Gipfel der Lust

Kapitel 1

Zum wiederholten Mal ertappe ich mich dabei, wie ich Fingernägel kauend aus dem Fenster blicke, ohne wirklich etwas zu sehen. Von mir selbst genervt, nehme ich die Hand herunter, um das Ergebnis meiner Knabberei zu betrachten. Prima, der sorgsam aufgetragene Lack hat sich an mehreren Stellen gelöst. Ohne das sonst auf mich beruhigend wirkende Rattern des Zuges wahrzunehmen, krame ich hektisch in meinem Rollkoffer herum. Meine Hoffnung, den Nagellack zu finden, erfüllt sich nicht. Auch den Nagellackentferner habe ich zu Hause vergessen. Hoffentlich findet sich in Visp noch eine Gelegenheit, das Malheur zu beheben, bevor ich auf meinen potenziellen neuen Chef treffe. Mit einer schnellen Bewegung streiche ich mir eine widerspenstige Locke hinters Ohr und lehne mich in meinem Sitz zurück. Irgendwie muss ich mich entspannen, sonst kann ich den Job an den Nagel hängen, bevor ich ihn überhaupt angetreten habe.

Normalerweise bin ich die Ruhe selbst, wenn es um meine Arbeit geht. Seit sieben Jahren helfe ich als Physiotherapeutin anderen Menschen auf die Beine. Jetzt will ich mich zum ersten Mal um eine leitende Tätigkeit bewerben. Es muss das Gespräch mit Klinikinhaber Oliver Winter gewesen sein, was mich derart unsicher hat werden lassen. Allein die Erinnerung an seine sonore, tieftönende Stimme lässt mich erzittern. Dazu die merkwürdige Forderung, das Vorstellungsgespräch in Zermatt zu führen, obwohl die Klinik in Düsseldorf steht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Mein Zeigefinger wandert wieder Richtung Mund, doch ich merke es gerade noch rechtzeitig.

Quietschende Bremsen erinnern mich an meine kurz bevorstehende Ankunft. Nach einem letzten Blick auf meine ruinierten Fingernägel springe ich auf und schnappe mir meinen Rollkoffer. Dann stehe ich auf dem Bahnsteig, suche nach einem Hinweisschild, das mich zur Matterhorn Gotthardbahn leitet. Ein hochgewachsener, schwarzhaariger Mann fällt mir auf. Sein eleganter, vermutlich maßgeschneiderter Anzug, kann seinen muskulösen Körperbau nicht verdecken. Er schaut in meine Richtung, kommt schnellen Schrittes auf mich zu. Unwillkürlich drehe ich mich um. Hinter mir ist niemand. Mein Herz fängt an, schneller zu pochen und ich fühle, wie meine Handflächen feucht werden. Direkt vor mir bleibt der Mann stehen. Ich blicke in eisblaue Augen, die mich kühl mustern.

„Sie müssen Emily Neumann sein.“ Er klingt nicht fragend, sondern eher, als wüsste er genau, wer ich bin. „Gestatten, Oliver Winter.“

„A-ach ja“, stammle ich. Eingeschüchtert sowohl von seinem kühlen Blick als auch von seinem überragenden Aussehen, erinnere ich mich erst verspätet an meine guten Manieren und strecke ihm die Rechte entgegen. Innerlich wappne ich mich für einen kräftigen Händedruck.

Anstatt meine Hand zu schütteln, führt er sie zum Mund, drückt einen sanften Kuss darauf. Völlig perplex starre ich ihn mit brennenden Wangen an. Ein geheimnisvolles Lächeln lässt die harten Züge meines Gegenübers noch anziehender erscheinen. Der Klinikmogul dreht meinen Handrücken zu sich hin. Mit weichen Knien lasse ich es mit mir geschehen. Plötzlich kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wie eine viktorianische Dame drohe ich, ohnmächtig zu werden. Ob Herr Winter wohl Riechsalz mit sich führt? Erst, als sein belustigter Blick auf meinen ruinierten Nagellack fällt, werde ich abrupt in die Realität zurückkatapultiert. Brüsk entreiße ich ihm die Hand und widerstehe dem Verlangen, sie hinter meinem Rücken zu verstecken. Zorn steigt in mir hoch. Wie kann er es wagen, sich über mich lustig zu machen? Mühsam gelingt es mir, mich zusammenzureißen. Hier geht es schließlich nur um einen Job.

Meinen Traumjob, was ich besser nicht vergesse.

Mit Oliver Winter werde ich nach meinem hoffentlich erfolgreichen Vorstellungsgespräch nur noch gelegentlich zusammentreffen. Als Inhaber von neun Privatkliniken kann er kaum in jeder gleichzeitig sein.

„Darf ich?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, greift Winter nach meinem Rollkoffer und setzt sich in Bewegung.

Mit zusammengekniffenen Lippen folge ich ihm, streiche mir eine Strähne meiner widerspenstigen roten Locken aus dem Gesicht.

Auf dem Weg ins autofreie Zermatt haben wir ein Abteil für uns. Winter öffnet eines der Fenster und warme, nach Kräutern duftende Luft dringt herein. Er hat sich von mir abgewandt, blickt aus dem Fenster. Durch nichts lässt er erkennen, ob er sich meiner Anwesenheit überhaupt bewusst ist. Mühsam unterdrücke ich den Drang, mich meinen Fingernägeln zu widmen. Der Mann macht mich einfach nervös!

So gut es geht, versuche ich, ihn zu ignorieren und die atemberaubende Aussicht zu genießen. Noch nie habe ich live die Schweizer Berge gesehen. Von ihrer Erhabenheit bin ich schlicht überwältigt. Unter den schneebedeckten Gipfeln sehe ich sattgrüne Hänge, vermischt mit Geröll. Kühe grasen friedlich auf ihren Weiden. Durch die geöffneten Fenster kann ich das Gebimmel ihrer Halsglocken hören.

„Zücken Sie Ihr Handy“, herrscht mich der Klinikmogul plötzlich an. „Na los“, fügt er hinzu, als ich keine Anstalten mache, seinem Befehl zu entsprechen.

Wie ein folgsames Lämmchen hole ich mein Handy aus der Handtasche. Zu baff bin ich von seinem Tonfall und seiner Dreistigkeit. Auch muss ich mir widerwillig eingestehen, dass seine männliche Art mich auf eine Weise anzieht, die mein Blut in Wallung bringt. Ich merke, wie mein Höschen feucht wird, als mir sein nach Zimt und Kaffee duftender Geruch in die Nase steigt. Genervt presse ich die Beine zusammen. Sonst bin ich doch auch nicht so leicht zu beeindrucken.

„Gleich bekommen Sie einen hervorragenden Blick auf das Klein Matterhorn sowie das Breithorn“, lässt sich Winter doch noch zu einer Erklärung herab.

Schnell stelle ich mein Handy auf „Fotografieren“. Gerade rechtzeitig, wie sich herausstellt. Ich mache mehrere Bilder. Dankbar bin ich Winter wegen seines barschen Tons dennoch nicht. Bestimmt hätte die Zeit auch ohne seinen unnötigen Befehl gereicht. Am liebsten würde ich ihn wütend anfunkeln, doch vorsichtshalber schaue ich nicht zu ihm hin. Wer weiß, was die Kombination aus Stimme, Geruch und Aussehen sonst bei mir anrichten wird. Finsteren Blickes stecke ich mein Handy wieder in die Tasche, platziere beide Hände nebeneinander auf dem Schoß.

Leider zieht das Winters Aufmerksamkeit auf sich. „Was haben Sie denn mit Ihren Nägeln angestellt?“, fragt er mit amüsiertem Lächeln.

Schnell balle ich die Hände zu Fäusten. „Nur ein kleiner Unfall“, sage ich leise und hoffe, er lässt es auf sich beruhen. Ich starre auf den Boden.

Als ich wieder aufschaue, begegne ich Oliver Winters unergründlichem Blick.

Wie erschlagen von dem ganzen italienischen Marmor stehe ich in der Eingangshalle des Fünfsternehotels und bin bemüht, völlig unbeeindruckt zu wirken. Was angesichts all der Pracht wirklich schwer ist. Doch ich will unbedingt geschäftsmäßig-seriös auftreten. Da sind ein offenstehender Mund oder ein ausgestreckter Zeigefinger wenig hilfreich. Also schenke ich den cremefarbenen, luxuriösen Couchgarnituren möglichst wenig Beachtung, auf denen mehrere Hotelgäste Platz genommen haben. Auch die zahlreichen Kristalllüster ignoriere ich, so gut es geht. Stattdessen konzentriere ich mich auf den Concierge, der beflissen um Winter herumschwänzelt. Es fehlt nur noch, dass er einen Diener macht und die Hacken zusammenschlägt.

Wie am Bahnhof wird mir einfach mein Rollkoffer aus der Hand genommen. Diesmal schnappt ihn sich ein diensteifriger Kofferträger, um mich auf mein Hotelzimmer zu bringen.

„Ich erwarte Sie in einer Stunde in meiner Suite“, lässt mich Winter wissen.

Vor Aufregung schlägt mein Herz bis zum Hals. Es ist nicht nur das bevorstehende Vorstellungsgespräch, sondern auch die Aussicht darauf, mit diesem Mann alleine zu sein.

Mein Hotelzimmer strotzt nur so vor Luxus. Schwere, reich verzierte Mahagonimöbel passen hervorragend in den großen Raum mit der hohen Decke. Die feingemusterten, hellblauen Seidenvorhänge sind im gleichen Farbton gehalten wie Tischtuch und Bettwäsche. Nachdem ich dem Kofferträger etwas Trinkgeld zugesteckt habe, schleudere ich meine Handtasche auf das riesige Doppelbett. Obwohl ich mich frischmachen sollte, zieht mich der große Balkon mit dem ziselierten Gitter magisch an. Ich trete hinaus und genieße einen Moment die überwältigende Aussicht auf die Schweizer Berge. Die Luft duftet nach Sommer, saftigem Gras und wilden Blumen.

Dann fällt mir das bevorstehende Gespräch wieder ein, was mich in hektische Betriebsamkeit verfallen lässt. Zuerst muss ich mich um die vermaledeiten Nägel kümmern. Ein Anruf bei der Rezeption löst mein Problem in Windeseile. Bereits fünf Minuten später bin ich stolze Besitzerin eines Nagellacks nebst dessen Entferners. Nach einer kurzen Dusche räume ich meinen Rollkoffer aus. Zwei Businesskostüme habe ich dabei; einen schwarzen Hosenanzug sowie ein dunkelblaues Ensemble aus Kostümjacke und Rock, der allerdings etwas zu kurz geraten ist. Nach einiger Überlegung entscheide ich mich für das blaue Ensemble, da ich hoffe, mithilfe dessen das Beste aus mir herausholen zu können.

Meine roten Locken sind zwar ganz nett, aber weder meine Körbchen-B-Oberweite noch meine Sommersprossen kann ich verstecken. Theoretisch würde es ein Push-up-BH tun, aber der liegt natürlich bei mir zu Hause in der Wäscheschublade. Gegen meine Sommersprossen komme ich nur an, wenn ich mir tonnenweise Make-up ins Gesicht kleistere, was mich wie eine Aufziehpuppe wirken lässt. Also muss ich eben mit meinen langen Beinen punkten. Ich zwänge mich in schwarze Pumps, raffe meine Haare zu einem Zopf zusammen und frage mich dann, warum ich mir überhaupt so viel Mühe mit meinem Äußeren gebe. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es höchste Zeit ist, Oliver Winter in seiner Suite aufzusuchen.

Ich habe bereits die Hand zum Anklopfen erhoben, als mir auffällt, dass ich vergessen habe, mich um meine Fingernägel zu kümmern. Mir entfährt ein undamenhaftes Quieken, begleitet von einem leisen Fluchen. Bevor ich mich abwenden kann, um den Schaden noch schnell zu beheben, wird abrupt die Tür geöffnet. Heraus stürmt eine Blondine, die in höchstem Maße aufgebracht wirkt. Ich kann gerade noch zur Seite springen, damit sie mich nicht umrennt. Oliver Winter hat mich bereits gesehen und bittet mich herein. Er sitzt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an einem massiven Schreibtisch; anscheinend völlig unbeeindruckt vom Abgang der Frau. Den Nagellack kann ich dank ihr wohl vergessen.

„Bitte, setzen Sie sich.“ Mit einer leichten Handbewegung unterstreicht der Klinikmogul seine Worte.

Mit einem leisen Seufzer nehme ich auf einem bequemen, schwarzen Ledersessel Platz. Heute Nacht habe ich garantiert Alpträume von lackierten Fingernägeln, die mich verfolgen. Nervös die Hände knetend, versuche ich mich zu fassen.

„… Sie sich davon versprechen?“, fragt Oliver Winter gerade.

Erschrocken fahre ich zusammen. „Könnten Sie das bitte wiederholen?“, antworte ich wenig geistreich mit dem absoluten No-Go bei Vorstellungsgesprächen.

„Ich will wissen, was Sie sich von dem neuen Konzept versprechen, das Sie laut Ihrer Bewerbung in meiner Klinik einführen möchten.“ Winter beugt sich vor und stützt einen Ellbogen auf den Schreibtisch. Mit dem Daumen fährt er sich leicht über die Unterlippe, was mich wieder aus dem Konzept zu bringen droht.

Es gelingt mir mühsam, den Blick abzuwenden. Das scheint mich zu beruhigen, denn ich schaffe es, ihm in klaren Worten ausführlich mein Konzept zu unterbreiten, das ich in monatelanger Arbeit entwickelt habe. Es basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, und ich bin überzeugt von seinem Erfolg. Sogar in die Augen schaue ich ihm bei meinen Ausführungen, um nicht wie ein schüchternes Mädchen zu wirken.

„Das könnte funktionieren“, sagt er langsam, nachdem ich geendet habe.

„Meinen Überlegungen zufolge würde es einen Zugewinn für die Patienten, Mitarbeiter und die Klinik bedeuten“, füge ich hinzu, da ich ihn unbedingt überzeugen will.

Sein kalter Blick trifft mich mitten ins Herz. „Ihre Verdeutlichung in Ehren, doch das habe ich bereits verstanden.“

„Oh, ich versuche keineswegs, Sie für dumm zu verkaufen“, sage ich schnell, während ich fühle, wie meine Wangen sich rot verfärben. „Entschuldigen Sie bitte“, füge ich hinzu. Hoffentlich habe ich mir damit nicht alles verscherzt!

Der Klinikmogul lässt mich zappeln, indem er mich von oben bis unten betrachtet. Er sagt kein Wort, schaut mich nur an. Ich winde mich unbehaglich auf dem Stuhl, während ich mich nackt fühle. Wieso habe ich nicht den Hosenanzug angezogen? Mein Rock ist durch das Sitzen hochgerutscht und zeigt bedenklich viel von meinen Oberschenkeln. Mit schweißfeuchten Händen zerre ich daran herum. Oliver Winter schweigt immer noch. Sein Blick bleibt an meinen Brüsten hängen, als wolle er sagen: „Ja, sie sind wirklich nicht besonders groß.“

Endlich lässt er von meiner Oberweite ab, schaut mir tief in die Augen. Sein hungriger, raubtierhafter Blick versetzt mich trotz des schweren Klumpens in meinem Magen in heiße Erregung. Wie von selbst öffnet sich mein Mund ein wenig, und ich fahre mir unwillkürlich über die Lippen.

„Sie sind eingestellt“, sagt er plötzlich. „Kümmern Sie sich jedoch unbedingt um diesen schrecklichen Nagellack!“

„Selbstverständlich“, hauche ich mit einer Stimme, die mir selbst fremd ist. „Vielen Dank“, setze ich verspätet hinzu.

„Der Nachmittag ist zu Ihrer freien Verfügung“, informiert er mich in barschem Tonfall. „Um Punkt neunzehn Uhr werden Sie zum Abendessen abgeholt. Ich hoffe, Sie haben etwas Passendes dabei?“

In meinem Wirrwarr der Gefühle, das aus Erregung, Dankbarkeit und Ärger über diesen impertinenten Mann besteht, schüttle ich lediglich den Kopf. Tatsächlich habe ich gedacht, nur zum Vorstellungsgespräch und der Präsentation meines Konzepts vor den Gesellschaftern tags darauf eingeladen zu sein. Der Rest der Zeit stünde sicher zu meiner freien Verfügung.

Er könne aus Zermatt nicht weg, hat Oliver Winter mich informiert, da dringende Termine seine Abreise verhinderten. Als vielversprechende Bewerberin sei ich jedoch eingeladen, zwei Nächte im Hotel zu verbringen, sofern ich die beschwerliche Anreise auf mich nähme. Natürlich habe ich zugesagt.

„Ich habe nicht erwartet, mit Ihnen zu speisen“, gelingt es mir zu sagen.

„Stehen Sie auf!“, befiehlt er mir.

Will er mich jetzt doch nicht einstellen? Unsicher folge ich seiner Aufforderung.

Winter taxiert mich erneut von oben bis unten. „Größe 36, richtig?“

Ich kann nur nicken.

„Gut, ich lasse Ihnen in den nächsten Stunden passende Kleidung zukommen. Dann bis um sieben.“ Mit einer herrischen Handbewegung bedeutet er mir, vorerst entlassen zu sein.

Wutschnaubend gehe ich in meinem Hotelzimmer auf und ab. Derart herablassend bin ich noch nie behandelt worden. Am liebsten würde ich meine Sachen packen und aus diesem Nobelschuppen verschwinden. Dadurch verspielte ich allerdings die berufliche Chance meines Lebens. Nach der gefühlt zigtausendsten Kehrtwende an der Zimmertür habe ich mich etwas beruhigt. So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen! Es wäre doch gelacht, würde ich mit einem Oliver Winter nicht fertig werden!

Es ist an der Zeit, mich endlich um meine derangierten Fingernägel zu kümmern. Gerade habe ich frischen Nagellack aufgetragen, als es an der Zimmertür klopft. Leise vor mich hin fluchend, wedle ich mit beiden Händen, während ich zur Tür gehe, um vorsichtig zu öffnen. Perplex trete ich einen Schritt zurück, denn eine mir unbekannte Frau mit langen braunen Haaren steht mit einem fahrbaren Schminktisch davor. In einer Hand trägt sie mehrere Kleiderhüllen.

„Ich bin Stylistin Sally“, sagt sie und lächelt mich an. „Herr Winter hat mich geschickt, damit ich Ihnen ein wenig zur Hand gehe.“

Unwillkürlich erinnere ich mich an seinen hungrigen Blick vorhin. Auch mein Schoß erinnert sich. Der nicht kooperative Körperteil wird schon wieder feucht. Schnell konzentriere ich mich auf die Stylistin. Mit einer einladenden Geste bitte ich sie herein.

Indem Sally mir eine Hand die Schulter legt, dirigiert sie mich zu einem Sessel und drückt mich hinein. „Machen Sie schon mal die Haare auf“, sagt sie, während sie geschäftig am Schminktisch einen Spiegel aufklappt.

Völlig überrumpelt folge ich ihrer Anweisung. Ich entferne das Haargummi, schüttle meine Locken.

Sally tritt hinter mich, reibt sich die Hände. „Na, dann wollen wir mal.“

Skeptisch mustere ich sie im Spiegel. Mir ist klar, dass ich sie nicht loswerde, da sie auf Anweisung des Klinikmoguls hier ist.

„Übertreiben Sie es bitte nicht mit dem Make-up“, versuche ich, zumindest das Schlimmste abzuwenden.

Sally versichert mir, sie werde ganz nach den Wünschen ihres Auftraggebers handeln, was ein dezentes Make-up einschließe. Also füge ich mich seufzend, denn es ist mir durchaus bewusst, dass ich auf dem Gebiet des Stylings eine absolute Niete bin.


Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf weitere Titel aus unserem Programm.


Du liest gerne und sagst geradeheraus deine Meinung zur Lektüre? Werde Rezensent/in und trag dich in unsere Rezensentendatenbank ein!

Gipfel der Lust 9783960872153

Das E-Book kaufen.

Erin Buchanan ist seit ihrer Jugend von Sprachen und menschlichen Beziehungen fasziniert. Diese Faszination lässt sie auch in ihre Geschichten einfließen. Dabei hat sie sich vor allem auf Liebesromane spezialisiert, da sie dieses Genre selbst gerne und viel liest. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhof in Köln.

Erin Buchanan im Interview zu Gipfel der Lust.

Mehr zur Secret Desires-Reihe.

Erin Buchanan über ihren neuen Erotikroman

153A6823Worum geht es in deinem Buch Gipfel der Lust?

Physiotherapeutin Emily tritt eine leitende Stelle in einer Privatklinik an. Bereits bei der ersten Begegnung ist sie fasziniert von ihrem Boss in spe Oliver, der mehr als nur ein berufliches Interesse an ihr zu haben scheint. Es ist die Geschichte über Emily, die sich ihrer neuentdeckten, devoten Ader im sexuellen Bereich stellt. Dabei hat sie nicht nur mit ihrer Sexualität zu kämpfen, sondern auch mit ihren Gefühlen zu Oliver. Die Erotik kommt dabei natürlich nicht zu kurz.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Inklusive Vor- und Nachbereitung waren es etwa zwei Monate.

Wie kamst du dazu, einen Erotikroman zu schreiben?

Ich habe mich mit einer Freundin darüber unterhalten, wie schwer es ist, gute Sexszenen zu schreiben und einen Erotikroman nicht zu seicht werden zu lassen. Da ich mich gerne neuen Herausforderungen stelle, beschloss ich, es einmal auszuprobieren. Und siehe da: Es hat funktioniert.

War ein bestimmter Mr. Grey die Inspiration für Oliver? 😉

Nein. Natürlich weiß ich aufgrund des Medienhypes, dass Mr. Grey ein Charakter aus Shades of Grey ist. Das Buch habe ich tatsächlich nie gelesen. Über die Leseprobe bin ich nicht hinausgekommen, da mir der Schreibstil von E. L. James nicht zugesagt hat. Von den Filmen habe ich nur die Trailer gesehen.

Zum BDSM gekommen bin ich durch die Heftromanreihe Shadows of Love, für die ich ebenfalls schreibe. Im Reihenkonzept las ich „(…) Sexszenen, BDSM (…)“, woraufhin ich mich an die Arbeit gemacht habe. Meine Agentin Anna Mechler fragte mich irgendwann, wieso ich ausgerechnet darauf gekommen bin. Tja, dann habe ich nochmals genau im Konzept nachgelesen und da steht „(…) Sexszenen, z. B. BDSM (…)“. Das war mal wieder so ein typischer Erin.

Wie sieht deine Herangehensweise an das BDSM-Erotik-Thema aus?

Ich habe viel im Internet recherchiert, mich in BDSM-Foren herumgetrieben, entsprechende Romane gelesen und eine Freundin ausgequetscht, die aktiv BDSM betreibt.

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Mir ist es wichtig, dass die Sexszenen anschaulich beschrieben sind und die Hauptcharaktere eine gewisse Gefühlstiefe aufweisen. Auch zu einem Erotikroman gehört eine Handlung, damit er nicht zu einem reinen Porno verkommt. Von Ausdrücken wie „Lachshöhlen“ und „Schlangengurken“ halte ich nichts. In geselliger Runde haben wir so manches Mal ähnliche Wortneuschöpfungen kreiert und uns darüber schlappgelacht. 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Bei dp Digital Publishers erscheinen noch zwei Erotikromane für die Reihe Secret Desires, die allerdings andere sexuelle Spielarten thematisieren. Danach plane ich mal wieder eine Romantasy, in der eine Polizistin und ein Krieger die Hauptrollen spielen werden.

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Als kleines Mädchen wollte ich Astronautin werden. Ich war fasziniert vom Mond und von den Sternen, weswegen ich unbedingt mal da hinaufwollte. Außerdem belächelte man mich, da zur damaligen Zeit Frauen in der Raumfahrt noch sehr selten waren. Daraufhin wollte ich es natürlich erst recht.

Der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, kam erst auf, als ich etwa 12 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die Bücher der Kinderbücherei ausgelesen und bin meinen Eltern beständig auf die Nerven gegangen, damit sie mir neuen Lesestoff kaufen.

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Wenn ich nicht gerade lese, gehe ich gern spazieren, verbringe Zeit mit meinem kleinen Sohn, werkle im Garten oder trinke Kaffee mit meinen Freundinnen. Ich fotografiere auch sehr gerne und viel. Letztens fragte mich eine Freundin: „Na, hast du Fotos gemacht?“ Gleich darauf griff sie sich an den Kopf, lachte und beantwortete sich die Frage selbst.

Wo ist dein Lieblingsplatz zum Schreiben?

Ist das Wetter schön genug, sitze ich mit meinem Laptop auf der Terrasse. Schreiben fühlt sich für mich ohnehin nicht wie Arbeit an. Draußen zu schreiben ist fast wie Urlaub.

Welches Genre liest du selbst gerne?

Ich lese gerne heitere Liebesromane, Romantasy, Urban Fantasy und Thriller. Wenn mich ein Klappentext anspricht, darf es zwischendurch gerne ein anderes Genre sein.

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Es gibt so viele großartige Autoren, dass es wirklich schwer ist, mich zu entscheiden. Wenn ich es müsste, würde ich Ursula Poznanski nehmen. Durch ihre Bücher fliege ich nur so durch. Ich liebe ihren Schreibstil, ihre Figuren, ihre Settings und ihre Plots.

Was ist das Wichtigste, was man über dich wissen sollte?

Meistens habe ich gute Laune und liebe es, diese auch zu verbreiten. Wenn man allerdings mich, meine Familie oder Freunde ungerecht behandelt, werde ich zum feuerspeienden Drachen.

Gipfel der Lust 9783960872153

Erin Buchanan ist seit ihrer Jugend von Sprachen und menschlichen Beziehungen fasziniert. Diese Faszination lässt sie auch in ihre Geschichten einfließen. Dabei hat sie sich vor allem auf Liebesromane spezialisiert, da sie dieses Genre selbst gerne und viel liest. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhof in Köln.

Hier geht’s zur Leseprobe von Gipfel der Lust.

Mein heißer Toyboy

1 Kapitel

Mittwoch

Eigentlich hätte ich von Anfang an Nein sagen sollen. Gleich bei seiner Frage, ob er mir ein Bier spendieren dürfe. Und das Rauchen habe ich doch schon vor langer Zeit aufgegeben.

Trotzdem lache ich gerade viel zu laut über seinen Witz und lege dabei meine Hand auf seinen Unterarm. „Ich mag deinen Humor.“

„Du weißt gar nicht, wie viel ich an dir mag.“

Das Lachen vergeht mir. Ich ziehe an meiner Zigarette. „Du kennst mich nicht.“

„Ich habe vor, das in den nächsten Stunden zu ändern.“ Seine Augen blitzen auf, während er seine Brauen kurz nach oben zieht.

Ein paar Sekunden lang lasse ich den Gedanken zu, dass er die Wahrheit sagt, dass er tatsächlich an mir interessiert ist. „Wie alt bist du eigentlich?“

„Spielt das eine Rolle?“, fragt er zurück.

„Für mich schon.“

„Dreiundzwanzig.“ Er sagt das so leicht dahin, doch ich zucke zusammen.

Dieser attraktive Mann ist zwanzig Jahre jünger als ich. Schon beim Hereinkommen ist er mir aufgefallen. Sein zerzaustes, etwas zu langes Haar, das ausdrucksstarke, sonnengebräunte Gesicht, die Muskeln auf seinem Oberkörper, die sich unter dem Shirt bewegen. Bei meinem Eintreten hat gerade eine kurvige Blondine erfolglos versucht, bei ihm zu landen. Und dennoch hat er sich vor ein paar Minuten neben mich auf den Barhocker geschoben. Dank guter Karten im Gen-Poker werde ich oft für jugendlicher gehalten, als ich bin. „Solltest du nicht lieber eine der anderen Frauen hier anbaggern?“

„Ich mag Frauen, die Dank ihrer Erfahrung genau wissen, was sie wollen.“

Die perfekte Antwort. Und ich will ihm glauben. Ich verliere mich im Blick in seine braunen Augen. Eine Mischung aus Karamell und dunkler Schokolade. Die hellen Flecken in seiner Iris scheinen zu funkeln. „Wie heißt du eigentlich, Romeo?“

„Louis“, antwortet er. „Nicht verwandt mit de Funès.“

„Bist du nicht zu jung, um den Komiker noch zu kennen?“ Sein auf meine Frage folgendes Lachen sendet ein Kribbeln über meine Haut. Es klingt so rau, so dunkel, so voller Versprechen.

„Du scheinst mich zu unterschätzen, Julia.“

Ich öffne den Mund, um ihn zu korrigieren. Aber muss er meinen wahren Namen überhaupt kennen? Ist dieser Moment nicht zu magisch, um ihn mit der Realität in Berührung kommen zu lassen?

Seine Augen scheinen zu leuchten, als er sich näherbeugt. „Warum bist du heute alleine hier, Julia? Weshalb hat mich nicht schon längst der Mann deines Herzens dafür verprügelt, dass ich mit dir flirte?“

„Vielleicht ist dein Charme nicht so offensichtlich, wie du glaubst.“

„Das wäre eine Schande. Lass mich anders fragen: Wieso sitzt eine wunderschöne Frau wie du an einem Wochentag abends in dieser Bar?“

Die Frage ist berechtigt. Ich weiß selbst nicht genau, warum ich auf dem Heimweg hier eingekehrt bin. Das Lokal wirkt von innen nicht einladender als von draußen. Das Licht ist schlecht. Die Barhocker sind abgenutzt. Die meisten Besucher finden vermutlich nicht mehr alleine nach Hause. In meinen schwarzen Jeans und der weißen Bluse passe ich nicht zu den anderen Gästen. Und dennoch erschien es mir eine gute Idee, hier drinnen ein Bier zu bestellen, statt heimzufahren.

„Ich wollte nicht alleine sein“, gestehe ich. „Der Gedanke an meine stille Wohnung ist schuld daran, dass ich hier gelandet bin.“

„Dann habe ich unglaubliches Glück gehabt.“ Er zwinkert mir zu. „Normalerweise trinke ich mein Feierabendbier lieber in der Bar an der Ecke, aber dort hat sich heute eine geschlossene Gesellschaft eingemietet.“

„Das Glück scheint auch auf meiner Seite zu sein“, wage ich eine kecke Antwort. Nach einem letzten Zug von meiner Zigarette dämpfe ich sie im Aschenbecher vor mir aus. „In netter Gesellschaft schmeckt dieses Bier gleich noch viel besser.“

„Darf ich dir ein Geheimnis verraten?“

Nach einem kurzen Zögern nicke ich.

Er rückt näher an mich heran, streicht mir eine Strähne meines langen Haares hinters Ohr. Als er sich vorbeugt, um mir ins Ohr zu flüstern, streift sein Atem über meine Wange. Es verursacht einen Schauer auf meiner gesamten Haut.

„Das Gefühl von Einsamkeit ist mir wohlbekannt. Eine Unterhaltung alleine vertreibt es nicht. Aber ich kenne eine Möglichkeit, wie man sich einem anderen Menschen ganz schnell nahe fühlen kann.“

Natürlich ist mir bewusst, warum er mich angesprochen hat. Ich bin nicht so naiv, von ihm keine Hintergedanken zu erwarten. Aber wenn er jetzt einen plumpen Annäherungsversuch starten oder gar eine schnelle Nummer vorschlagen sollte, wäre ich mehr als enttäuscht.

„Und worum handelt es sich?“

„Nichts stellt so einfach eine Verbindung her wie ein Kuss. Eine Berührung von Lippen. Atem, der getauscht wird. Vertrautheit, die ganz plötzlich entsteht.“ Er berührt mit dem Mundwinkel meine Wange.

Ich muss die Augen schließen. In meinem Magen entsteht eine Hitze, die die Zeit verlangsamt. Mein Mund ist mit einem Mal wie ausgetrocknet. Meine Lippen prickeln. Ich glaube, den Kuss bereits zu spüren.

Die Beschreibung von Louis löst etwas in mir aus. Lange schon habe ich derartiges Begehren, eine solche Sehnsucht nach Nähe nicht mehr empfunden. Schon vor meiner Scheidung ist Sex nicht mehr sonderlich wichtig für mich gewesen. Doch nun erinnere ich mich allzu deutlich an den Zauber, der dem Anfang innewohnt.

„Ich würde dich sehr gerne küssen“, flüstert er. Seine Lippen berühren mein Ohrläppchen.

Ein Hitzepfeil schießt durch meine Mitte. Verlangen bringt die Muskeln in meinem Becken dazu, sich zusammenzuziehen. Gott, ich habe nicht damit gerechnet, so etwas noch einmal zu fühlen. In meinem Alter wird Rationalität und Vernunft von mir erwartet. Und trotzdem will ich gerade nichts mehr, als mit diesem jungen Mann von hier zu verschwinden und richtig unvernünftige Dinge zu tun. Der Duft seines Aftershaves steigt mir in die Nase und verdreht mir zusätzlich den Kopf.

„Darf ich?“, setzt er nach.

„Du solltest nicht … Ja.“ Immer noch sind meine Augen geschlossen. Ich wage nicht, mich zu bewegen, als er die Luft scharf einsaugt. Die Aufregung lässt mein Herz beinahe explodieren.

Er legt seine Hand an meine Wange und verändert seine Sitzposition. Sein Mund ist meinem so nahe, dass ich seine Wärme spüren kann. „Die Vorfreude ist etwas ganz Besonderes. Aber ich weiß schon jetzt, dass es dieser Kuss auch sein wird.“ Und dann streift Louis‘ Unterlippe meine.

Gott, wenn er mich noch länger warten lässt, übernehme ich das Ruder!

Sanft tanzen seine Lippen über meine. Er verstärkt den Druck, bevor er sich wieder zurückzieht. Seine Zähne knabbern an meiner Oberlippe. Dann leckt er darüber, als müsse er die Stelle kühlen.

Wie erstarrt lasse ich diese Nähe zu. Ich genieße diese intime Berührung. Wenn er im Bett nur annähernd so zärtlich und vorsichtig ist, wie er küsst, bringt er seine Partnerin vermutlich um den Verstand.

Er löst sich von mir und geht auf Abstand.

Endlich öffne ich die Augen. Mit einem Mal sehe ich mein Leben in einem anderen Licht. Immer nehme ich auf die Bedürfnisse von anderen Rücksicht. Ständig stelle ich meine Wünsche hinten an. Meine Familie steht immer an erster Stelle. Sogar jetzt noch versuche ich, es meinem Exmann recht zu machen. Doch das hier … Ich will mehr davon und werde es mir holen.

Mir ist egal, was meine Familie von mir denken würde, wenn sie mich jetzt sehen könnte. Es zählt nicht, dass wir in dieser Bar Zuschauer haben. Jetzt bin ich an der Reihe.

Ich lege meine Hand in Louis‘ Nacken und ziehe seinen Kopf wieder zu mir heran. Sein Haar fühlt sich weich unter meinen Fingern an.

Unser erster Kuss ist zurückhaltend, sanft gewesen. Jetzt lehne ich meinen Oberkörper an ihn. Ich presse meinen Mund auf seinen, gleite mit meiner Zunge über den Spalt zwischen seinen Lippen, erobere seine Mundhöhle. Da ist ein Feuer in mir, das mein altes Ich auslöscht und das mich zu einem anderen Menschen macht.

Louis erwidert meinen Kuss leidenschaftlich. Der Zufall hat uns zusammengeführt. Doch nun verbindet uns das Verlangen.

Keuchend löse ich mich von ihm, weil es nicht reicht. Ein Typ zwei Hocker entfernt von uns grölt. An einem Tisch in der Nähe lacht jemand. Ich verschwende keinen weiteren Gedanken an sie.

„Wohnst du in der Nähe?“, erkundige ich mich atemlos.

„Ich … Vielleicht zehn Minuten Autofahrt. Willst du …?“ Die hellen Flecken in seinen Augen schmelzen. Zurück bleibt dunkle Schokolade.

„Du hast doch keine Freundin, Louis?“

Er schüttelt den Kopf. „Glaubst du, dann hätte ich dich angemacht?“, fragt er fast beleidigt.

„Warum sollte ich dich für den treuen Typ halten? Wir kennen uns nicht. Noch nicht. Lass uns gehen.“ Ich stehe auf und schnappe mir meine Tasche. Mit der freien Hand greife ich nach seinen Fingern und ziehe ihn zum Eingang.

Draußen bleibe ich stehen. „Wo ist dein Auto?“

Er deutet in die Richtung, bewegt sich aber nicht von der Stelle. „Nur damit das klar ist: Auch wenn mein Auftreten da drinnen sehr direkt war, bin ich ein netter, ehrlicher Kerl. Ich habe dich nicht angesprochen, weil ich gehofft habe, es könnte sich so etwas ergeben. Ich fand dich sofort sympathisch und …“

„Ja, klar“, unterbreche ich ihn. „Du hast mich doch schon rumgekriegt. Lass uns ein wenig Spaß haben.“

Nach einem Nicken bringt er mich zu seinem Wagen und öffnet mir die Beifahrertür. Was für ein Gentleman. Als er sich auf den Fahrersitz geschoben hat, umfasse ich noch einmal sein Gesicht mit beiden Händen und küsse ihn. Er legt eine Hand an meinen Hinterkopf und vertieft den Kuss.

Irgendwie finde ich ihn total süß. Er scheint genau zu wissen, was er will und wie er es bekommt. Gleichzeitig wirkt er wie ein normaler, bodenständiger Kerl. Ein Mann, wie man ihn sich vermutlich als Schwiegersohn wünscht. Aber heute Nacht gehört er mir.

Er löst sich von mir und startet den Wagen. Während er zu seiner Wohnung fährt, versuche ich meinen Herzschlag zu beruhigen. Ich bin nervöser als bei meinem ersten Date mit Peter. Mein Ex und ich haben es damals langsam angehen lassen. Unsere Beziehung hat sich gemächlich entwickelt. Doch Louis will etwas anderes von mir. Ich sitze neben ihm in diesem Auto, weil wir Sex haben werden. Meine Erfahrungen sind beschränkt. Ob ich wirklich in der Lage bin, mich in dieses Abenteuer zu stürzen? Nein, solche Zweifel werde ich nicht zulassen!

In meiner Ehe bin ich zurückhaltend, beinahe bieder gewesen. Nun werde ich in eine andere Rolle schlüpfen. Ich habe vor, diesen Abend, diesen Urlaub von meinem Leben zu genießen. Für ein paar Stunden werde ich fordernd, sündig und leidenschaftlich sein. Danach wartet ohnehin mein alter Trott auf mich.

„Wie weit ist es noch?“, erkundige ich mich und schicke meine Hand auf Wanderschaft. Louis‘ Oberschenkel fühlt sich muskulös an. Ich fahre mit den Fingernägeln darüber und spüre, wie er erzittert.

„Nicht mehr lange.“

Aber das ist mir nicht schnell genug. Ich schiebe meine Hand höher in seinen Schritt. Als ich die Ausbeulung in seiner Hose mit leichtem Druck massiere, stöhnt er laut. Seine Härte fühlt sich verboten gut an. Ungeduldig nestle ich am Reißverschluss und versuche sie zu befreien.

„Wenn du so weitermachst, schaffe ich es nicht bis zu mir nach Hause“, keucht er. „Ich kann mich nicht konzentrieren.“

„Sieh es als Übung für deine Ausdauer.“ Endlich gelingt es mir, eine Hand in seine Shorts zu schieben. Sein Schaft liegt seidig schwer in meiner Hand und zuckt freudig, als ich ihn umfasse.

Neuerlich stöhnt Louis. „Schlimmes Mädchen.“

Oh ja. Heute Nacht beabsichtige ich, ein richtig böses Mädchen zu sein. Eine Sekunde überlege ich, ihn mit meinen Lippen zu kosten, lasse dann aber davon ab. Ich will ihm nicht zu sehr einheizen, sonst endet unser Ausflug noch im Straßengraben.

Mit quietschenden Reifen bleibt er stehen, parkt den Wagen ziemlich schief in einer Parklücke und springt dann aus dem Auto.

Ich steige ebenfalls aus. Louis schließt seine Hose und den Wagen ab, bevor er nach meiner Hand greift. Ich folge ihm zum Eingang eines Hochhauses. Auf dem Herweg habe ich auf die Umgebung gar nicht geachtet. Keine Ahnung wo genau in Wien wir uns befinden und wie ich wieder zu meinem Auto gelange. Um dieses Problem werde ich mich später kümmern.

Jetzt betreten wir ein älteres Gebäude. Louis ruft den Lift. Sobald sich die Kabinentüren hinter uns schließen, drängt er mich gegen die Wand und küsst mich.

Keine Spur mehr von Zurückhaltung. Stattdessen gleitet er mit seinen Lippen ruhelos über meine. Seine Zunge neckt mich hungrig nach mehr. Er presst seinen Oberkörper an mich. Sein Knie zwängt sich zwischen meine Beine. Als er dabei über meine Mitte reibt, stöhne ich auf. Ich schlinge ihm die Arme um den Hals und will ihm noch näher sein.

Er streicht über meine Seite, knetet meinen Po, was mich seufzen lässt. Der Knoten in meinem Magen erwärmt sich immer mehr, schickt Hitze durch meinen ganzen Körper. Wie ausgehungert nach physischer Nähe ich bin. Ich würde mich von ihm auch hier in diesem Lift nehmen lassen.

Bevor wir in eine verfängliche Situation geraten können, öffnen sich die Lifttüren. Louis lässt mich abrupt los und macht einen Schritt von mir weg.

„Guten Abend, Louis“, grüßt eine junge Frau grinsend und steigt ein.

Louis greift wieder nach meiner Hand und zieht mich aus der Kabine. „Schönen Abend, Jana.“ Dann trägt der Lift Louis‘ Bekannte nach unten.

Mein Gesicht wird heiß. „Eine Nachbarin?“

Er nickt. „Du musst dir keine Gedanken wegen ihr machen. Die Wände sind dick, und sie kommt ohnehin erst spät wieder zurück.“

„Aha.“ So viele Informationen wären gar nicht notwendig gewesen.

Wir gehen ein Stück den Gang runter. Dann sperrt Louis seine Wohnungstür auf. Ich schmiege mich währenddessen an seinen Rücken. Aus irgendeinem Grund gelingt es mir nicht, meine Finger von ihm zu lassen.

Als wir seine Wohnung betreten, sehe ich mich kurz um. Im Vorraum gibt es nicht viel zu entdecken. Eine Garderobe, ein Schuhregal, eine schmale Kommode. Die Wände weiß gestrichen. Der Boden heller Laminat. Mehr darf man in einer Junggesellenbude auch nicht erwarten. Nachdem ich aus meinen Schuhen geschlüpft bin, stelle ich meine Tasche daneben ab.

„Willst du etwas trinken?“, fragt Louis.

Ich schüttle den Kopf und lasse mich auf meine Knie nieder. Der Reißverschluss seiner Jeans lässt sich nicht leicht nach unten ziehen. Anscheinend hat er vorhin ein Stück Stoff seines Shirts eingeklemmt. Während ich mich mit dem Verschluss abmühe, streife ich immer wieder über seine Härte.

Louis stöhnt. „Sag mir, wie du heißt“, bittet er mit rauer Stimme.

„Wozu?“

„Ich will deinen Namen seufzen können.“

Diese Worte bringen mein Herz zum Explodieren. Das ist so … heiß. „Monika“, flüstere ich und wünsche mir einen exotischeren, aufregenderen Namen.

„Monika“, wiederholt er. Und mit einem Mal klingt das Wort unglaublich erotisch.

Endlich gibt der Reißverschluss seiner Jeans nach. Ich ziehe sie mitsamt seiner Boxershorts nach unten und schiebe sein Shirt nach oben. Nach einem Kuss auf seinen Bauch lasse ich meinen Mund weiter nach unten wandern. Bewusst quäle ich ihn ein wenig, indem ich ihn nur meinen warmen Atem spüren lasse, bevor ich meine Lippen um seine Männlichkeit schließe.

Er schmeckt unglaublich gut. Ich errege ihn, bis er zu zittern beginnt. Mit einer Hand umfasse ich seinen Schaft, um sein Vergnügen noch zu erhöhen. Die freie kralle ich in seinen Po, damit ich das Gleichgewicht nicht verliere.

In meinem Mund wächst er weiter an. Ich kann es kaum erwarten, ihn woanders zu spüren. Meine Bemühungen werden energischer, als ich mir vorstelle, wie es sich anfühlen wird, wenn er …

„Nicht so“, keucht er. Schwer atmend stoppt er mich und zieht mich vom Boden hoch.

Nach einem zittrigen Kuss macht er einen Schritt vorwärts. Seine Jeans, die ihm bis zu den Knöcheln runtergerutscht ist, scheint im Weg. Er steigt aus der Hose und führt mich zu einer der Türen im Gang. Dahinter liegt ein kleines Schlafzimmer. Ein bequem wirkendes Bett und ein Kasten nehmen den meisten Platz in dem Raum ein. Die Helligkeit, mit der die mehrflammige Leuchte jeden Winkel des Zimmers ausstrahlt, behagt mir nicht.

„Können wir das Licht nicht auslassen?“, bitte ich.

„Ich will dich doch anschauen.“ Während Louis meinen Hals küsst, öffnet er den ersten Knopf meiner Bluse.

Er muss nicht alles von mir sehen. Anscheinend ist ihm immer noch nicht klar, wie alt ich bin. Bestimmt fühlt sich meine Haut ohnehin nicht mehr jugendlich straff an. „Vielleicht hast du eine Lampe, die nicht so grell ist“, schlage ich vor.

Als er über die Stelle unter meinem Ohrläppchen leckt, die so empfindlich ist, stöhne ich laut. Noch ein Knopf springt auf. Der BH, für den ich mich heute Morgen entschieden habe, zählt nicht zu meiner verführerischsten Unterwäsche. Aber wie hätte ich ahnen können, dass sie außer mir noch jemand zu Gesicht bekommen würde?

„Louis, bitte“, murmle ich, als seine Finger am nächsten Knopf nesteln.

Er holt tief Luft. Dann läuft er zum Bett und knipst das kleine Nachtlicht an. Sobald die helle Deckenleuchte ausgeschaltet ist, fühle ich mich wohler. Um mich zu bedanken, gehe ich zu ihm und reibe mich an ihm. Mit meinen Händen streife ich über seine Oberschenkel und umfasse seine Härte.

„Ich kann mich nicht mehr gedulden“, gesteht er. „Wenn ich noch eine Sekunde länger warten muss, verliere ich den Verstand.“ Er beißt in meine Schulter und öffnet meine Bluse zur Gänze …


Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf weitere Titel aus unserem Programm.


Du liest gerne und sagst geradeheraus deine Meinung zur Lektüre? Werde Rezensent/in und trag dich in unsere Rezensentendatenbank ein!

9783960872214

Das E-Book kaufen.

Bettina Kiraly wuchs im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern. Fasziniert von den dunklen Flecken auf der menschlichen Seele beschäftigen sich die Texte von Bettina Kiraly mit der Frage: Warum handeln Menschen, wie sie es tun? Die Autorin schreibt Romane über starke, außergewöhnliche Charaktere, die um ihr Stück vom Glück kämpfen.

Bettina Kiraly im Interview zu Mein heißer Toyboy.

Mehr zur Secret Desires-Reihe.

Bettina Kiraly über ihren neuen Erotikroman

SONY DSC

Worum geht es in deinem Buch Mein heißer Toyboy?

Die 44 jährige Monika lernt in einer Bar einen attraktiven, jungen Mann kennen. Sein Interesse schmeichelt ihr, ist ihre Ehe doch wegen der Affären ihres Mannes mit jüngeren Frauen in die Brüche gegangen. Die leidenschaftliche Begegnung mit Louis lässt Monika erkennen, dass sie ganz vergessen hat, sich über ihre eigenen Bedürfnisse klar zu werden. Obwohl nur eine gemeinsame Nacht mit Louis geplant war, laufen sie sich völlig unerwartet wieder über den Weg. Und das bringt Monikas Gefühlswelt ganz schön durcheinander.

 

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Die Geschichte habe ich während einer Schreibblockade begonnen. Ich war zwischendurch nicht sehr produktiv. Doch Monika und Louis sind so spannende Charaktere, dass sie mich aus dem Schreibtief geholt haben. Danach war das Buch innerhalb von drei Wochen fertig.

 

Wie kamst du dazu, einen Erotikroman zu schreiben?

Mein heißer Toyboy ist nicht mein erster Erotikroman. Mit der Adolescentia Aeterna-Reihe habe ich vor einiger Zeit eine Erotikromanreihe unter einem Pseudonym veröffentlicht. Leidenschaftliche Szenen gibt es allerdings in fast allen meinen Büchern. Gute Sexszenen zu schreiben ist eine große Herausforderung, macht aber unglaublich viel Spaß.

 

In wieweit hat sich die Arbeit an einem Erotikroman von der Arbeit an Ich träumte von deiner Liebe unterschieden?

Sowohl in Mein heißer Toyboy als auch in Ich träumte von deiner Liebe lernen sich zwei Menschen kennen und versuchen herauszufinden, was sie verbindet. Ich mag besondere Helden und außergewöhnliche Beziehungskonstellationen. Insofern war die Arbeit an beiden Geschichten nicht allzuviel anders. Aber natürlich müssen in einem Erotikroman nach Möglichkeit zwischen den Protagonisten gleich von Anfang an die Funken sprühen.

 

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Für mich muss auch in Erotikromanen eine spannende Geschichte erzählt werden. Natürlich steht die Leidenschaft im Vordergrund, aber die Charaktere dürfen nicht sinnbefreit von Bett zu Bett hüpfen. Und die Sexszenen müssen geschmackvoll sein. Ich mag detaillierte, ausführliche Beschreibungen. Dennoch achte ich auf eine niveauvolle, sinnliche Sprache.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Derzeit schreibe ich an einer Reihe mit risikoliebenden, sexy Helden und besonderen, starken Heldinnen. Ich freue mich schon darauf, dieses Projekt gemeinsam mit dp Digital Publishers in die Tat umzusetzen. Zwei weitere Veröffentlichungen sind für dieses Jahr fix geplant. Und ich habe noch so unendlich viele Ideen. Ich muss sie „nur“ noch schreiben 😉

 

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Eigentlich war ich das Schreiben betreffend eine Spätstarterin. Ich habe mir schon immer zu gelesenen Büchern Fortsetzungen oder Abwandlungen ausgedacht. Ideen zu Romanen habe ich als Teenager sogar notiert. Aber den ersten Roman fertiggestellt habe ich erst mit ungefähr 24. Danach konnte ich nicht mehr mit dem Schreiben aufhören. Diesen Herbst feiere ich mein zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum mit über zwanzig erschienenen Büchern.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Das Autorendasein besteht nicht nur aus Schreiben. Da gibt es noch Sachen wie Überarbeiten, Social Media, Korrespondenz … Damit beschäftige ich mich am Vormittag. Die zweite Hälfte des Tages gehört meinen Kindern. Da wird gelernt, gespielt, gebastelt. Zum Lesen komme ich viel zu selten. Für Hobbys bleibt mir eigentlich gar keine Zeit.

 

Wo ist dein Lieblingsplatz zum Schreiben?

Ich habe mir letztes Jahr zum Geburtstag einen Schreibtisch gewünscht. Einen fixen Schreibplatz zu haben, hilft mir, mich zu konzentrieren. Davor habe ich hauptsächlich auf der Couch geschrieben. Aber im Sommer sitze ich auch hin und wieder in unserem Garten im Pavillon.

 

Hörst du eine bestimmte Musik, die dich in Schreib-Stimmung versetzt?

Ich habe im Hintergrund immer Musik laufen. Zu manchen Büchern gibt es einen Soundtrack, damit ich mich in die richtige Stimmung versetzen kann. Manchmal passt das Musikgenre nicht zum Buchgenre. Im Augenblick höre ich viel Countrymusik. Aber ich mag auch Jazz oder besondere Stimmen und Melodien.

 

Welches Genre liest du selbst gerne?

Ich lese hauptsächlich Liebesromane mit einem Spannungsanteil, die gerne humorvoll sein dürfen. Ich mag historische Liebesromane und Abenteuergeschichten.

 

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Es gibt so viele tolle Bücher, die mir aus unterschiedlichen Gründen viel bedeuten. Es erscheint mir unmöglich, eines davon besonders hervorzuheben. Aber ich möchte allen Lesern gerne meine Autorenschwestern von der Romance Alliance ans Herz legen. Wir haben viele unterschiedliche Liebesromane veröffentlicht. Uns verbindet die Liebe zu guten Liebesgeschichten.

9783960872214

Geboren 1979 als Bettina Slaby wuchs Bettina Kiraly im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern. Fasziniert von den dunklen Flecken auf der menschlichen Seele beschäftigen sich die Texte von Bettina Kiraly mit der Frage: Warum handeln Menschen, wie sie es tun? Die Autorin schreibt Romane über starke, außergewöhnliche Charaktere, die um ihr Stück vom Glück kämpfen.

Hier geht’s zur Leseprobe von Mein heißer Toyboy.