Liebeschaos mit Winterduft und Schneeflockenküsse

Stuttgart, November 2017. Der kalte, dunkle Winter lockt zwar im besten Falle mit zauberhaften Schneelandschaften, Weihnachtsmärkten und gemütlich-kuscheligen Advents-Abenden zu Hause mit den Lieben. Er kann aber auch dazu führen, über Lebensziele und Träume noch einmal nachzudenken und das eine oder andere neu auszurichten. Protagonistin Mia will es in der romantischen Liebesgeschichte Winterduft und Schneeflockenküsse von Autorin Laura Albers nun endlich wagen und zur Weihnachtszeit ihren Verlobten Niklas heiraten. Doch trotz märchenhafter Adventszeit und tatkräftiger Unterstützung ihrer besten Freunde sind sich die beiden irgendwie nicht mehr sicher. Das Liebeschaos ist vorprogrammiert! Ob es Mias bester Freundin Sophie gemeinsam mit dem Trauzeugen gelingen wird, die Hochzeit zu retten? Und für wen bringt dieser Winter ebenfalls noch die wahre Liebe?

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Eine anstehende Hochzeit, die berühmten ‚kalten Füße’ und jede Menge Verwirrungen führen in der romantischen Chick-Lit-Liebesgeschichte Winterduft und Schneeflockenküsse zu heiterem Chaos in der Vorweihnachtszeit.

Winterduft und Schneeflockenküsse

Kapitel 4: Wie der Brauch es verlangt

Wie der Brauch es verlangte, meldete Mia sich immer wieder bei Sophie, ihrer ersten Brautjungfer, wenn sie in der Vorbereitung der Hochzeit nicht weiterwusste. Sophie wunderte sich über die Veränderung ihrer Rollen. Noch im Frühjahr war Mia ihre wichtigste moralische Stütze gewesen, immer dann, wenn sie in der turbulenten Zeit mit Yannis an ihm und an sich selbst gezweifelt hatte. Sie hatte sogar Mias Stimme im Kopf zu hören geglaubt, in Momenten, in denen sie allzu durcheinander gewesen war. Jetzt war es Mia, die mindestens alle zwei Tage nach Sophie verlangte, um Dinge zu besprechen, die mit der Weihnachtshochzeit, aber auch mit der standesamtlichen Trauung zwölf Tage davor zu tun hatten.

Sophie überwachte am letzten Novembertag die Dekorationsarbeiten in der Lebensmittelabteilung der Galeries Jouvet, die für die erste Adventswoche durchgeführt wurden. Beim Anblick der Packungen weißer und rosafarbener Baisers, die gerade in ein Regal geräumt wurden, musste sie an die Shoppingtour von letzter Woche denken. Sie hatte mit absoluter Sicherheit vorhersagen können, dass Mia niemals ein Kleid aussuchen würde, in dem sie wie ein Baiser aussah. Sophie dachte an eine Szene aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, den Lieblingsfilm ihrer Mutter, den sie selbst mindestens schon zehn Mal gesehen hatte. Darin fragte Andie MacDowell in der Rolle der Carrie, ob das Brautkleid, das sie anprobierte, sie wie ein Baiser aussehen ließ. Damals – und auch in vielen neueren Filmen – schien das der Albtraum einer jeden Braut zu sein. Sophie musste grinsen. Erstaunlich, dass sich in Frankreich und Deutschland inzwischen wohl genau diese Mode für Hochzeiten durchgesetzt hatte. Gedankenverloren griff sie nach einer Packung, deren Inhalt zerbrochen war, öffnete sie mit einem Zwinkern zu der Verkäuferin, die sie gerade ins Regal gelegt hatte, und bot ihr davon an. Diese lächelte überrascht, dann nahm sie wie Sophie ein Stück heraus.

„Das erinnert mich immer an meine Kindheit. Ich habe Baisers als kleines Mädchen geliebt“, sagte die junge Frau, bevor sie zubiss.

„Ich auch. Und heute erinnert der Anblick mich an die Hochzeit, bei der ich Trauzeugin sein werde, gleich nach Weihnachten. Wussten Sie, dass pompöse Brautkleider mit riesigen Reifröcken, viel Spitze, Steinchen und Strass gerade in sind?“

Eine Hand streckte sich zwischen Sophie und der Verkäuferin durch und griff nach einem Stück des weißen Zuckerschaums. „En effet?“

Sophie drehte sich zu Jean‑Jacques Lerêve um, der in grüne Jeans, ein weißes Hemd und ein rotes Halstuch gekleidet war. Soeben schloss er die Lippen um das Stück Baiser. Seine Augen blitzten belustigt unter der perfekt frisierten Stirntolle.

„Ja.“ Sophie lächelte ihn an. Jean‑Jacques war ihr in den Monaten, seit sie hier arbeitete und lebte, ans Herz gewachsen.

„Und wer wird heiraten?“, fragte er jetzt.

„Meine beste Freundin Mia.“

„Ah, du meinst diese zierliche Rothaarige?“

Sophie riss die Augen auf. „Hast du sie schon einmal gesehen?“

„Ja, letzten Donnerstag in der Rue de la Tête d’Or. Du warst in einem Schwarm gut gelaunter, lustiger Weiber unterwegs, und du und diese Rothaarige seid hervorgestochen. Ihr habt beide dieses besondere Strahlen der jungen Liebe.“ Er kicherte.

Sophie hielt der Verkäuferin die angebrochene Packung noch einmal hin, doch diese bedankte sich mit dem Hinweis, dass sie weiterarbeiten müsse. Sophie lenkte ihre Schritte zum Aufzug, Jean‑Jacques mit sich ziehend. Sie lachte noch, als sie die Kabine betraten. Gerade wollte sie auf Jeans Bemerkung mit der jungen Liebe antworten, als das Smartphone in ihrer Westentasche vibrierte. Sie drückte ihm die Baiserbox in die Hand und ging ran.

„Hallo, Mia“, sagte sie und zwinkerte ihrem Kollegen zu.

„Sophie, wir müssen reden. Wann hast du Zeit?“

„Kann ich dich gleich zurückrufen?“

„Ja, bitte, das wäre lieb.“

Im dritten Stockwerk hielt der Aufzug, und Sophies Freundin Florence stieg ein. Sophie konnte einen Blick auf die Dekoration in der Kinderabteilung erhaschen. Seit der Veröffentlichungsfeier im Mai behielten die Galeries Jouvet die Tradition einer bewegten Miniwelt bei. Ihre Kundinnen und Kunden liebten das. Viele kamen eigens jeden Monat her, um zu sehen, welches Thema gerade dargestellt wurde. Bereits vor zwei Wochen hatte ein ganzes Geschwader an Technikern und Dekorateuren in nur einer Nachtschicht die Herbstwelt ab- und einen Weihnachtsmarkt aufgebaut. Die Bahnstrecke sowie der Tierpark waren stehen geblieben und um einen Weihnachtsmarkt und andere weihnachtliche Details ergänzt worden. Ihre kleine Weihnachtswelt war ein voller Erfolg.

Sophie wünschte Florence und Jean‑Jacques guten Appetit und wählte selbst den Paternosteraufzug, um in das oberste Stockwerk zu fahren, in dem sich ihr Büro befand. Ein Blick durch die Glaselemente des Chefbüros, deren Rollos Yannis Jouvet nicht mehr heruntergelassen hatte, seit sie ein Paar waren, zeigte ihr, dass er nicht da war. Das machte aber nichts, da sie den Abend gemeinsam in der Suite des Hotels La Citadelle verbringen wollten, in der er nach wie vor wohnte. Sie hatten sich vorgenommen, eine gemeinsame Wohnung zu suchen, allerdings erst, wenn sie beide sich dazu bereit fühlten, und das war noch nicht der Fall. So wie sie es jetzt hielten, war es für sie beide perfekt – mal eine Nacht in Sophies kuscheligem Appartement, mal eine Nacht in seiner Suite und die Arbeitstage ohnehin weitgehend zusammen. Weder Yannis noch Sophie hatten den Drang, ihre Liebe allzu schnell durch Äußerlichkeiten wie eine gemeinsame Wohnung oder einen Zeitplan, was wann zu geschehen hatte, einzuengen. Dazu hatten sie beide zu schlechte Erfahrungen gemacht. Sie waren sich einig, dass sie ihrer Liebe Zeit zum Wachsen geben wollten.

Im Büro ließ sie sich auf ihren Schreibtischstuhl sinken, legte die Füße auf die Milchglasplatte ihres Schreibtischs und verschob dabei mit der einen Hand die Maus, um ihren PC aus dem Ruhemodus zu wecken. Dann wählte sie Mias Handynummer.

„Hallo?“

„Hallo, Mia. Was gibt es denn – Stress mit der Sitzordnung?“ Die Sitzordnung war zu einem Running Gag geworden, seit Mia jede Woche berichtete, dass Niklas seine Verwandtschaft schon wieder umgruppieren musste, weil es neue thematische Tretminen zwischen den zänkisch veranlagten Cousins und Cousinen gab.

Mia prustete. „Hör mir auf! Das auch, aber ich habe mich ausgeklinkt, was das angeht. Jedenfalls verstehe ich jetzt absolut, warum Niklas nur Falko als Trauzeugen wollte. Ich würde ja darüber lachen, wenn es am Ende nicht immer so bierernst würde. Sie bekommen bei ihren Zankereien immer richtig Streit. Das Ende vom Lied ist, dass du nie genau weißt, wer gerade mit wem spricht. Na ja, wenigstens wollen seine Eltern mit ihren jeweiligen neuen Lebenspartnern zur Hochzeit kommen. Sie haben versprochen, dass sie friedlich miteinander umgehen werden.“

„Das ist doch schon mal positiv. Alles wird super, du wirst sehen. Weshalb rufst du denn an?“

„Ich brauche Hilfe von meinen Brautjungfern. Wir müssen unbedingt einen Probetermin beim Friseur machen … lach nicht!“

Sophie war tatsächlich in ein helles Lachen ausgebrochen. „Ich erkenne dich nicht wieder, Mia! Wie hat Jean‑Jacques dich eben beschrieben? Du würdest vor junger Liebe strahlen.“

„Dein Kollege? Der kennt mich doch gar nicht.“

„Er hat uns bei unserer Tour hier in Metz gesehen. Und mit untrüglicher Sicherheit erkannt, dass du die Braut bist.“

„Lustig“, Mia gluckste. „Aber jetzt sag, kannst du nächstes Wochenende nach Aachen kommen? Die beiden anderen können es einrichten. Wir haben Samstagmorgen einen Termin beim Friseur meines Vertrauens.“

„Am dem Samstag nach Nikolaus?“ Sophie dachte fieberhaft nach. Yannis musste Mitte der Woche nach Saint‑Tropez zu seiner Familie. Wenn er samstags wieder zurück sein würde, könnte sie am Freitagabend losfahren. Dann brauchten die Galeries an den zwei Tagen nicht komplett auf sie beide zu verzichten, allerdings würden sie sich dann nicht sehen, leider. „Ja, das klappt. Ich wollte meinen Eltern sowieso das traditionelle Pain d’Epices schenken, dass es hier in Lothringen zu Nikolaus gibt.“

„Du willst Lebkuchen mit nach Aachen bringen?“ Mia lachte schallend. „Sorry, aber du weißt schon: Eulen nach Athen und so.“

„Ja, aber gerade drum! Ich werde ihn nämlich selbst backen. Nach einem uralten Rezept von Florenceʼ Familie.“

„Das ist natürlich was anderes, hebt ihr mir ein Stück auf? Aber dann klappt der Neunte bei dir? Tim wird uns auch für die standesamtliche Feier beraten können.“

„Ja, du kannst fest mit mir rechnen.“

„Wenn wir weiterhin so oft hier essen, passt mir nach Weihnachten mein Kleid nicht mehr.“ Sophie nahm ein Stück Hühnchen auf die Gabel und sah Yannis strafend an. „Wir sollten öfter bei mir essen – Kleinigkeiten, Abendbrot, sowas halt.“

„Unsinn, du bestellst dir doch eh immer nur Salat.“ Er deutete mit seiner Gabel auf ihren Teller, der unter der Mischung frischer Blattsalate, Gurken- und Tomatenscheibchen und den Streifen gegrillten Hähnchens fast nicht zu erkennen war, dann schnitt er ein Stück seines auf den Punkt gegarten Entrecôte ab und steckte es sich in den Mund. Seine Augen lächelten, während sein Mund sich beim Kauen genüsslich bewegte. Sophie liebte es, ihm beim Essen zuzusehen. Gutes Fleisch war eines der Dinge, die ihn entspannten. Er war ein Genussmensch in jeder Hinsicht. Mit hochgezogener Braue erwiderte er ihren Blick. Nachdem er runtergeschluckt hatte, leckte er sich über die Unterlippe. „Ich habe allerdings eine hervorragende Idee, um der Gefahr vorzubeugen.“

„Welche Gefahr meinst du?“ Sie feixte.

„Du weißt schon. Wir werden zu verhindern wissen, dass dein Brautjungfernkleid dir zu eng wird.“ Er machte sich einen Witz daraus, den altmodischen Begriff so oft wie möglich zu benutzen, seit er erfahren hatte, dass Sophie für ihre Freundin erste Brautjungfer sein sollte. „Es ist übrigens ein sehr schönes Kleid.“

Sie spitzte die Lippen. „Danke“, sagte sie schlicht. „Woran dachtest du denn? Klettern, Spinning, Zumba?“

„Nein, ich dachte mehr an etwas, das man paarweise praktizieren muss.“

„Tango!“ Sie klatschte in die Hände. „Woher weißt du, dass ich mir schon ewig einen Tangokurs mit dir wünsche?“ Sie musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Natürlich war es nicht das, was er meinte.

„Ts, ts, ts, ma chère Sophie, du möchtest mich auf den Arm nehmen.“ Er schüttelte den Kopf.

„Aber … das würde ich niemals schaffen.“ Sie lachte laut. Das Glitzern in seinen Augen ließ sie ihren Teller in Rekordgeschwindigkeit leeren. Das, was er ihr mit seinen Andeutungen versprach, wäre es auch wert, auf das Essen zu verzichten.

Am späten Abend kuschelte sie sich zufrieden in dem großen Bett an ihn, den Kopf auf seiner Schulter, und fuhr mit dem Zeigefinger die Linie seiner Brustmuskeln nach. Seine Finger streichelten ihren Oberarm. „Du hattest recht, dieser Sport ist auch nach meinem Geschmack“, sagte sie.

„Mhm“, brummte er. Anscheinend war er kurz vorm Einschlafen.

„Yannis?“

„Oui, chérie?“

„Ich muss nächstes Wochenende nach Aachen.“

Er drehte den Kopf ein bisschen, sodass sie sich in die Augen blicken konnten. „Wirklich?“ Runzelte er etwa die Stirn?

„Ja, die Brautjungfern treffen sich am Samstagmorgen. Wir müssen noch einige Dinge gemeinsam planen und wollen die Frisuren für die Hochzeit ausprobieren.“

„Planen? Etwa einen Junggesellinnenabschied? Und wo wir gerade dabei sind: Gibt es auch einen für die Jungs, mit dem Bräutigam? Ich kenne Mia und Niklas noch gar nicht. Treffe ich die beiden vor der Hochzeit?“

Sophie lachte. „Wie viele Fragen waren das, drei oder vier? Also: Junggesellenabschied gibt es weder für Männer noch für Frauen. Einen Polterabend haben die beiden nämlich im Sommer schon gemacht. Ich war dort, du warst an dem Tag auf Geschäftsreise, sonst hättest du sie schon kennengelernt. Und zweitens: Du wirst beide bei der standesamtlichen Trauung kennenlernen, weil ich doch die Trauzeugin bin. Schon vergessen?“

„Stimmt ja. Wann ist die nochmal?“

„Morgen in zwei Wochen, am Freitagvormittag. Das ist der Fünfzehnte.“

Yannis schob sie ein Stück von sich und setzte sich auf. Sie tat es ihm gleich und legte die Hand auf seinen Bauch. Er seufzte. „Das bringt ein paar meiner Pläne durcheinander. Wenn du nächstes Wochenende weg bist und am darauffolgenden wir beide …“ Er verzog den Mund.

„Gibt es Probleme?“ Sein Verhalten erinnerte sie an die Zeit, in der er sich so widersprüchlich verhalten hatte, dass sie sich nicht sicher gewesen war, ob sie sich die Anziehung zwischen ihnen nur einbildete. „Yannis, rede mit mir. Wir wollten uns doch nichts mehr verheimlichen …“

„Nein, keine Probleme. Ich hatte nur fest damit gerechnet, dass du am kommenden Wochenende da bist. Das durchkreuzt meine Pläne.“

„Welche meinst du?“

Er wischte mit der Hand durch die Luft. „Nicht wichtig. Es lässt sich ja nicht ändern.“

Sie sah ihn fragend an. Warum war ihm das so wichtig? Bevor sie sich jedoch äußern konnte, ließ er seinen Blick ihren Hals hinuntergleiten und lächelte. „Mir wird kalt. Ich denke, wir sollten uns noch ein bisschen bewegen.“ Damit beugte er sich über sie und hauchte ihr ein Küsschen aufs Schlüsselbein. Sein Ablenkungsmanöver funktionierte vorzüglich.


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Laura Albers hat in Saarbrücken Übersetzen und Dolmetschen Englisch/Französisch studiert. Seit 2006 schreibt sie. Neben der Liebe als Leitmotiv sind ihr Humor, Fantasie und gut gezeichnete Charaktere wichtig. Unter dem Pseudonym Angelika Lauriel veröffentlicht sie Kinder- und Jugendbücher sowie Krimikomödien und humorvolle Frauenromane bei mehreren Verlagen. Seit Sommer 2016 unterrichtet sie Deutsch als Zweitsprache an einer weiterführenden Schule. Außerdem übersetzt sie Bücher aus dem Englischen ins Deutsche.