Erik Lindberg ermittelt wieder

Stuttgart, Oktober 2017. Autor, Poetry-Slammer und Musikproduzent Thomas Kowa hat den dritten Fall für Kommissar Erik Lindberg wie schon die beiden Vorgänger- Fälle Remexan und Redux international ausgerichtet: Die Schauplätze befinden sich in der Schweiz, an der Cote d’Azur und in Sibirien. In der Schweiz stehen die ältesten Atomkraftwerke der Welt, eines davon direkt unterhalb eines Staudamms, dessen Bruch eine Flutwelle wie beim verheerenden Tsunami in Fukushima zur Folge hätte. Dennoch gelten für die Staumauer wesentlich geringere Sicherheitsanforderungen als für das Atomkraftwerk, und stellen ein potenzielles Ziel für Terror-Anschläge dar. Dieses Szenario ist weltweit einmalig und wurde noch nie in einem Thriller verarbeitet. Trotz dieser Risiken und der auch in der Schweiz ungelösten Endlagerfrage ist und war ein Ausstieg aus der Kernenergie Bestandteil vieler Volksabstimmungen, welche die Atomkraftgegner allesamt verloren haben.

Der Thriller Reaktor – Der unsichtbare Mörder spielt vor dem Hintergrund einer dieser Volksabstimmungen. Ein halbes Jahr ist seit Erik Lindbergs letztem großen Fall vergangen und nun das: Innerhalb weniger Tage sterben mehrere schwer verstrahlte Umweltaktivisten, die herausgefunden haben, dass eine neue – angeblich absolut sichere – Endlagertechnologie für radioaktiven Müll gescheitert ist. Doch das ist nur der Auftakt zu einer viel größeren Bedrohung. Erik Lindberg, 32, Kommissar bei der Schweizer Bundespolizei, ermittelt wieder …

Download Pressemitteilung: PM 10-2017_dp_Digital Publishers_REAK

9783960871361

Ein Finanzinvestor, der für Profit alles machen würde. Ein Polizeichef, der die eigenen Mitarbeiter erpresst. Ein radioaktiv Verseuchter, der versucht, das Rätsel seines Todes zu lüften … Der charismatische Kommissar Erik Lindberg ermittelt wieder – zum vorerst letzten Mal.

Reaktor – Der unsichtbare Mörder

1

Das war ein guter Ort zum Sterben. Wenn er sich jetzt hinsetzte, würde er nie wieder aufstehen. Chris Bernasconi ging trotzdem auf die Holzbank zu.

   Sein Körper schmerzte, als würde er von innen zerfressen, in seinem Kopf hämmerte es wie in einem aktiven Bergwerk.

   Chris Bernasconi atmete tief aus und setzte sich. Er spürte das warme Holz der Bank und blickte auf den endlos erscheinenden Baikalsee. Das Wasser funkelte in der Sonne. Es roch nach Fisch und Meer, auch wenn Letzteres im Grunde nicht sein konnte.

   Aber in diesem Land war ohnehin alles anders, als er erwartet hatte.

   Die meisten Klischees über Russland stimmten nicht, das galt erst recht für Sibirien. So brannte auf seiner von Ekzemen übersäten Haut die Sonne und statt von Schneeflocken wurde er von Schnaken umschwärmt.

   Sie stachen ihn gleich zu mehreren, doch Chris Bernasconi wehrte sich nicht. Es war sinnlos, die Schnaken zu töten, wahrscheinlich würden sie es ohnehin nicht überleben, wenn sie von seinem Blut tranken.

   Außerdem hatte er keine Kraft mehr, sie zu verjagen.

   Er hatte einen der größten Umweltskandale der Neuzeit aufgedeckt, doch das war nichts gegen das, was noch kommen würde.

   Die Menschheit musste gewarnt werden.

   Was, wenn es Darius nicht schaffen würde?

   Wenn sie ihn vorher abfingen?

   Gemeinsam hatten sie jahrzehntelang für höhere Sicherheitsvorkehrungen gekämpft, für funktionierende Notfalllösungen, für echte Alternativen.

   Doch für sich selbst hatten sie darauf verzichtet.

   Mit zittrigen Händen nahm Chris Bernasconi ein Blatt Papier und einen Kugelschreiber aus seiner Hemdtasche. Er atmete schwer, jede Bewegung schmerzte, sogar das Anknipsen des Kugelschreibers.

   Es ging um die Wahrheit.

   Er wusste, die Menschen wollten die Wahrheit gar nicht hören, sondern das, was gut klang, was in ihr Weltbild passte.

   So wie die Legende, dass die Amerikaner für die Mondlandung Millionen Dollar für die Entwicklung eines Kugelschreibers ausgegeben hatten, der in der Schwerelosigkeit schreiben konnte, während die Russen einfach Bleistifte verwendet hatten.

   Die Geschichte klang gut, fußte auf bekannten Vorurteilen und war massenhaft verbreitet worden. Doch sie war von vorn bis hinten erfunden. Fake News.

   Willkommen im postfaktischen Zeitalter.

   Die Menschen glaubten nur das, was sie glauben wollten.

   Und was sie nicht sahen, das gab es nicht.

   Obwohl es die größte Gefahr von allen war.

   Doch er musste die Menschen warnen, selbst wenn es nur ein Teil von ihnen verstehen würde.

   Unter Schmerzen strich Chris Bernasconi das Papier glatt, setzte zu schreiben an und spürte wieder dieses wahnsinnige Hämmern unter seiner Schädeldecke.

   Ein Tropfen Blut fiel auf die Spitze des Kugelschreibers und benetzte das Papier darunter. Chris Bernasconi fasste sich an die Nasenflügel, betrachtete seine blutverschmierte Hand und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Konzentrier dich!

   Der Kugelschreiber versagte, ließ ihn die Worte ins Leere schreiben.

   Er drehte das Papier um, drückte den Kugelschreiber fester, doch er schrieb nicht und das Blut tropfte weiter.

   Chris Bernasconi wollte aufstehen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht mehr. Er sackte zur Seite, riss noch einmal die Augen auf, doch als er auf dem harten Boden aufschlug, bemerkte er es schon nicht mehr.

2

Mia Adam hing am Kühlturm eines Atomkraftwerks auf hundertzwanzig Metern Höhe und fragte sich, warum von allen Aktivistinnen ausgerechnet sie nicht mit einem Polizeieinsatz gerechnet hatte.

   Weil sie ausnahmsweise auf der anderen Seite stand? Weil Nick sie mit seinem Charme überredet hatte, bei der Aktion       dabei zu sein, da er drei Mitstreiter ersetzen musste?

   Also hatte sie mitgemacht, obwohl sie Polizistin war.

   »Ohne dich muss ich die Aktion abblasen«, hatte er erklärt und hinzugefügt, dass sich die Polizei die letzten Male immer zurückgehalten habe. »2014 haben wir mit über hundert Aktivisten das AKW Beznau geentert, sind am Reaktorgebäude hochgeklettert und niemand hat uns daran gehindert.« Er hatte ihr versprochen, dass niemand erfahren würde, wer diese kleine, junge, hübsche Aktivistin mit dem rothaarigen Bubikopf war.

   Das Wörtchen ‚hübsch‘ hatte den Ausschlag gegeben und sie verfluchte sich dafür.

   Dieser Sommermorgen wäre ideal für ein entspanntes Picknick im Grünen gewesen, doch stattdessen war sie schon um vier Uhr morgens aufgestanden, vom Treffpunkt nach Däniken gefahren worden und hing jetzt am Kühlturm, ausgestellt wie ein Orang-Utan-Weibchen im Zoo. Neben Mia prangte ihr Plakat, mit der wenig diplomatischen Aufschrift: ‚Atomkraft ist scheiße, in Japan gibt’s Beweise‘.

   Unten am Kühlturm standen ein paar Sicherheitsleute des Kraftwerks und Dutzende Polizisten.

   Die Polizei war eben nie dort, wo man sie brauchte.

   Und gerade jetzt konnte Mia die Kollegen überhaupt nicht brauchen.

   Einer der Polizisten schrie etwas in ein Megafon, aber sie verstand kein Wort.

   Sie blickte zu den anderen Aktivisten, Ratlosigkeit stand in ihren Gesichtern. Und dann gab Nick das Signal zum Abseilen.

   Sie schaute ihn voller Unverständnis an, doch er schien entschlossen, aufzugeben.

   Aber Mia war nicht hier um aufzugeben, sie war hier, um zu kämpfen. Wenn sie festgenommen wurde und Bundespolizeichef Graf das mitbekam, dann konnte sie ihre Marke abgeben.

   Und wie sollte Graf es nicht mitbekommen, wenn die Polizisten sie verhafteten?

   Nick seilte sich ein paar Meter ab und alle anderen folgten ihm.

   Bis auf Mia.

   »Was ist?«, rief er und blickte nach oben zu ihr. »Wir müssen runter!«

   »Warum?«, entgegnete sie und kannte doch die Antwort schon.

   »Wir haben keine Chance.« Er deutete auf die Polizisten unter ihnen. »Außerdem ist unser Ziel erreicht. Wenn sie uns festnehmen, kommen wir bestimmt in die Tagesschau.«

   Alles, nur das nicht, dachte Mia und hielt sich weiter am Seil fest.

3

Montage hatten etwas Bedrückendes an sich, aber der erste Tag nach dem Urlaub war noch viel deprimierender. Fiel beides zusammen, fühlte sich der Morgen wie eine kleine Katastrophe an. Das Lebenswerte trat in den Hintergrund und der Zwang in den Vordergrund.

   Als Erik Lindberg nach dem Aufstehen in den Spiegel schaute, sah er nicht – wie die Kolleginnen immer meinten – Jude Law mit Anfang dreißig, sondern einen übermüdeten Kommissar mit Ringen unter den Augen.

   Als er später einen der dunkelblauen Anzüge anlegte, die er normalerweise auf der Arbeit trug, kam dieser ihm zentnerschwer vor. Klar war es schön, Kolleginnen wie Mia Adam und Katharina Zach wiederzusehen, auf andere wiederum hätte Erik Lindberg noch jahrelang verzichten können.

   Zu letzteren zählte sein Vorgesetzter, Bundespolizeichef Beat Graf.

   Lindberg fuhr zur Arbeit und war keine fünf Minuten anwesend, da zitierte Graf den Kommissar schon zu sich.

   Kurz darauf saß Lindberg auf diesen unbequemen Besucherstühlen in Grafs Büro und sah dem Bundespolizeichef zu, wie der sich einen Espresso aus seiner persönlichen Kaffeemaschine eingoss. Natürlich, ohne Lindberg einen anzubieten.

   »Während Ihrer Abwesenheit hat sich einiges getan.« Graf strich sich über die polierte Glatze und fragte nicht mal anstandshalber, wie denn Lindbergs Urlaub verlaufen war.

   »Gibt es einen neuen Fall?«, fragte Lindberg, obwohl er sich sicher war, dass er davon aus der Presse erfahren hätte.

   Graf schüttelte den Kopf. »Ich hatte Kontakt mit den Kollegen vom Landeskriminalamt in Berlin.« Er legte eine genüssliche Pause ein, nippte an seinem Espresso – und in dem Moment wurde Lindberg klar, dass es heute nicht bei einer kleinen Katastrophe bleiben würde.

   »Ich hab mich schon immer gewundert, wie Sie diesen Wohlers so schnell wieder fassen konnten, nachdem er aus dem Gefängnis entflohen war.« Graf blickte Lindberg überheblich an.

   »Das war ein mehrfacher Mörder«, erwiderte Lindberg. »Meine Freundin lag wegen ihm monatelang im Koma, erst jetzt, während meines Urlaubs, konnte sie auf eine Aufwachstation verlegt werden, sie muss jedes Wort einzeln lernen, sie kann noch wieder nicht laufen …«

   »Rache war noch nie ein guter Ratgeber«, unterbrach ihn Graf.

   »Ich habe mich nicht gerächt«, sagte Lindberg. »Ich habe Wohlers nur dorthin gebracht, wo er hingehört: ins Gefängnis.«

   »Genaugenommen hat das die Kollegin Adam erledigt.« Graf runzelte die Stirn. »Wo steckt die eigentlich?«

   »Ich habe keine Ahnung«, antwortete Lindberg und auch wenn er hoffte, dass das Thema Berlin damit erledigt war, ahnte er, dass der Bundespolizeichef ihm diesen Gefallen nicht tun würde.

   »Zum Dienstbeginn um acht Uhr war niemand in ihrem gemeinsamen Büro.« Graf schüttelte ungehalten den Kopf.

   »Wenn wir einen Fall haben, arbeiten wir dafür am Wochenende oder nachts.«

   »Oder Sie fliegen mal eben nach Berlin.«

   Lindberg schluckte.

   »Den Kollegen dort ist aufgefallen, dass der Schlüssel zur Asservatenkammer fehlt. Also haben die eine Inventur der Beweismittel gemacht und dabei festgestellt, dass ein Sudoku-Heft des besagten Herrn Wohlers ausgetauscht wurde.«

   Lindberg schloss die Augen, doch er spürte förmlich, wie Grafs Blicke ihn durchbohrten.

   »Jedenfalls stammt das Sudoku-Heft, welches in der Asservatenkammer lag, aus dem letzten Jahr, Wohlers hingegen ist viel früher festgenommen worden. Also kann es sich nicht um das Heft handeln, welches konfisziert worden ist.« Er grinste herablassend. »Es sei denn, Wohlers hat eine Zeitmaschine erfunden.«

   Lindberg schluckte noch mal. Er hatte das Heft bei seinem Besuch in Berlin entwendet, weil Wohlers es nach seinem Gefängnisausbruch von ihm erpressen wollte. Also musste das Heft ein Geheimnis tragen. Zusammen mit seinem Freund Gehirnklitschko hatte Lindberg schließlich herausgefunden, dass in den Sudoku-Zahlen die Kontonummer für ein Schweizer Nummernkonto verschlüsselt war, auf dem die Beute aus vorherigen Raubzügen von Wohlers lagerte. Daraufhin hatte er Wohlers in der Bank eine Falle gestellt. Dieser hatte sie leider gewittert, war am Ende aber mit Mias Hilfe festgenommen worden.

   Soweit perfekte Polizeiarbeit, auf die man hätte stolz sein können, wäre da nicht das illegal entwendete Beweismittel gewesen.

   »Was Sie vielleicht nicht wussten«, sagte Graf und trank mit Genießermiene seinen Kaffee aus. »In der Asservatenkammer in Berlin gibt es neuerdings eine Überwachungskamera.«

   Lindberg blickte seinen Vorgesetzten mit großen Augen an. Er wusste, wie sich unbedarfte Verdächtige verhielten, und hatte gerade jeden derer Fehler begangen. Das musste selbst Graf auffallen.

   »Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten«, sagte Graf. »Ich kündige Sie fristlos …« Er machte eine Pause und ließ den Satz wirken.

   Fassungslos schaute Lindberg ihn an. Du mieser, dreckiger Bastard.


Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf weitere Titel aus unserem Programm.


Du liest gerne und sagst geradeheraus deine Meinung zur Lektüre? Werde Rezensent/in und trag dich in unsere Rezensentendatenbank ein!

REAK_160x256px

Das E-Book kaufen.

Thomas Kowa, geboren 1969, wohnt in Bern und Mannheim. Er hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitete über zwanzig Jahre in der Pharmaindustrie. Nebenbei ist er Musikproduzent, manchmal Weltreisender und Mitglied der Schweizer Fußballnationalmannschaft der Autoren. Mit dem Pharmathriller Remexan – Der Mann ohne Schlaf führte er die Figur des Erik Lindbergs in die Köpfe der Leser. Nach dem zweiten und ebenso spannenden Fall Redux – Das Erwachen der Kinder folgt nun der dritte Band Reaktor – Der Mann ohne Gewissen.

Der Sektenthriller Redux – Das Erwachen der Kinder jetzt als Editor’s Edition

Stuttgart, Juli 2017. Ein Mörder, der seine Opfer bestattet, eine Sekte, die das Jüngste Gericht heraufbeschwört und eine Frau in Gefahr, der niemand glaubt – das sind die Zutaten, aus denen Autor Thomas Kowa den zweiten Fall für seinen Kommissar Erik Lindberg kreiert. Im Mittelpunkt von Redux – Das Erwachen der Kinder steht ein jahrhundertalter Taufritus, mit dem Tote angeblich wiedererweckt werden können. Mehrere Frauen werden ermordet, nach dem Ritus getauft und anschließend bestattet. Der Täter droht mit dem Jüngsten Gericht und versetzt seine Bekennerbriefe mit Anthrax. Eine Studentin kann ihm zwar entkommen, doch die ermittelnden Polizisten beschuldigen sie, alles nur inszeniert zu haben. Sie wendet sich an Kommissar Erik Lindberg, der alles auf eine Karte setzt …

Redux – Das Erwachen der Kinder erscheint nun als Editor’s Edition bei dp DIGITAL PUBLISHERS und beinhaltet umfangreiches Bonusmaterial: die Kurzgeschichte Räbeliechtli, Steckbriefe des Ermittlerteams um Erik Lindberg, Original-Recherche-Files, einen Lageplan des Geschehens und den Song „Blut“, gesungen von Purwien und Kowa.

Download Pressemitteilung: PM 06-2017_dp_Digital Publishers_EERED

9783960872016

Der zweite Fall von Erik Lindberg jetzt als Editor’s Edition inklusive der Extra- Kurzgeschichte Räbeliechtli, die Einblicke in Lindbergs Privatleben gibt, Steckbriefen des Ermittlerteams, Original-Recherche-Files, einem Lageplan des Geschehens und dem Song Blut von Purwien und Kowa.

Pommes! Porno! Popstar!

Mit Kommentaren von Christian Purwien und Gott

Ich würde auch fünf Kilogramm Hackfleisch in die Charts kriegen.

Dieter Bohlen

1. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:01

Als Christian mich anrief, befand ich mich im Zustand fortgeschrittener Verwesung. Pardon, ich meine natürlich Verwirrung. Denn ich lag jenseits der zivilisierten Welt auf ein paar löchrigen Holzbrettern und träumte von endlosen Stränden, romantischen Sonnenuntergängen und explodierenden Atomkraftwerken.

»Lange nichts mehr von dir gehört«, sagte Cristian. »Wie geht’s dir so?«

»Hrmpf«, war alles, was ich von mir geben konnte, denn ich befand mich am anderen Ende der Welt, es war mitten in der Nacht und ich hatte schon seit Tagen nicht mehr mit einem Menschen gesprochen.

»Erinnerst du dich noch an die Bürgschaft für die Pommesbude, die du mir gegeben hast?« Christian klang so unschuldig wie ein Dreijähriger, der den Weihnachtsbaum abgefackelt hat, samt elterlichem Haus und dem als Weihnachtsgeschenk verpackten Hamster.

Schlagartig war ich hellwach. »Ja klar«, antwortete ich und richtete mich auf. »Toplage, fast keine Miete, super Kunden, die besten Pommes des Ruhrgebiets. Ein idiotensicheres Geschäft, bei dem nichts schiefgehen kann, selbst dann nicht, wenn die Welt untergeht.«

»Tja.« Christian räusperte sich umständlich. »Es ist schiefgegangen.«

»Was?!«

»Ich bin pleite und muss die Kredite zurückzahlen – in einer Woche.«

Ich zwickte mich in den Arm, ins Bein und dort, wo es besonders wehtut, doch ich war tatsächlich wach. »Was denn für Kredite? Ich hab doch nur für einen gebürgt.«

Wieder räusperte Christian sich umständlich. »Das ist ja das Problem«, sagte er. »Deinen Kredit kann ich nicht zahlen und den von den Hells Angels auch nicht.«

»Du hast dir Geld von den Hells Angels geliehen?« Ich war versucht, mich schon wieder zu zwicken. »Warum das denn?«

»Ich hatte mich an geldgeile Betrüger ohne Moral und Ethik ausgeliefert …«

»Ich kenne die Hells Angels«, unterbrach ich ihn.

»Aber offensichtlich nicht die Deutsche Bank«, widersprach Christian. »Die haben nämlich meine ganzen Einkünfte mit der Pommesbude an der Börse verzockt, und als ich am Jahresende von der Steuer überrascht wurde, haben sie mir, weil der DAX doch gerade so viele Chancen biete, doppelt so viel wie nötig geliehen. Und das haben sie dann auch verzockt. Anschließend bin ich zu den Hells Angels, weil ich dachte, schlimmer kann es nicht kommen.«

Ein erneutes umständliches Räuspern von Christian verriet mir, dass es sehr wohl schlimmer gekommen war. »Was passiert, wenn du den Kredit nicht zurückzahlst?«, fragte ich. »Pfänden sie dir dann die Pommesbude?«

»Das haben sie schon lange.« Er seufzte. »Am Ende hab ich noch alles versucht, sogar siebzehn Sorten Currywurst angeboten, aber es hat nichts genutzt. Die letzten sechs Monate hab ich gleichzeitig als Chauffeur, Bäcker und Musikjournalist gearbeitet, aber die drei Jobs haben gerade mal ausgereicht, um die Zinsen zu zahlen. Jetzt hat das Musikmagazin dicht gemacht und ich kann mich nicht arbeitslos melden, weil ich ja noch zwei Jobs hab. Und von meinem schlimmsten Nebenjob hab ich noch gar nichts erzählt.«

»Und jetzt?«

»Muss ich innerhalb einer Woche einhunderttausend Euro für die Hells Angels auftreiben.« Christian war eigentlich ein unkaputtbares Stehaufmännchen, doch jetzt gerade flatterte seine Stimme bedenklich, trotz der ganzen Räusperei. »Sonst bin ich erledigt. Und du auch.«

»Wieso ich?«

»Die Deutsche Bank will noch mal so viel Geld. Aber da die einen im Gegensatz zu den Hells Angels nicht umbringen, muss ich erst mal die Rocker zufriedenstellen. Und du als Bürge die Deutsche Bank. Das Geld bekommst du natürlich von mir wieder, sobald ich es irgendwann hab.«

»Und das sagst du mir jetzt? Mitten in der Nacht, eine Woche vor Ablauf der Frist?«

»Sorry, ich dachte, ich kann das Problem selbst lösen. Ich wollte dich da nicht mit reinziehen. Aber …« Christians Stimme hellte sich auf. »Ich hab mir seit Tagen den Kopf zerbrochen und einen Ausweg gefunden.«

»Was für einen Ausweg?«, fragte ich. »Banküberfall? Räuberische Erpressung? Drogenschmuggel?«

»Wir haben es schon mal gemacht«, sagte Christian. »Aber dieses Mal machen wir es richtig. Und kassieren ordentlich ab.«

 

Es gibt nicht Schlimmeres als einen brillanten Anfang.

Pablo Picasso

2. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:03 

Offensichtlich streben Mobilfunkbetreiber eine höhere Rendite an als Drogendealer. Jedenfalls kostet ein Telefonat ins Ausland mit dem Handy mehr als eine gepflegte Überdosis.

Besonders absurd ist allerdings, dass man selbst dann zahlen muss, wenn man angerufen wird. Und doppelt zu kassieren, das haben nicht einmal die Herren Energieversorger hinbekommen, die ja sonst keine Gelegenheit auslassen, ihre Kunden abzuzocken.

Und so war das Guthaben meines Prepaidhandys genau in dem Moment aufgebraucht, in dem Christian mir seinen Plan offenbaren wollte.

Wie sollte ich mein Guthaben an diesem Ort, mitten in der Wildnis, wieder aufladen?

Die lokale Bevölkerung, die man mit viel gutem Willen gerade noch so als Menschen bezeichnen konnte, sprach ein Idiom, welches sich auf eine abstruse Art nach Deutsch anhörte, aber damit in etwa so verwandt war, wie Mini-Me mit Arnold Schwarzenegger.

So konnte ich mich mit den Ureinwohnern ausschließlich per Handzeichen verständigen.

Davon abgesehen war dieses Volk so verschlagen, dass es einer von ihnen fertiggebracht hatte, sich eines fremden Landes zu bemächtigen, dieses Land flugs mit dem eigenen zu vereinen und dann einen Krieg mit der halben Welt anzuzetteln. Als der Krieg verloren ging, wusch unser kleines Volk seine Hände in Unschuld, denn sie hätten das Morden ja nicht angefangen, wären selbst auch überfallen worden und im Übrigen schon immer neutral gewesen.

Ich hatte meine Heimat nur deshalb verlassen, weil man mir ein Stipendium als Stadtschreiber von Dalaas in eben jenem Land angeboten hatte. Das war zwar schlechter bezahlt als ein Praktikum bei der Müllabfuhr, aber als Schriftsteller ist man dergleichen ja gewohnt.

Nur meiner Erbtante Walburga war es zu verdanken, dass ich bisher nicht verhungert war. Ihre Milz hatte sich vor zwei Jahren nämlich entschieden, die Radieschen lieber von unten zu betrachten. Und den Rest des Körpers mitgenommen.

Dank der Milz hatte ich bei sparsamstem Lebenswandel für die nächsten 5 Jahre, 3 Monate, 27 Tage, 8 Stunden, 14 Minuten und 23 Sekunden ausgesorgt. So verkündete es jedenfalls der Countdown auf meinem Laptop, der angab, wann meine Geldbestände das Zeitliche segnen würden. Ursprünglich hatte ich den Countdown als Motivationshilfe installiert, aber in letzter Zeit war mir der Verdacht gekommen, dass er der wahre Grund für meine seit zwei Jahren andauernde Schreibblockade war.

Ich tippte den neuen Stand meines durch die Bürgschaft erdrosselten Vermögens in meinen Laptop. Sofort sprang der Countdown auf eine neue Anzeige.

Und mir wurde schwarz vor Augen.

In nicht mal einer Woche war ich pleite!

Und wem hatte ich das zu verdanken?

Christian Purwien*, dem Mann, der sich nur von Pommes ernährte. Und auch wie eine aussah.

—–

*Das bin übrigens ich. Und weil Schriftsteller die Realität immer ein wenig zurechtbiegen, biege ich sie mit meinen Kommentaren wieder zurück.

       Die Bemerkung zu meiner Pommesvorliebe stimmt allerdings, jedenfalls, wenn es die eigenen sind. Es ist nämlich ein Einfaches, ein Neun-Gänge-Menü für irgendwelche dahergelaufenen Gourmets zusammenzukloppen, jedoch eine große Kunst, die perfekten Pommes zu kredenzen.

       Das fängt mit der idealen Kartoffelsorte an, geht weiter mit dem eigens dafür komponierten Fett, das natürlich exakt auf die Edelstahl-Fritteuse abgestimmt sein muss und endet noch lange nicht beim handgeschöpften Meersalz. Und von der obligatorischen Rot-Weiß-Soße will ich gar nicht erst reden. Und wenn dann noch ein ordentlicher Apachenpimmel* dazukommt, ist der kulinarische Hochgenuss perfekt.

       *Für alle, die nicht im Ruhrpott sozialisiert wurden, ein Apachenpimmel ist eine Currywurst, natürlich mit roter Haut. Und ja, der Begriff ist nicht politisch korrekt. Aber wenn ich mir in meiner Pommesbude vor jeder Bestellung erst das Parteibuch hätte zeigen lassen, wäre ich schon vor drei Jahren Pleite gegangen.

—–

Christian und ich hatten uns vor Jahren aus den Augen verloren. Jetzt rief er mich an, und stürzte mich in eine Finanzkrise, die ich nicht wie ein Politiker bis zur nächsten Wahl aussitzen konnte.

Doch als Erstes musste ich den Kontakt wiederherstellen. Ich nahm mein Mobiltelefon, ein Prepaidhandy. Damit steht man in der Mobilfunkhierarchie auf der Stufe, bei der nicht mehr von Kunden gesprochen wird, sondern von Umsatzverhinderern. Diese bedrängt man so lange mit Vertragsangeboten, bis sie entweder entnervt eines unterschreiben oder zum nächsten Anbieter wechseln, um dort exakt das Gleiche zu erleben.

Im Menü meines Handys stand, um im Ausland mein Konto wieder aufzuladen, müsse ich nur meinen Provider anrufen oder ihm eine SMS schicken.

Nur wie sollte ich das ohne Guthaben machen?

Also blieb mir nichts anderes übrig, als das zu tun, was in den letzten fünf Jahren wahrscheinlich kein einziger Hotelgast weltweit mehr getan hatte: Ich schnappte mir das Zimmertelefon und wählte eine Nummer außerhalb des Hotels.

Zu meiner Überraschung tutete es und Christian nahm ab.

 

Ich schreibe gerade ein Buch.

Die Seitennummerierung habe ich schon fertig.

Steven Wright, amerikanischer Comedian

3. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:06

Leider kann ich mich an den Inhalt des Telefonats nur noch bruchstückhaft erinnern, da es

  1. a) mitten in der Nacht war,
  2. b) eine Kakerlakenfamilie auf mein Bett stieg, und ich
  3. c) sofort nach dem Telefonat zwischen der Panik vor einer Privatpleite und diesem Millionen-Dollar-Traum schwankte, der einem Geld, Gold und ein sorgenfreies Leben verspricht. Ein toller Traum! Nur leider führt er nach dem Aufwachen wegen dieser blöden Sache namens Realität zu einer schockbedingten partiellen Amnesie.

Dennoch versuche ich hier, das Telefonat zu rekonstruieren*:

—–

*Auf Anfrage kann eine Abschrift beim deutschen Innenminister angefordert werden, der den ganzen Scheiß, den die Leute so von sich geben, aus unerfindlichen Gründen auch noch speichert.

—–

»Du hast einen Plan?«, fragte ich. Wahrscheinlich war das Telefonat mit dem Hoteltelefon noch teurer als mit dem Handy und so versuchte ich, mich kurzzufassen.

»Wo bist du eigentlich?«, gegenfragte Christian.

»Am anderen Ende der Welt«, antwortete ich.

»Wo denn? Australien, Neuseeland, Hawaii?«

»Nicht mal in der Nähe davon«, seufzte ich. »Kennst du Dalaas?«

»Dallas? Was machst du denn in Texas?«

»Nicht Dallas, sondern Dalaas. Das liegt bei Bludenz.«

»Hä? Wo ist das? Irgendwo in Indien? Bangladesch? Burma?«

»Viel schlimmer«, stöhnte ich auf. »Österreich.«

Christian lachte. »Und was machst du da?«

»Ich bin momentan der Stadtschreiber von Dalaas.« Ich seufzte erneut. »Auch wenn es hier absolut nichts aufzuschreiben gibt.«

»Na umso besser.«

»Umso besser? Ich dachte, ich könnte mit dem Job meiner Schreibblockade entkommen. Aber die war schneller als ich und ist schon hier.« Ich stöhnte wieder auf und seufzte gleich noch mal. »Meine Schreibblockade ist inzwischen höher als der Hoover-Staudamm. Ich bin jetzt drei Wochen in Dalaas und hab nur einen einzigen Satz aufs Papier gebracht.«

»Und wie heißt der?«

»Mir fällt nichts ein.«

Christian schluckte. »Österreich ist ja auch viel zu langweilig. Und nicht weit genug weg.«

»Nicht weit genug weg?«, wiederholte ich. »Das sind dreihundertvierundneunzig Kilometer und achthundertdreiundachtzig Meter von daheim. Und die Zentimeter nicht mal mitgerechnet!«

In diesem Moment überlegte sich Christian wahrscheinlich aufzulegen, doch die Drohungen der Hells Angels hielten ihn davon ab. Oder war es dieser Traum von Geld, Gold und dem faltenfreien Leben? »Also, ich hab da eine geile Idee, die kann gar nicht schiefgehen«, sagte er stattdessen.

Er wusste eben noch immer, wie ich zu überreden war.

Christian sagte nur ein einziges Wort, doch ich konnte seine Begeisterung durch das Telefon spüren. »Rehberg.«

In dem Moment wusste ich, was er wollte.

Denn ich wollte es auch.

Nein, das ist keine Geschichte über ein frühes, spätes oder verspätetes Coming-out. Zumal ich ebenfalls Purwien heißen würde, wenn meine Urgroßmutter nach der Geburt meines Großvaters nicht den Namen ihres zweiten Mannes angenommen hätte, weil der erste keinen Job und nur ein Hobby hatte: Saufen*.

—–

*In meiner Familie wird die Geschichte übrigens genau umgekehrt erzählt. Wahrscheinlich kippten sich beide Familienteile damals gerne einen hinter die Binde, natürlich nur aus Trost, weil es damals keine Demokratie gab, keine Gewaltenteilung und keine selbstklebenden Briefmarken.

—–

Christian und ich sind also quasi miteinander verwandt. Doch das hier ist kein monumentales Familienepos, sondern eine Geschichte über Jungs, die durch Vortäuschung von Kunst Plattenfirmen dazu bringen wollen, ihnen Geld für das zu bezahlen, was man so Leben nennt.

Bisher waren wir damit nur mittelmäßig erfolgreich gewesen. Wobei man das Wörtchen mittelmäßig auch durch mäßigwenig oder gar nicht ersetzen könnte. Wie auch immer man das Debakel nennen wollte, wir konnten uns dadurch immerhin als verkannte Künstler fühlen.

Leider wurde mir die Gnade der frühen Geburt nicht zuteil, stattdessen bin ich ein Kind der Computergeneration. Meine größte Leistung auf der Bühne ist es daher, mich an einem Keyboard festzuhalten und ein paar Knöpfe zu drehen, ohne umzufallen.

Christian hingegen ist der geborene Performer und reißt jedes Publikum mit. Wenn es sein muss, auch in den Abgrund. Doch auch seine Fähigkeiten am Keyboard sind denen einer Bisamratte, die sich aus Versehen auf eine Bühne verlaufen hat, nur marginal überlegen.

Wir waren also Musiker, ohne Musiker zu sein.

Irgendwie hatten wir es in den 90ern trotzdem geschafft, ein paar Songs zu schreiben und eine Plattenfirma zu finden, die das alles auch noch bezahlte.

Oder zumindest anfangs so tat.

Um das Album aufzunehmen, fuhren wir damals fünfundzwanzig Stunden nonstop nach Südfrankreich und zwar in ein Kaff, das so abgelegen war, dass der nächste Supermarkt eine Dreiviertelstunde entfernt lag.

Wie wir schnell feststellten, unterscheidet sich das Supermarktsortiment in Frankreich grundsätzlich von dem in Deutschland. So ist die Käseauswahl in Frankreich ungefähr vierzigmal so groß, stinkt aber achttausendmal schlimmer. Gesundes, nahrhaftes Roggenbrot sucht man dort vergebens, aber Baguettes gibt es dort in so vielen Varianten, dass man glatt glauben könnte, die Franzosen hätten das Zeug erfunden.

Außerdem gab es einen ganzen Trakt, in dem als Wein getarnter Essig rumstand, doch vernünftiges Bier suchte man vergebens. Es gab nur alkoholfreies, aber dazu später* mehr.

—–

*Ich finde, das kann man sofort erzählen: Thomas hat damals nämlich in völliger Unkenntnis der französischen Sprache alkoholfreies Bier gekauft, weil er dachte, ’sans alcohol‘ hieße, das Bier enthalte ‚heiligen‘ Alkohol. Er behauptete, es würde so genannt, weil es in einem Kloster gebraut würde, aber nicht von faltigen Mönchen, sondern von unbefleckten Nonnen. Als ich ihn über den Fehler aufklärte, beteuerte er, das Zeug habe ihn besoffen gemacht. Aber man muss im Leben auch verzeihen können und so wärme ich die Geschichte nur noch jedes zweite Mal auf, wenn wir uns sehen.

—–

Abgesehen davon, dass Christian damals beinahe verhaftet worden wäre, als er in dem Supermarkt nach Kippen fragte, verlief der Einkauf erfolgreich. Doch wir waren ja keine Frauen, ergo nicht zum Shoppen nach Frankreich gekommen, sondern um mit unserer musikalischen Karriere durchzustarten.

Okay, vielleicht wäre es zielführender gewesen zu shoppen, doch das konnten wir damals ja nicht wissen, jung und unbedarft wie wir waren. Und so nahmen wir aus völliger Selbstüberschätzung unserer beschränkten Möglichkeiten innerhalb nur einer Woche ein ganzes Album auf.

Das auch noch geil klang.

Jedenfalls für unsere Verhältnisse.

Christian steuerte die Texte bei*, ich die Songs und unser gemeinsamer Freund René die gute Laune.

—–

*Außerdem ging eine Ameisenstraße mitten über mein Bett, weswegen ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, Verkehrspolizist für die Kerle zu spielen, beziehungsweise, sie zu überreden, einen anderen Weg einzuschlagen.

Wenn andere Leute Flöhe dressieren, wäre es ja wohl ein Witz, wenn das nicht auch mit Ameisen funktioniert, dachte ich mir, und irrte mich.

—–

Andy, der vierte Mann im Bunde, der Einzige von uns, der wirklich Keyboard spielen konnte, hatte überraschend daheim bleiben müssen, weil er Menstruationsbeschwerden hatte, oder einer seiner Synthesizer, so genau weiß ich das nach all den Jahren nicht mehr.

Deshalb frag ich mich auch heute immer noch, wie ich die Songs komponiert habe, denn unser damaliger Computer, ein Atari ST, hatte weniger Rechenpower, als eine dieser Glückwunschkarten, die beim Öffnen ‚Happy Birthday‘ tröten. Ein Megabyte Arbeitsspeicher, damals unvorstellbar und heute nur noch drei Stellen hinter dem Komma. Trotzdem half mir der Computer, all die Töne in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Damals, nach dem ersten Anhören wussten wir sofort, es war ein Geniestreich! Die Krönung unseres Werkes! Die Songs lagen vor uns wie pures Gold. Uns war sofort klar, es würde eines der am meist unterschätzten Alben der Popgeschichte werden.

So kam es auch.

Oder hat hier jemand schon mal von Rehberg* gehört?

—–

*Damit sich das ändert, haben wir einen Track von Rehberg neu aufgenommen, mit dem unschuldigen Titel ‚Blut‘. Tja, damals waren wir eben noch ein wenig düsterer drauf.

Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf weitere Titel aus unserem Programm.

Du liest gerne und sagst geradeheraus deine Meinung zur Lektüre? Werde Rezensent/in und trag dich in unsere Rezensentendatenbank ein!

 

9783960872313

Das E-Book kaufen.

Thomas Kowa ist Autor, Poetry-Slammer und Musikproduzent. Während in seinen Thrillern fleißig gestorben werden darf, ist Pommes! Porno! Popstar! der zweite Roman, für den er niemanden umgebracht hat.

Christian Purwien veröffentlichte unzählige Alben und Beitrage auf mehr als hundert CDs, seine Coverversion des 80er Klassikers „Send me an angel“ enterte die deutschen Single-Charts. Für seine letzte CD arbeitete er mit Joachim Witt und Andreas Fröhlich zusammen, letzterer besser bekannt als Bob Andrews von den Drei Fragezeichen.

Thomas Kowa und Christian Purwien im Interview zu Pommes! Porno! Popstar!