Mia Blum über ihren neuen Roman So war das aber nicht geplant

Wie kamst du auf die Idee für dein Buch? Gab es einen besonderen Anlass, mit dem Schreiben zu beginnen?

Mia Blum mit ihrem Hund Fritzi: „Fritzi ist ein ehemaliger kroatischer Straßenhund, wohl ein Mix zwischen Dackel und Stafford – also eine interessante Mischung“

Der Weg zum Buch war tatsächlich nicht ohne Turbulenzen und Umwege. Dabei habe ich das Schreiben schon in meiner Kindheit und Jugend sehr geliebt. Kurzgeschichten und Satiren waren meine Spezialität. Während des Studiums und in den ersten Jahren des Berufslebens blieb dafür dann kaum Zeit. Leider! Wieder zum Schreiben gebracht hat mich eine meiner Lieblingsautorinnen – Kerstin Gier mit ihrem Buch Die Müttermafia. Im Urlaub auf Gran Canaria vor vier Jahren lag ich damit am Pool und musste mich schwer bemühen, vor lauter Lachen nicht krachend von der Sonnenliege zu fliegen. Und auf einmal war er da, der Gedanke: „Los, fang wieder an!“ Das erste Ziel war eine Kurzgeschichte – so humorvoll und leicht wie die Storys von Kerstin Gier, mit einer Protagonistin fernab der klassischen Frauenklischees: berufstätig, taff und so gar nicht an Babys interessiert. Bis zum nächsten Sommerurlaub fristete die Kurzgeschichte um Flo und Julian ein kümmerliches Dasein in einer Schublade. Aber dann dachte ich mir: „Mensch, Mia, die Geschichte ist doch noch längst nicht auserzählt, da ist noch mehr!“ Da packte mich dann endgültig der Ehrgeiz, aus der Kurzgeschichte mein erstes Buch zu machen. Eines, das hoffentlich ein paar Menschen so sehr zum Lachen und Mitfiebern bringen wird, wie mich vor einigen Jahren das Buch von Kerstin Gier.

Verrätst du uns, was es mit dem teuflisch starken Marillenschnaps auf sich hat?

Ich habe lange Jahre in Tirol, Österreich, verbracht. Marillenschnaps ist da schon sehr weit vorne auf der Liste der All-time-favorite Spirituosen und quasi flüssiger Kulturschatz. Den Schnaps in die Story einzubauen: eine spontane Bauchentscheidung. Und ein kleiner Tribut an meine zweite, alte Heimat.

Beschreibe Flo, deine Protagonistin, in drei Worten!

Unabhängig, neurotisch (na, ein bisschen zumindest 😉 ), liebenswert.

Ein typischer Satz, den sie sagen würde?

Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.

Flos Pläne werden ganz schön durcheinandergewirbelt. Ist das auch eine Erfahrung, die du selbst gemacht hast – dass das Leben den eigenen wohldurchdachten Plänen oft ein Schnippchen schlägt?

Absolut! Aber wer kennt das nicht? Das Leben ist eben keine gerade Rutschbahn, sondern eher ein wackeliger Hochseilgarten. Irgendwie auch gut so, oder? Denn welche tollen, bewegenden Geschichten gäbe es sonst in Buchdeckel zu verpacken 🙂

Die tickende biologische Uhr kennt man vor allem bei Frauen, obwohl sie durchaus auch bei Männern vorkommt, man nehme Flos Freund zum Beispiel. Was hat dich an diesem Thema besonders gereizt?

Die sich verschiebenden Rollen innerhalb der Gesellschaft, das ist einfach ein sehr aktuelles Thema unserer Zeit. Emanzipation, beruflicher Erfolg, ein selbstbestimmtes Leben abseits gesellschaftlicher Konventionen: wir Frauen können uns heute (meist) die Welt gestalten. Gott sei Dank! Trotzdem: die Anforderungen des Alltags sind nicht ohne. Wenn dann noch Familienplanung ein Thema wird, kann frau sich schon mal überfordert fühlen. Dazu kommt, dass die Geschlechterstereotypen immer mehr aufbrechen. Und so ist es eben nicht automatisch immer die Frau, die das Thema Kinder auf die Agenda bringt. Trotz aller Leichtigkeit, allen Humors, war mir ein ernsthafter Kern mit Relevanz für die Leser deshalb ganz wichtig für die Geschichte. Denn nur, wenn man sich mit einer Protagonistin und den Herausforderungen ihres Lebens verbunden fühlt, kann ein Buch wirklich berühren.

Wie sieht ein typischer (Schreib-)Tag für dich aus?

Das kommt sehr auf die Phase an, in der sich ein Schreibprojekt gerade befindet. Geht es um die Entwicklung der Story, um das Erschaffen frischer Sätze, um Kreativität – dann schreibe ich liebend gerne in Cafés. Je wuseliger, desto besser. Denn die vielen interessanten Menschen und ihre Geschichten inspirieren mich. Das gilt auch für den Latte Macchiato und das Stück Kuchen, mit dem man sich nach einem gelungenen Kapitel dort so schön selbst belohnen kann 🙂 So sehr ich in der Kreativphase Leute und Leben um mich herum brauche, so ganz anders ist es, wenn es an den Feinschliff geht. Da ist absolute Ruhe angesagt, sonst gehen die Gedanken wieder auf Wanderschaft. Beim Editieren bleibe ich deshalb meistens zu Hause. Am liebsten auf dem Balkon mit Blick in die Baumkronen, oder auf meinem gemütlichen Sofa: Beine hoch, Laptop auf den Schoß, los geht’s!

Hast du eine Fortsetzung der Geschichte geplant?

Planung ist ein großes Wort 🙂 Aber: na klar! In meinem Kopf schwirrt es gerade nur so vor Ideen. Für Flo und Julian. Aber auch für Sunny und Benny. Ich bin noch nicht ganz sicher, welche davon das Rennen machen wird. Dafür müssen die kleinen grauen Zellen noch ein bisschen Ping Pong spielen und die Zeit für sich arbeiten. Gerade bin ich einfach nur unglaublich gespannt, ob ihr die Geschichte rund um das liebenswerte Quartett in eurer Herz schließen werdet.

Und welches Buch hast du im Moment auf dem Nachttisch liegen?

Bücher sind Rudeltiere, darum findet sich auch niemals nur ein einzelnes Exemplar auf meinem Nachttisch. Es kommt eben auf den gelungenen Mix an, und der besteht für mich eigentlich immer aus einem Thriller, einer humorvollen Liebesgeschichte und einem Sachbuch. Aktuell sind es Schattenkind von Anne Holt, Wie man ein Löwenmäulchen zähmt von Eva Lindbergh und Die dunkelste Stunde. Churchill – Als England am Abgrund stand von Anthony McCarten.

 

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Mia Blum lebt und arbeitet in Hamburg. Am Norden liebt sie besonders die Weite und dass man sich von der steifen Brise so herrlich die Gedanken durchpusten lassen kann. Gleichzeitig hat sie ihr Herz an italienische Kulinarik und Lebensart verloren, was sich in ihren Büchern zeigt.