Mode, Mops und Moneten

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Episode 1

Fettpolster sind die Muskeln der Dicken.
Hasso Lagerfield

1

Mein Name ist Hasso.
Hasso Lagerfield.
Und ich renne gerade um mein Leben. Deswegen kann ich mich leider nicht so ausführlich vorstellen, wie es die Höflichkeit einem britischen Mops normalerweise gebietet.
Nur eines, ganz kurz: Es hat gewisse Vorzüge, ein Mops zu sein, vom blendenden Aussehen angefangen über die zeitlose Eleganz bis hin zu beeindruckender Intelligenz.
Und es hat einige Nachteile, wobei mich momentan nur einer interessiert: meine kurzen Beine.
Jedenfalls sind sie kürzer als die der Deutschen Dogge, die mich gerade verfolgt: Arnold, dieser Neureichen-Hooligan, der – glaubt man den Gerüchten – schon einige Hunde auf dem Gewissen hat. Wenn mir nicht bald etwas einfällt, bin ich der Nächste.
Denn er ist nur noch drei Hundelängen hinter mir – und mit Hundelängen meine ich leider Mopslängen.
Wahrscheinlich könnte Arnold noch stundenlang so weiterrennen, jedenfalls kommt sein Schnaufen immer näher, präzise wie eine Maschine. Mein Hecheln hingegen wird immer hektischer. Kein Wunder, Arnold trainiert im Hundesportverein und ich nicht.
Selbst wenn ich es gewollt hätte, die hätten mich nie zur Aufnahmeprüfung zugelassen.
Denn wie es sich für einen ordentlichen Mops gehört, bin ich übergewichtig – neben meinen kurzen Beinen der Hauptgrund dafür, dass ich Arnolds Geifer inzwischen direkt in meinem Nacken spüre.
Hätte ich mich doch nicht in seine alte Wohnung im Londoner East End schleichen sollen?
Aber ich musste es einfach tun!
Kaum war ich in die Wohnung eingedrungen, öffnete Arnolds Herrchen die Tür, suchte nach ein paar Sachen und entdeckte stattdessen im Kleiderschrank einen Mops.
Sofort hetzte er Arnold auf mich.
Und der hat mich bis ans Ende des East End gejagt, vorbei an leer stehenden Modegeschäften, leer stehenden Ein-Pfund-Shops und vollen Wettbüros. Es wird jetzt fast ländlich, aber es bleibt eine trostlose Gegend, in der ich in wenigen Sekunden in die ewigen Mopsgründe eingehen werde.
Jetzt kann mir nur noch eine brillante Idee helfen – oder das Gatter des Bauernhofs vor mir.
Ja, es gibt noch Bauernhöfe in London, wenn auch nur am äußersten Ende des East End.
Mit letzter Kraft zwänge ich mich durch das Gatter und schaue gleichzeitig hinter mich, um zu sehen, wie es mir Arnold gleichtun will, denn er ist zwar stark, aber nicht sonderlich clever.
Zumindest war er das nicht in der Vergangenheit, denn jetzt springt er einfach über das Gatter und ist plötzlich neben mir.
Genau genommen sogar über mir.
Zwischen seinen scharfen Zähnen glaube ich die Reste eines Kätzchens zu erkennen. Vielleicht ist es aber auch dieses Luxushundefutter, das sich mein Frauchen nicht leisten kann.
Dann mache ich das, womit Arnold am wenigsten rechnet.
Ich bleibe stehen.
Neben liegen, schlafen und fressen kann ich das nämlich am besten.
Sollte man sich in Krisensituationen nicht auf seine Stärken besinnen?
Allerdings bin ich gar nicht deswegen stehen geblieben, sondern wegen des Stiers, der direkt vor uns mit den Hufen scharrt.

2

Das Revierverhalten jedes ordentlichen Stiers aktiviert man am zuverlässigsten, indem man in sein Gehege eindringt, was Arnold und ich offensichtlich getan haben.
Daran, dass wir einen mehr als ordentlichen Stier vor uns haben, darüber besteht kein Zweifel.
Arnold könnte das besser beurteilen als ich, denn im Gegensatz zu mir ist er nicht stehen geblieben. Und er tut es auch jetzt noch nicht, denn ein Eurostar hat nun mal einen längeren Bremsweg als ein Bummelzug.
Hinzu kommt: Wäre ich ein Stier, würde ich eine mit den Zähnen fletschende Dogge, die auf mich zurennt, eher als Bedrohung wahrnehmen als einen harmlosen und niedlichen Mops, der sich zudem gerade hinter einem Heuhaufen versteckt hat.
Von meinem Versteck aus kann ich leider nicht mit ansehen, wie der Kampf der beiden verläuft, aber den Geräuschen nach zu urteilen ist der Stier klar im Vorteil.
Am besten, ich bewege mich erst mal nicht von der Stelle. Das ist nebenbei bemerkt eine Taktik, mit der schon viele Unfälle, Fettnäpfchen und Weltkriege verhindert worden wären. Zudem gibt mir das die Gelegenheit, mich ausführlicher vorzustellen.
Mein Spitzname ist Longnose, obwohl ich – selbst wenn ich lüge – eine kürzere Nase als Pinocchio habe, wenn er ehrlich ist. Aber für einen Mops habe ich eben ein ziemlich langes Riechorgan. Denn ich bin ein Retromops und keiner dieser überzüchteten Hunde, die außer Atem geraten, wenn sie von der Couch zum Fressnapf laufen müssen, jedenfalls wenn die Distanz mehr als zwei Mopslängen beträgt.
Aber wahrscheinlich kennen Sie mich ohnehin, denn ich, Hasso Lagerfield, bin der größte Modemacher der Welt. Noch größer als dieser Mensch, der ganz ähnlich wie ich ausgesehen hat, jedenfalls wenn er sich ein wenig zurechtgemacht hat.
Aber es besteht ja wohl keine Frage, wer von uns beiden der Erste war, denn ich bin schon seit über fünfzig Hundejahren im Modegeschäft tätig.
Heute Abend veranstalte ich übrigens eine große Fashionshow in der Londoner Petropolitan Opera.
Nicht zu verwechseln mit der New Yorker Metropolitan Opera, noch so eine Kopie.
Viele Menschen sind irritiert, wenn ich sie über solche Gegebenheiten aufkläre. Was wohl daran liegt, dass die meisten Zweibeiner die Hundesprache nicht verstehen.
Dabei wäre es so leicht, aber die Menschen haben einfach keine Ahnung von kontextsensitiver Kommunikation!
Wenn ein elegantes Mopsmodel an mir vorbeistolziert, kultiviert seinen Schwanz hebt und mich frivol anlächelt, heißt ein „Wuff, Wuff” von mir beispielsweise: „Baby, ich bin gleich bei dir.”
Wenn mir jedoch Arnold gegenübersteht, heißt dasselbe „Wuff, Wuff”: „Ich glaube, ich mache mir in die Hose.”
Womit wir bei meiner Mission wären. Und bei meinem Problem. Aber zuerst zu meiner Mission: den Hunden Hosen geben.
Das mag absurd klingen, gerade für Menschen, aber stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Richter, und vor Ihnen säßen zwei Angeklagte. Zum einen ein Mensch, piekfein in Anzug und Schlips. Und zum anderen ein nackter Mops, der sich während der Verhandlung an den Eiern leckt. Wem würden Sie glauben? Und wen für intelligenter halten?
Eben.
Dabei würden sich – wie die Forschungsgruppe Wauen kürzlich herausgefunden hat – siebenundachtzig Prozent der männlichen menschlichen Bevölkerung selbst an den Eiern lecken, wenn sie es denn könnten.
Völlig zu Recht übrigens, aber ich will jetzt hier niemanden neidisch machen. Denn unsere größte Gabe ist gleichzeitig auch unser größtes Problem.
Wir sind nämlich viel zu schnell zufrieden. Schlechten Tag gehabt? Egal, ein wenig an den Eiern lecken, dann ist das schnell wieder vergessen.
Außerdem fehlt uns Hunden die Herausforderung! Für ein ordentliches Hundeleben reicht es nämlich schon aus, ein Herrchen oder Frauchen zu finden, das einem die Mahlzeiten spendiert. Fertig. Man muss nichts studieren, arbeitslos kann man auch nicht werden, selbst die Steuern werden für uns bezahlt, und am Ende müssen wir nicht mal einen Rentenantrag einreichen.
Als Gegenleistung wird von uns nur verlangt, dem Herrchen oder Frauchen ein wenig um die Beine zu schwänzeln, es bei seinen so zahllosen wie ziellosen Spaziergängen zu begleiten und erfreut zu bellen, wenn es nach Hause kommt. Was gar nicht gespielt sein muss, denn das bedeutet meistens, dass Fressen im Anmarsch ist.
Bei der menschlichen Gattung führen höchstens einige blondierte weibliche Exemplare bei ihren Herrchen ein so privilegiertes Leben wie unsereins.
Ich hab zwar keine Ahnung, welche Gegenleistung die Frauen dafür erbringen, aber wenn man sich die Umfrage von vorhin anschaut, habe ich zumindest einen Verdacht.
Menschen sind im Grunde ja auch nur Hunde, denen zwei Beine fehlen.
Davon abgesehen verbietet mir die Abscheu vor den menschlichen Abgründen sowohl bei Tier als auch bei Mensch von Rassen zu sprechen, weswegen ich mich lieber an das Wörtchen Gattung halte.
Was ja auch viel mehr mit Begattung zu tun hat.
Dem Sinn des Lebens.
Den der Mensch immer noch nicht gefunden hat und glaubt, er läge darin, möglichst viele Rolex-Uhren, Porsche-Cabrios und Fußballweltmeisterschaftstitel anzuhäufen.
Womit wir zu meinem Problem kommen. Aber da die Aufmerksamkeitsspanne der Gattung Mensch extrem kurz ist, schildere ich das besser im nächsten Kapitel.

3

Doch zuerst muss ich mal schauen, was Arnold und der Stier so treiben, denn von meinem Heuhaufen aus höre ich keine Kampfgeräusche mehr, sondern nur noch ein leises Winseln.
Ich strecke meine Nase aus der Deckung, also im Grunde meinen ganzen Kopf, kann die beiden jedoch nicht entdecken. Gut, dann sind sie auch nicht in meiner Nähe.
Vorsichtshalber bleibe ich hinter dem Heuhaufen sitzen und richte mir das Jackett. Da ich auf meiner Mission mit gutem Beispiel vorangehen muss, gehe ich nie ohne Maßanzug, Sonnenbrille und Vatermörder aus dem Haus. Letzteres ist übrigens ein Stehkragen – nur falls Sie nicht vom Fach sind.
Außerdem kann ich ja nie wissen, ob ich sie treffe.
The most sexy Pudeldame der Welt, Victoria von der Tann. Die Liebe meines Lebens. Und gleichzeitig mein größtes Problem. Denn leider wohnt sie bei Arnold. Weswegen ich in seiner ehemaligen Wohnung war. Denn kaum waren seine Proletenherrchen durch irgendwelche obskuren Geschäfte zu Geld gekommen, wurde ihnen das East End zu proletarisch, und sie sind ins West End gezogen, Londons Nobelviertel.
Arnold haben sie mitgenommen, so weit, so gut.
Doch leider musste auch Victoria mit.
Sie war gerade erst bei Arnolds Herrchen eingezogen, weswegen ich noch keine Gelegenheit hatte, mich vorzustellen.
Trotzdem hat sie mich sofort umgehauen, als hätte Amor mit einer Stalinorgel Pfeile auf mich geschossen.
Okay, das war vielleicht nicht der romantischste Vergleich, aber Liebe macht eben nicht nur blind, sondern auch wirr im Kopf.
Und mit diesem wirren Kopf muss ich Victoria nun finden, am anderen Ende der Stadt.
Nur wo genau, das weiß ich nicht.
Angeblich sehen sie von ihrer Wohnung aus die Westminster Abbey, aber das kann auch nur die übliche Angeberei von Arnolds Herrchen gewesen sein.
Deswegen wollte ich in der ehemaligen Wohnung die Fährte von Victoria aufnehmen und so ihre neue Bleibe finden. Ich habe alles genau geplant: Ich treffe sie zufällig dort und lade sie auf meine heutige Fashionshow ein, als Höhepunkt bekommt sie ein eigens für sie geschneidertes Kleid, sie ist schwer beeindruckt, verliebt sich unsterblich in mich, Happy End.
Stattdessen sitze ich hinter einem Heuhaufen und lecke mir die Eier. Tja, so viel zur Psychologie des Hundes. Ja, meine Hose hab ich ausgezogen, das würde sonst ja schlecht funktionieren.
Verdammt, dieses ewige Verdrängen muss endlich aufhören!
Doch momentan weiß ich einfach nicht weiter.
Ursprünglich hatte ich gedacht, ich könnte mich bei meiner Suche nach Victoria an Arnold orientieren, doch der riecht dermaßen nach Testosteron, dass ich trotz meiner feinen Nase jedes Mal bei irgendwelchen gedopten Bodybuildern landete, wenn ich seiner Spur folgte.
Und sein Frauchen und sein Herrchen tragen beide Parfüms von Mandarina Dog, die so penetrant und so angesagt sind, dass ihr Aufenthaltsort unmöglich zu erschnuppern ist.
Gerüchten zufolge leben noch ein paar Reptilien bei Arnolds Herrchen, doch da ich diese Dinger noch nie in freier Natur gesehen habe, weiß ich nicht im Geringsten, wie sie aussehen, für was sie gut sind und wie sie riechen.
Ich weiß nicht mal, ob Arnold und Victoria ein Paar sind.
Zumindest sind sie nicht verheiratet.
Wobei ich noch nie von einem Hund gehört habe, der den Bund der Ehe eingegangen ist. Oder auch nur monogam lebt.
Monogamie ist ja auch völlig unnatürlich.
Davon war ich jedenfalls bis zu dem Moment überzeugt, an dem ich Victoria zum ersten Mal gesehen habe.
Inzwischen bin ich selbst am Zweifeln. Haben die Menschen hier vielleicht doch ein ganz cleveres Konzept entwickelt, von dem selbst wir Hunde lernen können? Vielleicht sollte ich in der Geschichte ein wenig zurückgehen und erklären, wie Monogamie überhaupt entstanden ist.
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der je hundert Frauen und Männer leben, wie ein klassisches Dorf der Antike. Nun gibt es unter den hundert Männern einen besonders attraktiven, starken, potenten Mann, nennen wir ihn Arnold. Sie selbst leben auch in diesem Dorf, sind männlich, befinden sich aber eher am anderen Ende der Attraktivitätsskala und – gäbe es die Forschungsgruppe Wauen schon, wüssten Sie, dass bei freier Wahl von den hundert Frauen fünfundneunzig mit Arnold in die Kiste springen würden.
Die verbleibenden fünf Frauen würden lieber Single bleiben oder sich miteinander vergnügen anstatt mit Ihnen. Und den restlichen Männern geht es auch nicht besser, es macht eben keinen Unterschied, ob man einen Lada, einen Fiat oder einen Seat fährt, wenn ein Ferrari im Rennen ist.
Jetzt könnte Arnold natürlich freiwillig auf all die Frauen verzichten, aber warum sollte er das tun? Biologisch ist er locker in der Lage, alle Frauen zu begatten, und die Ehe ist noch nicht erfunden. Spätestens nach drei Monaten ist er mit allen Frauen durch, hat hundert Kinder gezeugt und kann weiter ins nächste Dorf ziehen.
Ein klarer Evolutionsgewinner.
Nun könnten Sie Arnold vorher erschlagen, aber das wäre brutal und illegal, außerdem gibt es noch andere attraktive Männer im Dorf, jedenfalls attraktivere als Sie.
Dennoch gibt es eine Lösung: Sie erfinden einfach eine Religion und stellen als oberste Regel auf, dass jeder Mann nur eine Frau haben darf.
So bekommt Arnold zwar immer noch die heißeste Braut zur Frau, wenn sie denn will, aber alle anderen bleiben den restlichen Männern vorbehalten und verteilen sich schön gleichmäßig.
Zwar kann Arnold immer noch ein oder mehrere Verhältnisse mit anderen Frauen anfangen, aber sollten Sie ihn dabei erwischen, können Sie ihn ja nun erschlagen lassen. Klar, das ist nach wie vor brutal, aber jetzt legal, und Sie müssen sich nicht mal selbst die Finger schmutzig machen.
Jedenfalls wenn Sie der Religionsführer sind. In dem Fall wird Arnold Ihre Frau übrigens ganz bestimmt in Ruhe lassen.
Allerdings scheinen die Menschen inzwischen vergessen zu haben, wie es zu diesen Monogamie-Religionen gekommen ist. Denn bei einigen haben sich so absurde Regeln wie das Zölibat herausgebildet, was der ursprünglichen Zielsetzung der Monogamie komplett entgegensteht. Wohl auch deshalb führt das Zölibat bei einigen Exemplaren der Priestergattung zu sehr unhündischen Verhaltensweisen, die ich mich gar nicht zu schildern traue.
Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die Religionen nicht vom Menschen erschaffen wurden, sondern von Gott. Aber wenn es einen Gott gibt, der alle Männchen, ob nun Mensch oder Tier, so erschaffen hat, dass sie mehrere Weibchen in kurzen Zeitabständen beglücken können, warum sollte er dann gleich als Nächstes ein Gesetz einführen, welches uns das wieder verbietet?
Gerade wenn Gott allwissend und allmächtig ist, hätte er doch wissen müssen, dass so etwas nur Probleme schafft.
Da hätte er uns gleich doof wie die Hühnerküken erschaffen können, die – kaum schlüpfen sie aus dem Ei – exakt dem – und nur dem – hinterherlaufen, was sie als Erstes entdecken.
Und sei es ein alter Turnschuh. Das ist wahre Monogamie, nur wurde sie für intelligentere Lebensformen als Hühner – und das ist so ziemlich jede Spezies auf dem Planeten – von der Natur nicht vorgesehen.
Tja, und in der Natur gilt nun mal das Recht des Stärkeren. Und damit komme ich noch kürzer, als ich ohnehin schon bin.
Also sollte ich für Monogamie sein.
Selbst wenn das gegen meine Natur ist.
Aber für Victoria würde ich eben alles tun.
Ständig muss ich an ihre zarten Pfötchen denken, ihr strahlend weißes Fell, ihre schwarze Stupsnase, ihre endlosen Beine, jedenfalls für eine Pudeldame, ihr Becken, rund wie eine Kloschüssel, und ihre ordentlichen Reserven auf den Rippen. Die sind wichtig, damit Victoria, wenn sie irgendwann meine Nachkommen gebärt, nicht hinterher in eine postnatale Depression fällt, falls sich herausstellt, dass ich wie alle Mopsmänner doch nur ein Schwein bin.
Doch damit ich mir und ihr das Gegenteil beweisen kann, muss ich Victoria erst wiederfinden.
Leider habe ich ihren Duft in der alten Wohnung nicht entdecken können, obwohl ich sie zweimal durchgeschnüffelt habe, bis Arnold kam. Wahrscheinlich hat Victoria nicht lang genug darin gewohnt, oder aber die anderen penetranten Gerüche verdecken ihr zartes Odeur.
Jetzt erst fällt mir ein, dass mir nur noch einer helfen kann: Arnold.
Denn wenn er vor mir herläuft, brauche ich ja nicht seinem Geruch zu folgen, sondern nur ihm.
Weswegen er die Konfrontation mit dem Stier besser überleben sollte, wonach es allerdings nicht gerade klingt.
Es sei denn, Stiere können winseln.
Nein, im Ernst, ihm kann nur noch einer helfen.
Ich.
Ist ja ansonsten auch niemand da.

4

Ich folge dem Winseln in die dunkelste Ecke des Hofes. Mit jedem Yard, den ich ihm näher komme, klingt es verzweifelter.
Falls Sie wie der durchschnittliche Festlandeuropäer keine Ahnung haben, wie viel ein Yard ist, dann können Sie das jetzt bei mir lernen. Ein Yard entspricht der Größe eines Schrittes, exakt drei Fuß, genau 36,0 Inch oder 91,44 Zentimeter.
Sie können sich auch einfach merken: Yard ist gleich Meter, damit liegen Sie meist richtig.
Außer, Sie entwerfen das Hubble-Weltraumteleskop und rechnen die Maßeinheiten falsch um, dann sollten Sie es schon genauer nehmen.
Wie soll ich gegen den Stier kämpfen, wenn ihm schon Arnold hoffnungslos unterlegen ist?
Ich weiß nicht, was Sie über Möpse wissen, aber man unterscheidet Hunde weltweit nach sieben Gattungen: Jagdhunde wie den Bluthund, Sporthunde, zum Beispiel den Windhund, dann Arbeitshunde wie die Deutsche Dogge, weiterhin Terrier, darunter Kampfhunde wie den Bullterrier, Herdenhunde wie den Schäferhund und andere, zwar weniger sportliche, aber trotzdem nützliche Hunde wie den Husky. Und dann gibt es noch die sogenannte Toy Group, wörtlich übersetzt Spielzeughunde. Dreimal dürfen Sie raten, zu welcher Gruppe der Mops gehört.
Nein, wir sind keine Jagdhunde, und bei Sport halten wir uns an Churchill, der das zu Recht für Mord hielt. Kein Wunder, er sah auch aus wie ein Mops, weswegen ihn seine Frau auch Pug nannte, tja, und was das heißt, sagt Ihnen jedes englische Wörterbuch.
Doch trotz Churchill sind wir für den Menschen nur Spielzeughunde. Evolutionsbiologisch stehen wir also auf einer Stufe mit dem Legostein!
Zusammen mit uns in der Toy Group sind so merkwürdige Exemplare wie der Affenpinscher und das italienische Windspiel. Das klingt jetzt ja wohl eher nach einem Terrassenmöbel als nach einer Hundeart. Und ausgerechnet der Dackel ist ein Jagdhund, wir aber nicht!
Also muss ich mal wieder ganz allein die Ehre der Möpse verteidigen.
Wir haben nämlich genau wie Churchill überragende diplomatische Fähigkeiten, besitzen trotzdem einen Dickkopf und können gleichzeitig fressen und schlabbern. Obwohl, beim letzten Punkt weiß ich nicht, ob Churchill das auch konnte, aber da entscheide ich gerne zu seinen Gunsten.
Er wäre bestimmt ein hervorragender Schlabberer gewesen!
So beeindruckend diese Fähigkeiten fraglos sind, sie nützen mir leider überhaupt nichts, um den Stier zu besiegen.
Zumal es sich gerade so anhört, als käme das Winseln auf mich zu.
Was wir Möpse übrigens besonders gut können, ist um den heißen Brei herumreden. Schließlich muss eine Sache genau erläutert sein, bevor man in Erwägung ziehen könnte, eine Entscheidung zu …
Autsch! Das muss verdammt wehgetan haben!
Der Stier ist nämlich gerade um die Ecke gebogen und hat Arnold auf die Hörner genommen. Jaulend verkriecht sich Arnold in eine Ecke, der Blick des Stiers folgt ihm und entdeckt dabei … nicht Amerika, sondern mich.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich einen roten Anzug trage?
Jetzt mögen ein paar Besserwisser einwenden, dass Stiere nicht auf Farben reagieren, sondern auf Bewegung, aber würden Sie stehen bleiben, wenn ein fuchsteufelswilder Stier geradewegs auf Sie zustampedete?
Ich weiß, das Wort gibt es nicht, aber man sollte es schleunigst erfinden, denn genau so fühlt es sich gerade an.

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Audrey Teddington entdeckte im Alter von 84 Jahren die Punkmusik und trägt seitdem mit Vorliebe Irokesenschnitt. Sie hasst Video 2000, Smartphones und schlecht aufreißbare Plastikverpackungen. Tiere hingegen liebt sie so sehr, dass sie auf ihrer alten Remington die Memoiren ihres Mopses Hasso Longnose tippt. Allerdings zerfetzt dieser mit Vorliebe jene Episoden, die ihn nicht in jenem Licht erscheinen lassen, das einem britischen Modezar gebührt.