Tödliche Tatsachen

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Kapitel 1

Der Land Rover hielt ruckartig am Rand der schmalen Straße an. Ein junger Mann sprang heraus, sein mausbraunes Haar und sein käsiges Gesicht verschmolzen mit dem Beige seines Regenmantels. Es war Hochsommer und der Himmel war wolkenlos, was den Regenmantel sehr deplatziert wirken ließ. Die grünen Gummistiefel wirkten ebenso deplatziert und schienen ihm zu groß zu sein. Er hielt inne, blickte und lauschte die Passstraße hinauf und hinunter, ehe er etwas vom Sitz des Land Rovers schnappte und zu einem nahen Mauerübertritt sprintete. Er sah sich noch einmal um, ehe er den Übertritt spinnennetzartig mit leuchtend gelbem Plastikband umwickelte. BETRETEN VERBOTEN stand darauf. Als der Übertritt erfolgreich versperrt war, rannte der junge Mann zum Land Rover zurück und fuhr so schnell los, dass Kies unter den Reifen hervorspritzte. Während er die Passstraße hinauffuhr, nahm er ein Handy in die Hand und drückte die Wahlwiederholung.

„Sektor drei ist jetzt gesichert, Sir“, sagte er.

„Gute Arbeit“, ertönte eine knisternde Stimme am anderen Ende. „Jetzt verschwinden Sie da, ehe man es bemerkt.“

 

Im selben Augenblick fuhr ein älterer Land Rover mit einschläfernden fünfundvierzig Stundenkilometern den Llanberis-Pass hinauf, was den Fahrer des weißen Transporters dahinter offensichtlich zur Weißglut trieb. Der Transporter trug die Aufschrift: LAUCH – DAS STOLZE SYMBOL VON WALES, VERHINDERT ROHRBRÜCHE – der stolze Werbeslogan von Klempner-Roberts aus Bangor. Er versuchte mehrfach zu überholen, musste sich aber auf ohnmächtiges Gehupe beschränken, das der Fahrer des Rovers nicht zu hören schien.

Endlich, jenseits des kleinen Dorfes Nant Peris, bog der Rover auf den Parkplatz eines alten Friedhofs ein. Drei Schafe, die auf dem Gras rund um die mit Flechten bedeckten Grabsteine gegrast hatten, sprangen beim Geräusch des herannahenden Wagens erschrocken auf und trabten hinter die alte Kirche, wo sie sich sicherer fühlten. Der Türen des Land Rovers öffneten sich und drei ältere Herren stiegen aus. Sie alle streckten langsam und vorsichtig ihre knirschenden Gelenke. Obwohl sie keine Priesterkragen, sondern wetterfeste Windjacken und robuste Wanderschuhe trugen, strahlten ihre Gesichter unschuldige Überraschung und Weltfremdheit aus, die man üblicherweise nur bei Chorknaben oder Mönchen sah. Doch die drei waren Vikare der Church of England und kannten das enthaltsame Klosterleben nicht. Sie standen da, atmeten tief durch und sahen sich erwartungsvoll um.

„Ich wette, diese alten Steine haben viele Geschichten zu erzählen“, sagte einer von ihnen und ging zu der bemoosten Friedhofsmauer hinüber.

„Wenn sie es täten, würden Sie nicht viel davon verstehen, weil es auf Walisisch wäre.“ Der Zweite, dessen Aussehen einer Putte am nächsten kam, kicherte.

„Wie auch immer, wir haben jetzt keine Zeit, um uns hier umzusehen.“ Der Dritte, schlanker und besser in Form als seine Kollegen, setzte einen Rucksack auf. „Wir müssen den Gipfel erreichen, ehe das Wetter umschlägt.“ Er hob den Blick zu den Bergen, die zu beiden Seiten steil anstiegen. Der Himmel war makellos blau, weit und breit war keine Wolke zu sehen.

Dann wandte er dem Friedhof den Rücken zu und überquerte die Straße, wo ein Schild einen Wanderweg in die grünen Hänge auswies. Seine Begleiter folgten ihm, bis sie an einen Übertritt an einer Bruchsteinmauer gelangten. Hinter der Mauer stieg eine mit Schafen gesprenkelte Weide an, aber der Übertritt war nicht passierbar. Er war mit gelbem Plastikband umwickelt.

Der vorderste der Geistlichen hielt an und ließ seine Kollegen aufholen.

„Das können sie doch nicht machen!“, rief er mit vor Wut gerötetem Gesicht, während er auf den versperrten Übertritt deutete. „Das ist ein öffentlicher Weg. Und wenn so ein sturer Bauer glaubt, dass er uns mit etwas Absperrband davon abhalten kann, sein Feld zu überqueren, dann hat er falsch gedacht.“

„Ruhig Blut, Ronald“, sagte der puttenhafte Vikar und legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter. „Vielleicht wird der Weg ausgebessert oder steht unter Wasser. Es gibt sicher genug alternative Strecken zum Gipfel.“

„Er hat recht, alter Mann“, sagte der dritte Geistliche in einem trägen, vornehmen Tonfall. „Es bringt nichts, grundlos den Blutdruck hochzutreiben. Erinnern Sie sich daran, was der Arzt gesagt hat.“

Ronald seufzte und wandte sich ab. „Sie haben recht. Lassen Sie uns auf die Karte schauen und sehen, wo die anderen Wege starten.“

Keine zehn Minuten später standen sie weiter oben an der Passstraße vor einem ähnlichen Übertritt, und sahen sich einem ähnlichen gelben Band und den auf ein Stück Pappe gekritzelten Worten ZUTRITT VERBOTEN gegenüber. Dieses Mal ging Ronald beinahe in die Luft.

„Jetzt reicht’s. Zurück zum Wagen. Wir suchen uns die nächste Polizeistation und sorgen dafür, dass dieser Bauer den verdammten öffentlichen Weg freigibt!“

 

„Tut mir leid, Jungs, aber mir sind die Hände gebunden.“ Superintendent Meredith breitete die Hände zu einer entschuldigenden Geste aus, als wolle er widerlegen, was er gerade gesagt hatte. Er war ein dicker Mann mit mehr als einem Kinn, die zitterten, als er den Kopf schüttelte. „Wir haben von denen da oben die Anweisung bekommen, dass wir das Landwirtschaftsministerium in dieser unangenehmen Angelegenheit tatkräftig unterstützen sollen.“

„Das wird nicht leicht“, murmelte jemand im Publikum.

„Hört mal, ich weiß, dass es nicht leicht wird, besonders für diejenigen unter uns, die eng mit der Gemeinde zusammenarbeiten, aber es muss getan werden.“ Der Superintendent versuchte sich an einem verständnisvollen Lächeln. „Mir geht es damit genauso schlecht wie Ihnen. Aber sie muss aufgehalten wären. Sie hätte schon aufgehalten werden müssen, ehe sie Wales erreichte. Das wäre auch möglich gewesen, wenn man nicht Däumchen gedreht hätte, bis es zu spät war.“

„Die verdammten Engländer, wann kam von denen je etwas anderes als schlechte Nachrichten?“, ertönte ein geknurrter Zwischenruf aus dem hinteren Teil des Raumes.

Falls der Superintendent ihn hörte, ließ er es sich nicht anmerken. „Wir müssen uns also einfach ins Zeug legen, zusammen an einem Strang ziehen und sicherstellen, dass es keine Unannehmlichkeiten gibt, nicht wahr?“ Er nickte als Einziger. „Das Landwirtschaftsministerium ist bereits vor Ort. Sie werden bei Bedarf um Unterstützung bitten.“ Er blickte in ausdruckslose Gesichter, dann fuhr er fort: „Das wär’s dann. Lassen Sie uns das so reibungslos wie möglich über die Bühne bringen, in Ordnung? Und wenn sich Komplikationen abzeichnen, zögern Sie nicht, Verstärkung anzufordern. Verstanden? Also dann.“ Er stand auf, wischte sich die Hände ab, als befänden sich Krümel daran, und schritt aus dem Raum.

„Zusammen an einem Strang ziehen, am Arsch“, murmelte einer der jungen Polizisten, während Stühle gerückt wurden und sie aufstanden.

Constable Meirion Morgan passte sich dem Tempo eines Kollegen an. „Für ihn ist ja alles klar, nicht wahr, Evan … er sitzt hier in seinem Büro. Ich wette, er hat sich einer Schafsherde noch nie auf weniger als dreißig Kilometer genähert.“

Der Kollege, den er angesprochen hatte, Constable Evan Evans, lächelte zustimmend. Er war ein großer Mann mit der Statur eines Rugbyspielers und einem knabenhaften Gesicht, das bei den Frauen gut ankam. „Wissen Sie, was ich hoffe, Meirion?“, flüsterte er vertraulich. „Ich hoffe bloß, dass sie sich Zeit lassen, ehe sie uns auf den Berg schicken.“

Meirion Morgan erwiderte das Grinsen. „Oh, richtig. Sie wechseln ja zu den Zivilfahndern, nicht wahr?“

„Nächste Woche soll mein Kurs anfangen.“

„Glückspilz“, sagte Meirion. „Aber das soll nicht heißen, dass Sie es nicht verdient hätten.“

„Ich habe lang genug auf die Bewilligung der Versetzung gewartet“, sagte Evan. „Ich habe sie vor über einem Jahr beantragt. Ich dachte schon so langsam, dass sie nie zustimmen würden.“

„Es wäre ziemlich dumm gewesen, das zu versäumen, bei der ganzen Hilfe, die Sie schon geleistet haben.“

„Die Leute dort sind nicht immer so dankbar über Hilfe von außen, nicht wahr?“, kommentierte Evan.

Sie schlossen sich der Menge an, die aus dem Besprechungsraum drängte. „Sie wollen das wirklich tun, ja?“, fragte Meirion. „Ich kann nicht behaupten, dass das für mich ansprechend klingt. Zu viel Stress und furchtbare Arbeitszeiten. Ich nehme an, dass mir dafür der Ehrgeiz fehlt, aber es gefällt mir, zu einer vernünftigen Zeit nach Hause zu kommen und nicht um drei Uhr morgens rausgeklingelt zu werden.“

„Ich glaube, es wird mir Spaß machen“, sagte Evan. „Ich habe schon einmal eine Weiterbildung für die Kriminalpolizei angefangen, als ich noch bei der Truppe unten in Swansea war.“

„Ist das so? Das wusste ich nicht. Was haben Sie ausgerechnet in Swansea getrieben? Sie sehen nicht wie ein Südwaliser aus und klingen auch nicht so.“

Evan lachte. „Ich bin hier oben zur Welt gekommen, aber mein Vater bekam eine Stelle bei der Polizei Südwales, also zogen wir dorthin, als ich zehn Jahre alt war.“

„Und dann waren Sie auch da unten in der Truppe? Was hat Sie dazu bewegt, hierher zurückzuziehen?“

„Mehrere Dinge.“ Evan beließ es dabei. „Meine Mutter lebt noch immer dort.“

„Kann nicht behaupten, dass es mich dort hinzieht“, sagte Meirion, als sie an der Tür zur Kantine vorbeikamen. „Ich war erst einmal in einer Stadt und fühlte mich dort sehr eingeengt, wenn Sie wissen, was ich meine. Noch eine Tasse Tee?“

„Nein, danke, ich sollte besser zurückfahren“, sagte Evan. „Ich bin oben in Llanfair ganz allein, und wenn ich weg bin, scheint immer irgendetwas zu passieren.“

„Sie haben in der Gegend mehrere Bauernhöfe, oder?“ Meirion zog eine Grimasse. „Wir auch. Ich freue mich überhaupt nicht darauf, aber der Superintendent hat recht. Es muss getan werden.“

Er nickte Evan freundlich zu, während er die Schwingtür zur Kantine aufdrückte. Evan wehte der Geruch von Würstchen mit Pommes frites in die Nase, als die Tür wieder zuschwang. Er hielt inne und blickte sehnsüchtig zurück. Er überlebte jetzt seit einigen Monaten ganz auf sich alleingestellt, und er war nicht der beste Koch der Welt. Nachdem er sein ganzes Leben lang erst zu Hause gelebt hatte und dann von Mrs. Williams versorgt worden war, stellte er in letzter Zeit fest, dass Kochen nicht so leicht war, wie es schien. Dinge, die einfach aussahen, verlangten üblicherweise nach Zutaten, die er nicht besaß und sahen hinterher nie so aus wie in den Kochbüchern. Natürlich konnte er im Red Dragon auf der anderen Straßenseite jederzeit eine Fleischpastete oder Würstchen bekommen, aber das war nicht Ziel der Übung. Er tat sich das alles einzig und allein für Bronwen an. Sie hatte deutlich gemacht, dass sie ihn nicht heiraten würde, ehe er erlebt hatte, wie es war, sich selbst zu versorgen.

Evan trat aus der Polizeistation von Caernarfon und ging zu seinem Motorrad. Die Versetzung zur Kriminalabteilung hatte noch etwas Gutes, stellte er fest. Er würde das verdammte Motorrad abgeben. Sie waren den Beamten von Außenstellen als Teil einer Produktivitätsmaßname zugewiesen worden, damit diese leichter die Bauernhöfe im Umkreis erreichen konnten. Aber Evan war damit nie so richtig warm geworden. Der Wind und der Regen in seinem Gesicht machten ihm nichts aus. Er war immerhin in den Bergen aufgewachsen. Motorräder reizten ihn einfach nicht.

Er trat auf den Anlasser und fuhr vom Parkplatz der Polizeistation. Es wäre nicht so schlimm gewesen, wenn man ihm eine dieser eindrucksvollen 1000-Kubik-Maschinen zugewiesen hätte, aber sein Motorrad war so kraftlos, dass er damit kaum die Steigung bis nach Llanfair hinaufkam. Jeder beliebige Einbrecher könnte ihm einen Berghang hinauf mühelos entkommen.

Er ließ das letzte Wohngebiet hinter sich und jetzt schwangen sich auf beiden Seiten grüne Gebirgswiesen in die Höhe. Ein Bach plätscherte fröhlich neben ihm, Blumen wuchsen im Überfluss und ergossen sich über die Bruchsteinmauern. Die Hochweiden waren mit Schafen übersät. Es war die perfekte Landidylle, ein Anblick, den er üblicherweise voll auskostete. Aber heute sah er sich mit einem mulmigen Gefühl um. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht würde nichts je wieder so werden, wie es war.

Das Dorf Llanberis war von Familien im Urlaub überlaufen. Die Eisverkäufer und Souvenirgeschäfte machten gute Geschäfte. Eine lange Schlange wartete vor der Zahnradbahn zum Mount Snowdon, und ein fröhliches Pfeifen verkündete, dass sie gerade die Fahrt zum Gipfel begonnen hatte. Evan wurde langsamer, als Urlauber mit ihren Kindern und tropfender Eiscreme über die Straße schlenderten. Er fragte sich, was aus ihnen werden würde. Musste man sie alle nach Hause schicken? Würde das ganze Gebiet unter Quarantäne gestellt werden?

Er manövrierte erfolgreich durch die Menge aus Urlaubern und gab Gas, als die Straße schmaler wurde und sich die Passstraße vor ihm ins Hochland schlängelte. Der Wind in seinem Gesicht versetzte ihn in freudige Erregung. Grüne Wände ragten zu beiden Seiten in die Höhe. Weiter oben schlossen sich Geröllhalden an und die felsigen Klippen, die er so gut kannte – der Snowdon und seine Felszungen zu seiner Rechten und jenseits des schmalen Sees die Zwillingsgipfel von Glydrs zu seiner Linken. Evan kannte den Pfad hinauf in die Berge, jede anspruchsvolle Kletterstelle, aber er hatte in jüngster Zeit nicht viel Zeit zum Klettern gefunden.

Nant Peris, mit seiner alten Kirche und dem alten Friedhof, zog rechts an ihm vorbei. Bis Llanfair gab es keine Häuser mehr. Als er an seiner kleinen Polizeinebenstelle vorfuhr, sah er dort einen geparkten Wagen und einen weißhaarigen Mann, der an der Eingangstür stand. Als er Evan hörte, kam er auf ihn zu.

„Sind Sie der Beamte, der hier seinen Dienst tun soll?“, fragte er in kultiviertem Englisch.

„Ganz recht, Sir. Constable Evans. Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Sollten Polizeistationen nicht durchgehend besetzt sein?“

„Tut mir leid, Sir. Ich bin der einzige Beamte hier oben und ich wurde runter ins Hauptquartier gerufen“, sagte Evan. „An der Außenmauer hängt ein Telefon, und man wird im Notfall immer einen Streifenwagen herschicken. Also, was kann ich für Sie tun?“

„Sie können losziehen und mit einigen dieser verdammten Bauern reden“, sagte der Mann. „Wir machen hier Wanderurlaub und wollten gerade zum Glydr Fach hinaufwandern, als wir feststellten, dass der Weg versperrt ist.“ Evan blickte zum Wagen hinüber, von wo aus zwei ältere Männer mit puttenhaften Gesichtern sie durch heruntergekurbelte Fenster beobachteten. „Meine Vikarskollegen und ich sind seit 1956 jeden Sommer hier, und bislang hatten wir nie Probleme.“

Evan realisierte gerade, was die Beschwerde des Mannes bedeutete. „Sie sagen, der Weg wurde blockiert?“, fragte er.

„Eher abgesperrt“, klinkte sich einer der älteren Herren vom Auto aus ein. „Jede Menge gelbes Plastikband. Und nicht nur bei einem Weg. Wir sind zum zweiten Wanderweg gefahren, und auch der ist abgesperrt. Und da steht ‚Zutritt verboten‘.“

„Irgendein dickköpfiger Bauer will uns uraltes Wegerecht verwehren“, sagte der erste Mann. „Das passiert ab und zu. Irgendein Kerl glaubt, er könne den öffentlichen Fußweg über sein Grundstück ignorieren. Aber wir lassen niemals zu, dass sie damit durchkommen. Wir hätten gerne, dass Sie zu ihm gehen und mit ihm sprechen, Constable. Lassen Sie ihn wissen, dass es gegen das Gesetz verstößt, einen öffentlichen Weg zu blockieren.“

„Ich werde mir das mit Ihnen ansehen“, sagte Evan, „aber ich glaube nicht, dass dieses Mal der Landwirt etwas damit zu tun hat. Ich weiß nicht, ob Sie Zeitung lesen, aber ich fürchte, dass sich die Maul- und Klauenseuche bis in diesen Teil von Wales ausgebreitet hat. Ich war gerade bei einer Einsatzbesprechung in Caernarfon, und es sieht nicht gut aus. Anscheinend ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Landwirte ihre Herden notschlachten müssen.“

Die Wut des Mannes verpuffte. „Das ist ja schrecklich“, sagte er besorgt. „Dann glauben Sie, dass man deshalb die Wanderwege abgesperrt hat?“

„Kann ich mir gut vorstellen, Sir. Ich hörte, dass die Leute vom Landwirtschaftsministerium bereits in der Gegend sind und Kontrollen durchführen. Und sie werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern – was auch das Schließen von Wanderwegen beinhalten kann, schätze ich.“

„Natürlich, das verstehe ich durchaus“, sagte der Vikar und nickte seinen Kollegen zu. „Man will ja nicht riskieren, dass jemand an seinen Schuhen verseuchte Erde herumschleppt. Ich muss schon sagen, das ist ein Rückschlag.“

„Das wird uns den ganzen Urlaub verderben“, sagte einer der Männer im Auto.

„Ich glaube, das wird vielen den Urlaub verderben“, sagte Evan. „Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können, genau zum Beginn der Sommerferien. Das wird eine Katastrophe für den hiesigen Tourismus.“

„Ja, ich schätze schon. Daran habe ich gar nicht gedacht.“ Der Vikar stand da und starrte mit wehmütigem Blick in die Berge hinauf. „Was schlagen Sie vor, Constable? Sollten wir so schnell wie möglich abreisen und andernorts unser Glück versuchen?“

Evan blickte zum Hang hinauf, von wo aus gelegentlich das Blöken der Schafe herüberdrang. „Sie alle sind Geistliche, sagen Sie? Dann schlage ich vor, dass Sie gewissenhaft beten. Wir werden es brauchen.“


 

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Kapitel 2

Evan sah dem abfahrenden Wagen nach. Er konnte sich vorstellen, dass sich in der ganzen Gegend ähnliche Szenen abspielten, Familien, die zusammenpackten und abreisten, Souvenirläden und Cafés ohne Kundschaft. Jeder in der Gegend würde auf irgendeine Weise davon betroffen sein. Aber mit etwas Glück würde er außen vor bleiben – während er in einem Klassenzimmer in Colwyn Bay säße und sich Notizen zur Kunst der Überwachung und der Psychologie des kriminellen Verstandes machte. Er stand vor der Polizeistation und blickte zu den Hängen hinauf. Einige der diesjährigen Lämmer, mittlerweile fett und flauschig, jagten sich in einem letzten Anflug jugendlicher Ausgelassenheit gegenseitig. Weiter oben am Hang konnte er das quadratische, weiße Gebäude von Owens’ Hof sehen. Während er so in die Ferne blickte, kam eine gedrungene, robuste Gestalt in Leinenmütze und Gummistiefeln zielstrebig den Pfad zum Dorf herunter. Zwei schwarzweiße Schäferhunde waren ihm auf den Fersen. Landwirt Owens war auf dem Weg ins Dorf. Evan fragte sich, ob er schon von den schlechten Neuigkeiten gehört hatte. Falls nicht, wäre es schöner, wenn er es von Evan selbst erfuhr, als von einem aufdringlichen, jungen Kerl aus dem Landwirtschaftsministerium. Er eilte dem Mann entgegen.

Die beiden Hunde kamen ihm mit wild wedelnden Schwänzen entgegen.

„Mot, Gel, hierher“, befahl der Landwirt und die Hunde hasteten zu ihm zurück.

„Ich wollte mit Ihnen sprechen, Mr. Owens“, sagte Evan.

„Und ich war gerade auf dem Weg zu Ihnen, Constable Evans“, sagte der Landwirt. „Ich muss bestimmt zehnmal in der Station angerufen haben und es ging immer nur der verdammte Anrufbeantworter dran.“

Evan fiel auf, dass der Landwirt ihn Constable genannt hatte, statt ihn mit seinem Vornamen anzusprechen. „Dann haben Sie es schon gehört, ja?“, fragte er. „Ich wollte Sie gerade warnen.“

„Nun, dann sind Sie verdammt spät dran“, blaffte Landwirt Owens. „So ein blassgesichtiger, junger Scheißkerl in einem Regenmantel hat mir mitgeteilt, dass ich bis auf Weiteres unter Quarantäne stehe. Ich darf mein Vieh nicht bewegen; ich darf mein Vieh nicht verkaufen. Ich habe eine Weide voller fetter Lämmer, die für den Markt bereit sind. Was glauben die, wer sie sind, aus London hier raus zu kommen und uns herumzukommandieren?“

„Ich schätze, sie machen nur ihre Arbeit“, sagte Evan und zuckte ob der Banalität seiner eigenen Aussage zusammen. „Sie versuchen, die weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern.“

„Dann leisten sie ziemlich schlechte Arbeit, oder? Man hätte sie in Cumberland eindämmen können, als noch die Möglichkeit bestand.“

„Da stimme ich zu, aber ihnen war offensichtlich nicht klar, wie ernst die Sache werden würde. Überlegen Sie nur, wie schnell sie die Pennies überquert und sich in den Lake District ausgebreitet hat.“

„Aber ich habe noch von keinem Fall in dieser Gegend gehört“, sagte Landwirt Owens. „Was gibt ihnen das Recht, rumzugehen und wahllos Viehbestände abzuschlachten, nur für den Fall, dass die Seuche sich bis hierher ausbreitet?“

„Ich schätze, sie versuchen eine Art Feuerschneise anzulegen, um die Ausbreitung nach Süden zu verhindern.“

„Meine Tiere werden nicht für deren Feuerschneise herhalten“, sagte Farmer Owens so wutentbrannt, dass seine Hunde den Kopf einzogen. „Wissen Sie, wie lange ich gebraucht habe, um diese Bestände aufzubauen? Ich habe ein paar Zuchtböcke, die mich ein ganzes Jahreseinkommen gekostet haben. Und dann kommt ein junger Idiot aus Whitehall und sagt mir, dass ich kooperieren soll, wenn die Armee kommt, um sie abzuschlachten?“

„Hören Sie, es tut mir wirklich leid“, sagte Evans.

„Eine Entschuldigung ist nicht genug. Also, ich werde das nicht einfach so über mich ergehen lassen, das kann ich Ihnen sagen, Evan bach. Es ist mein Land und ich habe das Recht, Eindringlinge davon fernzuhalten, oder?“

„Eindringline ja, aber …“

„Dann verlange ich Ihre Hilfe, um das durchzusetzen. Den nächsten jungen Wicht im Regenmantel, der durch mein Tor kommt, verhaften Sie, verdammt noch mal.“

Evan lachte. „Sie wissen, dass ich das nicht tun kann.“

„Dann werde ich mich selbst darum kümmern müssen. Aber ich warne Sie – sollen die nur versuchen, mit ihren Armee-Lastern zu meinem Hof zu kommen. Es wird ihnen nicht leichtfallen. Ich werde Straßensperren auf beiden Zufahrten errichten und mit meiner Schrotflinte auf sie warten.“

Evan kicherte nervös. „Kommen Sie schon, Mr. Owens. Wem soll das helfen, wenn Sie im Gefängnis landen?“

„Ich setze mich nur zur Wehr, Evan. Ich habe nicht die Absicht, jemanden zu verletzen, aber wenn es mein kleines Geplänkel in die Zeitungen schafft und ich damit öffentliche Sympathien für die Landwirte erzeugen kann, habe ich vielleicht etwas Gutes getan. Ich schreibe noch heute dem Landwirtschaftsminister. Ich werde ihm mitteilen, dass ich meine Böcke vom Rest der Herde getrennt halte, also gibt es keinen Grund, sie abzuschlachten, wenn es dazu kommen sollte.“

Evan gab keine Antwort. Er hatte den Verdacht, dass im Augenblick hunderte solcher Briefe auf dem Schreibtisch des Ministers landeten.

„Ich habe auch überlegt, die Böcke in meinen Transporter zu verfrachten und sie zu meinem Cousin drüben auf Anglesey zu bringen. Diese dämliche Maul- und Klauenseuche wird wohl kaum über das Wasser dort hingelangen können, oder?“

„Und was, wenn Ihre Böcke der Seuche ausgesetzt waren und Sie derjenige sind, der sie übers Wasser bringt?“ Er bückte sich, um den Hütehunden die Köpfe zu tätscheln, damit er dem Landwirt nicht in die Augen blicken musste. „Hören Sie, ich weiß, dass das schlimm für Sie ist, aber allen anderen geht es genauso, nicht wahr? In so einem Moment müssen wir alle für das Gemeinwohl Dinge tun, die uns nicht gefallen. Ich wette, Ihr Vater hatte auch keine Lust, im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen, oder? Aber er ist trotzdem gegangen.“

„Sie reden wie ein scheinheiliger, kleiner Mistkerl, das wissen Sie, oder?“ Landwirt Owens starrte Evan an. „Für Sie ist das ja kein Problem, nicht wahr? Was haben Sie zu verlieren? Woher sollen Sie auch wissen, wie es ist, sein ganzes Leben lang für etwas zu arbeiten, um dann zuzusehen, wie es einem genommen wird? Das wird meiner Frau das Herz brechen.“

„Es tut mir wirklich leid …“

„Das haben Sie schon gesagt. Ich nehme an, dass Sie das wirklich so meinen, aber Sie sind nicht bereit, uns dabei zu helfen, diese Bastarde aufzuhalten, oder? Guten Tag, Constable Evans. Ich habe zu tun. Ich treibe die Herde auf die Hochweiden. Da oben sind sie nicht so leicht zu fangen!“

Er drehte auf dem Absatz um und schritt wieder den Weg hinauf, mit den Hunden an seinen Fersen. Evan blickte ihm noch eine Weile nach, ehe er sich zum Gehen wandte. Als er bei der Polizeistation ankam, blinkte sein Anrufbeantworter wütend. Vermutlich Mr. Owens, dachte er und drückte auf den Knopf zum Abspielen.

„Constable Evans, wo stecken Sie?“, ertönte die herrische, weibliche Stimme, die er nur zu gut kannte. „Etwas Außergewöhnliches ist geschehen. Ich wollte durch das Tor hinter meinem Haus gehen, aber irgendeine bösartige Person hat es mit Absperrband blockiert. Und ich glaube, ich weiß auch, wer es war. Ich sah heute Morgen die Parry Davies mit ihren grässlichen, kleinen Hunden auf dem Pfad. Sie würde genau so etwas tun, um mich zu ärgern. Und einer ihrer Hunde hat auch noch direkt vor dem Tor seine widerliche Visitenkarte hinterlassen. Bitte stellen Sie sie zur Rede. Ich hole meine Schere, um ihr Absperrband zu entfernen.“

Evan seufzte. Ausnahmsweise war Mrs. Powell-Jones, Frau von Hochwürden Powell-Jones, Pfarrer der Beulah-Kapelle, nicht sein größtes Problem. Aber er würde sich ihr stellen müssen, ehe sie mit dem hirnlosen Trottel aneinandergeriet, der ohne Erklärung Fußwege versperrte. Er ließ den Anrufbeantworter weiterlaufen, während er seine Post durchsah. Unter den Briefen war einer aus dem Polizeihauptquartier in Colwyn Bay. Er öffnete ihn erwartungsvoll. Er könnte Einzelheiten über seinen neuen Posten enthalten.

Dann saß er da und starrte entsetzt und ungläubig auf das Papier. Die Nachricht kam vom Chief Constable, kurz und auf den Punkt.

 

An alle Mitarbeiter der Polizei Nordwales. Aufgrund der aktuellen Notlage werden sämtliche Fortbildungen ausgesetzt. Sämtlicher Urlaub ist, mit Ausnahme von familiären Gründen, bis auf Weiteres gestrichen. Ich hoffe, ich kann auf Sie alle zählen, um diesen schwierigen Prozess reibungslos abzuwickeln.

 

Evan ließ den Brief fallen, stand auf und ging im Raum auf und ab. Dann gab es also doch kein Entkommen. Er stellte sich vor, Bill Owens zurückhalten zu müssen, während seine hochgeschätzten Böcke zur Schlachtbank geführt wurden, und wie sich dieselbe Szene bei den anderen Landwirten wiederholen würde, die seine Freunde geworden waren. Selbst der Besuch bei Mrs. Powell-Jones schien ihm im Augenblick angenehmer, als grübelnd herumzusitzen.

Überaschenderweise verlief die Begegnung glimpflich. Als Mrs. Powell-Jones verstand, warum ihr hinteres Tor abgesperrt worden war, zeigte sie sich deutlich kooperativer.

„Was auch immer nötig ist, um die Ausbreitung dieser furchtbaren Seuche zu verhindern, Constable Evans – ich tue alles. Sie brauchen nur zu fragen. In einer solchen Krise müssen wir alle an einem Strang ziehen. Im Krieg hat meine Mutter Wundervolles geleistet, wie Sie wissen. Sie hat die gesamte Gemeinde versammelt. Ich werde mit meinem Ehemann sprechen und ein Treffen im Gemeindesaal ansetzen. Wir werden Freiwillige brauchen, die in der Gegend patrouillieren und Eindringlinge von den Feldern fernhalten. Sie können bei dieser Abscheulichkeit anfangen, dem Everest Inn, Constable Evans. Gehen Sie da rauf und rücken Sie denen den Kopf zurecht. Nur weil Menschen herkommen und exorbitante Summen bezahlen, glauben sie, das Recht zu haben, zu wandern und zu klettern, wo es ihnen gefällt.“

Evan verließ sie mit einer ganzen Liste von Anweisungen und dem Wunsch nach einem Drink. Er ging für eine schnelle Zwischenmahlzeit aus Brot und Käse nach Hause und dann auf die andere Straßenseite ins Red Dragon. Er freute sich auf ein Guinness und gute Laune. Die Bar war voll, als er die Tür öffnete und sich unter dem Eichenbalken hindurchduckte. Wie üblich empfingen ihn das Brummen walisischer Unterhaltungen und Silhouetten im rauchigen Mief. Er stand im Eingang und spürte, wie die Anspannung von ihm abfiel, dann manövrierte er vorsichtig durch die Menge, bis er mit seinem üblichen, fröhlichen „Noswaith dda, allerseits“ an der Bar ankam.

Normalerweise wurde diese Begrüßung wärmstens erwidert, häufig mit dem Angebot, ihm ein Pint auszugeben. Betsy, die Barfrau, strahlte üblicherweise, wenn sie ihn sah, und zog den Ausschnitt ihres T-Shirts ein kleines Stück tiefer, während sie sich provokativ über die Bar lehnte. Heute wurde er allerdings von versteinerten Gesichtern empfangen.

„Hallo, Betsy cariad“, sagte Evan überrascht. „Das Übliche bitte, wenn es dir nichts ausmacht.“

„Ich habe gerade zu tun“, sagte Betsy frostig. „Du wirst warten müssen, bis du dran bist.“

„Moment mal“, sagte Evan. „Habe ich irgendetwas getan, was dich verärgert hat?“

Betsy fuhr seelenruhig damit fort, ein Bier mit perfekter Schaumkrone zu zapfen. „Du hast alle verärgert, oder nicht?“

„Womit?“

„Wenn du das nicht weißt, werden wir es dir nicht sagen.“ Sie stellte das Pint vor einem kleinen, drahtigen Mann ab. „Bitte schön, Charlie bach, trink das, dann wird es dir besser gehen.“

Evan wandte sich an den älteren Mann. „Charlie?“, fragte er. „Was soll das hier?“

Charlie begegnete seinem Blick nur halb. „Schäfer-Owens war schon hier. Er hat uns alles über Sie erzählt. Sie waren nicht einmal mitfühlend. Haben ihm bloß einen Haufen Unsinn darüber erzählt, seine Pflicht zu tun. Ich dachte, Sie wären einer von uns, Evan bach.“

„Natürlich bin ich auf eurer Seite“, sagte Evan. „Aber ich kann nicht viel tun, oder? Ich kann die Leute vom Landwirtschaftsministerium nicht wegen unerlaubten Betretens verhaften, wie Mr. Owens es sich wünscht. Und ich kann ganz sicher nicht untätig zusehen, wie er die Armee mit seiner Schrotflinte in Schach hält.“

„Aber es ist nicht richtig, oder?“, verlangte Charlie Hopkins zu wissen. „Er hat sein ganzes Leben dafür gearbeitet, diese Herde aufzubauen. Wissen Sie, wie viel er einem raffinierten Züchter im Süden für einen dieser Böcke bezahlt hat? Das wird ihn ruinieren, ganz sicher.“

„Es ist ja nicht so, als hätten wir einen Ausbruch in der Gegend, oder?“ Milchmann-Evans wandte sich zu ihnen, um sich am Gespräch zu beteiligen. „Ich habe mit den Milchbauern gesprochen, und keine ihrer Kühe wurde positiv getestet. Trotzdem mussten sie aufhören, ihre Milch zu verkaufen.“

„Wenn ihr meine Meinung hören wollt“, sagte Fleischer-Evans, der dicke, polternde Metzger, und streckte den Kopf zwischen den anderen Männern hindurch, „das ist eine verdammte, englische Verschwörung, um die walisischen Schafe auszurotten. Sie wissen, dass unsere Lämmer besser sind als ihre und höhere Preise erzielen, also ist das eine gute Ausrede, um uns aus dem Weg zu räumen.“

„Oh, kommen Sie, Gareth bach.“ Evan versuchte zu kichern. „Schauen Sie sich nur an, wie viele englische Herden bereits notgeschlachtet werden mussten. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bis auch wir betroffen sind.“

„Ich stimme Fleischer-Evans ausnahmsweise zu“, sagte Milchmann-Evans und legte dem anderen Mann einen Arm um die Schultern. „Die haben kein Recht, sich in Wales einzumischen. Wir haben jetzt unsere eigene Nationalversammlung, oder? Die sollten die Gesetze machen, nicht ein paar Idioten aus London.“

„Ich sage euch was“, fuhr Fleischer-Evans fort, angestachelt von dem Zuspruch der Umstehenden. „Ich werde hinter Schäfer-Owens stehen, was auch kommen mag.“

„Ich auch.“ Ein gut gebauter, junger Mann in schmutzigem Overall drängte sich in den Kreis. „Ich habe ihm schon gesagt, dass ich mit der Planierraupe komme, um beim Bau der Blockaden an seinen Zufahrten zu helfen. Wollen wir doch mal sehen, wie begeistert die Jungs von der Armee sind, wenn sie sich fast einen Kilometer den Berg hinauf plagen müssen.“

„Ich wusste, dass wir auf Eimer-Barry zählen können“, sagte der Metzger und strahlte ihn stolz an. „Du bist einer von uns, Junge. Geboren und aufgewachsen in Llanfair.“

„Das ist wirklich toll von dir, Barry“, sagte Betsy und ein Lächeln trat an die Stelle des kühlen Blicks, mit dem sie üblicherweise seine Annäherungsversuche abwehrte. „Ein echter Held unseres Dorfes, das bist du. Nicht so wie andere hier.“

„Heißt das, dass du am Samstag mit mir zur Tanzveranstaltung im Rhyl Pavilion gehst?“, fragte Barry.

„Vielleicht überlege ich es mir“, antwortete Betsy und zog ihr T-Shirt glatt. „Ich finde, dass Mut belohnt werden sollte. Wir sollten für unser Dorf einstehen. Mein alter Herr hat schon seine Schrotflinte entstaubt, damit er auch helfen kann.“

„Gott steh uns bei. Dein Vater würde nichts treffen, selbst wenn er nüchtern wäre“, sagte Charlie Hopkins. „Vermutlich schießt er eher einem von uns in den Rücken.“

„Oder er tötet einen von Bill Owens’ wertvollen Böcken!“, warf Milchmann-Evans ein, als die Männer in Gelächter ausbrachen.

„Wisst ihr, was ich gehört habe, Jungs? Ich hörte, dass er plant, seine Schafe auf den Glydrs hinaufzutreiben“, sagte Milchmann-Evans schmunzelnd. „Na ja, ist ja alles sein Land, nicht wahr? Ich kann mir gut vorstellen, wie die Jungs von der Armee über diese Felsen krabbeln und an Steilhängen herumspringen, während sie versuchen, die Schafe zusammenzutreiben! Und Bill Owens sagte, falls sie ihn seine Hunde hochbringen lassen, wird er ihnen falsche Kommandos geben, damit sie bloß im Kreis rennen!“

Die Männer in der Bar brachen in lautstarkes Gelächter aus. Evan lächelte ebenfalls, aber er konnte das hohle Gefühl des Grauens in seinem Magen nicht abschütteln. Für die Bewohner von Llanfair war die Sache zu einer Art Spiel geworden, eine Robin-Hood-Verschwörung gegen die englischen Autoritäten. Und er war angewiesen worden, diesen fremden Autoritäten alle notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Er gehörte jetzt zu den Feinden.

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Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona.