Linda Cuir Über ihren neuen Roman

Worum geht es in deinem Buch Der Duft von Olivenblüten?

In der in Andalusien erzählten Geschichte geht es um leidenschaftliche Liebe, Leiden schaffende Lügen und Betrug. Aber auch um ein Geheimnis und den Kampf einer erstarkten Frau, das ihr aufgezwungene Schicksal zu meistern.

 

Wie kamst du auf die Idee zu diesem Liebesroman, der im schönen Andalusien spielt?

Nach meinem Debütroman Der Himmel über Ceylon wollte ich einen Roman schreiben, der hier in Andalusien – meiner zweiten Heimat – spielt. Ich liebe es, am Strand spazieren zu gehen, über das Meer zu sehen und dem Schlagen der Wellen zu lauschen.  Eines Tages saß ich auf der Terrasse meines Lieblingshotels, das in einer ruhigen Urbanisation direkt am Strand liegt und hörte laute Stimmen. Dann fiel krachend eine Tür ins Schloss. Er ist gegangen, dachte ich, nahm meinen Block aus der Tasche und schrieb den Anfang.

 

Eine Karte von Andalusien

 

An einem Festtag im Juni ändert sich das Leben der reichen Erbin Carlota schlagartig. Die Adelige steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Welche ist das?

Carlota steht nicht nur vor dem Scherbenhaufen ihrer Ehe, sondern sie wird von einem Tag zum anderen gezwungen, ihr sorgenfreies Leben hinter sich zu lassen. Ab sofort muss sie sich selbst um ihre Besitztümer kümmern. Sie möchte  das Schlimmste verhindern und versucht, zu retten, was zu retten ist.

 

Welchen Wandel macht Carlota in der Geschichte durch?

Aus der luxusverwöhnten Carlota wird eine hart arbeitende, selbstständige Frau.

 

Welche wichtigen Menschen trifft Carlota auf ihrem Weg durch Andalusien und Marokko?

Bei Aufräumarbeiten stößt Carlota auf ein Geheimnis ihrer Mutter und versucht, den Mann zu finden, der mit Katharina in Tanger einige Jahre verbracht hat. Dort lernt sie nicht nur Fatima, Maurice und seine liebenswerte Claire kennen, sondern trifft in einem abgelegenen Bergdorf die Berberin Midoua.
Ihre Haushälterin Maria mit Ehemann José sowie das Verwalterehepaar Maite und Ronaldo unterstützen sie bei ihrer neuen Aufgabe. Auch ihr alter Freund Fernando kümmert sich um sie. Auf seinem Geburtstagsfest begegnet Carlota ihrer alten Liebe Antonio und erfährt, dass er mit Paz verheiratet ist und es eine gemeinsame Tochter Kiara gibt.

 

Was hat dich zu diesem dramatischen Liebesroman inspiriert?

Das kann ich nicht genau sagen. Wenn ich Menschen sehe, die mich faszinieren, dann beginnt in meinem Kopf ein Film abzulaufen. Ich kenne nur Beginn und Ende. Und hier in der Region gibt es viele dieser reichen oder sehr bekannten Leute, die oft innerhalb weniger Jahre mit neuen Partnern auftauchen. Deshalb hat sich mir die Geschichte aufgedrängt.

 

Du lebst selbst teilweise in Andalusien. Was fasziniert dich an der Gegend?

Das Land mit seiner Kultur und seinen Traditionen, aber auch die Vielfältigkeit der  Natur. Das Meer und wenige Kilometer landeinwärts, Einsamkeit und hohe Berge mit den weißen Dörfern. Vor allem aber die Spanier! Als ich 2001 hierher kam, traf ich auf sehr liebenswerte Menschen. Gärtner oder Handwerker sangen noch ihre traditionellen Lieder bei der Arbeit. Leider hat sich vieles inzwischen gewandelt.

 

An welchen Orten und Plätzen hast du die Geschichte geschrieben?

Mit meinem Mann habe ich die Schauplätze mehrfach besucht und habe mir Notizen und Fotografien gemacht. Wir haben einen Stierzuchtbetrieb besucht, sind wiederholt in Medina Sidonia gewesen und auf den Castillo gestiegen. Die Costa de la Luz, Jerez de la Frontera, Sevilla, Córdoba und Montilla, aber auch Tanger und Marrakesch kenne ich sehr gut. Tazghalit kenne ich nur aus Erzählungen eines Insiders.

 

Hast du eine Leseempfehlung für uns?

Ja. Ich liebe den Gedichtband von Georg Bossong, der alte arabische Gedichte aus der Maurenzeit ins Deutsche übersetzt hat. Ein kurzes Gedicht Die Trennung ist in meinem Roman enthalten.
Das Wunder von al-Andalus Die schönsten Gedichte aus dem Maurischen Spanien. C.H.Beck Verlag, München 2005

 

Welches sind deine Lieblingsorte in Andalusien?

Eigentlich gibt es für mich zu viele. Málaga liegt von meinem Wohnort eine knappe halbe Autostunde entfernt und ist nach großzügiger Sanierung des Hafens und der alten Häuser mit seiner andalusischen Bauweise in neuer Pracht erblüht. Málagas Altstadt mit den engen Gassen, dem Dom, der Alcázaba, Museen und dem großen kulturellen Angebot ist für mich ein immer häufigeres Ziel. Dann besuche ich das AC Hotel, das direkt am Hafen und wenige Schritte vom Dom entfernt liegt, fahre hinauf auf die Dachterrasse und blicke über die Stadt, den Hafen mit seinen Schiffen und das Meer und komme ins Träumen. Leider kein Geheimtipp mehr! Und hin und wieder nehme ich einen Drink im El Pimpi, dem ältesten Tapaslokal Málagas.
Granada mit der Schönheit der Alhambra und den Bergmassiven der Sierra Nevada im Hintergrund. Der legendäre Albaicin und Sacromonte mit seinem Flamenco. Antequera, Córdoba mit der Mezquita und natürlich Sevilla. Nein, ich habe keinen Lieblingsort. Jede Stadt, jedes weiße Dorf ist einzigartig. Und wer Wanderungen liebt, kommt gerne wieder.

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Linda Cuir wurde 1944 geboren. Nach Aufgabe ihrer Berufstätigkeit im Jahr 2000 verlegte sie ihren Wohnsitz teilweise nach Andalusien. In der neuen Heimat begann sie mit Leidenschaft, Geschichten über Erlebtes und Visionäres zu schreiben.