Jeremy & Keira – Schöner wohnen mit Dämonen

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Prolog

„Was meinen Sie, Doktor? Werden Sie dieses Mal endlich erfolgreich sein?“, fragte die hochgewachsene Gestalt ungeduldig, kaum dass sie den steril gekachelten Raum betreten hatte.
Der grauhaarige Mann im weißen Kittel wandte sich zu seinem Gast um und gestattete sich für den Bruchteil einer Sekunde eine unangemessene Gefühlsregung: er runzelte die Stirn. Das plötzliche Erscheinen seines Besuchers und dessen despektierliches Auftreten ärgerten den Wissenschaftler. „Nun, wir werden sehen“, antwortete er ruhig, als er sich wieder im Griff hatte. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich unmöglich Einschätzungen über den Verlauf des Experiments geben. Wie Sie sehen, befinden wir uns noch in der Vorbereitungsphase. Allerdings reagiert die Probandin bisher sehr gut auf die gesteigerten Serumgaben.“
Der kleine Wissenschaftler deutete auf einen Untersuchungstisch in der Mitte des Labors. Der Besucher folgte der Geste mit dem Blick. Dort lag eine zierliche Frau, die an Händen und Füßen fixiert war. Ihr Gesicht wirkte fahl und eingefallen. Sie hatte die Augen halb geschlossen und ihre Lider flatterten. Ihr Schädel war rasiert und auf der Kopfhaut waren diverse Elektroden angebracht. Der Besucher trat näher heran, sodass er die glitzernden Schweißperlen auf der Stirn der Probandin im hellen Licht der OP-Leuchte funkeln sah. In beiden Armbeugen der Frau waren mit Klebestreifen Verweilkanülen fixiert, die über Schlauchsysteme mit Infusionslösungen verbunden waren. Emotionslos blickte der Besucher auf die Frau hinunter. „Und wann geht der Versuch endlich in die entscheidende Phase, Doktor?“
Der Doktor nahm seelenruhig eine Spritze von einem bereitstehenden Tablett. „Es besteht kein Grund zur Ungeduld. Ich bereite gerade die finale Phase vor. Wenn die Probandin die Dosiserhöhung überlebt, besteht große Hoffnung, dass wir die gesuchten Nukleotide extrahieren können. Wenn Sie wollen, dürfen Sie dem Versuch beiwohnen.“
Der Besucher nickte und verfolgte gebannt jede Bewegung des Wissenschaftlers. Dieser steckte mit einem Lächeln die Spritze auf das Einspritzventil der Venenverweilkanüle. „Na, dann wollen wir mal …“

Kapitel 1

Alle Dinge, Ereignisse und Erscheinungen verändern sich von Minute zu Minute.
Dalai Lama

Die Lagerhalle war stockdunkel und scheinbar menschenleer, als sich eine rotgetigerte Katze durch die zerbrochene Fensterscheibe schlich. Sie verweilte nur Sekunden auf der Fensterbank und sprang dann elegant ins Innere der Halle. Als sie auf dem Betonboden landete, umwehte ein leichter Wind ihren geschmeidigen Körper. Für einen Moment blieb die Katze unbeweglich in der leeren Halle stehen. Der Luftwirbel nahm an Heftigkeit zu und als er sich legte, hockte auf dem kalten Boden eine zierliche, nackte Frau. Sie stand auf und strich mit einer Hand ihre langen, feuerroten Locken aus dem Gesicht. Mit katzenartiger Geschmeidigkeit ging sie durch die Halle, als plötzlich ein Mann aus dem Schatten eines Betonpfeilers trat.
„Wo bist du gewesen, Keira?“
„Das geht dich überhaupt nichts an, Timor“, entgegnete die Rothaarige kühl. Sie steuerte unbeirrt auf eine Tür am anderen Ende der Halle zu.
„Abgesehen davon, dass du mal wieder zu spät kommst, geht es mich sehr wohl etwas an! Ich bin der Clanchef! Vergiss das nicht, Keira.“
Die junge Frau lachte ein leises, glockenhelles Lachen. „Als ob du es mich jemals vergessen lassen würdest. Und nun geh mir aus dem Weg.“
Doch der hochgewachsene Mann gab den Weg nicht frei. „Du willst doch wohl nicht so auf eine Clan-Versammlung gehen?“
„Seit wann stört dich Nacktheit, Timor? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass du früher so prüde warst.“ Keiras Stimme hatte einen neckenden Klang angenommen.
Timor zog zornig die Augenbrauen zusammen. „Ich bin nicht prüde, aber dein Auftritt ist in Anbetracht der Situation völlig unangemessen! Du solltest mehr Respekt zeigen.“
„Respekt? Vor dir?“ Keira legte fragend den Kopf zur Seite. In ihren Augen blitzte der Schalk.
„Vor deinem Vater, der mich zum Clanchef ernannt hat, und vor Sallys Familie. Sie sind völlig aufgebracht.“
Die junge Frau starrte ihr Gegenüber überrascht an. „Sallys Familie? Ist etwas passiert?“
„Sally ist seit zwei Tagen spurlos verschwunden. Nun komm, du wirst bei der Versammlung alles erfahren.“
„Zwei Tage?“, murmelte Keira ungläubig. Mit einem Schlag war sie ernst geworden. „Das sieht Sally gar nicht ähnlich. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert.“
Timor nickte bedächtig. „Der Clan ist in heller Aufregung. Vor allem, weil Bob erst vor einer Woche verschwunden ist. Dein Vater versucht alle zu beruhigen.“
„Dann sollte ich mir vielleicht doch etwas anziehen.“
„Ja, das solltest du. Ich habe dir Sachen mitgebracht. Sie liegen dort hinter dem Pfeiler.“ Timor deutete ans andere Ende der Halle.
„Danke.“ Keira nickte ernst und ging zügig in die angegebene Richtung.


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***

„Das kann doch nicht dein Ernst sein!“, entrüstete sich Frederic. „Du willst einen Vampir in unserer WG aufnehmen? Und dann auch noch einen Franzosen!“
„Ich wusste gar nicht, dass du etwas gegen Franzosen hast.“ Aimée hob eine Augenbraue und griff ungerührt nach einer Scheibe Toast. Sie war die hitzigen Diskussionen ihrer dämonischen Mitbewohner am Frühstückstisch mittlerweile gewohnt.
George goss sich Kaffee nach und grinste. „Hat er eigentlich auch nicht, aber den Franzosen sagt man einiges Geschick beim Umgang mit dem schönen Geschlecht nach und dann auch noch ein Vampir … Die machen die Frauen ja haufenweise schwach. Er hat einfach nur Angst, dass nichts mehr für ihn übrig bleibt.“
Aimée lachte. „Oh, là, là. Da wittert unser lieber Frederic wohl Konkurrenz. Das muss ganz schön hart für einen Incubus sein.“
Frederics Augen funkelten. „Unsinn! Aber ein Vampir! In unserer WG! Das geht nun mal gar nicht.“
„Wieso nicht?“, hakte Aimée nach und strich Orangenmarmelade auf ihren Toast.
„Warum? Das will ich dir sagen, Liebes. Wir sind Dämonen und er ist ein dreckiger, nach Knoblauch stinkender Vampir.“ Der blonde Incubus warf theatralisch die Hände in die Höhe.
„Äh, also ich dachte, Vampire mögen keinen Knoblauch? Das ist doch so, oder?“ Aimée schaute irritiert zu Cyrus, der die Diskussion bisher schweigend verfolgt hatte. Bevor er allerdings auf die Frage antworten konnte, erklärte Frederic schlicht: „Aber er ist Franzose und die essen alle Knoblauch!“
Aimée machte große Augen. „Sag mal, kann es sein, dass du gewisse Vorurteile hast? So hätte ich dich gar nicht eingeschätzt.“
„Ich habe überhaupt keine Vorurteile. Das ist allgemein bekannt.“ Frederic warf ihr einen beleidigten Blick zu. „So eine Kreatur passt einfach nicht in unsere Dämonen-WG.“
„Hast du nicht etwas vergessen, wenn du schon so vehement darauf pochst, dass dies eine Dämonen-WG ist? Ich bin ein Mensch.“ Aimée verschränkte die Arme.
„Das ist doch etwas anderes.“ Frederic winkte ab. „Du gehörst zu Cyrus und außerdem hast du besondere Fähigkeiten. Vermutlich bist du gar kein richtiges Menschenmädchen, sondern …“ Er suchte nach den passenden Worten. „… sondern auch eine Dämonin. Zumindest ein bisschen.“
„Wie kann man denn ein bisschen Dämon sein? Abgesehen davon, dass ich gar keine Dämonin sein möchte. Nichts gegen euch, Jungs, aber ich bin sehr gern ein Mensch.“
„Du willst mich einfach nicht verstehen, oder?“ Frederic raufte sich die Haare. „Ich habe überhaupt nichts gegen Menschen. Vor allem nicht gegen die weiblichen Menschen. Immerhin sind 95 Prozent meiner Geliebten Menschenfrauen. Aber wir reden hier von einem blutschlürfenden Vampir. Das ist Abschaum!“
„Die Diskussion nimmt meiner Meinung nach eine unschöne Wendung an“, mischte sich Cyrus ein. Er legte Aimée einen Arm um die Taille und zog sie liebevoll an sich.
„Du sei mal ganz still, du hast uns doch die Suppe eingebrockt. Von wegen wir haben jetzt ein Zimmer frei und schulden Daniel noch einen Gefallen, weil er uns im Kampf gegen die Engel unterstützt hat“, fuhr Frederic nun Cyrus an.
George zündete sich eine seiner geliebten Zigarren an und paffte dicke Rauchschwaden in die Luft. Ihn schien die hitzige Diskussion eher zu amüsieren.
„Nun beruhige dich doch, Frederic. Sollten wir denn einem Freund eine Bitte ausschlagen? Du weißt genau, dass dies gegen alle dämonischen Regeln verstößt“, argumentierte Cyrus.
„Ach, komm mir nicht mit dämonischen Regeln! Du willst doch nur die Flasche alten Rotweins, die dieser französische Schürzenjäger mitbringen will“, knurrte Frederic. „Außerdem hast du alle Regeln in den Wind geschossen und dich in ein Menschenmädchen verliebt. Nur deinetwegen hat uns der Rat auf dem Kieker!“
Aimée hatte Frederic noch nie so aufgebracht erlebt. Seine sonst so samtene, dunkle Stimme war schneidend. Er hatte Cyrus und sie bisher nicht wegen ihrer Liebe verurteilt. Dass ausgerechnet er dies jetzt tat, zeigte ihr, wie wütend er wirklich war.
„Schluss jetzt!“ Cyrus’ Stimme war nun auch eine Spur kälter. „Die Sache haben wir so besprochen! Solange Chris auf seiner Selbstfindungsreise in Griechenland ist, bekommt Jean-Claude sein Zimmer.“
„Bitte? Er heißt auch noch Jean-Claude? Das wird ja immer besser.“ Frederic schnaubte.
„Du wirst dich bestimmt an ihn gewöhnen. Daniel sagte, er wäre ein wirklich netter Kerl“, versuchte Cyrus ihn zu beruhigen.
„Ja, und wer weiß, vielleicht werdet ihr sogar Freunde“, sagte Aimée hoffnungsvoll.
„Glaubt, was ihr wollt. Ich bin auf jeden Fall dagegen.“ Der Incubus schob geräuschvoll seinen Stuhl zurück und stand auf.
„Und ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass es sehr lustig wird.“ George zwinkerte Aimée zu. Er schien nicht zu spüren, dass die Diskussion sich gerade in einen handfesten Streit verwandelte.
„Euch ist nicht zu helfen! Ihr werdet noch sehen, was ihr davon habt. Wenn der Blutsauger erst mal an Aimées zartem Hals hängt, werdet ihr vielleicht nicht mehr über mich lachen!“ Damit drehte sich Frederic um und rauschte aus der Küche.
George kicherte. „Bei allen Dämonen, unser Fredde ist aber heute gar nicht gut drauf.“
Aimée schwieg einen Moment betreten. Dann sah sie Cyrus fragend an. „Ob er sich wirklich Sorgen um mich macht?“
„Ach, Unsinn, Süße“, warf George ein. „Er ist nur um seinen guten Ruf als Womanizer besorgt.“
„Er schien aber wirklich wütend zu sein. Und er hat noch nie etwas gegen unsere Beziehung gesagt.“ Aimée zog sorgenvoll die Augenbrauen zusammen.
Cyrus schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass dir Gefahr droht. Nur junge und unerfahrene Vampire können ihren Blutdurst nicht kontrollieren und sind ein unberechenbares Risiko für Menschen. Die älteren Vampire können sich sehr wohl beherrschen. Ich glaube nicht, dass Daniel uns einen jungen Vampir als Mitbewohner schickt, zumal er immerhin an deiner Rettung beteiligt war und weiß, dass du hier mit uns zusammen wohnst. Er würde dich doch nie einer solchen Bedrohung aussetzen wollen. Außerdem bin ich ja noch da und passe auf dich auf.“ Cyrus drückte Aimée erneut liebevoll an sich. Sie blickte in seine honigfarbenen Augen und entspannte sich sofort. Seine Nähe gab ihr immer ein Gefühl von Wärme und Halt.
„Hm, vermutlich hast du recht.“ Aimée hob die Hand und strich ihm zärtlich eine Strähne seines schwarzen Haares aus der Stirn.
„Ich werde euch Turteltäubchen jetzt auch mal allein lassen.“ George stand ebenfalls vom Frühstückstisch auf. „Weil der Rat unseren guten Cyrus hier vorläufig von seiner Aufgabe als Amor freigestellt hat, habe ich nun mehr zu tun als vorher.“
„Oh, wie kommt’s?“, fragte Aimée neugierig.
„Der oberste Rat hat mich einem anderen Amor zugeordnet. Sie haben sein Tätigkeitsfeld um den Bereich London erweitert. Er war gestern vor Ort, um sich ein Bild der Lage zu machen, und er hat mir schon heute früh eine To-do-Liste zukommen lassen. Die ist so lang, dass ich erst dachte, im Dämensionskreis liegt eine Klorolle! Scheint so, als wollte dein Vertreter die halbe Stadt miteinander verbandeln.“ George grinste.
Cyrus zog eine Augenbraue hoch. „Entweder das, oder er will beim Rat Eindruck schinden. Wer ist es?“
George blickte zu Boden und kaute verlegen auf seiner Zigarre herum. „Nun … ich glaube, das wird dir nicht gefallen. Es ist Cyrill.“
Für einen Moment war es komplett still in der Wohnküche, nur die Wanduhr tickte. Cyrus’ Blick verfinsterte sich und er presste die Lippen zusammen. „Wann wolltest du es mir sagen?“
„Eigentlich überhaupt nicht. Aber da ihr es bei eurem Termin heute vermutlich sowieso erfahrt … na ja …“ George zuckte mit den Schultern.
„Verdammt!“ Plötzlich schlug Cyrus mit der Faust auf den Tisch. Das Geschirr schepperte heftig und Kaffee schwappte aus den Tassen. Aimée zuckte vor Schreck zusammen.
„Wer ist dieser Cyrill?“
„Mein Bruder“, antwortete Cyrus knapp. Dann erhob er sich und verließ ohne ein weiteres Wort die Küche. Aimée starrte ihm entgeistert hinterher.
„Was war denn das, bitte?“, fragte sie fassungslos.
George griff ungerührt nach einem Lappen und kümmerte sich um die Kaffeelache. Er wischte ausgiebig den Tisch ab und verkniff sich ganz gegen seine Gewohnheit jeden Kommentar.
Aimée packte seinen Arm. „Jetzt reicht es mir. Du sagst mir sofort, was das alles zu bedeuten hat. Und hör auf, den Tisch zu putzen! Das machst du doch sonst auch nicht!“
George ließ den Lappen los und murmelte: „Ich brauche einen Schluck Whisky. Willst du auch einen, Süße?“
Aimée schüttelte den Kopf. „Es ist gerade mal acht.“
„Okay, bleibt mehr für mich.“ George ging zum Küchenschrank und holte ein Whiskyglas raus. Dann nahm er die halbvolle Flasche Single Malt und schenkte sich großzügig ein. „Ehrlich gesagt, kann ich dir dazu nicht wirklich etwas sagen. Ich weiß nur, dass Cyrill sein Zwillingsbruder ist und Cyrus nicht über ihn spricht. Muss wohl ’ne alte Familiensache sein. So zwischen Brüdern. Ich frag da lieber nicht nach.“
Aimée runzelte die Stirn. „Er war wirklich aufgebracht. Ob ich mal mit ihm reden sollte?“
„So, wie Cyrus gerade drauf ist, würde ich das nur tun, wenn du jung sterben willst, Süße.“ Er sah sie ernst an.
„Aber er ist mein Freund und ich will für ihn da sein!“
George verdrehte die Augen. „Ich vergesse immer wieder, wie naiv ihr Menschen seid, wenn es um Liebesbeziehungen geht.“
„Das ist nicht hilfreich.“
„Ich meine doch nur, dass er die neue Situation erst mal mit sich selbst ausmachen möchte. Gib ihm etwas Zeit, Süße.“
„Okay.“ Aimée nickte. „Aber wenn das Verhältnis der beiden nicht so gut ist, warum hat Cyrill nun ausgerechnet London übernommen?“
George drehte das Whiskyglas in der Hand und betrachtete die goldene Flüssigkeit darin. „Eigentlich ist Cyrill für Irland zuständig. Warum der Rat ihn nun für London eingesetzt hat, weiß ich auch nicht. Vielleicht ist das schon ein Teil der Strafe.“
„Du glaubst wirklich, der Rat will Cyrus damit bestrafen?“ Aimée machte große Augen. „So hätte ich Ferox gar nicht eingeschätzt. Er schien mir ganz okay zu sein.“
„Na ja, Süße, Ferox ist nur eines der dreizehn Ratsmitglieder. Da sind ein paar ganz üble Typen bei. Richtige Beamte. So, wie ich den Hohen Rat kenne, werden sie sich noch etwas ganz anderes ausdenken. Aber ausgerechnet Cyrill mit Cyrus’ Aufgabe zu betrauen, ist ­natürlich besonders teuflisch.“
Aimée seufzte. „Das hört sich nicht gut an.“
Für einen Moment schwiegen beide.
„Wann habt ihr heute euren Termin beim Dämonenrat?“, erkundigte sich George.
Aimée blickte auf die Küchenuhr. „Oh je, schon in einer Stunde. Ich wollte noch duschen.“
„Ja, Süße, brezle dich ordentlich auf, dann können die steifen Alten deinem süßen Arsch nicht widerstehen und der gute Cyrus wird vielleicht nicht in die Wüste des ewigen Schweigens geschickt.“ George grinste.
Aimée unterdrückte ein Lächeln. „Du bist unverbesserlich!“

Als Aimée unter der heißen Dusche stand, wurde ihr die Tragweite des bevorstehenden Termins erst richtig bewusst. Seit sie vor ein paar Tagen die Ladung erhalten hatten, hatte Aimée die möglichen Konsequenzen verdrängt. Sie hatte darauf vertraut, dass man ihre Liebe anerkennen würde. Schließlich hatte der Rat zuvor entschieden, dass sie nach ihrer Rettung bei Cyrus bleiben durfte. War alles nur ein kurzer Traum gewesen?
Bei dem Gedanken daran, dem Dämonenrat gegenüberzutreten, flatterte Aimées Herz wie ein kleiner Vogel im Sturm. Vor ihrem inneren Auge zogen die letzten Wochen wie ein Film vorüber.
Ihr Leben hatte sich komplett verändert. Das große Herrenhaus, in dem ihre Familie lebte, war schon immer ein kalter Klotz gewesen. Doch nach dem Tod ihres Vaters wurde es Aimée fast unerträglich, in diesem Haus zu wohnen. Ihr Bruder spielte sich als Despot auf und ließ sie kaum nach draußen. Als er sie mit seinem Geschäftspartner verheiraten wollte und Aimée zu allem Überfluss auch noch einen Mord im Keller beobachtete, floh sie Hals über Kopf in Richtung London. Vor den Häschern ihres wahnsinnigen Bruders fand Aimée in dieser ungewöhnlichen WG Schutz. Das Zusammensein mit den Jungs war wie ein Lichtblick in dieser dunklen Zeit gewesen. Sie fühlte sich beschützt und zum ersten Mal in ihrem Leben gab es für sie so etwas wie ein Zuhause. Was sicherlich auch damit zusammenhing, dass sich Aimée sofort zu dem ernsten Cyrus hingezogen fühlte. Als sich nach der Nacht im Club dann herausstellte, dass die verrückten Jungs allesamt Dämonen waren, war sie zwar zunächst schockiert gewesen und wollte es nicht glauben. Aber nach all den Ereignissen der letzten Wochen dachte Aimée, dass sie nichts mehr erschüttern könnte. Außerdem, wer konnte schon von sich behaupten, mit einem sexy Incubus, einem frechen Amoridicius und einem charmanten Veritas-Dämonen befreundet zu sein?
Auf die Bekanntschaft mit dem Schwarzen Mann hätte Aimée allerdings gern verzichtet. Sie spürte immer noch diese herzzerreißende Traurigkeit, die er ausgestrahlt hatte. Dennoch hatte Jeremy sie zusammen mit den anderen Jungs aus den Fängen der Kampfengel gerettet. Bis zuletzt hatte Aimée es nicht wahrhaben wollen, dass ihr eigener Bruder sie an Arik, den Heerführer der Kampfengel verschachern wollte. Er hatte sogar ihren Tod in Kauf genommen, nur um seine Gier nach Macht zu befriedigen. Doch all diese schrecklichen Dinge verblassten vor der Tatsache, von einem echten Amordämon geliebt zu werden. Für einen Moment traten die Bilder der letzten Nacht in Aimées Gedächtnis, als sie stundenlang miteinander über Philosophie, das Leben und die Liebe geredet hatten. Sie hatten Rotwein getrunken und sie hatte in seinen Armen gelegen. Cyrus hatte sie so unglaublich zärtlich liebkost, wie es vermutlich kein anderer Mann je tun könnte. Er ließ sie all den vergangenen Schmerz vergessen.
Aimée trat aus der Dusche und wickelte sich in ein großes, flauschiges Handtuch. „Alles wird gut!“, sprach sie sich selbst im Badezimmerspiegel Mut zu. „Jetzt gib bloß nicht auf. Du bist immerhin den Fängen deines Bruders und eines Kampfengels entkommen. Der Termin beim Dämonen-Rat kann auch nicht schlimmer sein.“

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Evelyn Boyd schreibt Jugendbücher, Kriminalromane, Romantasy und Hörspielskripte. Sie lebt mit ihrem Kater Othello im hohen Norden an der Küste und holt sich ihre Inspiration gerne durch lange Spaziergänge am Meer.