehenswürdigkeiten am Straßenrand 

Ob du dich beim Schreiben sklavisch an die Gliederung halten musst? Nicht immer. Manchmal, wenn du schreibst, taucht ja vielleicht eine bessere Idee in deinem Kopf auf und es ist besser diesem neuen Weg zu folgen. Manchmal tauchen auch Charaktere auf, die bisher nicht in der Gliederung enthalten waren – sie sind aber wichtig für die Geschichte, sie erhalten plötzlich eine Rolle und haben einen Standpunkt. Irgendwann wird die Person, die der Mörder in der Gliederung ist, im Buch entlastet und jemand anderes verübt die böse Tat. Dann ist es so, als ob du die Straße entlangfährst und dieses Schild siehst, auf dem die größte Attraktion der Welt angepriesen wird und du willst aussteigen, um sie zu sehen. Das ist ok. Du musst nach dem Besuch nur wieder zur Hauptstraße zurückfinden. Dann ist alles gut. Wirst du als Autor von deiner eigenen Idee überrascht, die da am Weg auftaucht, dann geht es dem Leser später sicher auch so – und das ist dann ja genau das, was du willst.

4. Gliederung = Grundlage für kurzes Feedback

Schriftsteller, Agenten, Redakteure, Freunde – sie alle sind immer viel beschäftigt. Und seien wir ehrlich: Es kann eine Freundschaft wirklich auf die Probe stellen, wenn man als Autor immer wieder darum bittet, den Entwurf des eigenen Romans mehrmals zu lesen. Wenn du jedoch ein viel kürzeres Dokument hast, das du mit deinen Kritikern teilen kannst, ist es möglich, schon frühzeitig Feedback zu erhalten und trotzdem Freunde zu haben. Auf diese Weise kannst du deine Ideen effektiv und kurz deinem Agenten kommunizieren, bevor du den ganzen Roman schreibst. Das spart allen so viel Zeit …

5. Gliederung = Schreiben

Vielleicht schreckt dich im ersten Moment die Idee ab, einen Entwurf, eine Gliederung für dein Buch zu schreiben. Vielleicht fühlt es sich an, als wärst du wieder in der Schule? Aber lass dir gesagt sein: Das Schreiben einer Gliederung ist bereits kreatives Schreiben, keine Bestrafung. Beim Schreiben eines solchen Umrisses flackern schon die ersten anfänglichen Funken auf und verwandeln sich in ein loderndes Feuer. Sieh also das Schreiben einer Gliederung nicht als nervige Aufgabe an. Betrachte es als wesentlichen Bestandteil deines kreativen Schreibprozesses. Sieh es als die Zeit, in der die Geschichte wirklich zu leben und zu atmen beginnt.

Hab Spaß dabei! Probiere es aus und schreib uns gerne deine Erfahrungen. Wir freuen uns darauf.