Eine verhängnisvolle Versuchung

1. Kapitel

 

London

April 1870

 

»Ich werde nicht gehen!« Sie wand sich in seinem Griff. »Ich hab es dir gesagt! Lass mich los!«

Er hatte es satt, ständig Auseinandersetzungen mit ihr zu führen. Manchmal kam es ihm vor, als habe er in den letzten siebzehn Jahren nichts anderes getan.

»Du gehst«, knurrte er, seine tiefe Stimme war drohend leise. So drohend, dass der neben dem Vierspänner wartende Lakai eine steife Haltung annahm und den Blick verängstigt abwandte. »Werd ich nicht«, rief sie und versuchte abermals, ihr Handgelenk aus seinem Griff zu befreien. In letzter Zeit war sie wendig wie eine Katze geworden. Er konnte ihren schmalen, seidenumhüllten Arm kaum halten. »Ich sagte, lass mich los

Er seufzte schwer. Schon wieder dieses Theater. Nun gut, er hätte es wissen sollen; alles hatte darauf hingedeutet. Vor einer Stunde, als er seinen Krawattenknoten vor dem Spiegel neu band – Duncan war zwar ein wahrhaft vorbildlicher Kammerdiener, doch je älter er wurde, desto störrischer wurde er auch: Kleinere Veränderungen der Herrenmode schienen ihn nur noch zu ärgern. Er knotete die Krawatte seines Brotgebers seit zwanzig Jahren in der gleichen Art und Weise, womit er Burke zwang, sich heimlich zurückzuziehen, das Werk seines Kammerdieners aufzulösen und neu zu binden –, in diesem Moment jedenfalls, war Miss Pitt ohne Anmeldung und noch dazu in einem Zustand höchster Erregung in sein Ankleidezimmer gestürmt.

»Mylord«, rief die alte Frau schluchzend. Tränen schossen ihre fülligen Wangen herab. »Sie ist unmöglich! Unmöglich, hören Sie? Kein Mensch – niemand – muss sich eine solche Misshandlung gefallen lassen …«

Sie presste eine zitternde Hand an die Lippen und floh aus dem Zimmer. Burke war nicht ganz sicher, aber es hatte den Anschein, dass Miss Pitt soeben gekündigt hatte. Seufzend löste er die Krawatte. Es machte nun keinen Sinn mehr, gut aussehen zu wollen. Er würde heute Abend nicht, wie ursprünglich geplant, die Gesellschaft der unnachahmlichen Sara Woodhart genießen. Nein, jetzt hieß es, die Rolle der unglücklichen Miss Pitt zu übernehmen und Isabel zu Lady Peagroves Tanzgesellschaft zu begleiten.

Zum Teufel damit.

Mittlerweile krümmte sich das Biest und versuchte ihn zu beißen – tatsächlich, zu beißen! –, um seinen Griff zu lockern. Er hoffte inständig, dass die Nachbarn nicht zusahen. Diese öffentlichen Zurschaustellungen ihres Temperaments wurden immer peinlicher. Vor ein paar Jahren, als sie jünger gewesen war, und kleiner, hatte er es als weniger schlimm empfunden, – aber jetzt …

Nun ja, jetzt sehnte er sich immer öfter nach einer Pfeife und dem gemütlichen Kaminfeuer in seiner Bibliothek.

Sogar mehr als nach der Gesellschaft der geschätzten Mrs Woodhart.

Guter Gott! Wie schrecklich! Konnte das wahr sein? Wurde er wirklich alt? Duncan jedenfalls hatte das bereits angedeutet, sogar mehr als einmal. Natürlich nicht mit Worten. Ein guter Kammerdiener würde niemals etwas anderes sagen, als dass sein Herr in den besten Jahren sei. Aber erst gestern hatte der Kerl die Frechheit besessen, ihm eine Flanellweste herauszulegen. Flanell! Als ob Burke demnächst siebenundfünfzig würde, statt sich dem noch relativ jugendlichen Alter von siebenunddreißig Jahren zu nähern. Als sei er gebrechlich und nicht in erstklassiger körperlicher Verfassung, wie er schließlich wusste. Eine Tatsache, derer ihn viele der attraktivsten Frauen Londons, inklusive der anspruchsvollen Mrs Woodhart, versichert hatten. Duncan hatte eine Lektion erteilt bekommen, so viel war sicher.

So, wie jetzt Isabel eine bekommen würde. Er ließ nicht mit sich spaßen, besonders nicht, wenn es zu ihrem eigenen Besten war.

»Und ich«, er beugte sich herab und warf sie gekonnt, mit einer Leichtigkeit, die von Übung zeugte, wie einen Sack Getreide über die Schulter, »sage, dass du gehst.«

Isabel gab ein Gekreische von sich, das durch den dichten gelben Nebel hallte, der sich wie ein Vorhang über die Park Lane gelegt hatte (wahrscheinlich über ganz London, wie er sein Glück einschätzte). Es würde Stunden dauern, bis sie sich durch den aufgrund des Nebels stockenden Verkehr zum Haus der Peagroves gekämpft hätten. Das fehlte ihm gerade noch, dieser dicke, erstickende Nebel, zusätzlich zu Isabels Hysterie. Das Einzige, was er in diesem Moment noch besser gebrauchen könnte, war eine Kugel im Kopf. Oder eine Klinge im Herzen.

Einen Moment später schien es, als sollte sein zweiter Wunsch erfüllt werden. Nur dass der Eindringling, der wie aus dem Nichts aus dem Nebel auftauchte, statt einer Klinge die Spitze eines Regenschirms in Richtung seines Herzens stieß.

Oder eben dahin, wo sein Herz sein sollte, falls er – was Isabel gerade aus vollsten Lungen lauthals bestritt – überhaupt eins besaß.

»Verzeihung, Madam«, sagte Burke ruhig zu der Besitzerin des Schirms – sehr ruhig sogar, bemerkte er stolz, zumal er den Ruf hatte heißblütig zu sein. »Aber würde es Ihnen etwas ausmachen, dieses Ding fortzunehmen? Es behindert mich auf dem Weg zu der Kutsche, die dort wartet.«

»Noch einen Schritt«, sagte die Schirmbesitzerin mit einer Stimme, die für ein Wesen von solch … na ja … winzigem Ausmaß verblüffend hart klang, »und ich werde Ihre Chancen auf einen Erben ernsthaft gefährden.« Burke warf seinem Lakaien einen Blick zu. War es Einbildung oder wurde er gerade vor seiner eigenen Türschwelle, noch dazu auf der Park Lane, der exklusivsten Straße Londons, angepöbelt – und das von einer völlig Fremden? Was es noch schlimmer machte: Von einer jungen Frau, genau von der Sorte, die er auf gesellschaftlichen Anlässen so gewissenhaft mied.

Wer konnte ihm das auch vorhalten? Er fand es immer recht beunruhigend, wenn mitten in der Unterhaltung mit einer dieser Kreaturen – die sich zugegebenermaßen meist sowieso nicht gerade brillant auf die Kunst der Konversation verstanden – deren schwer juwelenbehängte Mutter wie im Sturzflug aus dem Nichts herabstieß, um ihren kleinen Liebling höflich, aber bestimmt aus seiner Reichweite zu entfernen.

Hier jedoch war weit und breit keine juwelenbehängte Mama. Diese junge Frau war allein. Überraschend allein, zumal in einer solch düsteren Nacht, wie er sie lange nicht mehr erlebt hatte. Wo war ihre Anstandsdame? Ohne Zweifel sollte eine so junge Frau eine haben, wenn auch nur um sie davon abzuhalten, einen Gentleman wie ihn mit dem spitzen Ende ihres Schirms zu bedrohen – wie es ihre Angewohnheit zu sein schien.

Was sollte er jetzt tun? Wäre sie ein Mann, hätte Burke ihn mit einem Schlag niedergestreckt, wäre über den reglosen Körper gestiegen und hätte seinen Weg fortgesetzt. Falls notwendig, hätte er ihn auch herausgefordert, um ihm mit großem Vergnügen – entsprechend seiner momentanen Stimmung – eine Kugel in den Kopf zu jagen. Aber sie war kein Mann. Sogar für eine Frau war sie ziemlich klein. Er hätte sie mit Leichtigkeit aus dem Weg heben können, aber eine Frau auf diese Art anzufassen – besonders eine in diesem jugendlichen Alter – konnte zu ungeahntem Ärger führen. Was also sollte er tun?

Perry, dem Burke dummerweise einen Hilfe suchenden Blick zugeworfen hatte, konnte nicht mit der kleinsten Unterstützung aufwarten. Er starrte auch bloß auf die junge Frau, wobei seine vorstehenden Augen fast herauszufallen drohten. Und das nicht einmal wegen der Schirmspitze, die sie vor seinem Herrn schwenkte, sondern beim Anblick ihrer sehr schlanken Fesseln, deutlich sichtbar unter dem durch die Fechterstellung leicht hochgerutschten Rocksaum.

Dämlicher Junge. Morgen würde sich Burke darum kümmern, dass er gefeuert wurde.

»Lassen Sie sie runter«, sagte die junge Frau. »Sofort.«

»Passen Sie mal auf«, hörte Burke sich sagen und klang wesentlich vernünftiger, als ihm zumute war. »Stoßen sie nicht dauernd mit diesem Ding nach mir. Ich werde Ihnen sagen, wer ich bin, zufälligerweise …«

»Ich gebe keinen Pfifferling darauf, wer Sie zufälligerweise sind«, unterbrach ihn die junge Dame ziemlich frech. »Sie setzen dieses Mädchen jetzt ab und dürfen sich glücklich schätzen, wenn ich nicht den Wachmann rufe. Wobei ich nicht sicher bin, ob ich das nicht tun sollte. So etwas Würdeloses habe ich im Leben noch nicht gesehen, ein Mann Ihres Alters, der ein nicht halb so altes Mädchen misshandelt!«

»Misshandeln?« Burke ließ seine Last vor Überraschung beinahe fallen. »Von allen denkbaren Unverschämtheiten! Glauben Sie ernsthaft …«

Isabel, die sich seit dem Auftauchen der schirmbewehrten Furie verdächtig ruhig verhalten hatte, hob ihr verschleiertes Haupt, und eine klagende Stimme – ganz entgegen ihrem sonst so selbstsicheren Tonfall – sagte: »Oh, bitte, helfen Sie mir, Miss. Er tut mir furchtbar weh!«

Das Schirmende bohrte sich in seinen Rockaufschlag, die Metallspitze pikste das Fleisch knapp oberhalb der Herzgegend. Die junge Frau machte sich nicht einmal mehr die Mühe, Burke selbst anzusprechen, sondern drehte den Kopf und sagte zu dem Lakaien: »Stehen Sie nicht einfach so da, Sie ignoranter Idiot, laufen Sie und holen Sie einen Wachmann!«

Perry fiel die Kinnlade herab. Burke musste verärgert mit ansehen, wie sich seines Lakaien Gesicht verzerrte, er mit sich kämpfte, hin– und hergerissen zwischen der Loyalität zu seinem Arbeitgeber und dem Drang, dem entschlossenen Kommandoton des Mädchens zu gehorchen.

»A-aber«, stammelte der idiotische Junge. »Er wird mich rauswerfen, Miss, wenn ich das tue …«

»Rauswerfen?« Die ohnehin schon lächerlich großen, grauen Augen weiteten sich wütend. »Das würden Sie doch wohl vorziehen, nicht wahr, statt wegen Komplizenschaft bei einer Entführung im Gefängnis zu landen?«

Perry wand sich. »Nein, Miss, aber …«

Länger konnte Isabel nicht an sich halten. Burke fühlte sie auf seiner Schulter zittern. Selbst das Walknochenkorsett konnte die wilden Zuckungen ihres Bauchs nicht unterdrücken, als das Lachen aus ihr hervorplatzte.

Doch für das Mädchen mit dem spitzen Schirm klang das Lachen wie Schluchzer. Er sah, wie sich ihr blasses Gesicht, gerahmt von einem ehemals sicher teuren, nunmehr aus der Mode gekommenen Häubchen, verhärtete. Sie riss den Arm zurück, zweifellos, wie es schien, um ihm den Todesstoß zu versetzen.

Er griff nach dem letzten Strohhalm.

»Sehen Sie«, sagte er, schwang Isabel von der Schulter und stellte sie, nicht gerade sanft, neben sich auf die Füße. Dabei ließ er wohlweislich ihr Handgelenk nicht los, – er war ja nicht dumm – um sie von ihrem neuesten Trick abzuhalten, ins Dunkel der Nacht zu entwischen. »Zwar weiß ich nicht, warum ich hier so rüde verleumdet werde – und das ausgerechnet noch vor meiner eigenen Türschwelle –, aber ich bitte Sie, mir zu erlauben, Ihnen zu versichern, dass diese Situation in jeder Hinsicht ehrenhaft ist. Diese junge Frau ist zufällig meine Tochter.«

Der Schirm bewegte sich nicht. Nicht einen Zentimeter.

»Gute Geschichte«, sagte seine Besitzerin trocken.

Burke sah sich nach Wurfgegenständen um. Er befürchtete ernsthaft, gleich einen Schlaganfall zu erleiden. Womit hatte er das bloß verdient? Alles, was er wollte – alles, was er jemals gewollt hatte –, war, Isabel mit einem anständigen Kerl zu verheiraten, der sie nicht schlagen würde und nicht das Geld durchbrachte, was er ihr zugedacht hatte, sodass er – endlich – frei war, einen netten Abend mit einer angenehmen Frau wie Sara Woodhart zu verbringen. Oder mit einem Buch. Ja, einfach nur mit einem Buch vor einem schönen, prasselnden Kaminfeuer. War das wirklich zu viel verlangt?

Offensichtlich schon, solange schirmschwenkende Verrückte die Straßen von London unsicher machten.

Perry öffnete den Mund und sagte – vielleicht zum ersten Mal in seinem beschränkten Leben – etwas wirklich Nützliches. Und zwar: »Ehm, Miss? Sie – die junge Dame – istseine Tochter.«

Isabel, die mit einem Kicheranfall kämpfte, seit Burke sie auf den Boden gestellt hatte, konnte sich nicht länger beherrschen. Ihr schallendes Gelächter war wahrscheinlich auf der ganzen Straße zu hören.

»Oh«, rief sie fröhlich, »es tut mir wirklich leid! Aber das war sogenial, wie Sie Papa mit dem Regenschirm bedroht haben. Ich konnte nicht anders.«

Der Schirm wich ein Stück. Nur ein bisschen, aber merklich.
»Wenn er Ihr Vater ist«, die schmalen Augenbrauen zogen sich unter den dunkelblonden Ponyfransen verständnislos zusammen, »warum, in Gottes Namen, haben Sie so geschrien?«

»Nun ja!« Isabel verdrehte die Augen, als wäre die Antwort offensichtlich. »Weil er darauf besteht, dass ich zu Peagroves Tanzgesellschaft gehe.«

Zu Burkes absoluter Fassungslosigkeit akzeptierte die junge Frau – diese völlig Fremde, diese Verrückte – die Aussage als vollkommen normal. Wie vom Donner gerührt sah er zu, wie sich die Schirmspitze von seiner Herzgegend aus senkte, bis sie auf dem Boden stand.

»Um Gottes willen«, sagte die Frau. »Da können Sie natürlich auf keinen Fall hingehen.«

Isabel streckte die Hand vor und zog eher brutal als verspielt an Burkes Ärmel. »Siehst du, Papa? Ich hab’s dir gesagt!«

Burke war sich jetzt ganz sicher, dass er einem Schlaganfall erliegen würde. Er verstand überhaupt nichts mehr. Vor ein paar Sekunden noch hatte die junge Frau, die vor ihm stand, die Polizei holen wollen. Jetzt diskutierte sie in aller Ruhe gesellschaftliche Aktivitäten mit seiner Tochter, als hätten sie sich zum gemeinsamen Klatsch im Hutgeschäft getroffen und stünden nicht – abends um neun Uhr am nebeligsten Frühlingsabend, den er je erlebt hatte – mitten auf der Park Lane.

»Es ist ein einziges Gedränge«, versicherte die junge Frau seiner Tochter. »Lady Peagrove lädt doppelt so viele Leute ein, wie in ihr Haus passen. Es ist ein Albtraum, auch nur in die Nähe zu kommen. Und niemand, der wirklich bedeutend ist, geht hin. Nur Möchtegerne und Verwandte vom Land, mehr nicht.«

»Ich wusstees.« Isabel stampfte mit ihrem zierlichen Schuh auf, verursachte jedoch nicht das leiseste Geräusch auf dem weichen Teppich, den Perry ausgelegt hatte, damit ihre Schleppe beim Einstieg in die Kutsche nicht den Straßenschlamm mitnähme. »Ich hab’s ihm gesagt. Aber er will ja nicht auf mich hören.«

Burke wurde bewusst, dass man über ihn sprach, als sei er gar nicht anwesend, und wurde immer wütender. »Er hört ja nur auf Miss Pitt«, fuhr Isabel fort. »Und Miss Pitt hat die völlig absurde Idee, dass man unbedingt zu Peagroves gehen muss.«

»Wer ist Miss Pitt?«, fragte die Fremde dreist.

Bevor Burke ein Wort sagen konnte, antwortete Isabel: »Och, sie war meine Anstandsdame. Bis sie vor einer Stunde gekündigt hat, jedenfalls.«

»Anstandsdame? Warum um Gottes willen müssen Sie denn eine Anstandsdame haben?«

»Wenn Sie es unbedingt wissen müssen«, antwortete Burke säuerlich, »weil ihre Mutter tot ist. Deshalb. Wenn Sie uns jetzt entschuldigen würden, Madam …«

»Ha!«, unterbrach Isabel. »Das ist nicht alles, Papa.« Der Fremden vertraute sie an: »Mama ist tatsächlich tot, aber in Wahrheit stellt er Anstandsdamen für mich ein, weil erkeine Lust hat, mit mir irgendwo hinzugehen. Erwill ja all seine Zeit mit Mrs Woodhart verbringen …«

Burkes Griff um Isabels Arm wurde fester. »Perry«, sagte er, »die Tür, bitte.«

Der Lakai, der der Unterhaltung staunend und mit größerer Aufmerksamkeit gefolgt war, als er sie jemals bei Burkes Anweisungen an den Tag legte, erschrak, so plötzlich angesprochen zu werden. »M-mylord?«, stammelte er.

Burke fragte sich, ob es wohl als brutal angesehen würde, wenn er Perrys Hosenboden einen schwungvollen Tritt versetzte. Würde es wohl, entschied er.

»Die Tür«, knurrte er. »Von der Kutsche. Öffne sie. Jetzt
Der arme Lakai beeilte sich, der Anordnung seines Herrn Folge zu leisten. In der Zwischenzeit plauderte Isabel eifrig weiter, was Burke fast zur Raserei brachte.

»Oh«, sagte sie gerade, »ich habe immer und immer wieder gesagt, zu Lady Ashfort muss man gehen, aber hören sie etwa auf mich? Kein Stück. Es war ja wohl nicht verwunderlich, dass ich zu Miss Pitt unhöflich werden musste. Ich meine, wenn keiner auf einen hört …«

»Oh, ist Lady Ashforts Ball heute?« Die junge Dame stand so nonchalant auf den Griff ihres Schirms gelehnt, als sei er ein Croquet–Hammer und sie stünden auf einer Sommerwiese beim Freundschaftsspiel. »Tja, damit ist es dann wohl entschieden. Lady Ashfort darf man einfach nicht verpassen.«

»Ja, aber das Ganze ist eine Verschwörung, verstehen Sie, um mich von dem Mann fernzuhalten, den ich liebe …«

»In die Kutsche«, unterbrach Burke eisern. Er war stolz auf sich. Er hatte sie noch nicht mit Fußtritten in die Kutsche befördert, was sein erster Impuls gewesen war. Er lernte langsam, sein Temperament zu beherrschen. Und bei Gott, es hatte in den letzten paar Wochen arge Versuchungen gegeben. Aber er hielt sich unter Kontrolle. Wenn sie es nur schaffen würden, dieser redseligen jungen Frau und ihrem Schirm, ohne Blutvergießen zu entkommen, wäre er schon froh.

»Aber Papa.« Isabel sah ihn mit großen Augen an. »Ich dachte, du hättest die Dame gehört. Peagroves Tanzgesellschaft ist einfach nicht …«

»Steig in die Kutsche!«, brüllte Burke.

Isabel stolperte einen Schritt zurück, aber er war schneller. Er fing sie ein und schubste sie – ganz sanft allerdings; selbst die Xanthippe mit dem Regenschirm würde zugeben müssen, dass es wirklich sanft war – in die Kutsche. Sobald das letzte Stück Schleppe verstaut war, drehte er sich um und sagte zu der höchst erstaunten jungen Lady, die auf der Straße stand: »Guten Abend.«

Damit verschwand er in der Kutsche und bellte dem Kutscher zu, er möge sich sputen, was dieser eiligst tat.

Isabel, die sich auf dem Sitz gegenüber erholte, sagte: »Also wirklich, Papa! Es gab keinen Grund, so unhöflich zu sein!«

»Unhöflich!« Er stieß ein tonloses Lachen aus. »Das gefällt mir! Wahrscheinlich war es reine Höflichkeit, dass mich eine völlig Fremde mit ihrem Regenschirm bedroht und die Polizei holen will, als ob ich irgendein entlaufener Sträfling wäre.«

»Sie war keine völlig Fremde«, sagte Isabel und ordnete die endlosen Meter weißer Seide, aus denen ihr Rock bestand. »Sie heißt Miss Mayhew. Ich habe sie schon öfter gesehen, hier und dort auf der Straße.«

»Um Gottes willen.« Burke starrte seine Tochter fassungslos an. »Diese Kreatur wohnt auf der Park Lane? Ich kenne keine Mayhews. Zu wem gehört sie?«

»Zu den Sledges. Sie ist die Gouvernante von diesen verrückten kleinen Jungen.«

»Oh«, meinte Burke etwas besänftigt. Kein Wunder, dass er sie nicht erkannt hatte. Na ja, wenigstens dafür konnte man dankbar sein. Die Frau war bloß eine Gouvernante, sie würde nicht überall in der Nachbarschaft herumerzählen, dass Burke Traherne, dritter Marquis von Wingate, nicht mit seiner dickköpfigen Tochter zurechtkam.

Jedenfalls würde ihr niemand von Bedeutung zuhören. Mit leicht beleidigtem Unterton wollte er jedoch wissen: »Wenn du sie schon öfter gesehen hast, warum zum Teufel, wusste sie nicht, dass du meine Tochter bist? Warum dachte sie, ich wollte dich entführen?«

»Sie hat gerade erst angefangen, dort zu arbeiten«, sagte Isabel und zog sich die Handschuhe an. »Und außerdem, wann sollte sie dich schon sehen? Auf jeden Fall nicht in der Kirche, weil du nach einer Samstagnacht normalerweise erst im Morgengrauen ins Bett gehst.«

Im Licht der Öllampe, die in der Kutsche hing, warf er ihr einen wütenden Blick zu. Es schien ihm nicht angebracht, dass eine Tochter in so vertrauensseligem Ton zu ihrem Vater sprach. Das kam wohl davon, vermutete er, wenn man so jung heiratete. Sein Vater hatte ihn gewarnt. Und er hatte recht behalten. Andere Männer, die – anders als er – mit dem Heiraten gewartet hatten, bis sie die Zwanzig längst überschritten hatten, hatten keine Töchter, die sich ihnen gegenüber einen so leichtfertigen Tonfall anmaßten. Das nahm Burke jedenfalls an. Wegen seiner nicht eben tadellosen Vergangenheit – und dem daher angekratzten Ruf – hatte er nicht allzu viele Bekannte.

Doch er ging davon aus, wenn er männliche Freunde hätte, und die hätten zufällig Töchter, dann wären diese Töchter anmutige, sanftmütige Geschöpfe, Töchter, wie er sie sich immer gewünscht hatte. Diese zügellose Kreatur hingegen hatte bis vor eineinhalb Monaten ein teures Seminar für feine Damen besucht und sprach seitdem beim Dinner in dieser unhöflichen Manier mit ihm.

»Isabel«, er sprach so gleichmütig wie möglich, »was hast du mit Miss Pitt gemacht?«

Isabel musterte interessiert die Decke der Kutsche. »Falls die Kutsche bei Peagroves hält, bin ich weg. Ich warne dich im Voraus.«

»Isabel«, sagte er wieder mit solcher Geduld, dass er sich selbst bewunderte. »Miss Pitt ist die fünfte Anstandsdame, die ich in der gleichen Anzahl von Wochen für dich angestellt habe. Würdest du mir bitte erklären, was du an ihr so inakzeptabel fandest? Sie hatte so gute Zeugnisse. Lady Chittenhouse meinte …«

»Lady Chittenhouse.« Isabels Ekel war offensichtlich. »Was weiß denn die? Keine ihrer Töchter hätte jemals eine Anstandsdame gebraucht. Kein halbwegs vernünftiger Mann würde sich einer von denen auch nur nähern. Solche miserablen Teints habe ich mein ganzes Leben noch nicht gesehen. Man sollte meinen, sie hätten noch nie was von Seife gehört. Es ist ein Wunder, dass überhaupt eine von ihnen verheiratet ist.«

Burke ignorierte das. »Lady Chittenhouse«, fuhr er fort, »hat einen glühenden Empfehlungsbrief für Miss Pitt geschrieben …«

»Ach, hat sie das? Hat sie zufällig auch erwähnt, dass Miss Pitt – abgesehen davon, dass sie mit ihrem ständigen Geschwätz von ihren wertvollen Nichten und Neffen tödlich langweilig ist – dazu neigt, beim Sprechen zu spucken, besonders wenn sie versucht, mir meine – wie sie es nennt – Wildheit auszutreiben? Hat sie das auch geschrieben?«

»Wenn du Miss Pitt derart ungeeignet fandest«, Burke sprach so sanft er konnte, wobei zu berücksichtigen ist, dass er sie am liebsten erwürgt hätte, »warum bist du dann nicht zu mir gekommen und hast mich gebeten, jemand anderen einzustellen?«

»Weil ich wusste, dass du bestimmt jemand noch Schlimmeres findest.« Sie sah aus dem Fenster in die Nebelschleier auf der Straße. »Wenn du wenigstens mich mit den Kandidatinnen sprechen lassen würdest …«

Burke musste über ihren angestrengt beiläufigen Ton schmunzeln. »Und wen würdest du als geeignete Anstandsdame bezeichnen? Jemanden wie diese Miss Mayhew wahrscheinlich, das würde mich nicht wundern.«

»Was ist denn falsch an Miss Mayhew?«, fragte Isabel herausfordernd. »Wenigstens ist sie nicht so unangenehm anzusehen wie diese schreckliche alte Miss Pitt!«

»Du brauchst nicht eine, die angenehm aussieht«, knurrte Burke, »du brauchst jemand Strenges, eine, die dich davon abhält, hinter diesem erbärmlichen Saunders–Jungen herzurennen …«

Sobald diese Worte seine Lippen verließen, wusste er, dass er einen Fehler gemacht hatte. Plötzlich brach auf dem gegenüberliegenden Sitz ein Sturm los.

»Geoffrey ist nicht erbärmlich!«, rief Isabel. »Was du auch merken würdest, Papa, wenn du dir nur einen Moment Zeit nähmest, ihn kennenzulernen …«

Burke verdrehte die Augen und wandte den Blick aus dem Fenster. Unglücklicherweise steckten sie schon im Verkehr fest, und die Kutsche war umlagert von Menschen, die Blumen und bunte Bänder verkauften, von Bettlern und Prostituierten … das übliche Gesindel, welches man abends in den Londoner Straßen sah. Die Fenster waren geschlossen, sodass niemand hineinreichen konnte, aber Burke konnte ihre Hände deutlich sehen, leere Handflächen, ihnen entgegengestreckt, dreckig, gezeichnet von Arbeit und einem harten Leben. Er konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. So hatte er sich seinen Abend wirklich nicht vorgestellt. Um diese Uhrzeit wollte er eigentlich in seiner Loge im Theater sitzen. Jetzt konnte er froh sein, wenn er dort war, bevor Sara durch den Bühnenausgang schlüpfte, mitten in die Menge, die jeden Abend dort wartete, um ihr unerreichtes Talent zu verehren …

Das dachte siezumindest. Burke wusste genau, was sie verehrten, und das hatte recht wenig mit ihrem Talent zu tun.

»Ich muss Mr Saunders nicht erst kennen lernen, Isabel«, sagte Burke wiederum mit mehr Gelassenheit, als er empfand. »Siehst du, ich weiß schon alles, was es über ihn zu wissen gibt, und ich kann nur sagen: Der Tag, an dem dieser Laffe vor unserer Tür steht, ist der Tag, an dem er Blei zu schmecken bekommt.«

»Papa!« Isabel sog den Atem ein und schluchzte. »Wenn du nur zuhören würdest …«

»Ich habe mir dein endloses Geschwätz über Geoffrey Saunders lang genug angehört«, sagte Burke. »Ich will seinen Namen aus deinem Mund nicht mehr hören.« So. Das klang unerbittlich, nach strengem Verbot, so wie Väter sich eben anzuhören hatten. »Und jetzt gehen wir zu Peagroves, weil ich zufällig weiß, dass Mr Saunders dort nicht eingeladen ist.«

Isabel schluchzte erneut, diesmal noch lauter, und sagte in einer Stimme, die ihre tragische Verletztheit offenbarte: »Du meinst, du gehst zu Peagroves. Ich gehe zu Lady Ashfort!«

Und bevor er es kommen sah, hatte sich Isabel gegen die Kutschentür geworfen, schwang sie auf und wand sich in einer solch dramatischen Geste hinaus, dass selbst die unvergleichliche Sara Woodhart vor Neid erblasst wäre.

Burke, plötzlich so allein in der Kutsche, seufzte. Gott bewahre ihn vor jungen und verliebten Frauen. So hatte er den Abend nichtgeplant. Er stülpte sich den Hut auf und hievte sich aus der offenstehenden Tür auf die vor Menschen wimmelnde Straße, um seinem Kind zu folgen.

 

2. Kapitel

 

Der Hitzeschwall vom Feuer des großen Küchenofens war nicht das Einzige, was Kate Mayhew begrüßte, als sie durch die Tür schlüpfte; Posie, die Dienstmagd, stürzte ihr gleichermaßen entgegen, ein wahrer Wirbelsturm mit spitzenbesetztem Petticoat und rosigen Wangen.

»Oh, Miss«, rief Posie und eilte schnell an die Seite des älteren Mädchens, bevor diese auch nur die Tür schließen konnte. »Stellen Sie sich vor … Das erraten Sie nie!«

»Henry hat schon wieder eine Schlange in die Bademanteltasche seines Vaters getan«, sagte Kate, während sie sich die Handschuhe von den Fingern streifte.

»Nein …«

Kate öffnete die Knöpfe ihres pelzbesetzten Umhangs. »Jonathan hat zu seiner Mutter wieder dieses Wort gesagt.«

»Welches Wort, Miss?«

»Du weißt welches. Das mit anfängt.«

»Oh nein, Miss, nichts dergleichen. Es geht um jemanden, der im vorderen Salon sitzt und auf Sie wartet.«

»Wenn es Seine Lordschaft ist, so will ich das doch schwer hoffen.« Kate löste die Bänder ihres Häubchens und hängte es auf einen Holzhaken neben der Tür. »Er sollte mich bei der Matinee treffen und ich habe eine Stunde lang die gesamte Umgebung abgesucht.«

»Er sagt, er müsse wohl zur falschen Kirche gegangen sein.« Posie blieb in Kates Spur, als diese sich einen Weg durch die Küche bahnte.

»Der alte Nörgelbuff ist komplett aus dem Häuschen. Und der Master ist auch völlig daneben. Er rennt vor der Salontür auf und ab, als wolle er den Fußboden abtragen, und überlegt verzweifelt, was er sagen soll, wenn er rein geht.«

Kate blieb vor einem Spiegel am Fuß der Treppe stehen. Er hing dort, damit die Mägde ihre Kopfbedeckungen zurechtrücken konnten, bevor sie durch die gepolsterte Tür gingen und sich den Blicken im restlichen Haus preisgaben. Sie versuchte vergeblich, die Haarsträhnen zu bändigen, die ihr in die Stirn gefallen waren. Sie befand es für unnötig, sich in die Wangen zu kneifen, um sie rosig schimmern zu lassen. Das hatte schon die kühle Frühlingsbrise besorgt. Aber ihre Nase glänzte ein wenig. Eine Fingerspitze Mehl aus dem Sack in der Speisekammer, gut eingerieben, löste das Problem auf erstaunliche Weise.

»Armer Freddy«, sagte Kate. »Wie lange ist er schon hier?«

»Fast so lange, wie Sie weg waren.« Posie stand an Kates rechter Seite und sprach zu deren Spiegelbild.

»Oh je«, seufzte Kate. »Ist Mrs Sledge sauer?«

»Natürlich nicht! Sie wird sich morgen aufführen wie eine Maikönigin, wenn die Ladys vom missionarischen Nähzirkel fragen, wem die Kutsche vor der Tür gehörte, und sie antworten kann, es war der Earl von Palmer.«

»Der gekommen ist, um die Gouvernante ihrer Kinder zu besuchen?« Kate richtete die Brosche, die den Spitzenkragen der Bluse zusammenhielt. »Wohl kaum.«

»Daswird sie natürlich nicht sagen. Sie wird es klingen lassen, als wäre er ihretwegen hier gewesen …« Die gepolsterte Tür flog auf, und Phillips, der Butler, erschien am Kopf der Treppe.

Beide Mädchen erschraken. Posie war im Nu an dem großen Holztisch, auf dem ein Sortiment von Kupfertöpfen stand, und begann hastig zu polieren.

Kate hatte weniger Glück. Sie hatte in der Küche keinerlei Pflichten zu erledigen, und – nach Meinung des Butlers – dort auch überhaupt nichts zu suchen.

Angesichts dieser Unverschämtheit also sprach Phillips, die schmale Stiege herabkommend: »Miss Mayhew, ich glaube, ich habe schon mehrmals erwähnt, dass es sicherlich nicht den Erwartungen des Masters entspricht, wenn Sie den Dienstboteneingang benutzen. Als Gouvernante der Kinder ist es durchaus angemessen, dass Sie die Haustür nehmen.«

Kate öffnete den Mund und wollte dem Butler fröhlich mitteilen, dass sie den Dienstboteneingang dem Haupteingang vorzog, hauptsächlich weil – sie wäre jedoch nicht dumm genug, das laut zu sagen – sie dann meist vermeiden konnte, ihm über den Weg zu laufen. Dazu kam sie jedoch nicht; er sprach einfach weiter.

»Und wenn Sie in diesem Falle die angemessene Tür benutzt hätten«, fuhr er mit – wie Kate bemerkte – kaum unterdrücktem Zorn fort, »hätten Sie wohl wahrgenommen, dass Seine Lordschaft, der Earl von Palmer, seit fast zwei Stunden im vorderen Salon auf Sie wartet.«

»Oh, Mr Phillips«, entgegnete Kate, »es tut mir wirklich leid, Lord Palmer wollte mich heute auf einer Matinee treffen, aber wir haben uns wohl verpasst. Ich kann gar nicht beschreiben, wie …«

»In der Zukunft, Miss Mayhew«, Phillips‚ Stimme klang emotionslos wie die eines Automaten, »wenn Sie wieder Persönlichkeiten von Stand und Rang in dieses Haus einladen: Wären Sie wohl so gut, mich vorher zu informieren? Dann könnte ich nämlich den guten Brandy rechtzeitig dekantieren, um den entscheidenden feinen Unterschied zu erzielen.«

Kate erkannte, dass Phillips außer sich war. Zwar schrie er weder, noch warf er mit Sachen um sich, – ein Mann mit seiner Erfahrung würde sich zu einem solchen Gefühlsausbruch niemals hinreißen lassen – doch die Abwesenheit jeglicher Modulation in seiner Stimme zeigte Kate, wie wütend er war, fast rasend … Und das nur, weil er gezwungen gewesen war, einem Earl einen unzulänglichen Brandy zu servieren. Einem Butler von PhillipsStand war es zuzutrauen, dass er eine solche Schmach nie verwinden würde.

Außerdem würde er Kate diesen Fauxpas niemals verzeihen. Nein, mit ihnen beiden war’s das jetzt wohl. Die Tatsache, dass sie eine Katze mit ins Haus gebracht hatte, war für ihn schon eine unverzeihliche Zumutung gewesen. Katzen waren in Phillips Augen dreckige Kreaturen, höchstens für die Rattenjagd im Keller gut. Aber jetzt hatte sie ihn auch noch gedemütigt. Eigentlich konnte sie sich direkt nach einer neuen Stellung umsehen.

»Ehrlich, Mr Phillips«, begann Kate im Wissen um die Zwecklosigkeit ihres Bemühens, aber dennoch entschlossen, es mit Zugeständnissen zu versuchen, »hätte ich irgendeine Ahnung gehabt, ich hätte …«

»Bei mir müssen Sie sich nicht entschuldigen«, sagte der Butler steif. »Es ist der Master, der mit seinem Latein am Ende ist. Er hat sich bemüht, den Earl zu unterhalten, während Sie stundenlang weg waren.«

Kate verzog das Gesicht. Sie konnte schließlich nichts dafür, dass Freddy so hirnlos war, sich eine einfache Adresse nicht merken zu können. Und es war auch nicht ihr Fehler, dass er beschlossen hatte, sich in Sledges Salon niederzulassen, um auf sie zu warten. Und wie konnte Phillips es wagen, mit seinem »während Sie stundenlang weg waren« anzudeuten, dass sie sich sinnlos herumgetrieben hatte; es war schließlich ihr freier Abend. Und an ihrem einzigen freien Abend sollte es ihr wohl gestattet sein …

Aber es hatte keinen Sinn, darüber zu diskutieren. Nicht mit jemandem wie Mr Phillips.

Ihre Röcke anhebend, begann Kate, die Treppe zur gepolsterten Tür zu erklimmen. Sie musste in dem engen Treppenhaus an Phillips vorbeistreifen, aber er ignorierte sie steinern. Das war auch gut so, dachte sie, denn hätte er auch nur ein weiteres Wort gesagt … Sie war in der Laune, etwas Unbesonnenes zu tun. Sie würde dem Ekel sagen, dass sie genau wusste, dass er den guten Claret mit einem minderwertigen Brandy vertauschte und seinem Arbeitgeber dennoch die Rechnung für den teuren präsentierte.

Oder, noch schlimmer, sie würde ihn in den krampfhaft eingezogenen Bauch piksen – eine Angewohnheit, die ihre jungen Schützlinge schon imitierten.

Wie Posie schon gesagt hatte, war Mr Sledge dabei, den orientalischen Läufer vor dem Salon abzutragen. Als er Kates Schritt erkannte, blickte er auf und trat rasch an ihre Seite.

»Oh, Miss Mayhew, ich bin so froh, dass Sie wieder da sind«, brach es aus ihm hervor. »Der Earl — der Earl von Palmer, wissen Sie. Er ist hier drinnen und wartet auf Sie. Ich habe ihm die Zeitung gebracht. Ich hatte sie noch nicht weggeworfen, wissen Sie. Ich dachte, das würde ihm gefallen.«

Kate lächelte zu ihrem Arbeitgeber empor. Cyrus Sledge war – trotz seines verunglückten Namens – kein schlechter Mann. Er war bloß eine etwas trübe Tasse; er hatte eine hässliche Cousine geheiratet, ohne auch nur zu ahnen, dass sie eines Tages ein Vermögen erben würde. Jenes Vermögen, dem nun nicht nur Kate ihren Lohn zu verdanken hatte, sondern auch ein Haufen Missionare und Hunderte Eingeborene in Papua–Neuguinea ihre Schuhe und ihre Bibelexemplare.

»Ich habe mir überlegt«, flüsterte Mr Sledge, »ich könnte doch Seiner Lordschaft eines von Reverend Billings‘ Traktaten geben, wissen Sie, über die Mission. Glauben Sie, er wäre daran interessiert, Miss Mayhew? Ich habe nämlich festgestellt, dass viele der feinsten jungen Männer des Landes nicht viel Interesse für diejenigen aufbringen, die mit weniger Glück gesegnet sind. Sie haben nur die Jagd und das Theater im Kopf. Ich frage mich oft, ob es daran liegt, dass sie zu wenig wissen. Ihr Bewusstsein ist einfach nicht für die Tatsache erweckt worden, wie schlecht es den Papua–Neuguineern geht, so ganz ohne Jagd und Theater, ganz zu schweigen von einer angemessenen Würdigung Gottes …«

Kate nickte. »Ich stimme Ihnen vollkommen zu, Mr Sledge. Das nächste Mal, wenn Seine Lordschaft vorbeischaut, müssen Sie unbedingt mit ihm darüber sprechen. Ich denke, er wird sehrfasziniert sein.«

Das gewöhnlich recht fahle Gesicht Mr Sledges wurde rot vor Freude. »Glauben Sie wirklich, Miss Mayhew? Bestimmt?«

»Ganz sicher.« Kate nahm seinen Arm und führte ihn von der Salontür weg. »Ich denke sogar, Sie und Mrs Sledge sollten einen Stapel der Traktate von Reverend Billings für Freddy – ich meine natürlich, für Seine Lordschaft – zusammenstellen, damit er sie noch heute Abend lesen kann. Und wenn er das nächste Mal kommt, können Sie beide ein kleines Quiz mit ihm darüber veranstalten.«

Mr Sledge schnappte nach Luft. »Großartige Idee! Ich werde sofort Mrs Sledge Bescheid sagen. Wir haben ein paar wunderbare neue Ausgaben, wussten Sie schon, Miss Mayhew? Alles über die abstoßenden Umstände, unter denen die durchschnittliche Einwohnerin von Papua–Neuguinea gebärt, und wie Reverend Billings sich fieberhaft für die Verbesserung der Bedingungen eingesetzt hat …«

»Oh«, sagte Kate. »Das ist genau das Richtige für Seine Lordschaft.«

Mr Sledge eilte von dannen, eifrig die Hände reibend. Kate unterdrückte ihr Lachen, warf die Salontür auf und sagte: »Tja, Freddy, nun bist du dran. Mr Sledge sucht seine Traktate raus, auch die übers Gebären.«

Der große, blonde Mann, der vor dem Kaminfeuer stand, drehte sich schuldbewusst um. Kate entdeckte den Grund dafür schnell. Er hatte die Zeitungen ihres Arbeitgebers bestens zum Zeitvertreib genutzt, indem er sie Stück für Stück zu kleinen Kugeln knüllte, die er dann ins Feuer schnipste. Sie flammten auf, bevor der Sog sie den Kamin hinaufbeförderte. Auf diese Weise hatte er sich durch die Gesellschaftsseiten gearbeitet und begann gerade mit dem Wirtschaftsteil, als Kate eintrat.

»Also wirklich, Freddy«, sagte sie beim Anblick der traurigen Überreste der Zeitung, die Phillips erst am Morgen sorgfältig mit einem heißen Bügeleisen bearbeitet hatte, um die noch feuchte Druckerschwärze zu trocknen. »Du bist schlimmer als Jonathan Sledge und der ist fünf Jahre alt.«

Frederick Bishop, der neunte Earl von Palmer, streckte sein markantes Kinn vor und sagte: »Tja, Kate, es hat ja auch ewig gedauert, bis du hier warst. Ich musste mich doch irgendwie beschäftigen.«

»Es würde dir wohl nie einfallen, eine Zeitung vielleicht mal zu lesen«, sagte sie und beugte sich herab, um den Haufen zerknüllter Druckerzeugnisse zu glätten. »Zerfetzen, klar, aber nur nicht ansehen.«

»Was gibt’s da schon zu lesen?«, wollte Freddy wissen. »Bloß langweiliges Zeug über den Ärger in Indien, was weiß ich. Viel wichtiger, Kate, was hat dich so lang aufgehalten? Stunde um Stunde warte ich hier schon. Ich war bei dieser Kirche und da gab es kein Konzert. Da war nur die Frau des Vikars, ein schreckliches, gemeines Wesen, die für irgendein Festival verdorrte Zweige an einer Mauer aufhängte. Sie war völlig unverschämt, als ich fragte, wann Mahler gespielt wird. Wenn ich so darüber nachdenke, sah sie selbst aus wie ein verdorrter Zweig.«

»Du bist schon wieder zur falschen Kirche gegangen. Und es war nicht Mahler, sondern Bach.« Kate ließ sich auf einen der harten, formell wirkenden Stühle der Sledges sinken. »Die Polonaise war wunderbar.«

»Zum Teufel mit der Polonaise«, sagte der Earl von Palmer wütend.

»Also wirklich, Freddy«, lachte Kate.

»Ist mir egal«, Freddy fläzte sich auf den Stuhl ihr gegenüber. »Ich habe das Konzert verpasst, und jetzt ist es zu spät, dich zum Abendessen auszuführen. Die dämlichen Sledges werden sich bald zur Ruhe begeben und dann musst du auch gehen. Und du hast erst nächste Woche wieder einen freien Abend. Also, zum Teufel mit der Polonaise!«

Kate lachte wieder. »Du bist selber schuld, weißt du? Wann wirst du endlich anfangen, dir Adressen zu notieren, um sie zu behalten?«

»Wenn du aufhörtest, so ein Dickkopf zu sein, und mich heiraten würdest, bräuchte ich mir keine Adressen aufzuschreiben – du wärst ja immer da, mich zu erinnern«, sagte Freddy in einem Anflug von Gerissenheit.

»Tja«, sagte sie fröhlich, »du fängst das ja sehr geschickt an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in London ein Mädchen gibt, das einem Mann widerstehen kann, der sie als Dickkopf beschimpft.«

Freddy zupfte an einem Ende seines dicken, goldfarbenen Schnurrbartes. »Du weißt, was ich meine. Warum musst du so störrisch sein?«

»Ich bin nicht störrisch, Freddy«, meinte Kate. »Du weißt, dass ich dich gern habe. Aber nicht so, wie eine Ehefrau ihren Mann gernhaben sollte. Ich meine – ich bin nicht verliebtin dich.«

»Woher willst du das wissen?«, fragte Freddy. »Du warst noch nie verliebt.«

»Nein«, gab Kate ehrlich zu. »Aber ich habe schon sehr viel in Büchern darüber gelesen, und …«

Freddy machte ein unhöfliches Geräusch. »Du und deine Bücher!«

»Du solltest mal versuchen, eins zu lesen«, sagte Kate in mildem Tonfall. »Es könnte dir gefallen.«

»Das bezweifle ich. Und überhaupt, wozu ist es wichtig, dass du in mich verliebt bist? Ich bin in dich verliebt, das ist es, was zählt. Und du könntest schließlich immer noch lernen, mich zu lieben«, sprach er, langsam warm geworden. »Ehefrauen machen das ständig. Und du bist bestimmt besser darin als die meisten Frauen meiner Freunde. Du hast eine schnelle Auffassungsgabe. Zum Beispiel haben alle gesagt, dass du keine fünf Minuten als Gouvernante überstehst, und sieh mal, wie gut du es hinbekommen hast.«

»Werhat gesagt, ich überstehe keine fünf Minuten?«, verlangte Kate zu wissen, aber der Earl winkte ihre beleidigte Frage mit einer Handbewegung ab.

»Ich kann sehr liebenswert sein, musst du wissen«, teilte er ihr mit. »Virginia Chittenhouse war im letzten Frühling verrückt nach mir. Ich versichere dir, sie hat jämmerlich geheult, als ich ihr erklärte, dass mein Herz auf immer dir gehört, obwohl du außer deinem Namen keinen Pfifferling mehr hast und obwohl du dir in deinem fortgeschrittenen Alter eine beißend scharfe Zunge zugelegt hast.«

»Du hättest Virginia Chittenhouse nicht abwimmeln sollen«, sagte Kate, immer noch indigniert. »Sie hat wohl kaum eine beißend scharfe Zunge, und soweit ich weiß, ist sie gerade zu fünfzigtausend Pfund gekommen.«

Der Earl von Palmer stand auf und machte eine dramatische Geste. »Ich brauche keine fünfzigtausend Pfund! Ich brauche dich, Kate Mayhew!«

Kate beschlich ein Verdacht. »Wie viele Gläser hast du von Mr Sledges Brandy konsumiert, während du auf mich gewartet hast, Freddy?«

»Du musst sofort diese Gouvernanten-Sklaverei aufgeben und mit mir nach Paris durchbrennen«, erklärte Freddy.

»Mein Gott, Freddy, wir würden uns an die Kehle gehen, noch bevor wir in Calais ankommen, und das weißt du. Ich hoffe ernsthaft, dass du betrunken bist. Es ist die einzige logische Erklärung für dieses extrem unpassende Verhalten.«

Der Earl sank resigniert auf seinen Stuhl zurück. »Ich bin nicht betrunken. Ich bin bloß vor Langeweile fast verrückt geworden, als ich auf dich gewartet habe. Dieser Dummkopf Sledge kam alle fünf Minuten rein, um zu fragen, ob ich etwas brauche. Er hat versucht, sich mit mir über irgendein poppendes neues Guinness zu unterhalten.«

»Papua-Neuguinea«, korrigierte Kate ihn lächelnd.

Freddy machte eine wegwerfende Geste. »Was auch immer. Wo bist du gewesen, Kate? Das Konzert sollte um neun Uhr zu Ende sein.«

»Ich bin so schnell zurückgekommen, wie es möglich war. Ich musste den Omnibus nehmen, weil mir ja der Luxus deiner Kutsche versagt geblieben ist. Schließlich bist du nicht aufgetaucht.« Sie warf ihm einen tadelnden Blick zu und wollte weiteren Heiratsanträgen aus dem Weg gehen, indem sie noch hinzufügte: »Oh, das habe ich fast vergessen, ich bin auf dem Heimweg in eine außergewöhnliche Szene hineingeplatzt. Direkt hier draußen – mitten auf der Park Lane – habe ich gesehen, wie sich ein Mann eine junge Frau über die Schulter warf und versuchte, sie in eine vierspännige Kutsche zu stecken.«

Der Earl von Palmer rutschte auf seinem Stuhl herum und sein trotziger Gesichtsausdruck verdunkelte sich. »Das hast du dir jetzt ausgedacht. Du willst mich nur vom Heiratsthema abbringen. Nun, Kate, das wird dir nicht gelingen. Dieses Mal bin ich fest entschlossen. Ich habe es sogar meiner Mutter erzählt. Sie war nicht gerade begeistert, aber sie sagte, wenn ich unbedingt eine Dummheit begehen will, könne sie mich nicht davon abhalten.«

Kate beschloss, den letzten Satz zu ignorieren. »Ich schwöre dir, es ist die Wahrheit. Es war absolut unglaublich. Ich musste den Kerl mit der Spitze meines Regenschirms bedrohen, damit er sie absetzte.«

Freddy blinzelte. »War es ein Araber?«

»Ganz bestimmt nicht. Er war ein Gentleman – wenigstens gab er das vor. Er war jedenfalls so angezogen, in Abendgarderobe, und er hatte einen Haufen unterbelichteter Lakaien um sich. Er war ziemlich groß, mit sehr breiten Schultern und wilden dunklen Haaren und einem olivfarbenen Teint …«

»Ein Araber!«, rief Freddy aufgeregt.

»Oh, Freddy, er war kein Araber.«

»Woher willst du das wissen? Es könnte einer gewesen sein.«

»Erstens hat er in perfektem Queens–Englisch mit mir geredet, ohne eine Spur von Akzent. Und zweitens, einer seiner idiotischen Diener hat ihn ›Mylord‹ genannt. Und er hatte die außergewöhnlichsten grünen Augen, die ich je gesehen habe. Araber haben dunkle Augen. Seine waren hell, fast glühend, wie die einer Katze.«

Freddys Kiefermuskulatur spannte sich an. »Na, du hast ihn dir ja genauestens angesehen.«

»Natürlich habe ich das! Er stand bloß einen guten Meter von mir entfernt und so dicht war der Nebel auch wieder nicht. Außerdem kam Licht aus dem Haus.«

»Welches Haus?«

»Keine zwei Türen weiter.« Kate zeigte in Richtung der Wand links von ihnen.

Der Earl von Palmer entspannte sich sichtlich. »Oh«, sagte er und rollte die Augen, »Traherne

»Wie bitte?«

»Traherne. Er hat das Haus des alten Kellog für diese Saison gemietet. Es ist die erste für seine Tochter.«

»Ja, es hat sich herausgestellt, dass das Mädchen, das er so abscheulich behandelt hat, seine Tochter ist. Eine recht dickköpfige junge Person.«

»Isabel«, meinte Freddy und unterdrückte ein Gähnen. »Ja, ich habe sie schon öfter hier und dort gesehen. Offensichtlich ist sie genauso wild wie ihr Vater. Letztens hat sie eine öffentliche Szene veranstaltet, als sie sich in der Oper diesem mittellosen zweiten Sohn irgendeines Niemands an den Hals geworfen hat. Es war unerträglich peinlich, selbst für einen so abgestumpften Beobachter menschlichen Verhaltens wie mich. Kein Wunder, dass ihr Vater da manchmal etwas härter vorgeht.«

Kate runzelte die Brauen. »Traherne? Ich habe noch nie von einem Lord Traherne gehört. Ich habe mich länger nicht mehr in Gesellschaftskreisen bewegt, ich weiß, aber …«

»Nicht Traherne. Wingate. Burke Traherne ist der zweite Marquis von Wingate. Oder der dritte, was auch immer. Wie man sich das alles merken soll, habe ich immer noch nicht …«

»Wingate? Klingt vertraut.«

»Tja, das sollte es auch. Der Mann hat einen ziemlichen Skandal verursacht – obwohl du damals vermutlich noch zur Schule gingst. Ich war auf Eton. Ich kann mich erinnern, wie unser beider Eltern sich beim Dinner darüber unterhalten haben. Na ja, solche Sachen machen halt immer die Runde …«

»Was für Sachen?« Kate konnte Klatsch nicht leiden; sie hatte seinerzeit mehr als genug für die Klatschsucht der Gesellschaft herhalten müssen. Dennoch, diese Augen waren nicht leicht zu vergessen.

»Die Wingate–Scheidung. Man hat damals monatelang über nichts anderes gesprochen. Die Zeitungen waren voll davon …« Freddy verzog das Gesicht. »Nicht, dass ich sie lese, aber man kann schließlich nicht umhin, die Schlagzeilen zu sehen, wenn man sie zerreißt, nicht wahr?«

»Scheidung?« Kate schüttelte den Kopf. »Nein. Du musst etwas verwechselt haben. Die junge Dame – Isabel – sagte mir, ihre Mutter sei tot.«

»Ist sie auch. Starb ohne einen Penny auf dem Kontinent, nachdem Traherne damit fertig war, sie und ihren Liebhaber vor die Gerichte zu schleifen.«

»Liebhaber?« Kate riss die Augen auf. Sie konnte nicht anders. »Freddy!«

»Oh ja, es war ein ordentlicher Skandal«, sagte Freddy zufrieden. »War in einem absurd jugendlichen Alter, als er geheiratet hat, dieser Traherne, eine Liebesheirat, mit der einzigen Tochter des Duke of Wallace. Elisabeth hieß sie, glaube ich. Jedenfalls stellte sich heraus, dass es nur von seiner Seite eine Liebesheirat war. Noch nicht einmal ein Jahr nach Isabels Geburt erwischte Traherne sie – Elisabeth natürlich – in voller Aktion mit irgendeinem irischen Dichter oder so, in seinem eigenen Haus – Trahernes Haus natürlich – bei einem Ball, den sie gaben. Er warf den Kerl aus dem Fenster im zweiten Stock, soweit ich weiß, und ist am nächsten Tag direkt zum Anwalt gesaust.«

Kate schnappte nach Luft. »Oh Gott. Ist er gestorben?«

»Traherne? Natürlich nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass er es ist, den du heute Abend gesehen hast. Er hat sich seit damals sehr zurückgezogen, verständlicherweise – eine Gastgeberin, die auf sich hält, würde ihn sowieso nicht einladen. Aber ich schätze, ihm ist klar geworden, dass er sich jetzt wieder in der Gesellschaft blicken lassen muss, wenn er diese kleine Höllenbraut jemals unter die Haube bringen will.«

Kate atmete tief durch, um nicht die Geduld zu verlieren. Ihre lange Bekanntschaft mit dem Earl von Palmer hatte sie besser für eine Laufbahn als Lehrerin qualifiziert, als das eine formale Ausbildung vermocht hätte.

»Ich meinte«, sagte sie ruhig, »ist der Liebhaber seiner Frau gestorben, als Lord Wingate ihn aus dem Fenster warf?«

»Ach so«, meinte Freddy. »Nö, gar nicht. Er hat sich erholt und die Frau geheiratet, nachdem die Scheidung durch war. Natürlich konnte sich keiner der beiden mehr in England blicken lassen. Niemand wollte noch mit ihnen zu tun haben, nicht einmal ihre eigenen Familien.«

»Und das Kind?«

»Das Kind? Du meinst Isabel? Na ja, Traherne hat sie aufgezogen, natürlich. Du kannst doch nicht glauben, dass er das seiner Frau überlassen hätte. Das heißt, seiner Exfrau. Ich glaube nicht, dass sie ihr Kind jemals wiedergesehen hat. Das wird er schon zu verhindern gewusst haben. Vor Kurzem erst gab es noch einen kleinen Aufruhr, weil der alte Wallace – der Vater von Elisabeth – seine Enkeltochter sehen wollte und Traherne es verboten hat. Sehr hässlich, das Ganze, muss ich sagen.«

»Absolut.« Kate verzog angeekelt das Gesicht.

»Eine wirklich schreckliche Geschichte.«

»Es wird noch schlimmer«, sagte Freddy freudig.

»Besten Dank, ich will’s gar nicht hören.« Kate hob abwehrend die Hand.

»Aber es ist wirklich gut, ich bin sicher, es wird dir gefallen, Katie.«

Sie senkte die Hand und bedachte ihn mit einem warnenden Blick. »Du weißt, ich hasse Klatsch, Freddy. Erst recht, wenn es um die sogenannte feine Gesellschaft geht. Nichts langweilt mich mehr als die Zwiste und Zänkereien derer, die über absurden Reichtum verfügen.«

Freddy grinste erfreut. »Oh, führen wir jetzt eine Diskussion? Ich liebe es, mit dir zu diskutieren, Katie. Es ist wie in alten Zeiten.«

Kate sah ihn zornig an. »Nein, das ist es nicht. Weil es nichts zu diskutieren gibt. Es gibt bei diesem Thema keine zwei möglichen Standpunkte. Mir wird schlecht, wenn ich höre, wie wohlhabende, gebildete Menschen unfähig sind, sich besser zu benehmen als … als Straßenköter!«

»Das ist aber ein bisschen hart für den armen Traherne«, wies Freddy sie zurecht. »Wie ich gehört habe, hat er sich niemals vom Betrug seiner Frau erholt. Er ist zu einem kalten, verbitterten Schatten seines vormals lebhaften und lebensfrohen Wesens geworden.«

»Für mich sah er aber extrem lebhaft aus«, sagte Kate und dachte daran, mit welcher Leichtigkeit er sich seine Tochter über die Schulter geworfen hatte – die schließlich kein Fliegengewicht war, denn sie war einige Zoll größer als Kate und sicher um etliche Pfund schwerer.

»Oh, Mangel an weiblicher Gesellschaft hat er nicht«, versicherte Freddy. »Wie ich so mitbekommen habe, ist seine neueste Flamme Sara Woodhart. Ich hab dir doch von ihr erzählt, ich habe sie letzten Monat in Macbeth gesehen.«

Kate trennte sich von der Erinnerung an die kraftvolle Figur des Marquis und sagte: »Stimmt. Seine Tochter hat etwas von einer Mrs Woodhart erwähnt, mit der ihr Vater jetzt lieber zusammen sei, statt von Ball zu Ball hinter ihr herzutrotten.«

»Deswegen hat er ja auch eine Kompanie von Anstandsdamen für sie angestellt, die auf sie aufpassen sollen. Was scheinbar nicht so gut klappt, wie ich beobachtet habe.«

Kate schüttelte den Kopf. »Er sollte wieder heiraten. Langfristig wäre das billiger für ihn. Und ich bin sicher, dass sich in der Horde der Gesellschaftsdämchen dieser Saison eine finden würde, die dumm oder gierig genug ist, seine Tändeleien mit geistlosen Schauspielerinnen zu tolerieren.«

»Nur dass er der Ehe auf immer abgeschworen hat. Das weiß auch jeder. Er sagt, die Ehe habe sein Leben ruiniert und das werde er bestimmt nicht noch einmal mitmachen, besten Dank.«

»Oh«, sprach Kate mit wissendem Blick. »Wie originell. Ein reicher, gut aussehender Adliger, der der Ehe abgeschworen hat. Da ist doch sicherlich jede infrage kommende junge Dame in London ganz wild darauf, ihn davon wieder abzubringen.«

»Ha, siehst du?« Freddy grinste breit, lehnte sich vor und tätschelte ihre Hand. »Das war doch gar nicht so schlecht, oder? Du warst ganz gut. Ich bin ausgenommen stolz auf dich.«

Nachdem sie ihn zuerst verstört angeblinzelt hatte, verstand sie. Sie ballte die Hand, die er getätschelt hatte, zur Faust und sprang vom Stuhl auf.

»Das war nicht fair.« Sie drehte den Kopf von ihm weg und nahm eine steife Haltung ein.

»Doch, natürlich.« Freddy schien ihre Verärgerung nicht zu bemerken. Er gähnte und streckte sich vor dem Feuer. »Es war eine schöne Klatschrunde. Ich fühle mich wirklich wie in alten Zeiten.«

»Hör auf«, sagte Kate in Richtung Wand. Sie sprach so leise, dass er aufsah und erst jetzt merkte, dass sie aufgestanden war. Er sah sie verwundert an. »Es kann nie mehr so sein wie früher. Das weißt du doch.«

»Also Katie«, Freddy starrte, leicht alarmiert, auf ihren Rücken. »Jetzt fang nicht an, alles wieder auseinanderzunehmen …«

»Freddy? Wie sollte ich das nicht tun?« Ihre Stimme war fest, ohne das kleinste Zittern.

»Katie«, sagte der Earl sanft. »Tu’s nicht.«

»Ich kann nichts dagegen machen. Ich denke ständig daran. Vorgestern habe ich sogar …«

»Hast du sogar was?«, fragte Freddy.

»Oh.« Sie schüttelte den Kopf. Als sie sich wieder zu ihm drehte, schienen ihre Augen unnatürlich hell. »Nichts.«

»Kate.« Seine Stimme klang ernst; der neckende Tonfall war verschwunden. »Sag’s mir.«

Sie zuckte die Schultern und konnte ihn nicht ansehen: »Ich dachte, ich hätte ihn wiedergesehen.«

Er blinzelte. »Dachtest, du hättest wen gesehen?«

»Daniel Craven.« Die Worte, die von ihren Lippen kamen, klangen schwer; jede Silbe wie ein Ziegelstein, der zu Boden fällt. »Ich dachte, ich hätte Daniel Craven gesehen.«

Freddy war schon aufgesprungen, bevor sie zu Ende gesprochen hatte. Er kam zu ihr und nahm ihre Hand in seine. »Kate«, sagte er sanft. »Wir haben darüber schon so oft gesprochen.«

»Ich weiß«, sagte sie. Ihr Blick war auf den Teppich geheftet. »Ich weiß. Aber ich kann nichts dafür. Ich habe ihn gesehen, Freddy.«

»Du hast jemanden gesehen, der ihm ähnlich sieht. Das ist alles.«

»Nein

Kate entzog ihm ihre Hand, ging zum nächsten Fenster und teilte die Samtvorhänge. Blinden Auges sah sie auf die nebelverhangene Straße.

»Er war es«, sagte sie. »Ich weiß, dass er es war. Und obendrein, Freddy, ist er mir auch noch gefolgt.«

»Er ist dir gefolgt?« Freddy eilte an ihre Seite. »Wohin ist er dir gefolgt?«

»Genau hierhin, auf die Park Lane. Ich war mit den Jungen unterwegs …«

»Daniel Craven«, meinte Freddy skeptisch. »Daniel Craven, den niemand seit sieben Jahren in London gesehen hat, ist dir ausgerechnet diese Straße entlang gefolgt?«

»Es ist mir bewusst, dass das absurd klingt.« Kate ließ den Vorhang zurück vor das Fenster fallen und drehte sich wieder dem Feuer zu. »Du denkst, dass ich verrückt bin. Vielleicht bin ich es ja auch …«

Sichtlich besorgt betrachtete Freddy sie. »Nicht, dass ich dir nicht glaube, Kate. Es ist nur …«

Sie stand inmitten des Feuerscheins und nestelte an der Lehne ihres Stuhls herum. »Es ist nur was?«, fragte sie, ohne ihn anzusehen.

»Na ja, und wenn es wirklich Daniel Craven war. Du kannst doch nicht immer noch glauben, dass er etwas mit dem Tod deiner Eltern zu tun hat, oder? Ich dachte, wir hätten das geklärt. Was stellst du dir denn vor?« Er schüttelte den Kopf. »Dass er nach sieben Jahren zurückgekommen ist, um dich auch noch zu erledigen?«

Kate schob das Kinn vor. »Ja. Genau das habe ich gedacht. Es tut mir leid, falls du das albern findest.«

»Nun komm schon, Kate«, rief Freddy. »Sieh mich nicht so an. Du weißt doch, es gibt nichts auf der Welt, wirklich gar nichts, was ich nicht für dich tun würde. Aber diese Spinnerei über Daniel – du weißt, was die Leute damals darüber gesagt haben.«

Mit verdüsterter Miene ließ sich Kate wieder auf ihren Stuhl sinken. »Natürlich weiß ich das noch. Alle dachten, ich hätte es mir ausgedacht. Ich hatte vergessen, dass du einer von ihnen warst«, fügte sie voller Bitterkeit hinzu.

»Kate, also wirklich«, sagte er in sanft rügendem Tonfall. »Du hast schon immer sehr viel Fantasie gehabt. Das ist auch gar nicht schlimm, im Gegenteil. Ich bin sicher, bei deinen kleinen Schützlingen ist es sehr nützlich, aber …«

»Schon gut.« Kate senkte müde die Lider. »Schon gut. Ich kann Daniel Craven gar nicht gesehen haben. Ich werde es nicht wieder erwähnen. Aber was dich betrifft … du musst damit aufhören, mir Anträge zu machen. Ich kann es nicht mehr ertragen. Wirklich nicht. Ich meine, abgesehen davon, dass ich nicht in dich verliebt bin, will ich nichts mehr mit diesen Leuten zu tun haben …«

»Diese Leute«, echote Freddy. »Die feine Gesellschaft, meinst du?«

»Ich habe nie irgendetwas Feines an ihnen entdeckt«, sagte Kate steif. »Oder etwas Freundliches und Zuvorkommendes. Mein Gott, Freddy, ich bin ziemlich sicher, dass mich Cyrus Sledges Papua–Neuguineer mit mehr Mitgefühl behandelt hätten, als deine Mutter oder diese ganzen Leute, die vorgaben, meine Freunde zu sein, es jemalsgetan haben. Ich würde eine Gesellschaft, die nichts Besseres zu tun weiß, als über mich zu tuscheln, ja, mich für das verantwortlich zu machen, was mein Vater getan hat, wohl kaum als fein oder höflich bezeichnen …«

»Zur Hölle!«

Diesmal war es der Earl, der durch den Raum streifte, die Fäuste in den Hosentaschen geballt. »Ich bin gekommen, um dich auszuführen und dir einen schönen Abend zu machen, Kate«, erklärte er. Er stand hinter einem Tisch voller ausgestopfter Vögel unter halbrunden Glasbehältern. »Du solltest vergessen können, wenigstens für eine kurze Zeit. Wie kommt es nur, dass, je mehr ich versuche, dich abzulenken, wir es immer wieder schaffen, bei diesem Thema zu landen?«

Kate drehte sich auf dem harten Stuhl herum, um ihn anzusehen. Ein kleines Lächeln spielte um ihre Lippen. »Wie das kommt? Freddy, sieh dich doch um! Wir sitzen hier im Salon anderer Leute, weil ich keinen eigenen mehr habe und mich aus Angst vor dem, was deine Mutter sagen könnte, nicht in deinen wagen würde. Freddy, ich bin der lebende Beweis dafür, dass die Götter die Sünden der Väter auf die Kinder übertragen …«

»Ich dachte«, unterbrach Freddy, »dass du die Bibel nicht leiden kannst. Du hast immer gesagt, es gäbe zu wenig weibliche Rollen, als dass sie interessant sein könnte …«

»Das war kein Bibelzitat, Freddy, das war Euripides. Hast du denn niemalsin der Schule aufgepasst?«

Freddy ignorierte die Frage. »Mir ist danach, irgendetwas zu zertrümmern«, erklärte er laut.

»Na dann«, sagte Kate, »gehst du wohl besser. Ich kann es mir nicht leisten, entlassen zu werden. Die Sledges sind zwar zum Gähnen langweilig, aber wenigstens sind sie freundlich, was ich lange nicht von allen meinen vergangenen Arbeitgebern sagen kann.«

»Zur Hölle«, sagte Freddy wieder und wandte sich gerade zum Gehen, als sich der Türknopf drehte und ein sehr nervös wirkender Cyrus Sledge den Kopf hereinsteckte.

»Oh, mein lieber Lord Palmer«, sagte er und wedelte mit einer Hand voll Pamphlete, »ich sehe, Sie wollen gehen. Bevor Sie das tun, bitte, nehmen Sie einige dieser Traktate. Wenn Sie möchten, meine ich. Sie erleuchten vorzüglich ein Thema, von dem ich sicher bin, dass es einen jungen Mann wie Sie faszinieren wird. Das unglückselige Schicksal der Papua–Neuguineer …«

Der Gesichtsausdruck des Earls sagte Kate, dass ihr Brotgeber besser daran täte, die Traktate bis zum nächsten Mal aufzusparen. Sie beeilte sich, aufzustehen und ihm das zu Bewusstsein zu bringen.

»Oh, Mr Sledge«, sagte sie. »Lord Palmer geht es nicht so gut. Er hat ein wenig Kopfschmerzen. Vielleicht ein anderes Mal …«

»Kopfschmerzen?« Cyrus Sledge maß die robuste Erscheinung des Earls mit einem schiefen Blick. »Wissen Sie, wie die Papua–Neuguineer Kopfschmerzen kurieren, Sir? Sie kauen eine bestimmte Baumrinde, spucken die vorverdauten Stücke in ein großes Lehmgefäß mit einem Deckel von mastoider Form, dessen Inhalt einige Tage in der Hitze fermentiert …«

»Kate«, sagte Freddy mit erstickter Stimme.

Kate legte beruhigend eine Hand auf seinen Arm. »Es ist alles in Ordnung, Freddy«, sagte sie sanft. »Wenn Sie mich entschuldigen, Mr Sledge, ich bringe Seine Lordschaft nur kurz zur Tür.«

»Er hat ›mastoid‹ gesagt, Kate«, zischte Freddy, während sie ihn zur Tür lotste, wo Phillips bereits mit Hut, Stock und Umhang des Earls wartete. »Er hat ›mastoid‹ gesagt!«

»Es ist nicht, was du denkst, Freddy. ›Mastoid‹ heißt ›warzenartig‹. Das ist alles.«

»Oh.« Erleichtert ließ Freddy den Butler den Umhang um seine Schultern drapieren. »Ich dachte … ich dachte …«

»Ich weiß, was du dachtest«, sagte Kate. »Denk nicht mehr dran.« Sie reichte ihm Stock und Handschuhe, während er seine Kopfbedeckung fest auf das kurze blonde Haar drückte. »Ich sehe dich nächste Woche. Hol mich um sieben Uhr ab.«

Freddy nickte. »Ja, das ist wohl besser. Es klappt ja doch nicht, wenn wir versuchen, uns irgendwo zu treffen.«

»Nein«, stimmte sie zu. »Nicht, wenn du nie daran denkst, eine Adresse zu notieren. Gute Nacht, FrBalustrade im ersten Stock und fragte mit trällernder Stimme: »Hat er die Traktate mitgenommen, mein Liebster?«

Cyrus Sledge sah bedrückt auf die Pamphlete herab, die er in der Hand hielt. »Nein, mein Liebling«, rief er traurig zurück, »hat er nicht.«

Angesichts dieser Enttäuschung konnte Kate nicht anders, als zu behaupten: »Doch, hat er wohl. Als Sie nicht hingeschaut haben, habe ich ein paar von denen, die auf dem Tischchen beim Eingang lagen, in die Tasche Seiner Lordschaft gesteckt.«

Mrs Sledge sog hörbar den Atem ein. »Dann wird er sie wahrscheinlich noch heute Abend finden, wenn er sich auskleidet!«

Kate schaffte es auf bewundernswerte Weise, ein unbewegtes Gesicht zu machen. »Das ist höchstwahrscheinlich, Madam«, sagte sie.

»Und er wird sie noch lesen, bevor er schlafen geht.« Mr Sledge war glücklich. »Und wenn er eingeschlafen ist, wird Seine Lordschaft von den Papua–Neuguineern träumen! Meinen Sie nicht, Miss Mayhew?«

»Ich kann mir kaum vorstellen, dass er von etwas anderem träumen kann«, sagte Kate ehrlich, »wenn er die Traktate gelesen hat.«

Die Sledges zogen sich in ihr Gemach zurück, wobei sie sich gegenseitig beglückwünschten, einen neuen Anhänger des wundertätigen Reverend Billings geworben zu haben. Damit ließen sie Kate mit Butler Phillips allein zurück.

»Miss Mayhew«, sprach Mr Phillips, während er die Vordertür abschloss.

»Ja, Mr Phillips?«, antwortete Kate vorsichtig.

»Am früheren Abend, als wir unten ein paar Worte wechselten …«

Sie konnte es kaum fassen, war er tatsächlich im Begriff, sich für seine Unverschämtheiten zu entschuldigen? Misstrauisch fragte sie: »Ja, Mr Phillips?«

»… habe ich vergessen, etwas zu erwähnen.« Er drehte sich um und sah sie an. »Könnten Sie in Zukunft dafür sorgen, dass diese Kreatur, die Sie besitzen, auf Ihr eigenes Zimmer beschränkt bleibt? Heute Morgen habe ich einen Haarballen in einem meiner Schuhe entdeckt.«

Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und steuerte die gepolsterte Tür an.

Kate fühlte sich plötzlich sehr müde. Sie lehnte sich gegen die Wand. Gut, dachte sie bei sich. Ab jetzt würde sie sich an ihren freien Abenden nur noch in ihrem Zimmer einschließen, allein mit einem Buch.


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Patricia Cabot ist das Pseudonym der amerikanischen Autorin Meg Cabot, die in Bloomington, Indiana geboren ist. Ihre über 80 Romane und Jugendbücher haben sich weltweit über fünfundzwanzig Millionen Mal verkauft, darunter mehrere internationale Bestseller. Meg Cabot lebt mit ihrem Mann und mehreren Katzen in Key West.