Caitlyn Young über ihren neuen Roman

Worum geht es in deinem Buch Mauerblümchen küssen besser?

In dem Roman geht es um die 25-jährige Gundi Funzel, deren Leben nicht wirklich in die Gänge kommt, obwohl sie viele Talente hat. Nach dem tragischen Unfalltod ihrer besten Freundin Anne wird sie wachgerüttelt und will etwas an sich ändern. Also erfindet sie sich auf der Online-Plattform All of Us als Sarah Sparks, die sowohl optisch attraktiv als auch beruflich erfolgreich ist, neu. Aber reicht das? Als sich Gundi im Internet in den Maler Ray Colby verliebt und der sie treffen möchte, ist das Chaos perfekt …

 

Deine Protagonistin heißt Gundi Funzel. Ein wirklich toller Name. Wie bist du darauf gekommen?

Wenn ich das so genau wüsste! Ich achte immer auf Namen, lese sogar die Namensschilder der Kassiererinnen und Kassierer im Supermarkt. Irgendwann fragte ich mich, welcher Vorname für eine junge Frau wirklich sonderbar wäre, und da kam ich auf Gundi. Ich kenne niemandem, der so heißt. Wann sich der Nachname zu dem Vornamen gesellte, das weiß ich noch ganz genau: Das war beim Duschen! Da kam mir auf einmal der Name Gundi Funzel in den Sinn. Und so war meine Protagonistin, zumindest was ihren Namen betrifft, geboren.

 

Steckt auch etwas von Gundi in dir selbst?

Gute Frage … Von jedem meiner Charaktere finde ich etwas in mir, ja. Gundi ist mir natürlich ganz besonders ans Herz gewachsen, weil ich monatelang in ihre Rolle geschlüpft bin. Bestimmt steckte ein Teil von Gundi in mir, als ich eine junge Frau war. Schließlich beschäftigt sie sich mit Themen, die auch meine Gedanken gefangen hielten: Was mache ich aus meinem Leben? Inwieweit bin ich anders als meine Eltern und andere Frauen? Gibt es die eine, große Liebe?

 

Beschreibe deine Protagonisten Gundi Funzel, Sarah Sparks und Ray Colby in jeweils drei Worten.

Gundi ist schüchtern, humorvoll und kreativ.
Sarah Sparks ist extrovertiert, reisefreudig und beliebt.
Ray Colby ist unkompliziert, künstlerisch und hilfsbereit.

 

Gundis beste Freundin verunglückt bei einem Unfall. Ist dir etwas ähnliches passiert?

Nein, zum Glück nicht! Ich habe aber von ähnlichen Fällen gehört und gelesen, so etwas nimmt mich immer mit. Da frage ich mich, wie es sich anfühlen muss, das durchmachen zu müssen.
Dass frühere Freundschaften zerbrechen oder man sich auseinanderlebt, das kenne ich. Das ist zwar nicht so drastisch wie der Tod, aber doch eine Veränderung, die man bewältigen muss.

 

Würdest du dich selbst gerne einmal neu erschaffen? Wenn ja: Wie? Auch als Sarah Sparks?

Inzwischen nicht mehr, die Zufriedenheit kommt wohl mit der Erfahrung und dem Älterwerden.
Früher war ich viel unruhiger und idealistischer. Ich hätte mir bestimmt vorstellen können, zu einer „Göttin“ wie Sarah Sparks zu mutieren. Aber damals gab es diese Möglichkeit im Internet noch gar nicht!
Der Gedanke, sein Wesen zumindest teilweise umkrempeln zu wollen, ist menschlich, denke ich. Vor allem, wenn man noch jung ist. Man ist nicht mit allem zufrieden, was man getan oder erreicht hat. Jeder Tag ist im Idealfall ein Versuch, sich selbst zu optimieren. Und manchmal steht einem zu viel im Weg. Vielleicht sogar die eigene Person!

 

Gundi ist zu Beginn des Romans sehr unglücklich. Hast du einen Rat für junge Menschen, denen es ähnlich geht?

Gundis Geschichte zeigt, dass sich jeder im Rahmen dessen, was für ihn möglich ist, anstrengen und verbessern kann, um glücklicher zu werden. Natürlich gibt es Grenzen und nicht jeder wird zum Beispiel aussehen wie ein Topmodel oder eine unglaubliche Karriere hinlegen, aber darauf kommt es gar nicht an! Wichtig ist, dass man zu sich selbst findet und die eigenen Talente entdeckt. Dass man nicht versucht, sich abzulenken und die Probleme zu verdrängend, denn das macht die Sache nicht besser.
Für mich gibt es zwei Punkte, die wichtig sind: Erstens die Umstände, die man eventuell ändern muss, was viel Mut erfordert. Oder aber man muss lernen, sie zu akzeptieren, wenn sie nicht zu ändern sind. Zweitens ist da die eigene Sicht der Menschen und der Welt generell. In beiden Fällen muss man sich intensiv mit sich selbst beschäftigen, auch wenn es wehtut. Ob wir nun wollen oder nicht, mit der eigenen Person verbringt jeder die meiste Zeit im Leben! Ich glaube fest daran, dass man sich selbst aus einem tiefen Loch ziehen kann. Gundi hilft sich viel selbst, lässt sich aber auch von außen helfen. Diese Unterstützung kann ganz unterschiedlich aussehen, sei es ein Familienmitglied, die beste Freundin oder ein Psychologe. Wichtig finde ich, dass man die Sorgen nicht in sich hineinfrisst.
Die wichtigste Zutat des Glücks ist für mich die innere Einstellung, die man sich erarbeiten muss. Das ist anstrengend und dauert lange, aber es lohnt sich!

 

Wie heißt der Liebesroman, den du zuletzt gelesen hast?

Ohje, das weiß ich nicht mehr so genau! Ich lese viel und in sehr unterschiedlichen Genres. Vielleicht „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger.

 

Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Romanen?

Der Funke kommt von ich weiß nicht woher. Fast immer bekomme ich die Idee einfach so, oft beim Musikhören, Bügeln, Duschen oder sogar im Traum! Oder weil ich ein lustiges Erlebnis habe oder mir eine Person über den Weg läuft, die mich zu einer Geschichte beflügelt. Die Idee ist also wie ein Geschenk. Dann kommt die Ausarbeitung …

 

Wenn du dich entscheiden müsstest, wärst du lieber mit Gundi Funzel oder Sarah Sparks befreundet? Warum?

Vieles von Gundi steckt ja in Sarah. Sarah ist nur die Hülle, die Gundi braucht, um aus sich herauszukommen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich auf jeden Fall Gundi zur Freundin haben wollen! Ich mag ihren teils sarkastischen Humor, ihre schnellen Gedanken und ihre Menschlichkeit. Sie ist bei weitem nicht perfekt, aber umso liebenswerter.

 

Muss eine Liebesgeschichte für dich ein Happy End haben?

Definitiv nicht. Das traurige Ende hinterlässt oft sogar die tieferen Eindrücke.

 

Hast du einen Buchtipp für uns?

Einen? Ich habe viele! Aber wenn es nur einer sein soll, dann Was von mir bleibt von Lara Avery. Das Buch hat eine wunderschöne Botschaft. Taschentücher griffbereit legen!

 

Zum E-Book

Schon als Kind begann Caitlyn Young eigene Geschichten und Gedichte aufzuschreiben. Im Deutsch-Leistungskurs am Gymnasium und während des anschließenden Studiums der Anglistik kam sie der Literatur noch ein Stück näher. Irgendwann wurde der Wunsch, nicht nur für die eigene Schublade zu schreiben, so groß, dass sie den Weg zu einer Literaturagentur suchte. Heute schreibt sie in verschiedenen Genres und möchte noch viel Neues ausprobieren.