Schwarze Ritter küsst man nicht – oder doch?

Stuttgart, Juli 2017. Es ist die Erfüllung eines Kindheitstraumes und hat viele Jahre gedauert – nicht zuletzt aufgrund des Umfangs: Schwarze Ritter küsst man nicht und Schwarze Ritter küsst man doch haben zusammen immerhin 540 Seiten. Im Vorfeld fielen auch umfangreiche Recherchearbeiten an, Susanne Keil ist sehr genau. Sie wollte Hadelindes Stimme finden, dem Lebensgefühl einer Frau in ihrer Zeit auf die Spur kommen und aus diesem so überhaupt nicht emanzipierten weiblichen Wesen eben das machen, was man heute eine liebenswerte Chaotin nennen würde.

Letzteres stellte die größte Herausforderung dar und bringt eine etwas andere Sicht auf das tatsächlich oft eher unromantische Mittelalter mit sich: Hadelinde, Susanne Keils Protagonistin in Schwarze Ritter küsst man nicht und Schwarze Ritter küsst man doch, erzählt ihre eigene Geschichte mit einem Augenzwinkern. Wie ist das so, als Knappe dem „schwarzen“ Ritter Jérôme de Montdragon zu dienen? Einerseits ist Hadelinde dabei ganz ein Kind ihrer Zeit: Die Männerrolle, in die sie hineinrutscht, ist ihr gar nicht geheuer und Jérômes angeblich so verdorbene Seele zu retten, sieht sie als ihre heilige Pflicht an. Andererseits ist sie vor allem eines: Bis über beide Ohren verliebt. Da Liebe bekanntlich blind macht – und zwar im zwölften Jahrhundert nicht weniger als in unserer heutigen Zeit – deutet sie die Zeichen von Jérômes Zuneigung gerne einmal falsch. Der Leser ist über dessen Gefühle oft besser im Bilde ist als sie selbst. Stattdessen glaubt Hadelinde seinen Beteuerungen. Er sagt doch selbst, dass er von Frauen ein für alle Mal genug hat …

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In diesem amüsanten, historisch fundierten Roman lässt Susanne Keil mit ihrer Protagonistin Hadelinde die ganze Welt des Mittelalters lebendig werden und erzählt von Turnieren, Gottesurteilen und einem Ritter, der geflissentlich übersieht, wer sein Knappe in Wirklichkeit ist, weil er die Liebe scheut wie der Teufel das Weihwasser. Beide Teile des Romans erscheinen Mitte Juli als E- Book.

schwarze ritter 2 KLEIN

Schwarze Ritter küsst man nicht

Eine gottlose Gegend

Das Tor quietschte erbärmlich. Ein Wunder war das nicht, so schief wie es in den rostigen, verbogenen Angeln hing. Der Schauer, der mir über den Rücken lief, verflog. Härter traf mich der Gedanke, dass man diesen Lärm gehört hatte – und der kam mir, wie alle klugen Gedanken, zu spät in den Sinn. Da ging sie hin, meine letzte Möglichkeit, wieder in den Sattel zu steigen und unentdeckt in den Wald zurückzureiten. Im Ausgleich dafür konnte ich jetzt einen Brunnen, ein paar Hühner, eine grasende Ziege und einen schlafenden Hund betrachten. Gewiss, der Burghof erweckte einen friedlichen Eindruck, aber was bedeutete das schon? Im Grunde rein gar nichts.

Worauf hatte ich mich da bloß eingelassen? Alles einiger Kupfermünzen wegen, die längst in meinem Geldbeutel vor sich hin klingelten. Zuerst hatten die Hufe meines Ponys dazu einen fröhlichen Takt auf die alte Straße geklopft. Bis die Burg, zu der mein Botengang führen sollte, in Sichtweite gekommen war.

Ja, ja, hatten die Leute aus dem Dorf gesagt, das da oben sei Montdragon. Doch, doch, dort lebe noch jemand. Nein, nein, verlassen sei die Burg nicht, auch wenn sie hundertmal so zerfallen aussähe, jedenfalls nicht ganz verlassen. Und dann hatte sich jeder, dem ich begegnet war, bekreuzigt.

Seufzend schob ich Puks vorgereckte Nüstern zur Seite und trat durch die schmale Öffnung, die entstanden war, bevor ich das Tor verschreckt losgelassen hatte. Das Pony konnte es kaum abwarten, sich zu anderen Pferden zu gesellen. Es verstand ja nicht, warum ich in letzter Zeit um Menschen, und auch um ihre Tiere, einen Bogen schlug, wann immer es möglich war. So gesehen konnte ich Puks Drängen nachgeben. Die Stallungen wären ein guter Ort, um mich erst einmal weiter umzuhorchen, ich müsste nicht an dem Hund vorbei und vor allem: Im Stall würde ich bestimmt nicht dem Burgherrn in die Arme laufen, der doch ein ganz missratener, ein schwarzer Ritter sein sollte.

Ich folgte dem Pfad, den Schuhsohlen und Pferdehufe in die Wiese rings um den Turm getreten hatten. Sofern man noch von einem Turm sprechen konnte. Die Spuren des Brandes, der sich in sein Gebälk gefressen hatte, waren offenkundig. Ob damals aber, wie ich befürchtete, der Teufel seine Hand im Spiel hatte, darüber schwiegen die groben Steinblöcke. Von den oberen Stockwerken stand nicht mehr viel, nur eine einzige Wand, aus der zwei eingestürzte Fensteröffnungen über das Land äugten und jeden Besucher bereits aus großer Entfernung abschreckten. Man sollte erwarten, es beruhige, dies von Nahem zu sehen, Steine anzufassen, die sich wie Steine anfühlen und nicht wie verkohlte Knochen, aber weit gefehlt: Meine Füße wurden kalt und kälter. Für mich war und blieb es ein riesiger Totenschädel, um den ich herumlief.

Vor dem Stall tupfte ein großer Mann klebrige Salbe auf die Schrammen eines Pferdes, meinen Lebensmut heilte er, ohne es zu wissen, gleich mit. Er warf einen Blick über seine Schulter, unter einem dunklen Haarschopf trafen mich zwei klare, blaue Augen, dann wandte er sich wieder Hals und Flanke des Tieres zu.

Ich durfte ihn nicht ansehen, nein, ich durfte nicht hinsehen. Zu viel Zeit meines Lebens hatte ich hinter Klostermauern verbracht, und angesichts der breiten Schultern und der langen Beine eines Fremden zu erröten, sollte ich vermeiden, solange ich Wams und Hosen trug. Zu viel Zeit – oder zu wenig, sonst erläge ich Versuchungen wie der, ihn von hinten in ungehöriger Weise anzustarren, ja nicht immer wieder. Puk, der ebenfalls etwas erspäht hatte, was ihn verzückte, nämlich einen Heuhaufen, riss mich beinahe von den Füßen.

„Gott grüße dich!“, sagte ich.

Einen zweiten Blick war ich dem Fremden gar nicht wert. Er vertiefte sich in seinen Tiegel, von dessen Rand er mit dem Zeigefinger Salbe hervorholte.

Gott“, stellte er klar, „verirrt sich selten in diese abgelegene Gegend. Außerdem hätte er keinen Grund, gerade mich freundlich anzusprechen.“

Es war töricht gewesen, mir von diesem Menschen Beistand zu erhoffen, oder auch nur einen guten Rat, wie man seinem Herrn am besten gegenübertrat, ohne dessen Zorn auf sich zu ziehen. Ich bemühte mich, seine schönen Augen zu vergessen und besann mich auf das, was mich herführte.

„Ich suche Seigneur de Montdragon.“

„Ach nein?“ Seine Braue kräuselte sich misstrauisch.

„Ja, ich habe eine Botschaft für ihn.“

„Und die lautet …?“

Nun müsste ich nur noch das kleine, wohl verpackte Bündel hervorholen, es ihm aushändigen und alles wäre heil überstanden. Leider gab es einen winzigen Pferdefuß: „Sie ist nur für ihn allein bestimmt.“

Der mürrische Stallknecht wurde noch mürrischer. „Reiß deine Augen auf und richte mir aus, was Comte Thibaud dir aufgetragen hat. Oder“, und mir diese zweite Möglichkeit anzudrohen, zauberte Glanz in sein sonst so freudloses Leben, „du kommst morgen wieder. Auf der anderen Seite des Tals liegt das Kloster St. Lazare. Die Mönche sollen dich über Nacht aufnehmen. Denn ‚Seigneur de Montdragon‘ leibhaftig – der wird erst bei Einbruch der Dunkelheit zurückerwartet.“

„Ich könnte ihn unterwegs abfangen“, überlegte ich laut. Das wäre das Schlechteste nicht. Ich würde dem Ritter unten im Dorf begegnen, ihm das Bündel aushändigen und hurtig zum Kloster reiten. Bei den strohgedeckten Hütten liefen doch so viele andere Leute herum, denen er etwas antun konnte. „Freilich wäre es einfacher, wenn du ihm die Botschaft weitergibst, aber die Dame hat gesagt …“

„Dame?“ Der Stallknecht stutzte. „Dich schickt eine Dame?  Was für eine Dame?“

„Eine – eine schöne Dame.“

Jetzt hatte ich seine Aufmerksamkeit erregt. Recht war mir das nicht, zumal etwas an mir ihm aufs Äußerste missfiel. Ich verscheuchte eine nicht vorhandene Fliege und fasste mir wie zufällig in den Nacken. Ja, meine Coiffe war verrutscht. Sie hing am Hinterkopf, wo sie gerade noch die Stelle verbarg, an der mein Zopf unter dem Hemdkragen abtauchte. Dabei hätte ich unter der Leinenhaube sehr gut meine Ohren und meine Stirn mitsamt dem Haaransatz verstecken können, wäre ich einmal, ein einziges Mal nur, achtsam mit meiner Kleidung gewesen.

„Natürlich“, schnaubte er mir ins Gesicht. „Das kann bloß einer schönen Dame einfallen: einen armen, ahnungslosen Jungen mutterseelenallein loszuschicken – mit einem Pferd, das noch kleiner ist, als er selbst!“ Er donnerte den Salbentopf auf die morsche Holzkiste an der Stallwand, die aufächzte, aber, wider Erwarten, nicht in sich zusammenfiel. „Ich versteh dich gut“, behauptete er. „Du bist ein anständiger Junge und alles, was du willst, ist, es ihr recht zu machen. Aber lass mich dir einen guten Rat geben: Sei vorsichtig mit den Frauen, besonders mit den schönen. Weiber sind gefährlich. Sie lügen, wenn sie nur den Mund aufmachen. Sie stehlen unsere Herzen und dann treiben sie glühende Nägel hinein!“

Er hatte es nicht gemerkt. Niemand zuvor hatte mich so offen angesehen, ohne es zu merken, gleichzeitig floss dieser Mann nur so über vor Hass auf die Frauen. Ich fühlte mich, gelinde gesagt, unwohl.

„Kennst du sie gut, diese“, er verdrehte die Augen, „schöne Dame?“

„Nein. Ich bin ihr heute zum ersten Mal begegnet.“

„Habe ich es nicht gesagt? Du begegnest ihr zum ersten Mal und schon bringt sie dich in Teufels Küche. – Weiber!“

In Teufels Küche. Mir rutschte das Herz in die Hose. „Meinst du, wegen des Seigneurs?“, erkundigte ich mich behutsam, um dann, ganz und gar unbedacht, weiter zu fragen: „Ist er denn wirklich ein so böser Ritter?“

Zwischen den Augen grub sich eine pfeilspitze Kerbe in seine Stirn. „Es ist so, mein Junge: Ich bin …“ Bei der Liebe Gottes, was hatte er mir Furchtbares zu sagen? Er brachte es ja gar nicht über die Lippen. „Ich bin manchmal ein wenig unhöf… – ungehobelt. Ja, ich bin manchmal ein wenig ungehobelt.“ Auf der Suche nach einer Ausflucht entdeckte er mein Pony, das sich anstrengte, möglichst viel von dem Heu zu vertilgen, bevor es diesen gastlichen Ort wieder verlassen musste. „Dein Pferdchen ist hungrig“, stellte er fest.

„Puk ist immer hungrig“, entgegnete ich, ich wollte schließlich weder lügen noch jammern. Ponys können sich von Gras ernähren, ich nicht, entsprechend leer war mein Magen.

„Hengst oder Stute?“ Der Stallknecht hob kurz Puks flachshellen Schweif in die Höhe. „Noch besser“, fand er, was er dort sah, denn ein scharfes Messer hatte Puks Dasein als Hengst schon in jungen Jahren ein Ende gesetzt. „Dann gibt es keine Streitereien im Stall. Bring ihn hinein!“

„Aber … sollte ich nicht in diesem Kloster übernachten?“

„Du wirst hier übernachten.“ Er löste den Knoten, mit dem das verletzte Pferd angebunden war, strich ihm sanft über die Nüstern und führte es in den Stall. Ich folgte ihm. Da möchte man Pferd sein, dachte ich, wo er doch von Frauen nichts hält.

Das Stallgebäude diente im hinteren Teil als Lager für Heu und Stroh, nur vorne standen zwei rabenschwarze Hengste und ein Eselchen. Wir räumten das Stroh zur Seite, um Platz für mein Pony zu schaffen. Ich kam nicht dazu, den Stallknecht zu fragen, wo das vierte Ross untergebracht würde, jenes, mit dem der Ritter fortgeritten sein musste. Es entsetzte mich zu sehr, wie großzügig er meinem Pony mit dem guten schwarzen Hafer fütterte, der der üblicherweise den wertvollen Schlachtrössern vorbehalten war. Im Geiste sah ich schon die Peitsche des Burgherrn unbarmherzig auf seinen Rücken niedersausen. Ach, ich würde seine Wunden pflegen, seine Schmerzen lindern und er würde mich ansehen mit seinen wundervollen Augen, sich vielleicht sogar in mich verlieben, war ich doch die Einzige, die ihm beistand in dieser schweren Zeit … Hadelinde, nimm dich zusammen!

Wo er es so gut mit mir und meinem kleinen Puk meinte, war mich vorzustellen das Mindeste, was ich tun konnte. Natürlich nicht mit meinem richtigen Namen, sondern mit dem eines Cousins von mir.

„Ich heiße Christophe“, sagte ich und fügte hinzu: „Freunde nennen mich Kitt.“ So betonte mein Cousin das immer. Freilich durfte ich ihn nie Kitt nennen, ich war ja nur eine Cousine, ein Mädchen eben.

„Jérôme De…“, erwiderte der Mann mit dem Hafereimer oder auch: „Jérôme Dag…“ Er wiederholte eilends den Namen Jérôme, diesmal ohne jeden Zusatz, stellte den Eimer in die Ecke und führte mich aus dem Stall. „Also – mein Freund – wie war sie denn, deine Begegnung mit dieser Dame?“

Das hatte ich nun von meinem großmäuligen: ‚Freunde nennen mich Kitt‘: Seine Hand lag auf meiner Schulter!

„Es war heute Morgen in der Nähe dieser anderen Burg. Beaufort, oder so.“

„Beaufort, ja“, bestätigte Jérôme knapp.

„Ich habe ein paar Äpfel gepflückt, als ein greiser Ritter mich zur Rede stellte. Aber nicht der Äpfel wegen.“

Vor einer niedrigen Holzbank, die sich mit letzter Kraft gegen die Burgmauer lehnte, blieb Jérôme stehen und fügte seinen langen Beinen einen unnatürlich anmutenden Knick zu. „Setz dich doch.“

In angemessenem Abstand neben ihm und ohne seine unangenehm angenehme Berührung erzählte es sich leichter: „Woher ich käme und wo ich hinwolle, fragte mich der Alte. In diesem Moment entschied sich alles, vermute ich, denn ich hatte mich ein bisschen verirrt – naja, eher völlig verirrt. Mir blieb nichts übrig, als ihm die Richtung zu zeigen, aus der ich kam und eine anzugeben, in die ich wollte. Da mir eine Straße so gut vorkam wie die andere, wies ich auf irgendeine, und das war eben die Straße nach Montdragon. Ich wusste es nur noch nicht …“

„Und? Was hat er gesagt?“ Jérômes gelangweilter Ton ließ jegliche Beschreibung für den versteinerten Ausdruck, den das Gesicht des alten Mannes angenommen hatte, bereits hinten in meiner Kehle zusammenfallen.

„Der Ritter behandelte mich wie einen Aussätzigen. Er wendete sein Pferd und sah mich nicht mehr an“, sagte ich stattdessen, obwohl Jérôme das noch weniger hören wollte als die Worte des alten Mannes. „Er sagte noch: ‚Dann sei gewarnt! Du betrittst Grund und Boden eines Ritters, der es nicht verdient, mit Namen genannt zu werden, denn er bringt nichts als Schande über unseren Stand. Er ist wahnsinnig, missraten, gottlos. Seine Seele ist ebenso schwarz, wie der Umhang, den er trägt.‘ Damit ritt der alte Mann fort.“

Jérômes Schweigen ging unvermittelt in eine Frage über: „Wie geht es ihm?“

„Wem? Seigneur de Beaufort?“ Jérômes Haltung nach zu urteilen, galten die Grübelfalten auf der Stirn mehr dem bedauernswerten, halb verfallenen Turm.

„Ja. Wie saß er im Sattel? Wohlauf?“, bot er mir an. „Oder gebrechlich?“

„Er hielt sich sehr aufrecht und mir schien, es ging ihm gut.“ Ein vertrocknetes Skelett, zusammengehalten von Stolz und Starrsinn, nein, das wollte ich nicht sagen. Zumal Jérôme das Wohlergehen des alten Griesgrams in so überraschender Weise am Herzen lag. „Du kennst ihn?“

Schon war es mit seiner Beredsamkeit vorbei. „Ja. Ich habe auf Beaufort gelebt, bis …“ An dieser Stelle brach er ganz ab.

Ich schaffte es nicht, meine Zunge im Zaum zu halten, ungeachtet der Ohrfeigen, die mir ihre Leichtfertigkeit schon eingebracht hatte, packte sie solche Gelegenheiten nach wie vor gern beim Schopf. „Wie kann das sein? Beaufort und Montdragon, die sind doch verfeindet bis aufs Blut!“

„Seit einigen Jahren, ja. Aber wenn einer keine Schuld daran trägt, dann ist es Guillaume …“ Das ging ihm näher als ihm lieb war, so vervollständigte er den Namen des alten Mannes erst nach einer geraumen Weile: „… de Beaufort.“

Jérômes Aufrichtigkeit in Ehren – so genau wollte ich es nicht wissen. Er hätte mir gern vorgaukeln dürfen, Beaufort, nicht Montdragon, wäre der streitbare Nachbar.

„Deine Geschichte ist doch noch nicht zu Ende“, drängte er. „Die Dame fehlt noch.“

„Ja, die Dame!“, hob ich wieder an. „Während der alte Ritter mit mir sprach, hatte sie ihren Falken aufsteigen lassen und war ihm nachgeritten. Nun trabte sie auf mich zu.

Du reitest nach Montdragon?‘, fragte sie und hielt ihren Grauschimmel an. Sie hatte eine wundervolle Stimme!“

„Pah!“, machte mein Zuhörer.

Ja, bei allem Gram darüber, dass der Himmel mich nicht mit so viel Schönheit gesegnet hatte, in meiner Lage wäre eine glockenklare Stimme wie ihre ausgesprochen hinderlich. „Zuerst wich ich einer Antwort aus: ‚Na ja, ich denke, ich reite lieber woanders hin …

Ach‘, wiegelte sie ab, ‚du darfst dir von meinem alten Vater keine Angst einjagen lassen! Einst galt er als bester Ritter der Grafschaft – heute genießt Seigneur de Montdragon diesen Ruf. Deshalb lässt er kein gutes Haar an ihm. Das ist alles.‘“

„Du hast das doch nicht etwa geglaubt?“, unterbrach mich Jérôme.

„Es hörte sich so einleuchtend an …“

Er führte seine Hand an die Stirn und sah mich durch die Finger hindurch an, zum Zeichen, dass mir seiner Meinung nach überhaupt nicht mehr zu helfen war.

„Sie fragte mich, ob mich denn einige Münzen umstimmen könnten.“ Vielleicht hatte er ja dafür Verständnis. „Sie habe da etwas, das ich Seigneur de Montdragon überbringen soll. Das hörte sich verlockend an. Ich willigte ein, und so bekam ich zusammen mit den Münzen ein kleines Bündel.“

„Ein Bündel also“, fasste Jérôme zusammen. „Das ist deine Botschaft für … Montdragon?“

„Ja“, antwortete ich noch unverzagt. Seine Miene verfinsterte sich ja erst nach und nach.

„Du weißt aber nicht, was sich darin befindet?“

„Nein. Es ist in ein hellblaues Tüchlein geknotet. Man kann nichts erkennen, und ich darf es doch nur …“

„… nur Montdragon selbst aushändigen, ja, ja, ich weiß!“ Jérôme ahmte äußerst überzeugend eine schlecht gestimmte Leier nach. „Hör zu, mein Junge, ich möchte nicht, dass dir etwas geschieht – darum: Sei vorsichtig mit diesem Bündel! Es könnte etwas Gefährliches enthalten. Eine giftige Schlange zum Beispiel oder einen Feuersalamander.“

„Aber ich hätte doch gespürt, wenn sich darin etwas bewegte!“

„Ein toter Feuersalamander bewegt sich auch nicht mehr“, sagte er hart. „Willst du am eigenen Leibe erfahren, ob seine gelben Streifen so giftig sind, wie man sagt?“

„Nein. Natürlich nicht.“ Und ich hatte geglaubt, mehr Angst kann man nicht haben! „Dass es nicht sein kann, wie es die schöne Dame darstellte, wurde mir später im Dorf klar“, räumte ich ein. „Genau wie der alte Ritter haben mich auch die Bauern vor Seigneur de Montdragon gewarnt. Wenn sie gar nichts sagten, mich nur mitleidig ansahen, weil ich zur Burg hinaufreiten muss, flößte mir das noch größere Furcht ein als Beauforts gewaltige Worte. Aber da hatte ich Bündel und Geld schon angenommen. Ich konnte doch nicht umkehren und beides einfach behalten.“ Warum, dachte ich – warum, bei allen Heiligen, habe ich das nicht getan?

„Du hast mir die falsche Frage gestellt“, sagte Jérôme mitten in meine Verzweiflung hinein. „Vorhin“, setzte er erläuternd hinzu, „wolltest du wissen, ob Montdragon ein böser Ritter ist.“

Ich nickte.

„Diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Aber die Antwort auf die Frage, die dich eigentlich quält, lautet: Nein. Nein, er wird dir nichts antun, sei seine Seele nun schwarz, oder weiß, oder grau. Denn du bist nur der Bote.“

Gern, zu gern hätte ich ihm geglaubt. Allerdings übersah er etwas Wesentliches, und wenn der Burgherr mit einer Botin anders verfuhr als mit einem Boten, könnte er sich nicht gegen ihn stellen, um mir zu helfen. Ich fragte mich, was meiner Tante am Ende schwerer zu erklären sein würde: Dass ich einem missratenen Ritter, der zweifelsohne nichts lieber tat, als Jungfrauen zu schänden, trotz all ihrer Ermahnungen geradewegs in die Arme rannte? – Oder, dass er mir die Unschuld gar nicht mehr hätte rauben können. Diese kleine Sünde hatte mir der Himmel inzwischen vergeben, nur wusste ich eines aus Erfahrung: Der Himmel verzieh, Tante Adelgunde nicht.

„Dieser Ritter mit seiner schwarzen Seele ist nicht deine einzige Sorge, hm?“, sagte Jérôme auf mein leises Seufzen hin.

„Nein, er ist beileibe nicht meine einzige Sorge.“ Sein Mitgefühl tat wohl. Einen Moment lang verspürte ich den Wunsch, ihm alles zu beichten und mich an seiner Brust auszuheulen. Aber ich schwieg. Was hatte er über die Frauen gesagt? ‚Sie lügen, wenn sie nur den Mund aufmachen‘. Ich log sogar, ohne den Mund aufzumachen, ich gab vor, jemand zu sein, der ich nicht war.

„Wovor läufst du davon?“, fragte er weiter. „Du reitest doch nicht aus freiem Willen allein auf einem ausgehungerten Pony durch die Wälder der Argonnen.“

„Schwierigkeiten …“, deutete ich an.

„Schwierigkeiten ziehst du an, wie der Honig die Fliegen, scheint mir.“ Jérôme war alles andere als überrascht. „Deine Reise – wohin soll sie führen? Du sagst, du hast dich verirrt. Mithin muss sie einen Anfang und ein Ende haben.“

„Ich komme aus Trier und bin auf dem Weg nach Brügge. Zu meiner Tante.“ Musste ihm das nicht seltsam vorkommen, ein Junge, der sich von seiner Tante aufnehmen ließ? Hätte ich besser von einem Onkel sprechen sollen?

Jérôme stieß sich nicht daran. „Nach Brügge, nun gut“, brummte er nur und stand auf. „Komm, lass uns essen gehen! Agnès wartet sicher schon.“

Aufgesprungen war ich schnell, den Sack zu schultern, der meine gesamte Habe enthielt, kostete Überwindung. Er drückte schwer auf meinen Rücken, befand sich doch darin das geheimnisvolle Bündel. „Hat sie nichts dagegen, wenn du mich einlädst?“

„Nein, Agnès wird sich freuen. Ihr ist es hier viel zu einsam.“ So wie er von ihr sprach, war sie eine löbliche Ausnahme unter den ach so bösen Weibern. Am Ende womöglich ein besonders glückliches Weib, nämlich seines?

„Wer ist sie?“, fragte ich möglichst unbeteiligt.

„Sie war meine A…“ Jérôme hustete. „Agnès hat mich aufgezogen.“

Heiliger Nikolaus – der du dich armer, mitgiftloser Mädchen annimmst, um sie doch noch zu verheiraten – ich danke dir! „Du warst ein Findelkind? Wie Moses in seinem Weidenkörbchen?“

„Nicht in einem Weidenkörbchen. Und schon gar nicht wie Moses.“ Er hockte sich nieder, um den müden Hund zu kraulen, der in steifen Galoppsprüngen auf ihn zu hoppelte. „Keine Angst, der beißt nicht. Womit auch – sein Gebiss ist nicht mehr das Beste.“ Jérôme hob eines der braunen Schlappohren an und brüllte hinein: „Obendrein ist er völlig taub!“ Der Hund zuckte nicht einmal, sondern schleckte ihm das Gesicht ab, begeistert ob so viel Zuwendung.

 Die Tür des verfallenen Turmes stand halb offen. Jérôme und sein Hund – oder wessen Hund das auch war – ahnten nichts von meinen Befürchtungen, dieses steinerne Ungetüm nie wieder verlassen zu können. Sie strebten voller Vorfreude aufs Essen dem Küchenanbau zu. Mir blieb kaum Zeit, mich im Turm umzusehen. In der dunklen Halle, deren hohe, kahle Wände feindselig auf mich herabstarrten, wollte ich um nichts in der Welt allein zurückbleiben. Die Küche hingegen empfing mich mit warmen, anheimelnden Dunstschwaden. Die kleine Frau, der ich das verdankte, entdeckte ich inmitten all der Töpfe und Tiegel erst nach einigem Umhersehen. Agnès war ein steinaltes Mütterchen in einem dunklen Kleid aus gutem Wollstoff, der viel zu edel wirkte, angesichts der zerfallenen Mauern ringsum. Aus dem Knoten unter ihrem Kopftuch waren einzelne graue Strähnen hervorgekrabbelt und umschmeichelten ihr Gesicht. Allein schon durch dieses Haar, das sich beim besten Willen nicht bändigen ließ, fühlte ich mich ihr sofort verbunden.

„Ja, gibt’s das, ’n Gast?“, rief sie, ihre Augen wanderten, nach einer Erklärung heischend, zu Jérôme.

Der räusperte sich. „Das‘s Kitt und er … Der Junge hat ’nen weit’n Weg hinter sich. Isser nur halb so hungrig wie sein Pony – dann bleibt uns zwei heut Abend nicht viel!“ Merkwürdig. Vorhin im Hof hatte ich ihn besser verstanden, genauso gut wie meine Verwandten in Brügge. Sprach er mit Agnès, fiel er in denselben Singsang wie die Leute im Dorf und verschluckte ganze Silben. Silben, die ihnen in ihrer Muttersprache unwichtig vorkamen, auf die mein Ohr aber angewiesen war.

Die alte Frau betrachtete mich von oben bis unten und wog die Schüssel in ihrem Arm, um herauszufinden, ob ihr Inhalt ausreichen würde.

„Dünn biste“, fand sie. „Setz dich und iss was!“

Ich nahm auf der kleinen Bank Platz, wurde aber von Jérôme wieder hochgescheucht, der mir wortlos bedeutete, ich solle ein Stück rücken, er wolle sich da auch noch hinsetzen. Ehe ich mich versah, hockten wir wie die Hühner auf der Stange, sein Knie berührte meines. Mir blieb nur, es so zu belassen oder von der Bank zu plumpsen. Zum Glück beachtete er mich nicht weiter. Er beschäftigte sich nur mit dem Hund, dem er unter dem Tisch Speckstückchen aus seinem Fenchelauflauf fütterte. Gegenüber senkte Agnès missbilligend die Brauen, sagte aber nichts.

Sie wartete, bis mein ärgster Hunger gestillt war, dann fragte sie: „Wie hat’s dich hier in die Gegend verschlag’n?“

„Ich habe etwas abzugeben.“ Eilig schluckte ich den Bissen herunter. „Für Seigneur de Montdragon.“

„Für wen?“

„Für den schwarzen Ritter“, sagte ich, aber das verwirrte sie nur noch mehr.

„Für den schwarzen Ritter.“ Jérôme deutete einen Helm an, indem er die Hände über dem Kopf zusammenführte und die kleinen Finger zur Nasenwurzel streckte. „Jetzt lass den arm’n Jung’n erst mal ess’n. Siehst doch, dass er halb verhungert ist.“

Agnès nickte langsam, aber verständnislos. „Und wieso sagt er: schwarzer Ritter?“, fragte sie Jérôme.

„Weil jemand Kitt erzählt hat, Montdragon wär, wie‘n Ritter nicht sein soll: böse und missraten. Schwarze Seele – schwarzer Umhang – schwarzer Ritter.“ Jérôme gefiel das Wortspiel und die letzte Bezeichnung noch mehr. Agnès gefiel keines von beidem.

„Darfst nicht alles glauben, was die Leut‘ erzähl’n“, sagte sie zu mir.

„Letzten Endes kann ja nur der eine oder der andere Teil wahr sein, von dem was man mir erzählt hat.“ In Gesellschaft zweier lieber Menschen und mit vollem Magen gelang es mir, die Angelegenheit endlich einmal unbefangen zu betrachten. „Entweder hat er seine Seele dem Teufel verpfändet und kann seither im Dunkeln sehen und zaubern. Oh ja, und nicht zu vergessen: Er verdankt den finsteren Mächten auch noch einen Goldschatz. – Oder er ist ein Heiliger, der ein entsagungsreiches Leben führt. Das nämlich versicherte mir eine alte Frau, die ich im Wald traf.“

Ich hatte zu viel geplappert, eindeutig. Agnès schwieg verdrossen, Jérôme knurrte immerhin noch: „Ha – ein Heiliger!“ in seinen Fenchelauflauf. Und machte meine Hoffnung, der Burg doch mit heiler Haut zu entrinnen mit einem einzigen Schlag zunichte. Warum sollte auch diese eine alte Frau recht haben und alle anderen unrecht?

„Er‘s bestimmt kein Heiliger“, versuchte Agnès mein Zutrauen zu retten. „Trotzdem träumt er davon, ’nen bösen Drachen zu besiegen, wie der heilige Georg‘s getan hat.“

„Gibt doch seit Hunderten von Jahren keine Drachen mehr“, musste Jérômes Fenchelauflauf sich anhören.

Agnès ließ sich nicht beirren. „Ja, von Ruhm und Ehre zu leben anstatt von Brot, das tät ihm gefall’n. – Nebenbei würd‘s sein Leben einfacher gestalten. So müsst er nimmer dran denken, zuweilen was zu essen.“

„Ruhm und Ehre …“, maulte Jérôme ohne jede Begeisterung. „Keinen Pfifferling mehr gibt er auf Ruhm und Ehre.“

„So sagt er“, schmunzelte die alte Frau. „Aber tief im Innern, da hält er fest an den Tugenden, die er in jung’n Jahr’n aufgesog’n hat. Er würd’ zum Beispiel nie ’nem unschul…“

„Agnès, ich hab dem Jung’n schon gesagt, dass ihm keine Gefahr droht!“ Jérômes Gleichmut hatte ein jähes Ende gefunden. „Und bleib mir vom Leib mit Worten wie ‚Tugend‘. Du weißt nicht, wovon du redest.“

Ich senkte meine Nase in mein Abendessen. War der schwarze Ritter ganz anders, als ich dachte – etwa ein harmloser, leicht verwirrter Mummelgreis, der ständig von früher erzählte? Oder wollten die beiden mich in Sicherheit wiegen, damit ich gar nicht erst versuchte, der Falle, in der ich saß, doch noch zu entrinnen? Dann hatten sie das aber nicht besonders gut miteinander abgesprochen.

„Wie geht’s ‘m Tapsel?“, nahm Agnès das Gespräch wieder auf. „Hilft die Honigsalbe, die ich dir gegeb’n hab?“

„Ja, die Salbe ist gut. Aber der Hengst heißt nicht Tapsel, sondern Achilles“, stellte Jérôme richtig. „Noch ist er‘n Tapsel, ungeschickt wie‘n junger Hund, dessen Pfoten zuerst gewachsen sind. Eines Tages jedoch wird er‘n gutes Pferd sein. Eins, das sein Bestes gibt.“

„Ja – wenn er ausnahmsweise mal nicht lahmt und auch keine Verletzung hat, wegen der er geschont werd’n muss“, wendete Agnès ein. „Du findest jed’s Mal ’ne Begründung wie: Er wär in‘n Loch getreten oder über ‘ne Wurzel gestolpert. Ich seh’s eher so: Das Pferd wird vom Missgeschick verfolgt und kann nicht schnell genug rennen, um ihm zu entkommen.“

Jérômes Ärger war wie weggeblasen. „Wie soll das arme Tier denn etwas lernen, ohne Fehler zu machen?“, lachte er. „‚Mit jungen Männern und mit jungen Pferden muss man Geduld haben‘, pflegte Guillau… hat ein kluger Mann einmal gesagt. Man kann alles lernen, solange man den Mut aufbringt, es immer wieder zu versuchen. Und den bringt er auf. In diesem Pferd schlägt ein ganz tapferes Herz. Daran glaube ich.“

Agnès sah mich vielsagend an. „Jérôme glaubt nur noch an Pferde.“

„Was ist so schlecht dran? Die lassen einen nicht im Stich. Nicht solang‘ man sie gut behandelt. Sie sind nicht wie … ach, einerlei.“ Er winkte ab und schenkte sich lieber Wein nach, als sich weiter über die Verderbtheit der Menschen aufzuregen. Insbesondere, so vermutete ich, hatte er die Frauen im Sinn.

Agnès stand auf und zündete an der verbliebenen Glut des Herdfeuers einen Kienspan an und stecke ihn in die Fackelhalterung. „Komm Kitt, ich zeig dir, wo du schlaf’n kannst.“

Ich blieb dicht hinter Agnès’ krummen Rücken. Zu meinem Leidwesen malte das Fackellicht den Schatten des alten Mütterchens verzerrt und mit einer Hakennase an die Wand, was mein Vertrauen in sie doch ein bisschen schmälerte. Über eine knarrende Holztreppe gelangten wir zu einem Flur, der nichts Beunruhigendes an sich hatte, außer dass am seinem Ende auch  der bewohnbare Teil des Turmes zu Ende war. Dort, wo man einst über eine steinerne Wendeltreppe die Gemächer des Burgherrn erreichte, gab es nur noch kreuz und quer übereinander genagelte Bretter. Bretter, die den gegen sie drückenden Mauerresten und all dem Sand kaum Herr wurden. Lieber Gott, schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel, lass diesen Bretterverschlag halten, wenigstens heute Nacht noch!

Agnès öffnete die zweite der beiden Türen auf der rechten Seite des Flures Das Kämmerchen dahinter machte einen guten Eindruck. Ein Bett und eine Truhe standen darin. Es sah auch nicht aus, als wollten sich in nächster Zeit Holzbalken oder Mauersteine aus ihrem Verband lösen und mich im Schlaf erschlagen. Die alte Frau drückte mir die Fackel in die Hand und holte Luft, um den Staub von der Truhe zu pusten.

„Wir krieg’n hier nicht oft Besuch“, entschuldigte sie sich. Trotzdem lagen in der Truhe eine Decke und ein sauberes Laken, das sie über der alten, strohgefüllten Matratze ausbreitete.

„Es ist wegen des Bündels, das ich Montdragon bringen soll“, erklärte ich ihr. „Jérôme wollte mir die Möglichkeit geben, hier auf ihn zu warten. Er meint, bis der Ritter heimkehrt, ist es dunkel.“

„Demnach kannste dich ja ausruhen bis …“, Agnès gab einen ächzenden Laut von sich, während sie sich quer über das Bett zum Zipfel des Lakens streckte, „ähm … Montdragon von seinem Ausritt zurückkommt. Jérôme hat recht, du musst ’ne anstrengende Reise hinter dir haben. Bist nicht nur hungrig wie‘n Wolf, siehst auch aus wie jemand, der seit Tag’n, nein, seit Woch’n kein Auge zugetan hat.“

„Ich sollte mich besser nicht hinlegen. Ich könnte einschlafen und ihn verpassen.“

Agnès verstand meine Sorge nicht. Sie richtete sich auf und warf mit fröhlichem Schwung die Decke über mein Bett. „Dann gibste ‘s ihm eben morgen Nacht.“

‚Seigneur de Montdragon leibhaftig – der wird erst bei Einbruch der Dunkelheit zurückerwartet‘, hatte Jérôme gesagt und neben dem unheimlichen Wort: ‚leibhaftig‘, hatte mich auch das gezwungene ‚zurückerwartet‘ aufmerken lassen.

„Morgen Nacht?“, vergewisserte ich mich.

„Oder morgen früh, wenn dir das lieber ist.“ Statt nach getaner Arbeit auf mich zuzukommen, strich sie eine unsichtbare Falte aus der abgeschabten Felldecke. „Ja, morgen wollt er, soweit ich weiß, nach St. Lazare reiten. Bei der Gelegenheit kannste ihn treff’n – vorher, oder nachher, je nachdem.“

Derselbe Mann, den der alte Ritter gottlos und manch ein Bauer in einem Atemzug mit dem Teufel genannt hatte, sollte also zum Kloster St. Lazare reiten und zwar morgen. Warum? Weil ich heute Verdacht schöpfte, dass er nicht erst am Abend heimkehrte, sondern erst am Abend Gestalt annahm? Der mit Brettern vernagelte Treppenaufgang hatte sich mir tief ins Gedächtnis gegraben. Nur ein Geist vermochte auf diesem Weg zu Gemächern emporzusteigen, die es nicht mehr gab. Ja, so musste es sein: Der Burgherr war längst tot. Oder ich war einfach nur todmüde.

„Sag“, hakte ich nach, „wo schlaft ihr alle: du und Jérôme und Montdragon?“

„Ich hab ‘ne schöne warme Stube hinter der Küche.“ Sie nahm mir die Fackel aus der Hand und zündete die kleine Talgkerze an, die auf dem Sims vor dem winzigen Fensterloch stand. „Ja, und Jérôme, der‘s nebenan in dem Zimmer.“

Es tat gut, ihn in meiner Nähe zu wissen. Alles, was ich mir noch wünschte, war eine klare Antwort auf die dritte Frage: „Montdragon – wo schläft er?“

Agnès wich meinem Blick nicht länger aus. Obwohl ihr Gesicht im Fackelschein leuchtete wie das einer Eule, verhieß es kein allzu großes Unheil. Sie atmete tief ein, um etwas zu sagen – und wieder aus, ohne es gesagt zu haben. „Solltest dir nicht so viele Gedanken mach’n“, riet sie mir. Schon war sie an der Tür, riss sie auf und entschwand.

Rührend, wie sie und Jérôme mir Mut zusprechen wollten. Ich setzte mich aufs Bett in die Nähe des Fensters, wo die Kerze mir mit ihrem Licht ein wenig Trost spendete. In einer Spinnwebe an der Zimmerdecke zappelte eine Fliege. Das Abendessen bekam mir gar nicht. Ich hatte zu viel davon in meinen bis oben hin mit Angst angefüllten, ansonsten aber leeren Magen geschlungen. Die Hände auf die schmerzende Stelle gedrückt, kippte ich zur Seite und schlief ein.

Um Mitternacht wachte ich auf. Ich glitt aus dem Bett und begab mich schleunigst zur Eingangshalle. Wie sehr sich hier alles verändert hatte, merkte ich bereits auf der Treppe. Sie knarrte nicht mehr, das Holz war so glattgeschliffen, dass ich in den von tausend Fackeln erhellten Saal geradezu hinabschwebte. Teppiche zierten die vormals nackten Wände, überall standen Kisten voller Gold und inmitten dieser Pracht saß: Montdragon, halb Geist, halb Mensch, in dessen Zügen sich sämtliche Todsünden widerspiegelten. Hinter ihm schlief eine Eule auf der Lehne, und unter seinem Sessel knurrte mich ein schwarzer Wolf an.

„Na, erkennst du die beiden?“, fragte mich Montdragon. „Sehen sie nicht tagsüber aus wie echte Menschen? Genau wie die Burg zeigen sie nur nachts ihr wahres Gesicht.“ Seine grabestiefe Stimme hallte noch durch den Turm, da gewahrte er, dass einiges nicht war, wie es sein sollte. Er sah nicht, wie die Eule aus ihren Federn lugte und mir zuzwinkerte. Er sah nur seinen Wolf, der mit freundlich gespitzten Ohren auf mich zu tappte, ja, sogar zaghaft an meiner Hand schnupperte. Erzürnt riss er an der Leine, mit der er das Tier an seinen Sessel gebunden hatte. Der Wolf jaulte auf vor Schmerz, zog sich von mir zurück und rollte sich winselnd vor seinem Herrn zusammen. Seine schönen Augen blickten mich traurig an – traurig und Hilfe suchend.

Ein markerschütterndes Quietschen warf mich aus dem Bett. Das musste das Tor sein, das laut wie eine Fanfare, aber längst nicht so ehrerbietig, die Ankunft des schwarzen Ritters verkündete. Ein Alptraum … Ich dachte an den Wolf. In jedem Fall ein Traum, und verstörend war er gewesen. Allein schon durch die Geschöpfe der Nacht, die sich weigerten, ihre Pflicht zu tun und böse zu sein.

Der kalte Luftzug, der mich daran erinnerte, dass ich auf statt unter der Decke lag, hatte nichts mit meinem Traum zu tun. Der kam von draußen. Ich eilte zum Fenster, um das Talglicht an mich zu nehmen und mit der Hand gegen den auffrischenden Wind zu schützen. So lange, wie es mir vorgekommen war, hatte ich nicht geschlafen. Noch krallte sich die Dämmerung an den Himmel, meinen mageren Kenntnissen der Umgebung zufolge in der Richtung, wo ich das Kloster vermutete. Wie dem auch sei, dies war keine Tageszeit, zu der man unterwegs sein wollte. Allenfalls wenn man von einer langen Reise heimkehrte, und sich sehnlichst wünschte, lieber heute als morgen die heimatliche Burg zu erreichen. Oder wenn man, aus welchem Grund auch immer, das Tageslicht scheute.

Nun gut, ich sollte Agnès Rat befolgen und nicht so viel nachdenken. Ich hatte einen Auftrag. Sorgsam auf die Kerzenflamme bedacht, klemmte ich mir das Bündel unter den Arm und lief die Treppe hinunter zur großen Halle.

Freilich hingen keine Teppiche an den Wänden, wie in meinem Traum, doch hatte eine gute Seele Feuer im Kamin entfacht. Das Knistern der Flammen verlieh dem kahlen Raum einen Hauch von Behaglichkeit; und was ich zuvor als eine Ansammlung bedrohlicher Gegenstände wahrgenommen hatte, erwies sich bei Licht als alter Eichentisch mit zwei Bänken. Die Gestelle, auf denen die Tafel ruhte, standen schief und krumm, die Bänke sahen kaum besser aus. Gelage hatten hier schon lange nicht mehr stattgefunden, zumindest keine, zu denen der Burgherr lebende Gäste geladen hatte. Besonders sein Platz, der Faltstuhl an der Stirnseite des Tisches, könnte nur von einer Gestalt ohne Gewicht benutzt werden. Unter jedem, der noch einen Körper besaß, würde er zusammenbrechen.

Ich wischte die braunen Mehlhäuflein, die die Holzwürmer aus ihren Löchern geschoben hatten, beiseite und legte das Bündel auf den Tisch. Wäre es besser oder schlechter einem Geist zu begegnen, anstelle eines gewalttätigen Ritters? Draußen heulte der Wind ums Gemäuer. Nein, so entschieden meine aufgestellten Nackenhaare für mich: Er soll lieber kein Geist sein.

Wenn das eben am Tor der schwarze Ritter war, überlegte ich weiter, warum dauerte es dann so lange, bis er hereinkam? Hatte Jérôme verschlafen und versäumt, seinem Herrn das Pferd abzunehmen? Armer Jérôme! Wahrscheinlich schrie Montdragon ihn gerade an, er sei ein fauler Taugenichts. Hoffentlich fiel dem Burgherrn nicht auf, dass so viel von dem Hafer fehlte …

Endlich, die Tür wurde geöffnet. Und der Durchzug pustete mein Kerzlein aus. Herein wehte ein Schatten, der sich jedoch gleich darauf mit beruhigend menschlichem Kraftaufwand gegen die klemmende Tür stemmte, um sie zu schließen. Zweimal musste er mit der Faust auf den Riegel hauen, bis dieser in seine Führung rutschte.

Kein Zweifel, der Ritter, der mit kräftigen Schritten, schwingendem, schwarzem Umhang und klirrendem Kettenhemd auf mich zutrat, bestand aus Fleisch und Blut. Aber erst der Feuerschein erhellte zusammen mit seinem Gesicht das ganze Ausmaß meiner beschämenden Lage. Seine Augen wirkten strenger, nun, wo das Nasenstück des Helms sie voneinander trennte und die Haube des Kettenhemds sie umrahmte. Davon abgesehen hatten sie sich seit dem Nachmittag nicht verändert. Nach dem Aufatmen musste ich sogleich gegen das dümmliche Lächeln ankämpfen, zu dem diese Augen meine Wangen anregten. Noch immer vermittelten sie ein Gefühl von Sicherheit, von … ja, jetzt fiel mir alles wieder ein: von trügerischer Sicherheit.

„Jérôme de Montdragon?“, brachte ich trotz des inneren Widerstandes hervor, der weiterhin an einem Irrtum festhalten wollte. Oder an zwei sich ähnlich sehenden Halbbrüdern. Oder an einem Betrüger, der sich nicht zum ersten Mal als sein Herr ausgab – was eine hinlängliche Erklärung für seine Haltung und seine Art zu Sprechen lieferte, die doch nie zu einem Stallknecht gepasst hatten. Da es länger dauert, im Boden zu versinken, als man sich wünscht, stammelte ich einstweilen: „Es tut mir leid.“

„Jérôme Dagobert de Montdragon, um genau zu sein“, nickte er. „Und nein, es muss dir nicht … Doch. Doch, es sollte dir leidtun. Es sollte dir leidtun, dass du dich in solch eine würdelose Lage gebracht hast: Abhängig zu sein vom Geld einer Frau und ihren Lügen hilflos ausgeliefert. Wenn ich es recht bedenke, hätte ich dir noch mehr Angst einjagen sollen.“ Er betonte nicht nur jede einzelne seiner Aussagen, er betonte auch das Schweigen dazwischen. „Das wäre die beste Möglichkeit gewesen, dir begreiflich zu machen, was du dir angetan hast. – Eine Botschaft, sagtest du. Botschaften erreichen mich aus Troyes. Sie kommen von meinem Lehnsherrn und es sind Knappen, die sie überbringen. So war das bis heute. Bis du vor mir gestanden hast: kein junger Mann, sondern …“

Ich schluckte.

„… ein halbes Kind! Verdammt, Junge: Wie alt bist du?“

Tja, wie alt war ein halbes Kind? Wie alt musste es sein im Vergleich zu einem Mann, dem man erst ansieht, wie jung er selbst noch ist, wenn er lacht? Jérôme de Montdragon, das hatte diese eine Gelegenheit beim Abendessen mir klargemacht, konnte höchstens ein paar Jahre älter sein als ich – älter als ich, Hadelinde, es in Wahrheit war. Aber mein Alter durfte ich ohnehin nicht mehr verraten. Es hätte jeden Mann, der mich vielleicht heiraten wollte, abgeschreckt zu erfahren, dass ich bereits auf eigenen, wenngleich damals sehr kurzen Beinen durchs Leben lief, als vor zwanzig Jahren Kaiser Heinrich gekrönt wurde. Eine Notlüge nannte Tante Adelgunde das. So betrachtet war ich jetzt in viel größerer Not.

„Ich weiß nicht genau“, nuschelte ich. „Gmf-zehn?“

„Ja, das habe ich mir gedacht!“ Montdragon hatte lediglich auf irgendeine Antwort gewartet, da hätte ich getrost eine Zahl über Hundert nennen können. „Und dann brichst du alleine auf? Hast du einmal darüber nachgedacht, was dir alles zustoßen kann?“

„Was soll mir zustoßen? Ich bin doch kein Mädchen.“

Montdragon merkte nichts von meinen Befürchtungen, der Himmel könne, zur Strafe für meine Lüge, die Burg einstürzen lassen – was ja auch keiner großen Mühe bedurft hätte. Montdragon war zu entsetzt.

„Ja, glaubst du, allein Mädchen kann Schlimmes widerfahren? Umgekehrt verhält es sich, mein Junge, umgekehrt! Dir schlagen Räuber den Schädel ein oder sie verschleppen dich auf ein Sklavenschiff, ohne dass jemand einen Finger für dich krümmt. Den Weibern bleibt in jeder Lebenslage ihr scheinbar so unschuldiger Augenaufschlag. Die finden einen Retter in der Not. Irgendeinen armen Tor, dem sie dann noch mehr Scherereien bereiten. – Und das, wo man nicht einmal sicher weiß, ob sie tatsächlich in Bedrängnis sind, wenn sie um Hilfe rufen!“ Montdragon streifte die Handschuhe ab, riss den Helm vom Kopf, schob im gleichen Handstreich die Kettenhaube in den Nacken und warf mit einem saftigen: „Der Teufel soll sie alle holen!“ die Handschuhe in den Helm.

Einen Atemzug später huschten Falten über seine Stirn. „Was wollte ich jetzt sagen?“

„Ihr wart dabei, mir zu erklären, dass mir einiges zustoßen kann, obwohl ich kein Mädchen bin“, antwortete ich artig und versuchte angestrengt, meine Augenlider am hastigen Auf- und Niederschlagen zu hindern.

„Ah ja. – Nun, in diesem Fall nicht. Mach dir keine Sorgen: Ich werde dich begleiten und erst umkehren, wenn du hinter den Stadttoren in Sicherheit bist.“

Mach dir keine Sorgen. Er kannte Tante Adelgunde nicht, ahnte folglich nicht, wie viel Anlass zur Sorge mir das bevorstehende Wiedersehen mit ihr jetzt schon bot. Zuerst würde sie schimpfen, wie ich denn aussähe – oh, das würde sie, – mich dann fragen, was das da an meinen Beinen sei, ganz als wisse sie nicht, wie Hosen aussehen. Und zu guter Letzt würde sie mir einen mit Ohrfeigen gewürzten Vortrag über damenhaftes Benehmen halten. Zum Glück befände Montdragon sich zu der Zeit längst auf dem Rückweg zu seiner verfallenen Burg. So ersparte seine Abneigung gegen Städte ihm die Enttäuschung, zu erfahren, wen er nach Brügge geleitet hatte, sowie das sehr unvergnügliche Vergnügen, meiner Tante zu begegnen. Es hätte mir mehr wehgetan als die Ohrfeigen, ihm mit so bitterem Lohn für seine Freundlichkeit zu danken.

„Deine Tante“, fragte er mich, „ich nehme an, sie erwartet dich gar nicht?“

„Sie weiß nicht, dass ich zu ihr unterwegs bin“, gab ich zu.

„Das ist gut. Hier will die Ernte eingefahren werden. Du musst deine Weiterreise also ein wenig verschieben.“

Da ich keine Einwände hatte, sah er die Angelegenheit als besprochen an. „So“, sagte er nämlich, „jetzt lass es uns hinter uns bringen!“ Er deutete auf das Bündel.

„Aber …“ Ich sah sie vor mir: die anmutige Demoiselle de Beaufort, wie sie mir lächelnd das Bündel übergab – für ihren Liebsten, wie ich glaubte. „Aber das ist doch bestimmt ein Liebespfand. Oder etwas Ähnliches …“ Meine Stimme erlosch unter seinem finsteren Blick.

„Ein Liebespfand? Was es auch sein mag, das Geneviève mir schickt – eines ist es gewiss nicht: ein Liebespfand!“ Die Vertrautheit, mit der er ihren Namen aussprach, versetzte meinem Herzen einen Stich. Daran änderte auch der Zorn, der ihn überkam, sobald er an sie dachte, nichts. Gottlob blieb ihm mein Zucken verborgen. Er trat auf den Tisch zu, als könnte das Bündel jederzeit die Zähne fletschen, ihn anspringen und sich in seinen Arm verbeißen.

„Wie lautet die Botschaft?“, fragte er nüchtern.

„Ihr wüsstet schon, was das bedeutet, hat sie gesagt.“

Er nickte. Offenbar hatte er nichts anderes erwartet. Den Helm schob er zur Seite, sah aber den darin liegenden Lederhandschuhen, die ihm beim Öffnen der Knoten nur im Wege wären, wehmütig nach. „Tritt lieber einen, besser zwei Schritte zurück!“

„Soll ich gehen?“, fragte ich. Meine Aufgabe konnte man ja wahrlich als erfüllt ansehen.

„Nein, bleib!“, schmetterte er. „Was du hier und heute lernst, wird dir zeitlebens von Nutzen sein. Du lernst etwas über unseren gefährlichsten Feind.“

„Ich weiß schon: die Frauen!“, sagte ich. Es fühlte sich an wie Tante Adelgundes Versuche, mein Haar zum Glänzen zu bringen, indem sie es gegen den Strich bürstet.

„Du begreifst schnell, Kitt! Und gleich wirst du erfahren, wozu sie fähig sind!“

Er holte tief Luft und machte sich daran, das hellblaue Tuch aufzuknoten. Ein Lederbeutel kam zum Vorschein, wie man ihn benutzt, um die Jagdbeute darin zu verstauen. Aus dem Lederbeutel zog er etwas, was wiederum in ein Tuch von roter Farbe geschlagen war.

Ich hielt die ineinander liegenden Schichten für einen Scherz. Dass es sich keineswegs um ein rotes, sondern um ein blutgetränktes Tuch handelte, machte mir erst Montdragon klar, der mich rechthaberisch ansah und mir seine mit geronnenen Sprenkeln übersäten Handflächen zeigte. Was in diesem Tuch steckte, war aus einem einzigen Grund so gut verpackt worden: damit das Blut nicht heraustropfte. Denn dann hätte der Bote – also ich – Verdacht geschöpft. Montdragon schlug das Tuch auseinander und legte ein braunes verkrustetes Federknäuel frei. Ich brauchte lange, bis ich in diesem schlaffen Vogelkörper den Falken wiedererkannte, den die schöne Dame am Morgen auf ihrer Hand getragen hatte. Jemand hatte dem Tier die Augen ausgestochen und ihm den Hals herumgedreht. Wer dieser ‚jemand‘ war, stand außer Frage.

Mir wurde übel. Wie konnte sie ein Wesen, das sie mühsam gezähmt und an sich gewöhnt hatte, das sie eben noch liebkost hatte, so grausam opfern, nur um Jérôme de Montdragon einen bösen Schabernack zu spielen? Und gelungen war der Schabernack allemal. Montdragon starrte wie versteinert auf den Vogel, der seinen unnatürlich verdrehten Hals über den Tisch reckte.

„Aber was genau hat es nun zu bedeuten?“, fragte ich, nicht weil ich es wissen wollte, sondern weil die beklemmende Stille ein Ende haben sollte.

„Was sie dem Falken angetan hat“, antwortete er, obwohl es mit seinem zusammengebissenen Kiefer eigentlich unmöglich war, „würde sie gern mir antun.“

„Bitte verzeiht“, murmelte ich. „Ich hatte keine Ahnung.“

„Dich trifft keine Schuld“, sagte er noch abwesend, doch bald holte sein Zorn ihn ein. „Dich hat sie benutzt, wie sie jeden benutzt, um ihre Ziele zu erreichen! Ich wette, sie hat dich nicht einmal anständig bezahlt für diese widerwärtige Art von … von Dienst. Ach, würde sie bloß ersticken an ihrem Geiz!“ Er riss den Vogelbalg vom Tisch und schüttelte ihn vor meiner Nase. „Ein Liebespfand sagtest du, ja? Da, sieh sie dir gut an: die Liebe der Frauen!“

Gerade als ich glaubte, ich könne das alles nicht länger ertragen – weder die stumme Drohung, die von dem Kadaver in seiner Hand ausging, noch den Widerspruch, der auf meiner Zunge herumtanzte – wirbelte Jérôme de Montdragon herum und warf den Falken mit solcher Wucht in den Kamin, dass er Funken sprühte. Er sah zu, wie erst die Federn, dann der ganze Vogel verglühten, die Genugtuung, die er sich erhofft hatte, wollte jedoch nicht aufkommen.

„Lass mich allein!“, sagte er.


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Susanne Keil wurde 1964 in Saarbrücken geboren, wuchs in der deutsch-französischen Grenzregion auf und studierte Medizin in Heidelberg. Susanne Keil wuchs in der deutsch-französischen Grenzregion auf. Zum Medizinstudium verschlug es sie dann ins romantische Heidelberg. Heute wohnt und schreibt sie in einem kleinen Ort im Kraichgau. Romantisch geht es auch in ihren Geschichten zu.

Hier geht’s zu Schwarze Ritter küsst man nicht und hier zu Schwarze Ritter küsst man doch.

dp DIGITAL PUBLISHERS Autoren-Lesung

Zwei Stunden Liebe, Mittelalter, Abenteuer, fremde, neue Welten und ganz viel Phantasie

Lesung der dp-Autorinnen Nadin Hardwiger, Susanne Keil, Claudia Zentgraf und Susanne Ferolla

Das Café Babel in Stuttgart ist bereits gut gefüllt. Auf der Suche nach den angenehmsten Plätzen ist Bewegung im Raum. Ob die gemütlichen Sessel gleich vorne oder doch der lange Tisch, an dem man mit vielen anderen Gästen an diesem Sonntag die nächsten 2 Stunden verbringen wird – Neugier bestimmt die Atmosphäre. Die Autorinnen, die gleich zu hören sein werden, kommen aus Berlin, Heidelberg oder Freiburg. Eine lange Anreise für ihre erste Lesung, ihr erstes Buch. Unter dem gemütlichen Licht einer altmodischen Stehlampe beginnen sich als erstes die Geschichten von Nadin Hardwiger über Weingüter, böse Stiefschwestern und die einzige, tiefe Liebe vor dem Publikum zu entfalten. Märchen neu erzählt haben eben ihre ganz eigene Faszination. Wie auch das Mittelalter. Susanne Keil, zweite Autorin an diesem Nachmittag, klärt über den schwarzen Ritter auf – der zwar auf dem Tischchen vor ihr steht – den es aber in Wirklichkeit nie gab. Ein Mythos also, genutzt für eine verwicklungsreiche, romantische Geschichte. Und ein richtiges, echtes Abenteuer? Fremde Länder, Völker, Tiere und Pflanzen, die noch keine Namen haben – kaum zu glauben, das Alexander von Humboldt mit Frack und Zylinder im Dschungel oder auf einem Vulkan unterwegs war? Über seine „Entdeckung der neuen Welt“ und die aufwendige Recherche dazu erzählt die dritte Autorin des Nachmittags, Claudia Zentgraf. Geschrieben für Kinder, Jugendliche – und doch Faszination für jedes Alter. Was passiert, wenn man abseits der Fakten der Phantasie freien Lauf lässt und einfach mal beginnt zu schreiben, wenn plötzlich eine ganz eigene, spektakuläre Welt mit einer Wasserfallstadt, Wolfselben und Kriegern entsteht, skizziert und liest Susanne Ferolla zum Schluss und nimmt die Zuhörer mit in eine fremde Zeit mit Trinkbeuteln aus Leder, Pfeil und Bogen und dem Beruf des Heilers.

Am Ende – nach all den Fragen, einem Espresso nach dem anderen, viel Kuchen als Nervennahrung und Schokolade als Dankeschön zum Schluss, ist Erleichterung und Freude über den gelungenen, schönen Nachmittag in den Gesichtern der Autorinnen zu sehen. Das erste Mal sind sie vor Publikum aufgetreten und wissen schon jetzt: Das werden sie wieder tun, die nächsten Buch-Projekte warten schon.

 

 

 

 

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Susanne Keil im Interview

Susanne KeilWas bedeutet für dich dein Buch?

Das klingt jetzt kitschig, aber es bedeutet tatsächlich die Erfüllung eines Kindheitstraumes. Schreiben ist das, was ich schon immer machen wollte und dieses Buch ist es, das den Bann gebrochen hat. Andere werden ihm folgen, aber dieses wird immer das Erste bleiben.

Wie lange hast du an deinem Buch gearbeitet?

Laaaange. Mehrere Jahre.
Das liegt nicht nur am Umfang allein, sondern auch daran, dass bereits im Vorfeld einiges an Recherchearbeit anfiel. Die größte Herausforderung aber war, Hadelindes Stimme zu finden, dem Lebensgefühl einer Frau in ihrer Zeit auf die Spur zu kommen und aus diesem so überhaupt nicht emanzipierten weiblichen Wesen eben doch das zu machen, was man heute eine liebenswerte Chaotin nennen würde.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Da gab es viele Anregungen, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben und die dann, vielleicht sogar in einem Urlaub in einem mittelalterlichen Örtchen in Frankreich, zu einer ersten Grundstory verschmolzen.
Rittergeschichten mochte ich schon immer, natürlich auch der Pferde wegen, und von allen Rittern ist ja wohl der schwarze Ritter immer noch der Faszinierendste. Aber warum eigentlich muss er immer durch und durch böse sein und womöglich noch dazu ein hässlicher Typ? Wäre es nicht viel spannender, wenn er ein Typ Mann ist, der eine Frau aus den Schuhen haut und im Grunde seines Herzen nichts anderes als ein tragischer Held?
Wen ich in Rittergeschichten nie besonders mochte, waren die schönen Damen, die auf der Tribüne saßen und zusahen, wie die Männer sich ihretwegen gegenseitig ausstachen.
Es mag zwar ein alter Hut sein, seine weibliche Hauptfigur in die Verkleidung eines jungen Mannes zu stecken, um sie möglichst nahe an den schwarzen Ritter heranzubringen, dennoch ist und bleibt es die actionreichste Lösung. Und wenn der Ritter dann noch alle Frauen hasst, gerade weil er wegen einer dieser zickigen Tribünenschönheiten einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat, sind Komplikationen vorprogrammiert …

Worum geht es in deinem Buch?

Letztlich geht es um eine Frau und einen Mann, die sich der Frage gegenüber sehen: Können Männer und Frauen Freunde sein?
Ja, ganz richtig, das ist die Frage aus Harry und Sally. Allerdings agieren Jérôme und Hadelinde unter erschwerten Bedingungen, dadurch dass sie im Mittelalter leben.
Wie die beiden es trotzdem schaffen, die tiefe Kluft zwischen Männern und Frauen zu überwinden und wie sie ihre ganz persönliche Lösung für das Dilemma zwischen Freundschaft und Liebe finden? Nun, das steht in meinem Buch.

Hast du weitere Projekte?

Ja, aber über die wird vorerst nichts verraten. 😉

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Ich plane vor allem eines: weitere Romane zu schreiben, weil ich ohne das Schreiben einfach nicht mehr existieren kann. Was meine nächsten Themen anbelangt, ‚plane‘ ich, mich ein bisschen von mir selbst überraschen zu lassen, was mich als nächstes interessieren wird.

 Was liest du selbst gerne?

Unabhängig von einem bestimmten Genre lese ich gern Bücher, die mich mitreißen. Meist ist es an einer ganz bestimmten Figur festgemacht, ich bin eindeutig jemand, der einen klaren Sympathieträger braucht. Das muss keine Figur sein, mit der ich mich identifizieren kann, sie muss beileibe nicht unbedingt „gut“ sein, sie darf auch nur eine Nebenrolle spielen, aber diese eine Figur muss so angelegt sein, dass ich an ihrem Schicksal unbedingt Anteil nehmen will.
Ganz besonders mag ich Bücher, die in der ersten Person geschrieben sind – wenig verwunderlich also, dass ich auch am liebsten in dieser Form schreibe.
Ein Erzähler oder auch eine Erzählerin, der die Ereignisse angeblich miterlebt hat und nun nacherzählt, verleiht ihnen die wunderbare Illusion von „Echtheit“. Selbst wenn dieses „Ich“ sich selbst weit im Hintergrund hält, vermittelt es einem das Gefühl, dass man nicht einfach nur eine Geschichte gelesen hat, sondern dass man jemanden kennen gelernt hat, der sie miterlebt hat.
Zu Recherchezwecken lese ich auch viele Sachbücher und stelle mir vor, wie es meinen Protagonisten in diesem Umfeld ergeht, wie sie darin agieren, wie die Erlebnisse sie prägen. Jérôme de Montdragon erzählt im Roman eigentlich sehr wenig über den ersten Kreuzzug, an dem er als ganz junger Mann teilgenommen hat. Für mich jedoch war er in jedem Geschichtsbuch, in dem es um den ersten Kreuzzug ging, mit dabei und das hat ihm einiges an Charakter verliehen.
Außerdem lese ich mit großer Begeisterung Bücher über das Schreiben. (Wunderbar, dass man endlich Sol Stein wieder gedruckt hat!)

Wo liest du am liebsten?

Am allerliebsten lese ich natürlich im Urlaub, Südfrankreich, ein hübsches Ferienhäuschen, ringsherum Weinberge, die Zikaden zirpen, in der Ferne glitzert das Meer …
Zu Hause sitze ich zum Lesen am liebsten auf der Couch, an der Stelle, wo sie schön durchgesessen ist und man die Füße hochlegen kann. Lesen kann ich eigentlich überall und in jeder Lebenslage, aber je besser das Buch ist, umso weniger möchte ich dazu irgendwelchen Trubel um mich herum. So kommt es schon einmal vor, dass ich mir das Ende eines Buches, das mir sehr gut gefällt, aufhebe, bis ich wieder zu Hause und ganz allein bin.

Wann liest du am liebsten?

Das ist eine schwierige Frage, denn die Zeiten, in denen man sich am besten auf ein Buch konzentrieren kann, sind bei mir in der Regel schon für das Schreiben reserviert.
Ich versuche darum, das Buch, das ich gerade lese, immer dabei zu haben, um Wartezeiten zu nutzen. Da ich sehr schnell lese, können ein volles Wartezimmer beim Arzt oder ein Besuch beim Friseur schon einmal bedeuten, dass ich das Buch danach bis zur Hälfte verschlungen habe.
Generell muss ich jedoch sagen, dass ich heute sehr viel langsamer lese  als früher. Gerade Bücher, die mir gut gefallen, teile ich mir richtiggehend in Häppchen ein, um sie besser auf mich wirken zu lassen. Und natürlich auch um mir anzusehen, wie der Autor es eigentlich macht, dass ich, als Leser, mich gerade amüsiert, gespannt, mitleidend, traurig oder in irgendeiner anderen Weise berührt fühle. Manchmal springt ein Lerneffekt dabei heraus, aber immer bedeutet dieses bewusstere Lesen einen größeren Genuss, als ein Buch einfach nur in sich hinein zu schlürfen.

Welche anderen Autoren magst du?

Meine Lieblingsautorin im Bereich Liebesgeschichten ist Eva Ibbotson, auch wenn ihre Geschichten auf den ersten Blick ein wenig altbacken wirken. Mir gefallen einfach ihr Stil, in dem immer einen gewisser Grundhumor mitschwingt, ihre präzise Wortwahl und ihre akzentuierten, fast schon gedrängten Szenen, die so die Emotionen so schön auf den Punkt bringen. Ihre Frauengestalten sind immer patent, nie zickig und doch so durch und durch weiblich, ihre Männergestalten sind immer wahre Tausendsassas, aber nie unglaubhaft.
Ich mag die herrlich unperfekten Heldinnen und die turbulenten Handlungen von Sophie Kinsella und Janet Evanovich.
Auch David Safier lese ich gern, er schreibt so locker und witzig, dass einem erst bei genauerer Betrachtung auffällt, wie raffiniert und ausgefeilt seine Dialoge eigentlich sind. Der Anfang seines neuen, ernsten Romans liest sich ebenfalls vielversprechend, auf den bin ich sehr gespannt.
Ich lese auch gern immer wieder die Bücher von Terry Pratchett, der in seiner Scheibenwelt so köstlich die Klischees unserer Welt aufs Korn nimmt und der so viele wunderbare Figuren geschaffen hat, allen voran der geniale TOD.
Bei historischen Romanen mag ich Rebecca Gablé (mein Lieblingsbuch von ihr ist und bleibt Das Lächeln der Fortuna) und Richard Dübell (Die Pforten der Ewigkeit).
Im Bereich Krimi/Thriller habe ich Harlan Coben für mich entdeckt. Mir gefallen seine verwinkelten Plots, sein Schreibstil, sein wohldosierter Einsatz von Blut und Gewalt und seine Protagonisten, an denen man als Leser ganz nah dran ist. Besonders raffiniert finde ich seinen Prolog in Kein Friede den Toten, in dem er etwas tut, was eigentlich gar nicht geht: Er schreibt in der zweiten Person. „Dein Name ist Matt Hunter, du bist zwanzig Jahre alt…“ Das liest sich am Anfang ungewohnt, doch durch diese Erzählweise und durch das, was Matt da passiert als er ein junger Mann von zwanzig Jahren ist, entwickelt sich ein unglaublicher Sog.

Was ist dein Lieblingsbuch?

Eine Frage, bei der ich nicht lange nachdenken muss.
Der König auf Camelot von T.H.White: Witzig, spannend, fantastisch gut geschrieben, es regt zum Nachdenken an über die Menschlichkeit und den Krieg, sowohl im Mittelalter als auch in unseren modernen Zeiten. Und es kommt natürlich auch die größte Liebesgeschichte von allen darin vor: Lanzelot und Guinevere, die von Artur immer so nett Lanz und Jenny genannt werden.
Wer es noch nicht kennt: unbedingt lesen!

Was reizt dich daran, einen historischen Roman zu schreiben?

Ich schaffe so gerne Helden, ich glaube, das trifft ziemlich gut den Kern.
Wobei ein Ritter für sich genommen ja noch keinen Helden ausmacht. Im Gegenteil, der Mann auf dem hohen Ross, dessen Job es ist, Probleme mit dem Schwert zu lösen, wird genau in dem Moment zum Helden, in dem er vom Pferd steigt, um … Leuten zu helfen, die von ihrem Stand her weit unter ihm stehen, zum Beispiel.
Oder auch in dem Moment, in dem die Autorin so fies ist, ihm sein Schwert wegzunehmen und ihn in den schmerzlichen Teil seiner Heldenreise zu schicken. Oder … Oder … Oder …
Das Mittelalter lässt viel Raum für große und kleine Helden und Heldinnen, denn so eine Heldin kann durchaus auch einmal nur ein altes Mütterchen sein, das an den feindlichen Soldaten vorbeiläuft, um dem niedergeschlagenen Protagonisten die Stirn zu kühlen und ihn wieder zu Bewusstsein kommen zu lassen.

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Was man eben so tun muss, um nicht hinter dem Computer sitzend in Spinnennetze verwebt zu werden und zu verhungern: einkaufen (wobei ich gern mal die Hälfte vergesse oder ins falsche Regal greife, wenn ich in Gedanken woanders bin), kochen (wobei ich tatsächlich schon das Essen versalzen habe, als ich mich in eine neue Geschichte ‚verliebt‘ hatte), bügeln (wobei mir allerdings noch nie etwas verbrannt ist, sondern eher mal gute Ideen kommen).
Spaß beiseite, ich tue natürlich auch noch etwas anderes, als nur zum Computer zu rennen und neue Ideen in die Tastatur zu hämmern. Tatsache ist allerdings: Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich das Gefühl habe, dass alles andere doch irgendwie schrecklich unwichtig ist und dass jetzt nur diese Szene zählt, die gerade lebendig werden soll.

Susanne Keil – Wie der Teufel und das Weihwasser

Susanne Keil erweckt in ihrem E-Book Wie der Teufel und das Weihwasser das Mittelalter zum Leben: Turniere, Gottesurteile und ein Ritter, der geflissentlich übersieht, wer sein Knappe in Wirklichkeit ist, weil er die Liebe scheut – wie der Teufel das Weihwasser …

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