Gabriele Ketterl über ihren neuen Roman Highland Saga

Worum geht es in deinem historischen Liebesroman Highland Saga?

Um ein in Schottland über viele Jahre – gut, sagen wir Jahrhunderte – allgegenwärtiges Thema: Das harte und ständig bedrohte Leben der Highlander. Aber nicht nur das. Es geht auch darum aufzuzeigen, dass sich ständig aufstauender und letztendlich blinder Hass nur zu weiterem Leid und Unglück führt. Mein Protagonist ist das lebende Beispiel dafür, dass Liebe und ein wenig gegenseitiges Verständnis viele Leben retten können. Wer sich der eigenen Stärke bewusst ist, kann auch einmal einen Schritt zurück gehen, um noch viel Schlimmeres zu verhindern.

 

Der junge Highlander Fearghas verliert seine Familie. Getrieben von einem unbeschreiblichen Durst nach Rache macht er sich auf die Jagd nach dem Mörder. Wie kamst du auf die Idee dieser Geschichte?

In Schottland stolperst du bei beinahe jedem Schritt über Geschichte. Wenn man den Fremdenführern zuhört, dazu die alten, halb verfallenen Burgen, die per se schon Geschichten erzählen, besucht, dann entsteht sehr schnell eine eigene Welt. Auf dem Schlachtfeld von Culloden kann man sich im Hauptgebäude Tonspuren anhören. Das ist traurig und gruselig zugleich. Hier kann man einem jungen Highland-Soldaten zuhören, der seine letzten Gedanken vor der Schlacht niedergeschrieben hat. Ein Sprecher gibt diese Gedanken wieder. Gänsehaut pur! Am Ende der Aufzeichnung bleibt die große Frage: Warum? Hier entstand der Plot für die Highland Saga, denn auch ich habe mich gefragt, warum dieses dauernde Blutvergießen sein musste. Mit meiner Geschichte zeige ich, dass es mit viel Kraft, einer in sich ruhenden Persönlichkeit und etwas Liebe auch andere Möglichkeiten gäbe. Wohlgemerkt: gäbe!

 

Dein Roman spielt im Jahre 1495, wieso? Was magst du daran, historische Romane zu schreiben?

Geschichte ist schon in der Schule eines meiner Lieblingsfächer gewesen und später dann im Leistungskurs. Mich hat alles fasziniert: Wie hat man damals gelebt? Wovon träumten die Menschen? Wie konnten sie zu jener Zeit überhaupt überleben? Fragen über Fragen, auf die wir wohl nie ganz genaue Antworten finden werden. Wenn ich argwöhnen darf, dass auch damals Geschichtsschreiber viel Fantasie oder die eigene Gesinnung einbrachten, bleibt die Frage: Wie war es wirklich? Die – angenommene – tatsächliche Geschichte zu nehmen und meine Fantasie darin walten zu lassen, empfinde ich als Herausforderung und Privileg zugleich. Ich hoffe, dass meine Protagonisten sich in jener Zeit passabel geschlagen hätten.

 

Warum spielt die Geschichte in den schottischen Highlands? Hast du eine persönliche Verbindung zu Schottland?

Ja. Ich liebe Schottland. Dieses Land erdet dich, es entschleunigt dein Leben von dem Augenblick an, in dem du am Flughafen in den Bus steigst. Die Schotten (die meisten…) sind absolut tiefenentspannt. Ganz besonders magisch ist es in den Highlands. Fahr ins Tal von Glencoe. Lass dein Auto stehen und lauf einfach los, weg von den Touristen, folge den Flüssen. Such dir einen Ort aus, der zu sagen scheint: Hier bleibst du. Setz dich hin und lass die Natur auf dich wirken. Der letzte Stress fällt nach kurzer Zeit von dir ab. Du hörst nur noch die Klänge der Natur und … mit ein wenig Fantasie …die Stimmen der Vergangenheit, die dir ihrer Geschichten erzählen. Probier es aus!

 

Was hat deine Fantasie beflügelt, um diese Traumwelt zu erschaffen?

So sehr Traumwelt ist das gar nicht. Wenn du heute durch Schottland fährst, dann wird diese Welt um dich herum lebendig. Mingary ist überall. Burgen, die auf schroffe Klippen gebaut sind, bei denen du dich fragst, wie das seinerzeit machbar war. Schlösser, in denen du nur die uralten Bilder ansehen musst. Dazu die Schotten selbst und ihre Legenden, die sie dir, sobald sie merken, dass du wirklich Interesse hast, nur allzu gerne erzählen. Irgendwann kommt der Moment, in dem sich Realität und Legende vermischen und das ist schlicht begeisternd.

 

Wie hast du für die Geschichte recherchiert? Hast du Bücher gelesen oder warst du sogar selbst in Schottland?

Zur Recherche war ich in Schottland, mehrmals. Zwar habe ich auch viele Bücher gelesen und in alten Geschichtswälzern geforscht, welche Kleidung es wirklich gab und wer zu welcher Zeit wo residierte, aber das Meiste waren direkte Eindrücke. Wie z.B. Erzählungen von Schotten, alte Berichte, Wandtafeln, die Geschichte von diversen Burgen und schottischen Clans. Was ich zugeben muss: Ich hatte Mitleid mit meinen Protas. Einige Kleidungsstücke gingen einfach nicht, daher gibt es bei mir diverse geschickte Näherinnen, die auch mal auf den Leib schneidern. Ein wenig künstlerische Freiheit.

 

Der Highlander Fearghas verliebt sich verbotenerweise in die junge und wilde Mairead. Was fasziniert dich an einer verbotenen Liebe?

Sie lebt! Verbotene Liebe ist die Liebe, um die man kämpfen muss. Sie ist tief und ehrlich, nur dann ist man willens, sein Leben für den anderen zu riskieren. Für eine „unstandesgemäße“ Liebe muss man verzichten können, man braucht Mut und man muss beweisen, wie ernst man es meint. Und wenn man darum kämpft und alles wagt, dann weiß man, dass das wahre Liebe ist.

 

Was gefällt die am besten an Fearghas und Mairead?

An Fearghas mag ich seine konstante positive Entwicklung. Aus dem kleinen Highland-Jungen wird ein Mann, der sehr genau weiß, was er will. Nicht, dass er das nicht schon von Anfang an gewusst hätte, aber er lernt aus den Dingen, die ihm widerfahren. Er beharrt nicht stur und eigensinnig darauf, seine Pläne umzusetzen, sondern nutzt seine Erfahrungen, um eine starke Persönlichkeit zu entwickeln.

Mairead ist von Anfang an eigentlich nie das verwöhnte Gör, als das Ihr Onkel sie so gerne darstellt. Sie nimmt schon früh die Pflichten an der Seite ihres Vaters wahr und ist daher auch schon als junges Mädchen sehr selbstbewusst und tritt mutig für das ein, von dem sie denkt es sei gut und gerecht. Ihr Sinn für Gerechtigkeit ist sehr ausgeprägt. Als Fearghas bestraft werden soll, zögert sie keine Sekunde, seine Strafe mitzutragen. Und sie hat einen sehr feinen, Humor mit ironischer Note. Sehr sympathisch.

 

Was liest du selbst gerne?

Jane Austen, Tolkien, James Fenimore Cooper, Mark Twain, aber auch Mhairi MacFarlane, Frank McCourt (Die Asche meiner Mutter), mein absolutes Lieblingsbuch Wuthering Heights von Charlotte Bronte. Sehr gerne lese ich auch Bücher wie Die Nebel von Avalon oder Bram Stokers Dracula. Aus der direkten Neuzeit mag ich z.B. die Bücher von Ladina Bordoli und Tanya Carpenter.

Gabriele Ketterl – Highland Saga

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Gabriele Ketterl wurde in München geboren, wo sie auch heute wieder mit ihrer Familie lebt. Ihre Fantasie steckt mittlerweile in Kinderbüchern, Kurzgeschichten, Fantasyromanen, Romantic-History-Büchern …
Nach einem Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München hieß es erst einmal: Reisen und Ideen sammeln. Betrachtet man ihren Output, scheint das gut geklappt zu haben.

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