Gerettet von einem Highlander

Für alle Highland Saga – Lesefans: Highland Romane Leseproben

 

Kapitel 1

Das Jahr unseres Herrn 1520

 

Liam griff nach seinen Bällen und ließ das Messer fallen. Es durchschnitt die Luft, glitt an seiner Brust vorbei, bohrte sich in die feste Erde zwischen seinen Füßen und pendelte vor und zurück. Die Menge starrte einen erstaunten Moment lang in überwältigter Stille, dann hoben die Leute ihre Blicke vom zitternden Heft und brachen in Applaus aus.

„Habt Dank!“, sagte Liam. Er verbeugte sich und warf die hölzernen Jonglierbälle über seine Schulter. Ohne hinzusehen wusste er, dass sie problemlos in der Tasche landeten, die an einem Eichenast hinter ihm hing, ein Ball auf dem anderen. „Ihr seid zu gütig. Aber nun muss ich um einen Gefallen bitten.“

Er machte eine Pause, während er sich das lange Messer vom Boden schnappte. Es war eins seiner Lieblingsmesser, gut gearbeiteter Stahl. Er hatte es vor einigen Jahren einem lauten Waliser abgenommen. Der Waliser hatte eine Tochter gehabt, und die Tochter hatte allen schöne Augen gemacht. Genug gesagt. Er war nicht von der Sorte Mann, die über Eroberungen sprachen. Erobern und lügen, ja. Erobern und Fersengeld geben. Eindeutig.

„Ich bräuchte etwas Unterstützung“, rief er und schritt am Rand der Menge entlang. Seine Bühne war nicht mehr als eine grasbewachsene Anhöhe, aber das Gefälle des Hügels verschaffte ihm einen leichten Vorteil gegenüber der Menge unter ihm. Vor langer Zeit hatte er gelernt, seine Vorteile zu nutzen, wo er nur konnte.

„Schließlich“, fuhr er fort, „kann sich ein Mann nur eine gewisse Zeit mit seinen Bällen amüsieren.“ Es gab einiges Kichern aus der Menge. Er warf das Messer senkrecht in die Luft. Es drehte sich wild um die eigene Achse, nur um einige Augenblicke später wieder sicher in seiner Hand zu landen. Er mochte das Gefühl eines Messers in seiner Hand. Es war weitaus besser als ein Messer in der Hand eines anderen, denn dieses Szenario verhieß für sein weiteres Überleben nichts Gutes. Vielleicht waren die anderen Männer eifersüchtig auf ihn, sinnierte er.

Wahrlich, er war kein besonders muskulöser Bursche, und das gute alte England hatte gewiss elegantere Männer gesehen, aber er hatte bestimmte Eigenschaften, die Frauen anziehend zu finden schienen.

Selbst jetzt lächelte ihn ein hübsches Mädel aus der Mitte der Menge heraus an. Er lächelte zurück. Der Abend des Markttages im Dorf Rainich kam rasch näher. Eine ziemlich große Menge war zusammengekommen, um ihm zuzusehen, aber es war die lächelnde Frau, die ihn interessierte. Sie war eine dralle Maid, zeigte Grübchen und genug Ausschnitt, um einen Mann zu veranlassen, seine eigenen Vorzüge in der Hoffnung aufzulisten, im Gegenzug ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn er sich nicht irrte, hatte sie während eines Großteils seines Auftritts mit ihm geschäkert. Und wenn es etwas gab, bei dem er sich nie irrte, dann war es die hohe Kunst des Schäkerns.

Liam ließ das Messer über seine Schulter schnellen und fing es beiläufig hinter seinem Rücken auf. „Ein Mann kann nicht alles mit seinen eigenen zwei Händen machen. Am Ende braucht er eine Gefährtin“, sagte er, erlaubte sich den Anflug eines Grinsens und stellte sicher, dass sein Blick nicht zu lang dort verweilte, wo er nicht verweilen sollte. Nur weil die Maid mit ihm anbändelte, hieß das nicht, dass sie seinen Auftritt ohne Begleitung besuchte. Das hatte er auf schmerzhafte Weise gelernt. „Ist hier jemand anwesend, der willens ist, mir beizustehen?“

Es gab Gemurmel in der Menge.

„Ach, kommt schon. Gewiss habt ihr keine Furcht mit meinesgleichen zu verkehren, auch wenn ich Ire bin.“ Er sprach die Worte undeutlich aus, während er mit vollkommen geradem Rücken seitwärts schritt. Bei jedem Schritt pendelte sein großer Sporran aus Pferdehaut, sein Umhang wirbelte umher und sein Plaid raschelte an seinen nackten Schenkeln. Die Vorteile davon, in England ein Plaid zu tragen, waren zweierlei: Erstens zog es Aufmerksamkeit auf ihn selbst. Und als Schausteller war das unerlässlich. Zweitens faszinierte es die Frauen, und er war niemand, der Erwachsenenbildung verweigerte, selbst wenn es um nicht mehr ging als die uralte Frage nach der Unterwäsche.

Zwei halbwüchsige Jungs hatten sich während des gesamten Programms heftig geschubst und waren drauf und dran, den Mut aufzubringen, sich freiwillig zu melden, aber sie waren nicht ganz die Art Assistent, die Liam vorschwebte. „Ich versichere euch, es ist recht sicher“, sagte er. „Meine Gehilfen werden nie verwundet. Nun, nicht schwer … Zumindest haben sie nie irgendwelche auffälligen Körperteile verloren.“ Die Kinnladen der Jungen klappten herunter, und sie traten rasch und gleichzeitig zurück.

Liam grinste und ließ seinen Blick einen Moment lang auf der Frau mit den Grübchen verweilen. Sie zuckte die Achseln. Der große Busen, der in Sicht gedrängt wurde, ließ das Blut aus seinem Schädel schwinden.

„Ich könnte Euch helfen“, rief sie.

Liams Grinsen wurde breiter. „Tretet vor“, sagte er. Sie tat es und glitt wippend und schwungvoll durch die Menge. Liam ließ seine Hand über die Schulter schnappen und schickte das Messer mit einem Knall in den Baum hinter sich. Dann streckte er seine Hand aus, nahm ihre und half ihr, den Hügel zu erklimmen. „Und wie ist Euer Name, Mädel?“

„Mairi“, sagte sie und neigte ihm ihren Kopf zu.

„Ein hübscher Name.“ Er verbeugte sich über ihrer Hand. „Beinahe so schön wie seine Besitzerin. Und Ihr lebt hier im Dorf?“

„Nay, ich bin heute gekommen, um mit meinem Ehemann und seinen Brüdern Schweine zu verkaufen.“

„Ah.“ Liam richtete sich auf, eine Hand hinter seinem Rücken, sein Ausdruck enttäuscht. „Ihr habt ein … Schwein.“

Die Menge lachte. Er zuckte verblüfft die Achseln.

„Ihr müsst gut verdient haben beim Verkauf Eurer Schweine.“

Sie sah ihn fragend an, und er zog seine Hand aus ihrer, um die Münze zu präsentieren, die sie ihm scheinbar gegeben hatte.

„Dennoch“, sagte er, „kann ich das nicht akzeptieren.“

Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung.

„Hier, ich bestehe darauf. Ihr müsst sie zurücknehmen.“ Er drückte ihr die Münze in die Handfläche, faltete ihre dicken Finger darüber, ließ dann seine Kinnlade herunterklappen und zog dieselbe Münze aus ihrem Ohr.

Er legte sie ihr zurück in die Hand. Sie kam aus ihrer Nase, hinter ihrem Hals und aus der Unterseite ihres Ärmels zum Vorschein. Er konnte sich angesichts des Geldregens kaum schnell genug bewegen, und jetzt johlte die Menge.

Schließlich legte er die Münze entschieden in ihre Hand zurück und wandte sich dann zur Menge, um sich zu verbeugen. Aber gerade als er darauf und dran war das zu tun, sah er noch einmal zur Maid. Er drehte sich zurück zu ihr und starrte voller Erstaunen, denn das große Kupferstück steckte warm und fest zwischen ihren üppigen Brüsten.

Ihr Blick folgte seinem, aber anstatt schockiertes Entsetzen zu zeigen, grinste sie lasziv, als sie die Münze erspähte.

Liam räusperte sich und wischte sich dramatisch über die Stirn. „Vielleicht solltet Ihr sie selbst dort herausholen, Mädel“, sagte er.

Aber sie neigte ihm mit durchtriebenem Ausdruck ihren Kopf zu. „Und warum das, Sir? Ich dachte, Ihr hättet sicher die … Eier, um das zu tun.“

Nichts läge ihm ferner, als sich so eine Gelegenheit entgehen zu lassen, solange das Mädel willens war. Er zuckte mit den Achseln und streckte eine Hand aus.

Ein empörtes Bellen unterbrach Liam. Er drehte sich zu dem Lärm um, aber es war bereits zu spät. Eine Faust traf ihn aufs Ohr. Er taumelte seitwärts und schlug wie ein geworfener Pfahl auf die Erde, aber Liam der Ire war kein im Wald verlorener Säugling. Mit der geschmeidigen Beweglichkeit eines Mannes, der schon zuvor Ehemänner verärgerte hatte, rollte er seitwärts, sprang auf die Füße und stürzte in Deckung. Doch ein Arm streckte sich aus dem Nichts nach ihm aus.

„Ihr werdet nicht mit der Frau meines Bruders herummachen!“, rief jemand.

Farben explodierten in Liams Kopf, und ab diesem Augenblick wurde alles nur noch schlimmer.

Es gab Gekreisch und Schreie, und Fäuste wie Rammböcke.

Körper so groß wie kleine Festungen bäumten sich über ihm auf und holten wild aus, während er sich hinkauerte und versuchte, sich zu schützen. Er grunzte vor Schmerz und spähte gerade lange genug hoch, um die vom Suff geröteten Gesichter von vier wütenden Brüdern zu erkennen.

„Ich habe es nicht böse gemeint“, krächzte er.

Aber die vier waren weit davon entfernt zuzuhören.

Liam beugte seinen Arm und schützte sein Gesicht. Eine Faust glitt an seinem Ellenbogen ab, seine eigene Hand schnellte auf den Gürtel des Mannes zu. Er hatte nur einen Moment, um einen Vorteil aus dieser Position zu ziehen, ehe ihn der nächste Schlag in den Bauch träfe und ihn aufs Gras werfen würde. Er ließ eine Hand unter seinen Umhang schnellen und versteckte den eben entwendeten Beutel, dann kauerte er sich zusammen, um seine lebenswichtigen Organe zu schützen … und sein Gemächt. Am Ende musste ein Mann seine besten Qualitäten bewahren.

Ein gestiefelter Fuß traf ihn im Rücken. Er grunzte vor Pein und kämpfte um Klarheit, aber die Dunkelheit kam näher. Von irgendwo in einer anderen Dimension hörte er, wie eine Frau den Männern Einhalt gebot. Also sorgte sich die mollige Mairi ein wenig um ihn, dachte er verschwommen und glitt Richtung Bewusstlosigkeit. Aber in diesem Augenblick zog sich die Bewusstlosigkeit etwas zurück. Er lag still da und bemerkte mit trüber Erleichterung, dass seinem Körper keine neuen Qualen angetan wurden.

Stattdessen berührte eine sanfte Hand seine Schulter. Eine beruhigende Stimme gelangte an seine Ohren. Er konzentrierte sich auf deren Sanftheit, auf das wundervolle Ende der Gewalt. „Bist du in Ordnung?“ Die Stimme einer Frau, melodiös und lieblich. Also hatte die süße Mairi schließlich die Kontrolle über ihren Ehemann erlangt.

„Aye. Es geht mir gut.“ Seine eigene Stimme klang weniger melodiös, sie erinnerte eher an das Knirschen metallbeschlagener Räder auf Schotter, während jeder Zoll an ihm mit schreiender Heftigkeit schmerzte. Es schien ein Grund so gut wie jeder andere zu sein, sich eine geeignete Beleidigung einfallen zu lassen. „Sie schlagen zu wie Säuglinge.“

„Ein Säugling bin ich?“, brüllte jemand. Am Rand seiner verschwommenen Sicht nahm Liam wahr, wie ein Berg von einem Mann vorstürzte.

Aber einen Augenblick später fing ihn ein Kerl in einem blauen Wams ab. Der Ehemann sackte zusammen wie ein Haufen trockener Spreu. Eine Frau schrie, dann stürzte sie aus der Menge vor und kauerte sich neben den gefallenen Mann. Es war Mairi.

Wenn Liam nicht ganz so angeschlagen gewesen wäre, hätte er sich womöglich fragen können, wie sie zur gleichen Zeit an zwei Orten sein konnte. Aber so wie es stand, akzeptierte er die Umstände.

„Was habt ihr getan?“, kreischte Mairi, ihr Ausdruck gequält, während sie sich Liam zuwandte.

„Schaff sie hier weg.“ Die Frau, die neben ihm kauerte, gab diesen Befehl. Die Frau, deren Stimme, wie Liam auffiel, weder so schrill, noch so heiser war wie die der hübschen Mairi. Eine Stimme voller Macht und Zuversicht. Eine Stimme, die an entfernte Erinnerungen gemahnte, die er nicht recht …

Nein! Es konnte nicht sein. Nicht hier. Nicht hunderte von Meilen von ihrer Heimat entfernt, beharrte die Logik.

Dennoch, Logik schien eine trübe Sache zu sein, wohingegen ihre Gegenwart allzu wirklich war.

Er wandte sich ihr langsam zu, aber es gab keinen Grund, in ihr Gesicht zu sehen. Er wusste bereits, dass sie es war. Spürte es an der Luft um ihn herum, spürte es an dem elektrischen Schlag, den er von den übrigen Schmerzen unterscheiden konnte.

Dennoch konnte er nicht einfach hier liegen und so tun, als habe sie ihm nicht gerade das Leben gerettet. Das wäre wie eine Weigerung, das Ende der Welt anzuerkennen. Also drehte er sich leicht zur Seite, sah sie durch seine Sicht verschmierendes Blut und Haare hindurch an und sagte: „Ich hätte so weit im Süden nicht mit dir gerechnet, Rachel. Ist jemand krank?“

Er sah, wie sich ihre Augen vor Überraschung weiteten. Es waren faszinierende Augen. Jenseitige Augen. Und wenn er sich redlich zu sein entschied, konnte er nachvollziehen, warum man sie vor langer Zeit Heilige Lady tituliert hatte.

Liam schwieg, während er mit einem gewissen Grad an Verzweiflung darauf wartete, dass der heilige Ausdruck verschwand. Er wurde nicht enttäuscht. Heiligkeit floh; Missbilligung machte sich breit. Er konnte es daran erkennen, wie sich ihr Rücken leicht versteifte, wie sie ihre Augen zusammenkniff.

„Ich würde dich ja fragen, was du hier tust, Liam, aber die Wahrheit scheint recht offensichtlich“, sagte sie.

„Ich bringe ihn um! Ich bringe ihn um!“, bellte der Ehemann.

„Ich verbreite lediglich Frieden und Wohlwollen, so wie ich es immer zu tun pflege“, sagte Liam. Er versuchte eine schwindelerregende Sekunde lang, sich aufzusetzen, und entschied dann, dass er dort, wo er lag, recht behaglich war.

„Du verbreitest wohl eher deinen Samen wie Staub im Wind“, gab sie zurück.

Er versuchte zu grinsen und stellte mit immerwährender Dankbarkeit und nicht ungerechtfertigter Überraschung fest, dass sein Gesicht sich bei dem Versuch nicht in zwei Hälften teilte. „Wir können nicht alle Heilige sein, Rachel“, sagte er.

Sie schnaubte. Der Klang war nicht ganz so damenhaft wie ihr Gewand und ihr Betragen nahelegten, und löste tausend heiße Erinnerungen in Liams angeschlagenem Kopf aus.

„Denkst du, du könntest wenigstens versuchen, dich um Vernunft zu bemühen?“, fragte sie.

„Unterstellst du, dass ich verrückt bin?“

„Ich reiße ihm das Herz aus der Brust!“, brüllte es aus der Ferne.

„Sag mir, Liam, hättest du keinen kleineren Mann finden können, um seiner Frau einen unsittlichen Antrag zu machen? Oder wenigstens einen mit weniger Brüdern?“

„Ich habe ihr keinen unsittlichen Antrag gemacht.“ Noch nicht, dachte er.

„Noch nicht“, sagte sie.

Er blickte sie finster an. Es hieß, dass Rachel Forbes die unangenehme Angewohnheit hatte, sich in den Gedanken der Leute herumzutreiben. Er hatte nie ein Wort davon geglaubt. Dennoch gab sie ihm zuweilen ein unheimliches Gefühl. Es war eines von vielen Dingen, die er nie an ihr gemocht hatte. Er tupfte sich mit dem Handrücken die Lippe ab und brachte es fertig, sich aufzusetzen.

„Sie war nicht mein Typ“, sagte er.

„Wahrlich?“ Sie sah ihn erstaunt an, ihre ebenholzfarbenen Brauen hoben sich unter der makellos weißen Bundhaube. „Es sah für mich so aus, als atmete sie. Und sie war nicht grotesk fett.“

Er versuchte sich an einem weiteren Grinsen. Es schmerzte höllisch. „Ganz und gar nicht fett“, berichtigte er und erhob sich beherzt. Unglücklicherweise neigte sich die Welt bei der Bewegung seltsam, und die Erde unter ihm bockte wie ein widerspenstiges Ross. Seine Knie knickten ohne Vorwarnung ein.

Rachel streckte mit instinktiver Schnelligkeit ihre Hände aus, und plötzlich hatte sie ihre Arme um ihn gelegt.

„Liam!“ Ihre Stimme klang krächzend in seinen Ohren, während sie versuchte, ihn aufrecht zu halten, und in diesem Moment machte er den furchtbaren Fehler, ihre Lippen anzusehen. Zur Hölle mit allem. Sie mochte die Augen einer Heiligen und die Haut einer Prinzessin haben, aber ihre Lippen waren des Teufels.

Hundert unerwünschte Gefühle durchfuhren ihn, Gefühle von Verlangen und Sehnsucht, die so schmerzhaft waren, dass ihm beinahe das Herz stehen blieb. Aber die Wirklichkeit kam rasch zurück, also presste er sich fester an sie und sagte: „Ach, Rachel, ich hätte nicht gedacht, dass du dich um mich sorgst.“

„Du warst schon immer weiser als du aussiehst“, sagte sie und ihre Lippen verhärteten sich. „Davin.“ Ihre Stimme klang kühl, als sie aufhörte, ihn zu halten und sich zu einem großen, in blau gewandeten Kerl umdrehte, der in der Nähe stand. „Bring den Iren in eine Schänke. Sorg dafür, dass er eine ordentliche Mahlzeit und ein Zimmer für die Nacht bekommt.“

„Ich reiße ihm die Eier ab!“ Die Drohung kam aus der Ferne, war aber dennoch recht eindrucksvoll.

„Ich denke, der Ehemann der Frau könnte einen Groll gegen ihn hegen“, sagte Davin. Liam suchte sein Gesicht nach einem Zeichen von Sarkasmus ab, aber die skandinavischen Züge waren genauso ausdruckslos wie der Spachtel eines Steinmetzes.

„Was schlagt Ihr vor?“, fragte Rachel.

„Wollt Ihr, dass der Ire die Nacht überlebt?“

Sie schwieg einen Moment lang, ihre teuflischen Lippen geschürzt. „Meine Familie hat ihn recht gern.“

„Dann entfernen wir ihn besser aus der Reichweite des Ehemannes“, schlug Davin vor.

Rachel blickte finster drein, erst in Richtung ihrer Wache, dann zu Liam.

„Nun gut.“ Ihre Zustimmung erfolgte widerwillig. „Helft ihm, seine Sachen zusammenzusammeln und sorgt dafür, dass er auf ein Pferd kommt. Aber lasst ihn nicht verweilen. Wir können auf seinesgleichen keine Zeit verschwenden.“

Der Abend umfing sie wie ein dichtes, graues Betttuch. Die Nacht stieß die Abenddämmerung beiseite, aber die Nacht konnte für Liam nicht schnell genug kommen, denn er fühlte sich, als sei er von einem Rammbock bearbeitet und dann in einem Weinfass die Straße hinuntergerollt worden.

Er hatte darauf bestanden, dass es in Ordnung wäre, wenn er in Rainich bliebe, aber Rachel hatte darauf beharrt, ihn mit diesem Ritt zu foltern. Und Davin, so schien es, war nicht von der Sorte, die auf einen Iren hörte, wenn seine Herrin einen Entschluss gefasst hatte.

Unter ihm stolperte sein Wallach bereits zum fünften Mal.

„Himmel, Arsch und Zwirn, Pferd“, knirschte Liam. „Es ist mir egal, dass ich fünf Mal so viel bezahlt habe, wie du wert bist. Noch einmal, und ich tausche deine Haut gegen ein schlechtes Paar Stiefel.“

Bocan stolperte erneut. Liam erstickte ein Stöhnen.

„Gleich voraus ist eine gute Stelle, Lady“, meldete Davin und ritt zurück an Rachels Seite. Das Gefolge von etwa zwölf blau gekleideten Soldaten hielt an, um zuzuhören. „Wasser und Futter für die Pferde. Sie wird sich leicht verteidigen lassen.“

„Sehr wohl. Schlagt ein Lager auf.“

Bocan ließ seinen Kopf sinken, spreizte die Beine und schüttelte sich heftig.

Liam griff nach dem Sattelknopf und versuchte, einen klaren Kopf zu bewahren, während ihn schmerzende Krämpfe überrollten. Der Wallach richtete sich auf, bewegte seinen eleganten Kopf auf und nieder und schnaubte. Liam überlegte, ob er das Bewusstsein verlieren sollte.

„Aber zuerst“, sagte Rachel und wandte ihren Blick nicht von Davin ab, „helft Ihr dem Iren besser von seinem Ross herunter.“

„Du bist zu gütig“, murmelte Liam.

„Das ist eine wohlbekannte Tatsache“, stimmte Rachel zu.

Davin stieg ab und durchschritt die Entfernung, die sie trennte. Liam zog ein Bein über den Hinterzwiesel seines Sattels, entschieden etwas Tapferkeit zu zeigen, doch gerade als er dabei war abzusteigen, packte der Nordmann ihn an der Rückseite seiner Tunika und zerrte ihn hinunter. Schmerz pochte wie galoppierende Hufe über Liams geschundenen Körper, aber er weigerte sich, ohnmächtig zu werden.

Davin schien Liams galantem Kampf gegenüber blind zu sein und zog ihn übers Gras.

In ihm bäumte sich heftiger Schmerz auf.

„Gut so, my Lady?“, fragte der riesige Nordmann.

„Das ist in Ordnung.“

Mit einem Nicken lockerte Davin seinen Griff und ließ seine Fracht auf die Erde fallen.

„Heilige Scheiße!“, keuchte Liam und hielt sich am Bewusstsein fest, während Schmerz ihn durchfuhr. „Wieso lässt du ihn mich nicht gleich mit einem Knüppel bearbeiten?“

„Ich habe darüber nachgedacht“, sagte Rachel. Sie stand nur einige Yards entfernt und wandte ihre Stute zu einem ihrer Männer. „Aber ich fand, das hier wäre genugtuender.“

Liam stöhnte, als er sich in eine sitzende Haltung begab. „Du ziehst einen langsamen Tod vor, nicht wahr, Rachel?“

„Ich bezweifle, dass du sterben wirst.“

„Du könntest dich täuschen.“

„Das tue ich selten“, sagte sie und schritt auf ihn zu.

Er schnaubte und zwang seinen Blick weg von ihr.

„Wo tut es weh?“

Liam ließ seine Aufmerksamkeit mit einem Ruck zu ihr zurückschnellen. „Nay! Du wirst deine hexenhaften Tränke nicht bei mir anwenden.“

„Wo schmerzt es dich?“, fragte sie erneut.

Sie besaß eine vollkommene Ausdrucksweise, erlangt durch gute Erziehung. Vielleicht war es diese Erziehung, die sie so schwierig machte, dachte Liam. Aber nein, sie war seit dem Tag eine Nervensäge gewesen, an dem er sie vor über zehn Jahren getroffen hatte. Selbst jetzt konnte er sich daran erinnern, wie sie ausgesehen hatte – mit ihrem dunklen Haar in scharlachroten Bändchen gebunden, und ihrem Gesicht so …

Nun, sie hatte schon immer dieses verdammt engelshafte Gesicht gehabt, dachte er, und unterbrach seine Träumereien. Es war dieses Gesicht, dass Männer jedes Mal hereinlegte. Selbst Davin hielt sich wahrscheinlich für ihren erobernden Helden, dabei war die Wahrheit, dass die Lady ganz und gar keines Helden bedurfte. Sie konnte einen Gegner mit nichts als der scharfen Kante ihrer Zunge in Scheiben schneiden, und Liam hatte Narben, die das belegten.

„Tut dein Kopf weh?“, fragte sie und kauerte sich neben ihn.

Er blickte sie finster an. „Ich wurde von vier betrunkenen Brüdern verprügelt, die Straße hinuntergeschubst und aufs Gras geworfen wie ein Sack schimmligen Mehls. Glaubst du, mein Kopf könnte wehtun?“

„Ich denke, wenn du den Schmerz nicht erträgst, solltest du die Tat nicht ausführen“, sagte sie.

„Sie haben es verdient“, gab er zurück, und dachte an die Münzen, die er aus dem Beutel eines der Brüder gestohlen und in seinem übergroßen Sporran verborgen hatte.

„Was verdient?“

Er bemerkte plötzlich, dass er zu viel gesagt hatte, zuckte mit den Schultern und versuchte, ungezwungen auszusehen. „Sie verdienen, was immer sie bekommen.“

„Was hast du getan, Liam?“, fragte sie. Ihre Stimme klang argwöhnisch und mehr als nur ein wenig erschöpft, als wäre sie seine leidgeprüfte Mutter.

„Ich?“ Er gestikulierte in Richtung seiner Brust und hoffte, beleidigt auszusehen. „Dass du es nicht vergisst, ich bin der Verletzte hier. Ich habe nichts getan, außer zu ihrer Unterhaltung ein kleines bisschen Fingerfertigkeit vorzuführen.“

Ihr Ausdruck änderte sich nicht im Geringsten.

„Ich bin der Verletzte hier“, beharrte Liam, und fragte sich, ob es zu spät war, sich auf der Bühne einen Namen zu machen. Gewiss hatte er Talent. „Wie kannst gerade du denken, dass ich etwas Unehrliches tun würde?“

Sie starrte ihn an mit ermatteter Langeweile an.

„Ich stehle nicht länger“, sagte er und grinste dann. „Es sei denn, jemand tut mir Unrecht … oder jemandem, den ich kenne … oder wenn ich jemanden–“

„Leg dich hin“, unterbrach sie ihn gereizt. „Ich hole meine Sachen.“

Er sah zu, wie sie fortging und sagte sich, dass er nicht wollte, dass sie ging und ihre Sachen holte. Er wollte nicht, dass sie ihn pflegte, wollte sie nicht in seiner Nähe. Durch die Stämme der umgebenden Bäume konnte er das Flackern eines Feuers und das Gewimmel der Männer sehen, die Zelte aufstellten und sich um die Pferde kümmerten.

„Du musst dich bewegen.“

Liam zuckte beim Klang ihrer Stimme herum. Der Mond war aufgegangen. Er schien ihr ins Gesicht, betonte den himmlischen Glanz ihrer Augen und beschattete die zierliche Fläche ihrer Wangen wie der liebevolle Pinselstrich eines Künstlers.

„Was?“, fragte er und schlug die Tür vor diesen närrischen, poetischen Worten zu, die in seinen Gedanken ihre hässlichen Fratzen zeigten. Die Schläge auf seine Birne mussten seinen Verstand durchgeschüttelt haben. Er war schwerlich von der poetischen Sorte.

„Du musst dich zum Feuer bewegen, wenn ich mich um deine Wunden kümmern soll.“

„Kein Grund, dass du dich bemühst“, sagte er. „Ich bin in Ordnung.“

Er konnte ihren finsteren Blick voraussagen, ehe er begann, sogar ehe ihre Brauen sich herabsenkten und ihre gottlosen Lippen sich unverschämt missbilligend kräuselten. Sie hob den lavendelfarbenen Rock ihres Gewands und kniete sich neben ihn. „Vielleicht denkst du, dass ich dich hier herausgeschleppt habe, weil ich deine Gesellschaft so schätze. Aber ich versichere dir, Liam, das ist nicht der Grund. Ich habe keine Zeit für deine Narretei. Also erledigen wir das.“

„Bist du in Eile, irgendwo hinzukommen, Rachel?“, fragte er.

„Aye. Das bin ich“, sagte sie und bot nicht mehr an, als sie seine Stirn berührte. „Tut das weh?“

„Selbstverständlich tut das weh“, fauchte er. „Wohin bist du so eilig unterwegs?“

„Ist dir schwindelig? Bist du durcheinander?“ Sie bewegte ihre Finger aufwärts, ließ sie durch sein Haar gleiten. Tausend inakzeptable Gefühle durchfuhren ihn bebend. Er unterdrückte ein Stöhnen und hielt seine Augen weit geöffnet, sodass sie der Verzückung nicht gewahr wurde, die ihre Berührung auslöste.

„Hättest du dich nicht schon früher um mich kümmern sollen?“, fragte er und bekam eine Grimasse zustande.

Sie blickte finster drein, und einen Moment lang fragte er sich, ob er eine Spur von Schuld in ihrem Ausdruck sah. Dieses Rätsel half ihm bei seinem Versuch, die rohen Empfindungen beiseitezuschieben, die die Berührung ihrer Fingerspitzen hervorrief. Sie zog ihre Hand weg. Er erinnerte sich daran zu atmen.

An ihrem Ausdruck war deutlich zu erkennen, dass sie dachte, sie hätte sich früher um seine Wunden kümmern sollen, aber irgendetwas hatte sie bis zum Einbruch der Dunkelheit weiterreisen lassen. Das sah der Rachel, die er seit ihrer Jugend kannte, nicht ähnlich. Sie war zuallererst eine Heilerin. Alles andere war zweitrangig.

„Wieso die Eile?“, fragte er. „Gibt es irgendwo einen Säugling, der sich weigert, ohne deine Hilfe auf die Welt zu kommen?“

„Ist dein Sehvermögen beeinträchtigt?“

„Nay“, antwortete er. „Es ist nicht der Säugling deiner Cousine, der auf seine Geburt wartet, oder? Shonas? Saras?“

„Meinen Cousinen geht es gut.“ Ihre Hand näherte sich wieder. Er atmete durch, und dann berührte sie ihn wieder, ließ ihre Finger sanft wie Mondstaub am Rand seines Kiefers entlang und abwärts gleiten. In seinen Gedanken tanzte Poesie wie niederträchtige Sirenen.

„Du hast Glück. Dein Gesicht ist beinahe unversehrt. Keine gebrochenen Knochen.“

„Ich bin ein Gaukler.“ Es fiel ihm schwer zu sprechen, und noch schwerer ungezwungen zu tun. „Ich muss meine besten Güter beschützen. Zumindest meine besten sichtbaren Güter.“ Er zwang sich zu einem Grinsen. „Oder wie soll ich sonst diese drallen, jungen Maiden ködern, mit mir aufzutreten? Autsch! Heilige Scheiße, Rachel!“, fluchte er und bedeckte seine Brust mit einer Hand. „Versuchst du mich umzubringen?“

„Da sickert Blut durch deine Tunika.“

„Ist mir aufgefallen“, sagte er gereizt.

„Ich dachte, das sei es vielleicht nicht. Immerhin war eine dralle Maid beteiligt“, sagte sie und ließ sich auf ihre Fersen fallen.

„Ich hoffe lediglich, dass ich ihr nicht das Herz gebrochen habe, weil ich so abrupt aufgebrochen bin.“

„Das letzte Mal, dass ich sie sah, hing sie am Arm ihres Gatten und bewunderte ihn dafür, dich so männlich verprügelt zu haben.“

„Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie Angst vor ihm hat.“

„Und du bist mehr als wahrscheinlich ein Narr!“, entgegnete sie. Sie sahen einander einen Moment lang mit wütenden Blicken an, dann atmete sie aus und blickte fort. „Du musst deine Tunika ausziehen.“

„Ich–“, setzte er an, aber Rachel unterbrach ihn.

„Kocht mein Wasser, Davin?“

„Aye, my Lady.“

Liam weigerte sich, darüber nachzudenken, woher sie wusste, dass sich der riesige Soldat ihr von hinten näherte.

„Helft mir, den Iren zum Feuer zu bringen“, sagte sie. „Dann könnt Ihr Eure Pritsche aufsuchen.“

„Aber …“

Sie sah zu dem riesigen Krieger hinauf. „Liam ist schon lange ein Freund unseres Clans. Ich versichere Euch, ich bin nicht in Gefahr.“

Mit einem kurzen Nicken beugte Davin sich über Liam. Seine Hände schlossen sich wie Fleischerhaken um die Arme seiner Last und Liam wurde auf die Füße gezerrt. Die Entfernung zum Feuer war kurz. Es wirkte nur wie eine aufreibende Reise ins Heilige Land. Aber schließlich wurde er vor dem Feuer fallen gelassen wie verdorbene Hirse.

„Seid Ihr sicher–“, setzte Davin an.

„Ich werde in Sicherheit sein“, versicherte Rachel. „Und ich brauche Euch ausgeruht. Geht. Findet Eure Schlafstatt.“ Liam sah zu, wie die riesige Wache sich umdrehte und dann ihren blonden Kopf einzog, um in einem Zelt zu verschwinden.

„Aus welchem Loch ist Davin gekrochen?“, fragte er.

„Mach dir keine Gedanken“, sagte Rachel, wickelte ihre Hand in Wollstoff und nahm einen Topf vom Feuer. „Es scheint, du hast genug, um das du dich sorgen musst.“

„Ist irgendein fetter Earl krankgeworden? Gehört Davin zu ihm?“

Sie goss Wasser in einen Zinnbecher, dann tauchte sie ihre Hand in einen großen Ledertornister und holte eine Rehfelltasche heraus. Sie entnahm ein paar trockene Blätter, ließ sie in den Becher fallen, rührte den Inhalt um und stellte alles beiseite.

„Hat Lord Haldane einen Rückfall erlitten?“, fragte Liam und beobachtete sie genau.

„Als ich den Herzog verließ, war er auf dem Weg der Besserung“, sagte sie und goss die Hälfte des verbleibenden Wassers in eine hölzerne Schale. Sie fügte ein Quäntchen Öl aus einem winzigen Gefäß hinzu, tunkte ein gefaltetes Stück Stoff in die Schale und hob es in Richtung seines Gesichts.

Also war sie nach London gereist, um den Herzog zu pflegen. Er hatte sich gefragt, warum sie so weit von ihrem Zuhause entfernt war. „Auf dem Weg der Besserung?“ Er kniff seine Augen zusammen, während er sie ansah. „Du bist den ganzen Weg nach London gereist, um dich um die Heilung des Herzogs zu kümmern, und bist abgereist, ehe er wieder ganz genesen war?“

Sie sagte nichts.

„Das sieht dir nicht ähnlich.“

Sie berührte seine Lippen mit dem Stoff. Es brannte, aber nicht unerträglich.

„Ich glaube, ich bin weit entfernt von dem Punkt, an dem ich dir gegenüber meine Taten erklären muss, Liam“, sagte sie.

Also verbarg sie etwas. Aber wieso? Um die Wahrheit zu sagen, die Taten der Heiligen Lady waren selten etwas anderes als heilig, außer wenn es um ihn ging. Warum sollte sie jetzt Geheimnisse haben?, fragte er sich. Aber es schien wenig Sinn zu haben, sie geradeheraus zu fragen, denn es war einige Zeit vergangen, dass sie geneigt war, ihm irgendwelche Gefallen zu tun.

„Ah.“ Er beobachtete ihre Augen genau, in der Hoffnung, einen unausgesprochenen Gedanken wahrzunehmen, während er sie ärgerte. „Also triffst du dich mit einem Liebhaber? Ein vertrautes Stelldichein?“

Sie tunkte den Stoff ins Wasser, wrang ihn aus und berührte wieder sein Gesicht damit, um das getrocknete Blut von seinem Kinn zu wischen.

„Weiß dein Vater davon?“, fragte er.

Sie ließ den Fetzen sanft über seine Wange gleiten, dann legte sie ihn zurück in die Schale.

„Zieh deine Tunika aus“, befahl sie trocken.

Er sah sie mit seinem besten schockierten Ausdruck an. „Was würde dein Liebster sagen?“

Sie sah ihn einen Augenblick später mit verärgertem Gesichtsausdruck an. „Er würde sagen, dass ich dich dem Ehemann der dickbrüstigen Schlampe und seinen Schafskopfbrüdern hätte überlassen sollen.“

Liam starrte sie einen Moment lang an, dann lachte er vor beinahe schmerzlicher Erleichterung, denn sie war offensichtlich genauso unbedarft wie eh und je. Die schrecklichen Bilder von ihr in den Armen eines anderen Mannes verblassten langsam. „Du weißt immer noch wenig von Männern, Rachel. Das ist ganz und gar nicht das, was ein Liebhaber sagen würde. Er wäre eifersüchtig. Er würde fragen, was du in dem Iren sahst, dass du ihn unter deine Fittiche nahmst. Vielleicht hätte er sogar von meiner Anziehung auf Frauen gehört und wäre doppelt eifersüchtig. Deshalb muss ich annehmen, dass es keinen Liebhaber gibt. Und außerdem …“, er zuckte mit den Achseln, „ist das nicht deine Art.“

Sie entfernte etliche Verbände aus ihrer Tasche und legte sie neben sich, ehe sie ihren Blick wieder zu ihm hob. „Sag an, Liam, deiner weisen Einschätzung nach, von welcher Art bin ich?“

Ihr Gesicht, so blass wie Elfenbein und vollkommen wie das einer Prinzessin, schien sich wenig verändert zu haben, seit dem Moment, in dem er sie im Schloss ihres Vaters kennengelernt hatte.

„Du bist von der Sorte, die heiratet“, murmelte er.

Ihr Blick, so scharf wie geschliffener Amethyst, verweilte für den Bruchteil eines Augenblicks in seinem, dann schnellte er herab, während ihre Finger irgendein übles Gebräu zusammenmischten. „Das wird mir immer wieder gesagt.“

Die Anspannung in seinen Eingeweiden, die sich gerade erst gelegt hatte, kehrte hundert Mal so schlimm zurück, als das Bild von ihrem nackten Körper zurückkam. Nackt und wollüstig wand sie sich in den Armen eines anderen Mannes, ihre teuflischen Lippen geöffnet, während sie einen unbekannten Namen summte. „Von wem?“, fragte er, und musste sich zu der Frage zwingen.

„Von dem Mann, den ich heiraten werde“, sagte sie.


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Lois Greiman - Gerett von einem Highlander

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Lois Greiman schreibt historische sowie zeitgenössische Romantik und humorvolle Chick-Lit. Die Autorin und passionierte Reiterin lebt auf einem kleinen Pferdehof und war bereits als Model, Fitnesstrainerin und Tierarzthelferin tätig. Schließlich machte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben zum Hauptberuf, denn sie findet: „Die Realität wird überbewertet“. Lois Greiman veröffentlichte über dreißig Romane, die mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurden.