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Einführung

Künstler bringen Licht in unsere Welt, und dieses Licht müssen wir jetzt mehr denn je erstrahlen lassen. Unsere Arbeit besitzt das große Potenzial, kulturelle Unterschiede zu überwinden und die Gesellschaft zu verändern. Du bist unsere einzige Hoffnung!

Du bist hier, weil du den brennenden Wunsch verspürst, etwas Wichtiges zur Welt beizutragen. Etwas, das die Welt sehen, hören, berühren oder tun muss. Etwas, das durch dich hindurch wirkt und das du teilen sollst. Etwas, das wahrscheinlich den Verlauf deines Lebens und auch des Lebens anderer Menschen verändern wird, und sei es auch nur für einen Moment.

Du denkst vielleicht nicht, dass das, was du tust, revolutionär ist. Vielleicht ist es das auch nicht – oberflächlich betrachtet. Als Kreativunternehmer, der seinen Lebensunterhalt verdient, indem er seiner Leidenschaft nachgeht, gehörst du zu den oberen Zehntausend. Es stellt dich in eine Gruppe, die so klein ist, dass deine bloße Existenz, also die Tatsache, dass du jeden Morgen aufwachst und versuchst, dein Leben zu leben, wirklich von Bedeutung ist. Es ist von Bedeutung, weil die meisten Menschen nicht den Mut dazu haben. Die meisten Menschen trauen sich nicht, das Risiko einzugehen, etwas zu tun, wofür ihr Herz wirklich schlägt, und zwar aus vielen verschiedenen Gründen: Es ist beängstigend, es ist unpraktisch, es reicht nicht zum Auskommen, es ist unsicher, es besteht die Gefahr, zu scheitern, um nur einige zu nennen.

Indem du tust, was du tust, gestattest du anderen, ebenfalls zu tun, was sie tun möchten.

Denk mal darüber nach: Würden nur ein paar wenige, gleichgesinnte Menschen Bücher und Drehbücher verfassen, bildende Kunst schaffen, Musik produzieren und Fotografien veröffentlichen, wie viele Stimmen würden dann nicht repräsentiert und gehört werden?

Bist du von allem, was politisch vor sich geht, begeistert? Findest du es toll, wie die Welt dich aufgrund deines Geschlechts, deiner Rasse, deines Alters und so weiter abstempelt? Wenn du nicht völlig begeistert vom Status quo bist, dann ist es an der Zeit, etwas zu unternehmen. Beteilige dich so am gesellschaftlichen Diskurs, dass es für andere sichtbar ist. Die Betonung liegt auf sichtbar. Bring deine Arbeit und deine Stimme an die Öffentlichkeit. Verschaff dir Gehör. Die Welt braucht dich.

In Wahrheit sind die meisten von uns nicht zufällig hier gelandet. Du bist kein Kreativunternehmer geworden, weil es die einfachste Lösung war. Es war nicht der leichte Weg, sondern das, was du einfach tun musstest. Das bedeutet, dass du den „sicheren“ Weg der Unternehmenswelt, also per Definition das klassische Angestelltenverhältnis im Büro oder einen anderen konventionellen Karriereweg, nicht einschlagen konntest oder wolltest. Für jemanden anderen und einen anderen Zweck zu arbeiten, war nichts für dich.

Du hast eine Bestimmung und eine Vision, und die ist so deutlich, dass du bereit warst oder bist, dein Auskommen zu riskieren, um das zu tun, was du machst. Denke mal darüber nach. Es ist ziemlich beeindruckend, wenn man sich überlegt, welches Risiko du eingegangen bist, um hierher zu kommen. Es widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Es widerspricht sogar Darwins Evolutionstheorie. Du hast dich für die Ungewissheit entschieden, um deine Lebensaufgabe zu erfüllen. Erinnere dich immer daran. Du kannst die Ungewissheit hassen, sie kann der Teil an deinem Leben als Kunstschaffender sein, den du am wenigsten schätzt, aber letztendlich hast du sie der Sicherheit vorgezogen.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich in New York mit einem der besten, sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Magazine an einer Besprechung zur Prüfung meines Portfolios teilgenommen habe: National Geographic. Die damalige Bildredakteurin hatte noch nie eine weibliche Architekturfotografin getroffen. Wir schrieben das Jahr 2013 – nicht etwa 1913. Kannst du dir das vorstellen? Ich konnte es auch nicht.

Außerdem konnte ich nicht glauben, dass sie den Mut hatte, zuzugeben, dass sie, obwohl sie für das weltmännische Fotoportal eines der besten Magazine weltweit arbeitete, noch nie dieser Kombination aus Geschlecht und Beruf begegnet war. Es hat mich schockiert. Und nicht, weil ich dachte, dass Frauen nun mal keine Architektur fotografieren könnten; natürlich können wir das. Sondern weil es bedeutete, dass nur so wenige Menschen dazu bereit waren, einen Schritt nach vorn zu machen und sich ihrem Leben und ihrem Berufsweg zu stellen. Das ist ein rückschrittliches Vorgehen und insbesondere bei Kunstschaffenden bedeutet es eine riesige Beschränkung der Welt, in der wir leben.

Ein Künstler zu sein ist ein Privileg. Mit unserer Gabe und dem Glück, das wir hatten, geht eine Verpflichtung einher. Eine Verpflichtung, die so wenige von uns, die wir in der westlichen Welt leben, wirklich verstehen. Es ist die Pflicht, die Geschichten dieser Welt aus unserer Perspektive zu erzählen. Es ist die Pflicht, die Vereinheitlichung der Medien zu bekämpfen und sie neu und demokratisch auszurichten. Es ist die Pflicht, jeden Tag präsent zu sein und unser Bestes zu geben.

Das soll nicht heißen, dass es einfach ist, aber es muss auch nicht zwangsläufig schwer sein. Aber ist es ungewiss? Ja. Gibt es Stolpersteine, wenn man sie am wenigsten erwartet? Ja. Braucht man dazu tonnenweise Zuversicht, Mut und Neugierde? Ja. Ist es machbar? Auf jeden Fall.

Mein Ziel ist es, dir ein Rahmenkonzept zu bieten, das dir emotionale Unterstützung geben und dich auf dem Weg zum Erfolg unterstützen soll. Ich hoffe, dieses Buch inspiriert dich dazu, in deinem kreativen Unterfangen den nächsten Schritt zu tun, oder lässt dich zumindest wissen, dass du dabei nicht allein bist. Deine Schwierigkeiten sind unser aller Schwierigkeiten. Deine Erfolge sind unser aller Erfolge. Deine Fehler sind auch unsere Fehler.

Du bist vielleicht in der Situation, dass du in deinem Brotjob gefangen bist und noch nicht den Schritt wagst, hauptberuflich das zu machen, was du wirklich tun möchtest. Vielleicht hast du diesen Schritt schon gemacht, kämpfst aber jetzt damit, neue Kunden zu gewinnen und Monat für Monat schwarze Zahlen zu schreiben. Du hast vielleicht genügend Kunden gewonnen und deine Aufträge erledigt, wartest jetzt aber seit Ewigkeiten darauf, bezahlt zu werden. Deine Kunden haben vielleicht bezahlt, sind aber in der Regel Eintagsfliegen, wankelmütig oder versuchen ständig, noch „bessere“ Konditionen auszuhandeln. Langsam fragst du dich, ob die Unternehmenswelt alles in allem so schlecht war. Zumindest gab es gratis Kaffee und Snacks, die regelmäßig von jemand anderem als dir selbst nachgefüllt wurden. Oder du steckst vielleicht einfach irgendwo mittendrin fest – du bist mehr oder weniger erfolgreich, weißt aber nicht, wie lange das andauern wird und kannst dich nicht dazu aufraffen, dich endgültig vom Sofa zu verabschieden und es wirklich auf eine Art und Weise anzugehen, die dir langfristigen Erfolg garantiert.

Es gibt viele Dinge, die ich auf meiner Reise als freiberufliche Kunstschaffende gern früher gewusst hätte. Indem ich sowohl Führungskräfte als auch äußerst erfolgreiche Freiberufler in kreativen Branchen genau beobachtet habe, konnte ich analysieren, was man benötigt, um die Kurve zu kriegen und in einer Welt durchzuhalten, in der Erfolg keiner Struktur zu folgen und es kein Erfolgsrezept zu geben scheint. Wir werden uns direkt ins Getümmel stürzen und uns mit den häufigsten Herausforderungen beschäftigen, denen sich Kreativunternehmer stellen müssen. Wir werden analysieren, was wirklich nötig ist, um nach oben zu kommen – und um auch dort zu bleiben.

Kapitel Eins: Tritt deiner Angst und Ungewissheit in den Hintern und lerne, damit zu leben

Ehrlich gesagt: Ungewissheit ist ätzend und kann dich, wenn du sie nicht erbittert bekämpfst, völlig aus der Bahn werfen. Die Versuche von esoterischen Ratgebern, deine Verunsicherung im Berufs- und Privatleben zu besiegen helfen offen gestanden wenig dabei, sie tatsächlich zu lindern.

Seien wir realistisch. Angst begleitet uns aus einem bestimmten Grund: Sie ist ein Überlebensinstinkt. Und wenn man als Kreativunternehmer lebt, kann die Angst, sein Überleben nicht zu sichern oder seine menschlichen Grundbedürfnisse nicht erfüllen zu können, sehr real sein. Genau genommen verbringst du vielleicht sogar die meiste Zeit deines Lebens in einem Zustand der Angst.

Es ist sinnvoll, dass viele Kunstschaffende sich der Meditation, der Atemarbeit und dem Yoga zuwenden und das regelmäßig praktizieren. Diese Übungen können helfen, eine andernfalls chaotische Innenwelt ins Gleichgewicht zu bringen. Sie können jedoch die Ungewissheit darüber, ob man erfolgreich sein wird und die Angst davor, es nicht zu schaffen –  oder auch davor, es zu schaffen – , nicht auslöschen. Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat und jedes Jahr meines Lebens als Kreativunternehmerin war völlig ungewiss. Ich hatte Jahre, die mit einem Bombenerfolg begannen und mit einer Pleite endeten und umgekehrt Jahre, die dürftig anfingen und mit einem Höhepunkt zu Ende gingen. Es gibt in meinem Tag sogar Stunden, die genauso verlaufen. Man kann es einfach nicht wissen. Und egal, wie oft du den herabschauenden Hund auch machst, es wird daran nichts ändern.

Es ist nicht hilfreich, die Angst, die Furchtlosigkeit oder die Fähigkeit, zu kontrollieren, was man nicht kontrollieren kann, zu verherrlichen. Das geht am Problem vorbei und verstärkt in den meisten Fällen deine Ungewissheit bezüglich deines Erfolgs, denn Ungewissheit und Angst werden so nur zu zwei weiteren Dingen, die du nicht überwunden hast. Es erschafft etwas, das man vortäuschen muss: nämlich Furchtlosigkeit. Das ist kontraproduktiv und verschwendet deine Zeit.

Zu erkennen, woher deine Ungewissheit und Angst stammen, ist der erste hilfreiche Schritt dabei, sie abzubauen. Wenn du die Angst erkennst, sobald sie aufkommt, ermöglicht dir das laut Dr. Travis Bradberry, sie einzudämmen, bevor sie außer Kontrolle gerät. Das limbische System in deinem Gehirn erzeugt Angst als spontane Reaktion auf Ungewissheit, wodurch deine reflektierte Entscheidungsfähigkeit gehemmt wird. Indem du diese Angstreaktion erkennst und die einzelnen Schritte getrennt betrachtest, kannst du die Situation genauer und rationaler einschätzen und deinem Gehirn zeigen, wer wirklich das Sagen hat!

Wenn du ein Unternehmer in der Kreativbranche bist, gibt es in deinem Leben wahrscheinlich einen langen Katalog an ungewissen Dingen: Dein Einkommen, der Geldfluss, deine Kunden, wie deine Arbeit aufgenommen wird, ob du es diesen Monat oder dein ganzes Leben lang überhaupt schaffen kannst, ob du weitermachen sollst, ob du einknicken und dir einen normalen Job suchen sollst und so weiter. Diese Ungewissheiten lösen Angst aus, weil sie echt sind. Wenn sie sich dein Gehirn nur ausgedacht hätte, wärst du inzwischen darüber hinweg. Du hättest die Ungewissheit schon im Kindergartenalter überwunden.

Ich werde nicht so tun, als ob das einfach wäre oder mit der Zeit einfacher werden würde. Das wird es nämlich nicht. Angst und Ungewissheit – nennen wir sie kurz A&U – werden nur in dem Sinne weniger, als dass sie vertrauter werden. Wenn du vorankommst, deine Aufträge größer und dein Lebensstandard höher werden, können A&U sogar wachsen. Es kann schwieriger werden, Risiken einzugehen und sich selbst noch mehr herauszufordern als beim letzten Mal. Wenn wir älter werden, neigen wir dazu, uns mehr Sicherheit und mehr Annehmlichkeiten zu wünschen. Wir fangen an, etwas in der Art zu denken wie: Ich bin soundsoviel Jahre alt, ich sollte inzwischen ein Haus und ein bestimmtes Auto besitzen und einen gewissen Lebensstandard haben. Wenn diese Soll-Formulierungen  aufkommen, vervielfachen sich A&U und wir kommen immer weiter von unserem Ziel und Weg ab. Wir reden uns selbst aus, Risiken einzugehen. Sicher, das letzte Mal hat es geklappt, aber was passiert dieses Mal? Wir sagen uns: Ich bin zu alt, zu klug, zu talentiert, zu untalentiert, oder was auch immer, um das zu machen. Manchmal verstärkt unser routinemäßiger Erfolg die Angst vor dem Scheitern noch. Sich vom Erfolg loszulösen ist der Schlüssel, damit es funktioniert. Setze es dir zum Ziel, auch im Angesicht von A&U zu lernen und zu wachsen.

Risiken einzugehen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Du denkst vielleicht: Ich bin bereits in einem Angstzustand und du möchtest, dass ich meinen Einsatz verdopple? Ja, verdammt nochmal. Lege noch mehr Jetons auf den Tisch und spiele deine Trümpfe aus. Ohne Risiko gibt es auch keinen Gewinn. Die Welt braucht dringend mehr kreative Führung, aber Kunstschaffende (vor allem Einzelkämpfer) schrecken davor zurück, die Führung zu übernehmen. Die Menschen in der Unternehmenslandschaft träumen von so einer Welt. Sorge dafür, dass sie nicht nur deine Zeit und Energie wert ist, sondern auch ihre. Erkenne, dass nur du in der Lage bist, genau das zu tun, was du tust, und dass der Versuch, Risiken zu vermeiden, tatsächlich das größte Risiko ist, das du eingehen kannst.

Da die Technik die meisten Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft drastisch verändert hat, ist das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Eingehen von Risiken zu einem Lebensstil geworden. Wirklich niemand kann dieser Entwicklung in die Karten gucken. Die Einnahmequellen der meisten Kreativbranchen wurden auf den Kopf gestellt und alle kämpfen darum, den Endverbraucher zu erreichen, sei es in der Musikindustrie, der Fotografie, der Werbung oder der Literatur. Es betrifft alle kreativen Nischen. Dieses Chaos bringt allerdings auch eine einzigartige Chance mit sich. Nie zuvor gab es einen solchen Bedarf an produktiven Inhalten. Nie zuvor war die Plattform für diese Inhalte größer, globaler und unmittelbarer. Für Contentschöpfer sind die Möglichkeiten, Fähigkeiten zu entwickeln und ihr Portfolio zu erweitern, auf einem absoluten Höchststand.

Es steht außer Frage, dass wir uns inmitten einer A&U-Apokalypse befinden, aber ich glaube, es gibt einen Silberstreif am Horizont: Als Kreativunternehmer sind wir nicht mehr auf die althergebrachte Unternehmenshierarchie angewiesen. Wir sind alle gleichermaßen in der Lage, unsere Inhalte zu verbreiten und ein Publikum zu erreichen. Das ist großartig. Es ist ein Privileg und es bringt Verantwortung mit sich.

Die Realität sieht so aus, dass die meisten von uns nicht zufällig hier gelandet sind. Ein Kreativunternehmer zu sein ist nicht einfach. Es ist etwas, das du einfach tun musst.

Jetzt gibt es natürlich an allem eine positive Seite. Wenn du völlige Sicherheit hättest, würden deine Arbeit und dein Leben eintönig werden und wahrscheinlich würde es deine schöpferischen Fähigkeiten beeinträchtigen. Ungewissheit erschafft auch neue Möglichkeiten. Wenn alles sicher wäre, wären unerwartete Erfolge nicht möglich. Du wärst weniger bereit, Risiken einzugehen, um deinen Status quo zu erhalten. Du wärst aus Bequemlichkeit abgestumpft und würdest wahrscheinlich kaum neue Wege einschlagen. Außerdem würdest du mehr materielle Güter besitzen und einen Lebensstil verfolgen, in dem es darum geht, mit den anderen gleichzuziehen. Dabei würde deine Inspiration verloren gehen.

Wenn du das nächste Mal verunsichert bist (wahrscheinlich innerhalb der nächsten paar Minuten), frage dich: Möchte ich mich lieber ängstlich oder gelangweilt fühlen? Diese Optionen hast du. Seien wir ehrlich: Angst ist spannender und macht viel mehr Spaß.

Auch als Selbsthilfe-Junkie kämpfe ich weiterhin täglich mit Problemen rund um A&U. Ich behaupte nicht, dass ich wissenschaftliche Erkenntnisse hätte, die einer Harvard-Abhandlung würdig wären oder ein 12-Schritte-Programm, das Angst und Ungewissheit beseitigt. Und selbst, wenn ich so etwas hätte, würde ich es dir nicht verraten. Du hast ja bereits zugegeben, dass du lieber ängstlich als gelangweilt sein möchtest. Eine Flasche Tequila könnte ebenso gute eine Lösung sein wie alles andere. Wie kann man also die Plage der Ungewissheit sein ganzes Berufsleben lang ertragen? Kann man irgendetwas tun, um das Leben ein bisschen sicherer werden zu lassen? Möglicherweise. Hier sind fünf kleine Schritte, die ich anwende, wenn ich mich überfordert fühle und unfähig, mir selbst zu helfen – und wenn ich meine Zukunft nur noch schwarzmale.

 

  1. Einschätzen und angehen

Der erste Schritt ist, zu erkennen, wo und warum du dich ängstlich fühlst, und dir das einzugestehen. Was verstärkt diese Angst? Was verringert sie? Was ist die Wurzel dieser Angst (zum Beispiel: „Ich werde mein Leben lang pleite sein“, „Meine Arbeit ist mies und wird niemals ernst genommen werden“, „Niemand liebt mich“, „Ich bin es nicht wert“ – oder alles davon)? Bestimme es konkret und ausführlich. Vielleicht hilft es dir, deine Gedanken aufzuschreiben. Frage dich selbst: Sind diese Ängste echt oder wurden sie in meinem Kopf aufgebauscht? Wurden sie für eine Nachrichtensendung geschrieben und basieren auf geprüften Fakten oder wurden sie eher für eine unterhaltsame Telenovela adaptiert? Wenn es dir hilft, schreibe beide Versionen auf: Nachrichten und Telenovela. Dann wirf einen Blick in die Vergangenheit. Bist du je an Angst und Ungewissheit gestorben? Bist du gestorben, weil du Schwierigkeiten  hattest, deinen Lebensunterhalt zu sichern? Bist du jemals daran gestorben, dass ein Kunde deine Arbeit nicht mochte oder dich nicht pünktlich bezahlt hat ? Bist du jemals daran gestorben, dass du nicht erfolgreich warst? Bist du jemals an irgendeiner deiner Überzeugungen gestorben, die dich nur lähmen und einschränken?

Offensichtlich nicht, denn sonst würdest du das hier nicht lesen. Bisher ist die Punktzahl also DU (40) zu ANGST (0). Siehst du, du bist schon dabei, die Ungewissheit plattzumachen! In der ganzen Zeit, die du bereits auf diesem Planeten bist, hat dich die Ungewissheit noch nie besiegt. Ein paar andere Dumme vielleicht, aber nicht dich. Fängst du an, ein bisschen Mitleid mit deinem Feind zu haben? Ich schon. Hier bist du, unbesiegt, und machst dir immer noch Sorgen, dass dieser Kasper dich irgendwann schlagen könnte. Wohl kaum, Kumpel, wohl kaum.

Wenn du rückblickend das betrachtest, was du erreicht hast und wie weit du in dieser unsicheren Welt gekommen bist, sollte dir das genügend Zuversicht geben, um dich wieder nach vorne zu kämpfen. Nur zu, klopf dir selbst auf die Schulter. Gib dir eine Standing Ovation. Und dazu kommt ja noch, dass du mit weniger Talent und weniger Erfahrung angefangen hast, als du jetzt besitzt. Führe eine Bestandsaufnahme deiner Erfolge durch. Schreibe auf, wie du es mit weniger so weit geschafft hast. Fühlst du dich schon sicherer? Gut, legen wir los.

 

  1. Klarheit gewinnen

Wir haben also gesehen, dass du letztlich ungeschlagen bist. Und was jetzt? Gewinne Klarheit darüber, was du möchtest. Wir haben bereits eine Vorstellung davon, was du nicht möchtest, aber klarzustellen, was du möchtest, ist ausschlaggebend. Willst du 100.000 Euro auf einem Notfallkonto, ein Haus in Monaco, bessere Kunden, einen schöneren Arbeitsplatz mit anderen Künstlern? Wonach sehnst du dich? Benenne es konkret und versuche nicht darüber nachzudenken, was möglich ist, sondern darüber, was du dir tatsächlich wünschst. Diese Frage ist schwerer zu beantworten, als man denkt. Manchmal kann dich das, was du möchtest, überraschen. Wenn du dich intensiv damit beschäftigst, findest du nicht unbedingt die Antwort, die du finden wolltest oder die du erwartet hast. Du kannst darauf programmiert sein, zu glauben, dass du X möchtest, obwohl du in Wahrheit Y willst. Sei offen für das, was du entdeckst und arbeite damit weiter.

Ich habe mir jahrelang gewünscht, ein Atelier zu haben! Endlich bekam ich eines und es war eigentlich traumhaft. Es übertraf bei Weitem, was ich je für möglich gehalten hätte, vor allem zu diesem Zeitpunkt und mit meinem damaligen Budget. Es war 130 Quadratmeter groß, mit fünf Meter hohen Decken in einem Rohbau-Loft mit massiven Fenstern aus Glasbausteinen. Es hatte einen riesigen Lastenaufzug und einen großartigen Gebäudemanager namens James, der sich um alles kümmerte. Ich hatte Parkplätze und Gästeparkplätze und die besten Nachbarn, die man sich vorstellen kann. Es hatte sich einfach ergeben und es war wunderbar. Ich zwickte mich in den ersten zwei Jahren, in denen ich dort arbeitete, jeden Tag und konnte immer noch nicht glauben, dass es meins war. Dann stellte ich einen Studio-Manager und Praktikanten ein. Ich machte Ernst! Ein weiterer Traum hatte sich erfüllt: Mitarbeiter zu haben. Die Welt lag mir zu Füßen. Ich ließ in gewisser Weise zu, dass das mich und mein Geschäft definierte. Ich dachte (unbewusst), dass ich, wenn ich kein Atelier oder Angestellte hätte, nicht in der Branche mitmischen könnte. Du kannst dir meine Überraschung vorstellen, als mir fünf Jahre später klar wurde, dass ich darüber hinweg war. Es gefiel mir nicht besonders, Personalverantwortung zu haben, und ich fand heraus, dass der Raum mich eher einengte, als meine kreativen Möglichkeiten zu erweitern. Autsch. Es war nicht leicht, das zuzugeben oder zu akzeptieren.

Als ich mir es eingestanden hatte, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Eine Welt, in der ich keine Räumlichkeiten verwalten musste und eine, in der ich reisen und arbeiten konnte, ohne den Aufwand für den Betrieb eines Ateliers zu haben, das ich weniger und weniger nutzte. Eine Welt, in der ich nach Santa Monica ziehen und zur Arbeit nach Chicago pendeln konnte, wenn es sein musste. Das war damals das Beste für mich. Ich habe inzwischen sieben Jahre ausgiebiger Reisen hinter mir und einen Verlag gegründet. Jetzt bin ich wieder bereit, mich niederzulassen und Personal zu beschäftigen. Ich bin also wieder dorthin gekommen, wo ich angefangen habe. Ich glaube, ich wäre nicht in der Branche geblieben, wenn ich mich nicht verändert hätte und nicht mit der Zeit gegangen wäre. Ich glaube, ich wäre ausgebrannt und hätte in einen „einfacheren“ Job gewechselt. Mein Ego hätte eine viel bessere Lebensoption für mich zerstört, wenn ich ihm die Führung überlassen hätte.

Es gibt HAUFENWEISE Methoden und Bücher, die dir helfen werden, Klarheit darüber zu gewinnen, was du möchtest. Manche benötigen dafür nur eine zehnminütige Meditation und andere einen längeren Zeitraum. Meine Lieblingsbücher zu diesem Thema sind „Die Aufgaben der Seele: Die göttliche Kraft in Dir“ von Sonia Choquette und „Be Your Own Heroine“ von Kristina Paider (meiner Schwester!). Beim Meditieren helfen Apps wie Headspace, Unplug und Calm. Das sind gute Werkzeuge für den Anfang. Manche Menschen finden es förderlich, diese Techniken täglich oder jede Woche zur Auffrischung nutzen, um sicherzustellen, dass sie auf dem richtigen Weg bleiben. Es ist wie bei den meisten Dingen: Je häufiger du sie ausübst und dich auf deine innere Mitte konzentrierst, desto einfacher wird es.

 

  1. Werde aktiv

Jetzt, wo wir wissen, wo deine Ungewissheit und Angst herkommen, und was du willst, können wir das beste Gegenmittel gegen A&U anwenden: Handeln. Zu handeln ist kraftvoll, weil es alles andere in Bewegung setzt. Du musst keine großen Schritte machen. Genaugenommen können kleine Schritte genauso effektiv, wenn nicht sogar effektiver sein, weil es einfacher ist, die Dynamik aufrechtzuerhalten. An Dynamik zu verlieren, anzuhalten, zu warten und sich in seinem Elend zu suhlen, sind die schlimmsten Dinge, die man tun kann, wenn man sich überwältigt fühlt. Du überlässt damit der Ungewissheit den Sieg. Zu handeln ermöglicht dir, zu kontrollieren, was du kontrollieren kannst und gibt allem und allen anderen genügend Freiraum, um zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise zu dir zu kommen.

Ich habe viele Fotografen getroffen, die von der Branche enttäuscht sind, von den Möglichkeiten, Aufträge zu bekommen und Honorare zu verlangen, die ihre Zeit wert sind. Sie hören buchstäblich auf, überhaupt an irgendetwas zu arbeiten. Sie befinden sich ununterbrochen in einer Warteschleife und warten darauf, dass das Telefon klingelt oder dass eine E-Mail mit neuen Aufträgen eintrifft. Das ist keine gute Idee! Wenn du nicht an Kundenaufträgen arbeitest, musst du entweder 1) Urlaub nehmen und deine Energiereserven wieder aufladen oder 2) an etwas für dich selbst arbeiten.

Nicht zu arbeiten erzeugt einen Teufelskreis des Nichts, der dich und deine Arbeit unattraktiv macht (nicht physisch, aber energetisch unattraktiv). Die Arbeit an persönlichen Projekten ist enorm wichtig, um deine Karriere voranzubringen. Deine „Freizeit“ nicht zu nutzen, ist eine vertane Chance. Intensiv an etwas zu arbeiten, das du liebst, ist heilsam und eine gute Möglichkeit, deine Zeit zu nutzen und dein Portfolio zu erweitern.

Noch einmal: Unsere Welt ist voller Ungewissheit. Dich zu beschäftigen, damit nicht noch mehr Angst in dir aufkommen kann, ist eine mächtige und wirksame Vorgehensweise. Unsere Umwelt ist unangemessen schnelllebig, was Technik angeht, und das kann die Situation nur noch verschlimmern. Es erzeugt unrealistische Erwartungen darüber, wie und wann neue Aufträge eintreffen sollen. Wenn das nicht sekündlich geschieht, macht uns das nervös und verstärkt die Zweifel daran, sich in dieser Welt behaupten zu können. Das machen wir aber bereits; wir müssen es nur am Laufen halten.

Wenn ich etwas wirklich will, mich mit viel Aufwand auf ein Projekt beworben habe und beginne, darüber zu verzweifeln, ob ich es auch bekommen werde, ist meiner Erfahrung nach das Beste, was ich tun kann, mich auf etwas anderes zu bewerben. Du musst noch mehr Maßnahmen ergreifen. Bemühe dich um einen anderen Kunden. Fange an, die Fühler nach einem neuen persönlichen Projekt auszustrecken. Lege noch mehr Eisen ins Feuer. Wenn du all deinen Einsatz auf einen Kunden oder ein Projekt setzt, macht dich das machtlos und ängstlich. Wenn der Kunde untergehen sollte, tust du das auch. Preise deine Waren weitläufig an. Pflanze noch mehr Samen ein. Bringe dich zur gleichen Zeit in mehrere Projekte ein und ergreife mehrere Gelegenheiten auf einmal. Diejenigen davon, die dazu bestimmt sind, werden gelingen, und die, die es nicht sind, werden sich im Sande verlaufen. Auf diese Weise ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas sich entwickeln wird, größer.

Die Leute fragen oft: Was, wenn ich nicht weiß, was ich tun soll? Was, wenn ich keine grandiose Vision davon habe, was ich möchte? Was, wenn ich mich nicht besonders inspiriert fühle, irgendetwas zu tun? In diesem Fall denke ich, dass es das Beste, was du tun kannst – und vielleicht auch das einzige – , der Brotkrumenspur zu folgen. Wenn wir etwas Neues angehen, haben wir selten eine Vorstellung davon, wie es sich genau entwickeln oder wie das Endergebnis aussehen wird. Einfach zu beginnen, Dinge zu verfolgen, die dich interessieren, ist der beste Weg, damit umzugehen. Erledige die Dinge Schritt für Schritt. Folge der Spur zu jedem Ort, an den sie führt. Wenn es nicht mehr interessant ist oder wenn du aufhörst, gespannt darauf zu sein, dann ändere den Kurs und finde etwas Neues, das dich wirklich interessiert. Das ist entscheidend. Wie wir im ersten Kapitel besprochen haben: Sorge dafür, dass es für dich gut funktioniert. Ziehe einen Nutzen daraus, ein Kreativunternehmer zu sein, indem du kreativ bist und Dinge tust, die nicht unbedingt finanzielle Resultate erzielen. Du kannst auch die Übungen zum Gewinnen von Klarheit wiederholen, um zu sehen, ob dir dabei Projektideen kommen.

Wenn du das Gefühl hast, völlig gehemmt zu sein und dir keine Klarheit verschaffen zu können, dann ist es wahrscheinlich die beste Option, dir eine Auszeit zu nehmen, um deine Reserven aufzuladen. Sorge für einen Tapetenwechsel und ändere deine Perspektive. Manchmal ist das schwierig, weil wir denken, dass wir die finanziellen Möglichkeiten dazu nicht hätten, oder weil wir glauben, dass es unverantwortlich wäre, sich eine Auszeit zu nehmen, wenn wir nicht gerade im Geld schwimmen. Aber nichts könnte verantwortungsvoller sein. Wenn du gehemmt und ernüchtert bist, wirst du nicht in der Lage sein, die Kunden oder Projekte zu gewinnen, die du dir wünschst. Deine Arbeit wird darunter leiden. Sich Freizeit zu nehmen, ist ein äußerst wichtiger Teil des kreativen Prozesses. Mache dich frei, beseitige Ablenkungen und lasse dich wieder dazu inspirieren, deine Arbeit zu tun. Niemand will einen uninspirierten Künstler – ganz besonders nicht du!

Zu handeln ist eine wunderbare Ablenkung. Wenn wir ausreichend beschäftigt sind, werden wir das Ausmaß der Unsicherheit, die es in unserer Branche gibt, nicht einmal bemerken. Wenn wir etwas mit Leidenschaft tun und sich darin unser Sinn erfüllt, wird die Zeit vergehen wie im Flug und die Möglichkeiten werden zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zu uns kommen. Zu handeln macht A&U zunichte. Voilà!

 

  1. Sich Unterstützung suchen

Bisher haben wir die Angst genau bestimmt, herausgefunden, woher sie stammt, was du möchtest und welche Maßnahmen du ergreifen musst, um den Ball ins Rollen zu bringen. Jetzt ist es entscheidend, die Unterstützung anderer zu bekommen. Mehr hierzu folgt in Kapitel drei. Kontakt mit Gleichgesinnten und Branchenkollegen herzustellen ist enorm wichtig. Die gemeinsame Beschäftigung mit deinem Vorgehen und deinen Zielen wird sie für dich greifbarer machen und durch dieses Wissen und die Unterstützung wirst du gestärkt werden. Das sind Geschenke, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Niemand ist eine Insel. Gehe raus in die Welt und spreche mit anderen Menschen darüber, woran sie gerade arbeiten, überlege dir gemeinsame Projekte und suche nach neuen Möglichkeiten. In Zeiten, in denen du wieder sehr beschäftigt bist, wirst du dich darauf am meisten freuen.

Wenn du der Arbeit an sich, den Möglichkeiten, neue Aufträge zu bekommen oder dem Verlauf eines bestimmten Projektes ängstlich gegenüberstehst, wird der Austausch mit anderen aus der Branche dich beruhigen und dir versichern, dass deine Gefühle normal sind und, dass jeder Kreativunternehmer ständig solche Ängste durchlebt. Nicht nur du machst solche Erfahrungen. Eine freundliche Erinnerung daran wird dich wieder auf den richtigen Weg bringen und deine Angst mindern. Es beruhigt alle, diese Themen gemeinschaftlich zu besprechen. So zu tun, als ob alles eitel Sonnenschein wäre, wird die A&U, die du empfindest, nur noch verstärken.

Suche nach Menschen, die etwas Ähnliches tun wie du, und die im Großen und Ganzen erfolgreich und glücklich sind. Wir haben alle ungefähr gleich angefangen. Frage sie, wie sie mit A&U umgehen. Frage sie, was in der Vergangenheit für sie funktioniert hat und was nicht. Was waren ihre größten Erfolge und Misserfolge? Die Menschen werden überraschend offen sein, denn wir alle haben von Natur aus das Bedürfnis, unsere Erfahrungen zu teilen. Wenn sie nicht geteilt werden, nützen sie niemandem etwas. Wenn du niemandem durch die Widrigkeiten und Strapazen, die du durchgemacht hast, helfen kannst, dann war das alles wirklich umsonst.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, und daran gibt es im Land der Kunstschaffenden keinen Mangel. Wenn du mit Leuten sprichst, die gerade eine schwere Zeit durchmachen oder die die kreative Welt ganz verlassen haben, dann beobachte, ob es ein gemeinsames Motiv gibt. Ich wette, das gibt es. Sie haben sich den Lebensumständen untergeordnet, anstatt aktiv ihr Leben zu gestalten. Das ist das gemeinsame Motiv, wenn man es auf den Punkt bringt. Sie haben gewartet, anstatt zu handeln. Sie ließen zu, dass die Welt bestimmt, wer sie sind, was sie tun und wie viel sie dafür berechnen sollen, und nicht umgekehrt. Sie ließen A&U an sich heran und überließen ihr die Steuerung ihrer Denkmuster und Weltanschauung. Du wirst einen ausgeprägten Trend bemerken, welche Mentalität im Kampf mit A&U funktioniert und welche ein Scheitern garantiert.

Das soll nicht heißen, dass man sein Unternehmen in der Kreativbranche niemals und aus keinem Grund aufgeben sollte. Wenn du dich zu etwas anderem berufen fühlst, dann solltest du das unbedingt tun. Allerdings sollte man die Welt der Kreativunternehmer nur verlassen, wenn man es wirklich will – aber nicht, weil man den Lebensunterhalt nicht sichern kann, oder das Gefühl hat, die Welt habe sich gegen einen verschworen. Dieses Gefühl kommt oft von der Angst und nicht von realen Umständen her. Die Wahrheit ist, dass man es in dieser Branche schaffen kann, wenn man hart arbeitet. Das ist nicht einfach und nicht jeder ist zum Selbstständigsein geboren, aber wenn man genau hinsieht, gibt es viele Chancen. Die Welt braucht Kunstschaffende jetzt mehr denn je. Alles, was wir tun, sehen oder kaufen, beruht in gewisser Weise auf Erfahrungen. Der andere enorme Vorteil einer Interaktion mit Gleichgesinnten ist folgender: Wenn du beginnst, zu handeln, werden sie dir dabei helfen, über das Erreichen deiner Ziele Rechenschaft abzulegen, und du kannst das Gleiche für sie tun.

 

  1. Schreibe deine Grabrede

Ja, wir gehen tatsächlich so weit. Dies ist eine „Perspektivübung“, um dich dazu zu bringen, 1) zu erkennen, wie kurz das Leben ist und 2) wie wenig von den durch A&U ausgelösten Sorgen, die du jetzt hast, am Ende eine Rolle spielen werden. So verrückt es auch klingt, die Betrachtung der eigenen Vergänglichkeit ist der endgültige Arschtritt für A&U. Diese Überlegung kann dir in relativ kurzer Zeit unschätzbare, bereichernde Einsichten liefern. Sie soll dich ernüchtern und erkennen lassen, dass die Zeit das wichtigste Zahlungsmittel ist, das du hast. Sie dient auch dazu, uns nicht zu vergessen lassen, dass wir alle mehr oder weniger am selben Ort enden werden.

Diese Übung ist eigentlich dazu gedacht, deine Angst davor, etwas nicht zu tun, zu verstärken, sodass sie deine Angst davor übersteigt, es tatsächlich zu tun oder es zu versuchen und zu scheitern. Sie soll dich dazu bringen, schleunigst deinem Herzen folgen und deine Ziele erreichen zu wollen. Die Alternative wäre, ein Leben voller Bedauern zu führen. Bleibendes Bedauern. Du wirst die Dinge, die du nicht tust, mehr bereuen, als die, die du tust. Lassen wir dieses Gefühl für uns arbeiten und unsere Arbeit auf die nächste Stufe heben. Wie soll man sich an dich erinnern? Was möchtest du unbedingt weitergeben, während du hier bist? Siehst du dein Leben in der richtigen Relation?

Geh einen Schritt weiter und notiere in Stichworten deine Lebensgeschichte. Wenn dich das nicht in einen Adrenalinrausch versetzt, wird es auch nichts anderes schaffen. Wenn eine Grabrede sich zu extrem anfühlt, dann schreibe deinen Wikipedia-Eintrag, deine Seite auf der IMDB, deine Oscar-/Grammy-/Pulitzerpreis-Dankesrede oder etwas anderes, das deine Lebensgeschichte vom Anfang bis zum Ende enthält. Was fehlt darin? Was fällt dir auf, während du diese Übung machst? Was musst du in diesem Leben noch erreichen? Was möchtest du zu dieser Welt beitragen, an die Künstler deiner Generation und an zukünftige Generationen weitergeben? Geh raus in die Welt und tu es!

Wenn du diese Übung beendet hast, kannst du beginnen, dich von hinten nach vorn zu arbeiten und herauszufinden, was deine Hauptziele sind, um dann eine praktikable Liste von Dingen zu erstellen, die du heute tun kannst, um auf Größeres hinzuarbeiten. Der Schlüssel ist, deine größeren Ziele in kleine, leicht verdauliche Happen umzuwandeln, so dass du mit der Arbeit daran beginnen kannst, ohne dich überfordert zu fühlen. Du wirst überrascht sein, wie schnell sich die Dinge verwirklichen lassen, sobald du einen Zeitplan und ein regelmäßiges Zeitfenster für diese Ziele festgelegt hast. Du könntest schon in ein paar Monaten eine neue Grabrede brauchen.

Wie du siehst, sind A&U ein Teil des Lebens und ein fortwährender Bestandteil einer Karriere in der Kreativbranche. Du hast sie bisher immer besiegt und du kannst sicherlich weiterhin den Widrigkeiten trotzen. Es ist unbestritten, dass du deine Grundbedürfnisse erfüllen und in einer anspruchsvollen Branche erfolgreich sein musst. Wir weisen nur darauf hin, dass du es bis hierher geschafft hast und das auch weiterhin tun wirst, wenn du präsent bleibst und nicht den Kopf verlierst. Behalte deine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Blick. Sei dir immer im Klaren darüber, was du möchtest, und bleibe offen dafür, dass sich das auch ändern kann. Bleibe im Fluss, indem du handelst. Vernetze dich mit deinen Kollegen. Wenn alle Stränge reißen, schreibe eine beispielhafte Grabrede und gehe wieder hinaus in die Welt, um das zu tun, wofür du bestimmt bist. Du kannst das. Es gibt viele weniger talentierte und weniger attraktive Menschen, die es geschafft haben.

Denke daran: Egal, wo du dich gerade befindest, ob du das Gefühl hast, schrecklich erfolgreich zu sein oder schrecklich zu versagen, es wird wahrscheinlich nicht für immer so sein. Das sagt schon Buddha über das Leben und es spiegelt sich auch hier. Die Höhen und Tiefen zu überstehen ist Teil des Prozesses und gehört zu der Kunst, ein Künstler zu sein. Enthalte dir selbst diesen Prozess nicht vor. Er hat uns die besten Kunstwerke und kreativen Beiträge in der modernen Geschichte beschert. Lasse A&U für dich arbeiten – und nicht gegen dich.

Wir leben in einer Welt, in der A&U auf einem historischen Höchststand sind: Politisch, sozial, wirtschaftlich und ökologisch betrachtet. Selbst in Branchen und Berufen, die als beständig gelten, ist Sicherheit bloß eine Illusion. Als Kreativunternehmer und Freiberufler bist du in vielerlei Hinsicht die Unbeständigkeit eher gewöhnt als Menschen in Jobs, die ein Leben lang sicher sind, oder wenigstens für zwei Jahre oder auch nur für sechs Monate. Du bist besser an die Gegebenheiten der modernen Wirtschaft angepasst als die meisten anderen. Begrüße das und mache mit Zuversicht weiter. Wenn du es nicht schaffst, kann es niemand schaffen.

 

Kapitel Zwei: Moneten, Zaster und die Brötchen verdienen

Auch wenn du der Ungewissheit in den Arsch trittst, brauchst du immer noch ein gewisses Maß an Sicherheit, und das beginnt damit, Geld zu verdienen und zu verwalten. Es geht darum, dass du aus einer gedanklichen Verfassung, bei der sich alles um den Lebensunterhalt dreht, in einen kreativen Seinszustand übergehen kannst – mit anderen Worten, dass du tun kannst, was deine Bestimmung ist.

Das Gehirn kann nur eine Sache auf einmal tun. Es ist fast unmöglich für dein Gehirn, zu überleben und gleichzeitig schöpferisch zu sein. In seinem bahnbrechenden Buch Ein neues Ich spricht Dr. Joe Dispenza darüber, wie wichtig es ist, unseren Überlebenszustand, der Stress, Anspannung, Angst, Wut, Energieverlust und Begrenztheit umfasst, zu überwinden. Wir müssen unser Frontalhirn zu befreien, damit es sich einzig auf den kreativen Schöpfungsprozess konzentrieren kann. Dieser transzendierte Zustand bringt uns in ein sich selbst regulierendes Gleichgewicht und bedeutet Ausdehnung, Wachstum und neue Möglichkeiten. Wenn unser Frontalhirn im kreativen Modus arbeitet, kann unser Gehirn hervorragend funktionieren und auf all unsere Kenntnisse, Erfahrungen und neuronalen Netze zugreifen. Dieses Sich-Öffnen ermöglicht es uns, mit unserem größtmöglichen Potenzial Dinge zu erschaffen und zu erwirtschaften. Manche Menschen nennen es „im Flow sein“.

Wenn du dir jedoch ständig Sorgen um Geld machst und auch einen guten Grund dazu hast, wird die Neurowissenschaft dich daran hindern, etwas zu erschaffen. Dein Mangel an kreativem Arbeiten wird dich dann daran hindern, Geld mit der Tätigkeit zu verdienen, die du liebst. Deine Überlebensinstinkte werden sich einschalten und nicht verschwinden, bis du anfängst, die Brötchen zu verdienen. Es ist ein Teufelskreis, den wir jetzt beenden wollen – und zwar so schnell und so einfach wie möglich.

Ich weiß, dass dir niemand gesagt hat, dass wir heute Mathe machen würden, aber das US-Steueramt betrachtet jedes Unternehmen, das nach drei Jahren nicht rentabel ist, als Liebhaberei. Wie sich gezeigt hat, kann man mit Liebhabereien nicht seinen Lebensunterhalt verdienen. Deshalb werden wir ein wenig Zeit für das aufwenden, was ich ausschlaggebende Mathematik nenne. Folgendes solltest du wissen:

 

Grundlegende Buchhaltung und Verwaltung der Finanzen

Einer der grundlegendsten und wichtigsten Schritte bei der Verwaltung deiner hart erarbeiteten Beute ist es, ein sehr klares Verständnis für deine eingehenden Einnahmen und die ausgehenden Ausgaben zu haben. Obwohl das wirklich simpel erscheint, wärst du überrascht, wie viele Leute keine Vorstellung davon haben, wie hoch ihre Fixkosten pro Monat sind. Dadurch ist es sehr leicht, in die roten Zahlen zu kommen und sich im Laufe der Zeit in eine prekäre finanzielle Situation zu bringen, ohne es zu ahnen. Der Geldmogul Robert Kiyosaki sagt, dass der größte Fehler, den die meisten Menschen machen, darin bestehe, den Unterschied zwischen Vermögen und Verbindlichkeiten nicht zu verstehen. Ein Vermögenswert bringt dir Geld ein und eine Verbindlichkeit ist etwas, das dir Geld aus der Tasche zieht. Auch wenn Buchhaltung nicht das spannendste Thema der Welt ist, ist sie ein notwendiges Übel, um Wohlstand zu erreichen und ein Kreativunternehmen zu führen.

 

Abgehende Ausgaben:

Übung: Liste alle deine abgehenden monatlichen Ausgaben auf und berechne die Gesamtsumme.

Kann einer dieser Punkte reduziert werden? Versicherungen (Kranken-, Gebäude-, Geschäfts-, Lebens-, Autoversicherung) sind oft ein Bereich, in dem wir zu viel bezahlen und nicht aggressiv genug verhandeln. Setzt du dein Home-Office steuerlich ab? Hast du wiederkehrende Abonnements, die dir in Rechnung gestellt werden, die du aber nicht nutzt (eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Apps, etc.)? Gehe jede einzelne Ausgabe durch und stelle sicher, dass sie notwendig und sinnvoll ist. Ich habe kürzlich festgestellt, dass ich für die Geschäftshaftpflichtversicherung 400% zu viel bezahle. In ungefähr fünfzehn Minuten konnte ich eine Police zugunsten einer anderen kündigen und werde so fast 1.000 Dollar pro Jahr sparen. Es gibt viele allgemeine Geschäftskosten, die wir oft nicht bedenken. Diese 9,99-Abonnements für No-Name-Apps summieren sich mit der Zeit. Achte darauf, wo dein Geld hinfließt. Das wird dir helfen, klügere finanzielle Entscheidungen zu treffen und dich auch darauf aufmerksam machen, falls du einfach mehr Kohle scheffeln musst!

Andere problematische Bereiche sind auswärts essen gehen, Geschenke, Miete für Lagereinheiten, Ausgaben in letzter Minute, Online-Shopping für Mist, den du nicht brauchst, zu häufige Besuche bei Starbucks, Bankgebühren sowie Telefon- und Fernsehdienste. Gib dein Geld gewissenhaft aus und du wirst (manchmal sogar sofort) größere finanzielle Freiheit erreichen. Wissen ist Macht, wenn man es nutzt!

 

Eingehender Umsatz:

Gehe mindestens drei Jahre zurück, wenn du kannst, und schau dir deine Umsatzmuster an. Obwohl das Einkommen eines Freiberuflers unregelmäßig ist, gibt es meist wiederkehrende Muster oder Ähnlichkeiten zwischen den Jahren. Gibt es Kunden, für die du zum Vorteil beider Parteien regelmäßig arbeiten könntest? Gibt es bekanntermaßen ruhigere Phasen, für die du schon die Werbetrommel rühren könntest oder die du dafür einplanen kannst, an einem persönlichen Projekt zu arbeiten? Verdienst du tatsächlich mehr oder weniger, als du denkst?

 

Ersparnisse:

Wie hoch ist deine finanzielle Notfallreserve? Wie viele Monate könntest du von deinen Ersparnissen leben? Wenn die Antwort 0 ist, haben wir ein Problem, Houston. Einen Geldvorrat zu haben ist unerlässlich, um ein Kreativunternehmer zu sein, und wird dafür sorgen, dass du dich immer unabhängig fühlst. Beginne sofort mit dem Sparen und/oder überlege dir alternative Formen der Einkommensgenerierung, um eine Grundlage zu schaffen, falls du momentan von Monat zu Monat lebst.

 

Schulden:

Schulden sind für uns ein rotes Tuch. Lege sie zusammen und beseitige sie SCHNELLSTMÖGLICH. Sie sind der unübersehbare Mühlstein an deinem Hals, der dich niederdrückt und deine schöpferische Freiheit stark einschränkt. Wenn du bei deinen Eltern im Keller wohnen musst, um deine Kreditkarten auszugleichen und deine Kreditwürdigkeit zu verbessern, dann tu das. Wenn du versuchst, „mit den Kardashians mitzuhalten“, wird dich das nur länger im nicht ganz so goldenen Käfig des Lebens gefangen halten. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, aber du kannst dir selbst eine bessere Zukunft schaffen, indem du deine Schulden abbezahlst und nur Ausgaben tätigst, die im Rahmen deiner Möglichkeiten liegen.

Wenn du hohe Schulden hast und es dir an Selbstdisziplin mangelt, dann lasse einen Freund alle deine Umsätze überprüfen. Halte Ausschau nach deiner Achillesferse. Ist es nächtliches Online-Shopping? Wo verbrennst du dein Geld geradezu? Klebe Post-It-Notizen um dein „Landminengebiet“, was Ausgaben angeht (Computer, TV) und in deine Brieftasche: Brauche ich das unbedingt? Wird die Welt untergehen, wenn ich das nicht kaufe? Wird dieses Produkt mir Geld einbringen? Wenn du nicht alle drei Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, sollte die Kaufentscheidung negativ ausfallen.

 

Liste deine momentanen Schulden auf:

Zinserträge:

Lässt du dein Geld so hart wie möglich für dich arbeiten? Sparst du für deinen Ruhestand? Sparst du so viel Steuern ein wie möglich? Lasse dir von deinem Steuer- oder Finanzberater helfen, um sicherzustellen, dass du nicht zu viel an die Regierung bezahlst.

 

Kapitalanlagen/betriebliche und private Altersvorsorge/Sonstiges:

Mithilfe dieser Informationen können wir unsere grundlegenden Ausgaben ablesen und wissen, welche Kosten wir decken müssen. Von diesem Betrag ausgehend können wir unsere monatlichen und jährlichen Ziele für unser Wunsch-Einkommen formulieren.

 

Monatliches Minimum:

Jährliches Minimum:

 

Fakultative Ausgaben, die du hinzufügen möchtest:

  • Vier internationale Reisen im Jahr à je 6.000 $,
  • zwei neue Mac-Computer,
  • ein neuer Maserati,
  • ein Haus in den Hollywood Hills.

 

Rechne jetzt diese Ausgaben so herunter, dass du sie zu deinen monatlichen Kosten hinzufügen kannst, um herauszufinden, was deine optimalen Monats- und Jahresziele sind. Die Zahlen ernstzunehmen und gründlich Buch zu führen über das Geld, das eingeht und abgeht, ist sehr wichtig. Nur was man misst, das kann auch wachsen!

Monatsziel:

 

Jahresziel:

 

Fünfjahresziel:

 

Eine Situation ist immer viel weniger beängstigend, wenn wir sie zu Papier bringen und sie analysieren können. Schaue dir deine Notizen mindestens vierteljährlich, wenn nicht sogar jeden Monat an. Es wird dir helfen, auf eine Art und Weise weiterzumachen, die wirtschaftlich effizient ist. So wirst du deine finanziellen Mittel bestmöglich nutzen können.

Diejenigen, die den Sprung vom Angestelltendasein in die Welt der freischaffenden Künstler wagen, werden wahrscheinlich größere Ausgaben reduzieren müssen, um diesen Übergang zu schaffen. Das können Ausgaben für das Auto, Wohnkosten oder beliebige andere sein. Unser Ziel ist es, geschickt mit so wenig wie möglich auszukommen, um uns mit dem verfügbaren Einkommen den größtmöglichen kreativen Spielraum zu verschaffen. Die alltäglichen Ausgaben sind entscheidend.

Der tägliche Ausflug zu Starbucks für einen dreifachen Mocha Frappuccino für je fünf Euro zusammen mit einem Snack summiert sich und ergibt eine Ausgabe von 300 Euro im Monat und 3600 Euro im Jahr. Das ist eine große internationale Reise, wenn du dich dafür entscheidest, deinen Kaffee zu Hause zuzubereiten. Ich mein‘ ja nur. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du die Kohle hast, aber wenn du es dir noch nicht leisten kannst, musst du an allen Ecken sparen und bei einigen Annehmlichkeiten des täglichen Lebens etwas kürzer treten.

Vielleicht (und hoffentlich) befindest du dich in der gegenteiligen Situation und hast tatsächlich zu viel Geld auf der Bank, ohne damit etwas anzufangen. Dann könnte es jetzt an der Zeit sein, mehr in Wertpapiere, Immobilien oder ein alternatives Geschäftsprojekt zu investieren. Vielleicht entscheidest du dich dazu, in etwas zu investieren, das passives Einkommen generiert, um die nicht fakturierbaren Stunden des kreativen Lebens aufzuwiegen. In beiden Fällen ist das Wissen, wo man sich befindet und wohin man letztendlich gelangen möchte, der erste Schritt zum finanziellen Erfolg.

 

Den Geldfluss verwalten

Der Geldfluss ist ein Thema, das herausfordernd sein kann, wenn du an großen Projekten arbeitest, die du vorfinanzieren musst, Kunden mit langen Abrechnungszeiträumen hast oder auch Kunden, die einfach keine Lust haben, dich pünktlich zu bezahlen. Angriff ist die beste Verteidigung. An erster Stelle sollte stehen, beträchtliche Rücklagen aufzubauen. Dein Steuer- oder Finanzberater kann dir helfen, zu berechnen, welcher Betrag das sein sollte. Je mehr, desto besser. Sechs Monate sind ein guter Ausgangspunkt, ein Jahr ist natürlich besser. Dieses Vorgehen wird Ängste abbauen und dir helfen, schon auf kurze Sicht bessere finanzielle Entscheidungen zu treffen, die auf Zuversicht und nicht auf Angst basieren. Wenn es dir unmöglich scheint, diesen Geldbetrag anzusparen, dann überlege dir, einen kleinen Kreditrahmen für Unternehmer zu beantragen oder dir eine Firmen-Kreditkarte mit einem großzügigen Kreditlimit zuzulegen.

Diese Rücklagen dürfen nicht in Alltagssituationen verwendet werden, sondern nur als Notfallreserve. Sie sollen verhindern, dass du dich in einer aussichtslosen Lage wiederfindest, in der du schlechte Entscheidungen triffst und dich an Kunden bindest, die dich ausnutzen. Du solltest immer in der Lage sein, dich aus jeder Situation mit einem Kunden zurückzuziehen, in der du übervorteilt oder geringgeschätzt wirst. Solche Situationen werten deine Arbeit ab, sie sind ungesund sind und kosten dich Zeit, in der du für besser zahlende und respektvolle Kunden arbeiten könntest.

 

Mehr Aufträge einfahren

Um das Geschäft anzukurbeln, solltest du in Betracht ziehen, die 80-zu-20-Regel anzuwenden und es unkompliziert zu halten. Woher kommen 20 Prozent deiner Aufträge und könnten diese Kunden zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen? Könnte eine andere Abteilung dich gebrauchen? Kennen diese Kunden jemanden, dem sie dich empfehlen könnten? Nimm dein winziges Budget und kaufe ihnen einen Kaffee, Mittagessen oder etwas zu trinken und stelle ihnen diese Schlüsselfragen. Jeder bewundert Geschäftsleute, die ihr Unternehmen ausbauen. Entdecke, wie du ihnen sonst noch helfen und welche anderen Probleme du für sie lösen kannst. Finde heraus, welche Projekte sie geplant haben, wann du also diese Kontakte im Laufe des Jahres weiterverfolgen solltest, um Aufträge einzufahren.

Das uralte Problem der Gewinnung von Neukunden beschränkt sich nicht nur auf junge Kreativunternehmer, die ganz am Anfang stehen. Während unser Geschäft wächst und wir in der Branche vorankommen, werden wir auch einigen Kunden entwachsen und wiederum andere finden, die besser zu unserem Dienstleistungsangebot passen. Zuerst sind unsere Familie und Freunde unsere größten Verbündeten, wenn es darum geht, dass sich unser Angebot herumspricht und wir das Geschäftsparkett betreten. Darüber hinaus können E-Mail-Marketing, gezielte kundenspezifische Werbekampagnen sowie Direktanrufe und Direktwerbung per E-Mail dazu beitragen, allgemein sichtbar zu machen, wer wir sind und was wir tun.

Denke daran, dass „behutsamere“ Methoden Zeit brauchen, um wirksam zu werden. Mit Zeit meine ich, dass es manchmal mehrere Jahre dauern kann, bis sich Auswirkungen zeigen. Die Wirklichkeit sieht in unserem Unternehmen und den meisten anderen Unternehmen so aus, dass wir Aufträge von Menschen bekommen, die wir kennen. Menschen, die uns kennen und mit denen wir im Laufe der Zeit ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, indem wir gleichbleibende Arbeitsqualität und ein hohes Maß an Professionalität gezeigt haben und/oder einfach nur für einen bestimmten Zeitraum in der Geschäftswelt überlebt und unser Geschäft betrieben haben.

Früher habe ich E-Mail-Marketing sehr intensiv genutzt. Ich hatte eine großartige Liste mit Kontakten von Bildredakteuren, Kunstabnehmern und Kreativdirektoren gekauft und überhäufte diese Personen mit zielgerichteten Werbekampagnen. Es erwies sich als effektiv, um meinen Namen (buchstäblich) bekannt zu machen. Als ich zu Branchenveranstaltungen ging, hatten die Leute schon von mir gehört. Allerdings folgten nicht immer auch Aufträge aus der so gewonnenen Aufmerksamkeit. Ich erkannte schnell, dass das also nur ein kleiner Schritt war, was das Aufbauen von Beziehungen zu potenziellen Käufern betrifft.

 

Vertrauen: Die wahre Währung aller Geschäfte

Als Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Welt, einmal um einen Rat für Geschäftsleute gebeten wurde, empfahl er, sich auf Geschäftsbeziehungen zu konzentrieren und Menschen vor jeder ausgeklügelten technischen Anlagestrategie an die erste Stelle zu setzen. In der Kreativwirtschaft könnte dieser Rat nicht passender sein. Kunden beziehungsweise Käufer müssen dich wirklich auf einer tieferen Ebene kennenlernen, um dir mit einem guten Gefühl auch hochrangigere Aufträge zu übergeben. Das braucht seine Zeit. Es ist enorm wichtig, dass sie dich zu verschiedenen Gelegenheiten auf Veranstaltungen der Branche treffen und du direkt mit ihnen in Kontakt trittst, um über neue Aufträge und Herzensprojekte zu sprechen. Mit der Zeit zahlen sich diese kleinen, beständigen Investitionen aus. Aus der Sicht der Kunden braucht es diese Lebenszeichen als „lebenden Beweis“ dafür, dass du auf dem Niveau liefern wirst, das du versprichst. Deshalb ist Marketing per „Mundpropaganda“ die ergiebigste Quelle neuer Aufträge, die es gibt. Wenn ein Kunde dich an einen neuen potenziellen Kunden empfiehlt, hast du alles richtig gemacht.

Du denkst vielleicht, was ist, wenn ich keine Zeit habe, um auf die Straße zu gehen und meine Waren anzupreisen? Gibt es einen schnelleren Weg zum Erfolg? Ja, ich denke, heutzutage gibt es den tatsächlich. Du kannst selbst ein für deine Arbeit relevantes Szenario „erzeugen“. Ein Test-Shooting oder eine Testaufgabe, wenn man so will. Das kann die Dinge drastisch beschleunigen, weil es genauso wichtig ist, potenziellen Kunden zu zeigen, wie du arbeitest, wie ihnen die Qualität deiner Arbeit und deren Endergebnis zu zeigen. Es ist am besten, wenn du die Besonderheiten dieser Aufgabe herausarbeitest und sie dann dem Kunden als persönliches Projekt, an dem du gerade arbeitest, vorstellst.

Du möchtest nicht den Anschein erwecken, deine Arbeit zu verschenken, aber du kannst den Kunden als Vergütung für ihre Mitwirkung bestimmte Nutzungsrechte einräumen. Das ist eine fantastische Möglichkeit, ihnen zu zeigen, wie du die kreative Führung übernimmst und das tust, was du am besten kannst. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, Vertrauen aufzubauen, und zwar nicht nur in deine Fähigkeit, das gewünschte Endresultat zu erreichen, sondern auch in deine Arbeitsweise und deine Fähigkeit, dein Projekt kreativ zu leiten. Daran schließt sich beinahe nahtlos an, dass du offiziell von diesen Kunden angeheuert wirst. Ich möchte nochmals betonen, dass es wichtig ist, dich nicht unter Wert zu verkaufen und sorgfältig zu kommunizieren, was du tust, was die Kunden davon haben werden und, was vielleicht am wichtigsten ist, was deine Leistungen nicht beinhalten.

 

Mit Kundenerwartungen umgehen und bezahlt werden

Es ist entscheidend, verlässliche Geschäftspraktiken zu verankern und die Kunden über deine Arbeitsweise aufzuklären. Gleichzeitig solltest du offen und deutlich über Geld sprechen. Geldkonflikte sind insofern eine Herausforderung, als sie dazu neigen, sich als David-gegen-Goliath-Szenarien herauszustellen, und oft nehmen sich Kunden selbst so wahr, als hätten sie die Oberhand. Du bist schließlich der Hunger leidende Künstler, der eine Leidenschaft für das hat, was er tut. Da sollte er doch auch bereit sein, es umsonst zu machen, oder nicht? Ähm, nein. Dem ist nicht so.

Wenn man in der Kreativbranche Dienstleistungen anbietet, besteht eine Herausforderung darin, dass manche Kunden diese Leistungen selbst nicht verstehen, nicht wissen, was dazu gehört und wie was üblicherweise abgerechnet wird. Es ist deine Aufgabe, sie darüber aufzuklären. Sie haben vielleicht mit 500 anderen Autoren, Musikern, Künstlern und so weiter zusammengearbeitet – aber du hast deine eigenen Methoden, und es ist am besten, nichts vorauszusetzen.

Kunden aufzuklären kann ein Vollzeitjob sein und ich beneide niemanden mit Kunden, die mit den kreativen Dienstleistungen, die sie beauftragen, völlig unvertraut sind. Das ist jedoch ein notwendiger Bestandteil des Geschäfts. Es ist entscheidend, im Voraus alles schriftlich festzuhalten. Hier sind einige geläufige Probleme, mit denen Kreativunternehmer konfrontiert sind und die sie in den Ruin treiben können:

  1. Grenzen-Austester: Dein Kunde hat dich für drei Produktaufnahmen bestellt und kommt mit einem Sattelschlepper beladen mit 400 Produkten zum Shooting, weil er möchte, dass du davon am selben Tag zum selben Preis und mit der gleichen Bearbeitungszeit Aufnahmen machst.

Gegenmittel: Ein ausführlicher Kostenvoranschlag, der das Arbeitsaufkommen, den Zeitaufwand, den Ort und alle anderen relevanten Dienstleistungen sowie die Preise für eventuelle Zusatzleistungen präzise darlegt. Es ist wichtig, zusätzliche Gebühren idiotensicher hervorzuheben. Nimm dir Zeit, gehe gedanklich alle Eventualitäten durch und berücksichtige sie bei deinem Kostenvoranschlag.

  1. Berufsmäßige Zeitverschwender (BZVs): BZVs sind „potenzielle Kunden“ ohne Potenzial. Sie haben dich zu endlosen Meetings und Mittagessen beordert und sich zahlreiche Angebote vorlegen lassen, ohne dich tatsächlich zu beauftragen. Aber sie kontaktieren dich weiterhin, bitten um deinen Rat und um Kostenvoranschläge in der Hoffnung es könnte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass du anbietest, Aufgaben kostenlos zu übernehmen. Sie wissen nicht, was sie wollen, und selbst wenn sie das wüssten, hätten sie nicht die Mittel, um dich zu bezahlen.

Gegenmittel: Sei sehr selektiv, wenn es um Meetings mit potenziellen Kunden geht. Ich versuche immer, zuerst einen Kostenvoranschlag zu erstellen oder die Tarife für meine Dienstleistungen festzulegen, damit man keinen ganzen Tag damit verschwendet, sich mit Kunden zu treffen, die dann völlig schockiert sind, dass man ein Honorar für seine Dienstleistungen verlangt. Die finanziellen Informationen zum Projekt werden sie wahrscheinlich vergraulen. Vertrau mir. Darüber hinaus solltest du versuchen, gemeinsames Essen oder Kaffeetrinken, bevor sich das Geschäft konkretisiert, zu vermeiden. Hol sie zuerst ans Telefon. Wenn sie darauf bestehen, dich persönlich zu treffen, halte es so professionell und so kurz wie möglich. Sobald du den Eindruck erweckt hast, deine Zeit zu verschenken (selbst in Beratungsgesprächen mit Kunden), werden sie erwarten, dass du das auch in Zukunft tust. Neunundneunzig Prozent der zahlenden Kunden werden dich nicht treffen wollen. Sie werden deine Arbeit sehen und dich beauftragen. Behalte das immer im Hinterkopf. Es gibt zwar noch ein Prozent, bei dem es anders läuft, aber das ist eben nur ein Prozent.

  1. Hinterher-Drücker: Hinterher-Drücker sind mit allem zufrieden, bis die Rechnung kommt und sie beschließen, dass sie nachverhandeln wollen und 50 Prozent mehr Leistung für denselben Preis möchten. Sie sind diejenigen, die nachträglich nach zusätzlichen Nutzungsrechten fragen. Tendenziell haben sie den dringendsten Bedarf an deinen Leistungen, sind aber, wenn sie die Schlussrechnung erhalten, schockiert, dass du tatsächlich erwartest, für deine Dienste bezahlt zu werden. So eine Frechheit!

Einige werden versuchen, das Honorar neu zu verhandeln, um ihre „ungeheuerlichen“ Schulden zu reduzieren, obwohl sie im Voraus mit allen Kostensätzen einverstanden und erpicht darauf waren, dass du so schnell wie möglich mit der Arbeit beginnst. Manchmal geben Hinterher-Drücker vor, „mit den Ergebnissen überhaupt nicht zufrieden“ zu sein. Sie werden im Dunkeln herumstochern in der Hoffnung, einen Nerv zu treffen, und manchmal haben sie damit Erfolg.

Gegenmittel: Lasse deine Kunden im Voraus einen Vertrag und einen Kostenvoranschlag unterzeichnen, der garantiert, dass alle Kosten vor der Übertragung der Nutzungsrechte in voller Höhe zu bezahlen sind, und der ihnen die Zahlung von Zinsen und Inkassogebühren auferlegt, wenn sie die Rechnung nicht pünktlich begleichen. Lasse dir auch immer mindestens 50 Prozent im Voraus auszahlen. Gewöhne es ihnen an, zu bezahlen. Denke daran, dass die Zahlung nicht mit ihrer Zufriedenheit zusammenhängt. Sie sind einen Vertrag darüber eingegangen, dich für deine Dienstleistungen zu bezahlen und nicht für ihre Zufriedenheit.

Natürlich wollen wir alle, dass unsere Kunden mit dem Ergebnis zufrieden sind, aber manchmal liegt das Ergebnis nicht nur in unserer Hand. Als Architekturfotografin werde ich manchmal beauftragt, Projekte zu dokumentieren, die grottenhässlich sind. Wenn dem Kunden das Foto nicht gefällt, weil ihm die Tapete an der Wand nicht gefällt, ist das nicht meine Schuld. Er oder sie ist trotzdem dafür verantwortlich, dass die erbrachten Leistungen bezahlt werden.

4.) Nicht-Bezahler: Manchmal landen Hinterher-Drücker in dieser Kategorie, aber Nicht-Bezahler sind Einzelpersonen oder Unternehmen, die einfach nicht finden, dass sie für etwas bezahlen müssten – und das auch nicht tun.

Gegenmittel: Lasse deine Kunden im Voraus einen Vertrag und einen Kostenvoranschlag unterzeichnen, der garantiert, dass alle Kosten vor der Übertragung der Nutzungsrechte in voller Höhe zu bezahlen sind, und der ihnen die Zahlung von Zinsen und Inkassogebühren auferlegt, wenn sie die Rechung nicht pünktlich begleichen. Lasse dir auch immer mindestens 50 Prozent im Voraus auszahlen. Gewöhne ihnen es an, zu bezahlen. Besorge dir außerdem im Voraus die entsprechenden Kontakte aus der Buchhaltungsabteilung. Sprich mit ihnen und lerne ihren Zahlungsvorgänge kennen. Das kann von größerem Nutzen sein, als du dir vorstellen kannst.

Oftmals geht in großen Unternehmen der Papierkram tatsächlich verloren. Mache die für die Kreditorenbuchhaltung zuständige Person zu deinem neuen besten Freund. Wenn du Schwierigkeiten hast herauszufinden, wer diese Person ist, oder du sie nie erreichst, sei dir im Klaren darüber, dass das kein gutes Zeichen ist. Zu guter Letzt solltest du einen guten Inkassobeauftragten zur Hand haben und nicht zögern, die Rechnung an ein Inkassobüro zu schicken, wenn der Kunde innerhalb von 60 Tagen nicht bezahlt hat.

Ob du es glaubst oder nicht, Kunden sind zufriedener mit Projekten, für die sie im Voraus bezahlt haben. Das hat psychologische Gründe; sie sind mit größerer Wahrscheinlichkeit mit dem Ergebnis zufrieden und werden sich meist besser auf deine Leistungen vorbereiten. Bezahlt zu werden ist der Grund, warum du im Geschäft bist. Ohne Geld ist es kein Geschäft, sondern nur ein teures und undankbares Hobby. Sei offensiv und direkt, wenn es um die Bezahlung geht.

Mache deine Erwartungen im Voraus deutlich und du wirst sowohl deinem Kunden als auch dir selbst viele Missverständnisse ersparen. Denke daran, dass gute Kunden in Wirklichkeit gerne Kreativunternehmer beauftragen und auch bezahlen. Es ist etwas, das sie wertschätzen und das ihre Arbeit interessanter und partnerschaftlicher macht.

 

Ausfallzeit in Betriebszeit umwandeln

Im Jahr 2008 betraf die weltweite Wirtschaftskrise große und kleine Unternehmen gleichermaßen. Einige der wohlhabendsten Magnaten waren zum ersten Mal überhaupt anfällig für die Schwankungen der breiten Wirtschaft. Das ist nichts, was wir unmittelbar kontrollieren können, aber wir können vorausschauend handeln, die Auswirkungen auf unser Geschäft und das Geschäft unserer Kunden abschätzen und entsprechend handeln. Du könntest anfangen, darüber nachzudenken, ob du dein Geschäftsfeld ausweiten möchtest, wenn die Branche, aus der deine Kunden hauptsächlich stammen, auf irgendeine Weise ungünstig beeinflusst wird. Es kann auch von Nutzen sein, dich mit deinen Kunden zu treffen und herauszufinden, was sie brauchen, welches Budget sie dafür haben und zu überlegen, ob du ihnen proaktiv unter die Arme greifen kannst. Sie werden deine Unterstützung respektieren und zu schätzen wissen und das könnte dir trotz der wirtschaftlichen Verluste neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Wenn du gut planst, kannst du Zeiten der Konjunkturschwäche nutzen, um dich persönlichen Projekten zu widmen und mit anderen Kreativunternehmern zu kooperieren, die sonst zu sehr mit eigenen Projekten beschäftigt wären. Es ist in solchen Zeiten auch einfacher, Unterstützung von anderen Freiberuflern auszuhandeln, die bereit sind, ihre Honorare zu senken, um dir bei deinen persönlichen Projekten zu helfen. Wie wir schon weiter oben besprochen haben, liegt der Schlüssel, um voranzukommen darin, zu lernen, wie man aus dem Auf und Ab der Branche Nutzen ziehen kann. Arbeite auch in Zeiten des Stillstands und nutze sie, um dich auf eindeutige und konsequente Weise zu empfehlen. Denn zu diesem Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit, dass deine Konkurrenten dasselbe tun, gering.

Wirtschaftlicher Aufschwung und Wirtschaftswachstum können ebenso zerstörerisch wirken, wenn sie auch der Alternative deutlich vorzuziehen sind. Manchmal sind wir gezwungen, unser Unternehmen zu vergrößern, wenn auch nur vorübergehend, und müssen das in dem Wissen tun, dass wir möglicherweise nicht in der Lage sein werden, die damit einhergehenden Fixkosten über längere Zeit zu tragen. Auch die Suche nach Personal und qualifizierter Unterstützung wird in solchen Zeiten schwieriger, da alle sehr beschäftigt sind und möglicherweise höhere Honorare verlangen. Faktisch könntest du mehr Zeit brauchen, um bei gleichbleibender Qualität die gleiche Arbeit abzuliefern. Darauf vorbereitet zu sein, kann dir helfen, wirkungsvoll mit deinen Kunden zu kommunizieren, ohne Leistungen zu versprechen, die du nicht erbringen kannst.

 

Einen Profi engagieren

Gelegentlich fällt lästiges Verwaltungsgeschäft an (Genehmigungen, Steuern, etc.), um das man sich kümmern muss. Wenn komplizierter Papierkram nicht deine Stärke ist, suche dir professionelle Unterstützung. Vor allem bei der Steuer. Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind sicher: der Tod und die Steuer. Bei unabhängigen Kreativunternehmen ist es wahrscheinlicher als bei anderen Geschäften, dass die Alarmglocken läuten und man sich einer Steuerprüfung unterziehen muss. Ich empfehle dringend, frühzeitig einen auf dein Fachgebiet spezialisierten Steuerberater zu engagieren. Ich habe diesen Rat nicht befolgt und musste mich letztendlich zweimal einer Steuerprüfung unterziehen. Das war kein Spaß. Ich hatte Alpträume davon, in Sträflingskleidung weggekarrt zu werden. Es war sehr aufreibend und völlig unnötig. Gehe die Verwaltungsgeschäfte schon beim ersten Mal richtig an. Es zahlt sich aus, in diesen Prozess zu investieren, und wird dir auf lange Sicht viel Zeit, Geld und Sorgen ersparen.

Gleiches gilt für Finanzberater. Bilde dich in diesem Bereich selbst weiter und wenn du dich unwohl dabei fühlst, dein Geld selbst zu investieren, dann suche dir jemanden, der über die Erfahrung und das Wissen verfügt, um dir zu einem angemessenen Preis zu helfen. Der Erfolg beim Vermögensaufbau hängt nicht so sehr davon ab, wie viel man verdient, sondern vielmehr davon, wie gewissenhaft man seine Finanzen im Laufe der Zeit verwaltet.

Die Menschen vergessen oft, dass Zeit eigentlich wertvoller ist als Geld. Geld ist einfach nur ein Mittel, um dich von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Überschätze niemals seine Bedeutung im Vergleich zur Bedeutung von Zeit und der Bedeutung dessen, was du erreichen möchtest. Deine finanziellen Ziele sind möglich; du musst nur die richtigen Schritte unternehmen, um sie zu erreichen und auf dem Weg dorthin diszipliniert bleiben. Obwohl es nicht das aufregendste Thema ist, auf das Kunstschaffende ihr Augenmerk richten wollen, bedeutet finanzielle Freiheit auch schöpferische Freiheit. Sie ist unerlässlich, um das Leben zu führen, das du dir wünschst.


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Jill Paider ist eine preisgekrönte Fotografin und Kreativdirektorin. Sie hat in mehr als 100 Ländern gearbeitet und sich auf visuelle Geschichten über Architektur, Design, Reisen und Gastronomie spezialisiert.