Oliver Schlick über seinen neuen Roman – Die Farben des verschwundenen Sommers

Worum geht es in deinem Buch Die Farben des verschwundenen Sommers?

Protagonist meiner Geschichte ist Doktor Lukas Klinger, ein Arzt der hochmoderne Prothesen entwickelt. Über vierzig  Jahre lang hat er jeden Gedanken an Erzbach, ein abgelegenes Dorf in dem er als Jugendlicher einen Sommer verbrachte, aus seinem Gedächtnis verbannt – bis ihn eine rätselhafte Erbschaft in den kleinen Ort zurückführt. Dort sieht er sich alsbald mit einer Reihe unerklärlicher, verstörender Ereignisse konfrontiert und beginnt endgültig an seinem Verstand zu zweifeln, als ihm eines Nachts ein sprechender Feuersalamander(!) begegnet und ihn nötigt, sich seiner verdrängten Erinnerung zu stellen.
Mithilfe des Samandarin, eines sagenumwobenen Salamandergifts, taucht Lukas in das Geheimnis seiner Vergangenheit und die Geschichte eines vergessenen Sommers ein: eine Geschichte, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verwischen. Eine Geschichte um Gefahr und Freundschaft und einen Bund zwischen Menschen und Salamandern. Vor allem aber die Geschichte um ein Mädchen mit roten Haaren, das den Regen langsamer fallen lassen kann. Eine Geschichte über die Liebe und die Farben eines verschwundenen Sommers …

 

Dein Roman spielt in Erzbach. Gibt es den Ort wirklich? Wenn ja, wie bist du auf die Gemeinde gekommen? Warst du vor Ort und hast dort recherchiert?

Es gibt einen realen Ort namens Erzbach in Hessen, der aber nichts mit meinem Erzbach zu tun hat. Ich komme aus einer ländlichen Gegend in Rheinland-Pfalz, und das Erzbach aus Die Farben des verschwundenen Sommers ist eine Collage mehrere Orte, an die ich mich aus meiner Kindheit und Jugend erinnere.

 

Woher kam die Idee zu Die Farben des verschwundenen Sommers?

Die Idee hat ich während des Hören von A Forest von The Cure. In dem Stück geht es um einen Jungen, der auf der Suche nach einem Mädchen durch einen Wald irrt, sie aber niemals findet. Die Bilder die dabei in meinem Kopf entstanden (und die Atmosphäre, die der Song heraufbeschwört) waren der Ursprung meiner Geschichte.

 

Du schreibst in verschiedenen Genres, welches magst du am liebsten? 

Ich schreibe für verschiedene Zielgruppen (Erwachsene, Kinder, Jugendliche), versuche aber in meinen Romanen nicht ein bestimmtes Genre zu bedienen. Ich mag es, Elemente verschiedener Genres zu kombinieren und zu etwas Neuem zusammenfließen zu lassen.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag als Autor aus? Arbeitest du lieber von Zuhause oder gehst du raus in die Natur oder ein Café?

Wenn ich eine Geschichte entwickle, bin ich oft unterwegs um Anregungen zu sammeln. Zum eigentlichen Schreiben brauche ich Ruhe, das findet bei mir zu Hause statt.

 

Woher nimmst du deine Inspiration? Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Geschichten?

Inspiration finde oft beim Musikhören. Wenn ich einen Song weiterspinne, entwickeln sich erste Ideen. Im nächsten Schritt nehme ich Motive, die mit dieser Ursprungsidee eigentlich nichts zu tun haben und mache mir darüber Gedanken, welche Zusammenhänge man zwischen diesen unzusammenhängenden Dingen schaffen könnte. So entsteht beispielsweise eine Geschichte wie Die Farben des verschwundenen Sommers, in der es um eine große Liebe, eine Verschwörung, sprechende Salamander, die Frage, was man für einen Pfarrer am Sonntag kocht, und die Gerüchte um die rauschhafte Wirkung des Salamandergiftes Samandarin geht. Und noch um vieles mehr.

 

Wie lange schreibst du normalweise an einem Roman?

Für einen Roman oder ein Jugendbuch brauche ich etwa ein Jahr. Für ein Kinderbuch (das in der Regel einen geringeren Umfang hat) etwas weniger.

 

Haben deine Charaktere manchmal Eigenschaften von dir? Wenn ja, welche?

Das Schöne am Schreiben ist ja, dass man seine Charaktereigenschaften, von denen manche sehr gegensätzlich sind, auf verschiedene Figuren verteilen und alle zu ihrem Recht kommen lassen kann. Um mal bei Die Farben des verschwundenen Sommers zu bleiben: manchmal habe ich eine so große Klappe wie der sprechende Feuersalamander, dem Lukas begegnet. Manchmal bin ich so unsicher, wie Lukas es ist. Und wenn es ganz besonders gut läuft, bin ich so tiefenentspannt wie Carlo Linnert.

 

Du hast die Wahl: Würdest du lieber in einem Luxushotel am Strand Urlaub machen, oder in einer kleinen Pension in den Bergen?

Wenn ich es mir aussuchen darf, nehme ich eine kleine Pension am Strand.

 

Woran arbeitest du momentan?

Im Moment entwickle ich eine Kriminalgeschichte für junge Leser und Leserinnen zwischen zehn und zwölf Jahren.

 

Und zum Schluss: Hast du einen Buchtipp für uns?

Wem Die Farben des verschwundenen Sommers gefällt, der könnte auch Kim Novak badete nie im See von Genezareth von Hakan Nesser mögen. Hier gibt es keine sprechenden Feuersalamander oder andere fantastische Elemente, aber es ist eine wunderschöne, atmosphärische Coming-of-Age-Geschichte, die ebenfalls in den frühen 60er Jahren spielt und in der es, wie in meinem Roman, ums Erwachsenwerden, Freundschaft, eine große Liebe und das Geheimnis eines Sommers geht.

 

Oliver Schlick – Die Farben des verschwundenen Sommers

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Oliver Schlick lebt in Düsseldorf, mag Waldmeisterbrause und Pizza Funghi und schreibt Geschichten für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, darunter auch Miranda Lux – Denken heißt Zweifeln, das 2017 für den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis nominiert war. Seine Geschichten zeichnen sich durch schräge Charaktere und das Aufeinandertreffen von realen und fantastischen Welten aus.