Evelyn Boyd im Interview

Worum geht es in deinem Buch Schöner wohnen mit Dämonen?

Es ist eine humorvolle Geschichte über eine verrückte Dämonen-WG mitten in London. Die Jungs sind allerdings etwas anders, als man sich gewöhnliche Dämonen vorstellt.
Die Protagonistin in Band 1 ist Aimée. Sie ist gerade noch 17 Jahre alt und hat ein paar ‚klitzekleine’ Probleme.
Seit ihr Vater verstorben ist und ihr älterer Bruder Nathan die Leitung der Firma übernommen hat, ist ihr bisher behütetes Leben zur Hölle geworden. Nicht nur, dass sie sich gegen ihren Willen mit dem neuen Geschäftspartner von Nathan verloben soll, sie wird auch noch Zeugin eines Mordes. Danach flieht sie Hals über Kopf nach London. Durch einen scheinbaren Zufall gerät sie an die Adresse einer Wohngemeinschaft und beschließt spontan dort Unterschlupf zu suchen. Doch ihre neuen Mitbewohner sind alles andere als normal und dann ist da noch Cyrus…

 

Wie kamst du auf die Idee zu dem Buch?

Das verrückte bei dieser Idee war, dass ich ursprünglich zuerst den Titel im Kopf hatte. Der Titel wollte mir einfach nicht aus dem Sinn gehen und so nahm die Geschichte langsam Gestalt an. Und jetzt bedrängen die Jungs mich, jede ihrer Geschichten zu erzählen.

 

Was inspieriert dich beim Schreiben?

Das Schnurren meines Katers 😉 und zwischendurch auch mal anregende Telefongespräche mit Freunden und Autorenkollegen.

 

Aimée ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Bruder, der sie schlecht behandelt hat. Zum Glück findet sie Zuflucht. Was würdest du jungen Menschen raten, die ein ähnliches Schicksal haben? 

Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen bzw. sich an Opferschutzhilfen oder entsprechende Beratungsstellen zu wenden. Dazu findet man im Internet viele Informationen. Gerade wenn Frauen und Mädchen Gewalt erleben, ist fachliche Unterstützung und oft auch psychologische Betreuung notwendig. Es gibt Hilfetelefone für Frauen, Frauenhäuser oder auch Vereine, die Hilfe anbieten. Bei akuter Gefahr, wie im Fall von Aimée, sollte man sich immer umgehend an die Polizei wenden.

 

Welchen dämonischen Mitbewohner aus Schöner wohnen mit Dämonen würdest du dir ins Haus holen? Was würdet ihr unternehmen?

Ich liebe die Jungs alle. Aber obwohl mein Kater Othello hier gerade die Pfote für Jeremy hebt, würde ich ihn vermutlich nicht lange ertragen können. 😉
Ich denke, ich würde gerne mit George und Frederic durch die Clubs ziehen und mit Cyrus einen romantischen Spaziergang am Meer machen.

 

Beschreib deine Protagonistin Aimée in drei Worten.

Aimée ist auf ihre Art mutig, eigensinnig und etwas naiv (zumindest am Anfang).

 

Welche Eigenschaft magst du gerne an Aimée, was hat dich beim Schreiben auf die Palme gebracht?

Ich mag es, dass sie die Dinge offen anspricht und sich von den Jungs nicht unterkriegen lässt. Sie steht zu ihren Ansichten und sagt auch Frederic gerne mal die Meinung.
Sie ist manchmal etwas zu kopflos und unvernünftig. Schwierig war es beim Schreiben zu entscheiden, wie sie mit dem Wissen um die Natur der Jungs umgeht. Aber nach all dem, was sie erlebt hat, ging sie damit erstaunlich gut um.

  

Bad Boy oder Good Guy, zu welcher Kategorie gehört Cyrus?

Cyrus ist in dem quirligen Haufen der Ruhepol. Er wirkt zwar zunächst unnahbar, ist aber definitiv eher der Good Guy. Cyrus ist eigentlich vernünftig und beschützend, aber Aimée bringt ihn an seine Grenzen.

 

Wieso schreibst du Fantasyromane? Was magst du daran?

Fantasyromane aller Art habe ich schon als Kind verschlungen und als der Wunsch in mir aufkeimte, meine eigenen Geschichten aufs Papier zu zaubern, war es für mich nur natürlich, dass ich – unter anderem – in dem Genre schreiben möchte. Bereits als Kind mochte ich vor allem Geschichten, die etwas düster waren, übernatürlich und eine tragische Liebe hatten, wie in dem Buch Krabat von Otfried Preußler. So eine tragische und düstere Liebe habe ich dann auch in meinem ersten Romantasy Buch Kjell – Das Geheimnis der schwarzen Seerosen beschrieben. Bei den Dämonen geht es dagegen viel humorvoller zu, auch  wenn hier nicht jede Liebesgeschichte einfach sein wird.

  

Dein Buch spielt in London, wieso genau da? Verbindet dich etwas mit der Stadt? Warst du selbst schonmal dort?

London ist eine faszinierende Stadt. Ich war dort schon ein paar Mal und habe eine tolle Zeit erlebt, aber es gibt noch so viel zu entdecken, dass ich auf jeden Fall wieder dort hinreisen möchte. Die Dämonen WG befindet sich in der Straße, in der ich während eines Urlaubs mal gewohnt habe.

 

Wie sah die Arbeit an diesem Buch aus? Hast du drauflos geschrieben oder hattest du schon einen bestimmten Plan im Kopf?

Die Idee zu „Schöner Wohnen mit Dämonen“ hatte ich bereits seit 2012 im Kopf. Dennoch hat sich die Geschichte im Planungsverlauf noch einmal ganz anders entwickelt, vor allem weil die Jungs alle so spannende Persönlichkeiten sind, die alle ihre eigene Geschichte erzählen wollen. Deshalb wird in Band 2 auch der düstere Jeremy sein persönliches Abenteuer erleben. Aber man wird natürlich auch erfahren, wie es mit all den anderen WG-Mitgliedern weitergeht und auch die Geschichte mit Aimée und Cyrus wird weitererzählt, denn sie haben noch einige Hürden zu überwinden.

 

Überraschst du dich beim Schreiben manchmal selbst? Gibt es ungeplante Szenen?

Grundsätzlich lege ich mir den Story-Verlauf schon vor dem Schreiben im Kopf zurecht. Es steht zumindest der Plot und das Ende, wo alles hinführen soll. Allerdings entwickelt so mancher Charakter manchmal ein störrisches Eigenleben und besteht darauf, eine Szene ganz anders zu erleben, als es eigentlich geplant war… Da kann es schon mal zu spannenden neuen Situationen kommen.
Ich schreibe gerade am zweiten Band der Dämonen WG und da bringt mich gerade George zum Verzweifeln, weil er unbedingt einen Weiterbildungskurs besuchen möchte, während Aimée ihr Zimmer – von mir ungeplant – einem Austausch Vampir aus Frankreich zur Verfügung stellt, der alle Gläser der WG mit Blutresten in der Spüle stehen lässt. Ich muss da mal ein Machtwort „schreiben“.

 

Gibt es ein Ritual, das dich beim Schreiben begleitet, oder kannst du immer und überall schreiben?

Ein bestimmtes Ritual habe ich eigentlich nicht. Im Sommer setze ich mich gerne in den Garten, um zu schreiben. Wichtig ist für mich Ruhe, denn ich erlebe die Gesichte in meinem Kopf, wenn ich sie schreibe. In einem lebhaften Café wäre ich viel zu abgelenkt, von all den Menschen und Szenen um mich herum.
Meistens schreibe ich allerdings mit dem Laptop auf dem Sofa sitzend. Ich habe auch mal probiert, mich an den Schreibtisch zu setzen, aber das gefällt meinem Kater überhaupt nicht. Er maunzt dann die ganze Zeit und er krallert sogar nach meinem Bein, wenn ich dort nicht sofort wieder aufstehe. Er möchte, dass ich auf dem Sofa sitze. Dort kann er sich daneben kuscheln und ich streichle ihn immer mal wieder zwischendurch. Er ist die Muse und er bestimmt, wo geschrieben wird! 😉

 

Du hast die Wahl: Lieber einen actionreichen Städtetripp oder einen entspannten Badeurlaub am Strand. Wo würde die Reise hingehen?

Ich liebe das Meer. Aber Strand habe ich hier direkt vor der Tür. Im Sommer bin ich oft am nahegelegenen Naturstrand zum Baden. Im Herbst und Winter ist ein Strandspaziergang an der Steilküste prima, um frischen Wind in die Gedanken zu bekommen. Deswegen würde ich einen Städtetripp bevorzugen. Dort kann man so viel Inspiration für Geschichten finden und interessante Menschen kennenlernen. Städte, die am Meer liegen, sind natürlich doppelt so toll! Ich würde gerne mal wieder nach Stockholm reisen oder nach Helsinki. St. Petersburg würde ich mir auch gerne ansehen oder Dublin… Es gibt so viele tolle Städte.

 

Zu guter Letzt: Hast du einen Buchtipp für uns?

Ich habe gerade letztens den Myrtenzweig von Dorothea Stiller gelesen und war begeistert. Ein wundervoller Cosy Crime, der in der Regency Zeit in London spielt. Wer wie ich, auch gerne Jugend- und Kinderbücher liest oder vorliest, dem kann ich Die unglaublichen Untaten des Bermudadreiecks von Kari Ehrhardt empfehlen. Es ist total witzig geschrieben und macht richtig gute Laune beim Lesen.

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Evelyn Boyd schreibt Jugendbücher, Kriminalromane, Romantasy und Hörspielskripte. Sie lebt mit ihrem Kater Othello im hohen Norden an der Küste und holt sich ihre Inspiration gerne durch lange Spaziergänge am Meer.