Ester D. Jones und Katherine Collins über ihren neuen spannenden Liebesroman

Ester D. Jones (links) und Katherine Collins (rechts)

Wovon handelt euer Buch Der Fluch von Abbington Hall?

Katherine Collins: Diese Geschichte besitzt zwei Ebenen. Natürlich handelt sie vorrangig von der Liebe zweier Menschen, oder besser dreier Paare. Die andere Ebene ist düsterer, sie zeigt uns, was Hass und Schmerz anrichten können, besonders, wenn sie auf Gleichgültigkeit und Überheblichkeit trifft. Die Paare haben unterschiedliche Aufgaben und jedes ihren eigenen Weg zu beschreiten.

Ester D. Jones:Für mich ist der Roman nicht nur eine Liebesgeschichte. Er beinhaltet eine Familiengeschichte, eine Entscheidung, die alles verändert, einen Fluch, der Auswirkungen auf Generationen hat. Ein einzelner Mann hat das alles in Gang gesetzt, weil er keine Verantwortung übernehmen wollte.

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Wie seid ihr auf die Idee gekommen, über einen Familienfluch zu schreiben?

Katherine Collins: In der Romance Alliance sprechen wir häufig mal über Plotideen und auch über Gemeinschaftsprojekte. Die Anfangsidee hatten wir bereits 2015 deswegen weiß ich gar nicht mehr so genau, wie wir auf die Idee kamen. Meist werfen wir etwas in den Raum und lassen uns überraschen, was daraus wird. Der Spaß daran ist, dass der eigene Horizont erweitert wird. Ich habe eigentlich nur Perdita schreiben wollen und bekam dann die Gelegenheit zusätzlich Elisa Leben einzuhauchen.

Ester D. Jones: Ich glaube, da haben wir uns gegenseitig angestachelt. Mit der Idee zum Fluch hat alles begonnen. Die Geschichte drumherum ist erst danach entstanden. Leider hat es zeitlich nicht geklappt, das Projekt schneller in die Tat umzusetzen. Aber mit Katherine zu schreiben, macht wahnsinnig viel Spaß. Dass wir beide im Genre historische Liebesromane unterwegs sind und gleichzeitig unter den Namen Kathrin Fuhrmann bzw. Bettina Kiraly zeitgenössische Liebesromane veröffentlichen, hat perfekt gepasst, damit wir dieses Projekt gemeinsam umsetzen konnten.

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Was fasziniert Euch an mysteriösen Liebesgeschichten?

Katherine Collins: Ich mag die unerwarteten Verwicklungen. Der Fluch hat einiges Dramapotential.

Ester D. Jones: Jede Liebesgeschichte hat ihre Geheimnisse. Die besonders geheimnisvoll zu gestalten, macht das Entstehen eines Romans für mich als Autor spannend.

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Was gefällt euch am Schauplatz England?

Katherine Collins: Viele meiner Romane spielen in England. Ich liebe das Land und finde, dass es grad in der Vergangenheit großes romantisches Potential besitzt. Hat jemand schon mal einen historischen Liebesroman gelesen, der in Deutschland spielt? Ich habe keinen in meinem Schrank, dafür aber hunderte, die in England beheimatet sind. Es ist wohl die imaginäre Reise, die es so interessant macht.

Ester D. Jones: Ich war leider noch nie in England. Mein Mann schwärmt mir immer von London vor, wobei mich ein Besuch der Stadt weniger reizt. Ich würde gerne die ländlicheren Gegenden erforschen. Dass wir im ersten Teil die Atmosphäre eines Regencyromans einfangen konnten, hat mir besonders Spaß gemacht.

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Was ist euer Lieblingszitat aus dem Roman?

Katherine Collins:

Die Zuschauer werden nicht enttäuscht sein. Die Zeit für den Zauber ist gekommen.

„Ich verfluche Sie, Viscount Abbington!“

Endlich tritt er zwischen den Menschen hindurch aus der Tür. Doch die Stufen bis zu mir wagt er sich nicht herunter. „Wer sind Sie?“

„Ich heiße Jesemy Lakojka. Aber Sie kennen mich als Mrs Leigh, Mutter von Gemma und Großmutter Ihrer Tochter.“

Er erbleicht. „Was wollen Sie?“

„Ihnen zu Ihrer Hochzeit gratulieren. Wie ich gehört habe, war es ein rauschendes Fest.“

„D…Danke.“

Ich lache. „Warten Sie mit Ihrem Dank, bis ich mit Ihnen fertig bin. Ich verlange meine Enkeltochter zurück!“

Sein Blick sucht den einer Person in der Menge. Braucht er das Einverständnis seiner Frau? „Das Kind ist bei der Geburt gestorben. Man hat Gemma hierhergebracht. Wir haben nach einem Arzt schicken lassen. Aber es war zu spät.“

„Das ist nicht wahr“, fauche ich. „Mein Enkelkind lebt, und Sie haben es mir weggenommen.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie groß Ihr Schmerz sein muss. Es tut mir furchtbar leid, wie alles gekommen ist. Der Schmerz macht Sie blind für die Wahrheit.“

„Sprechen Sie nicht mit mir, als wäre ich nicht richtig im Kopf. Ich glaube keines der Worte, die Ihren Mund verlässt. Statt um die Frau zu trauern, die Sie angeblich geliebt haben, werfen Sie sich in die Arme einer anderen. Das kann ich nicht akzeptieren.“

„Ich habe niemals behauptet, ich würde Ihre Tochter lieben. Das zwischen uns war … es war …“ Er verstummte, fand offensichtlich nicht die richtigen Worte.

„Es war nur Lust, wollen Sie sagen?“, fauche ich. „Sie sind ein widerlicher Mann.“

Scham ist auf Andrews Gesicht zu lesen. „Ich habe Fehler gemacht. Es tut mir leid. Wirklich. Aber geschehen ist geschehen.“

Perdita hält hörbar den Atem an. Die Worte ihres Ehemannes scheinen sie zu treffen. Das Leben an der Seite solch eines Mistkerls wird nicht leicht. Überrascht wirkt sie allerdings nicht. Sie weiß, wer er ist, wie er ist. Und trotzdem liebt sie ihn.

Ester D. Jones:

„Wie lang ist Abbington Hall in Familienbesitz?“, fragte Perdita die Tante, die ihren in einem zweiten Wagen mitgereisten Zofen einen Schwall Aufträge erteilte.

„Wie meinen, mein liebes Kind?“

„Das Haus? Wie lang befindet es sich bereits im Familienbesitz?“, wiederholte Perdita und wandte sich dazu der Tante zu. Dem Gebäude gegenüber befand sich eine große, begrünte Fläche mit Rosensträuchern in allerschönsten Farben.

„Wie wunderschön es hier ist.“

„Welch merkwürdige Fragen du stellst, meine Gute.“

„Seit 350 Jahren“, bekam sie eine unerwartete Antwort, allerdings nicht von der Tante. Ein Gentleman lehnte lässig am Hinterrad der zweiten Kutsche und schlug sich eine Gerte in die Hand. Sein helles Haar war akkurat gekürzt, und lediglich eine Strähne, eine dunkle Strähne, fiel ihm in die Stirn. Seine blauen Augen fuhren herausfordernd an ihr herab, und auf seine Lippen legte sich ein zynisches Grinsen. Perdita hob irritiert eine Braue. Er mochte seiner Herkunft nach ein Gentleman sein, sein Gebaren jedoch war unangemessen.

„Ah! Abbington! Hush, hush, machen Sie sich nützlich!“

„Sehr wohl, Mylady!“ Er salutierte vor der Marchioness und nahm eine Hutschachtel von Perditas Zofe entgegen. Dabei grinste er die Bedienstete an, dass es Perdita die Sprache verschlug. Ein Lächeln machte seine strengen Züge weicher. Seine Augen strahlten, und Perdita streckte die Finger nach der Säule neben ihr aus. Ihre Kniegelenke waren eigentümlich unbeständig.

„Abbington!“, mahnte die Tante und schlug nach dem Arm des Lords. „So melden Sie uns schon Ihrer werten Frau Mama!“

Perdita atmete tief ein. Der Sohn des Hauses und nicht minder beeindruckend. Erbe? Junggeselle?

Er zwinkerte der Zofe zu und wandte sich dann an die tadelnde Lady. „Zu Diensten, Lady Gainsport!“

Seine Aufmerksamkeit schwenkte zu ihr, und Perdita ließ die Hand fallen.

„Mylady.“ Wieder wanderten seine Augen aufreizend langsam über sie hinweg. Eine dreiste Unverschämtheit! Perdita wartete. Seine Augen kehrten zu ihren zurück. Sie hielt seinem Blick stand, bis das unverschämte Grinsen wackelte.

„Sir.“

Nun ließ sie ihren Blick abwandern. Er trug gediegene Reitkleidung, ländlich, praktisch, und lediglich die auf Hochglanz polierten Knöpfe verwiesen auf einen Hauch Eleganz. Seine Reitstiefel waren schlammverdreckt, und ein leichter Grünschimmer zierte seine Knickerbocker auf Kniehöhe. Sie hob eine Braue und versagte ihm den erneuten, direkten Blickkontakt. Ihre jüngeren Brüder wüssten ihre Geste einzuschätzen, aber Abbington?

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Gibt es einen Charakter im Buch Der Fluch von Abbington Hall mit dem ihr euch identifizieren könnt – und warum?

Katherine Collins: So lange ich auch darüber nachdenke, finde ich keinen Charakter, mit dem ich mich identifizieren könnte. Perdita ist zu konventionell, Andrew zu egoistisch, Gemma einfach nur tragisch, denn sie wusste es sicherlich besser. Jesemy ist unreflektiert, so sehr ich ihre Trauer nachempfinden kann, ändert es nichts daran, dass ich sie nicht mag. Katja ist sehr selbstbezogen und Elisa … noch eine zornige Seele. Ich bin ihnen einfach zu unähnlich.

Ester D. Jones: Es gibt keinen Charakter, bei dem ich auf den ersten Blick sagen würde, dass er mir entspricht. Aber bestimmt gibt es Dinge, in denen ich ihnen ähnlich bin. Wie Gemma erwarte ich eine gewisse Fairness im Leben, auch wenn das unrealistisch ist. Wie Perdita glaube ich an das Gute in jedem Menschen. Wie Andrew bin ich nicht immer so standhaft, wie ich es gerne sein würde. Die Wut über Ungerechtigkeit, wie Jesemy sie empfindet, fällt manchmal auch über mich her, auch wenn ich deshalb nicht zu den gleichen Taten fähig wäre wie sie. Katja ist ähnlich romantisch veranlagt wie ich. Elisas trotzige Züge kann ich manchmal auch an den Tag legen.

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Welche ist eure Lieblingsfigur im Roman und was macht sie so besonders?

Katherine Collins: Meine Lieblingsfigur ist definitiv Perdita. Ich habe wegen ihr an dem Projekt mitgearbeitet. Sie ist die typische englische Lady, wie ich sie eigentlich nie porträtiere, deswegen war es erfrischend, sich mal absolut konventionell verhalten zu dürfen. Andrew hat es mir auch sehr leicht gemacht. Durch sein Ungestüm und seine Schwächen, konnte Perdita sein, wie sie war. Sie ist nicht perfekt und ich bedaure ein wenig, dass wir ihr so hart mitspielen mussten.

Ester D. Jones: Tatsächlich mag ich Gemma am liebsten. Mit meiner Vision von ihr habe ich mich an das Schreiben meines Anteils an diesem Projekt gesetzt. Ja, sie ist etwas naiv und ist nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Trotz ihrer Schwächen ist sie allerdings eine starke Persönlichkeit, die ihre Ziele fest im Blick hat.

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Im Buch sind zwei Zeitstränge miteinander verknüpft: Gab es einen Moment, an dem ihr nicht wusstet, wie die Geschichte weiter gehen soll?

Katherine Collins: Wir haben die Geschichte sehr ausführlich vorgeplottet, deswegen kam ich nicht an einen Punkt, an dem ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Allerdings kam einige Male die Frage auf, wie ich den Inhalt gut verpacken sollte. Elisa war sehr widerspenstig und häufig musste ich eine Szene komplett neu schreiben, weil sie einfach nicht schön war. Wie baue ich die herzliche Verbindung zwischen dem Onkel und Elisa auf. Wie führe ich den Fluch ins 21. Jahrhundert ein und wie bringe ich Katja auf die Palme?

Ester D. Jones: Auch wenn wir wussten, wo die Reise hingehen sollte und was unbedingt auf dem Weg zum Ziel passieren sollte, war aufgrund der langen Zeitspanne zwischen Schreibbeginn und Fortsetzung des Projekts die Handlung für mich nicht sofort wieder greifbar. Ich wollte die Beziehung der beiden Schwestern und die Liebesgeschichte von Katja und Daniel portraitieren. Aber wie ich das am besten anstelle, war mir nicht immer sofort klar.

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Wie lief die Zusammenarbeit zwischen euch? Wie war die Aufgabenverteilung?

Katherine Collins: Wir hatten eine klare Vorstellung davon, wer welchen Part übernimmt. Ester war schneller durch und ich habe die Lücken gefüllt. Das lief sehr gut, auch wenn ich dadurch einiges Kopfzerbrechen leisten musste, um die Enden auch wirklich miteinander zu verknüpfen. Ester hat dafür gebügelt und sich sehr aufmerksam sie Bruchstücke angesehen, damit auch keine groben Fehler entstanden. Wir arbeiten hervorragend zusammen und ich bin immer wieder dankbar für die Gelegenheit.

Ester D. Jones: Die Grundidee ist beim Schreibbeginn schon festgestanden. Das kapitelweise abwechselnde Erzählen der Geschichte von unterschiedlichen Charakteren ist einfacher, als einen Text tatsächlich durchgehend gemeinsam zu schreiben. Mit Katherine an Geschichten zu arbeiten macht unheimlich viel Spaß. Wir sind beide zu Kompromissen bereit, beharren nicht auf unserer persönlichen Vision der Geschichte und steuern Ideen bei, die die Handlung abwechslungsreich gestalten. Katherine schreibt genauso schnell wie ich und hat die gleiche Erfahrung durch das Schreiben von ebenso vielen Geschichten mit historischem Hintergrund und Gegenwartsromanen. Ich finde, wir sind ein Dreamteam. Wir haben vor, das noch bei weiteren Projekten zu beweisen.

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Habt ihr einen Tipp für Autoren, die ein Buch schreiben möchten, dessen Handlung sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt?

Katherine Collins: Lasst es? Generell ist es wichtig, sich die Veränderungen der Dekaden genau anzusehen. Wenn wir nicht so einen großen Sprung in unsere Zeit gemacht hätten, sondern nur 30 Jahre vorwärts, wäre die Geschichte ganz anders verlaufen. Die richtigen Zeitpunkte zu finden, in der die Handlung spielt, ist wichtig. Ich habe einen Stammbaum erstellt, damit wir nicht zu viele oder wenige Nachkommen auflisten. Ich persönlich finde auch, dass die Art der Erzählung in die Zeit passen muss. Die Vergangenheitsteile sind anders geschrieben, als die Gegenwartspassagen. Generell halte ich Tipps aber für unsinnig. Es muss passen und jeder Autor hat dafür seinen ureigenen Weg.

Ester D Jones: Ganz allgemein empfehle ich beim historischen Teil des Romans ganz genau auf den Schreibstil und die Dialoge der Personen zu achten. Man sollte das historische Setting atmen können, damit der Unterschied zu dem Teil, der in der Gegenwart spielt, deutlich wird.

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Und zu guter Letzt: Habt ihr eine Buchempfehlung für uns, die ebenfalls im historischen England spielt?

Katherine Collins: Zufällig spielt mein nächster Roman tatsächlich ebenfalls im historischen England. Er wird im April bei dp DIGITAL PUBLISHERS erscheinen und trägt den Titel Lord Everhams Spiel um die Liebe.

Ester D. Jones: Da würde ich gerne ein weiteres Gemeinschaftsprojekt erwähnen. Im Dezember letzten Jahres ist Ein Earl im Unterrock erschienen, an dem neben Katherine Collins und mir auch Marie Caroline Bonnet, Dolores Mey und Dorothea Stiller mitgearbeitet haben.

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie groß Ihr Schmerz sein muss. Es tut mir furchtbar leid, wie alles gekommen ist. Der Schmerz macht Sie blind für die Wahrheit.“

„Sprechen Sie nicht mit mir, als wäre ich nicht richtig im Kopf. Ich glaube keines der Worte, die Ihren Mund verlässt. Statt um die Frau zu trauern, die Sie angeblich geliebt haben, werfen Sie sich in die Arme einer anderen. Das kann ich nicht akzeptieren.“

„Ich habe niemals behauptet, ich würde Ihre Tochter lieben. Das zwischen uns war … es war …“ Er verstummte, fand offensichtlich nicht die richtigen Worte.

„Es war nur Lust, wollen Sie sagen?“, fauche ich. „Sie sind ein widerlicher Mann.“

Scham ist auf Andrews Gesicht zu lesen. „Ich habe Fehler gemacht. Es tut mir leid. Wirklich. Aber geschehen ist geschehen.“

Perdita hält hörbar den Atem an. Die Worte ihres Ehemannes scheinen sie zu treffen. Das Leben an der Seite solch eines Mistkerls wird nicht leicht. Überrascht wirkt sie allerdings nicht. Sie weiß, wer er ist, wie er ist. Und trotzdem liebt sie ihn.

Ester D. Jones:

„Wie lang ist Abbington Hall in Familienbesitz?“, fragte Perdita die Tante, die ihren in einem zweiten Wagen mitgereisten Zofen einen Schwall Aufträge erteilte.

„Wie meinen, mein liebes Kind?“

„Das Haus? Wie lang befindet es sich bereits im Familienbesitz?“, wiederholte Perdita und wandte sich dazu der Tante zu. Dem Gebäude gegenüber befand sich eine große, begrünte Fläche mit Rosensträuchern in allerschönsten Farben.

„Wie wunderschön es hier ist.“

„Welch merkwürdige Fragen du stellst, meine Gute.“

„Seit 350 Jahren“, bekam sie eine unerwartete Antwort, allerdings nicht von der Tante. Ein Gentleman lehnte lässig am Hinterrad der zweiten Kutsche und schlug sich eine Gerte in die Hand. Sein helles Haar war akkurat gekürzt, und lediglich eine Strähne, eine dunkle Strähne, fiel ihm in die Stirn. Seine blauen Augen fuhren herausfordernd an ihr herab, und auf seine Lippen legte sich ein zynisches Grinsen. Perdita hob irritiert eine Braue. Er mochte seiner Herkunft nach ein Gentleman sein, sein Gebaren jedoch war unangemessen.

„Ah! Abbington! Hush, hush, machen Sie sich nützlich!“

„Sehr wohl, Mylady!“ Er salutierte vor der Marchioness und nahm eine Hutschachtel von Perditas Zofe entgegen. Dabei grinste er die Bedienstete an, dass es Perdita die Sprache verschlug. Ein Lächeln machte seine strengen Züge weicher. Seine Augen strahlten, und Perdita streckte die Finger nach der Säule neben ihr aus. Ihre Kniegelenke waren eigentümlich unbeständig.

„Abbington!“, mahnte die Tante und schlug nach dem Arm des Lords. „So melden Sie uns schon Ihrer werten Frau Mama!“

Perdita atmete tief ein. Der Sohn des Hauses und nicht minder beeindruckend. Erbe? Junggeselle?

Er zwinkerte der Zofe zu und wandte sich dann an die tadelnde Lady. „Zu Diensten, Lady Gainsport!“

Seine Aufmerksamkeit schwenkte zu ihr, und Perdita ließ die Hand fallen.

„Mylady.“ Wieder wanderten seine Augen aufreizend langsam über sie hinweg. Eine dreiste Unverschämtheit! Perdita wartete. Seine Augen kehrten zu ihren zurück. Sie hielt seinem Blick stand, bis das unverschämte Grinsen wackelte.

„Sir.“

Nun ließ sie ihren Blick abwandern. Er trug gediegene Reitkleidung, ländlich, praktisch, und lediglich die auf Hochglanz polierten Knöpfe verwiesen auf einen Hauch Eleganz. Seine Reitstiefel waren schlammverdreckt, und ein leichter Grünschimmer zierte seine Knickerbocker auf Kniehöhe. Sie hob eine Braue und versagte ihm den erneuten, direkten Blickkontakt. Ihre jüngeren Brüder wüssten ihre Geste einzuschätzen, aber Abbington?

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Ester D. Jones ist das Pseudonym der niederösterreichischen Autorin Bettina Kiraly. Geboren 1979 wuchs Bettina Kiraly in einem kleinen Ort im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Töchtern. Im Mittelpunkt von ihren Geschichten stehen außergewöhnliche, starke Charaktere.

Katherine Collins lebt mit ihren zwei kleinen Töchtern in einem kleinen Dörfchen inmitten des Vest. Seit 2014 veröffentlicht sie historische Liebesromane sowohl in Verlagen, als auch als Selfpublisher. Unter dem Pseudoym Kathrin Fuhrmann schreibt die Autorin Liebesgeschichten, die mal mit Crime und mal mit Fantasy unterlegt sind.

Zur Leseprobe von Der Fluch von Abbington Hall.