Drei Dates mit Santa

Elly

„Und lassen Sie mich mit ihrem Weihnachts-Gerede in Ruhe! Ich kann es nicht mehr hören. Als gäbe es im Dezember gar nichts anderes mehr! Weihnachtsmarkt, Weihnachtslieder, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtswahn, Weihnachtsgans, Weihnachts…schaf!“ Aufgebracht warf sie die Arme in die Luft. „Was auch immer!“

***

CJ

Es schneite.

Natürlich schneite es. Er hatte ja nicht schon genug zu tun, ohne dass er den Schlitten freischaufeln oder sich von den Elfen vorhalten lassen musste, er würde ihnen die Drecksarbeit andrehen. CJ spürte seinen Stresslevel steigen und wandte hastig das Gesicht vom Fenster ab, an dem Eiskristalle ihm die Sicht auf die verdammte Winterwunderlandschaft da draußen verschleierten. Er atmete tief durch. Niemand hatte behauptet, es würde einfach werden. Weihnachten war eben kein Zuckerschlecken. Also, nicht nur.

***

Merry

Ohne mit der Wimper zu zucken, schnipste Amor der Weihnachtselfe gegen die Stirn, sodass sie in der Luft zehn Zentimeter nach hinten gestoßen wurde, ehe sie sich fing. „Vor dir hab ich keine Angst.“

„Solltest du aber!“, knurrte sie verärgert und rieb sich über die Stirn. Arroganter, aufgepumpter Robin Hood für verliebte Volltrottel.

Die Tür der Poststelle öffnete sich und Merry schaute nach unten. CJ trat mit einem merkwürdigen Grinsen im Gesicht auf den Bürgersteig und lief in die Richtung, wo sein Rentier Blitzen auf ihn wartete. Wenn in seinen Augen jetzt auch noch Herzchen aufploppen, raste ich aus.

„Du wirst verlieren!“, hörte sie Amor mit einem selbstgefälligen Unterton flöten.

Von wegen! Merry entfernte sich von Baum und Widersacher, rief: „Ich werde gewinnen!“, und zeigte Amor den Stinkefinger, der in ihrem grünen Glitzerhandschuh wunderbar zur Geltung kam.

***

Elly & CJ

Er sprang als Erster aus dem Schlitten und hielt ihr die Tür auf, streckte ihr sogar wieder eine Hand entgegen. Sie griff danach und musste sich ganz darauf konzentrieren, auf den schmalen schneebedeckten Stufen nicht auszurutschen. Erst als sie den zentimeterhohen Schnee unter ihren Stiefeln knirschen hörte, wurde sie sich wieder seiner Nähe bewusst. Sie musste den Kopf leicht in den Nacken legen, um ihm in die Augen sehen zu können. Im schummrigen Licht der Straßenlaternen konnte sie deren Farbe kaum erkennen, doch die Erinnerungen an die Blicke, die er ihr gestern noch in der Post zugeworfen hatte, waren plötzlich allgegenwärtig. An das tiefe schimmernde Braun, das sie gefangen nahm und in seinen Bann zog.

„Danke … fürs Nach-Hause-Bringen.“ Sie hatte die Stimme gesenkt, und doch schien sie viel zu laut für diese Nacht.

„Gerne“, erwiderte er ebenso leise, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.

Dann legte sich Stille über sie. Ein eisiger Windhauch wehte Elly eine erste Schneeflocke auf die Wange, die zweite verfing sich in CJs Haaren. Dann folgten weitere, schmolzen auf ihrer Haut und legten sich auf den dicken Stoff ihrer Mäntel. Doch es kümmerte sie nicht. Sie standen einfach nur da und sahen sich an …

***

Amor

Abrupt blieb CJ stehen und starrte auf den Möchtegern-Ninja, der mit verschränkten Armen an einem Laternenmast lehnte. Wo war der denn plötzlich hergekommen?

„Scheint, als würde die Tarnung wirklich nur bei Menschen funktionieren. Das erklärt einiges“, murmelte der Fremde mit der Miene eines grimmigen Kriegsveteranen zu sich selbst, während CJ ihn musterte. Er trug eine graue Wollmütze, die seine blonden Engelslocken nicht ganz verstecken konnte, einen Camouflage-Anzug und Combat Boots. Das allein war schon verstörend genug, aber die Tatsache, dass er CJ nur bis zum Bauchnabel reichte, ließ ihn noch einmal zusätzlich stutzen.

Zuerst hielt er ihn für einen Elfen. Aber die waren vertraglich dazu verpflichtet, in seiner Gegenwart zu lächeln und Rot und Grün zu tragen. Merry hatte sich die Lächel-Klausel aus dem Vertrag streichen lassen, als sie nach dem Nussknackervorfall befördert worden war, aber die anderen …

„Du bist kein Elf“, stellte CJ überrascht fest.

Der Mundwinkel seines Gegenübers zuckte. „Richtig.“

CJ musterte ihn nochmals und hielt inne, als er ein Pistolenholster an dessen Hüfte entdeckte. „Hat Christy dich geschickt?“, wollte er misstrauisch wissen. „Sollst du mich abknallen? Denn wenn ja, dann ist das kein schlechter Moment.“

Sein Gegenüber stieß sich schweigend vom Laternenmast ab und sah ihn ernst an. „Hör zu. Wir haben nicht viel Zeit. Deswegen die Kurzfassung: Du bist der Weihnachtsmann, ich bin Amor. Klar soweit?“

„Wo ist deine Windel?“, wollte CJ skeptisch wissen.

„Wenn du deine große Liebe retten willst, solltest du dir deine Witze sparen. Ich habe ein paar Informationen für dich.“


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9783960872573

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Vor etwas mehr als einem Jahr hat die kleine Autorenfamilie sich lesen und lieben gelernt. Unterschwellig war ein Gemeinschaftsprojekt schon immer ihr Traum, nur hat es nie jemand ausgesprochen. Da Weihnachten das Fest der Liebe ist – und die vier sich sehr lieben – war das Thema auch zügig gefunden. Die Rollen wurden nach wissenschaftlich akkuraten Kriterien verteilt:

Saskia war die Einzige, die eine annehmbar hohe Anzahl an Weihnachtssocken besaß, weshalb sie für die Rolle des Weihnachtsmannes wie geschaffen war. Aufgrund der Vorliebe für archaische Krieger aus vergangenen Zeiten hatte Julia Lalena gar keine andere Wahl, als Amor zu verkörpern. Marie hat zwar einen totalen Weihnachtsfimmel, wollte sich aber schon immer mal so richtig mit Saskia streiten, weshalb die Rolle der weihnachtshassenden Noelle auf sie fiel. Und Merry, die Julias Denken über den wohlverdienten Ruhestand eins zu eins widerspiegelt, war für diese dann doch eine Herausforderung. Denn sie beide unterscheiden sich total in der Organisation und dem Umsetzen von Plänen.