Tessa May über ihren neuen Roman Die Begnadete

 Worum geht es in deinem Buch Die Begnadete? 

In meinem Buch geht es um Lilja, die als beliebtestes Mädchen der Schule viele Freunde hat und es gewohnt ist, alles zu bekommen, was sie will. Zumindest, bis sie auf Tara trifft, die ihr eröffnet, dass sie magische Fähigkeiten besitzt und andere Menschen nach ihrem Willen manipulieren kann. Von da an läuft es für Lilja nicht mehr so rund, denn ihre Gabe wird Fluch und Segen zugleich. Außerdem droht Gefahr durch starke Gegner ihrer Welt, die ihre Macht für sich zu nutzen versuchen.

 

In deiner Geschichte geht es um ein zwei Schulkameradinnen, die magische Kräfte besitzen. Was hat dich dazu inspiriert?

Ich habe mich während meiner eigenen Schulzeit immer gefragt, wie es wohl den Mädchen geht, denen scheinbar alles in den Schoß fällt, die beliebt und hübsch sind und zu den „wichtigen“ Cliquen gehören. Der Gedanke, nicht dazuzugehören, hat mich oft nachdenken lassen, wie es auf der anderen Seite aussehen muss. Sind diese Mädchen wirklich glücklicher? Ist es wirklich so leicht für sie? Aus diesen Überlegungen heraus ist Liljas Charakter entstanden. Sie hat ihre ganz eigenen Kämpfe und findet heraus, dass das Leben doch nicht so leicht ist, wie es scheint. Gerade ihr steiniger Weg und ihre Entwicklung haben mich besonders fasziniert.

 

Hast du dir in der Schule selbst magische Kräfte gewünscht?

Auf jeden Fall! Ich glaube, da gibt es auch nur wenige Menschen, denen es anders geht. Ich hatte oft den Wunsch, mich unsichtbar machen zu können. Heute würde ich aber lieber teleportieren können wie Tara. Das würde Reisen und Fernbeziehungen sehr erleichtern.

 

Sind die Protagonisten Lilja und Tara durch Menschen aus deinem Bekanntenkreis inspiriert?

Lilja ähnelt in manchen Aspekten sehr mir und die Zweifel und Hindernisse, die sie überbrückt, sind teilweise von meinem eigenen Weg inspiriert. Tara hatte kein Vorbild, aber ich finde es heute sehr lustig, dass meine Freundin Cara ihr nicht nur vom Namen her ähnelt, sondern auch von der Persönlichkeit. Damals konnte ich das natürlich noch nicht wissen. Grundsätzlich nehme ich aber immer nur wenige Charakterzüge oder einzelne Eigenarten von realen Vorbildern, viel eher lehne ich das Aussehen an echte Personen an.

Wieso spielt die Geschichte in Frankfurt und London? Welche Verbindung hast du zu diesen Städten?

Den Großteil meines Lebens habe ich in einer Stadt nahe Frankfurt gewohnt, die auch gern deren hässliche kleine Schwester genannt wird. Außerdem bin ich ein Jahr lang zur Uni in Frankfurt gegangen und habe dort gearbeitet, deshalb kenne ich die Stadt recht gut und es war einfacher für mich, bei meinem ersten Buch das Setting auf etwas Bekanntem aufzubauen. London ist seit Jahren eine meiner Lieblingsstädte, ich war zweimal da und habe jeden Besuch sehr genossen. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Flair, auch wenn sie sehr teuer ist. Ich bin ein riesiger Fan der Serie Doctor Who und wollte deshalb auch mal beim BBC arbeiten. Daraus ist nichts geworden, aber die London-Liebe ist geblieben!

 

 

Welche Inspirationsquellen dienten dir für die Geschichte?

Bei diesem Buch habe ich zum ersten Mal Pinterest ausprobiert. Dort lege ich inzwischen für alle Projekte Moodboards an, und gerade zum Aufbauen eines Feelings hat mir das auch bei Die Begnadete sehr geholfen. Ansonsten lasse ich mich gern von Erlebnissen aus meinem Alltag oder Songs inspirieren. Hayley Kiyokos Song Girls like Girls war eine der ersten Inspirationen für das Buch.

 

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Schreibst du eher zu Hause oder gehst du gerne unter Menschen?

Früher habe ich gern mit Playlists und bestimmten Songs zum Buch geschrieben, meistens nach meinen Spätschichten, die um Mitternacht endeten. Dann konnte ich gut runterfahren. Inzwischen schreibe ich am liebsten im Café mit belebten Geräuschkulissen, beim Zugfahren oder mit Regengeräuschen auf den Ohren. Dann kann ich am besten entspannen. Außerdem hilft mir der Austausch mit anderen Autoren sehr, deshalb treffe ich mich auch regelmäßig zu Schreibdates mit anderen Leipziger Autorinnen. Außerdem dürfen beim Schreiben nie meine zahlreichen Notizbücher fehlen: Für jedes Projekt lege ich ein Neues an, das stimmungsvolle Bilder, Songtexte und selbstverständlich die Notizen zum Skript enthält.

 

Was ist dein Lieblingsdialog zwischen Tara und Lilja?

»Ist ja gut«, murrte Tara, ohne mich loszulassen. Ihre Haare kitzelten meine Wange, als sie sich an mich drückte und dabei gefährlich nah an den Punkt kam, an dem sie einfach vom Stuhl kippen würde, wenn ich mich auch nur einen Millimeter entfernte. »Es ist einfach noch ein bisschen zu früh. Ich will kuscheln, das Bett ruft mich zurück.«

»Und da benutzt du mich als Kissen?«, versuchte ich, mich zu empören, aber zu meinem Leidwesen klang meine Stimme mehr geschmeichelt denn gekränkt. Ihre Berührung jagte mir warme Schauer über den Rücken und ich konnte das Lächeln nicht von meinem Gesicht verbannen.

»Ja, du bist so ein nettes Kissen. Manchmal redest du bloß zu viel. Und schreibst böse Post-Its für meine Toilette.«

»Ich bin eben kein Kissen, das alles mit sich machen lässt«, konterte ich. »Und ich bin ein Kissen, das Hunger hat. Kannst du das Kuscheln auch noch aufschieben, bis wir gefrühstückt haben?«

»Nein. Wenn wir gefrühstückt haben, muss ich dich trainieren und da kommt es blöd, wenn du mein Kissen bist.«

»Und wenn ich dir verspreche, dass ich heute Nacht dein Kissen bin?«

»Heilige Scheiße, hebt euch eure Turtelei auf, bis ihr allein seid«, unterbrach uns Finn, der breit grinsend und fertig angezogen die Küche betrat.

 

An was schreibst du momentan?

Momentan schreibe ich an einem High Fantasy-Projekt, das düsterer und blutiger wird. Die Protagonistinnen sind wieder im LGBT-Bereich angesiedelt und ich habe besonderen Spaß am magischen Weltenbau (und vielleicht auch am ein oder anderen Tod ;)). Scherbenkrone ist ein Projekt, das ich lange mit mir herumgetragen und reifen lassen habe, deshalb tut mir das Schreiben daran gerade sehr gut.

 

Und zu guter Letzt: Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Ganz klar: „Geheimnis der Götter – Funke des Erwachens“ von Saskia Louis. Ich habe den ersten Teil als Hörbuch gehört und war total begeistert. Wenn ich mal wieder längere Zugfahrten und Bastelstunden vor mir habe, will ich auch die nächsten Teile weiterhören!

 

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1996 in einer Kleinstadt Ungarns geboren, fand Tessa May nach ihrem Umzug nach Deutschland schnell Gefallen daran, mit der Sprache zu spielen. Während sie in ihrer Freizeit unzählige Bücher verschlingt, ist auch das Schreiben ihre Passion. 2016 begann sie ihr Studium im Verlagswesen, um die Liebe zum geschriebenen Wort in ihren Alltag zu integrieren.

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