Marie Caroline Bonnet im Interview

Worum geht es in deinem Roman Das Geheimnis der Tränen?

Zum einen geht es um die junge Lianne, die als Dienstmagd ein tristes Leben führt. Als ihr Herr zu allem Überfluss zudringlich wird, flieht sie und gerät in Gefahr. Ein weiterer Handlungsstrang erzählt das Schicksal der Kaufmannstochter Robina, die unsanft aus ihrer behüteten Welt gerissen wird und in ihrer Not einen großen Fehler begeht. Wie beide Geschichten zusammenhängen? Das bleibt vorerst mein Geheimnis!

 

In deiner Geschichte geht es um eine spannende Familiengeschichte, die auch sehr dramatisch ist. Hat dich ein Aspekt deiner eigenen Geschichte dazu inspiriert?

Ich lasse – bewusst und unbewusst – immer auch eigene Erfahrungen in meine Geschichten einfließen oder verarbeite damit, was mir andere Personen über ihr Leben und ihre Erfahrungen berichten bzw. was ich bei ihnen so miterlebe. Die Geschichte an sich hat aber mit meiner Familie nichts zu tun. Wir sind viel langweiliger!

 

Dein Roman spielt in der Vergangenheit, wieso? Was magst du daran, historische Romane zu schreiben?

Ich bin schon lange in der Mittelalterdarstellung aktiv und lese auch hauptsächlich historische Romane. Die Vergangenheit fasziniert mich einfach! Ich finde es spannend, mir zu überlegen, wie die Menschen mit den damaligen Möglichkeiten und Gegebenheiten lebten und handelten, was ihre Probleme waren.

 

Wie hast du für die Geschichte recherchiert? Bücher gewälzt oder eher stundenlang das Internet durchforstet?

Beides. Die Möglichkeiten des Internet sind ja beinahe unbegrenzt, wobei man sehr darauf achten muss, ob man vertrauenswürdige Quellen erwischt. Bücher sind da verlässlicher, aber nicht immer leicht zu bekommen. Ich bin in Antiquariaten fündig geworden, habe zum Beispiel ein älteres Buch mit dem Namen Die Frau im Barock gefunden, aus dem ich viele Informationen über das Leben der Frauen im 17. Jahrhundert ziehen konnte. Und dann waren da natürlich die Recherchereisen …

 

Der Handlungsort ist Frankreich. Hast du direkt vor Ort recherchiert?

Ja, ich war in La Rochelle und auch in Saint-Malo. Letzteres hat mich schon begeistert, lange bevor ich dieses Buch geschrieben habe. Nach La Rochelle bin ich dann bewusst zur Recherche gereist. Ich bin durch die Straßen geschlendert, wie Lianne es getan haben könnte, habe mir die alten Gebäude angesehen, die zu ihrer Zeit schon dort standen. Obwohl die Stadt harte Zeiten erlebt hat, sind noch viele Dinge erhalten, wie zum Beispiel die Türme, die ich im Buch beschreibe.

  

Woraus ziehst du deine Inspiration?

Aus Erlebnissen – eigenen und fremden -, Situationen, Dingen, die ich sehe und höre, Bildern, Filmen, Musik, Gerüchen … Dies alles spielt zusammen und ergibt schließlich die Idee. Andererseits – je geübter ich als Autorin werde, desto einfacher wird es, auch ohne diese Dinge Geschichten zu entwickeln. Da braucht es manchmal nur ein Stichwort, eine Ausschreibung für eine Anthologie oder die Idee, mal über eine bestimmte Stadt zu schreiben. Im ersten Moment denke ich, zu dem Thema würde mir niemals etwas einfallen, und kurz darauf plotte ich schon drauflos.

  

Wie sieht dein Schreiballtag aus? Schreibst du eher am Schreibtisch oder doch lieber auf der Couch?

Definitiv Schreibtisch. Da ich noch Teilzeit außer Haus arbeite, gibt es keinen täglichen Schreiballtag, aber die Tage, an denen ich zu Hause bin, laufen immer sehr ähnlich ab. Aufstehen, Kaffee machen, PC an, loslegen, zwischendurch mehr Kaffee machen – und wundern, wenn es dann schon wieder dunkel wird und die schöne Schreibzeit vorbei ist.

 

Was macht für dich einen guten historischen Liebesroman aus?

Ein historischer Liebesroman ist für mich „gut“, wenn er trotz aller Romantik ausgiebig recherchiert ist und die historischen Fakten stimmen. Sprache und Wortwahl sollten ebenfalls zu der beschriebenen Zeit passen und dennoch natürlich und nicht übertrieben klingen. Mir ist Recherche und historische Korrektheit sehr wichtig, und ich sehe meine Bücher eher als historische Romane mit Liebesgeschichte und nicht so sehr als Liebesromane im historischen Setting.

 

Gibt es einen Buchcharakter, von dem du dir wünschst, ihn selbst geschrieben zu haben?

Das wäre ausnahmsweise kein Charakter aus einem historischen Roman. Ich liebe die Flavia de Luce-Reihe von Alan Bradley (obwohl ich sonst keine Krimis lese), und es wäre definitiv Flavia, die ich gern selbst geschrieben hätte. Dieser Charakter ist so perfekt mit allen Eigenschaften, Ecken und Kanten – ich liebe sie einfach!

 

An was schreibst du momentan?

Ich schreibe an einem historischen Roman, der zur Kaiserzeit in meiner Heimatstadt Kiel spielt. Schon in meinem letzten Roman über den Deutsch-Dänischen Krieg (erscheint im Februar 2019) bin ich meiner Heimat näher gekommen, in dem jetzigen spielt die Handlung aber zum ersten Mal buchstäblich direkt vor meiner Tür.

 

Und zu guter Letzt: Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Ich liebe die historischen Romane von Charlotte Roth. Sie schreibt so großartig! Ihre Sprache, ihre herzzerreißenden Charaktere – man möchte sie manchmal schütteln und gleichzeitig in den Arm nehmen -, überhaupt ihre Geschichten, voller Tragik und dennoch voller Lebensfreude und Hoffnung. Besonders gut gefallen hat mir Bis wieder ein Tag erwacht – vielleicht, weil es in Frankreich spielt.

Marie Caroline Bonnet - Das Geheimnis der Tränen

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Marie Caroline Bonnet ist das Pseudonym der Autorin Jessica Weber. Sie ist Kielerin, gebürtig und überzeugt. Die gelernte Schifffahrtskauffrau liebt es, das Meer vor der Tür zu haben. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Sekretärin sowie freiberuflich als Verlagslektorin. In ihrer Freizeit fertigt sie ausgefallene Motivtorten an, ist in der Mittelalterdarstellung aktiv und reist viel, gern auch zu Recherchezwecken. Sie ist Mitglied in zwei Autorenvereinigungen und im Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein e. V.