Emma Finch über ihren spannenden neuen Roman


Worum geht es in deinem Buch
Die Spur der Kristalle?

In meinem Roman geht es um die junge Lehrerin Caitlyn Brown, deren Leben genauso normal erscheint wie ihr Nachname: Sie lebt in einer Kleinstadt im südenglischen Surrey zusammen mit ihrem Vater Richard, ihrem Bruder Henry und dessen Frau. Ihre Mutter starb zehn Jahre zuvor an Krebs.

Autorin Emma FinchObwohl es eine seltsame Häufung sonderbarer Ereignisse in den Sommerferien ist, erkennt sie zunächst keinen Zusammenhang zwischen der denkwürdigen Begegnung mit einem Mann im schwarzen Anzug, dem plötzlichen Todesfall mitten im Londoner Hyde Park und dem  Päckchen ohne Absender, das ihr während eines Kurztrips zugestellt wird.

Das ist natürlich nur der Anfang einer Reihe von Begebenheiten, die sie auf die walisische Insel Anglesey, ins Britische Museum, in den Snowdonia Nationalpark und ins Back Country führen. Außerdem hat nicht nur ihr neuer Chef Leichen im Keller, sondern auch ihr Pate, der Duke of Anglesey, hütet brisante Geheimnisse.
So dauert es eine Weile, bis sie die Teile wie Puzzlestücke zusammensetzt, und erkennt, dass nicht der Zufall und erst recht nicht sie selbst die Spielregeln bestimmen. Erst, als sie durch alte, in Sütterlin geschriebene Briefe mehr über das Schicksal ihrer deutschen Großmutter und deren Familie erfährt, begreift sie, dass sie Teil eines größeren Plans ist, der es in sich hat …

 

Was brachte dich auf die Idee zur Geschichte?

Als erstes gab es den „Mann im schwarzen Anzug“ in meinem Kopf, der auf einer belebten Straße mit einer Frau zusammenstößt. Irgendwie war mir klar, dass diese Begegnung kein Zufall ist, und da man als Autorin notorisch neugierig ist, habe ich die zwei sehr gründlich im Auge behalten.

 

Woher kommt deine Faszination für geheimnisvolle Geschichten?

Brief Konrad an Karo vergilbt - pingErbgut, nehme ich an. Meine Oma hat mir früher jedes Mal, wenn ich bei ihr übernachten durfte, spannende und manchmal auch unheimliche oder mysteriöse Geschichten erzählt. Sie wohnte im Wald und wenn wir abends in ihrem riesigen Bett mitten zwischen den dicken Federbetten lagen und draußen die Bäume rauschten, rutschte ich immer tiefer zwischen die Kissen. Aber wehe, sie hörte auf zu erzählen oder vertröstete mich, ich musste doch wissen, wie es weitergeht!

Irgendwann habe ich angefangen, mir selbst Geschichten zu den Geschichten auszudenken oder Geschichten weiterzuspinnen, die ich gelesen hatte. Bis ich begonnen habe, die dann auch aufzuschreiben hat es aber sehr lange gedauert, denn irgendwie war ich immer der Meinung, das machen nur andere.

Bis heute liebe ich Geschichten mit vielschichtigen Geheimnissen und Verwicklungen und interessanten Figuren.

 

Was war für dich die größte Herausforderung beim Schreiben?

Die größte Herausforderung war und ist jedes Mal aufs Neue, die Ideen zu der Geschichte, die sich ja wie im echten Leben mehrdimensional in Raum und Zeit abspielt, in eine sinnvolle Erzählreihenfolge zu bringen, die zwischen zwei Buchdeckel passt. Ideen neigen ja auch häufig dazu, nicht in passender Reihenfolge aufzutauchen, sodass man nicht nur ständig ein Auge auf die logischen Zusammenhänge haben, sondern den Plot auch flexibel anpassen muss. Meine LeserInnen möchten ja verstehen, worum es geht und nicht mit Fragezeichen im Gesicht dasitzen.

Außerdem finde ich manchmal schwierig zu entscheiden, was wirklich wichtig für die Geschichte ist und was man auslassen kann. Manche Szenen, die ich mir ausdenke, passen leider nicht wirklich zum Plot. Manchmal kann man sie umschreiben und trotzdem verwenden, andere sollten dann doch besser ausgelassen werden. Diese Entscheidung zu treffen ist gar nicht so leicht.

 

Hast du eine Fortsetzung geplant?

Die ist in Arbeit und erscheint Ende des Jahres. Ich kann die arme Caitlyn ja nicht einfach an der Klippe hängen lassen …

  

Welche der Schauplätze hast du schon selbst bereist?

In Südengland und London bin ich bereits gewesen und habe dort viele Inspirationen gefunden. Wales und Anglesey stehen in jedem Fall auch noch auf meiner Liste, doch leider hat meine Zeit bisher noch nicht dafür gereicht.

Pottenstein kenne ich auch, da ich in Franken lebe und dann kenne ich natürlich meine Heimatstadt Dortmund wie meine Westentasche.

Ach ja und nicht zu vergessen die Ysgol Glasmaris – die gibt es zwar nicht wirklich, aber wem das Kloster Maulbronn ein Begriff ist, der wird viele Gemeinsamkeiten entdecken. Auf meiner Homepage gibt es auch ein paar Bilder dazu.

 

Wie sahen deine Recherchen zum Roman aus?

Wie immer, wenn ich recherchiere, surfe ich zunächst mit unterschiedlichen Ideen kreuz und quer durchs Internet, lasse mich inspirieren und lese dann gezielt nach, was ich für geeignet halte.

Zu verschiedenen Themen suche ich mir natürlich auch Experten, denn Lesen alleine bildet zwar, aber ein guter Rat oder Hinweis sind Gold wert. So hat mir eine Kunsthistorikerin den Grundriss des Internats auf Grundlage der Klosteranlage in Maulbronn entworfen und mir außerdem eine wunderbare Ausstellung im Britischen Museum konzipiert, die genau zum Plot passt. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihr Ideen-Ping-Pong zu spielen.

Tatsächlich beschreibe ich auch ein paar Dinge im Roman, die echt sind. Liese, die Kuh, beispielsweise und Prinz, der Spitz, die gab es wirklich und ebenso den tragischen Unfall der kleinen Elisabeth, die nur drei Jahre alt wurde. Außerdem habe ich die Erlebnisse verschiedener mir bekannter Personen als Impulse für Ereignisse und Figuren des Romans genommen.

Gründliche Recherche ist schließlich das Salz in der Buchstabensuppe eines Romans.

 

Mit welcher Figur aus Spur der Kristalle würdest du gern mal für einen Tag tauschen?

Oh je, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, ich würde mit allen Hauptfiguren gerne einmal für einen Tag tauschen. Beinahe jede(r) von ihnen hat nämlich Geheimnisse, die sie selbst mir noch nicht verraten haben und die würde ich doch ganz gerne mal kennen.

Aber wenn ich mich nur für eine entscheiden sollte, dann wäre es Emrys, der Duke of Anglesey. Selbstverständlich kennt er die Queen persönlich und wer würde der nicht mal gerne einen informellen Besuch zum Cream tea abstatten? Scones, clotted cream und Erdbeermarmelade inklusive. Milk in first or tea in first?

 

Und mit welcher Figur würdest du auf keinen Fall tauschen wollen?

Spoiler! Daher nur so viel: Mit dem/den Antagonisten. Auf keinen Fall! Nicht mal für eine Minute.

 

Was hast du bisher veröffentlicht?

Neben rund einem Dutzend krimineller Kurzgeschichten habe ich unter meinem richtigen Namen Sabine Fink drei Regionalkrimis um die Erlanger Kommissarin Maria Ammon und ihre kölsche „Azubine“ Michelle Schmitz geschrieben.

In „Kainszeichen“, in dem Maria allerdings noch nicht die Hauptfigur ist, geht es um Bausünden, die den Bauleiter das Leben kosten, als er ihnen auf die Spur kommt. Als seine Verlobte zufällig auf Ungereimtheiten im Zusammenhang mit seinem Tod stößt, und die Bauunternehmer, ein Brüderpaar, damit konfrontiert, gerät sie selbst in Lebensgefahr.

Der Feind deines Feindes ist dein Freund – das ist das Motto von „Judasbrut“, in dem nicht nur die Erlanger Bergkirchweih in Gefahr ist. Maria und Michelle haben bei dieser Geschichte alle Hände voll zu tun, herauszufinden wer Feind und wer Freund ist – und wer Verräter.

In „Dreikampf“ wird der Triathlon im fränkischen Roth von Todesfällen überschattet, bei deren Aufklärung Maria nicht nur ziemlich langen Atem beweisen muss, sondern selbst auf eine Weise involviert wird, die ihr ziemlich an die Substanz geht.

  

Welches Buch liest du gerade?

Ich lese gerade den Thriller „City of endless night“ aus der Agent-Pendergast-Reihe des amerikanischen Autorenduos Douglas Preston und Lincoln Child.

Da ich mich nie mit dem Genre beschäftigen kann, in dem ich auch schreibe, halte ich mich wieder einmal im literarischen Ausland auf.

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Emma Finch wurde Ende der 60er am Rande des Ruhrgebiets geboren. Bereits in der Schule schlüpfte sie gern in andere Rollen, doch anstatt Theater spielt sie seit einigen Jahren mit den Figuren in ihrem Kopf. Während ausgedehnter Wanderungen vermischt sie Realität und Fiktion zu spannenden Plots und würzt sie mit einem Schuss Romantik. Beruf und Freizeit führten sie schon kreuz und quer durch die Weltgeschichte.
Besonders gern lässt sich sich von der wildromantischen Landschaft des Vereinigen Königreichs inspirieren. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie mit Familie und Hund in Mittelfranken und schreibt unter ihrem richtigen Namen Sabine Fink Regionalkrimis um die Erlanger Kommissarin Maria Ammon und mörderische Kurzgeschichten.

Scherbenfrau

Als Emily zu Hause ankam, gab’s eine faustdicke Überraschung. Vor dem Haus stand ein Möbelwagen. Ein kleiner Möbelwagen, aber eben doch: ein Möbelwagen. Sie hatte keine Idee, was das bedeuten sollte. Die Flügeltür hinten stand offen, ebenso wie die Haustür, aber niemand war zu sehen, viele Möbel waren nicht mehr im Wagen. Dann kam Vera aus dem Haus, im Schlepptau zwei Möbelpacker.

„Nun haben wir es ja gleich geschafft“, meinte sie aufmunternd. Dann erst nahm sie Emily wahr. „Hallo, Emily.“ Sie strahlte über das ganze Gesicht. Um den Kopf hatte sie ein buntes Tuch geschlungen. Emily dachte, dass das wahrscheinlich rustikal wirken sollte, es an Vera aber aussah, als sei sie soeben einer Modezeitschrift entsprungen. Dazu trug sie eine Jeans, die sie verdammt an die von Kris erinnerte. Dass die beiden Kerle ziemlich unverfroren ihren kleinen runden Hintern anstarrten, war nicht weiter erstaunlich. Und Emily hatte auch nicht das Gefühl, dass Vera dies unbedingt störte.

„Was findet denn hier statt?“, fragte Emily grußlos.

Eine Antwort wartete sie nicht ab, sondern eilte ins Haus, um mit ihrem Vater zu reden. Auf seine Erklärung war sie gespannt. Sie konnte nicht fassen, dass er Vera hier einziehen ließ, ohne vorher mit ihr darüber gesprochen zu haben. Sie rief nach ihm, aber es kam keine Antwort. War er gar nicht zu Hause? Emilys Gefühle schwankten zwischen Wut und Hilflosigkeit, entschieden sich schließlich für das Erste.

„Was machst du hier?“, rief sie, als sie wieder draußen war.

„Ich ziehe ein“, sagte Vera. Für Emily klang es wie: Ihr habt den großen Preis gewonnen!

Vera stand vor dem Möbelwagen und gab den Packern Instruktionen.

„Was ist mit deiner Wohnung in Oldenburg?“

„Gekündigt.“

„Weiß mein Vater davon?“, wollte Emily wissen. Sie hörte ihre Stimme zittern.

Vera sah sie an, als verstehe sie die Frage nicht.

„Du musst doch mit ihm darüber gesprochen haben“, rief Emily. Jetzt erst schien Vera zu begreifen.

„Ja“, sagte sie, „natürlich haben wir darüber gesprochen.“

„Und er hat Ja gesagt?“ Emily konnte es einfach nicht glauben. Die beiden Männer trugen eine antike Kommode ins Haus. Vera folgte ihnen mit besorgter Miene, die eher der Kommode galt als Emilys Frage.

„Vorsicht“, sagte sie. „Stoßen Sie nirgends an. Es ist ein äußerst kostbares Stück.“

„Was ist nun?“, wiederholte Emily. „Hat er Ja gesagt?“

„Nicht direkt“, meinte Vera. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt weiter Packern und Kommode.

„Was soll das heißen?“ Mit einem Ruck drehte Emily sie an der Schulter zu sich und erschrak. Veras Blicke stachen wie Pfeile in ihre Augen. Unwillkürlich fuhr sie einen halben Schritt zurück. So hatte sie die Geliebte ihres Vaters noch nie gesehen. Das Sanfte in ihren Augen war völlig verschwunden.

„Eins rate ich dir“, zischte sie bedrohlich. „Fass mich nie wieder so an. Nie wieder, hörst du?“

Dann verwandelte sie sich sekundenschnell zurück in die Vera, die Emily kannte.

„Und zu deiner Frage“, säuselte sie. „Dass ich schon heute einziehe, ist eine Überraschung für Paul. Aber im Prinzip ist natürlich alles geklärt.“

Bevor sie im Haus verschwand, warf sie Emily noch einen ihrer sanften Blicke zu. Die stand da wie ein begossener Pudel mit dem Gefühl, unbedingt etwas tun zu müssen, hatte zugleich aber keine Ahnung, was das sein könnte. Sie entschied sich, zu telefonieren und zog sich mit Handy in den Garten zurück.

Ihr Vater war noch im Verlag. Nach dem zweiten Klingeln hob er ab. Plötzlich wusste Emily nicht mehr richtig, wie sie anfangen sollte.

„Wer ist denn da?“, fragte er gereizt.

Emily hatte sogar vergessen, sich zu melden. Noch immer war sie wie hypnotisiert von Veras Blicken. Deren Worte hallten in ihrem Kopf nach: Nie wieder, hörst du? Nie wieder! Es klang, als solle sie sich grundsätzlich nie wieder in ihre Angelegenheiten mischen. Machte sie das aber gerade jetzt in diesem Augenblick nicht schon wieder?

„Entschuldige“, sagte Emily. „Ich bin’s. Die Verbindung war gestört.“

„Was gibt es, Emily?“ Ihr Vater klang nicht mehr gereizt, aber auch nicht so erfreut, wie er es normalerweise bei ihren Anrufen war. „Ich bin mitten in einer wichtigen Besprechung. Hat es nicht Zeit?“

Ganz langsam kehrte ihr Selbstbewusstsein zurück.

„Weißt du“, fragte sie, „was Vera gerade macht?“

„Keine Ahnung. Bei mir ist sie nicht. Aber sie kommt heute Abend zu uns. Hat das nicht bis dahin …“

„Irrtum“, erklärte Emily. „Sie kommt nicht erst heute Abend. Sie ist schon da.“

„Ach so. Dann sag ihr, dass ich noch ein, zwei Stunden brauchen werde.“

„Sie ist mit einem Möbelwagen vorgefahren.“ Emily sah, dass die Packer soeben die Flügeltür zumachten. „Das heißt, der Wagen fährt gerade wieder ab. Aber die Möbel sind alle hier. In unserem Haus.“

Ihr Vater zögerte mit einer Antwort. Emily konnte sich sein Gesicht vorstellen. Er versuchte, sein Gefühl für die Wirklichkeit nicht zu verlieren.

„Emily“, sagte er dann, „wenn du mich auf den Arm nehmen willst, ist das nicht der richtige Moment.“

„Das finde ich auch“, sagte sie. „Bis nachher also.“ Sie beendete das Gespräch, ohne eine weitere Reaktion ihres Vaters abzuwarten.

 

Keine halbe Stunde später war er zu Hause. Das von Emily erwartete Donnerwetter blieb aus. Als er sich an Veras Möbeln vorbei zur Küche vorkämpfen musste, sagte er nichts. Vera empfing ihn mit ihrem strahlendsten Lächeln.

„Hallo, Paul. Das meiste ist schon im Keller. Die paar Sachen hier müssen wir noch irgendwo im Haus verteilen.“

„Aber, was ist … äh, ich meine …?“

Emily erkannte ihren Vater nicht wieder. Noch nie hatte sie ihn so unsicher erlebt. Er stammelte wirres Zeug.

„Keine Sorge“, fiel Vera ihm ins Wort. „Das kriegen wir schon noch unter. So viel ist es ja nicht.“

„Wieso sind deine Möbel hier?“

Immerhin, ein vollständiger Satz, dachte Emily.

„Ich meine, was ist mit deiner Wohnung?“

„Gekündigt“, erklärte sie stolz. „Gleich nachdem wir neulich drüber geredet hatten.“

Sie legte die Arme um seinen Hals und küsste ihn. Er war zu unkonzentriert, um darauf eingehen zu können.

„Nachdem wir worüber geredet hatten?“ Er schien nicht glauben zu können, was er erlebte, obwohl es offensichtlich war.

„Über unser Zusammenziehen natürlich.“ Sie strahlte ihn an und sah glücklich aus. „Worüber denn sonst?“

Sein Gesicht blieb regungslos. Als Vera das erkannte, verschwand schlagartig auch aus ihrem Gesicht das Lächeln, verzog sich dann sogar ins Weinerliche. Emily war verblüfft, dass ein Gesichtsausdruck sich so blitzartig in sein absolutes Gegenteil verkehren konnte. Veras plötzlich zusammengepresste Lippen stießen einen enttäuschten Satz hervor: „Du willst es gar nicht.“

Unwillkürlich spürte Emily einen Hauch Erleichterung in sich aufsteigen. Nun brauchte ihr Vater nur noch sagen: Du hast recht. Ich will es nicht. Dann würde Vera sicher noch eine Runde heulen, aber morgen ihre Sachen wieder packen. Bestimmt war es noch nicht zu spät, die Kündigung der Wohnung rückgängig zu machen. Dann erkannte Emily, dass ihre Erleichterung verfrüht war.

„Doch, natürlich will ich es“, sagte er und nahm Vera in den Arm. Sie schmiegte sich an ihn, verbarg ihr Gesicht in seinem Pullover.

„Wir haben doch darüber gesprochen.“ Ihre Stimme verriet, dass sie nun tatsächlich weinte.

„Natürlich haben wir das“, tröstete er sie und streichelte ihren Rücken. „Natürlich. Es kam gerade nur etwas überraschend für mich. Das ist alles.“

„Aber freust du dich denn gar nicht?“

„Doch, natürlich freue ich mich.“

„Ist es denn keine schöne Überraschung für dich?“

„Die schönste, die ich mir vorstellen kann.“

Er machte ein Gesicht, als sei er der glücklichste Mann der Welt. Emily verstand die Welt nicht mehr, jetzt hätte sie heulen können.

„Wir wollen doch sowieso bald heiraten“, sagte Vera. „Da ist es doch nur gut, wenn ich schon hier wohne. Oder nicht?“

„Doch, ganz sicher.“

„Wir wollen doch Kinder haben.“

Emily konnte nicht glauben, was sie da hörte. Vorsichtig schlich sie sich aus dem Haus. Die Tür hinter sich zog sie so leise ins Schloss wie sie noch nie in ihrem Leben eine Tür ins Schloss gezogen hatte.

 


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Olaf Büttner wurde 1956 in Wilhelmshaven geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Drehbuchautor an der Medienakademie Ludwigshafen. Sein Roman Sommersturm erhielt den DeLiA-Literaturpreis. Die Bücher um seinen Privatdetektiv Reent Reents erscheinen im emons Verlag. Neben seiner schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit arbeitet der Autor als Sozialpädagoge mit behinderten und verhaltensauffälligen Jugendlichen.

Niemand wird dich hören

Kapitel 6

»Wollten Sie nicht in Frankfurt aussteigen?«

Anna reagierte nicht sofort, bis jemand sie sanft auf die Schulter tippte. Sie war so in Gedanken gewesen, dass sie die Welt um sich herum völlig ausgeblendet hatte. Als sie aufblickte, stand da der freundliche Mann vom Bahnsteig, der ihr so uneigennützig seinen Sitzplatz überlassen hatte.

»Ach, hallo. Entschuldigung«, sagte sie, und nahm das Ohropax heraus. »Haben Sie es sich doch anders überlegt?«

Der Mann schaute Anna verwundert an. »Wir sind vor vier Minuten in Frankfurt abgefahren.«

Anna erschrak. Sie starrte den Mann an und versuchte, die Information zu verarbeiten.

»Wie bitte?« Sie hoffte sehr, dass sie sich verhört hatte.

Der Mann sah sie mitfühlend an. »Sieht so aus, als hätten Sie Frankfurt verpasst.«

»Ach du großer Gott«, rief Anna aufgeregt. »Das ist eine Katastrophe. Was mache ich denn jetzt?«

Der Mann zuckte mit den Schultern. »In einer halben Stunde hält der Zug in Aschaffenburg. Am besten steigen Sie da aus und fahren zurück. Von mir aus können Sie auch noch auf meinem Platz bleiben. Ich setze mich so lange woanders hin.«

Das Abteil, in dem Anna saß, war jetzt nur noch zur Hälfte mit Reisenden besetzt, die die Unterhaltung neugierig verfolgten. Anna hatte nicht nur Frankfurt Hauptbahnhof verpasst, sondern auch die Haltestelle Flughafen; sie wäre am liebsten im Boden versunken.

»Nein, danke«, sagte sie. »Sie haben schon genug für mich getan. Ich gehe jetzt und suche mir einen Ort, an dem ich mich unsichtbar machen kann.«

Der Mann lachte und Anna stand auf.

Eilig griff sie ihre Taschen, bedankte sich noch mal und räumte den Platz. Im Ausstiegsbereich wäre sie fast in einen Mann reingelaufen, der an der Wand lehnte. Sie murmelte eine Entschuldigung. Dann ging sie ihre Optionen durch. Dass sie Frankfurt verpasst hatte, war jetzt nicht mehr zu ändern. Sie hatte keine Chance, es rechtzeitig um neun zum Termin zu schaffen. Mit ein bisschen Glück würde die Verzögerung aber nicht länger als dreißig Minuten betragen. Sie atmete tief durch und wappnete sich für die Lüge, die sie ihrem Mandanten jetzt auftischen würde. Dann wählte sie die Nummer.

Um kurz vor halb neun stand Anna in Aschaffenburg vor einem Abfahrtsplan und sah zu ihrer großen Erleichterung, dass zehn Minuten später ein ICE zum Frankfurter Südbahnhof abfuhr. Sie beeilte sich, um auf das entsprechende Gleis zu kommen und hörte dort gerade noch das Ende einer Ansage.

»… ist die Strecke Richtung Frankfurt aufgrund eines Oberleitungsschadens bis auf Weiteres nicht befahrbar. Bitte beachten Sie die Lautsprecherdurchsagen. Bis Hanau wird Schienenersatzverkehr bereitgestellt. Wir bitten, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.«

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Es war noch nicht mal neun Uhr und ein Teil des Universums hatte sich bereits gegen sie verschworen. Erst der blöde Albtraum, dann der fehlende Zugteil und schließlich der verpatzte Ausstieg in Frankfurt. Und jetzt das! Sie verfluchte die Deutsche Bahn. Nie wieder würde sie einen Fuß in einen Zug dieses Unternehmens setzen. Kein Wunder, dass die Anzahl der Reisenden rückläufig war. Wer war denn unter solchen Umständen schon bereit, auf das Auto zu verzichten?

Anna war wütend. Am liebsten hätte sie irgendwo gegengetreten und nur ihre gute Erziehung hielt sie davon ab. Stattdessen setzte sie sich auf eine Bank. Sie musste nachdenken.

Ihr Handy klingelte in der Handtasche. Das war bestimmt der Mandant, der wissen wollte, wo sie blieb. Was sollte sie dem bloß sagen? Sie entschied, das Klingeln zu ignorieren und nach ein paar Sekunden verstummte das Gerät.

Ein dumpfes Grollen kündigte ein Gewitter an. Sie schaute in den Himmel. Der Horizont war bereits tiefschwarz, in ein paar Minuten würde es anfangen zu regnen.

Anna mochte Gewitter nicht. Seit ihrer frühen Kindheit hatte sie Angst vor Blitz und Donner.

Sie spielte nervös an ihrem Kettenanhänger. Lena, schoss es ihr durch den Kopf. Vor sechsundzwanzig Jahren, fast auf den Tag genau, hatte sie sich umgebracht. Es gab Tage, an denen der Verlust ihrer älteren Schwester besonders schmerzhaft war und heute war so ein Tag.

Sie kramte das Handy aus der Handtasche. Auf der Anzeige stand: Karl, Anruf in Abwesenheit.

»Mist.«

Sie drückte auf Rückruf. Aber es ging nur die Mailbox ran. Wahrscheinlich war er längst zurück im OP und sie hatte eines dieser seltenen Zeitfenster verpasst, in denen ihr Ehemann für sie zu sprechen war. Eine Nachricht zu hinterlassen, hatte überhaupt keinen Sinn. Er würde ja sehen, dass sie angerufen hatte.

Heute Abend waren sie verabredet, um Annas Geburtstag zu feiern. Schon vor Wochen hatten sie in dem französischen Sternerestaurant reserviert, das Karl so liebte. Sie hätte einen Italiener vorgezogen, aber sie wünschte sich einen entspannten Abend mit gutem Essen und ohne Streit. Die Bewerbung nach München wollte sie heute auf keinen Fall ansprechen, auch nicht das andere Thema, das sie seit ein paar Monaten beschäftigte. Seit April wusste sie, dass Karl sie betrog. Paula war zufällig dahintergekommen und hatte es ihr verraten. Sie würde mit ihm darüber sprechen müssen, aber nicht heute. Sie freute sich auf den Abend und hatte vor, ihn zu genießen.

Ein lauter Donner krachte und Anna zuckte zusammen.

Was hatte Karl gewollt? Er rief niemals um diese Uhrzeit bei ihr an. Sie drückte noch einmal auf Rückruf, gelangte aber wieder nur auf seine Mailbox.

Vielleicht war er gar nicht im OP, sondern bei ihr. Offiziell hatte er Nachtschichten, ziemlich viele in letzter Zeit. Sie hätte eigentlich selbst merken müssen, dass was nicht stimmte. Aber sie schliefen schon seit einiger Zeit in getrennten Schlafzimmern und an manchen Tagen sprachen sie nicht viel mehr miteinander als ein »guten Morgen« oder »schlaf gut«.

Sie redeten sich gegenseitige Rücksichtnahme ein. Er kam oft spät und ging sehr früh, sie arbeitete manchmal nachts im Bett. Aber der wahre Grund war ein anderer, das wusste sie. Das wussten sie beide. In ihrer Ehe war die Luft raus. Nicht nur die fehlende Kommunikation war dafür ein klares Signal, sie hatten auch seit Monaten keinen Sex mehr gehabt.

Die Nachricht von der Affäre war für Anna ein Schock gewesen. Karl war immer noch ihr Mann und sie fand es unfair, dass er sie so hinterging. Sie wusste nicht genau, wie sie damit umgehen sollte. Vor allem nicht, weil sie selbst auch fremdgegangen war. Bei der Erinnerung daran lief ihr ein Schauer über den Rücken.

Kurz nachdem Anna von der Affäre ihres Mannes erfahren hatte, musste sie ihren Vater Heinrich auf eine Benefizveranstaltung seiner Baufirma, der Cosmas-AG, ins renommierte Dom-Hotel begleiten, eine familiäre Verpflichtung, der ihre Mutter schon lange nicht mehr nachkommen konnte. Seit dem Tod der ältesten Tochter war sie unpässlich, wie man es in der Familie nannte. Sie trank, litt unter schweren Depressionen und hatte seit Jahren das Haus nicht verlassen, außer zu ein paar Aufenthalten in einer psychiatrischen Klinik. Somit war Anna die Rolle zugefallen, die Familie bei gesellschaftlichen Anlässen zu repräsentieren. Sie mochte es nicht besonders, aber so war sie erzogen.

Im Laufe der Veranstaltung hatte ihr ein Fremder den Hof gemacht.

Der ist heiß, hörte sie Paula in ihrem Kopf flüstern. Schnapp ihn dir.

Heiß traf es auf den Punkt. Der Mann war groß, sportlich, mit Dreitagebart und er hatte dunkelblaue Augen, die Anna magisch anzogen. Er war eine perfekte Mischung aus Easy Rider und James Bond – Daniel Craig Bond. Er hatte sogar ein Tattoo. Ein Eckchen davon ragte verführerisch aus seinem Kragen.

Paula hätte sofort zugegriffen. Dieser Kerl müsste nicht in der Badewanne schlafen – einer von Paulas Lieblingssprüchen.

Bei dir herrscht ein schlimmer Mangel an Abenteuerlust, hatte ihr die Freundin mal gesagt. Das solltest du dringend ändern.

Aber Paula war die Draufgängerin und sie hatte sich den dazu passenden Beruf ausgesucht. Investigative Journalistin. Anna war die Vorsichtige, die alles gut durchdachte, bevor sie handelte. Noch nie hatte sie sich spontan in ein Abenteuer gestürzt, nicht als Kind, nicht als Teenager und als Erwachsene schon gar nicht. Sie hatte gelernt zu funktionieren und das zu tun, was man von ihr erwartete: Eliteschulen, Jurastudium, Spezialisierung auf Wirtschaftsrecht, folgsame Ehefrau, die die Allüren ihres Mannes weder kritisierte noch hinterfragte.

Irgendwann hatte sich der Mann entschuldigt und war verschwunden. Bekannte gesellten sich zu ihr, aber Anna konnte sich nicht auf die Gespräche konzentrieren. Sie suchte mit den Augen den Saal nach dem schönen Fremden ab, konnte ihn aber nirgends entdecken. Enttäuscht entschied sie sich, zu gehen. Als sie gerade ihren Mantel geholt hatte und im Begriff war das Gebäude zu verlassen, legte sich eine Hand auf ihre Schulter. Sie wirbelte herum.

»Wollen Sie wirklich schon gehen?«

Diese Augen. Anna spürte, wie sie errötete.

Der Fremde lächelte. »Ich kenne da einen Ort, der Ihnen gefallen wird. Wollen Sie mich begleiten? Es ist nicht weit.«

Sie nickte. Gesagt hatte sie noch kein Wort. Abenteuer, hörte sie Paula rufen. Abenteuer!

»Warten Sie kurz. Nicht weglaufen!« Der Mann verschwand und erschien kurze Zeit später mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern.

»Voilà«, grinste er.

Sie gingen nach draußen auf die Domplatte. Anna war nervös. Was sollte sie sagen?

»Ist das nicht ein atemberaubender Anblick?«, nahm ihr Begleiter ihr die Entscheidung ab und zeigte auf den angestrahlten Kölner Dom. Anna legte den Kopf in den Nacken und nickte. Sie liebte den Dom, vor allem nachts. Von ihrer Wohnung im Kranhaus Nord hatte sie freien Blick auf das gotische Bauwerk und saß abends oft stundenlang im Dunkeln und genoss die privilegierte Aussicht. Ein Windhauch wehte über die Domplatte, und obwohl es eine laue Sommernacht war, fröstelte sie.

»Kommen Sie«, flüsterte der Fremde, und ohne eine Antwort abzuwarten, zog er Anna zur Nordseite des Doms. Vor einem grauen Bauzaun blieb er stehen und nestelte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche.

»Wo haben Sie den denn her?«, wollte sie wissen. So langsam kam ihr das Ganze etwas eigenartig vor.

»Sagen wir mal, ich hab da so meine Beziehungen.« Er öffnete eine unscheinbare Tür, schob Anna hinein und verschloss sie sofort wieder sorgfältig. Dann drückte er einen großen schwarzen Knopf und oben setzte sich rumpelnd ein Aufzug in Bewegung. Anna wurde nervös. Das brave Kind in ihr erwachte und schlug Alarm.

»Sind Sie sicher … dürfen wir denn …«, begann sie zögernd, aber in dem Moment kam der Aufzug unten an.

»Nur Mut«, sagte der Mann. »Diese Nacht wird unvergesslich werden.«

Anna gab nach, auch wenn sie die letzte Bemerkung ein wenig zu selbstverliebt fand. Was blieb ihr anderes übrig? Um keinen Preis der Welt wollte sie jetzt der Spielverderber sein. Diesmal würde sie nicht kneifen und sich auf das bevorstehende Abenteuer einlassen. Sie konnte es kaum erwarten, Paulas Gesicht zu sehen, wenn sie ihr davon erzählte.

Die Fahrt endete auf dem Vierungsturm des Kölner Doms.

»Habe ich zu viel versprochen?« Der Mann machte eine ausladende Geste wie ein Gutsherr, der stolz seine Ländereien zeigt. Dann öffnete er den Champagner.

Die Aussicht auf die nächtliche Stadt war sagenhaft. Im Norden sah man das Hansahochhaus mit der roten Leuchtreklame, im Süden die Kirche Groß St. Martin und dahinter die Kranhäuser, in denen Anna wohnte. Sie war sprachlos. Der Champagnerkorken knallte und sie zuckte zusammen.

»Ich heiße übrigens Konstantin.«

»Ein schöner Name.«

Der Mann lächelte und zog sein Jackett aus.

Anna bekam Zweifel an ihrem Urteilsvermögen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, mit diesem wildfremden Kerl an einen Ort zu gehen, an dem sie keinerlei Kontrolle hatte? Sie war auf einem Turm gefangen und konnte nirgendwo hin.

Sie zögerte einen Moment, aber dann entschied sie, das Spiel einfach mitzuspielen.

»Anna, ich heiße Anna.«

Konstantin reichte ihr ein Glas Champagner.

»Zum Wohl, Anna.«

Sie stießen an und sie leerte ihr Glas in einem Zug.

Konstantin grinste und schenkte nach. Dabei blickte er ihr direkt in die Augen.

»Du bist wunderschön, weißt du das?«

Er trat einen Schritt auf sie zu und zog ihren Mantel aus. Als er ihren Hals küsste, schloss sie die Augen. Dann öffnete er den Reißverschluss ihres Abendkleids, schob es ihr über die Schultern und ließ es zu Boden gleiten. Darunter war sie nackt, bis auf den schwarzen Tanga und die hochhackigen Pumps. Sein Blick glitt über ihren schlanken Körper und blieb für einen Moment an dem haselnussgroßen, herzförmigen Muttermal haften, kurz oberhalb ihrer Scham. So hatte sie ein Mann schon lange nicht mehr angesehen. Das gefiel ihr und erregte sie.

»Atemberaubend«, stellte Konstantin zufrieden fest, nahm ihr den Champagner aus der Hand und drückte sie gegen einen Pfeiler. Er führte seine Hände langsam über ihre Schultern nach unten, umfasste fordernd ihre Hüften. Dann kniete er sich hin und fuhr mit der Zunge die Konturen ihres Muttermals nach. Anna ließ ihn gewähren. Eine Mischung aus Angst und Erregung brachte ihr Herz zum Rasen. Ein Windhauch ließ sie erschauern. Als er ihr den Slip auszog und seine Hand zwischen ihre Schenkel schob, schloss sie die Augen und stöhnte leise.

Die ganze Szene war wie aus einem billigen Schundroman. Aber Anna gefiel es, sie fühlte sich lebendig und konnte kaum erwarten, wie es enden würde.

 

Kapitel 7

 

Fritz Sanders Handy brummte. Rolf Schröder. Schon wieder.

Er stand mittlerweile auf einem Bahnsteig in Aschaffenburg, war hinter einem Getränkeautomaten in Deckung gegangen und wartete darauf, dass irgendetwas passierte. Im ICE war alles friedlich verlaufen, bis kurz hinter Frankfurt ein Mann mittleren Alters aufgekreuzt war und seine Zielperson angesprochen hatte. Sie war daraufhin aufgesprungen, Richtung Ausgang geeilt und beinah in ihn reingelaufen. Ihr unerwartet so nah zu sein, hatte ihn irritiert. Sie roch nach Frühlingsblumen und Honig und ihre Stimme, die eine Entschuldigung murmelte, war verstörend erotisch. Am liebsten hätte er sie festgehalten und ihr Haar berührt.

Ach was soll’s, dachte Sander, schob die Erinnerung beiseite und drückte den grünen Hörer auf seinem Smartphone.

»Wehe, wenn es nicht wichtig ist«, knurrte er unhöflich.

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause, dann Gelächter.

»Heute noch keinen Kaffee gehabt?«

Sander musste grinsen, sagte aber nichts.

»Freut mich auch, deine Stimme zu hören«, entgegnete Schröder am anderen Ende.

Sander schwieg. Der Klang von Rolfs Stimme und die alte Vertrautheit hatten ihm einen Stich versetzt. Damit hatte er nicht gerechnet.

»Wie lange ist das jetzt her, Fritz?«

»Lange«, brummte er.

»Wie geht’s dir?«

»Was willst du?« Das kam unfreundlicher rüber, als geplant.

»Ich will wissen, wie es dir geht? Das nennt man Small Talk. Das machen Menschen so, die sich lange nicht gesprochen haben.«

Kurzes Schweigen.

»Sag mir, was du willst, für Small Talk hab ich keine Zeit.«

Schröder atmete hörbar tief ein und aus.

»Na gut«, gab er schließlich nach. »Wie du willst. Dann komm ich gleich zur Sache. Wir haben eine Leiche gefunden, die dich vielleicht interessieren könnte.«

»Du bist jetzt also bei der Mordkommission.«

Die Erkenntnis versetzte Sander einen Stich. Denn es war ihr gemeinsamer Traum gewesen Mordermittler zu werden, bevor sein Leben zum Albtraum wurde.

»Ja«, antwortete Rolf. »Seit ein paar Monaten.«

»Glückwunsch. Das wolltest du ja immer.« Das kam sarkastischer rüber, als Sander beabsichtigt hatte.

»Ich dachte, für Small Talk ist keine Zeit?«, kam die prompte Retourkutsche.

»Schon gut. Was hast du?«

Schröder holte noch einmal hörbar Luft.

»Der Tote kommt aus Mazedonien und war allem Anschein nach illegal im Land.«

Sander unterbrach ihn. »Was soll das? Damit hab ich nichts zu schaffen. Ich bin suspendiert, schon vergessen? Du verschwendest meine Zeit, ich lege jetzt auf.«

»Warte doch mal, du verdammter Sturkopf«, rief Schröder, dem langsam der Geduldsfaden riss. »Lass mich ausreden. Ist mir nicht leichtgefallen, dich anzurufen.«

Sander schwieg.

»Ich werte das als ein Ja, also pass auf. Der Clou an der Sache ist nicht der Tod eines Illegalen, zumindest nicht für dich, denn damit kommen wir ganz gut alleine klar«, er machte eine Pause, um Luft zu holen, »sondern der Tatort. Wir haben die Leiche auf einem Baugelände der Cosmas-AG gefunden.«

Der Name der Baufirma ließ Sander aufhorchen. Sein ehemaliger Partner hatte jetzt seine volle Aufmerksamkeit.

»Was genau ist passiert?«, fragte er und versuchte, sich seine Aufregung nicht anmerken zu lassen.

»Wissen wir noch nicht. Wir haben einen aufgespießten Leichnam. Der arme Tropf ist zwei Meter tief auf die Wandanschlüsse der Bewehrung gestürzt. Ob es sich um ein Tötungsdelikt handelt oder einen Unfall ist noch unklar.«

»Wer hat die Leiche gefunden?«

»Wird gerade ermittelt«, sagte Schröder. »Es gab einen anonymen Anrufer.«

»Habt ihr denn einen Hinweis?«

»Ja, Aufnahmen einer Überwachungskamera und wir wissen, dass der Anruf aus einer Telefonzelle ganz in der Nähe des Tatorts kam.«

»Habt ihr die Kameras schon ausgewertet?«

»Fritz, jetzt mach mal halblang. Das war alles erst gestern und gestern war Sonntag. Wir sind dran, okay?«

»Sonst noch was Interessantes?«, fragte Fritz Sander, unbeeindruckt von Schröders Einwand.

»Ja«, Sander hörte, wie am anderen Ende der Leitung Notizen durchgeblättert wurden. »Ich hab mal auf Verdacht alle Firmen, die mit der Baustelle zu tun haben, mit der Liste von unserem alten Fall verglichen. Es gab drei Treffer.«

»Lass mich raten«, sagte Sander. »Strobel ist bestimmt wieder dabei.«

»Genau«, bestätigte Rolf, »Strobels Sicherheitsfirma ist für den Objektschutz zuständig. Nicht überraschend.«

»Nein. Wer noch?«

»Der Gutachter.«

»Im Ernst?« Sander war ehrlich überrascht.

»Im Ernst«, sagte Schröder. »Und die Personalvermittlung Sanerpol. Alles alte Bekannte.«

Ihr alter Fall war Ende Juli 2016 eingestellt worden, ungefähr vor einem Jahr. Eine anonyme Anzeige im KK 31 hatte ein paar Wochen vorher den Stein ins Rollen gebracht. Angeblich hatte die Wohnungsbaugesellschaft Cosmas-AG für 24,8 Millionen Euro ein Fabrikgelände erworben, und nur wenige Monate später für 33,9 Millionen Euro an ein Unternehmen der Stadt Köln verkauft, das dort einen Wohnpark errichten wollte. Es sollten mindestens eintausend Wohneinheiten entstehen und fünfhundert neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Tippgeber hatte behauptet, dass das Gutachten für die Altlastensanierung für das Gelände von der Cosmas-AG geschmiert worden war, um eine höhere Verkaufssumme zu erzielen.

Fast 10 Millionen Euro Gewinn bei einer simplen Grundstückstransaktion. Das roch nach Korruption. Sander und Schröder ermittelten wochenlang in alle Richtungen. Erfolglos. Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Cosmas-AG ergab nichts. Die Bücher waren sauber, ebenso das Gutachten und alle notariell beglaubigten Dokumente. Sie konnten keinerlei Beweise für illegale Machenschaften finden, weder bei der Cosmas-AG noch bei dem städtischen Unternehmen.

Und den Tippgeber hatten sie auch nicht ausfindig machen können. Fritz Sander war sich zwar sicher, dass es sich um eine der Sekretärinnen handelte, Susanne Schneider, aber die Frau war wie vom Erdboden verschluckt. Sie hatte angeblich gekündigt, um in Thailand ein neues Leben anzufangen. Es lag sogar ein ordentliches Kündigungsschreiben vor, aber Sander glaubte nicht daran.

Kurze Zeit später hatte der Staatsanwalt entschieden, den Fall nicht weiter zu verfolgen. Heinrich Verhoeven, der Geschäftsführer der Cosmas-AG, war einer der angesehensten und erfolgreichsten Unternehmer des Landes, mit Beziehungen bis in die Spitzen von Wirtschaft und Politik. Den wollte man nicht unnötig verärgern.

Hätte Sander sich damals an diese Anweisung gehalten, wäre er heute sicher nicht in dieser Situation. Aber er hatte heimlich weiterermittelt und war der Wahrheit am Ende offenbar zu nahegekommen. Jetzt war er suspendiert und vorerst kaltgestellt. Wenn er sein Leben zurückhaben wollte, dann nur, indem er hieb- und stichfeste Beweise gegen Verhoeven anbringen konnte. Und jetzt fiel ihm eine Gelegenheit in den Schoss, auf die er lange gewartet hatte: Schwarzarbeit auf einer Baustelle der Cosmas-AG. Wenn er Verhoeven nicht wegen Betrugs drankriegen konnte, dann vielleicht deswegen. Al Capone war auch wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis gewandert.

Die Bemerkung unser alter Fall war Sander nicht entgangen. Das bedeutete, dass auch sein ehemaliger Partner die Geschichte noch nicht ad acta gelegt hatte.

»Glaubst du, Verhoeven riskiert Schwarzarbeit auf seinen Baustellen?«, fragte er nachdenklich.

»Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen«, antwortete Schröder. »Der Polier schwört hoch und heilig, dass alles sauber ist. Keine Illegalen und vor allem keine Mazedonier.«

»Wie konntest du den Mann überhaupt so schnell identifizieren?«, bohrte Fritz Sander nach.

»Über das Handy des Toten. Lag an der Absturzstelle und die letzte Nummer, die angerufen wurde, hat uns direkt zu einem anderen Mazedonier geführt, der mit dem Toten befreundet war. Das ging erstaunlich reibungslos.«

»Hm«, brummte Sander. »Kannst du mich auf dem Laufenden halten?«

»Mache ich doch gerade.«

»Auch über die weiteren Ermittlungen?«

»Natürlich«, sagte Schröder. »Sonst hätte ich dich nicht angerufen.«

»Du kannst deswegen aber Schwierigkeiten bekommen.«

»Lass das mal meine Sorge sein. Ich melde mich wieder«, sagte er. Dann legte er auf.

 

 

 

Kapitel 8

 

Ein Blitz zuckte über den Himmel und ein gewaltiger Donner grollte Unheil verkündend. Eine starke Böe zwang Anna zum Handeln. Es würde jeden Moment anfangen zu regnen. Sie riss sich schweren Herzens von der Erinnerung ihres Seitensprungs los, stand auf und fasste den Entschluss, mit dem Taxi nach Frankfurt zu fahren.

Auf dem Bahnhofsvorplatz herrschte hektisches Treiben. Jede Menge Reisende standen herum, verärgert, gestresst, verwirrt. Die Stimmung war gereizt. Die Busse für den Schienenersatzverkehr waren noch nicht eingetroffen, wurden aber jede Minute erwartet. Ein überforderter Bahnbeamter wurde von so vielen Menschen umringt, dass man nur noch seine rote Mütze erkennen konnte. Es tröpfelte bereits.

Anna schaute sich um. Vor dem Taxistand stand eine lange Schlange, aber kein Fahrzeug weit und breit. Natürlich war sie nicht der einzige Mensch mit Terminen und Verpflichtungen. Sie sah auf die Uhr. Es war kurz vor neun. Wo bekam sie jetzt eine Mitfahrgelegenheit her? Ihr Blick fiel auf eine Kneipe mit dem originellen Namen Bei Moni, die etwas abseits lag. Vielleicht konnte man ihr dort weiterhelfen. Sie erreichte die Kneipe genau in dem Moment, als der Himmel seine Schleusen öffnete.

Der lang gezogene, schmale Raum wurde von einem altmodischen dunklen Tresen dominiert, an dem eine Reihe verwaister Barhocker standen. Im hinteren Bereich flimmerte eine südamerikanische Telenovela stumm über einen riesigen Plasmabildschirm. An der rechten Wand hingen ein paar blinkende Spielautomaten. Es war düster und roch nach abgestandenem Bier. Im Vergleich zu dem hektischen Treiben draußen auf dem Platz herrschte drinnen eine gespenstische Ruhe. Die Kneipe war fast leer, bis auf eine Bedienung, die ihre besten Jahre bereits hinter sich hatte, einen älteren Mann mit Halbglatze, der konzentriert an zwei Automaten gleichzeitig spielte und eine junge Frau, die hinten auf einem Barhocker saß und abwechselnd gelangweilt in einer Illustrierten blätterte oder auf den Fernseher starrte. Annas Ankunft wurde von allen dreien neugierig zur Kenntnis genommen. Der Mann wandte sich aber schnell wieder seinem Spiel zu.

Anna sprach die Barfrau an. »Ich brauche einen Wagen. Ich muss schnellstmöglich nach Frankfurt. Haben Sie eine Idee?«

Kehliges, verrauchtes Lachen, das in einen Hustenanfall überging. »Hast wohl ’nen Clown gefrühstückt, Schätzchen, hä?«

Anna verstand. Wie es aussah, saß sie hier bis auf Weiteres fest. Sie setzte sich auf einen der Barhocker und sah die Wirtsfrau mit großen Augen an, die sich langsam mit Tränen füllten. Erstaunt stellte sie fest, dass sie nichts dagegen unternehmen konnte.

»Ach, Engelchen. Wer wird denn da gleich losheulen?« Die Barfrau betrachtete ihren neuen Gast mit einer Mischung aus Neugier und Verblüffung, und als Anna nicht antwortete, goss sie eine braune Flüssigkeit in ein Schnapsglas und stellte es ihr vor die Nase.

»Hier trink! Hilft immer.«

Anna sah erstaunt auf, überlegte nicht lange und leerte das Glas in einem Zug. Es war einer dieser klebrigen Kräuterschnäpse und er verbreitete in ihrem Magen ein wohlig warmes Gefühl.

Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt um diese Uhrzeit Alkohol getrunken hatte. Sie trank nie tagsüber. Selbst bei Feiern im Büro lehnte sie den obligatorischen Sekt meistens ab, um einen klaren Kopf zu behalten.

Aber heute war kein normaler Tag. An normalen Tagen ging sie zur Arbeit, fühlte sich gut, hatte alles unter Kontrolle und strandete nicht in einer bayerischen Kleinstadt und bewegte sich vor allem nicht am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

»Noch einen, bitte«, sagte sie kraftlos.

Die Barfrau lächelte amüsiert.

Anna fühlte sich wesentlich besser. Die Tränen waren fürs Erste versiegt.

»Hallo.«

Die junge Frau mit der Illustrierten war neugierig nach vorn gekommen. Anna blickte auf.

»Dein Kerl?«, fragte sie.

Anna schüttelte den Kopf.

»Dein Boss.«

Das war keine Frage.

Anna bemerkte einen slawischen Akzent und betrachtete die Frau näher. Sie war Mitte zwanzig, mit hohen Wangenknochen und sehr dünn. Das lange blonde Haar war glanzlos und sie hatte es zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihre Kleidung war billig und aufreizend und ihr Make-up für Annas Geschmack viel zu aufdringlich. Nur die grünen Augen strahlten etwas Besonderes aus.

Während ihres Studiums in England hatte Anna ein Praktikum bei der Sitte gemacht. Sie war keine Idiotin. Sie wusste, wo sie gelandet war. In diesem Milieu waren Männer die Ursache für die meisten Probleme. Freier, Zuhälter, Bosse. Alle hatten ein wirtschaftliches Interesse an den Frauen und interessierten sich wenig für deren Bedürfnisse.

Aber war es in ihrer, Annas Welt, denn anders?

Ihr »Kerl« war ein schwieriger Mensch. Er kommunizierte nicht, sondern informierte. Er war launisch, leicht reizbar und emotional verkrüppelt. Sie hatte ihn viel zu schnell geheiratet, nach nur sechs Monaten, weil sie bis über beide Ohren verliebt gewesen war. Das kam ihr rückblickend fast absurd vor. Denn schon nach kurzer Zeit hatte sie erkannt, dass Karl nur eine Liebe hatte: die Medizin. Und einen großen Traum: Chefarzt einer Privatklinik. Die Tochter eines wohlhabenden und einflussreichen Baulöwen hatte ihn seinem Ziel ein gutes Stück nähergebracht. Sie war Mittel zum Zweck gewesen, schmückendes Beiwerk. Ein Statussymbol wie der Porsche. Und wie das oft ist mit schönen Dingen: Hat man sie erst mal in seinem Besitz, verliert man schnell das Interesse an ihnen.

Ihr Boss, Dr. Martin Winter, war ein Schulfreund ihres Vaters und genau wie dieser ein Mann alter Schule: autoritär und patriarchalisch. Er führte seine Firma im Kasernenhofstil und niemand beschwerte sich darüber. Wer hier arbeiten durfte, würde eher sterben, als zu rebellieren. Vor allem die weiblichen Angestellten hatten es schwer. Martin Winter stellte ihnen nach und machte keinen Hehl daraus, dass man mit sexuellen Gefälligkeiten bei ihm weiterkam. Nur Anna war vor ihm sicher. Winter würde es aus Respekt vor seinem alten Freund Verhoeven nicht wagen, sie anzumachen.

Sie schüttelte wieder den Kopf.

»Nein, kein Mann.«

Die Frau sah Anna ratlos an. »Was hast du dann?«

Das war eine gute Frage. Was war los mit ihr? Sie spielte gedankenverloren an ihrem Kettenanhänger.

»Der ist hübsch«, sagte die junge Frau und deutete auf den kleinen blauen Schmetterling.

»Den hat mir meine Schwester geschenkt.«

Annas Stimme war brüchig, sie war schon wieder den Tränen nah.

»Sie hat guten Geschmack.«

»Sie ist tot«, sagte Anna tonlos. Sie hatte keine Ahnung, warum sie gerade jetzt davon anfing.

»Oh, das tut mir leid«, sagte die Frau mitfühlend. »Was ist passiert?«

»Sie hat sich umgebracht. Schlaftabletten.«

Anna sah ihrem Gegenüber jetzt direkt ins Gesicht.

»Wie schrecklich!«

Auf ein Zeichen goss die Wirtin noch einen Schnaps ein. Anna nippte daran. Langsam stieg ihr der Fusel zu Kopf. Sie hatte noch nicht viel gegessen, einen Toast zum Frühstück, sonst nur Kaffee.

»Danke«, sie schob das halb volle Glas von sich weg. »Ich war erst acht.«

Die junge Frau zog überrascht die Augenbrauen hoch.

»Ja, das ist schon so lange her und trotzdem macht es mich manchmal immer noch sehr traurig.« Sie vergrub den Kopf in den Händen, um ihre Tränen zu verbergen.

»Entschuldigung!« Sie schniefte.

»Hey du. Ich kann dich verstehen, wirklich.« Anna spürte eine warme Hand auf ihrem Unterarm.

Die emotionale Reaktion einer Fremden löste den Weinkrampf aus, den sie verzweifelt unterdrückte, seit sie den Raum betreten hatte und es dauerte ein paar Minuten, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte. In der Zwischenzeit hatte die Frau ihr ununterbrochen den Arm getätschelt und versucht, sie zu beruhigen. Anna schluchzte und kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch. Dann putzte sie sich die Nase und kippte den Rest von ihrem Schnaps runter.

»Weißt du, was das Schlimmste ist?«, fragte sie die Prostituierte.

Die Frau schüttelte den Kopf.

»Ich habe keine Ahnung, warum sie das getan hat.«

Ihr Gegenüber zog überrascht die Augenbrauen hoch. »Was sagen die Eltern?«

»Die reden nicht, hab ich schon versucht.«

»Du musst weiter versuchen. Das ist wichtig für dein Leben. Jemand geht es schlecht und der will reden.«

Anna sah die Frau erstaunt an und dachte einen Moment nach. Der Satz traf es wirklich auf den Punkt, denn die Bezeichnung schlecht gehen galt so ziemlich für jeden in ihrer Familie.

Sie selbst wurde von einem schrecklichen Albtraum geplagt und lebte im Grunde nur für den Job. Außer Paula hatte sie keine Freunde und ihre Ehe war eine Farce.

Ihr Vater war – genau wie sie – ein Workaholic. Außer seiner Firma interessierte ihn nichts und was er über den Selbstmord seiner Tochter dachte, würde er mit ins Grab nehmen. Anna wusste nicht, ob es ihm nahe ging, ob er nach sechsundzwanzig Jahren noch manchmal an Lena dachte oder ob es ihm schlichtweg egal war.

Annas Mutter Caroline hatte an dem Tag, als ihre älteste Tochter sich das Leben nahm, den Verstand verloren und sich in ihre eigene Welt verkrochen, aus der sie immer seltener hervorkam. Sie betäubte ihren Schmerz mit Alkohol und Tabletten und hatte schon mindestens einmal versucht, sich umzubringen. Seit Jahren war sie regelmäßig Patientin in einer psychiatrischen Klinik mit dem schönen Namen Schloss Sonnenfels. Der Klinikleiter war ein Duzfreund ihres Vaters und seine Frau Caroline bekam dort einen Platz, wann immer ihre Depressionen überhandnahmen.

Die Ehe ihrer Eltern bestand seit Jahrzehnten nur noch auf dem Papier. Mit Lenas Tod war die Familie zerbrochen. Von einem Tag auf den anderen. Die beiden bewohnten getrennte Bereiche in der großen Villa im Hahnwald und Annas Vater holte sich, was er brauchte bei Prostituierten. Eine feste Freundin hatte er nicht. Caroline hatte die Villa seit Jahren nur für die Klinikaufenthalte verlassen. Sie kam Anna manchmal vor wie eine Prinzessin, die in ihrem eigenen Schloss gefangen gehalten wurde.

Wenn sie es sich recht überlegte, war ihre Mutter eindeutig die Siegerin in puncto schlecht gehen. Sie hatte die Tragödie am allerwenigsten verkraftet.

»Du hast ihre Augen«, sagte Anna, um das Thema zu wechseln.

Die Frau verstand nicht.

»Lena, meine Schwester, hatte auch so grüne Augen wie du. Es gibt Tage, an denen ich sie besonders vermisse und heute ist so ein Tag.«

»Ich heiße Magda. Komm, trink noch eins«, sagte die junge Frau und bestellte noch mal zwei Schnäpse. Aber diesmal lehnte Anna dankend ab. Sie hatte genug.

Magda trank ihren halb aus.

»Ich muss los«, sagte sie mit einer entschuldigenden Geste. »Ich wünsch dir Glück.« Dann umarmte sie die überraschte Anna und verließ die Kneipe.

Anna blieb noch eine Weile am Tresen sitzen und schaute nachdenklich aus dem Fenster. Der Regen ließ langsam nach.

Sie hatte so viele Fragen, was Lenas Tod betraf, aber niemand wollte ihr Antworten liefern. Ihr Vater hatte ihr untersagt, über Lena zu sprechen. Mit ihm nicht und mit ihrer Mutter erst recht nicht. Er verweigerte sich einfach und ein Nein bedeutete ein Nein. Bisher hatte Anna sich gefügt. So war das in der Familie. Der Vater bestimmte die Regeln, denen alle gehorchten und niemand stellte dieses System infrage. Kein Wunder, dass ihr Unterbewusstsein angefangen hatte, mit ihr zu kommunizieren.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Regeln zu ändern, dachte Anna wütend. Magda hatte vollkommen recht. Wenn sie jemals wirklich glücklich werden wollte in ihrem Leben, musste sie die Wahrheit über Lenas Selbstmord erfahren. Auch wenn sie damit das Verhältnis zu ihrem Vater auf die Probe stellte. Aber es war verdammt noch mal ihr Leben, nicht seins. Sie hatte sich ihm schon viel zu lange untergeordnet. Sie griff doch noch nach dem Schnapsglas und leerte es in einem Zug.

Der Mann am Spielautomaten schlug laut fluchend gegen die Maschine. Anna zuckte zusammen und schaute sich um. Sie wollte weg, und zwar so schnell wie möglich, nach Frankfurt, nach Hause, ganz egal, nur weg von hier. Sie griff nach ihrer Handtasche, um zu bezahlen und erschrak. Die Tasche war nicht mehr da. Eben hatte sie noch auf dem Hocker neben ihr gelegen. Jetzt war sie weg. Auch auf dem Boden war sie nicht. Nur die Aktentasche war noch da.

»Das darf doch wohl nicht wahr sein!« Anna war schlagartig nüchtern. »Die hat mich beklaut!« Sie sah sich hektisch in der Kneipe um.

Die Barfrau kam nach vorne. »Was schreiste denn hier so rum?«

»Die Frau von eben, wer ist das?«

»Welche Frau?«

Anna war verwirrt, sie verstand die Frage nicht. »Na, die, mit der ich mich unterhalten habe, vor höchstens drei Minuten. Wie hieß sie noch?« Sie überlegte, dann fiel es ihr wieder ein. »Magda«, sagte sie schnell. »Genau, Magda.«

»Hier gibt’s keine Magda«, beteuerte die Wirtin.

»Ach, kommen Sie, die hat mir doch noch einen Schnaps ausgegeben.« Anna war sich nicht sicher, was hier gespielt wurde.

»Ich sag’s noch mal, Schätzchen«, wiederholte die Barfrau, diesmal langsam und mit Nachdruck. »Hier war niemand. Und die Schnäpse haste alle selbst bestellt.« Sie verschränkte zur Bestätigung ihre fetten Arme vor der Brust und rief dann zu dem Kerl: »Stimmt’s Sepp? Hier war außer der Dame niemand!«

Sepp murmelte Zustimmung, ohne den Blick von den Rollen zu nehmen, auf denen sich verschiedene Obstsorten im Kreis drehten.

Die beiden Frauen starrten sich an.

»Aber meine Handtasche. Da ist alles drin, Papiere, Portemonnaie, Handy, einfach alles.«

Was war hier los? Hatte sie sich das etwa alles nur eingebildet?

»Soll heißen, du kannst nicht zahlen?« Die Barfrau stemmte ihre Arme jetzt gegen den Tresen und beugte sich bedrohlich zu Anna rüber. »So ist das also. Erst saufen, dann nicht zahlen wollen!«

Anna erschrak und tastete reflexartig ihr Kostüm ab.

»Wie viel schulde ich Ihnen denn?«, fragte sie.

»Vier Jägermeister, ein Wasser«, rechnete die Frau im Kopf, »macht zwölf Euro.«

Anna war sich sicher, dass diese Rechnung nicht stimmte, aber sie wollte nicht weiter diskutieren, sondern so schnell wie möglich aus dem Laden raus. In ihrer Aktentasche wurde sie fündig. Dort bewahrte sie für Notfälle immer einen Fünfzigeuroschein auf. Man konnte ja nie wissen! Jetzt war sie ausnahmsweise froh über ihre Neurosen. Sie zahlte und verließ fluchtartig diesen schrecklichen Ort.

Vor der Tür atmete sie tief durch. Das Gewitter war weitergezogen und die Luft roch nach Regen. Die ersehnte Abkühlung war allerdings ausgeblieben und die Feuchtigkeit dampfte schwül aus dem nassen Asphalt.

Der Bahnhofsvorplatz war menschenleer. Der Schienenersatzverkehr hatte in der Zwischenzeit die wartende Menschenmenge eingesammelt und nach Hanau gebracht. In ein paar Minuten war bestimmt wieder die Hölle los, aber für den Moment war alles ganz friedlich. Es stand noch immer kein Taxi bereit.

Warum bin ich eigentlich nicht einfach in einen der Busse gestiegen? Was hatte sie geritten, in diese verdammte Kneipe zu gehen? Anna hatte darauf keine Antwort.

Die hatten sie eiskalt abgezockt. Aber anstatt wütend zu sein, fühlte sie rein gar nichts. Ihre Energiequelle, die alles am Laufen hielt, egal wie schwierig die Umstände manchmal auch sein mochten, war einfach erloschen. Nichts ging mehr. Sie war weder fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, noch eine Entscheidung zu treffen. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sie kannte das Gefühl, wenn ihr System überhitzte und sie irgendwo gegentreten oder jemanden anschreien wollte, wie vorhin auf dem Bahnsteig. Aber das Gefühl einer lähmenden Leere war neu und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie setzte sich auf eine Bank und starrte vor sich hin. Tränen rollten ihr über die Wangen. Wie gerne hätte sie jetzt ein vertrautes Gesicht gesehen, mit einem Freund gesprochen. Sie dachte an ihren Ehemann Karl und fragte sich wieder, warum er vorhin eigentlich angerufen hatte.

Anna schaute auf die Bahnhofsuhr, es war kurz vor zehn. Fast eine Stunde hatte sie in der Spelunke zugebracht, Schnaps gesoffen und sich beklauen lassen. Eine grandiose Leistung. Sie überdachte ihre Möglichkeiten. Ohne Papiere und ohne Kreditkarten sah es schlecht aus. Taxi oder Mietwagen waren in weite Ferne gerückt, niemand würde ihr einfach so ein Fahrzeug geben. Und anrufen konnte sie auch keinen. Zu allem Überfluss fing es wieder an zu regnen. Anna atmete tief durch und unter Aufbringung ihrer letzten Reserven rappelte sie sich auf. Sie würde jetzt als Erstes Anzeige erstatten.

 

Kapitel 9

 

Es ist Abend.

Stampfende Schritte auf dem Flur kündigen ihn an.

Er hat gesagt, dass er kommen wird.

Sie trägt ihr rosa Nachthemd.

Er liebt es.

Darunter ist sie nackt.

Das liebt er noch mehr.

Sie sitzt vor der Frisierkommode und kämmt ihr langes dunkles Haar.

So mag er es am liebsten.

Die Türklinke quietscht. Ihr wird übel.

Er betritt das Zimmer und schließt die Tür.

Sein Oberkörper ist nackt, er trägt nur eine Pyjamahose. Er hält etwas in der rechten Hand.

Ihr Magen krampft, ihre Handflächen sind feucht.

Einmal hat sie sich gewehrt.

Da ist er wütend geworden und hat sie mit der Gerte ausgepeitscht.

Wer nicht hören will, muss fühlen!

Seitdem ist sie gefügig.

»Hallo, meine Schöne.« Er steht jetzt hinter ihr, berührt ihr Haar.

Sie blickt in den Spiegel. Seine stahlblauen Augen fixieren sie.

Er sagt kein Wort.

Er streichelt ihren Kopf, ihren Hals. Er bürstet ihr das Haar.

»Hier«, sagt er und überreicht ihr feierlich ein kleines Päckchen. »Ich hoffe, sie gefällt dir. Hab sie selbst ausgesucht.«

Sie schaut ihn an.

»Na los. Mach es auf. Zier dich doch nicht immer so.«

Sie gehorcht. In dem Päckchen ist eine silberne Kette mit einem kleinen blauen Schmetterlingsanhänger.

Er nimmt die Kette und legt sie ihr an. Seine feisten Hände legen sich um ihren Hals.

»Ich wusste, sie steht dir.«

Sie schweigt.

»Gefällt sie dir?«

Sie schaut ihn an. Ihre stahlblauen Augen in seinen stahlblauen Augen.

Sie nickt.

Er atmet schwer, stinkt nach Tabak und Schnaps.

Er streift ihr das Nachthemd über die Schultern und betrachtet gierig ihre knospenden Brüste.

»Schenk mir ein Lächeln.«

Sie stellt sich vor, wie sie ihm einen Pfahl durchs Herz stößt und er zu Staub zerfällt. Dann lächelt sie.

Er lässt sich Zeit. Genießt ihre Angst und ihre Scham.

»Jetzt darfst du dich für dein Geschenk bedanken«, flüstert er ihr ins Ohr und zwingt sie auf die Knie.

Sie massiert ihn saugend, so wie er es ihr gezeigt hat. Er riecht säuerlich, ungewaschen.

Seine Hände krallen sich in ihr Haar. Sie saugt fester und schneller. Er stöhnt, bewegt sich rhythmisch. Sie bereitet sich darauf vor, dass er kommt. Dann ist sie für heute erlöst. Sie schickt ein Stoßgebet zum Himmel.

Aber Gott hört sie nicht.

Er schiebt sie heftig weg. Mit der flachen Hand schlägt er ihr ins Gesicht.

»Du verdammte Hure«, zischt er.

Sie weiß nicht, was sie falsch gemacht hat.

Er zieht sie an den Haaren hoch und drückt sie auf die Frisierkommode.

»Bitte nicht«, wimmert sie.

»Du kennst die Regeln.«

Er reißt ihren Kopf nach hinten und spreizt ihre Beine.

Sie muss in den Spiegel sehen und zuschauen.


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Eva Geßner wurde 1968 im Rheinland geboren und wohnt in Köln. Ihre erste Kurzgeschichte schrieb sie bereits als 10-jährige. Der Plot und die Bilder von Jeff Waynes War of the worlds hatten sie so verängstigt, dass ihr Vater kurzerhand eine Gegengeschichte mit freundlichen Außerirdischen erfand, die die beiden zusammen weitergesponnen und aufgeschrieben haben.

Susanne Ferolla über ihren neuen Roman

Susanne Ferolla AutorinWorum geht es in deinem Buch Das Geheimnis der Zuckerschwester?

Beatrice erfährt mit achtzehn Jahren, dass sie ein Adoptivkind ist. Sie hat sich schon damit abgefunden, nie die Wahrheit über ihre Vergangenheit zu erfahren. Sie lebt ihr solides Lehrerinnenleben, bis ausgerechnet ihr neuer Verehrer Tobias Beweise zu haben scheint, dass Beatrice in Wirklichkeit eine andere Person ist und ein Doppelleben führt. Die Suche nach der Wahrheit führt sie nach Süditalien in einen Sumpf aus Korruption und Erpressung.

Wie kamst du auf die Idee für die Geschichte?

Ich bin auf dem Flohmarkt auf ein Buch von dem Jugendbuchautor Herbert Kranz gestoßen, der die Abenteuerreihe Ubique Terrarum für Jugendliche geschrieben hat. Mit zwölf habe ich die Serie verschlungen und war felsenfest davon überzeugt, dass es das Team, das weltweit Fälle löst und Vermisste sucht, tatsächlich existiert hat. Damals war meine Mutter im Krankenhaus, vielleicht hat mir das Halt gegeben.  Natürlich sind meine Charaktere nur sehr bedingt mit den Helden in der Buchserie zu vergleichen. Aber sie haben mich inspiriert.

Wie lange hat die Arbeit an dem Roman gedauert?

Vielleicht neun Monate für die Erstfassung.

Woher bekommst du deine Inspiration fürs Schreiben?

Das ist nicht so einfach zu sagen. Manchmal entsteht aus einer Laune heraus einfach die Idee. Ich suche nicht aktiv nach Ideen, ich glaube, das würde sich im Sande verlaufen. Es muss mich packen, dann kann ich schreiben und vor allem dranbleiben.

Kanntest du das Ende der Geschichte bereits im Voraus?

Ja, so in etwa. Ich fange immer an zu schreiben, wenn der Anfang und das Ende stehen. Wenn ich also weiß, um was es sich dreht und wo ich hinwill.

Überraschst du dich während dem Schreiben manchmal selbst mit ganz neuen Ideen?

Die Ziel behalte ich streng im Auge, aber der Weg dahin bleibt bei mir immer offen. Tatsächlich fallen einem durchaus Ideen und Möglichkeiten ein, die für Überraschungen sorgen. Die arbeite ich dann gerne ein.

Welchen Bezug hast du zu Italien und besonders zu Neapel?

Ich bin Halbitalienerin. Mein Vater stammt aus Campanien. Neapel hat mich schon immer fasziniert, allein wegen des Vulkans. Bricht er aus, wird nichts mehr so sein, wie man es kennt. Unvorstellbar. Und dennoch geht das Leben mit dieser Bedrohung einfach so weiter. In dieser faszinierenden Stadt gibt es immer etwas zu entdecken.

Wie hast du für den Roman recherchiert?

Das meiste ist aus dem Leben gegriffen, wie ich es im Süden erlebt habe. Auch habe ich einige Personen „eingearbeitet“, die ich persönlich kenne. Aber natürlich nicht die Bösewichte. Und selbstverständlich unter anderem Namen und mit deren Einwilligung. Es gibt keinen Ort und keinen Platz in der Geschichte, an denen ich nicht selbst war. Außer auf dem Friedhof in Neapel. Keine Ahnung, ob es einen am Fuße des Vesuv gibt.

Was ist die größte Herausforderung für deine Protagonisten Beatrice und Tobias?

Die beiden haben eine Beziehungskrise. Beatrice bezweifelt, dass sie mit Tobias eine Familie gründen kann. Ob er überhaupt bindungsfähig ist. Sie verschweigt ihm die Schwangerschaft und denkt über einen Abbruch nach. Klar, dass Tobias dahinterkommt und stinksauer ist. Leider ist er krankhaft stolz, was jegliche vernünftige Diskussion zunächst ausschließt.

Was fasziniert dich besonders an Familiengeheimnissen?

Wenn das Böse und Verruchte, das um jeden Preis vor der Allgemeinheit verheimlicht werden muss, endlich an die Öffentlichkeit kommt.  

Was hast du bisher veröffentlicht?

Den Fantasy-Roman Die Wolfselbin und den booksnack Ohne Gesicht. 

Schreibst du lieber Thriller oder Fantasy?

Ich tendiere eher zu Fantasy, aber ich sage niemals nie.

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Ich arbeite zur Zeit an meinem neuen High-Fantasy-Projekt. Die Geschichte spielt sich in der Welt der Wolfselbin ab. Aber ich habe noch andere Fantasy-Ideen in der Schublade, teils schon geplottet.

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Susanne Ferolla ist studierte Biologin und wurde in Freiburg im Breisgau geboren. Nach einem kurzen Abstecher nach Oberösterreich lebt sie seit einigen Jahren wieder mit Kind und Kegel in Süddeutschland. Ihre Mutter stammt aus dem Schwarzwald, ihr Vater aus dem Cilento in Süditalien, dessen Küsten und Berge sie wie ihre Westentasche kennt. Und sie kennt und liebt Neapel … genug Zündstoff für Das Geheimnis der Zuckerschwester.