Racing Love – Auf der Zielgeraden ins Glück

Kapitel 1

Samstag, 14. Oktober 2017

„Wenn du mich noch einmal in so eine peinliche Situation bringst, leg ich dich übers Knie und versohle dir den Hintern.“ Marc zischte das Versprechen über seine Schulter der jungen Frau zu, die hinter ihm in Deckung gegangen war. Für den Ärger, den sie verursacht hatte, hätte sie noch Schlimmeres verdient.

„Oh, damit forderst du mich nur heraus.“ Sie schmiegte ihre Kurven an seinen Rücken und beugte sich zu seinem Ohr. „Ich bin ein böses Mädchen gewesen. Willst du mich bestrafen?“

Er wurde von ihrer Nähe peinlicherweise aus dem Konzept gebracht. Trotzdem bekam er genug mit, um den Angriff zu bemerken. Einer der drei Kerle stürmte auf ihn zu. Marcs gezielter Kinnhaken schickte ihn zu Boden, wo er gleich lallend liegen blieb. Die beiden anderen Betrunkenen, die er daran gehindert hatte, Elaisa zu belästigen, wichen vor Marc zurück. Anscheinend war ihnen klar, dass sie in ihrem Zustand keine Chance gegen ihn hatten.

„Schlimm genug, dass ihr euch betrunken vor einer Frau danebenbenehmt“, schimpfte Marc. „Aber euch gleich zu dritt auf sie zu stürzen, sodass sie keine Chance hat, vor euch zu flüchten? Schämt euch!“

Die drei Männer wirkten nicht schuldbewusst. Anscheinend waren sie immer noch der Meinung, Elaisa wäre auf der Suche nach Abenteuer gewesen. Vermutlich dachten sie, die junge Frau hätte es darauf angelegt. Marc fragte sich ebenfalls, was sie in dieser heruntergekommenen Sportsbar zu suchen hatte. In ihrem knappen Outfit zog sie jede Menge Aufmerksamkeit auf sich.

„Wie kräftig du bist! Da werde ich ganz schwach“, murmelte Elaisa in sein Ohr.

Er unterdrückte ein Seufzen und wandte sich halb zu ihr um. „Nicht der richtige Zeitpunkt.“

„Lenke ich dich etwa ab?“

„Ich stehe nicht auf billige Betthäschen. Du machst es mir zu leicht.“

Nun, das stimmte zumindest in den letzten Wochen nicht mehr. Unnötigerweise hatte Marc Greta damals versprochen, sich von anderen Frauen fernzuhalten. Doch davor wäre er bestimmt auf dieses Spielchen eingestiegen. Er hätte ihre Situation für sein Vergnügen schamlos ausgenutzt. Jetzt allerdings fragte er sich lediglich, wie er ihr rasch helfen konnte. Ganz offensichtlich wurde er langsam weich. Er schüttelte sie ab.

„Aber sonst ist noch alles intakt in deinem Hinterstübchen?“, fragte Elaisa und stemmte die Hände in die Hüften. Dass sie sich in dem engen Fetzen, der sich nicht Kleid nennen durfte, überhaupt bewegen konnte, war ein Wunder. Ihre braunen Augen blitzten und sie warf ihre lange, dunkelbraune Mähne mit einer wütenden Kopfbewegung nach hinten. Kaum war sie gerettet, fand sie zu ihrer Kratzbürstigkeit zurück. „Jemandem wie mir bist du gar nicht gewachsen.“

„Ich nehme es gerne mit dir auf“, verkündete der Kerl, der die junge Frau zusammen mit seinen beiden Freunden belästigt hatte.

„Habt ihr immer noch nicht genug?“, blaffte Marc die beiden Männer an.

Die Kerle wirkten, als wollten sie sich mit Marc anlegen. Der Mann, den Marc auf die Bretter geschickt hatte, kam taumelnd auf die Füße, sodass seine Freunde ihn stützen mussten. Ihre Augen funkelten angriffslustig. Die Hände hatten sie zu Fäusten geballt. Doch dann glitt ein überraschter Ausdruck über das Gesicht des einen Typen. Ganz offensichtlich hatte er Marc erkannt.

Verdammt! Marc beschloss, sich aus dem Staub zu machen, als sein Gegner in seiner Hosentasche nach seinem Handy fischte. Hastig zog Marc sich sein Basecap tiefer ins Gesicht. Er hasste es, wenn Bilder von ihm im Internet auftauchten. Zumindest wenn er in den dazugehörigen Berichten nicht gut wegkam. Vielleicht hatte er Glück und er war im Dämmerlicht der Bar nicht zu erkennen.

„Du musst dich entscheiden. Auf der Stelle!“, befahl Marc in Elaisas Richtung. „Entweder du verschwindest jetzt gleich mit mir oder du setzt dich alleine mit den betrunkenen Kerlen auseinander. Ich bin in drei Sekunden hier raus.“

„Die Gesellschaft in diesem Laden ist nicht nach meinem Geschmack“, erklärte sie und hängte sich bei ihm unter. Elaisas Stimme klang überheblich. Die Angst war fast nicht herauszuhören. Taffes Mädchen.

„Schönen Abend noch, Jungs.“ Mit wehmütigem Seufzen sah Marc zu dem halbleeren Glas Bier, das er am Tresen zurückgelassen hatte. Die Frau daneben, die kurz davor gewesen war, sich von ihm abschleppen zu lassen, wirkte nicht, als hielte sie ihn für einen Helden. Vielleicht störte sie die Art und Weise, in der Elaisa sich enger an seine Seite schmiegte.

Wäre dieser unausstehliche Wildfang nicht zufälligerweise die Tochter seines Chefs, hätte er sie jetzt einfach stehen lassen. Hatte er nicht bereits genug gelitten, als einer dieser verdammten Betrunkenen seinen ersten und einzigen Treffer an Marcs Kinn gelandet hatte? Wenigstens hatte Marc sein Gesicht wahren können, als er den anderen ein paar Sekunden später auf den Boden geschickt hatte.

„Bist du traurig, deine Freundin zurücklassen zu müssen, oder warum kannst du dich nicht von dem Laden trennen?“, fragte Elaisa. Sie grinste schadenfroh.

„Ich habe nur gerade überlegt, welchem der beiden Kerle ich dich überlasse.“ Er wandte sich ab und trat mit ihr im Schlepptau ins Freie. „Wo musst du hin?“

„Dorthin, wo du auch hingehst. Ich will nicht riskieren, dass die Kerle mich erwischen.“

„Dann lass uns die Straße runtergehen. Mal sehen, ob wir eine Bar finden. Meine schlechte Laune verlangt nach einem neuen Bier.“

Er lief einfach weiter. Als Elaisa ihm auf ihren hohen Schuhen nachtrippelte und sich schließlich bei ihm unterhängte, hob er eine Augenbraue.

Sie bemerkte seinen Blick. „Anders krieg` ich dich bestimmt nicht dazu, langsamer zu marschieren.“

Aus einem ersten Impuls heraus wollte er sich losreißen, doch dann drosselte er sein Tempo.

„Warum hast du dich mit den Typen angelegt?“

„Ich?!“ Ihre Stimme überschlug sich. „Die waren der Meinung, sie hätten eine Chance bei mir. Ich habe sie nicht aufgefordert, sich wie Höhlenmenschen auf die Brust zu trommeln, um zu zeigen, wie männlich sie sind. Die haben sich dämlich benommen.“

„Du solltest besser auf dich aufpassen. Das hätte ganz schön ins Auge gehen können.“

Sie streichelte mit der freien Hand über seinen Oberarm und schmiegte sich enger an ihn.

„Du hast mich doch gerettet. Was soll mir da schon passieren?“

„Dieses Mal war ich zufällig anwesend. Aber wenn du ständig in diesem Aufzug vor Fremden mit deinem Hintern wackelst, kann das auch mal schiefgehen.“

„Vielleicht schlage ich meinem Daddy vor, er soll dich zu meinem Bodyguard ernennen“, überlegte sie mit einem Lachen.

Diesen Vorschlag fand er gar nicht witzig. „Ich habe Besseres zu tun. Dein Vater bezahlt mich dafür, Rennen für sein Team zu gewinnen, falls dir das nicht klar sein sollte.“

„Na, dann wundert es mich, dass du noch nicht pleite bist.“

Sie ließ ihn los und lief weiter neben ihm her.

Ganz schön frech für jemanden, der ohne ihn immer noch von drei betrunkenen Männern belästigt werden würde. Oder Schlimmeres. Er beschloss, ihren beleidigenden Kommentar zu ignorieren.

„Ich meine es ernst. Wenn du Party machen willst, gibt es bessere, sicherere Orte.“

„Langweiligere. Benutz die richtigen Vokabeln.“ Sie schnaubte. „Diese Predigt muss ich mir sonst von meinem Vater anhören. Sie lässt dich furchtbar alt erscheinen. Dabei hattest du genau genommen genauso wenig in dieser Bar zu suchen wie ich. Warst du auf Ärger aus?“

Das kam der Sache ganz schön gefährlich nahe. Hätte er nicht zufällig die Frau an der Bar kennengelernt, wäre eine Prügelei genau das gewesen, was er gebraucht hätte.

„Darf ein Mann auf der Suche nach weiblicher Gesellschaft nicht machen, was er will?“

„Dann stimmt es wohl, dass du nicht mehr mit deiner Freundin zusammen bist.“

„Ich hatte keine Freundin“, blaffte er.

„Scheint dir zu schaffen zu machen, dass dein Bruder nicht so lange gezögert hat, sich Greta zu schnappen.“

Abrupt blieb er stehen. „Woher weißt du das?“

„Man tratscht über diese Sache und mir bleibt sowas natürlich nicht verborgen. Hast du vergessen, dass ich die Tochter des Teamchefs bin?“ Ihre Stimme klang amüsiert. Ob es ihr gefiel, ihn getroffen zu haben?

Er fixierte dieses seltsame Blau-Braun ihrer Augen, versuchte darin zu lesen. Aber aufgrund der vielen Schminke konnte er nicht mit Sicherheit sagen, was sie wirklich dachte. Bestimmt sah sie auch ohne diese Maskerade gut aus. Ob sie Kontaktlinsen trug, um diesen ständigen Wechsel ihrer Pupillen von Blau zu Braun zu erzielen?

„Das werde ich nie vergessen“, erklärte er schließlich. „Glaub mir.“

„Dann kannst du mir auch gleich verraten, was wirklich los ist. Ich erfahre es ohnehin als eine der Ersten.“

Als sie sich wieder bei ihm einhängte, wollte er seinen Arm wegziehen. Doch dann ging er einfach weiter. Sie konnte nichts für seine Frustration. Sie war ihm lediglich zum falschen Zeitpunkt über den Weg gelaufen. Vielleicht war sie sogar recht nett, wenn man sie erst näher kennenlernte. Aber er würde ihr gegenüber nie unbefangen sein. Er durfte mit ihr nicht offen reden. Schließlich war nicht abzuschätzen, was sie alles an ihren Vater weitertrug.

„Bist du eifersüchtig auf Greta und Thimo?“, stocherte sie weiter.

„Nein! So ein Blödsinn.“

„Warum hast du dann alles daran gesetzt, um ihn aus dem Team zu kicken? Von außen hat es nicht den Anschein, als würde diese Dreierkonstellation funktionieren.“

Konnte sie nicht einfach die Klappe halten? Sie hatte kein Recht, ihn gerade jetzt auf die Fehler hinzuweisen, die er gemacht hatte. Das alles war ärgerlich genug.

„Es geht dich nichts an“, blaffte er.

„Wenn mein Vater sich Sorgen macht, dann hat das auch Auswirkungen auf mich. Ich möchte bloß wissen, ob er in nächster Zeit durchgehend schlechte Laune haben und noch eindringlicher fordern wird, dass ich mich benehme.“

„Ich werde diese Sache schon zu deiner Zufriedenheit regeln“, stellte er klar. „Schließlich hat es höchste Priorität für mich, dass die verzogene Tochter meines Bosses von meinen Problemen nicht beeinflusst wird.“

„Probleme also? Habe ich es doch geahnt, dass ich auf eine Familientragödie gestoßen bin.“

So konnte man es auch ausdrücken. Zumindest hatte er es dazu gemacht. Er wusste, dass er sich irgendwann für sein Benehmen in den letzten Wochen entschuldigen musste. Vielleicht benahm er sich oft wie ein Idiot. Gerne spielte er den harten Kerl. Aber er war kein Trottel. Er bemerkte, wenn er zu weit ging. Und für sein Verhalten Greta gegenüber schämte er sich. Thimo hingegen … Sein Bruder hatte ihn tief verletzt. Irgendwann würde Marc ihm erklären müssen, was in ihm vorgegangen war, als er von der gemeinsamen Nacht von Greta und Thimo erfahren hatte und warum ihm diese Tatsache so zu schaffen machte.

Seit sein Versuch, Greta und Thimo auseinanderzubringen, gescheitert war, hielt er sich von den beiden fern. Eine Erklärung für sein Verhalten wollte nicht über seine Lippen kommen. Er wusste, dass es auf Dauer nicht reichen würde, ihnen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen und – wenn das doch einmal nicht gelang – sich auf belangloses Geplauder zu beschränken. Irgendwann mussten sie lernen, wieder normal miteinander umzugehen. Und dazu war es notwendig, dass er endlich ganz ehrlich zu Thimo war.

Aber das weckte Erinnerungen an Geschehnisse, die er tief in seinem Inneren weggesperrt hatte. Wie Luftblasen stiegen sie aus dem schwarzen Morast, in dem er sie vergraben hatte. Wenn sie aufplatzten, gaben sie die darin eingeschlossenen Gefühle frei. Der Anflug von Hass, Schmach und Trauer ließ ihn die Zähne zusammenbeißen. Die Spannung in seinem Körper nahm ein Ausmaß an, das all diese Emotionen gleichzeitig freisetzen wollte. Ließe er das zu, würde er sich in diesem dunklen Chaos verlieren. Er wäre zu Dingen fähig, die andere verletzen würden. Nicht nur seelisch. Er würde zu einem wütenden, gefährlichen Racheengel.

Jeder Atemzug fiel ihm schwer. In seinen Ohren rauschte es. Übelkeit verknotete seinen Magen. Er konzentrierte sich auf seine Schritte, das Gefühl von Elaisas Körper an seiner Seite, die Geräusche der vorbeifahrenden Autos. Sein Blick suchte einen Gegenstand, an dem er sich festhalten konnte.

Er fixierte eine Straßenlaterne ein Stück weiter und sog tief Luft in seine Lungen. Langsam ließ die Anspannung in seinem Inneren nach.

„Marc? Hörst du mich?“

Noch einmal tief einatmen, dann drehte er den Kopf Elaisa zu. Sie beobachtete ihn mit neugierigem Gesichtsausdruck.

„Klar“, brummte er.

„Ich hab` dich dreimal ansprechen müssen. Und dein Körper stand scheinbar unter Strom. Ist alles in Ordnung?“

„Lass mich in Ruhe“, blaffte er.

„Keine Gespräche über deine Ex. Ich habe verstanden. Trotzdem stimmt doch etwas nicht mit dir. Das gerade war doch kein Hirnschlag oder sowas Ähnliches?“, fragte sie. Klang sie tatsächlich besorgt?

„Hast du eigentlich irgendetwas zu tun, wenn du dich nicht in das Leben fremder Menschen einmischst? Nach den Bildern von dir in der Klatschpresse zu urteilen, scheinst du dich ziemlich zu langweilen. Nichts Ordentliches gelernt, was?“

Sein Versuch, sie zu provozieren, prallte ohne Wirkung an ihr ab. Sie zuckte bloß mit den Schultern.

„Wozu arbeiten, wenn ich von Papa alles kriege, was ich brauche? Und It-Girl wird man auch nicht von heute auf morgen.“

Mit diesen neumodischen Begriffen verschwendete sie bei ihm bloß ihren Atem. Er mochte Menschen mit festen Zielen, die hart dafür arbeiteten. An ihr entdeckte er keinerlei Zielstrebigkeit. Spielte sie das nur vor oder war sie tatsächlich so oberflächlich?

„Es ist kalt“, meinte sie aus dem Nichts.

„Wir haben schon Herbst. Dafür sind die Temperaturen passabel.“

Die Bäume verloren ihre Blätter. Die Vögel hatten sich wohl schon in den Süden verzogen. Doch hier in der Stadt merkte man wenig von den Vorboten des Winters.

„Mir ist kalt“, erklärte Elaisa erneut.

Daher wehte der Wind. „Das tut mir leid.“

„Mir ist sehr kalt.“

Er unterdrückte ein Grinsen. Glaubte sie, er würde für sie den Gentleman spielen, ohne dass sie ihn vernünftig darum bat?

„Dann hättest du wohl mehr anziehen sollen.“

„Jetzt gib mir endlich deine Jacke.“ Sie stampfte mit einem Fuß auf. Was dank ihrer High Heels eher amüsant statt dramatisch wirkte.

„Hast du schon mal von dem Wörtchen Bitte gehört? Es soll angeblich nicht wehtun, wenn man es anwendet.“ Lachend schlüpfte er aus der dünnen Jacke, mit der er außer Haus gegangen war. Gott sei Dank trug er darunter ein langärmeliges Hemd und einen Pullover.

Als er ihr die Jacke hochhielt und sie sie sich umlegen ließ, bemerkte er endlich, dass sie tatsächlich zitterte. Sie mochte nicht sonderlich höflich sein. Dafür war er nicht besonders aufmerksam.

„Zieh sie wenigstens vernünftig an, damit du sie schließen kannst“, forderte er, als die Jacke lediglich ihre Schultern bedeckte.

„Wie das aussieht!“ Sie runzelte die Stirn. „Wenn mich jemand so fotografiert …“

Genervt verdrehte er die Augen. „Entweder trägst du sie richtig oder ich hol sie mir wieder zurück.“

Sie brummte Unverständliches und schlüpfte in die Ärmel. Dann schloss sie den Reißverschluss.

„Zufrieden?“

Es war besser, wenn er jetzt nicht lachen würde, egal wie klein und unförmig sie in seiner Jacke aussah. Diese verrückte Frau war in der Lage, lieber zu erfrieren, als eine Sekunde lang einen süßen Eindruck zu hinterlassen. „Sehr. Aber jetzt musst du dich wieder bei mir einhängen, wenn wir weitergehen. Jetzt ist nämlich mir kalt.“

Mit einem tiefen Seufzen trat sie neben ihn und schmiegte sich an ihn. „Es ist schon spät.“

Noch nicht. Er wollte noch nicht alleine mit seinen Gedanken sein. Sich Wortgefechte mit ihr zu liefern, war besser als in die Dunkelheit seiner Seele zu tauchen.

„Was wolltest du wirklich in dieser Bar?“, erkundigte er sich beim Weiterschlendern. „Den Mann fürs Leben findest du an so einem Ort bestimmt nicht. Und was sollen die vielen Schichten Kleister im Gesicht? Hast du Angst, man könnte ohne deine Maskerade zu schnell deinen Charakter durchschauen?“

„Das nenne ich doch mal originellen Sarkasmus.“ Sie hob eine Augenbraue. „Willst du so die Frauen abschrecken, die ohnehin außerhalb deiner Liga spielen? Fühlt es sich besser an, sie vor den Kopf zu stoßen, bevor sie selbst draufkommen?“

„So ist es einfacher für dich. Glaub mir, Schätzchen. Nach einer Nacht mit mir würdest du die High Society-Bürschchen links liegen lassen, die du üblicherweise abschleppst. Aber dieser Mann hier ist nicht zu zähmen.“

Statt die Wahrheit in seinen Augen zu lesen, über seine Weitsicht zu staunen, ihm dankbar zu sein oder zumindest über seine Worte nachzudenken, brach sie in Gelächter aus. „Ich mag deine große Klappe. Der Rest kann mir allerdings gestohlen bleiben.“

„Du hast dich dort drinnen an mich rangeschmissen, nicht umgekehrt“, erinnerte er sie. Dass er dazu überhaupt gezwungen war!

„Ich habe gehofft, die Kerle würden uns eher in Ruhe lassen, wenn sie denken, ich hätte mein Date für die Nacht schon gefunden. Bestimmt bin ich jetzt allerdings auch alleine sicher.“

Sie winkte einem Taxi, das sofort mit quietschenden Reifen an den Bürgersteig fuhr und dabei ein entgegenkommendes Auto schnitt.

„Danke, dass du mir die Typen vom Hals geschafft hast. Vielleicht kann ich mich ja irgendwann mal bei dir revanchieren.“

„Wieso sollte das notwendig sein?“ Perplex sah er zu, wie der Taxifahrer ausstieg, um den Wagen herumlief und ihr die Tür aufhielt. Elegant glitt sie auf die Rückbank.

Trotz der Kürze des Kleides gelang es ihr, ihren Po bedeckt zu halten. Nicht, dass er groß darauf geachtet hätte.

„Schönen Abend, Süßer.“

Sie zwinkerte ihm zu, als er den Blick heben musste, um ihr ins Gesicht zu sehen. Der Taxifahrer schlug die Tür zu und eilte um den Wagen herum. Eine Sekunde lang war ihr lächelndes Gesicht dank der Innenbeleuchtung des Wagens zu erkennen. Dann fuhr das Taxi auch schon an und verschwand in der Dunkelheit.

„Von wegen schöner Abend“, murmelte er. Das hätte es vielleicht werden können, wenn Elaisa die andere Frau nicht verjagt hätte. Jetzt stand er alleine mitten auf der Straße und musste überlegen, wo er Ablenkung herbekam.

Er sah die Straße entlang. Zurück zu der Bar zu gehen, war nicht möglich. Die Frau, die er kennengelernt hatte, wartete bestimmt nicht mehr auf ihn. Für eine neue Eroberung war es ziemlich spät. Und den betrunkenen Typen wollte er ebenfalls nicht über den Weg laufen. Während des Gesprächs mit Elaisa war er einfach geradeaus weitergelaufen. Er kannte sich hier nicht gut genug aus. In der nächsten Straße konnte sich eine Bar befinden. Oder er irrte noch stundenlang orientierungslos durch die Gegend.

Ihn fröstelte. Seine Jacke, verdammt! Elaisa hatte sie einfach behalten. Er kniff die Augen zusammen und sah in die Richtung, in der sie verschwunden war, obwohl ihm klar war, dass er sie nicht zurückrufen konnte.

Dann gab es wohl nur eine Lösung: Er würde sich auf den Weg nach Hause machen. Alleine, obwohl er es anders geplant hatte. Ein wenig Ruhe würde ihm nicht schaden. Der Tag war lang genug gewesen. Und am Montag musste er ein Gespräch führen, auf das er sich nicht sonderlich freute. Besser, er hatte seine Geduld dann unter Kontrolle.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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