Emma Finch über ihren spannenden neuen Roman


Worum geht es in deinem Buch
Die Spur der Kristalle?

In meinem Roman geht es um die junge Lehrerin Caitlyn Brown, deren Leben genauso normal erscheint wie ihr Nachname: Sie lebt in einer Kleinstadt im südenglischen Surrey zusammen mit ihrem Vater Richard, ihrem Bruder Henry und dessen Frau. Ihre Mutter starb zehn Jahre zuvor an Krebs.

Autorin Emma FinchObwohl es eine seltsame Häufung sonderbarer Ereignisse in den Sommerferien ist, erkennt sie zunächst keinen Zusammenhang zwischen der denkwürdigen Begegnung mit einem Mann im schwarzen Anzug, dem plötzlichen Todesfall mitten im Londoner Hyde Park und dem  Päckchen ohne Absender, das ihr während eines Kurztrips zugestellt wird.

Das ist natürlich nur der Anfang einer Reihe von Begebenheiten, die sie auf die walisische Insel Anglesey, ins Britische Museum, in den Snowdonia Nationalpark und ins Back Country führen. Außerdem hat nicht nur ihr neuer Chef Leichen im Keller, sondern auch ihr Pate, der Duke of Anglesey, hütet brisante Geheimnisse.
So dauert es eine Weile, bis sie die Teile wie Puzzlestücke zusammensetzt, und erkennt, dass nicht der Zufall und erst recht nicht sie selbst die Spielregeln bestimmen. Erst, als sie durch alte, in Sütterlin geschriebene Briefe mehr über das Schicksal ihrer deutschen Großmutter und deren Familie erfährt, begreift sie, dass sie Teil eines größeren Plans ist, der es in sich hat …

 

Was brachte dich auf die Idee zur Geschichte?

Als erstes gab es den „Mann im schwarzen Anzug“ in meinem Kopf, der auf einer belebten Straße mit einer Frau zusammenstößt. Irgendwie war mir klar, dass diese Begegnung kein Zufall ist, und da man als Autorin notorisch neugierig ist, habe ich die zwei sehr gründlich im Auge behalten.

 

Woher kommt deine Faszination für geheimnisvolle Geschichten?

Brief Konrad an Karo vergilbt - pingErbgut, nehme ich an. Meine Oma hat mir früher jedes Mal, wenn ich bei ihr übernachten durfte, spannende und manchmal auch unheimliche oder mysteriöse Geschichten erzählt. Sie wohnte im Wald und wenn wir abends in ihrem riesigen Bett mitten zwischen den dicken Federbetten lagen und draußen die Bäume rauschten, rutschte ich immer tiefer zwischen die Kissen. Aber wehe, sie hörte auf zu erzählen oder vertröstete mich, ich musste doch wissen, wie es weitergeht!

Irgendwann habe ich angefangen, mir selbst Geschichten zu den Geschichten auszudenken oder Geschichten weiterzuspinnen, die ich gelesen hatte. Bis ich begonnen habe, die dann auch aufzuschreiben hat es aber sehr lange gedauert, denn irgendwie war ich immer der Meinung, das machen nur andere.

Bis heute liebe ich Geschichten mit vielschichtigen Geheimnissen und Verwicklungen und interessanten Figuren.

 

Was war für dich die größte Herausforderung beim Schreiben?

Die größte Herausforderung war und ist jedes Mal aufs Neue, die Ideen zu der Geschichte, die sich ja wie im echten Leben mehrdimensional in Raum und Zeit abspielt, in eine sinnvolle Erzählreihenfolge zu bringen, die zwischen zwei Buchdeckel passt. Ideen neigen ja auch häufig dazu, nicht in passender Reihenfolge aufzutauchen, sodass man nicht nur ständig ein Auge auf die logischen Zusammenhänge haben, sondern den Plot auch flexibel anpassen muss. Meine LeserInnen möchten ja verstehen, worum es geht und nicht mit Fragezeichen im Gesicht dasitzen.

Außerdem finde ich manchmal schwierig zu entscheiden, was wirklich wichtig für die Geschichte ist und was man auslassen kann. Manche Szenen, die ich mir ausdenke, passen leider nicht wirklich zum Plot. Manchmal kann man sie umschreiben und trotzdem verwenden, andere sollten dann doch besser ausgelassen werden. Diese Entscheidung zu treffen ist gar nicht so leicht.

 

Hast du eine Fortsetzung geplant?

Die ist in Arbeit und erscheint Ende des Jahres. Ich kann die arme Caitlyn ja nicht einfach an der Klippe hängen lassen …

  

Welche der Schauplätze hast du schon selbst bereist?

In Südengland und London bin ich bereits gewesen und habe dort viele Inspirationen gefunden. Wales und Anglesey stehen in jedem Fall auch noch auf meiner Liste, doch leider hat meine Zeit bisher noch nicht dafür gereicht.

Pottenstein kenne ich auch, da ich in Franken lebe und dann kenne ich natürlich meine Heimatstadt Dortmund wie meine Westentasche.

Ach ja und nicht zu vergessen die Ysgol Glasmaris – die gibt es zwar nicht wirklich, aber wem das Kloster Maulbronn ein Begriff ist, der wird viele Gemeinsamkeiten entdecken. Auf meiner Homepage gibt es auch ein paar Bilder dazu.

 

Wie sahen deine Recherchen zum Roman aus?

Wie immer, wenn ich recherchiere, surfe ich zunächst mit unterschiedlichen Ideen kreuz und quer durchs Internet, lasse mich inspirieren und lese dann gezielt nach, was ich für geeignet halte.

Zu verschiedenen Themen suche ich mir natürlich auch Experten, denn Lesen alleine bildet zwar, aber ein guter Rat oder Hinweis sind Gold wert. So hat mir eine Kunsthistorikerin den Grundriss des Internats auf Grundlage der Klosteranlage in Maulbronn entworfen und mir außerdem eine wunderbare Ausstellung im Britischen Museum konzipiert, die genau zum Plot passt. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihr Ideen-Ping-Pong zu spielen.

Tatsächlich beschreibe ich auch ein paar Dinge im Roman, die echt sind. Liese, die Kuh, beispielsweise und Prinz, der Spitz, die gab es wirklich und ebenso den tragischen Unfall der kleinen Elisabeth, die nur drei Jahre alt wurde. Außerdem habe ich die Erlebnisse verschiedener mir bekannter Personen als Impulse für Ereignisse und Figuren des Romans genommen.

Gründliche Recherche ist schließlich das Salz in der Buchstabensuppe eines Romans.

 

Mit welcher Figur aus Spur der Kristalle würdest du gern mal für einen Tag tauschen?

Oh je, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, ich würde mit allen Hauptfiguren gerne einmal für einen Tag tauschen. Beinahe jede(r) von ihnen hat nämlich Geheimnisse, die sie selbst mir noch nicht verraten haben und die würde ich doch ganz gerne mal kennen.

Aber wenn ich mich nur für eine entscheiden sollte, dann wäre es Emrys, der Duke of Anglesey. Selbstverständlich kennt er die Queen persönlich und wer würde der nicht mal gerne einen informellen Besuch zum Cream tea abstatten? Scones, clotted cream und Erdbeermarmelade inklusive. Milk in first or tea in first?

 

Und mit welcher Figur würdest du auf keinen Fall tauschen wollen?

Spoiler! Daher nur so viel: Mit dem/den Antagonisten. Auf keinen Fall! Nicht mal für eine Minute.

 

Was hast du bisher veröffentlicht?

Neben rund einem Dutzend krimineller Kurzgeschichten habe ich unter meinem richtigen Namen Sabine Fink drei Regionalkrimis um die Erlanger Kommissarin Maria Ammon und ihre kölsche „Azubine“ Michelle Schmitz geschrieben.

In „Kainszeichen“, in dem Maria allerdings noch nicht die Hauptfigur ist, geht es um Bausünden, die den Bauleiter das Leben kosten, als er ihnen auf die Spur kommt. Als seine Verlobte zufällig auf Ungereimtheiten im Zusammenhang mit seinem Tod stößt, und die Bauunternehmer, ein Brüderpaar, damit konfrontiert, gerät sie selbst in Lebensgefahr.

Der Feind deines Feindes ist dein Freund – das ist das Motto von „Judasbrut“, in dem nicht nur die Erlanger Bergkirchweih in Gefahr ist. Maria und Michelle haben bei dieser Geschichte alle Hände voll zu tun, herauszufinden wer Feind und wer Freund ist – und wer Verräter.

In „Dreikampf“ wird der Triathlon im fränkischen Roth von Todesfällen überschattet, bei deren Aufklärung Maria nicht nur ziemlich langen Atem beweisen muss, sondern selbst auf eine Weise involviert wird, die ihr ziemlich an die Substanz geht.

  

Welches Buch liest du gerade?

Ich lese gerade den Thriller „City of endless night“ aus der Agent-Pendergast-Reihe des amerikanischen Autorenduos Douglas Preston und Lincoln Child.

Da ich mich nie mit dem Genre beschäftigen kann, in dem ich auch schreibe, halte ich mich wieder einmal im literarischen Ausland auf.

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Emma Finch wurde Ende der 60er am Rande des Ruhrgebiets geboren. Bereits in der Schule schlüpfte sie gern in andere Rollen, doch anstatt Theater spielt sie seit einigen Jahren mit den Figuren in ihrem Kopf. Während ausgedehnter Wanderungen vermischt sie Realität und Fiktion zu spannenden Plots und würzt sie mit einem Schuss Romantik. Beruf und Freizeit führten sie schon kreuz und quer durch die Weltgeschichte.
Besonders gern lässt sich sich von der wildromantischen Landschaft des Vereinigen Königreichs inspirieren. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie mit Familie und Hund in Mittelfranken und schreibt unter ihrem richtigen Namen Sabine Fink Regionalkrimis um die Erlanger Kommissarin Maria Ammon und mörderische Kurzgeschichten.