Schlafe tief

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7

Natürlich hätte er Meyer einfach erschießen können, doch das wäre viel zu human gewesen. Nein, er musste sterben, wie auch die Tiere starben. Denn sonst würde seine Botschaft nicht verstanden werden.

Also hatte er Meyer nur betäubt, mit einem gezielten Schuss, so wie man es bei Großwild tat. Schnell, effizient. Meyer hatte nicht mal mehr röcheln können, oder gar etwas sagen.

Aber was hätte er auch sagen sollen, außer die üblichen haltlosen Beschuldigungen, Ausflüchte und Rechthabereien von sich zu geben?

Daniel C. Meyer war der Prototyp eines Managers, dessen Interessen seine Moral bestimmten.

Entweder man war seiner Meinung, oder man lag falsch. Etwas dazwischen gab es nicht.

So hatte Meyer immer geglaubt, Tierschützer wären wie Hunde, die nicht beißen, sondern nur bellen.

Allem Anschein nach hatte er sich getäuscht.

Er lehnte Meyer mit dem Rücken an einen Holzstumpf, holte die Knochensäge aus seiner Tasche und setzte sie am Kopf des Bewusstlosen an, ein paar Zentimeter über den Augen.

Es knirschte ein wenig, als er in den Schädelknochen eindrang.

Kurz darauf hob er die Schädeldecke ab und blickte auf das freigelegte Gehirn seines Opfers. Meyer lebte noch, sein Puls schwach, aber vorhanden. Natürlich wäre es realistischer gewesen, dem Manager bei vollem Bewusstsein den Schädel aufzuschneiden, aber wer ließ das schon freiwillig mit sich machen? Und fixieren konnte er den Mann hier nicht. Das Leben war eben ein einziger Kompromiss.

Und das Sterben auch.

Er wusste grob, welche Bereiche im Hirn für welche Funktionen standen, schaltete erst das Sprachzentrum aus, dann den Teil für die Emotionen sowie das Lustzentrum und schließlich das ganze verdammte Ding.

Meyer hörte auf zu atmen.

Jetzt fehlte nur noch ein Detail, um den Plan perfekt zu machen.

Ein paar Minuten später trat er einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk.

Es war perfekt.

Jetzt kann ich mich wohl Serienkiller nennen, dachte er. Zwei Morde in zwei Tagen. Und niemand wird je erkennen, dass sie zusammengehören. Schließlich habe ich nicht im Affekt getötet, oder aus Mordlust.

Sondern aus purer Notwendigkeit.

Er spürte, wie sich seine Haare aufstellten. Okay, ein wenig Mordlust war schon dabei gewesen. Doch ich habe immer die Kontrolle behalten, meinen Plan strikt verfolgt.

Zwei verschiedene Modi Operandi, zwei verschiedene Täter, die nichts gemein hatten.

Jeder würde das glauben. Denn die Menschen glaubten immer, was sie sahen.

Ob es nun die Realität war, oder eine Illusion.

8

»Schach«, sagte der Mann, den man Gehirnklitschko nannte.

Lindberg blickte auf die Figuren vor sich. Nur mit der Dame und ein paar Bauern konnte er den König nicht befreien. »Das muss ich wohl kämpferisch lösen«, sagte er.

Gehirnklitschko lächelte generös. »In drei Zügen du Schachmatt.«

Lindberg stand auf. »Wenn du nicht in der nächsten Runde auf die Bretter gehst.«

»Mich hat noch niemand k.o. gemacht.«

»Das heißt: k.o. geschlagen«, sagte Lindberg und zog sich die Boxhandschuhe über.

»Ist nur kein Literaturwettbewerb«, antwortete Gehirnklitschko, legte Handschuhe und Mundschutz an und stieg in den Ring. »Aber gib mir zwei Jahre, dann ich gewinne auch.«

Eigentlich war Reden während eines Kampfes verboten und mit dem Mundschutz nicht so einfach, aber Gehirnklitschko konnte einfach nicht still sein. Außerdem trafen sie sich ohnehin nur zum Sparring. »Ich versteh das nicht«, sagte Lindberg und legte seinen Arm um Gehirnklitschkos Schulter. »Du bist hyperintelligent und arbeitest immer noch bei der Müllabfuhr?«

»Ich entschiede zwische Abgabe Doktorarbeit und Lebe von Familie. Und ohne Abschluss du nix wert in Schweiz.« Er lächelte. »Außerdem ich verdiene gutes Geld hier. Mehr als Professor in Aserbaidschan.«

Kremer vom Tisch nebenan räusperte sich. Er war der uneingeschränkte König im Basler Schachboxclub gewesen, bis Gehirnklitschko aufgekreuzt war. Und ihn nach drei Runden k.o. geschlagen hatte. »Wollt ihr reden oder boxen?«

Inzwischen hatte Gehirnklitschko auch das mit dem Schach gelernt und jetzt war er unbesiegbar. Lindberg mochte ihn, obwohl er über dessen Vergangenheit nicht viel mehr von ihm wusste, als dass er eigentlich Erdin Kourlaev hieß und aus Aserbaidschan geflüchtet war.

Doch die Kämpfe mit ihm waren Lindbergs einziger Ausgleich zwischen den einsamen Nächten an Paulas Bett und der Arbeit. Hier konnte er nachdenken, ohne gleich zu verzweifeln und er konnte seine Aggressionen abbauen, ja zuschlagen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Dank Gehirnklitschko konnte er sogar ab und an lachen.

Und seine Alpträume vergessen, die ihn jede Nacht quälten, wenn ihn der Schlaf endlich holte.

Kaum hatte auch Lindberg seinen Mundschutz angezogen, tänzelte Gehirnklitschko vor ihm herum, als sei er Muhammed Ali. »Aber was du arbeite, ich auch nix verstehe.« Gehirnklitschko deutete mit dem Boxhandschuh an seinen Kopf. »Bist bei höchste Polizei, Bundespolizei und ihr versucht verlorene Urne wiederzufinde?«

»So ähnlich.« Lindberg setzte eine Rechts-Links-Kombination, doch Gehirnklitschkos Deckung stand. »Wir übermitteln bei grenz- oder kantonsüberschreitenden Verbrechen«, sagte Lindberg und wehrte einen Aufwärtshaken ab. »Außerdem sind wir bei Terrorismus zuständig, bei Entführungen und wenn die Sicherheit der Schweiz bedroht ist.«

»Aber es geht bei deine aktuelle Fall um Pharmaindustrie«, entgegnete Gehirnklitschko. »Nicht um Schweiz.«

»Für manche ist es dasselbe.« Lindberg machte einen Ausfallschritt, um einen weiteren Angriff abzuwehren. »Und einige Manager werden eben von Tierschützern bedroht. Da werden Wände beschmiert, Urnen von Angehörigen gestohlen, Drohbriefe geschrieben und Versuchstiere befreit. Also wurden wir eingeschaltet. Damit die Manager sich wieder sicher fühlen.«

»Aber Tierschützer würde doch nicht umbringen Mensch«, widersprach Gehirnklitschko und tänzelte um Lindberg herum. Er war nicht mal außer Atem. »Mensch ist doch auch nur Tier, was glaubt intelligent zu sein, oder?«

Lindberg lächelte. »Das sehe ich auch so. Aber auch ich musste in die Schweiz und nehmen, was ich kriegen konnte.«

Er täuschte einen Aufwärtshaken an, gefolgt von einem rechten Schwinger.

Gehirnklitschko parierte. »Aber du hier gebore«, sagte Gehirnklitschko.

»Deswegen bin ich mir auch zu fein für die Müllabfuhr.«

»Aber dein Vater Schwede?«

Lindberg nickte. »Nur meine Mutter kam von hier.«

Gehirnklitschko tänzelte vor Lindberg auf und ab, blickte kurz in dessen Augen. »Manchmal auch in reiche Land nicht einfach, oder?«

»Vielleicht machen wir es uns auch nur selbst schwer.«

»Was ich letzte Mal schon wollte frage, was das für eine Narbe?« Er deutete auf den Oberkörper Lindbergs wo sich rechts auf Höhe der Niere eine fingerbreite Narbe befand. »Ist von Kriminelle?«

»Ja, stammt von einem Brand.«

»Ich werde nicht dahin schlage, okay?«

»Du wirst keine Gelegenheit dazu haben.«

Gehirnklitschko grinste. »Aber weswegen du arbeite in Bern und wohne in Basel?«

»Damit ich gegen dich boxen kann.« Lindberg sah die Lücke in der Deckung, schlug zu und traf sein Gegenüber mit einem rechten Haken am Kinn.

Gehirnklitschko wankte. »Du besser geworde in Boxe. Tut schon fast weh.« Er ging ein wenig auf Abstand. »Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du sehe aus wie Jude Law, als der noch hatte alle Haare?«

Lindberg senkte verdutzt seine Deckung, und genau in dem Moment schlug Gehirnklitschko eine Rechts-Links-Kombination und der Kommissar ging zu Boden.

 

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Thomas Kowa ist Autor, Poetry-Slammer, Musikproduzent und manchmal Weltreisender. Wahrend in seinen Thrillern fleißig gestorben werden darf, ist es ihm in seinen absurd-komischen Romanen trotz mehrfacher Versuche noch nicht gelungen, jemanden umzubringen.
In seiner erfolgreichen Thriller-Trilogie REMEXAN, REDUX und REAKTOR ermittelt der charismatische Kommissar Erik Lindberg in drei packenden, für sich stehenden, aber doch miteinander verwobenen Fällen. Seine humorvolle Romanreihe MEIN LEBEN MIT ANNA VON IKEA zeigt, dass er nicht nur für Gänsehaut, sondern auch für viele Lacher sorgen kann.